Der Brief des Paulus: An die Römer | Kapitel 1

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Die Briefe des Paulus

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Briefe des Paulus

Der Brief des Paulus:
An die Römer

Kapitel 1

 

Rom 1

 

Der Text in 16 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 1

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel I

 

 

1,1-17

 

I. PROLOG: BRIEFEINGANG

 

1

1,1-7

→Paulus der Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium

2

1,8-15

→Paulus verlangt es, nach Rom zu kommen

3

1,16-17

→Das Bekenntnis zum Evangelium

 

 

1,18 - 3,20

 

II. ALLE MENSCHEN SIND IN GLEICHER WEISE SCHULDIG

 

4

1,18-32

→Die Gottlosigkeit und die Ungerechtigkeit der Menschen

 

 

Rom 1,3

 

Im folgenden Text ist der bezeichnete Vers hervorgehoben.

 

 

 

 

 
[335a]

 

CCCXXXV.

 

Die Epiſtel S. Pauli:
An die Römer.

 

I.

 

Holzschnitt, Titelbild zum Römerbrief

 

 

I. PROLOG: BRIEFEINGANG

 

 

1,1-17

 

 

Paulus der Apoſtel /
ausgeſondert zu predigen das Euangelium

Vnter-

schrifft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vber-

schrifft

 

Grus.

PAulus ein Knecht

Jheſu Chriſti / beruffen zum

Apoſtel / ausgeſondert zu predigen das Euangelium Gottes / 2Welchs er zuuor verheiſſen hat / durch ſeine Propheten / in der heiligen Schrifft / 3von ſeinem Son / der geboren iſt von dem ſamen Dauid nach dem Fleiſch / 4vnd krefftiglich erweiſet ein Son Gottes / nach dem Geiſt / der da heiliget / Sint der zeit er aufferſtanden iſt von den Todten / nemlich / Jheſus Chriſt vnſer HErr / 5Durch welchen wir haben empfangen Gnade vnd Apoſtelampt vnter alle Heiden / den gehorſam des Glaubens auff zurichten / vnter ſeinem Namen / 6Welcher jr zum teil auch ſeid / die da beruffen ſind von Jheſu Chriſto.

7ALlen die zu Rom ſind / den liebeſten Gottes / vnd beruffenen Heiligen.

GNAde ſey mit euch vnd Friede / von Gott vnſerm Vater / vnd dem HErrn Jheſu Chriſto.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Nach dem Geiſt)

Der geiſt Gottes iſt ge­ge­ben nach Chri­ſtus auf­fahrt / von da an hei­li­get er die Chri­ſten vnd ver­kle­ret Chri­ſtum in al­ler welt das er Got­tes ſon ſey mit al­ler macht / in wor­ten / wun­dern / vnd zei­chen.

 

 

Paulus verlangt es, nach Rom zu kommen

Ehrbie-

tung.

AVffs erſt / Dancke ich meinem Gott / durch Jheſum Chriſt / ewer aller halben / Das man von ewrem glauben in aller Welt ſaget. 9Denn Gott iſt mein Zeuge (welchem ich diene in meinem Geiſt / am Euangelio von ſeinem Son) Das ich on vnterlas ewer gedencke / 10vnd alle zeit in meinem gebet flehe / Ob ſichs ein mal zutragen wolt / das ich zu euch keme / durch Gottes willen. 11Denn mich verlanget euch zu ſehen / Auff das ich euch mitteile etwas geiſtlicher Gabe / euch zu ſtercken 12(Das iſt) Das ich ſampt euch getröſtet würde / durch ewren vnd meinen glauben / den wir vnternander haben.

13ICH wil euch aber nicht verhalten / lieben Brüder / das ich mir offt habe

 

 
[335a | 335b]

 

 

Die Epiſtel     C. I.

 

 

furgeſetzt / zu euch zu komen / Bin aber verhindert bis her / Das ich auch vnter euch Frucht ſchaffete / gleich wie vnter andern Heiden. 14Ich bin ein Schüldener / beide der Griechen vnd der Vngriechen / beide der Weiſen vnd der Vnweiſen / 15Darumb / ſo viel an mir iſt / bin ich geneiget / auch euch zu Rom das Euangelium zu predigen.

 

 

Das Bekenntnis zum Evangelium

 

 

 

 

 

 

 

 

→Aba. 2.

16Denn ich ſcheme mich des Euangelij von Chriſto nicht / Denn es iſt eine Krafft Gottes / die da ſelig machet / alle / die daran gleuben / die Jüden furnemlich vnd auch die Griechen. 17Sintemal darinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit / die fur Gott gilt / welche kompt a aus glauben in glauben / Wie denn geſchrieben ſtehet / Der Gerechte wird ſeines Glaubens leben.

a

(Aus glauben)

Aus dem an­ge­fan­gen ſchwa­chen glau­ben / fort in den ſtar­cken. Denn der Glau­be fei­ret nicht.

 

 

 

II. ALLE MENSCHEN SIND IN GLEICHER WEISE SCHULDIG

 

 

1,18 - 3,20

 

 

Die Gottloſigkeit und die Vngerechtigkeit der Menſchen

 

Denn Gottes zorn vom Himel wird b offenbart vber alles gottloſes weſen vnd vngerechtigkeit der Menſchen / die die Warheit in vngerechtigkeit auffhalten. 19Denn das man weis / das Gott ſey / iſt jnen offenbar / Denn Gott hat es jnen offenbart / 20damit / das Gottes vnſichtbares weſen / das iſt / ſeine ewige Krafft vnd Gottheit / wird erſehen / ſo man des warnimpt / an den Wercken / nemlich / an der ſchepffung der welt. Alſo / das ſie keine entſchüldigung haben / 21Die weil ſie wuſten / das ein Gott iſt / vnd haben jn nicht gepreiſet als einen Gott / noch gedancket / Sondern ſind in jrem c Tichten eitel worden / vnd jr vnuerſtendiges Hertz iſt verfinſtert. 22Da ſie ſich fur Weiſe hielten / Sind ſie zu Narren worden / 23Vnd haben verwandelt die Herrligkeit des vnuergenglichen Gottes / in ein Bilde gleich dem vergenglichen Menſchen / vnd der Vogel / vnd der vierfüſſigen vnd der kriechenden Thiere.

DArumb hat ſie auch Gott dahin gegeben in jrer Hertzen gelüſte / in vnreinigkeit / zu ſchenden jre eigene Leibe an jnen ſelbs. 25Die Gottes d warheit haben verwandelt in die Lügen / vnd haben geehret vnd gedienet dem Geſchepffe mehr denn dem Schepffer / der da gelobet iſt in ewigkeit / Amen. 26Darumb hat ſie Gott auch dahin gegeben in ſchendliche lüſte / Denn jre Weiber haben verwandelt den natürlichen brauch in den vnnatürlichen. 27Deſſelbigen gleichen auch die Man haben verlaſſen den naturlichen brauch des Weibes / vnd ſind an einander erhitzet in jren Lüſten / vnd haben Man mit Man ſchande gewircket / vnd den Lohn jres jrthumbs (wie es denn ſein ſolte) an jnen ſelbs empfangen.

28VND gleich wie ſie nicht geacht haben / das ſie Gott er­ken­ne­ten / hat ſie Gott auch da hin ge­ge­ben in ver­ke­re­ten ſinn / zu thun / das nicht taug / 29Vol al­les Vn­ge­rech­ten / Hu­re­rey / Schalck­heit / Gei­tzes / Boſ­heit / vol Haſ­ſes / Mor­des / Had­ders / Liſts / Giff­tig / Oh­ren­ble­ſer / 30Ver­leumb­der / e Got­tes ver­ech­ter / Freue­ler / Hof­fer­tig / f Rhum­re­tig / g Sched­li­che / den El­tern vn­gehor­ſam / h31Vn­ue­rnünff­ti­ge / Trew­lo­ſe / i Stör­rig / k Vn­uer­ſün­lich / Vvn­barm­her­tzig. 32Die Got­tes ge­rech­tig­keit wiſſen (das die ſolchs thun / des To­des wir­dig ſind) Thun ſie es nicht allein / ſon­dern ha­ben auch ge­fal­len an denen / die es thun.

b

(Offenbart)

Es wird vom Hi­mel offen­bart / (ſonſt wü­ſte al­le Welt da­uon ni­chtſ) das kein Menſch from ſey fur Gott / ſon­dern al­le ſampt / Gott­los / ſün­der / vnge­recht / das iſt / Kin­der des zorns / Vt Infra Cap. 3. Non eſt iuſ­tus etc.

→*1)

Vnd wenn ſie ſchon von Gott et­was wiſ­ſen oder hö­ren ſind ſie doch ſo bö­ſe / das ſie jm we­der dancken noch die­nen. Da her ſie auch müſ­ſen zur ſtraf­fe in aller­ley La­ſter fal­len etc.

 

c

(Tichten) Wo nicht glau­be iſt / da fel­let die Ver­nunfft von ei­nem auffs an­der / bis ſie gar ver­blen­det wird in jrem tich­ten / Wie denn al­len wei­ſen vnd ſpitzi­gen Köpffen ge­ſchicht.

 

d

(Gottes warheit)

Das iſt / aus dem rech­ten Gott ha­ben ſie Gö­tzen ge­macht.

 

e

(Gottes verech­ter) Sind die rech­ten Epi­cu­rer / die da le­ben / als ſey kein Gott.

f

(Rhumretig)

Die viel rhü­men / vnd ge­rhü­met wol­len ſein / als we­ren ſie et­was ſon­der­lichs / vnd ſinds doch nicht.

 

 

 

 

g      (Schedliche) Die tag vnd nacht trachten andern Leuten ſchaden vnd leid zuthun / ſind auch geſchickt vnd geſchwind / ſolche practiken zu finden.

h      (Vnuernünfftig) Das man heiſſt / Ein groben man / Hans vnuernunfft mit dem Kopff hin durch etc.


i      (Störig) Vnbrüderlich / Wülfiſch / Hündiſch / die weder luſt noch lieb zu weiber / Kinder / Brüder / ſchweſter ja Eltern haben.

k      (Vnuerſünlich) Die nicht vergeben künnen / nicht zuuerſünen ſind.

 

 

 

*1) lat.: Vt Infra Cap. 3. Non est iustus etc.

dt.: »Wie weiter unten in Kapitel 3 [geschrieben steht] : Niemand ist gerecht usw.«
Vgl. dazu →Rom 3,3-4 und die weiteren Ausführungen in Kapitel 3.

 

 

Hinweis zur Abbildung im Brief an die Römer, Kapitel 1:
Klicken Sie auf das Bild oben, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Die Bildsprechung finden Sie in diesem Artikel:

Titelbild zum Brief des Paulus an die Römer

→Das Titelbild zum Brief an die Römer

Der Druckstock wurde in der Ausgabe von 1545 viermal verwendet: in den Briefen an die Römer, an die Korinther, an die Galater und an Timotheus. Der Artikel betrachtet den Holzschnitt und stellt die darin enthaltene Symbolik vor.

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Aba.
Abac.
Hab.
Der Prophet Habacuc.

Biblia Vulgata: Abacuc

Der Prophet Habakuk

Das Buch Habakuk

Hab

Hab

Hab

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Rom 1 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Knecht

1: Apoſtel

1: zuuor

2: Propheten

2: heiligen

3: ſamen

3: Dauid

4: krefftiglich

4: Geiſt

4: heiliget

4: Sint

4: HErr

5: Apoſtelampt

5: Heiden

5: Glaubens

7: Heiligen

7: ſey

9: on vnterlas

13: verhalten

13: furgeſetzt

14: Schüldener

14: Vngriechen

16: ſelig

16: gleuben

17: ſintemal

18: gottloſes

26: lüſte

26: Weiber

28: thun

29: Schalckheit

29: Hadders

29: Ohrenbleſer

30: Gottes verechter

30: Hoffertig

30: Rhumretig

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Knecht

Knecht, der

Das Wort meint im eigentlichen Sinn einen Menschen männlichen Geschlechts unabhängig vom Alter.

Davon haben sich verschiedene Bedeutungen abgeleitet:

 

a) Mann

b) Jüngling

c) Junggeselle, unverheirateter (junger) Mann

b) braver Mann, Ehrenmann

e) lernender oder dienender Jüngling; Knappe; Lehrling; Geselle

f) Kriegsknecht (Soldat, der das Kriegshandwerk zum Beruf gemacht hat)

g) Landsknechte (im edlen Ansinnen)

h) allg. Dienender (in Anstellung eines Herrn)

i) Gottes Knecht (von Gott dienenden Menschen, so auch von Christen allgemein, unabhängig vom Geschlecht)

 

→Ps 79,2

 

Sie haben die Leichnam deiner Knechte den Vogeln vnter dem Himel zu freſſen gegeben

 

Sie haben die Leichen deiner Knechte den Vögeln unter dem Himmel zu fressen gegeben.

 

Knechte meint hier die (treuen) Diener Gottes, die Angehörigen des Volkes Israel.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

1

Apoſtel

Apostel, der

griechisch: ἀπόστολος (apostolos), der Gesandte

 

Die Bezeichnung »Apostel« meint im Deutschen »Gesandter«. In der kirchlichen Auffassung handelt es sich um den inneren Kreis der Jünger Jesu. Diese Jünger waren zu Lebzeiten Jesu seit dessen Taufe durch Johannes seine engsten Begleiter. Allen Aposteln wurde der Sendungsauftrag, wie er in Matthäus 28,19 beschrieben ist, von Jesus selbst erteilt.

 

Die Namensliste der ersten zwölf Apostel, die Jesus berufen hatte, findet sich in der Bibel an mehreren Stellen, so im Matthäus-Evangelium (10, 1-4), im Markus-Evangelium (3, 13-19) und im Lukas-Evangelium (6, 12-16).

 

Die Auswahl der Zwölf Apostel (Lk 6,12-16)

 

12ES begab ſich aber zu der zeit / das er gieng auff einen Berg zu beten / vnd er bleib vber nacht in dem gebet zu Gott. 13Vnd da es tag ward / rieff er ſeinen Jüngern / vnd erwelet jrer Zwelffe / welche er auch Apoſtel nennet / 14Simon / welchen er Petrum nennet / vnd Andrean ſeinen bruder / Jacobum vnd Johannem / Philippum vnd Bartholomeum / 15Mattheum vnd Thomam / Jacobum Alphei ſon / Simon genant Zelotes / 16Judam Jacobs ſon / vnd Judam Jſchariothen den Verrheter.

 

Der Kreis der Apostel nach der Auferstehung

 

In der Apostelgeschichte wird der Kreis der Apostel benannt, wie er sich nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt entwickelt hatte. Die Liste in der Apostelgeschichte 1, 13 nennt nur noch elf Namen und lässt Judas Iskariot aus.

 

In Apostelgeschichte 1, 21-26 wird über eine Nachwahl berichtet, die nötig war, damit der Kreis der Apostel wieder aus 12 Personen bestünde. Gewählt wurde ein Mann namens Matthias.

 

In der römisch-katholischen Kirche

 

Zum Kreis der Apostel zählt die katholische Kirche zudem Barnabas und Paulus. Der Text in Apostelgeschichte 14, 14 bezeichnet beide als Apostel.

 

In der Apostelgeschichte und in den Briefen im Neuen Testament sind weitere Personen ausdrücklich als Apostel bezeichnet. Ihre Namen fanden aber keinen Einzug in das Kalendarium der römischen Kirche.

 

In der evangelischen Kirche

 

Die evangelische Kirche kennt insgesamt 13 Apostel, für die Gedenk- und Feiertage im Kalender eingerichtet wurden. In dieser Liste sind Judas Iskariot, der Jesus verraten hatte, und Barnabas nicht enthalten, wohl aber Matthias und Paulus.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

zuuor

zuvor (Adverb)

zeitlich vorhergehend, davor

 

→Ps 119,152

 

Zuuor weis ich aber

 

a) Zuvor weiß ich aber,

b) Ich weiß bereits,

 

 

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2

Prophet

Prophet, der

lateinisch: propheta

griechisch: προφήτης

 

Ein Prophet ist ein Verkünder der Zukunft, der getrieben aus der Motivation eines heiligen Anspruchs Gottes Wort verkündigt und bezeugt.

 

→Röm 1,1.2

 

zu predigen das Euangelium Gottes / 2Welchs er zuuor verheiſſen hat / durch ſeine Propheten / in der heiligen Schrifft

 

zu predigen das Evangelium Gottes, welches er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift

 

 

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2

heilig

heilig (Adjektiv)

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungswürdig.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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3

Samen

Samen, der

 

Nachkommen, die

Im eigentlichen Sinn sind Samen Gebilde, die sich aus den Blüten von Pflanzen entwickeln, und aus denen in geeigneter Umgebung neue Pflanzen wachsen können. Beim Menschen bezeichnet Samen das Sperma.

 

Luther verwendet den Begriff Samen in Bezug auf Menschen immer wieder in der Bedeutung Nachkommen.

 

→Ps 105,6 (u.a.) : der ſamen Abrahams

die Nachkommen Abrahams

 

→Ps 22,24 : Es ehre jn aller ſame Jacob

Es mögen ihn alle Nachkommen Jakobs ehren

 

→Ps 22,24: vnd fur jm ſchewe ſich aller ſame Jſrael.

und alle Nachkommen Israels mögen sich vor ihm erschrecken

 

→Ps 18,51: Dauid vnd ſeinem Samen ewiglich.

David und allen seinen Nachkommen.

 

→Röm 1,3: der geboren iſt von dem ſamen Dauid nach dem Fleiſch

der geboren ist von Davids Nachkommen nach dem Fleisch

 

 

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3

Dauid

David

hebräisch: דָּוִד (dͻwid) oder דָּוִיד (dͻwīd)

lateinisch: David

griechisch: Δαυιδ (David)

 

Zur Person Davids

 

Nach der biblischen Überlieferung war David König von Juda und nach Saul der zweite König Israels. Er lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr.

 

Genauere Lebensdaten sind unbekannt. Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer. Schließlich wurde er Sauls Nachfolger als König über Israel.

 

David in der Bibel

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

König David gilt als der Autor von 73 Psalmen. Siehe dazu die folgenden Artikel:

 

→Psalm Davids

→Gülden Kleinod Davids

→Unterweisung Davids

→Lied Davids

→Psalmlied Davids

→Gebet Davids

→Unschuld Davids

→Lob Davids

→Davids

 

 

 

 

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4

krefftiglich

kräftiglich (Adverb, veraltet)

vesrtärktes kräftig, überwiegend adverbial gebraucht

 

→Rom 1,3.4

 

der geboren iſt von dem ſamen Dauid nach dem Fleiſch / 4vnd krefftiglich erweiſet ein Son Gottes / nach dem Geiſt

 

der geboren ist von Davids Nachkommen nach dem Fleisch, und sich eindeutig als ein Sohn Gottes erwies nach dem Geist

 

 

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4

heilige Geiſt

heilige Geist, der

griechisch: πνεῦμα ἅγιον (pneuma hagion)

lateinisch: Spiritus Sanctus

 

Der Geist Gottes als göttliche Kraft.

 

Heiliger Geist im Christentum

 

Der Begriff Heiliger Geist ist heute vorbesetzt:

 

Der Heilige Geist wird als die dritte »Person« in der Trinität, in der Dreieinigkeit Gottes, verstanden. Danach ist Gott ein Wesen, dass drei Personen in einer darstellt: Gott-Vater (den Schöpfer), Gott-Sohn (Jesus Christus) und Gott-Geist (Heiliger Geist). Obwohl als Person betitelt, stellt der Heilige Geist aber keine eigenständige, losgelöst von Gott existierende Gottheit dar. Vielmehr ist seine Gegenwart immer zugleich als Gegenwart Gottes (und als Gegenwart Jesu Christi; Dreieinigkeit) zu verstehen.

 

Das Gottesbild, das die Trinitätslehre zeichnet, ist ein künstliches, hochgradig komplexes Konstrukt der Kirchenväter des 4. und 5. Jahrhunderts nach Christus. Es versucht, die verschiedenen Wesenheiten Gottes in einer Person zu bündeln, wirft aber gleichzeitig viele neue Fragen auf, die jedoch dogmatisch ausgeblendet werden.

 

Mehr über die Trinitätslehre findet sich in den Gedankenpausen unseres Artikels →Trinitatis

 

Luther sah die Gemeinschaftlichkeit von Gott, Jesus und Heiligem Geist, und bejahte insofern die Dreieinigkeit, konnte allerdings der Dreieinigkeit in einer Person nicht zustimmen.

 

Der Ausdruck »heiliger Geist« in der Lutherbibel

 

In den Texten der Lutherbibel wird der Begriff heiliger Geist ohne das gedankliche Übergebäude der Trinitätslehre verwendet. Hier kommt schlicht die Übersetzung aus den griechischen und lateinischen Quellen zum Tragen.

 

Der heilige Geist der Lutherbibel meint also nicht den Heiligen Geist der Trinitätslehre und sollte mit ihm nicht verwechselt werden.

 

Heiliger Geist und Geist Gottes im Alten Testament

 

Hebräische Formen:

 

  • ŸŸŸŸŸ—œGeist: רוח (ruach, Atem, Geist, Leben, Lebenskraft)
  • Der Geist des HERRN (JHWH): יְהוָֹה  רוּחֵ (ruache jehowa)
  • Der Geist Gottes: אֶלֹהימ  רוּחֵ (ruache elohim) , das von Gott gegebene Lebensprinzip, die von Gott gegebene Lebenskraft
  • sein (Gottes) heiliger Geist: קָדְשׁוֹ  רוּחֵ (ruache qadesho)
  • Heiliger Geist: הַקֹּדֶשׁ  רוּחֵ (ruache ha-qodesh)

 

Bemerkenswert ist, dass Geist im Verbindung mit Gott immer mit Atem und Leben bzw. einer Lebenskraft gedacht ist, die die Existenz der Schöpfung (aller Lebewesen) und somit des Menschen bedingt.

 

Der heilige Geist (Gottes) ist weder ein göttliches Wesen, noch Gott selbst. Er ist als Geist Gottes eine göttliche Kraft, die Lebewesen brauchen, um zu leben, und die in unterschiedlichen Qualitäten in Menschen beleben kann.

 

Das Attribut heilig macht klar, dass die hier herausgestellte Qualität neben dem Lebensnotwendigen das göttlich Vollkommene umfasst: Wer vom heiligen Geist erfüllt ist, besitzt eine besondere Lebenskraft; eine, die (in Abgrenzung zum Irdischen) von im religiösen Sinn göttlicher Kraft, vom Glauben, inspiriert und getragen wird.

 

Heiliger Geist im Neuen Testament

 

Jesus stützt sich auf die Vorstellung des heiligen Geistes aus dem Alten Testament. Er lebte im Umfeld der jüdischen Religion, nicht in dem der späteren Kirchenväter. Die Trinitätslehre war ihm unbekannt.

 

Das Neue Testament kennt den Heiligen Geist daher in gleicher Weise wie das Alte Testament nur als Kraft Gottes.

 

Das Verständnis der neutestamentlichen Texte, die den heiligen Geist nennen, hängt davon ab, mit welchem Hintergrund, mit welcher Idee vom heiligen Geist die Texte gelesen und interpretiert werden.

 

Nach Paulus (→Rom 1,4) ist es der Geist, der heilig macht:

 

nach dem Geiſt / der da heiliget

 

Luther erläutert den Begriff Geiſt im Scholion zu Rom 1,4 so:

 

Der geiſt Gottes iſt gegeben nach Chriſtus auf­fahrt / von da an hei­li­get er die Chri­ſten vnd ver­kle­ret Chri­ſtum in al­ler welt das er Got­tes ſon ſey mit al­ler macht / in wor­ten / wun­dern / vnd zei­chen.

 

 

 

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4

heiligen

heiligen (Verb)

als göttlich vollkommen verehren

 

Ableitung aus dem Adjektiv heilig:

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungs­würdig.

 

 

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4

ſint

sint (Präposition, veraltet)

veraltete Nebenform zur Präposition seit

 

→Röm 1,4

 

Sint der zeit er aufferſtanden iſt von den Todten

 

Seit der Zeit, da er auferstanden ist von den Toten

 

 

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4

HErr

HErr, Adonaj

HErr, Kyrios

Aussehen in unseren Frakturschriften: HErr oder HErr

 

Feststehende, besondere Schreibweise Luthers (zwei Großbuchstaben, gefolgt von zwei Kleinbuchstaben), um anzuzeigen, dass sich dahinter eine Bezeichnung Gottes (im Alten Testament) oder Jesu (im Neuen Testament) befindet.

 

HErr im Alten Testament

 

Luther verwendet im Alten Testament die Schreibweise HErr, wenn im hebräischen Text das Wort Adonaj (hebr. ‏אֲדֹנָי‎, pl. von Adon, Herr) anstelle des Gottesnamens steht.

 

HErr im Neuen Testament

 

Im Neuen Testament steht HErr dort, wo in den griechischen Quellen mit dem Wort kyrios (Herr, Besitzer, Gebieter) Jesus Christus als Sohn Gottes gemeint ist.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen →»HERR« (in Groß­buch­staben) und →»Herr« (in Kleinbuchstaben bzw. mit Großbuchstaben »H« am Anfang.

 

 

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5

Apoſtelampt

Apostelamt, das

griechisch: ἀποστολή (apostole), die Aussendung

 

Die »Aussendung« wird inhaltlich als Auftrag, als Amt verstanden, das der Gesandte (Apostel) zu erfüllen hat. Das griechische Wort ἀποστολή wird in den biblischen und christlichen Texten nur im Sinn Apostelamt gebraucht.

 

→Röm 1,5

 

Durch welchen wir haben empfangen Gnade vnd Apoſtelampt vnter alle Heiden

 

Durch welchen wir empfangenn haben Gnade und Apostelamt unter allen Heiden

 

 

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5

Heiden

Heiden, die

Heide, der

Heiden
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
684 412 120 152

Im Alten Testament nur im Plural gebräuchlich.

 

(eigtl. Völker). Im religiösen Sinn sind Heiden Menschen, die nicht an Gott glauben bzw. angehörige fremder Religionen.

 

Gemeint sind (allumfassend) Völker mit fremden Religionen und fremden Gotteskulten aus der Sicht des Sprechenden in Abgrenzung zum Volk Gottes.

 

Im Neuen Testament verwendet Luther das Wort auch im Singular:

 

→Mt 18, 17

 

Höret er die Gemeine nicht / So halt jn als einen Heiden vnd Zölner.

 

Hört er nicht auf die Gemeinde, dann halte ihn für einen Heiden und Zöllner.

 

 

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5

Glaube

Glaube, der

Glauben, der

Glaube(n)
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
552 94 28 430
Mhd.: geloube, gloube, f., m.

Gegenstück: →Unglaube(n).

 

In der Bibel tritt der Begriff bevorzugt in seiner religiösen Bedeutung auf:

 

Glaube bezeichnet allgemein sowohl das auf Gott gerichtete hingebende Vertrauen religiöser Menschen, sowie eine innere Bejahung, Aneignung und Bewahrung der offenbarten Gotteserkenntnis, mit der sich Gehorsam, Treue u. s. w. gegenüber den göttlichen Geboten und religiösen Lehren verbinden.

 

Ein zentraler Begriff reformatorischer Lehre

 

Sowohl die neutestamentlichen Schriften selbst, wie auch die Theologen der christlichen Konfessionen definieren den Begriff Glaube im einzelnen verschieden. Für Luther ist es der zentrale Begriff, der das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen begründet. Dabei stützt er sich insbesondere auf die Erläuterungen des Paulus im Römerbrief.

 

Das Wort Glaube(n) kommt im Neuen Testament sehr häufig vor (430 mal), bevorzugt in den Paulusbriefen. Dabei finde sich das Wort allein im relativ kurzgehaltenen Römerbrief an 130 Stellen.

 

Luthers Übersetzung von →Rom 3,28, alleine durch den Glauben, führte zu heftigen Disputen zwischen Luther und seinen Gegenspielern, weil in den griechischen Quellen das Wort »allein« nicht vorkommt. Man versuchte Luther als stümperhaften Übersetzer zu entlarven, der Bibeltexte verfälscht. Doch Luther pariert, dass dies auch in den Quellen absolut gemeint sei und in solchen Fällen die Verwendung des Wortes allein die Anforderungen eines guten deutschen Sprachgebrauchs erfüllt. Es käme nicht darauf an, einzelne Wörter zu übersetzen und blank aneinanderzureihen, sondern darauf, den Inhalt möglichst wortgetreu in die deutsche Sprache und deren üblichen Gebrauch zu übertragen.

 

Aus Rom 3,28 hat sich ein wesentlicher Lehrsatz der Reformation und der Kirchen, die aus ihr entstanden sind, entwickelt: Allein aus Glauben! bzw. Allein durch Glauben!, lateinisch: sola fide!

 

Dies schmälert die Bedeutung der Gesetze und Gebote nicht. Doch der Glauben ist ihr tragendes Fundament, der ihre Einhaltung und Erfüllung bestimmt und in konkreten Situationen überzeichnet. Nur so ist (christliche) Eigen­verant­wortung gewährleistet. Nur das Handeln aus dem Glauben heraus macht den Menschen vor Gott gerecht. Diese Gerechtigkeit wird aus Gnade anerkannt, nicht aus Erfüllung der Gesetze. Die Gesetzeswerke sind nicht länger erforderlich, weil der glaubende Mensch sie ihrem Inhalt nach eigenverantwortlich erfüllt. Ähnlich wie das Gebot »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« einerseits die entsprechenden Gebote aus den Zehn Geboten enthält, andererseits darüber weit hinausgeht. So umfasst das Handeln aus Glauben an Gott alle Gebote und Gesetze, geht aber weit darüber hinaus. Umgekehrt: Die Erfüllung der Gebote und Gesetze ohne Glauben an Gott macht zwar vor dem Gesetz gerecht, erfüllt aber nicht Gottes Anspruch auf Eigen­verant­wortlichkeit des Menschen in der Beziehung der Menschen zu Gott und in der Beziehung der Menschen zueinander.

 

Damit rückte der Glaubensbegriff und seine Interpretation in den Mittelpunkt reformatorischer Lehren.

 

 

→Rom 3,28

 

So halten wir es nu / Das der Menſch gerecht werde / on des Geſetzes werck / alleine durch den Glauben.

 

a) So halten wir es nun: Der Mensch wird gerecht ohne die Gesetzeswerke, allein durch den Glauben.

b) So halten wir fest: Der Mensch wird allein durch Glauben gerecht. Die Vorgaben der Gesetze und ihre Erfüllung haben dabei keine Bedeutung.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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7

Heilige

Heilige, der

jemand, der religiöse Tugenden (göttlich vollkommen) lebt und daher verehrungswürdig ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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7

ſey

er/sie/es sei (Verb)

von: sein (Verb)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→1Mos 1,6

 

Es werde eine Feſte zwiſchen den Waſſern / vnd die ſey ein Vnterſcheid zwiſchen den Waſſern.

 

Es werde ein Himmelsgewölbe zwischen den Gewässern, und das sei die Trennung zwischen den Gewässern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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9

on

ohne (Präposition)

Wegfall einer Sache oder eines Grundes

 

→Ps 18,32 on der HERR: ohne dem HERRN

 

→Ps 27,12 on ſchew: ohne Scheu

 

→Ps 35,15 on meine ſchuld: ohne meine Schuld

 

→Ps 18,32 on vnſer Gott: ohne unserem Gott

 

→Röm 1,9 on vnterlas: ohne Unterlass

 

→Ps 7,5 on vrſach: ohne Ursache, ohne Grund, grundlos

 

→Ps 15,2 on wandel: ohne Makel, makellos, unverändert

 

→Ps 105,34 on zahl: ohne Zahl, zahllos, unzählig

 

→Röm 4,6 on zuthun: ohne Zutun

 

→Röm 4,9 on zweiuel: ohne Zweifel, zweifelsohne, zweifellos

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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13

verhalten

verhalten (Verb, veraltet)

zurückhalten

 

zurückhalten, behalten, vorenthalten

 

→Ps 78,4

 

Das wirs nicht verhalten ſollen jren Kindern

 

Dass wir es ihren Kindern nicht vorenthalten sollen

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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13

furſetzen

vorsetzten (Verb)

auch in getrennter Schreibweise: fur ſetzen

 

Verwendet in der Bedeutung sich etwas fest vornehmen, sich etwas auferlegen

 

→Ps 17,3

 

Jch hab mir fur geſetzt / das mein mund nicht ſol vbertretten.

 

a) Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht übertreten soll.

b) Ich habe mir fest vorgenommen, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

c) Ich habe mir auferlegt, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

 

→Rom 1,13

 

JCH wil euch aber nicht verhalten / lieben Brüder / das ich mir offt habe furgeſetzt / zu euch zu komen

 

Ich möchte Euch aber nicht verschweigen, liebe Brüder, dass ich es mir oft vorgenommen hatte, zu euch zu kommen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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14

Schüldener

Schuldner, der

von schüldig, schuldig (Adjektiv)

 

Mensch, der etwas schuldet, der etwas schuldig ist.

 

 

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14

Vngrieche

Nichtgrieche, der

griechisch: βάρβαρος bárbaros, Plural βάρβαροι, bárbaroi

 

Nichtgrieche, Barbar

 

Im antiken Griechenland bezeichnete man Menschen, die schlecht oder kein Griechisch verstanden, als βάρβαροι, Barbaren. Es gab also eine ebenso deutliche wie geläufige Unterscheidung zwischen Griechen und Nichtgriechen.

 

Paulus greift diese Denkweise in Röm 1,14 auf.

 

Luther vermeidet jedoch den Begriff »Barbaren«, offensichtlich sehr bewußt, und führt die ungwöhnliche Bezeichnung Ungriechen ein.

 

→Röm 1,14

 

Jch bin ein Schüldener / beide der Griechen vnd der Vngriechen

 

Ich bin ein Schuldner beider, der Griechen und der Nichtgriechen

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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16

ſelig

selig (Adjektiv)

ſelig
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2810 2552 184 74
 

Im eigentlichen Sinn glücklich, erfolgreich.

 

Das Wort selig wird allgemein überwiegend religiös gebraucht.

 

selig drückt in der aktiven Verwendung aus:

 

1) Schutz bietend, Gedeihen bietend, heilsam, förderlich, günstig

2) das innere, seelische Wohl

3) das ewige Heil der Seele

4) hoch beglückend

5) als Beiwort für Personen: Schutz und Förderung bietend, andere beglückend, dazu geeignet, tüchtig. gütig, herrlich, usw.

6) im religiösen Sinn:

   6a) von Christus, der den Menschen das ewige Heil bietet

   6b) von Menschen, die auf ihr ewiges Heil bedacht sind, fromm

 

selig drückt in der passiven Verwendung aus:

 

1) geschützt, gesichert, unverletzt

2) vom Erfolg begünstigt, beglückt

3) als Ausdruck des Dankes: er möge selig sein

4) gepriesen sein

5) im religiösen Sinn:

   5a) des ewigen Heils teilhaftig

   5b) bei Seligpreisungen: glücklich (Selig sind die, ...)

   5c) mit besonderem Bezug auf das Leben nach dem Tode, das ewige Leben: glücklich, errettet sein

   5d) in Bezug auf Verstorbene allgemein und als Beiwort für liebe Verstorbene anstelle von heilig, (vom Tod) errettet, anstelle von verstorben und aufgenommen in den Himmel

   5e) in der Beziehung zu Gott, als Ausdruck göttlicher Vollendung des Seins

 

→Rom 10,10:

 

Denn ſo man von Hertzen gleubet / ſo wird man gerecht / Vnd ſo man mit dem Munde bekennet / ſo wird man ſelig.

 

a) Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.

b) Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.

 

 

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16

gleuben

glauben (Verb)

In der Bibel tritt der Begriff bevorzugt in seiner religiösen Bedeutung auf:

 

glauben bezeichnet das Verhalten religiöser Menschen ihrem Gott gegenüber, insbesondere ausgedrückt im Vertrauen auf Gottes Allmacht, Gerechtigkeit und Gnade, sowie im Fürwahrhalten der Glaubenslehren.

 

→Rom 1,16

 

Denn ich ſcheme mich des Euangelij von Chriſto nicht / Denn es iſt eine Krafft Gottes / die da ſelig machet / alle / die daran gleuben

 

Denn ich schäme des Evengeliums von Christus nicht. Denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.

 

→Rom 4,3

 

Abraham hat Gott gegleubet / vnd das iſt jm zur Gerechtigkeit gerechnet.

 

Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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17

ſintemal

sintemal (Konjunktion, veraltet)

entstanden aus der Verbindung sint (seit) dem male (dem Zeitpunktpunkt)

 

da, weil, indem

darum, derhalben, deswegen

dieweil, denn, dann, nachdem

 

 

→Röm 1,17

 

Sintemal darinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit

 

Denn darin wird die Gerechtigkeit offenbart

 

 

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18

gottlos

gottlos (Adjektiv)

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

a) Zustand: los von Gott; von Gott verlassen; ohne Gott.

b) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

→Ps 10,15

 

So wird man ſein gottlos weſen nimer finden.

 

So wird man sein gottloses Wesen niemals finden.

 

 

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26

Luſt

Lust, die/der

heftiges Verlangen, Begierde

 

Luther verwendet das Wort häufig in der maskulinen Form.

 

→Ps 30,6

 

Vnd er hat luſt zum Leben

 

a) Und er hat Verlangen nach Leben

b) Doch das Leben ist seine Passion

 

Wendungen

 

Eine feste Wendung in der Lutherbibel von 1545 ist der Ausdruck:

 

ein Luſt büſſen - ein Verlangen stillen, befriedigen

 

→Ps 78,29-31

 

Da aſſen ſie vnd wurden all zuſat / Er lies ſie jren Luſt büſſen. Da ſie nu jren luſt gebüſſet hatten / Vnd ſie noch dauon aſſen. Da kam der zorn Gottes vber ſie

 

Da aßen sie und wurden allzu satt. Er lies sie ihr Verlangen stillen. Als sie nun ihr Verlangen gestillt hatten, und sie noch davon aßen, da kam der Zorn Gottes über sie.

 

 

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26

Weib

Weib, das

die (Ehe-) Frau

 

Hinweis:

 

Es ist zu beachten, dass Luther den zu seiner Zeit gängigen Begriff Weib nicht abschätzig oder abwertend benutzt. Im Gegenteil: Wenn auch die etymologische Herkunft des Begriffs umstritten und unklar ist, so bezeichnete er doch die erwachsene, verantwortlich handelnde Frau in gesellschaftlich angesehener Stellung, z. B. als Ehefrau.

 

In der deutschen Sprache hat der Begriff »Weib« im Laufe der Zeit eine geringschätzende Bedeutung erfahren und besitzt heute die Qualität einer Beleidigung, die u. U. strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Begriff wird daher in modernen Übersetzungen nicht verwendet. Stattdessen wird i. d. R. das Wort »Frau« benutzt.

 

Die englische Sprache kennt noch heute geläufig das Wort »wife« (meist für »Ehefrau«), das etymologisch auf die selbe Wurzel zurückzuführen ist, neben dem Begriff »woman«, der allgemein für »Frau« steht.

 

Empfehlung:

 

Wir empfehlen wegen der geringschätzenden Qualitäten, die an diesem Begriff kleben, bei Interpretationen, bei Textauslegungen, in Predigten und auch bei Textlesungen aus alten Lutherbibeln den Begriff Weib nicht zu verwenden und durch Frau zu ersetzen.

 

 

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28

thun

tun (Verb)

Mhd.: tuon (erweitert tuogen, tuonen)

allgemein machen, schaffen, verrichten, handeln in unterschiedlichsten Varianten und Bedeutungen

 

Formen

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv thun tun
Präsens ich thu ich tue
  du thuſt du tust
  er thut er tut
Präteritum ich thet ich tat
  er thet er tat
  wir theten wir taten
  jr thetet ihr tatet
  sie theten sie taten
Perfekt du haſt gethan du hast getan
  er hat gethan er hat getan
Plusquamperfekt er hatte gethan er hatte getan
  er hette gethan er hätte getan
Imperative thu (es)! tue (es)!
  haſtu gethan du hast getan!
 

 

→Ps 78,12

 

FVr jren Vetern thet er Wunder in Egyptenland

 

Vor ihren Vätern tat er Wunder in Ägypten

 

 

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29

Schalckheit

Schalkheit, die

Abstraktbildung zu der Schalk

 

Bezeichnet die typischen Eigenschaften und die Umtriebigkeiten des Schalks.

 

Ein Schalk ist heute jemand, der gerne einen Spaß treibt.

 

Doch das Wort Schalk meint ursprünglich einen Diener, einen Knecht, einen Hörigen (im Gegensatz zum Herrn). Es entwickelte sich fort zur Bedeutung Mensch mit Knechtssinn, von knechtisch böser Art, arglistiger, ungetreuer Mensch. So wurde es zu Luthers Zeiten im Sprachgebrauch verwendet und verstanden.

 

Die boshafte Arglistigkeit und die Untreue sind prägende Merkmale der Schalkheit.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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29

hadder

Hader, der

Streit, Zwist, meist über lange Zeit erbittert ausgetragen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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29

Ohrenbleſer

Ohrenbläser, der (veraltet)

Zuträger und Einflüsterer von Dingen, besonders solchen, die dem Hörenden schmeicheln und andere bei ihm verhöhnen oder verleumden

 

 

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30

Gottes verechter

Gottesverächter, der

veraltete Bezeichnung für den Verächter der Religion, den Leugner der Glaubenswahrheiten, für Atheisten, für Gotteslästerer.

 

Luther erklärt den Begriff im Scholion zu →Röm 1,30:

 

(Gottes verechter) Sind die rechten Epicurer / die da leben / als ſey kein Gott.

 

(Gottesverächter) Das sind die echten Epikureer, die so leben, als gäbe es Gott nicht.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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30

Hoffertige

Hoffärtige, der

Substantivierung von: hoffärtig (Adjektiv)

 

(abwertend) anmaßend stolz, verletzend überheblich, dünkelhaft, aufgeblasen, hochnäsig, selbstherrlich, selbstgefällig, snobistisch, arrogant, blasiert

 

die Hoffertigen : die Hochnäsigen, die Selbstgefälligen, die Überheblichen

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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30

Rhumredtige

Ruhmredige, der

Prahler, Wichtigtuer, Blender

 

von: ruhmredig

sich selbst (mit Reden) rühmend, prahlerisch, wichtig­tuerisch

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

In den Kirchenjahren ab 1978/1979 bis 2017/2018

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