Thutmosis III.| Kurzbiografie

Titelbild Mmen-cheper-Ra Djehuti-mes mit den ägyptischen Namen des Pharaos in Hieroglyphen

Pharao der 18. Dynastie

Men-cheper-Ra
Djehuti-mesis-nefer-cheper

Thutmosis III.

König von Ober- und Unterägypten

Men-cheper-Ra1 Djehuti-mesis-nefer-cheper, der heute in der Literatur kurz Thutmosis III. genannt wird, wurde um 1486 v. Chr. als Sohn des Pharaos Thutmosis II. (Aa-cheper-en-Ra Djehuti-mes) von einer königlichen Nebenfrau namens Isis geboren.

Sein ursprünglicher Eigenname lautete Djehuti-mes. 1479 v. Chr. bestieg er nach dem Tod seines Vaters den Thron. Im zweiten Regierungsabschnitt, nach dem vermutlichen Tod der Maat-ka-Ra Hatschepsut, erweiterte er seinen Eigennamen um den Zusatz »nefer-cheper«, »von gütigem Wesen«, was sich nicht zuletzt in seiner Außenpolitik und in seiner Haltung gegenüber der Priesterschaft ausdrückte. Thutmosis III. starb nach einer fast 54-jährigen Regierungszeit am 4. März 1425 v. Chr.

1 Bei anderen Autoren ist der Thronname oft als Men-cheper-Re zu lesen. Die Wiedergabe der Vokale ist schwierig und nicht gesichert. So wird das Wort »R‘«, das den Sonnengott meint, oft als »Re«, manchmal als »Ra« geschrieben. Wir verwenden in unseren Texten vereinheitlicht und überwiegend die Schreibweise »Ra«.

Die Namenskartuschen

Wir zeigen hier Namenskartuschen, wie sie in der Tempelanlage von Deir el-Bahari zu finden sind und wie sie Thutmosis ab dem 21. Regierungsjahr, nach dem Tod der Maat-ka-Ra, verwendete.

Namenskartuschen des Men-cheper-Ra, Djehuti-mesis-nefer-cheper | Thutmosis III.

Links: Thronname
König von Ober- und Unterägypten,
Men-cheper-Ra
»Beständig ist das Wesen des Ra«

Rechts: Eigenname
Sohn des Ra,
Djehuti-mesis-nefer-cheper
auch zu lesen als: Thot-mosis-nefer-cheper,
»Sohn des Djehuti [= Gott Thot], von gütigem Wesen«

Die weiteren Namen des Thutmosis III. finden Sie in diesem Artikel weiter unten.

Die Beziehung zu Hatschepsut

Als sein Vater starb, war Thutmosis III. noch ein Kind. Die Regierungsgeschäfte des jungen Pharaos wurden daher maßgeblich von der Hauptgemahlin seines Vaters, von seiner Tante Hatschepsut, übernommen.

Hatschepsut identifizierte sich mehr und mehr mit der Verantwortung des Pharonenamtes und es gelang ihr, Thutmosis III. in dieser Funktion zu verdrängen. Womöglich geschah das sogar auf Wunsch wichtiger Hofbeamter und Priester, zumindest hatte sie deren Fürsprache und Unterstützung. Es scheint so, dass diese Frau einerseits das nötige Durchsetzungsvermögen und die nötigen Führungseigenschaften besaß, anderseits auch eine ausgesprochen charismatische Person gewesen sein muss. Sie konnte ihre Zuhörer bei jedem Auftritt und in jeder Rede faszinieren. Irgendwann in der Zeit zwischen dem zweiten und dem siebten Regierungsjahr von Thutmosis III. wurde Hatschepsut offiziell zum Pharao gekrönt und trug ab nun den Thronnamen Maat-ka-Ra.

Die Beziehung zwischen Thutmosis III. und seiner Stiefmutter Hatschepsut ist unklar und umstritten. Sie war jedoch höchst wahrscheinlich nicht die verhasste Stiefmutter, die viele in ihr sehen wollen. Thutmosis erkannte und nutzte die Vorteile durchaus, nicht als Pharao permanent präsent sein zu müssen. Er wandte sich neben der Vorbereitung auf den Thron als Alleinherrscher ausführlich den Themen zu, die ihn besonders interessierten und ihn nun voll und ganz beschäftigten.

Fest steht, dass Hatschepsut ihren Neffen und den wahren Thronfolger Thutmosis III. vorzüglich hatte ausbilden lassen und das auch nach ihrer Krönung fortsetzte. Für Hatschepsut, die bei einem zerrütteten Verhältnis in ihm eine permanente Gefahr für ihre Herrschaft hätte sehen müssen, gab es keinen Anlass, an seiner Loyalität zu zweifeln. Dies zeugt eher von einer sehr engen, fast mütterlichen Beziehung zwischen den beiden. Für Thutmosis war dies letztendlich eine wertvolle Zeit, die ihm sehr viel später, während seiner Alleinherrschaft im sog. 2. Regierungsabschnitt, maßgeblich zugute gekommen war.

Zwei Herrscher – zwei Meinungen

Während Maat-ka-Ra die offiziellen Anlässe des Pharaos vertrat, kümmerte sich Thutmosis schließlich als Heerführer Ägyptens um Waffentechnik, Festungsanlagen, den Ausbau des Militärs und die Sicherung der Grenzen. Politisch lagen die beiden weit auseinander.

Hintergründig

Die Stärke der Maat-ka-Ra: innenpolitisches Geschick

Maat-ka-Ra vertrat eine eher konservative Politik, die sich fast gänzlich auf innenpolitische Aspekte konzentrierte. Ihre Waffen waren Reden, Rituale, Vermittlung, Diplomatie und Beschwichtigung. Sie verstand es, ihre Zuhörer zu beeindrucken und durch ihr Auftreten zu überzeugen.

Maat-ka-Ra wollte Ruhe im Land und schuf für die Bevölkerung entlang des Nils friedliche und glückliche Zeiten. Sie konzentrierte sich auf den Amun-Kult und stellte religiöse Rituale in den Mittelpunkt ihres Handelns. Frieden, Glück und Wohlstand sah sie insbesondere durch Amun-Ra, durch dessen Götterfamilie und durch das jährliche Nil-Hochwasser bestimmt.

Dabei ignorierte sie die Gefahren, die von den Nachbarländern ausgingen. Vor allem aus Vorderasien blickte man neidisch nach Ägypten. Doch womöglich vertraute sie auch hier auf ihr politisches Verhandlungsgeschick, sollten sich Konflikte anbahnen. Damit gelang es ihr stets souverän Zwistigkeiten zwischen den Städten und den Landesteilen Ägyptens beizulegen.

Das Interesse des Thutmosis: Außenpolitik

Thutmosis, der auch geschichtlich gut gebildet war und die Schwächen seiner Vorgänger genau studierte, erkannte die außenpolitischen Zusammenhänge, in die Ägypten eingebunden war.

Einerseits provozierte der Reichtum Ägyptens schon immer den Neid der Nachbarn, anderseits war Ägypten auf Zuwanderer, Fremdarbeiter und auf den Handel mit anderen Ländern angewiesen. Er sah die Waren und Güter, die dort hergestellt wurden, er sah den Fortschritt, der sich in Wissenschaft und Technik dort auftat und wie er sich insbesondere in der überlegenen Ausstattung der fremden Armeen zeigte. Er stellte die verhaltene Außenpolitik der Maat-ka-Ra in Frage, konnte sich aber zu ihren Lebzeiten mit seinen Ideen und Vorstellungen gegen Maat-ka-Ra, den Pharao, nicht mit der nötigen Konsequenz durchsetzen.

Der Feldherr Thutmosis

Fast unmittelbar nach dem Tod der Maat-ka-Ra, nachdem Thutmosis III. nun alleiniger Herrscher über Ober- und Unterägypten geworden war, organisierte er einen Feldzug gegen eine Allianz syrischer Fürsten, die sich unter der Führung des Königs von Kadesch bei Meggido versammelt hatten.

Exkurs | Der Schlüssel zum Verständnis der Außenpolitik von Thutmosis III.:

Die Schlacht bei Meggido

Bei der Schlacht um Meggido gelang Thutmosis durch eine ungewöhnliche Taktik ein Überraschungsangriff auf das Lager des Königs von Kadesch, der seine Truppen weit vom Lager entfernt an anderen, taktisch mutmaßlichen Orten für einen Angriff der Ägypter postiert hatte.

Die Kriegstagebücher des Thutmosis sind in einer Tempelwand in Karnak eingraviert und beschreiben ausführlich die Geschehnisse.

Der Angriff erfolgte bei Sonnenaufgang und kam für die Syrer völlig überraschend. Doch der König von Kadesch konnte sich mit seinem kleinem Heer in die nahegelegene Festungsstadt Meggido retten, weil zum großen Bedauern des Thutmosis die ägyptischen Truppen den Fliehenden nicht nachsetzten, sondern das Lager des Königs von Kadesch plünderten.

Die Syrer verschanzten sich in der Stadt, die dank tiefer, wasserreicher Brunnen und gut gefüllter Speicher lange Widerstand leisten konnte. Erst nach sieben Monaten unnachgiebiger Belagerung gelang es Thutmosis schließlich, Meggido einzunehmen.

In den nun folgenden Ereignissen legte Thutmosis III. entgegen aller Traditionen im Kriegshandwerk die Grundlage für die Außenpolitik Ägyptens für viele Jahre: Er tötete seine Feinde nicht, sondern ließ sie weiterhin in Amt und Würden. Doch er zwang sie zu Tributen und jährlichen Steuern.

Die Kinder der Herrscher führte er als Faustpfand nach Ägypten, wo insbesondere die Söhne bestens in allen Belangen der Staatsführung ausgebildet wurden. Ganz nebenbei wurden sie zu treuen Untertanen des Pharaos. Starb ein König der Vasallenländer, folgte ihm sein von den Ägyptern geschulter Sohn auf dem Thron, der sich fortan als zuverlässiger Steuerzahler, fairer Handelspartner und treuer Verbündeter erwies.

Es entstanden großflächige Pufferzonen, die Ägypten in seinen eigentlichen Grenzen vor Überfallen und Invasionen schützten. Und es flossen reichlich Waren, Güter, Steuernahmen und billige Arbeitskräfte nach Ägypten. Thutmosis Strategie in der Außenpolitik zeigte schnell immense Erfolge.

 

Karte: Die Lage der Ruinen des antiken Meggido auf einem Hügel nahe der heutigen Stadt Meggido in Israel. Zur Zeit des Thutmosis III. war die Gegend, die später bei der Landnahme durch die Hebräer dem Stamm Manasse zugeteilt wurde und ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. zu Galiläa gehörte, noch nicht von Israeliten bevölkert.
Die archäologische Bedeutung der Ruinen von Meggido ist groß. Seit Juli 2005 ist Tell Meggido gemeinsam mit anderen Ausgrabungsstätten in Israel UNESCO-Weltkulturerbe.

Prinzipien der Staatsführung

Thutmosis III. führte jährlich Truppen in das benachbarte Ausland, vor allem in das südliche Nubien und nach Kleinasien, dort bis an den Euphrat. 17 solcher Feldzüge sind bekannt, von denen allerdings nur zwei oder drei in Schlachten endeten und Feldzüge im eigentlichen Sinne waren. Die übrigen Expeditionen sind wohl eher als außenpolitische Inspektionsreisen zu verstehen mit den Zielen, die Präsenz des Pharaos zu demonstrieren, sowie Steuern einzutreiben und Handelsabkommen zu vereinbaren.

Das große Heer, das ihn begleitete, unterstrich seine Bereitschaft, die Ordnung auch mit Gewalt herzustellen, wenn nötig, und jede Form von Widerstand im Keim zu ersticken. Dennoch setzte er lieber auf Verhandlungen und auf einvernehmliche Abkommen, ohne Gewalt anwenden zu müssen. Prinzipien, die er wohl seiner Stiefmutter Hatschepsut zu verdanken hatte. Sein Beiname »nefer-cheper«, »von gütigem Wesen«, kam sicher nicht von ungefähr.

Die geschichtliche Bedeutung von Thutmosis III.

Thutmosis III. ging als der größte Feldherr unter den ägyptischen Pharaonen in die Geschichte ein. Er machte sich als Stratege und Organisator großer Feldzüge einen Namen, der bei Militärstrategen bis in unsere Zeit hinein wirkte.

Doch viel bedeutungsvoller war wohl seine neue, bis dahin ungewöhnliche außenpolitisches Strategie. Er setzte darauf, die Grenzen Ägyptens zu sichern, in dem er in die Nachbarländer politisch hinein regierte und sie kontrollierte. In Ansätzen verbarg sich dahinter die Idee, Staatenbünde zu schaffen über Handelsabkommen und Bündnisse. Doch die Zeit war noch nicht reif für partnerschaftliche Bündnisse und Friedensverträge. Das sollte erst viele Jahre später Ramses II. gelingen.

Statue Thutmosis III. | Kunsthistorisches Museum Wien | Foto: Hay Kranen, Public Domain | Published at: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thutmosis_III_wien_front.jpg

Statue von Thutmosis III.,
Kunsthistorisches Museum Wien
Foto: ©Hay Kranen | Public Domain
Source: Wikimedia, File:Thutmosis_III_wien_front.jpg

Regierungszeit 1479- 1425 v. Chr.

Andere Datierungen sind möglich.

Bild 1

Das Foto zeigt den oberen Teil einer Statue des Thutmosis III. Der untere Teil ist offensichtlich verloren gegangen.

Heute steht diese Statue im Kunsthistorischen Museum in Wien. Sie wurde 1821 in Ägypten von Ernst August Burghart angekauft und gehört zu den Objekten, mit denen die habsburgische Sammlung ägyptischer Altertümer begründet wurde. Ihr wahrer Platz ist Ägypten. Ihr Sinn und ihre Bedeutung lassen sich nur im Kontext der Ereignisse der damaligen Zeit und an ihren angestammten Ort erfassen.

Thutmosis III. schuf das ägyptische Reich mit der größten Ausdehnung aller Zeiten. Als er starb, hinterließ er seinem Nachfolger politisch und militärisch ein schweres Erbe. Der ägyptischen Bevölkerung und der ägyptischen Priesterschaft hinterließ er unermesslichen Reichtum und Frieden, der nun auch nach außen abgesichert war. In Ägypten selbst mussten geradezu paradiesische Zustände geherrscht haben. Sein Lebenswerk ergänzte die innenpolitischen Anstrengungen der Maat-ka-Ra und wäre ohne ihr politisches Wirken nicht möglich gewesen. Wir sind sicher, dass er sich dessen trotz aller politischer Diskrepanzen stets bewusst war.

Die Zerstörungen der Maat-ka-Ra-Bildnisse

Dennoch gab es Anlass für Thutmosis III., Obelisken und Statuen der Maat-ka-Ra einzumauern oder zu zerstören, sowie ihre Bildnisse und Namenskartuschen von Tempelwänden meißeln zu lassen. War es tatsächlich blinder Hass auf seine Stiefmutter, der in ihm seit Jahren brodelte, und ihn nun dazu trieb, wie manche Autoren annehmen?

Exkurs | Zerstörungen der Bilder und Inschriften der Maat-ka-Ra

Beispiel 1: Wer opfert in der Anubis-Halle?

Men-cheper-Ra Djehuti-mes, Thutmosis III., opfert den falköpfigen Totengott Sokar Wein. Untere Anubis-Halle, Deir el-Bahari | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Bild 2
Deir el-Bahari, Tempel der Hatschepsut, Untere Anubis-Halle

Die rechte Seitenwand der unteren Anubis-Halle zeigt diese Szene:

Thutmosis III. opfert dem falkenköpfigen Totengott Sokar Wein. Links oben in der zweiten Spalte zeigen die ersten drei Zeichen den Namen des Gottes Sokar.

Oberhalb der Figur des Pharao befinden sich die beiden Kartuschen mit dem Thronnamen Men-cheper-Ra und dem Eigennamen Djehuti-mesis-nefer-cheper.

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Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Die Szene wurde ziemlich sicher auf Anordnung von Thutmosis III. überarbeitet. Der verwendete Eigenname weist darauf hin, dass sie erst nach dem Tod der Maat-ka-Ra, frühestens im 21. Regierungsjahr des Thutmosis so angelegt wurde. Ursprünglich war hier Maat-ka-Ra Hatschepsut zu sehen, womöglich in der selben männlichen Gestalt abgebildet. Über ihr zeigten die beiden Kartuschen ihren Thronnamen und ihren Eigennamen. Die Überarbeitung wurde perfekt ausgeführt.

Wir vermuten, dass auch Sokar hier erst nachträglich eingefügt wurde, aus politischen Absichten heraus, denn diese Halle war dem schakalköpfigen Totengott Anubis geweiht. Genauer: Sie war zusammen mit den weiteren Räumen im hinteren Teil der Anlage ein vollständiger Anubis-Tempel, Sitz des Anubis selbst, dessen Gegenwart konkret durch den Imiut-Fetisch symbolisiert wurde, einem Stab mit Schakalsbalg, der im Heiligtum dieses Tempels aufbewahrt wurde.

Die Wandszenen beweisen, dass Maat-ka-Ra regelmäßig den Tempel besuchte und rituelle Handlungen vornahm. Dabei opferte sie reichlich und die Opfergaben wurden im Magazin dieses Tempels aufbewahrt. Hier passt Sokar ganz einfach nicht ins Bild, es sei denn, er tritt nun als Rechtfertigung dafür auf, warum sich der Kult an diesem Ort verändert hat.

Thutmosis III. entfernte in der Vorhalle alle Hinweise auf Maat-ka-Ra Hatschepsut. Die vordere Wand der Halle bestand aus offenen Säulen und war gut einsehbar. Im hinteren Bereich, der schon damals Besuchern verschlossen blieb und nur von den Priestern und dem Pharao selbst betreten werden durfte, finden sich noch heute Namen und Bildnisse der Maat-ka-Ra Hatschepsut. Hier sah Thutmosis III. wohl keinerlei Notwendigkeit, Korrekturen vorzunehmen.

Die massiven Zerstörungen durch Thutmosis in der Vorhalle, die Tatsache, dass er er sich nicht vor Anubis abbilden ließ, und seine propagandistisch dargestellte Opferszene vor Sokar lassen den Schluss zu, dass Thutmosis den Anubis-Tempel schließen ließ. Er wendete sich in dieser Szene plakativ an Sokar und begründet somit öffentlich, warum der Anubis-Tempel seine Bedeutung verloren hat, die er einst unter Maat-ka-Ra genoss.

Die Frage nach der Motivation

Die Zerstörungen der Maat-ka-Ra-Inschriften sind kaum auf Hass zurückzuführen. Wenn dieses Motiv auch naheliegen mag, kommt es uns doch so vor, als sei es zu sehr und zu einfach dem Klischee der bösen Stiefmutter entlehnt. Die überlieferten Geschichten deuten nicht darauf hin, dass Thutmosis hasserfüllt, jähzornig oder überzogen narzisstisch veranlagt gewesen wäre.

Bereits bei der Schlacht von Meggido ließ er die Königsfamilie und die Hofbeamten am Leben. Er hätte nach strapaziösen und kostspieligen sieben vertanen Monaten der Belagerung genug Grund gehabt, seinen Feind zu hassen und seinem Hass Raum zu gewähren. Es wäre kaum überraschend gewesen, hätte er die gesamte Bevölkerung abgeschlachtet und die Stadt gebrandschatzt und geplündert. Wahrscheinlich war es sogar das, was seine Heerführer erwarteten. Die Geschichte kennt genügend derartige Beispiele anderer Eroberer. Doch Thutmosis reagierte völlig beherrscht und überlegt.

Es ist auch nicht bekannt, dass er seine Truppe oder deren Kommandeure bestrafte, nachdem sie seinen Befehl verweigert hatten, dem fliehenden König nachzusetzen, und stattdessen lieber dessen Schätze im Lager plünderten. Er nahm es mit großem Bedauern zur Kenntnis. Er unternahm nichts, obwohl seine eigene Truppe durch dieses Verhalten letztendlich die Schuld daran trug, dass die Belagerung überhaupt nötig war, wie er es selbst in seinen Kriegsberichten vermerkte. Es war die reale Chance vertan, Meggido noch am selben Tag einzunehmen.

Thutmosis war kein Despot. »Nefer-cheper« im gewählten Eigennamen weist deutlich darauf hin. Das ist auch leicht verständlich vor dem Hintergrund einer Mythologie, die dem »Ka« eine hohe Bedeutung beimisst. Unter der Erziehung und durch das Vorleben der Maat-ka-Ra wurde ihm wohl tief in das Bewusstsein gebrannt, wie wichtig ein gütiges Wesen und ein leichtes Herz für das Leben im Jenseits sind.

Ihm kam es wohl eher darauf an, eine Ordnung herzustellen, die vernunftbasiert seinen Prinzipien folgte. Ergebnisse mussten nutzbringend sein, für ihn selbst, für die Sicherheit im Land und für den Reichtum Ägyptens. Darauf war sein Handeln ausgerichtet. Welchen Nutzen hätte Hass gehabt?

Dass sich Thutmosis gegen Maat-ka-Ra richtete und ihre Bildnisse und Inschriften zerstörte, geschah wohl viel eher auf den Druck hin, die Ordnung wieder herstellen zu müssen. Auf Druck von außen. Inwieweit die Bevölkerung Thutmosis folgte und ihn respektierte, der viele Monate im Jahr außer Landes war, ist unbekannt. Inwieweit sich in dieser Zeit das Bild der immer präsenten Maat-ka-Ra als idealer Pharao in der Bevölkerung festigte, ist unklar. Man kann es sich leicht vorstellen, dass die Bevölkerung der Maat-ka-Ra nachtrauerte. Sie verkörperte einen Pharaonen-Typus, wie man ihn sich als rechtschaffener Ägypter und Staatsbürger nur wünschen konnte.

Statue des Thutmosis III. in Karnak | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Bild 3

Statue des Thutmosis III. in Karnak.

Leider sind die vor Ort bei den Tempeln verbliebenen Objekte meist stark beschädigt. Vielleicht auch zum Glück, denn so haben sich kaum Sammler antiker Schätze oder Museen dafür interessiert. Als Besucher der Anlagen bekommt man nun wenigstens eine vage Idee davon, wie prachtvoll die Tempel einst ausgestattet waren. Vieles muss man sich dennoch hinzu denken.

Die hier gezeigte Statue aus rotem Granit war detailreich gestaltet. Ihre polierte Oberfläche reflektierte das Licht in vielen Nuancen. Eine großartige Leistung der Steinmetze, denen nur einfache Werkzeuge zur Verfügung standen.

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Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Fest steht: Das Volk verehrte den Pharao ähnlich, wie es Götter verehrte. Die Abwesenheit des Pharaos bedeutete die Abwesenheit des Vermittlers zwischen Menschen und Götter. Die Nähe das Pharaos zu seinem Volk war für das Glücksempfinden im Land von großer Bedeutung. Dieses Grundbedürfnis der Bewohner Ägyptens wurde von Maat-ka-Ra auf herausragende Weise zufriedengestellt.

Auch die Priesterschaft wurde von ihr sorgfältig gepflegt. Mit ihren häufigen Besuchen in den Tempelbezirken förderte sie eine intensive rituelle Beziehung und gab den Priestern Raum, unmittelbar auf Politik und Regierungsentscheidungen Einfluss zu nehmen. Der Wille zur Einflussnahme und das Machtstreben der Priesterschaft dürfen nicht unterschätzt werden in einem Land, dessen Alltag für die gesamte Gesellschaft von drei Faktoren maßgeblich bestimmt wurde: dem regelmäßigen Nil-Hochwasser, dem Umlauf der Sonne und dem tiefen Glauben an ein Leben im Jenseits. Alle drei Faktoren werden von religiösen Ritualen getragen, denen der Pharao vorsteht.

Dem entzog sich Thutmosis regelmäßig durch seine Feldzüge und durch seine Konzentration auf die Geschehnisse in den Ländern außerhalb Ägyptens, sowohl der Bevölkerung wie auch der Priesterschaft gegenüber. Anders als Maat-ka-Ra blickte Thutmosis nicht nur nach innen in das Land hinein, sondern auch nach außen, was für jedermann nur schwer verständlich sein konnte. Einen ägyptischen Bürger interessierte es wohl kaum, was sich am fernen Euphrat zutrug, wohl aber, ob das nächste Hochwasser rechtzeitig käme und genug fruchtbaren Schlamm auf die Äcker spülte, was nur nach einer guten Vermittlung zwischen ihnen und den Göttern geschehen würde. Die Priester fragten sicher kaum danach, welche Götter man am Jordan anrief, wohl aber, ob genug Ehrerbietungen und Opfergaben Amun-Ra in seinem Heiligtum in Karnak bewegten, Glück und Segen über das Land zu verteilen.

Bereits der erste Feldzug sorgte dafür, dass der Pharao über Monate hinweg nicht in Ägypten war. Ob die Priester zumindest anfänglich die außenpolitischen Absichten von Thutmosis gut hießen - beraten hat er sie höchst wahrscheinlich mit ihnen! - , ist mehr als fraglich. Die Priesterschaft brauchte einen Pharao vor Ort, der als höchster Priester viele Rituale begleitete und führte. Das stärkte die Götter im Ansehen der Bevölkerung und das Stärkte das Ansehen der Priesterschaft selbst.

Die Wiederherstellung der Ordnung

Man kann daher davon ausgehen, dass Maat-ka-Ra und Thutmosis erst nach dem Tod der Maat-ka-Ra Hatschepsut zu wahren Kontrahenten wurden – in den Augen der Bevölkerung und womöglich auch in den Augen bestimmter Kreise der Priesterschaft.

In diesem Fall wäre für Thutmosis der Druck eindeutig von außen gekommen, die Ordnung wieder herzustellen. Trotz aller Leistungen, die sie erbrachte, war Maat-ka-Ra kein rechtmäßiger Thronfolger. Thronfolger war er, Thutmosis, seit dem Tod seines Vaters. Und nun galt es, diese Rolle als anerkannter Alleinherrscher über Ober- und Unterägypten zu übernehmen, zu gestalten und mit dem Vertrauen der Bevölkerung und der Priesterschaft auszubauen. Die Zeit der Regentschaft der Maat-ka-Ra war endgültig vorüber, auch die Zeit der Ko-Regentschaft.

Die Bedrohung ging von der Erinnerung an Maat-ka-Ra aus, die sich mehr und mehr gegen Thutmosis wandte. Er wurde an ihr gemessen, und womöglich war sie Auslöser für Zweifel und Unruhen, die sich gegen Thutmosis richteten.

Namenskartusche Men-cheper-Ra, Pharao Thutmosis III., in Karnak | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Bild 4

Namenskartusche in Karnak

Die Namenskartusche »Men-cheper-Ra« im Fragment einer Tempelinschrift in Karnak.

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Um die Ordnung wieder herzustellen, unternahm Thutmosis III. eine Vielzahl unterschiedlicher Aktionen. Er baute zahlreiche Tempel und opferte aus den Reichtümern der eroberten Länder und Städte übermäßig, als wolle er ausgleichen, was er während seiner Abwesenheit versäumt hatte. Er meißelte seine Tagebücher mit den Berichten über die Feldzüge in Tempelwände, als wolle er öffentlich kundtun und begründen, wie nötig seine Abwesenheit für das Glück Ägyptens war. Er erweiterte insbesondere den Amun-Tempel in Karnak, als wolle er eindeutig klarstellen, wie wichtig ihm persönlich die Nähe zu Amun-Ra ist, selbst dann, wenn er selbst nicht anwesend sein kann. Und er stellte seine eigenen Stauen in großer Zahl auf, um präsent zu sein, immer und überall.

Gleichzeitig ging er gegen seine aktuelle Konkurrentin vor, die längst verstorbene Maat-ka-Ra. Doch es genügte Thutmosis wohl, sich geradezu plakativ die Stellen vorzunehmen, die insbesondere geeignet waren, eine göttliche Verehrung der Maat-ka-Ra durch die Bevölkerung über ihren Tod hinaus zu erlauben und gegen seine eigenen Interessen zu richten, wie in Djeser-djeseru.

Exkurs | Zerstörungen der Bilder und Inschriften der Maat-ka-Ra

Beispiel 2: Ihr Name werde getilgt

Men-cheper-Ra Djehuti-mes, Thutmosis III., opfert den falköpfigen Totengott Sokar Wein. Untere Anubis-Halle, Deir el-Bahari | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Bild 5:
Deir el-Bahari, Tempel der Hatschepsut, Untere Anubis-Halle

Unterhalb der Opferszene mit Sokar befindet eine kleine Kammer. Die Inschriften über dem Eingang sind ein Indiz dafür, dass sich Thutmosis bei der Korrektur der Reliefs und Inschriften wohl auf das notwendige Maß beschränkt hatte.

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Das Bild zeigt eine Ikonographie, die nach festen Regeln angelegt wurde und hier aus vier Zeilen besteht. In der oberen Zeile ist die geflügelte Sonnenscheibe zu sehen mit den beiden Uräus-Schlangen. Es ist das Symbol des Gottes Behdeti, der über den gesamten Horizont am Himmel schützend seine Flügel über den König (vertreten durch die Königsnamen) breitet.

Die geflügelte Sonnenscheibe mit den Uräus-Schlangen, Symbol des Gottes Behdeti Schutz vor allem Bösen  Grafik: Sabrina | Reiner|

Die geflügelte Sonnenscheibe mit den Uräus-Schlangen, Symbol des Gottes Behdeti, der Schutz vor allem Bösen gewährt. Immer wieder zu finden über Türen und Toren.
Grafik: Sabrina | Reiner|

In der zweiten Zeile folgt der Horusname des Königs, in der dritten sein Thronname und in der vierten Zeile ist sein Eigenname zu lesen.

Diese vier Zeilen sind als Block gestaltet, in dem die Namen symmetrisch angeordnet waren. Genau in der Mitte, unterhalb der Sonnenscheibe des Behdeti, findet sich in jeder weiteren Zeile das »Anch«-Zeichen, das Henkelkreuz, das für »Leben« steht. Dieses Element gehört noch zum Symbol der geflügelten Sonnenscheibe: Das Leben der nun genannten Personen steht unter göttlichem Schutz.

Links und rechts neben dem Anch-Zeichen wurden symmetrisch von innen nach außen die Namen des Königs geschrieben, womit gleichzeitig eine räumliche, wie auch eine zeitliche Skala symbolisiert wird: Vom Osten bis zum Westen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird der göttliche Schutz gewährt.

Der hier gut zu erkennende rechte Teil jeder Zeile befand sich also gespiegelt in identischer Schreibung links des Anch-Zeichens.

Ursprünglich waren hier Horus-Name, Thronname und Eigenname der Maat-ka-Ra Hatschepsut zu lesen. Sie wurden vollständig ausgemeißelt, doch nur rechts durch die Namen des Thutmosis ersetzt.

Wieder weist die besondere Schreibweise des Eigennamens mit dem Zusatz »nefer-cheper« darauf hin, dass diese Inschrift erst im 2. Regierungsabschnitt des Thutmosis entstanden sein kann. Links sind aus den Namen der Maat-ka-Ra ausschließlich die ergänzenden Titel erhalten geblieben, in denen der Gottesname Amun bzw. Amun-Ra vorkommt. So in der dritten Zeile mit dem Thronnamen, jeweils außen: »mry Jmn Ra«, »geliebt von Amun-Ra«.

Links und rechts neben dem Eingang zur Kammer war einst in jeweils zwei Spalten von oben nach unten die vollständige Titulatur der Maat-ka-Ra Hatschepsut mit Horus-Name, Nebti-Name, Gold-Horus-Name, Thronname und Eigenname graviert. Auch diese Titulaturen wurden unter Thutmosis III. entfernt.

Es ist wahrscheinlich, dass wir hier nicht umfänglich die Korrekturen des Thutmosis III. sehen. Die jetzt offenliegenden, ausgemeißelten Stellen waren womöglich mit einem einfachen Putz überzogen, der längst abgefallen ist.

Das Bild gewährt auch einen Blick in die Kammer selbst. An der Rückwand ist eine Opferszene vor dem schakalköpfigen Anubis zu sehen, dem dieser Tempel geweiht war. Rechts von ihm war einst Maat-ka-Ra abgebildet. Auch dieses Bild samt allen begleitenden Texten wurde entfernt und offensichtlich nicht durch eine neue Darstellung mit Thutmosis ersetzt. Es sei denn, dass auch hier nur ein einfacher Putz als Malgrund für die neue Szene aufgebracht wurde, der nicht mehr vorhanden ist.

Es könnte gut sein, dass er dort deshalb beispielsweise den Anubis-Tempel in der unteren Anubis-Halle geschlossen hatte, der ja fortwährend an die geübten Rituale der Maat-ka-Ra und deren ständige Präsenz im Tempel erinnerte. In der öffentlich einsehbaren Vorhalle sind jedenfalls alle Hinweise auf Maat-ka-Ra von Thutmosis entfernt worden. In den sich anschließenden Räumen, dem Sanktuar und dem Annex hingegen nicht. Hier hatten nur Priester und der Pharao Zutritt. Hier war es unerheblich, was die Wände zierte, hier konnte Thutmosis die persönliche Beziehung der Maat-ka-Ra zu ihren Göttern so stehen lassen. Es ging keinerlei Bedrohung davon aus. Ein Indiz dafür, dass er persönlich nicht mit seiner Stiefmutter gebrochen hatte.

Als neue Kultstätte in Deir el-Bahari, insbesondere für den Amun-Ra-Kult, errichtete Thutmosis III. einen Tempel mit Heiligtümern für Amun-Ra und Hathor direkt neben dem der Maat-ka-Ra. Auch dessen Mittelachse und dessen Prozessionsweg waren genau auf den Amun-Tempel in Karnak ausgerichtet. Der neue Tempel des Thutmosis übernahm bei Festen und Ritualen alle Aufgaben, die Maat-ka-Ra im Amun-Ra-Kult und im Hathor-Kult ihrem Tempel zugeordnet hatte.

Leider ist von dieser dritten Tempel-Anlage in Deir el-Bahari, die zwischen dem Tempel der Maat-ka-Ra und dem des Mentuhotep II. lag, und in deren Rücken dicht an den Berghang gebaut wurde, bis auf wenige Fundamente fast nichts mehr erhalten. Ausgrabungsfunde lassen den Schluss zu, dass der Tempel schon bald nach seiner Fertigstellung durch Steinschlag vom angrenzenden Berghang zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Ein Datum ist unbekannt, aber es müsste wohl nach dem Tod des Thutmosis geschehen sein, für den zwischen den Amun-Ra-Heiligtümern in Karnak und Deir el-Bahari ein wichtiger, ritueller Zusammenhang bestand.

Reste des Tempels von Thutmosis III. in Deir el-Bahari | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Bild 6
Tempelreste in Deir el-Bahari

Direkt neben dem Tempel der Hatschepsut finden sich Reste der Tempel von Mentuhotep II. und Thutmosis III.

Thutmosis baute den Weg zu seiner Tempelanlage sowie einen Kiosk über den Vorhof des Tempels von Mentuhotep. Der Tempel fand anstelle des Hatschepsut-Tempels seinen Platz im Amun-Ra-Kult.

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Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

In Deir el- Bahari war die Ordnung wieder hergestellt: Der Pharao hatte seinen eigenen Tempel, der in den wichtigen Amun-Ra-Festen eine Rolle spielte, und musste nicht indirekt durch die Nutzung des Hatschepsut-Tempels öffentlich den Kniefall vor der Frau tätigen, die das Volk zu seiner Kontrahentin und zu seiner Messlatte erhoben hatte. Alle Zweifel waren ausgeräumt: Thutmosis ist der Pharao von Ober- und Unterägypten und der einzige Pharao aller Ägypter.

Satellitenbild der Tempelanlage


Größere Kartenansicht

Schalten Sie die Karte auf die vergrößerte Ansicht um und zoomen Sie auf den Bereich der Tempelanlagen.
Zwischen den Tempeln der Hatschepsut und des Mentuhotep sehen Sie direkt am Berghang die Reste eines kleineren Tempels. Thutmosis III. ließ ihn eng in den Berg bauen. Der Zuweg war genau nach Karnak ausgerichtet und führte über den Vorhof des Tempels von Mentuhotep. Ägyptologen nehmen an, dass der Tempel schon bald nach seiner Fertigstellung durch Steinlawinen, die sich vermutlich aufgrund von Erdbeben vom Berg lösten, zerstört wurde.
Wenn Sie auf der Karte dem gut sichtbaren Zuweg zum Hatschepsut-Tempel in gerader Linie nach Luxor folgen, werden Sie jenseits des Nils genau auf den Tempelbezirk von Karnak stoßen.

Die Zerstörungen aufgrund politischer Notwendigkeiten

Die Zerstörungen geschahen nicht mit der Radikalität, die man erwarten würde, wäre grenzenloser Hass die Motivation gewesen, die ihm oft unterstellt wird. Es war nicht Hass, der Thutmosis antrieb. Es war eine politisch motivierte Vernunftsentscheidung, deren Nachhaltigkeit auf das Glücksempfinden der ägyptischen Bevölkerung abzielte. Sie war nötig, um Schaden abzuwenden und den inneren Frieden im Land zu sichern.

Das war insbesondere wichtig für ihn, der oft außerhalb des Landes war und in dieser Zeit die innenpolitische Führung und Kontrolle aufgeben musste. Er musste darauf vertrauen und sich darauf verlassen können, dass das Volk hinter ihm stand und die Ordnung noch herrschte, wenn er zurückkam.

Das sicherte er sehr bewusst ab mit prächtigen Tempelbauten und mit großzügigen Opfergaben. Hier sollten und mussten alle Zweifel ausgeräumt werden daran, ob er ein guter Pharao ist, ein Mittler zwischen Volk und Götter, und ob sein Handeln als König von Ober- und Unterägypten dem Land Ägypten und seiner Bevölkerung dienlich ist. Dafür war es nötig, die Priester auf seine Seite zu bringen. Hierauf fokussierte Thutmosis eindeutig. Die Zerstörungen der Maat-ka-Ra-Bildnisse sind dabei bestenfalls als flankierende Maßnahmen zu verstehen. Sie waren aber offensichtlich eine politische Notwendigkeit, um den gesellschaftlichen Frieden zu wahren. Ob und wie sehr das seine persönliche Beziehung zu seiner Stiefmutter beeinflusste, bleibt unklar.

Die Namen des Men-cheper-Ra Thutmosis

Die Titulatur

Bei offiziellen und festlichen Anlässen wurde nicht nur der Thronname genannt, ggf. begleitet vom Eigennamen, sondern der gesamte Herrschertitel aufgeführt, der aus fünf festen Namensteilen, dem Titel »König von Ober- und Unterägypten« und mehreren Ehrentiteln (Zusätzen) bestand.

Die vollständige Titulatur des Thutmosis lautete in etwa2:

»Starker Stier, der in Theben erscheint, mit beständigem Königtum, mit heiligen Erscheinungen. König von Ober- und Unterägypten: Beständig ist das Wesen des Ra. Sohn des Ra: Sohn des Djehuti, von gütigem Wesen

Wenn nicht nur wie im obigen Beispiel die Titel von Thron- und Eigennamen mitgesprochen wurden, ergibt sich eine Folge von beeindruckenden Ehrenbezeichnungen, die deutlich mehr sind als die Namensteile selbst.

Übersetzt könnte die Titulatur dann vielleicht so lauten (in eckigen Klammern sind Wörter und Begriffe eingefügt, die den Text glätten und die Bedeutung der Namensteile und Kartuschen-Symbole unterstreichen sollen):

»[Der von] Horus [bevollmächtigte] starke Stier, der in Theben erscheint, | [der von den] Herrinnen beider Länder mit beständigem Königtum [gesegnete], | [der von] Gold-Horus mit heiligen Erscheinungen [beschenkte], | [der] König von Ober- und Unterägypten [, der den Thronnamen gewählt hat]: »Beständig ist das Wesen des Ra«, | [der] Sohn des Ra [, der sich] »Sohn des Djehuti, von gütigen Wesen« [nennt].«

Je nachdem, welche Namensteile in welchen Versionen zum Tragen kamen, und welche Ergänzenden Titel zusätzlich eingeflochten wurden (wie beispielsweise »Sohn des Ra [...], geliebt von Amun(-Ra)«, unterschieden sich Titulaturen ein und desselben Pharaos in der praktischen Anwendung häufig.

Wir zeigen weiter unten die Namensteile, aus denen sich die Titulatur regelmäßig zusammensetze.

2 Eine kurze und prägnante Übersetzung der Titulatur, die auch noch die volle Ehrerbietung ausdrückt, die darin verborgen war, ist kaum möglich. Sie scheitert an dem Versuch, die Begriffswelten in Einklang zu bringen. In vielen ägyptischen Begriffen ist das besondere Verständnis des Herrschens, der Beziehung der Menschen zu ihrem Herrscher und zu ihren Göttern, sowie die gesamte ägyptische Mythologie ausgedrückt.

Hintergründig

Namen ägyptischer Pharaonen

Die Könige Ägyptens führten als Namen eine feierliche Titulatur, die aus fünf Teilen bestand, die in vorgegebener Reihenfolge verwendet wurden. Die ersten vier Teile sind Namen, die der Pharao bei der Thronbesteigung erhielt. Sie waren seine Insignien als Herrscher über das Land und über die Menschen, sowie als Mittler zwischen Volk und Götter. Der Geburtsname, nach der Krönung versehen mit dem Titel »Sohn des Ra«, wurde an der fünften und letzte Stelle geführt.

In der Reihenfolge erhielt der Pharao diese Namen:

  1. Horus-Name
  2. Nebti-Name (auch Herrinnen-Name genannt)
  3. Gold(-Horus)-Name
  4. Thronname
  5. Eigenname, doch jetzt mit dem Zusatz »Sohn des Ra«

In Hieroglyphen-Texten wurden der Thronname und der Eigenname in besonderen Zierrahmen, in Kartuschen, gezeigt. Die Namen wurden durch Symbole eingeleitet, die auf ihre Bedeutung verwiesen. So ist oft vor dem Horus-Namen ein Horus-Falke mit oder Krone zu sehen, der Gold-Horus-Name hat unsere moderne Bezeichnung genau daher: Ein Horus-Falke und das Symbol für Gold, die goldene Halskette der Pharaonen (Pektorale; Brustschmuck), leiten den Namen ein. Vor dem Nebti-Namen, auch Herrinnen-Name genannt, befinden sich auf je einem Korb sitzend die beiden Göttinnen Nechbet und Wadjet.

Die Namensteile und Schreibweisen veränderten sich häufig im Laufe der Regierungszeit eines Pharaos, weshalb bestimmte Namensteile nicht selten in verschiedenen Versionen anzutreffen sind.

Die Namen3 in der Titulatur des Thutmosis

1 | Horus-Name

H1

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Horus-Name, Version 1

Ḥr :
kꜢ-nḫt ḫꜤj-m-WꜢst

Hor:
Ka-nechet chaj-em-Uaset

Horus:
»Starker Stier, der in Theben erscheint«

Beispiel des Horus-Names von Thutmosis III. | Deir el-Bahari, Tempel der Hatschepsut, Untere Anubis-Halle | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Ḥr :
kꜢ-nḫt ḫꜤj-m-WꜢst

Beispiel aus dem Relief »Men-cheper-Ra Thutmosis opfert Sokar«, an dieser Stelle ohne die formellen Rahmungen. Der Name wird mit dem ungekrönten Horus eingeleitet.

Untere Anubis-Halle, Tempel der Hatschepsut, Deir el-Bahari
Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

2 | Nebti-Name (Herrinenname)

N1

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Nebti-Name, Version 1

Nbtj(j) :
wꜢḥ-nsyt

Nebti:
Uah-nesit

Beide Kronen (alt.: Der der beiden Herrinnen):
»Mit beständigem Königtum«

3 | Gold-Name (Gold-Horus-Name)

G1

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Gold-Horus-Name, Version 1

bjk-nbw:
ḏsr-ẖꜤw

Bik-nebu:
Djeser-chau

Falke des Goldes:
»Mit heiligen Erscheinungen«

4 | Thronname

T1

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Thronname, Version 1

n(j)-swt bjt:
mn-ḫpr-RꜤ

nesut bit:
Men-cheper-Ra

König von Ober- und Unterägypten:
»Beständig ist das Wesen des Ra«

Beispiel des Thronnamens von Thutmosis III. | Deir el-Bahari, Tempel der Hatschepsut, Untere Anubis-Halle | Foto: Sabrina | Reiner | CC BY-SA

Beispiel aus dem Relief »Men-cheper-Ra Thutmosis opfert Sokar«.

Untere Anubis-Halle, Tempel der Hatschepsut, Deir el-Bahari
Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

5 | Eigennamen

E1 (1. Regierungsabschnitt)

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Eigenname, Version 1

sꜢ-RꜤ:
ḏḥwtj-msj(w)

sa-Ra:
Djehuti-mesi
oder: Thot-mosi

Sohn des Ra:
Sohn des Djehuti [= Gott Thot]

E6 (2. Regierungsabschnitt)

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Eigenname, Version 6

sꜢ-RꜤ:
ḏḥwtj-msjs npr-ḫpr

sa-Ra:
Djehuti-mesis nefer-cheper
oder: Thot-mosis-nefer-cheper

Sohn des Ra:
Sohn des Djehuti [= Gott Thot], von gütigem Wesen

Beispiel aus dem Relief »Men-cheper-Ra Thutmosis opfert Sokar«.

Die Kartusche ist unter Design-Aspekten gestaltet worden. Der etwas weniger wichtige Zusatz »nefer-cheper« füllt den Freiraum zwischen dem Schwanz des Thot-Vogels und dem Riegel-s am unteren Ende der Kartusche.

Zu lesen ist zweispaltig: zunächst die Zeichen links von oben nach unten, dann die verbleibenden beiden rechten Zeichen von oben nach unten.

Untere Anubis-Halle, Tempel der Hatschepsut, Deir el-Bahari
Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

E6-Variante

Men-cheper-Ra | Thutmosis III. |  Eigenname, Variante von Version 6

sꜢ-RꜤ:
ḏḥwtj-ms npr-ḫpr

sa-Ra:
Djehuti-mes nefer-cheper
oder: Thot-mos-nefer-cheper

Sohn des Ra:
oder: Thot-mos nefer-cheper
Sohn des Djehuti [= Gott Thot], von gütigem Wesen

Beispiel aus dem Relief »Men-cheper-Ra Thutmosis opfert Sokar«.
Hier fehlt das »s« (Riegel, O34) unter »ms« (F31) (»mes« statt »mesis« zu lesen).

Untere Anubis-Halle, Tempel der Hatschepsut, Deir el-Bahari
Foto: ©by Sabrina | Reiner | CC BY-SA

3  Die meisten Namen der Pharaonen sind in unterschiedlichen Versionen bekannt. Wir beabsichtigen nicht, Vollständigkeit zu erzielen. Wir zeigen hier bevorzugt die Namen in der Form, wie sie auf unseren Fotos im Abschnitt »Altes Ägypten | Fotoserien« zu finden sind. Weitere Namensteile der Titulatur zeigen wir exemplarisch in Schreibweisen, wie sie Jürgen von Beckerath in seinem» Handbuch der ägyptischen Königsnamen «publiziert hat, in dem umfangreiche Übersichten zu finden sind.

Mit den Bezeichnungen Hx (Horusname, Version x), Nx (Nebti-Name), Gx (Gold-Horus-Name), Tx (Thronname) und Ex (Eigenname) folgen wir der Systematik von J. von Beckerath. Gleiche Nummerierungen verlinken auf die selben Einträge bei ihm. Auf Varianten von Versionen, die in seinem Handbuch der ägyptischen Königsnamen nicht vermerkt sind, aber auf unseren Fotos auftauchen, weisen wir gesondert hin.

Literaturempfehlung: Jürgen. von Beckerath, Handbuch der ägyptischen Königsnamen, 2. verb. u. erw. Auflage, Verlag Philipp von Zabern, Main am Rhein 1999

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Sabrina

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©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

Die Mumie von Thutmosis III.

Der Sarg und die Mumie Thutmosis III. wurden bereits 1881 von Gaston Maspero im sog. »Versteck«, der Cachette von Deir el-Bahari (DB/TT320) gefunden.

Wahrscheinlich im Zeitalter der 22. Dynastie (nach 946 v. Chr.) wurde die Mumie des Thutmosis III. gemeinsam mit weiteren Mumien von ägyptischen Priestern in die Cachette umgebettet, nachdem es nicht mehr gelang, den Grabräubern im Tal der Könige Herr zu werden.

Das Grab von Thutmosis im Tal der Könige war geplündert worden, der Sarkophag aufgebrochen und die Mumie auf der Suche nach Schätzen beschädigt. Die Priester wickelten die Mumie neu ein und transportierten sie im inneren Holzsarg in das geheime Versteck. Der steinerne, große Sarkophag blieb im Grab zurück.

Heute befindet sich die Mumie im Ägyptischen Museum in Kairo.

Das Grab im Tal der Könige – KV34

Das Grab des Thutmosis III. fand 1898 Victor Loret, der damalige Direktor des Service des Antiquités d'Egypte (heute: Supreme Council of Antiquities) im Tal der Könige.

Das Grab trägt die Nummer KV34. Es befindet sich am äußersten südlichen Ende des Tals.

Der Eingang liegt etwa 30 Meter über dem Talgrund und ist für Touristen über eine eiserne Treppe erreichbar.

Das Grab besteht aus einem mehrfach geteilten Korridor, der Vorkammer, und der Grabkammer mit vier kleinen Seitenräumen.

Gleich hinter dem Eingang führt eine Treppe hinab zum ersten Abschnitt des Korridors, der wie eine Rampe weiter nach unten führt. Eine zweite Treppe erlaubt den Abstieg in den zweiten Korridorabschnitt.

Bis hierhin ging es stets abwärts. Es schließt sich ein Raum an, der heute »Ritualbrunnen« genannt wird. Im Grunde ist es ein sehr tiefer, rechteckiger Raum, der stark an eine Fallgrube erinnert und dessen unterer Bereich wie ein Schwimmbecken mit Wasser gefüllt sein kann.

Einerseits diente dieser Raum einst als Hindernis für Grabräuber. Es gab an den glatten Wänden keinerlei Stege oder Hilfen, um die gegenüberliegende Seite zu erreichen. Fiel man in den Brunnen, war es ohne fremde Hilfe und ohne geeignete Gerätschaften wohl kaum möglich, wieder nach oben und zurück in den Korridor zu gelangen.

Andererseits diente er als Auffangbecken für Wasser, das von außen eindringen konnte. Nach heftigen Regenfällen floss das Wasser die Berghänge hinab und drang nicht selten zusammen mit Schlamm, Schutt und Geröll in die Zugänge der Grabanlagen ein. Viele Gräber wurden dadurch geflutet und auf natürliche Weise versiegelt, wenn der kalkhaltige, zementartige Schlamm wieder trocknete.

Da viele Gräber einen solchen Brunnen besitzen, wird angenommen, dass er eine rituelle Bedeutung im Totenkult haben müsse. Welche das sein könnte, ist unklar.

Plötzlich und unvermittelt steht man am Ende dieses Korridorabschnittes am Rand des Brunnens. Um Grabräubern die Sache weiter zu erschweren, war auf der Seite gegenüber der Gang zugemauert und zudem versetzt in den Felsen getrieben. Heute ist dieser Weg offen und begehbar.

Nach einem kurzen weiteren Korridor erreicht man den Vorraum. Im Rechten Winkel zum Korridor dehnt er sich trapezförmig im Fels aus. Zwei Säulen stützen die Decke.

Am Ende des Vorraumes befindet sich links eine Tür. Über eine Treppe geht es hinab zur Grabkammer. Der langgestreckte Raum besitzt gerundete Ecken und wirkt beinahe oval. Wieder sind zwei Säulen vorhanden, die die Decke stützen. Links und rechts führen Türen zu je zwei kleinen Kammern, die einst als Magazine dienten.

Hinter der zweiten Säule, am hinteren Ende der Grabkammer, befindet sich der Sarkophag des Königs aus rotem Sandstein.

Als das Grab 1898 gefunden wurde, lag der Deckel des Sarkophags zerbrochen am Boden. Die Mumie war ja bereits umgebettet. Ob noch Grabbeigaben vorhanden waren, und was mit ihnen geschehen ist, als Thutmosis III. seine neue Ruhestätte im Versteck von Deir el-Bahari zugewiesen bekam, ist unklar.

Sehenswürdigkeit im Tal der Könige

Im Tal der Könige liegt das Grab des Thutmosis abgelegen und ist über die eiserne Außentreppe nur umständlich zu erreichen. Es gehört daher meistens nicht in das Standardprogramm der Reiseanbieter. Die Führer der Reisegruppen bevorzugen die Gräber weiter vorne am Eingang des Tals, nahe dem Restaurant und den Bussen.

Wer es allerdings gewagt hat, bis hier hin vorzustoßen und nicht gleich bei den ersten Gräbern im Tal hängen geblieben ist, wird nun reich belohnt: Die Wände der Räume sind verputzt. Auf ihnen finden sich umfangreiche bildliche Darstellungen und Texte.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen, welche Arbeit sich die Ägypter machten, welchen Aufwand sie trieben und wie viel Kreativität sie investierten in Bauten, Malereien und Texten, die kaum jemand zu Gesicht bekam, und die nach der Bestattung des Pharaos für immer verborgen bleiben sollten. Dies sind ganz ohne Zweifel, ungewöhnliche und einmalige Schätze der Menschheit.

Um diese Schätze aus längst vergangenen Zeiten zugänglich zu halten und dabei doch zu schützen, wurden die Wände verglast. Über den Steinboden führen nun Holzstege die Besucher durch die Räume. Foto- und Videografieren ist in den Grabanlagen schon lange und seit 2009 im gesamten Tal der Könige verboten. Offensichtlich war das millionenfache Blitzlicht sehr schädlich für die empfindlichen Malgründe und Farben.

Es ist zwar schade, dass wir Ihnen deshalb keine aktuellen Bilder aus den Gräbern hier präsentieren können, doch es wäre sehr viel schlimmer, wenn in wenigen Jahren verblasst, was sich in der dunklen Abgeschiedenheit der Gräber über Jahrtausende erhalten hatte.