3. Sonntag nach Trinitatis | 2017 - 2024

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Das evangelische Kirchenjahr
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün
2.7.2017 | 3. Sonntag nach Trinitatis

Kirchenjahr 2016/2017

3. Sonntag
nach Trinitatis

 
 

Teil I: Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres  

Regeln

Fällt der →Tag Johannes des Täufers (24. Juni) auf diesen Sonntag oder auf einen Tag der folgenden Woche, dann sollen die Lesungen dieses Gedenktages an die Stelle der Lesungen des 3. Sonntag nach Trinitatis treten.

Der →Gedenktag der Augsburgischen Konfession (25. Juni), der →Tag der Apostel Petrus und Paulus (29. Juni) und der →Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth, Heimsuchung (2. Juli) können auf diesen Sonntag oder in die Woche danach fallen. Diese Gedenktage können dann am 3. Sonntag nach Trinitatis liturgisch gewürdigt werden, wenn sie auf den Sonntag fallen.

Nach der neuen Ordnung (ab dem Jahr 2019) kann der →Tag des Apostels Thomas (3. Juli) auf diesen Sonntag oder in die Woche danach fallen.

 

Wirkung in 2017

Info

Der Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth (Heimsuchung) ist in diesem Jahr an diesem Sonntag. Er kann daher in die Gottesdienstordnung für diesen Sonntag einfließen (→siehe dort).
 

 
 3. Sonntag nach Trinitatis  IN DEN JAHREN 2017 BIS 2024
Kalender

Der 3. Sonntag nach Trinitatis in den Jahren 2017 bis 2024
Verweise führen zu den Kalenderblättern des jeweiligen Datums:

 
Bewegliches Datum
Der 3. Sonntag nach Trinitatis liegt zwischen dem<br>7. Juni und dem 11. Juli eines Jahres.
  • 3. Sonntag nach Trinitatis
  • 11. Sonntag nach →Ostern
  • Abhängig vom →Osterdatum
  • Der 3. Sonntag nach Trinitatis liegt zwischen dem
    7. Juni und dem 11. Juli eines Jahres.
Symbol: Abstand zum Osterfest
  • 77 Tage nach Ostern
  • am 78. Tag nach Ostern, gerechnet ab Ostersonntag
Titel Gottesdienstliche Ordnung
 

Der evangelische

3. Sonntag
nach Trinitatis

Gottesdienstliche Ordnung

 

 

Liturgische Farbe

 
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün

Grün

3. Sonntag nach Trinitatis | Grafik: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: 3. Sonntag nach Trinitatis
Grafik: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

Die Perikopenordnungen 1978/1999 und 2018 (Entwurf 2014) in der Gesamtschau

1 Die Ordnung gemäß der Revisionen 1978 und (mit marginalen Änderungen) 1999 verliert ihre Gültigkeit mit dem 1. Advent 2018, dem ersten Sonntag des Kirchenjahres 2018/2019. Wir zeigen zum Vergleich die dann ungültigen Angaben zu Spruch, Psalm, Lied und Predigttexten vorläufig weiterhin.

2 Die Ordnung der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte wird derzeit überarbeitet. Sie wurde veröffentlicht unter dem Titel »Neuordnung der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte, Entwurf zur Erprobung im Auftrag von EKD, UEK und VELKD Pfingsten 2014«. Die Neuordnung soll erstmals im Kirchenjahr 2018/2019 (ab dem 1. Advent 2018) allgemein gelten. Der Entwurf liegt vor, jedoch sind Änderungen bis zu seiner Verabschiedung möglich.

Wir geben zum Vergleich zu den Festtagen, Gedenktagen und Sonntagen Spruch, Psalm, Lied und Predigtexte nach beiden Ordnungen wieder. Dort, wo wir die zugehörigen Texte aus der Lutherbibel von 1545 zeigen, kann ggf. der selbe Text sowohl in der Perikopensammlung für 1978 wie auch in der für 2018 erscheinen. Die klare Trennung beider Ordnungen dient der Übersichtlichkeit.

 

3. Sonntag nach Trinitatis

Spruch, Psalm und Lied

Nach der Ordnung 1978/1999 1
Biblia
1545
 

Spruch für die Woche

 

Des menſchen Son iſt komen zu ſuchen vnd ſelig zu machen / das verloren iſt.

→Lk 19,10

Pſalm
103
 

Psalm für die Woche

 
Nach der Ordnung 2018 (Entwurf 2014)2
Biblia
1545
 

Spruch für die Woche

 

Des menſchen Son iſt komen zu ſuchen vnd ſelig zu machen / das verloren iſt.

→Lk 19,10

Pſalm
103
 

Psalm für die Woche

 

 

 

Lied für die Woche

 
Ordnung 1978/19991 Ordnung 2018 (Entwurf 2014)2
EG 232
oder:
Allein zu dir, Herr Jesu Christ A EG 353 Jesus nimmt die Sünder an
EG 353 Jesus nimmt die Sünder an B EG 364 Was mein Gott will, gescheh allzeit
    C EG Regio 673 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
   

EG: Evangelisches Gesangbuch
EG Regio: Lied aus dem Regionalteil der Gesangbücher bestimmter Landeskirchen (nicht in allen Landeskirchen verfügbar).

 
 
Text: HERR thu meine Lippen auff | Das mein Mund deinen Ruhm verkündige. (Psalm 51,17)

3. Sonntag nach Trinitatis

Textlesung und Predigt

Die biblische Textlesung

Lesung Ordnung 1978/19991 Ordung 2018 (Entwurf 2014)2
Evangelium Zum TextLk 15,1-3.11b-32 Lk 15,1-3.11b-32
Epistel Zum Text1Tim 1,12-17 1Tim 1,12-17
Altes Testament Zum TextHes 18,1-4.21-24.30-32 Mi 7,18-20
   

 

Die biblischen Texte für die Predigtreihen

Nach der Perikopenordnung der Evangelischen Kirche sind für Gottesdienste in den Jahren 2017 - 2022 folgende biblischen Texte in den Reihen3 I - VI für die Predigt vorgesehen:

Reihe Datum Ordnung 1978/19991 Ordung 2018 (Entwurf 2014)2
III 2.7.2017 Zum TextLk 15,1-7(8-10)
IV 17.6.2018 Zum Text1Joh 1,5 - 2,6
V 7.7.2019 Lk 15,1-10
VI 28.6.2020 Mi 7,18-20
I 20.6.2021 Hes 18,1-4.21-24.30-32
II 3.7.2022 Lk 15,1-3.11b-32
   

 

 

Continuatexte und Marginaltexte

Anstelle der Texte aus den Predigtreihen I - VI stehen für die Predigt sog. Marginaltexte (M) zur Auswahl. Sie passen inhaltlich sehr gut zum Thema des Sonntags, konnten aber durch die Beschränkung der Reihen dort nicht berücksichtigt werden.

Die Continuatexte (C) sind dazu gedacht, stückweise über ganze Bücher der Bibel oder größere Abschnitte daraus im Zusammenhang zu predigen.

TypOrdnung 1978/19991TypOrdung 2018 (Entwurf 2014)2
CZum TextJona 4MJoh 6,37-40
MZum TextJoh 6,37-40
MZum TextMi 7,7.9.18-19[20]
MZum TextTob 3,14-15.21-23
  
 

3 Die Perikopenordnung kennt seit der Revision von 1978 drei Lesetexte (je einen aus den Evangelien, den Episteln und dem Alten Testament) sowie sechs Predigttextreihen. Die Reihen werden mit römischen Zahlen von I bis VI gekennzeichnet. Jede Reihe benennt die Bibeltexte (Perikopen) für alle Predigten in einem Kirchenjahr zwischen dem 1. Advent und dem Ewigkeitssonntag. Die Reihen gelten nacheinander. Sie umfassen somit die Zeitspanne von sechs Kirchenjahren. Erst im siebten Jahr wiederholen sich die Textstellen. Neben dem Text aus der jeweiligen Reihe stehen marginale Textstellen für die Predigt an diesem Tag zur Auswahl.
Erstmals galt die Reihe I für das Kirchenjahr 1978/1979.

Titel Perikopen

Perikopen

Die Leittexte aus den Evangelien, den Episteln und dem Alten Testament
nach der Perikopenordnung 1978/1999
aus der Lutherbibel von 1545

Biblia
1545

Gesetzt nach der Vorlage des Originals in Frakturschrift
mit Luthers Scholion in den Marginalspalten.

Ergänzt um Verszählung und Abschnittsüberschriften.

 

LESUNG UND PREDIGT
Evangelium
Lk 15,1-3.11b-32

EV
I

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

C. XV.

 

 

Vers 1-2

Drei Gleichniſſe vom Erbarmen

Der Vorwurf der Phariſäer und Schriftgelehrten

→Mt 9,10-11    ↑ →Lk 5,29-30

 

ES naheten aber zu jm allerley Zölner

vnd Sünder / das ſie jn höreten. 2Vnd die Phariſeer vnd Schrifftgelerten murreten / vnd ſprachen / Dieſer nimpt die Sünder an / vnd iſſet mit jnen.

 

 

Vers 3 (Übergang)

 

3Er ſaget aber zu jnen dis Gleichnis / vnd ſprach /

 

 

Das Gleichnis vom verlorenen Groſchen

 

8ODer / welch Weib iſt / die zehen Groſſchen hat / ſo ſie der einen verleuret / Die nicht ein Liecht anzünde / vnd kere das Haus / vnd ſuche mit vleis / bis das ſie jn finde? 9Vnd wenn ſie jn funden hat / ruffet ſie jren Freundinnen vnd Nachbarinnen / vnd ſpricht / Frewet euch mit mir / Denn ich habe meinen Groſſchen funden / den ich verloren hatte. 10Alſo auch / ſage ich euch / wird freude ſein fur den Engeln Gottes / vber einen Sünder / der buſſe thut.

 

 

Vers 11b-32

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

 

11bEin Menſch hatte zween Söne / 12vnd der Jüngſte vnter jnen ſprach zu dem Vater / Gib mir Vater das teil der Güter / das mir gehört. Vnd er teilet jnen das gut. 13Vnd nicht lang darnach ſamlet der jüngſte Son alles zuſamen / vnd zoch ferne vber Land / vnd daſelbs bracht er ſein Gut vmb mit braſſen. 14Da er nu alle das ſeine verzeret hatte / ward eine groſſe Thewrung durch dasſelbige gantze Land / vnd er fieng an zu darben. 15Vnd gieng hin / vnd henget ſich an einen Bürger desſelbigen Landes / der ſchicket jn auff ſeinen acker der Sew zu hüten. 16Vnd er begerte ſeinen Bauch zu füllen mit trebern / die die Sew aſſen / vnd niemand gab ſie jm.

 

17DA ſchlug er in ſich / vnd ſprach / Wie viel Taglöner hat mein Vater / die Brot die fülle haben / Vnd ich verderbe im Hunger. 18Ich wil mich auffmachen vnd zu meinem Vater gehen / vnd zu jm ſagen / Vater / Ich habe geſündiget in den Himel vnd fur dir / 19vnd bin fort nicht mehr werd / das ich dein Son heiſſe / Mache mich als einer deiner Taglöner. 20Vnd er machet ſich auff / vnd kam zu ſeinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war / ſahe jn ſein Vater / vnd jamert jn / lieff vnd fiel jm vmb ſeinen Hals / vnd küſſet jn. 21Der Son aber ſprach zu jm / Vater / Ich hab geſündiget in den Himel vnd fur dir / Ich bin fort nicht mehr werd / das ich dein Son heiſſe. 22Aber der Vater ſprach zu ſeinen Knechten / Bringet das beſte Kleid erfür / vnd thut jn an / vnd gebet jm einen Fingerreiff an ſeine hand / vnd Schuch an ſeine füſſe / 23vnd bringet ein gemeſtet Kalb her / vnd ſchlachtets Laſſet vns eſſen vnd frölich ſein / 24Denn dieſer mein Son war tod / vnd iſt wider lebendig worden / Er war verloren / vnd iſt funden worden. Vnd fiengen an frölich zu ſein.

 

ABer der elteſte Son war auff dem felde / Vnd als er nahe zum Hauſe kam höret er das Geſenge / vnd den Reigen / 26vnd rieff zu ſich der Knechte einen vnd fraget / was das were? 27Der aber ſaget jm / Dein Bruder iſt komen / vnd dein Vater hat ein gemeſtet Kalb geſchlachtet / das er jn geſund wider hat. 28Da ward er zornig / vnd wolt nicht hin ein gehen. Da gieng ſein Vater her aus / vnd bat jn. 29Er antwortet aber / vnd ſprach zum Vater / Sihe / ſo viel jar diene ich dir / vnd habe dein Gebot noch nie vbertreten / vnd du haſt mir nie einen Bock gegeben / das ich mit meinen Freunden frölich were. 30Nu aber dieſer dein ſon komen iſt / der ſein Gut mit Huren verſchlungen hat / haſtu jm ein gemeſtet Kalb geſchlachtet. 31Er aber ſprach zu jm / Mein ſon / Du biſt allezeit bey mir / vnd alles was mein iſt / das iſt dein. 32Du ſolteſt aber frölich vnd guts muts ſein / Denn dieſer dein Bruder war tod / vnd iſt wider lebendig worden / Er war verloren / vnd iſt wider funden.

 

 

 

 

LESUNG UND PREDIGT
Epistel
1Tim 1,12-17

EP
II

 

 

 

Die Erſte Epiſtel
S. Páuli:
An Timotheum.

 

C. I.

 

 

Verse 12-17

Lobpreis der göttlichen Barmherzigkeit

 

VND ich dancke vnſerm HErrn Chriſto Jheſu / der mich ſtarck gemacht vnd trew geachtet hat / vnd geſetzt in das Ampt / 13Der ich zuuor war ein Leſterer vnd ein Verfolger vnd ein Schmeher / Aber mir iſt Barmhertzigkeit widerfaren / Denn ich habs vnwiſſend gethan / im vnglauben. 14Es iſt aber deſte reicher geweſen die Gnade vnſers HErrn / ſampt dem Glauben vnd der Liebe / die in Chriſto Jheſu iſt.

 

 

 

 

 

→Mat. 9.

→Mar. 2.

15DEnn das iſt je gewislich war / vnd ein thewer werdes wort / Das Chriſtus Jheſus komen iſt in die welt / die Sünder ſelig zu machen / vnter welchen ich der Furnemeſt bin. 16Aber darumb iſt mir Barmhertzigkeit widerfaren / Auff das an mir furnemlich Jheſus Chriſtus erzeigete alle gedult / Zum Exempel denen / die an jn gleuben ſolten / zum ewigen Leben. 17Aber Gott dem ewigem Könige / dem vnuergenglichen vnd vnſichtbarn vnd allein weiſen / ſey Ehre vnd Preis in ewigkeit / Amen.

 

 

 

 

LESUNG UND PREDIGT
Altes Testament
Hes 18,1-4.21-24.30-32

AT
VI

 

 

 

Der Próphet Heſekiel.

 

C. XVIII.

 

 

Aus dem Abschnitt:

Gott richtet jeden nach ſeinem Tun und wartet auf Umkehr

Verse 1-4

 

 

→Jere. 31.

VND des HERRN wort geſchach zu

mir / vnd ſprach / 2Was treibt jr vnter euch im lande Iſrael dis Sprichwort / vnd ſprecht? Die Veter haben Heerlinge geſſen / Aber den Kindern ſind die Zeene dauon ſtumpff worden. 3So war als ich lebe / ſpricht der HErr HERR / ſolch Sprichwort ſol nicht mehr vnter euch gehen in Iſrael / 4Denn ſihe / alle Seelen ſind mein / Des Vaters ſeele iſt ſo wol mein / als des Sons ſeele / Welche Seele ſündigt / die ſol ſterben.

 

 

Verse 21-24

 

WO ſich aber der Gottloſe bekeret von allen ſeinen Sünden / die er gethan hat / vnd helt alle meine Rechte / vnd thut recht vnd wol / So ſol er leben vnd nicht ſterben. 22Es ſol aller ſeiner Vbertrettung / ſo er begangen hat / nicht gedacht werden / ſondern ſol leben vmb der gerechtigkeit willen / die er thut. 23Meineſtu / das jch gefallen habe am Tode des Gottloſen (ſpricht der HErr HERR) vnd nicht viel mehr / das er ſich bekere von ſeinem weſen / vnd lebe?

 

24VND wo ſich der Gerechte keret von ſeiner gerechtigkeit / vnd thut böſes / vnd lebet nach allen Greweln / die ein Gottloſer thut / Solt der leben? Ja aller ſeiner gerechtigkeit / die er gethan hat / ſol nicht gedacht werden / Sondern in ſeiner vbertrettung vnd ſünden / die er gethan hat / ſol er ſterben /

 

 

Verse 30-32

 

30Darumb wil ich euch richten / jr vdm →*1) hauſe Iſrael / einen jglichen nach ſeinem weſen / ſpricht der HErr HERR. Darumb / ſo bekeret euch von aller ewer vbertrettung / Auff das jr nicht fallen müſſet / vmb der miſſethat willen. 31Werfft von euch alle ewre vbertrettung / da mit jr vbertretten habt / vnd machet euch ein new hertz vnd newen Geiſt. Denn warumb wiltu alſo ſterben / du haus Iſrael? 32DENN ich hab kein gefallen am Tod des ſterbenden / ſpricht der HErr HERR / Darumb bekeret euch / ſo werdet jr leben.

 

 

 

 

PREDIGTTEXT
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
Lk 15,1-7(8-10)

III

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

C. XV.

 

 

Verse 1-2

Drei Gleichniſſe vom Erbarmen

Der Vorwurf der Phariſäer und Schriftgelehrten

→Mt 9,10-11    ↑ →Lk 5,29-30

 

ES naheten aber zu jm allerley Zölner

vnd Sünder / das ſie jn höreten. 2Vnd die Phariſeer vnd Schrifftgelerten murreten / vnd ſprachen / Dieſer nimpt die Sünder an / vnd iſſet mit jnen.

 

 

Verse 3-7

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf

|| →Mt 18,12-14

 

3Er ſaget aber zu jnen dis Gleichnis / vnd ſprach / 4Welcher Menſch iſt vnter euch der hundert Schafe hat / vnd ſo er der eines verleuret / der nicht laſſe die neun vnd neuntzig in der Wüſten / vnd hin gehe nach dem verlornen / bis das ers finde? 5Vnd wenn ers funden hat / ſo leget ers auff ſeine Achſeln mit freuden. 6Vnd wenn er heim kompt / ruffet er ſeinen Freunden vnd Nachbarn / vnd ſpricht zu jnen / Frewet euch mit mir / Denn ich habe mein Schaf funden / das verloren war. 7Ich ſage euch / Alſo wird auch freude im Himel ſein / vber einen Sünder / der buſſe thut / fur neun vnd neunzig Gerechten / die der buſſe nicht bedürffen.

 

 

Verse 8-10

Das Gleichnis vom verlorenen Groſchen

 

8ODer / welch Weib iſt / die zehen Groſſchen hat / ſo ſie der einen verleuret / Die nicht ein Liecht anzünde / vnd kere das Haus / vnd ſuche mit vleis / bis das ſie jn finde? 9Vnd wenn ſie jn funden hat / ruffet ſie jren Freundinnen vnd Nachbarinnen / vnd ſpricht / Frewet euch mit mir / Denn ich habe meinen Groſſchen funden / den ich verloren hatte. 10Alſo auch / ſage ich euch / wird freude ſein fur den Engeln Gottes / vber einen Sünder / der buſſe thut.

 

 

 

 

PREDIGTTEXT
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
1Joh 1,5 - 2,6

IV

 

 

 

Die erſte Epiſtel
S. Johánnis.

 

C. I.

 

 

Kapitel 1, Verse 5-10

Das Leben im Licht

 

5VND das iſt die verkündigung / die wir von jm gehöret haben / vnd euch verkündigen / Das Gott ein Liecht iſt / vnd in jm iſt kein Finſternis. 6So wir ſagen / das wir Gemeinſchafft mit jm haben / vnd wandeln im finſternis / So liegen wir / vnd thun nicht die warheit. 7So wir aber im Liecht wandeln / wie er im liecht iſt / So haben wir gemeinſchafft vnternander / Vnd das blut Jheſu Chriſti ſeines Sons / machet vns rein von aller ſünde.8So wir ſagen / Wir haben keine ſünde / So verfüren wir vns ſelbs / vnd die warheit iſt nicht in vns. 9So wir aber vnſere ſünde bekennen / ſo iſt er trew vnd gerecht / das er vns die ſünde vergibt / vnd reiniget vns von aller vntugent. 10So wir ſagen / wir haben nicht geſündiget / So machen wir jn zum Lügener / vnd ſein wort iſt nicht in vns.

 

 

C. II.

 

 

Kapitel 2, Verse 1-6

Chriſtus der Fürſprecher

MEine Kindlin / ſolchs ſchreibe ich euch / Auff das jr nicht ſündiget. Vnd ob jemand ſündiget / So haben wir einen Furſprecher bey dem Vater / Jheſum Chriſt / der gerecht iſt / 2Vnd derſelbige iſt die verſönung fur vnſer ſünde / Nicht allein aber fur die vnſere / ſondern auch fur der gantzen Welt. 3Vnd an dem mercken wir / das wir jn kennen / ſo wir ſeine Gebot halten. 4Wer da ſaget / Ich kenne jn / Vnd helt ſeine Gebot nicht / der iſt ein Lügener vnd in ſolchem iſt keine warheit. 5Wer aber ſein wort helt / in ſolchem iſt warlich die liebe Gottes volkomen / Daran erkennen wir / das wir in jm ſind. 6Wer da ſaget / das er in jm bleibet / der ſol auch wandeln / gleich wie er gewandelt hat.

 

 

 

 

PREDIGTTEXT
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
Lk 19,1-10

V

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

C. XIX.

 

 

Verse 1-10

Zachäus, der Oberzöllner

 

VND er zoch hin ein / vnd gieng durch

Jericho. 2Vnd ſihe / da war ein Man / genant Zacheus / der war ein öberſter der Zölner / vnd war reich / 3Vnd begerte Jheſum zuſehen / wer er were / vnd kundte nicht fur dem Volck / Denn er war klein von perſon. 4Vnd er lieff fur hin / vnd ſteig auff einen Maulberbaum / auff das er jn ſehe / Denn alda ſolt er durch komen. 5Vnd als Jheſus kam an dieſelbige ſtete / ſahe er auff / vnd ward ſein gewar / vnd ſprach zu jm / Zachee / ſteig eilend ernider / Denn ich mus heute zu deinem Hauſe einkeren. 6Vnd er ſteig eilend ernider / vnd nam jn auff mit freuden. 7Da ſie das ſahen / murreten ſie alle / das er bey einem Sünder einkeret.

συκάμινος mo­rus eſt/ſupra cap. 17. συκομορέα ficus Aegyptia / non caprificus / a ficu et moro. Vi­de Atheneum lib.2

→*1)

 

8ZAcheus aber trat dar / vnd ſprach zu dem HErrn / Sihe HErr / die helffte meiner Güter gebe ich den Armen / Vnd ſo ich jemand betrogen hab / das gebe ich vierfeltig wider. 9Jheſus aber ſprach zu jm / Heute iſt dieſem hauſe Heil widerfaren / Sintemal er auch Abrahams ſon iſt. 10Denn des menſchen Son iſt komen zu ſuchen vnd ſelig zu machen / das verloren iſt.

 

 

 

*1) συκάμινος morus eſt / ſupra cap. 17. συκομορέα ficus Aegyptia / non caprificus / a ficu et moro. Vi­de Atheneum lib.2

dt.: »Sykaminos« meint den Maulbeerbbaum [siehe] oben, Kapitel 17. »Sykomorea« die ägyptische Feige, nicht den Caprificus. Nach (der Abhandlung] : »Feige und Maulbeere«, siehe Atheneum, Band 2.

Siehe unsere Erläuterungen zu Luthers Notiz im zugehörigen Kapitel der Online-Bibel.

 

 

CONTINUATEXT (M)
AUS DEM ALTEN TESTAMENT
Jona 4

C1

 

 

 

Der Próphet
Jóná.

 

C. IIII.

 

 

Jonas Zorn über Gottes Handeln und ſein Unmut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Pſal.103.

→Pſal. 145.

→Joel.2.

DAS verdros Jona faſt ſeer / vnd ward zornig / 2Vnd betet zum HERRN vnd ſprach / Ah HERR / Das iſts / das ich ſaget / da ich noch in meinem Lande war / darumb ich auch wolte zuuor komen zufliehen auffs Meer / Denn ich weis / das du Gnedig / Barmhertzig / Langmütig vnd von groſſer Güte biſt / vnd leſſt dich des Vbels rewen. 3So nim doch nu HERR meine Seele von mir / Denn ich wolt lieber tod ſein denn leben. 4Aber der HERR ſprach / Meinſtu / das du billich zürneſt.

 

 

Die verdorrte Kürbispflanze und Jonas Unmut

 

VND Jona gieng zur Stad hin aus / vnd ſatzt ſich gegen Morgen werds der Stad / vnd macht jm daſelbs eine Hütten / da ſatzt er ſich vnter / in den ſchatten / Bis er ſehe / was der Stad widerfaren würde.

6GOtt der HERR aber verſchafft einen Kürbis / der wuchs vber Jona / das er ſchatten gab vber ſein Heubt / vnd errettet jn von ſeinem vbel / vnd Jona frewet ſich ſeer vber dem Kürbis. 7Aber der HERr verſchaffte einen Wurm / des morgens / da die Morgenröte anbrach / der ſtach den Kürbis / das er verdorrete. 8Als aber die Sonne auffgegangen war / verſchaffte Gott einen dürren Oſtwind / vnd die Sonne ſtach Jona auff den Kopff / das er matt ward. Da wündſchet er ſeiner Seelen den tod / vnd ſprach / Ich wolt lieber tod ſein denn leben.

 

 

Gottes Antwort an Jona: Barmherzigkeit

 

9DA ſprach Gott zu Jona / Meinſtu / das du billich zürneſt vmb den Kürbis? Vnd er ſprach / Billich zürne ich / bis an den tod. 10Vnd der HERR ſprach / Dich jamert des Kürbis / daran du nicht geerbeitet haſt / haſt jn auch nicht auff gezogen / welcher in einer nacht ward / vnd in einer nacht verdarb. 11Vnd Mich ſolt nicht jamern Nineue

ſolcher groſſen Stad / In welcher ſind mehr denn hundert vnd zwenzig tauſent Menſchen / die
nicht wiſſen vnterſcheid / was recht oder
linck iſt / Dazu auch viel Thiere.

 

 

Ende des Propheten Jona.

 

 

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
Joh 6,37-40

M1

 

 

 

Euangelium
S. Johannes.

 

C. VI.

 

 

Verse 37-40 aus dem Abschnitt:

Jeſus, das Brot des Lebens
Die Rede in der Synagoge von Kapernaum

 

37Alles was mir mein Vater gibt / das kompt zu mir / Vnd wer zu mir kompt / den werde ich nicht hin aus ſtoſſen. 38Denn ich bin vom Himel komen / nicht das ich meinen willen thu / ſondern des / der mich geſand hat. 39Das iſt aber der wille des Vaters / der mich geſand hat / Das ich nichts verliere von allem / das er mir gegeben hat / ſondern das ichs aufferwecke am Jüngſtentage. 40Das iſt aber der wille des der mich geſand hat / das / wer den Son ſihet / vnd gleubet an jn / habe das ewige Leben / Vnd ich werde jn aufferwecken am Jüngſtentage.

 

 

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEM ALTEN TESTAMENT
Mi 7,7.9.18-19[20]

M2

 

 

 

Der Próphet Micĥa.

 

C. VII.

 

 

Aus dem Abschnitt:

Vertrauen auf Gott im Angeſicht aller Anfeindung

Vers 7

 

ICH aber wil auff den HERRN ſchawen / Vnd des Gottes meines Heils erwarten / Mein Gott wird mich hören.

Ein Lied des Pro­phe­ten Mi­cha / Da­mit er ſich trö­ſtet wi­der der Gott­lo­ſen to­ben.

 

 

Vers 9

 

9Ich wil des HERRN zorn tragen / Denn ich habe wider jn geſündiget / Bis er meine Sache ausfüre / vnd mir Recht ſchaffe / Er wird mich ans Liecht bringen / Das ich meine Luſt an ſeiner Gnade ſehe.

 

 

 

(Ans Liecht)

Das iſt / Es wird mich tröſten.

 

 

Aus dem Abschnitt:

Vertrauen auf Gottes Erbarmen und die Erfüllung der Bundesverheißung

Vers 18-19

 

WO iſt ſolch ein Gott / wie du biſt? Der die Sünde vergibt / vnd erleſſet die Miſſethat / den vbrigen ſeines Erbteils / Der ſeinen zorn nicht ewiglich behelt / Denn er iſt barmhertzig. 19Er wird ſich vnſer wider erbarmen / vnſere Miſſethat dempffen / vnd alle vnſere

ſunde in die tieffe des Meers werffen.

 

 

Vers 20

 

20Du wirſt dem
Jacob die Trew / vnd Abraham die Gnade
halten / Wie du vnſern Vetern vor
langs geſchworen haſt.

 

 

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEN APOKRYPHEN
Tob 3,14-15.21-23

M3

Info

Das Buch Tobias (Tobit) ist Teil der →Apokryphen des Alten Testaments.
Diese Texte sind nicht in jeder Bibelausgabe abgedruckt!

Der Text des Buches Tobias wurde für die Lutherbibel 2017 komplett neu übersetzt und weicht von der hier gezeigten Textgestalt (gültig bis 2016; letzmals revidiert 1984) erheblich ab.

 

 

 

Das Bucĥ Tobie.

 

C. III.

 

 

Aus dem Abschnitt:

Saras Not und Gebet

Verse 14-15

 

Zur Vers­zäh­lung sie­he
→Anmerkung 1

 

 

 

 

 

 

Hab. 4.

[14]Gelobet ſey dein name HERR / ein Gott vnſer Veter / Denn wenn du zürneſt / erzeigeſtu gnad vnd güte / vnd in dem trübſal vergibſtu ſünde / denen die dich anruffen. 12[15]Zu dir / mein HERR / kere ich mein angeſicht / Zu dir hebe ich meine augen auff /

 

 

Verse 21-23

 

[21]Denn dein Rat ſtehet nicht in Menſchen gewalt.

 

[22]DAS weis ich aber furwar / wer Gott dienet / der wird nach der anfechtung getröſt / vnd aus der trübſal erlöſet / vnd nach der züchtigung findet er gnade / [23]Denn du haſt nicht luſt an vnſerm verderben. Denn nach dem vngewitter leſſt du die Sonnen wider ſcheinen / vnd nach dem heulen vnd weinen / vberſchütteſtu vns mit freuden. Deinem Namen ſey ewiglich ehre vnd lob / du Gott Iſrael.

 

 

 

*1)

InfoNeue Übersetzung in der Lutherbibel von 2017

Der Text des Buchs Tobias wurde für die Ausgabe 2017 aus dem griechischen Quelltext komplett neu übersetzt. Diese Übersetzung weicht erheblich von der bisherigen Textgestalt aller Lutherbibeln bis 2016 (letzte Revision 1984) ab.

 

Verszählung

Es liegen in unserem Text zwei verschiedene Verszählungen vor:

Die Zählung, in grüner Schrift und in eckigen Klammern gesetzt, folgt den Ausgaben der Lutherbibel vor 2017.

Eine Zählung in roter Schrift gesetzt, verweist auf die entsprechenden Verse oder Versteile der Lutherbibel von 2017. Allerdings verhindern die umfangreichen Änderungen in der neuen Übersetzung eine genaue Zuordnung der Verse. Auslassungen in der roten Nummernfolge sind keine Fehler, sondern begründen sich in den Textunterschieden.

Wir haben die roten Versnummern (wenn vorhanden) daher ebenfalls in eckige Klammern gesetzt, um anzuzeigen, dass diese Zählung nur eine Orientierungshilfe und keine vollständige Entsprechung darstellt.

 

Hinweis zum Gebrauch und zur Lutherbibel von 2017

Der Text der neuen Übersetzung 2017 mit seiner neuen Zählung wird in allen künftigen Publikationen der evangelischen Kirchen maßgeblich sein.

Die Versangaben in Dritttexten, z. B. in den Gottesdienstordnungen, beziehen sich derzeit noch durchweg auf die ältere Notation, wie wir sie in grüner Schrift wiedergegeben haben.

 

 
Text: Freut Euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Habt mit allen Menschen Friede. (Römer 12, 15.18)

Zum Gebrauch

Für die inhaltliche und thematische Gestaltung der Gottesdienste schlägt die Ordnung der evangelischen Kirchen biblische Texte vor.

Sie sind jedoch nicht nur für den Vortrag im Gottesdienst gedacht. Es sind gleichzeitig Leseempfehlungen für alle Gemeinde­mit­glie­der, für Christen, die sich nicht in der Gemeindearbeit engagieren können oder wollen, und für jeden, der sich für die christliche Religion oder für die Bibel in der praktischen Anwendung interessiert.

Wir möchten Sie daher ausdrücklich dazu ermuntern, die Textstellen einmal in Ihrer Bibel zu lesen.

Über das Jahr betrachtet und im Verlauf der Jahre werden Sie auf diese Weise in kleinen Einheiten, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, die wesentlichen Textzeugnisse kennenlernen, auf die sich die christliche Religion stützt.

Text der Lutherbibel von 1545

Eine Besonderheit weisen unsere Seiten auf: Etliche biblische Texte (wie beispielsweise den Wochenspruch, die Psalmen und die Perikopen) geben wir nicht in der modernen, von der evangelischen Kirche vorgege­be­nen Textgestalt wieder, sondern in der Schreibweise und in der Sprache der Lutherbibel aus dem Jahr 1545.

Es ist der Text, den Martin Luther selbst aus den Quellen übersetzt und formuliert hatte. Er führt uns zurück in die Anfänge der Reformation, als die Bibel populär wurde und es Laien erstmals möglich war, biblische Texte zu lesen und über ihren Inhalt und Sinn nachzudenken.

Diese Texte sind gut geeignet für den Vergleich mit modernen Übersetzungen, vor allem aber für sehr private Medita­tio­nen über ihre Botschaften und über ihre gewaltige, sprachliche Aussagekraft.

 
Gedankenpause Text: Kommt her zu mir! Ich will Euch Ruhe geben und erfrischen. (Mt 11,28)

Die Einladung zum Glauben

Die Sonntage der Trinitatiszeit möchten dazu anleiten und dabei behilflich sein, Glauben zu finden und zu leben.

Wer mag, kann in den vielen biblischen Textempfehlungen dieser Sonntage selbst nachforschen, was Glauben meint. Sie erzählen vom Wissen, von den Erfahrungen und vom Glauben anderer Menschen in unterschiedlichen Formen: als Geschichten, als Gleichnisse, als Reden, als Lieder oder als Sprüche.

Wer dann dazu bereit ist, kann versuchen, christlichen Glauben im Alltag zu entdecken und hier und da für sich selbst anzuwenden. Durchaus in kleinen Schritten und Stück für Stück, jedoch immer wieder.

Damit das Glaubensbekenntnis keine leere Formel bleibt, die man nur zu gegebenen Anlässen aus der Schublade holt, sondern gelebtes Leben ausdrückt:

Ich glaube an Gott, den Vater. Und an Jesus Christus. Und an den Heiligen Geist.

Glaube und lebe danach!

Dies ist die Aufforderung zur Tat, der »Call-to-action«, zu der alle Sonntage der Trinitatiszeit immer wieder mit aller gebotenen Festlichkeit einladen:

Glaube und lebe danach!

So, wie Martin Luther sich eingeladen fühlte nach einer vielfach wiederholten Meditation über einen ganz bestimmten Bibeltext:

Biblia D. Mart. Luth. M·D·XLV·
Epiſtel S. Paul an die Römer. C.I·xvia.xvii.

 

Ich ſcheme mich des Euangelij
von Chriſto nicht.

Denn es iſt eine Krafft Gottes / die da ſelig machet /
alle / die daran gleuben /

Sintemal darinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit /
die fur Gott gilt /
welche kompt aus glauben in glauben /
Wie denn geſchrieben ſtehet

Der Gerechte wird ſeines Glaubens leben.

→Römer 1,16A.17

 

Ob Sie die Einladung annehmen möchten, bleibt Ihnen überlassen.

Erläuterungen zum Text Römer 1,16a.17

Vision, Mission, Strategie

Der kurze Text →Römer 1,16A.17 ist äußerst modern konzipiert. Er enthält alle wesentlichen Merkmale des Konzepts des heutigen sog. normativen Unternehmensmanagements, ausgedrückt auf engstem Raum: das Leitbild, die Vision, die Mission, die Strategie und die Zielvereinbarung. Darüber hinaus steckt in ihm das Grundgerüst für die Botschaften, die es zu vermitteln gilt, sowie eine klare und eindeutige Handlungsempfehlung.

 

I. Das Leitbild

Das Leitbild beantwortet im Managementkonzept die Frage »Wofür stehen wir?« und formuliert dafür das Wertesystem, das zugrunde gelegt wird.

Paulus schreibt im ersten Satz: Wir stehen für das Evangelium von Chriſto. Die Christenheit orientiert sich am Wertesystem und an den Lehren des Evangeliums.

Das Leitbild ist klar. Die erste Herausforderung, der wir uns als Leser dieses Textes stellen müssen, ist es, die Glaubenslehren und die christliche Ethik des Evangeliums zu begreifen.

 

II. Die Vision

Die Vision beantwortet die Frage »Wo wollen wir hin?« und beschreibt, welches Fernziel erreicht werden soll.

Paulus nennt die Vision für praktizierende Christen im zweiten Satz: Selig werden!

»Selig werden«, das meint: Von allen irdischen Übeln erlöst werden (wie im Vaterunser formuliert) und des ewigen Lebens teilhaftig werden (wie es im Glaubensbekenntnis ausgedrückt ist). Den Weg dahin vermittelt Paulus in den Botschaften im selben Textstück.

Die Vision ist eindeutig: Selig werden, vom Übel erlöst werden, am ewigen Leben teilhaben. Das ist das ferne Ziel, dem wir zustreben. Doch wie? Dafür bedarf es der Mission.

 

III. Die Mission

Die Mission beantwortet die Frage »Was tun wir dafür?« und nennt die Aufgabe sowie den Zweck des Unternehmens.

Paulus sieht die Aufgabe darin, die Gerechtigkeit / die fur Gott gilt zu erlangen. Den Zweck beschreibt er so: daran gleuben , also den Glauben praktizieren.

Die Mission stellt die nächste Herausforderung dar: Glauben funktioniert nicht von jetzt auf nachher. Glauben entsteht nicht allein durch das stille Bekenntnis »Ich glaube!«. Glauben möchte und muss gelebt werden. Das verlangt Engagement.

Was die Aufgabe angeht, was »Gerechtigkeit« meint, die vor Gott gilt, das ist zu ergründen, bevor wir es leben können. Das ist eine weitere Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Gemeint ist die Gerechtigkeit, die sich aus dem Leitbild ableitet. Es geht also nicht um irgendeine Gerechtigkeit, wie sie beispielsweise in den Gesetzgebungen der Länder, Staaten und Nationen abgebildet ist, sondern um die vor Gott gültige, um die des Evangeliums.

Dafür muss man sich damit ernsthaft auseinandersetzen, um zu verstehen, was das Evangelium dazu sagt.

Neugierig macht uns Paulus mit seiner mahnenden Erkenntnis. Er schreibt: Das Evangelium Christi iſt eine Krafft Gottes. Sie ist es, die selig macht. Die Mission orientiert sich an der Vision »Selig werden«.

 

IV. Die Strategie

Die Strategie beantwortet die Frage »Wie wollen wir es erreichen?« und hält die mittelfristigen Ziele fest, also jene Ziele, die wir jetzt sofort ansteuern und in Kürze erreichen können. In diesem Fall meint das: zu unseren Lebzeiten, vor den fernen Zielen der Vision.

Paulus schreibt, wir erreichen das Ziel, gerecht vor Gott zu werden, aus glauben in glauben.

Die Strategie will geübt werden: Aus Glauben in Glauben, das meint, sich ständig am Glauben, am Wertesystem, am Evangelium orientieren, daraus die Kraft ziehen für zielgerichtetes Handeln, und dann danach handeln. Nicht leicht! Aber möglich.

 

V. Die Zielvereinbarung

Die Zielvereinbarung beantwortet die Frage »Wie machen wir es messbar?« und formuliert dafür das Kriterium, das für die Erfolgsmessung herangezogen wird. Woran also macht sich der Erfolg fest, wenn wir der Strategie folgen?

Paulus beschreibt die Zielvereinbarung und benennt das Messkriterium im letzten Satz:

Der Gerechte wird seines Glaubens leben.

Diese Zielvereinbarung erscheint trivial, ist sie aber nicht: Auf der Basis seines Glaubens leben, kann schwer sein. Und gefährlich. Unglaublich viele Menschen haben bis heute dafür schon ihr Leben gegeben. Und weitere werden folgen. Die Zeitungen berichten immer wieder über religiös motivierte Misshandlungen, über Folter und Verstümmelungen brutalster Art, sowie über Tötungen und Massentötungen von Menschen. Quer durch alle Kulturen und alle Religionen. Selbst Jesus, Petrus und auch Paulus haben letztendlich ihre religiöse Haltung mit dem Leben bezahlt.

Doch auch, wenn heute in Deutschland nicht unser Leben bedroht ist, nur weil wir Christen sind, gibt es sehr viele äußere und innere Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Sie scheinen klein und harmlos zu sein. Sind sie aber nicht!

Schämen Sie sich dafür, Christ zu sein? Als Christ in der Öffentlichkeit erkannt zu werden? Schämen Sie sich dafür, »Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst!« zu sagen, wenn es angebracht ist? Halten Sie sich dann zurück?

Paulus schrieb dazu seine Haltung, die nach seiner Erfahrung sowohl die äußeren Hindernisse wie auch die inneren Hindernisse überwinden hilft:

Ich ſcheme mich des Euangelij von Chriſto nicht.

Lernen, sich nicht zu schämen. Das setzt voraus, dass man übt und erfährt, wie es sich anfühlt. Lernen aus Erfahrung.

Sich nicht schämen für seinen Glauben, weder vor sich selbst noch vor anderen, auch das kann einem sehr schwer gemacht werden. Es verlangt Mut, zu seiner inneren Haltung zu stehen. Sehr viel Mut. Und denen, die den Mut aufbringen, gehört aller Respekt dafür. Sie sind es, die das Christentum und seine Lehren tragen und weitergeben, sie schreiten voran mit ihrem Beispiel. Das ist nicht einfach in einer Welt, in der andere Werte gesellschaftlich erstrebenswert und sehr oft bedeutungsvoller sind.

Es braucht Mut. Selbst Petrus hatte es im Angesicht der Gefangennahme Jesu nicht geschafft, zu Jesus zu stehen und ihn dreimal verleugnet. Gut, diese Situation war auch brandgefährlich für ihn.

Doch wie ist es bei Ihnen zu Hause? Beten Sie? Sprechen Sie beispielsweise Tischgebete? Auch wenn Gäste dabei sind? Gehen Sie in die Kirche ihrer Gemeinde? Erzählen Sie danach über ihre Erlebnisse und über das Gehörte dort im Bekanntenkreis? Ergreifen Sie Partei, wenn gegen christliche Lehren verstoßen wird, beispielsweise in der Nachbarschaft, im Verein oder am Stammtisch? Ergreifen Sie Partei, wenn Menschen zu Opfern gemacht werden von kleinen und größeren Taten? Wenn über Dritte hergezogen wird im lockeren Tratsch unter Nachbarn und am Arbeitsplatz? Wenn eigentlich »Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!« angesagt wäre?

Sich nicht schämen und Courage zeigen, dort, wo andere schweigen, sich nicht schämen und seinem Gewissen folgen, aus Glauben in Glauben, ist wirklich nicht leicht. Doch es ist die Voraussetzung dafür, die Zielvereinbarung für praktizierten Glauben zu erfüllen.

Das schafft man nicht immer. Nicht immer ist es möglich, 100% Zielerreichung zu erbringen. Was auch nicht schlimm ist, man sollte sich nur klar darüber werden, woran es liegt, und wie man es ändern kann, wenn man seine Ziele nicht geschafft hat. Diese Reflexion hilft dabei, sich zu rüsten für das, was vor einem liegt.

 

VI. Die Botschaften

Paulus liefert uns als Empfänger dieser Zeilen in diesem Text im wesentlichen gleich drei Botschaften:

1. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt – und damit vor den Menschen! –, kommt im Glauben an das Evangelium aus dem Glauben heraus.

2. Der vor Gott und vor seinen Mitmenschen »Gerechte« wird diesen Glauben leben und danach handeln. Reden ist eins, Handeln etwas anderes.

3. Wer entsprechend handelt, braucht sich seines Glaubens und des Evangeliums nicht zu schämen. Vielmehr ist er er aufgefordert, seinen Glauben frei und unbekümmert zu leben, wobei ihm die »Kraft Gottes« behilflich ist, die im Evangelium steckt.

 

VII. Die Handlungsempfehlung

Der Text liefert die Handlungsempfehlung für jeden, der in irgendeinem Sinne gerecht leben möchte: Probiere es einmal mit dem christlichen Glauben!

Denn egal, was man glaubt, es drückt sich immer in der Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen, im Denken, im Reden und im Handeln aus.

Dies gilt für Christen genau so. Ihre wirkliche Einstellung und das, was sie tatsächlich glauben unabhängig von einer Taufurkunde, lässt sich nicht verbergen! Ihr Reden und ihre Taten sind Ausdruck ihrer Gesinnung. Es sind die Zeugnisse, die sie sich selbst ausstellen. Es sind die Spiegelbilder, die alle anderen um sie herum wahrnehmen und die sich nicht beschönigen lassen. Immer und Überall.

Auch und oftmals gerade im Alltag wird es sichtbar: Im Umgang mit unseren Kindern und mit unseren Eltern, mit Verwandten und Bekannten, mit Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten. Im Auto, im Supermarkt und im Restaurant. Kurz: Überall dort, wo wir sind, wo wir Handeln und wo wir Spuren unseres Seins hinterlassen..

Das christliche Bekenntnis und die Erwartung, selig werden zu wollen, geht einher mit der Aufforderung, gerecht zu leben. Immer und überall. Daran wird es sich erweisen, ob man Gerecht ist vor Gott und den Menschen:

Der Gerechte wird seines Glaubens leben.

 

Motivation und Einladung

Insofern bietet der Text die Motivation für jedes Handeln eines Christen. Er beschreibt praktiziertes Christentum.

Gleichzeitig ist er die Einladung an alle, die gerecht leben wollen, ob getauft oder ungetauft, es doch einmal mit dem christlichen Glauben zu probieren. Es kostet ja nichts.

 

Leittext für die Zeit nach Trinitatis

Wir haben den Text→Römer 1,16A.17als Leittext für unsere Beiträge zu den Sonntagen nach Trinitatis gewählt. In dieser Zeit stehen die Themen »Glaube« und »Gemeinde« im Vordergrund. Es geht um die Fragestellungen, was Glauben ist, wie sich Glauben zeigt und auswirkt, wie die Gemeinde Glauben umsetzen und leben kann und wie Glauben die Gemeinde formt.

Wir meinen: Neben dem Vaterunser und dem Glaubensbekenntnis bieten die Ausführungen von Paulus wunderbare Anleitungen für praktiziertes Christentum. Sie erklären in äußert knapper Form die Beziehung Gottes zu den Menschen.

Sie finden daher unter den Leseempfehlungen auf dieser Seite weitere Artikel und Materialien, die sich mit diesem Thema, der Beziehung Gottes zu den Menschen, auseinandersetzen.

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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