Wörterbuch zur Lutherbibel | Band 1: A - D

Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

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Das große Stilkunst.de

Wörterbuch

zur Lutherbibel von 1545

 

Luther-Deutsch – Deutsch

Band 1

A - D

 

Verzeichnis der Einträge in Band 1: A - D

 

Aktuell: → Luther-Deutsch – Deutsch

Auswahl: →Deutsch – Luther-Deutsch

         

Luther-Deutsch

Deutsch

 

Luther-Deutsch

Deutsch

A

A (Buchstabe)

 
Baw

Bau, der

Aaron

Aaron (Name)

 
bawen

bauen (Verb)

abe

ab (Partikel)

 
Bawm

Baum, der

abe ſein

ab sein (Partikel)

 
Bedellion

Bdelliumharz, das

Abend

Abend, der

 
Bedellion

Bedellion, das

Abendopffer

Abendopfer, das

 
Bedellion

Bedolachharz, das

Abiram

Abiram (Name)

 
Bekümmernis

Bekümmernis, das

Abraham

Abraham (Name)

 
Belial

Belial (Gottheit)

Abram

Abram (Name)

 
benedeien

benedeien (Verb, veraltet)

Abſalom

Abschalom (Name)

 
BenJamin

Benjamin (Name)

abzeuchen

abziehen (Verb)

 
berg Zion

Berg Zion, der

acht Seiten

Scheminith (Musikinstrument)

 
Bethlehem

Bethlehem (Ortsname)

acht Seiten

acht Saiten (Bezeichnung)

 
betrübſtu

betrübst du (Verb)

Adam

Adam (Name)

 
Beuder

Bruder, der

Adama

Adama (Stadt)

 
beweret

bewährt (Adjektiv)

Ah

Ach

 
Bewme

Bäume, die

allerhöheſt

allerhöchst (Adjektiv)

 
bey

bei (Präposition)

Allerhöheſte

Allerhöchste, der

 
Beyſtand

Beistand, der

allerley

allerlei (unbestimmtes Zahlwort)

 
beyſtehen

beistehen (Verb)

Alles nu

Alles nun

 
bezaubern

bezaubern (Verb)

alleweg

allewege (Adverb; veraltet)

 
biſtu

bist du (Verb)

allewege

allewege (Adverb; veraltet)

 
blöſſen

blößen (Verb; veraltet)

Allmechtige

Allmächtige, der

 
bloſs

bloß (Adjektiv)

allwege

allewege (Adverb; veraltet)

 
Brandopffer

Brandopfer, das

Aloes

Adlerholzbaum, der

 
brengen

bringen (Verb)

Aloes

Aloeholzbaum, der

 
brochen

brechen (Verb)

Aloes

Aloes, das

 
Bule

Buhle, der (veraltet)

Amalekiter

Amalekiter, der

 
C

C (Buchstabe)

Amen

Amen, das

 
Caninchen

Klippdachs, der

ammechtig

ohnmächtig (Adjektiv)

 
Caninichen

Klippdachs, der

Ammoniter

Ammoniter, der

 
Cantzler

Kanzler, der

Andlitz

Antlitz, das

 
Ceder

Libanon-Zeder, die

Angſt

Angst, die

 
cedern Libanon

Libanon-Zeder, die

anlauffen

anlaufen (Verb)

 
Ceſarea

Caesarea Maritima

Anligen

Anliegen, das

 
Ceſarea Philippi

Ceſarea Philippi

Anſchlag

Anschlag, der

 
Ceſarien

Caesarea Maritima

anſtoſſen

anstoßen (Verb)

 
Cherub

Cherub, der

antworteſtu

antwortest du (Verb)

 
Cherubim

Cherubim, die

Apoſtel

Apostel, der

 
Chriſtus

Christus

Apoſtelampt

Apostelamt, das

 
Chriſtus der HErr

Christus, der HErr

Archelaus

Archelaos (Herrscher)

 
D

D (Buchstabe)

Archelaus

Herodes Archelaos (Herrscher)

 
da fur

davor (Adverb)

arg

arg (Adjektiv)

 
Datan

Datan (Name)

Arge

Arge, das (veraltet)

 
Dauid

David (Name)

Ariel

Ariel (Name)

 
Dauids

Davids (Psalm)

Aſſaph

Asaf (Name)

 
daumeln

taumeln (Verb)

Aſſur

Assyrien (Landschaft)

 
dauon

davon (Adverb)

Aſſur

Assur (Stadt)

 
dazumal

dazumal (Adverb, veraltet)

auffgehaben

aufgehaben (Verb)

 
deckeſtu

deckst du (Verb)

auffm

auf dem (Präposition)

 
dempffen

dämpfen (Verb, veraltet)

auffrecken

aufrecken (Verb; veraltet)

 
denckeſtu

denkst du (Verb)

Auguſtus

Kaiser Augustus (Herrscher)

 
die ander Maria

Maria, die andere

Auſſerwelete

Auserwählte, der

 
ding

Ding, das

ausſtecken

ausstecken (Verb; veraltet)

 
Dirne

Hausangestellte, die

Auſſwelete

Ausgewählte, der

 
Drache

Drache, der

Awe

Aue, die

 
drang

Drang, der

B

B (Buchstabe)

 
Drewen

Dräuen, das

Baal

Baal (Titel)

 
Drewen

Drohen, das

Baal Peor

Baal Peor (Gottheit)

 
drewen

dräuen (Verb, veraltet)

Baalim

Baalim (Sammelbegriff)

 
drewen

drohen (Verb)

Babel

Babel (Name)

 
Dromete

Trompete, die

bach

Bach, der

 
Drumel

Trommel, die

bach Kiſon

Kischon (Fluss)

 
Drumelhaus

Trommelhaus, das

Ban

Bahn, die

 
Drumelkirche

Trommelkirche, die

Ban

Basilisk, der

 
Du ſolt nicht tödten

Du sollst nicht töten!

Band des Orion

Oriongürtel, der

 
dünckel

Dünkel, der

Bande der sieben Sterne

Plejaden, die

 
durchleutern

durchläutern (Verb, veraltet)

BathSaba

Bathseba (Name)

 
durren

wagen (Verb)

         

Wörterbuch Band 1: A - D

Seltene Namen, Wörter und Begriffe

A

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

A

A (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

A

a

ä

Beschreibung

A a ä

reguläre Schrifttype für einfachen Text

A a ä

Schrifttype für Auszeichnungen

A a ä

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

  á  

alternatives kleines a der Schrifttype für Überschriften

A a  

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

Umlaute:

In den Schrifttypen der Lutherbibel von 1545 werden Umlaute nicht mit aufgesetzten Strichen oder Punkten, sondern mit dem hochgestellten »e« ausgewiesen, aus dem sich einst die Striche (bzw. Punkte) entwickelt hatten. Das entspricht im Grunde einer besonderen Form der Ligatur (Verschmelzung zweier Buchstaben zu einer Glyphe) und weist auf ihre Herkunft hin: »ae«, »oe«, »ue«.

 

Das hochgestellte »e« sollte auch bei kleinen Schrifthöhen nicht mit einem Akzent verwechselt werden.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Aaron

Aaron (Name)

Der Name Aaron

 

hebräisch: אַהֲרֹן (Aharon)

lateinisch: Aaron

griechisch: Ααρων

Die Etymologie des Namens ist ungeklärt. Der Name ist wahrscheinlich ägyptischen Ursprungs und könnte dann auf eine Wurzel zurückgehen, die Kämpfer oder Held bedeutet. Eine mögliche Bedeutung versucht man im hebräischen Wort ‏ אֲרוֹן (Arun)‎ zu finden, das Kasten oder Lade meint und auch für die Bundeslade steht, wobei das erbliche Priesteramt Aarons als Verwalter der Bundeslade durchschlägt.

 

Zur Person des Aaron

 

1. Aaron ist nach der biblischen Erzählung der ältere Bruder des Mose. Beide sind Söhne des Amram aus dem Stamm Levi und seiner Frau Jochebed.

 

 

→2Mos 6,20

 

VND Amram nam ſeine Mume Jochebed zum weibe / Die gebar jm Aaron vnd Moſe.

 

2. Zunächst ist Aaron der vertraute Gefährte und der Sprecher des Mose (→2Mos 4), der dann gemeinsam mit Mose dem Pharao gegenübertritt, um den Auszug der Hebräer aus Ägypten zu bewirken.

 

 

→2Mos 4,14-16 Gott spricht zu Mose:

 

14Weis ich denn nicht / das dein bruder Aaron / aus dem ſtam Leui / beredt iſt? Vnd ſihe / er wird eraus gehen dir entgegen / vnd wenn er dich ſihet / wird er ſich von hertzen frewen. 15Du ſolt zu jm reden / vnd die wort in ſeinen mund legen / Vnd ich wil mit deinem vnd ſeinem Munde ſein / vnd euch leren was jr thun ſolt / 16vnd er ſol fur dich zum Volck reden / Er ſol dein mund ſein / vnd du ſolt ſein Gott ſein.

 

3. Aaron hatte mit seiner Frau Elischeba vier Kinder: Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar.

 

4. Aaron wurde schließlich zum Hohepriester erwählt, seine vier Söhne zu Priestern. In 2Mos werden dem Priesteramt des Aaron und seiner Söhne ab Kapitel 28 viele Seiten gewidmet, die detaillierte Vorschriften für das Amt enthalten.

 

 

→2Mos 28,1

 

VND ſolt Aaron deinen Bruder vnd ſeine Söne zu dir nemen / aus den kindern Jſrael / das er mein Prieſter ſey / nemlich / Aaron vnd seine ſöne / Nadab / Abihu / Eleaſar / vnd Jthamar.

 

5. Aaron starb auf dem Berg Hor. Wie auch Mose, war es Aaron versagt, das gelobte Land zu betreten. Nachfolger im Amt des Hohepriester wurde sein Sohn Eleasar. Von nun an war dieses Amt erblich und wurde von Nachkommen aus dem Stamm Levi besetzt.

 

 

Der Aaronsberg

 

Aaronsberg

 

Aaronsberg

 

Aaronsberg

Klicken Sie auf ein Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

 

Abb: Der Ǧebel Nebi Hārūn (Berg des Propheten Aaron) oder nur Ǧebel Hārūn (Aaronsberg) im heutigen Jordanien, 1336 Meter hoch, ca. 4 km südwestlich von Petra gelegen, der Felsenstadt der Nabatäer.

 

Dieser Berg wird in der Überlieferung seit langer Zeit als der Berg Hor identifiziert, auf dem Aaron starb. Danach soll sich dort auch Aarons Grab befinden, das heute auf der Spitze des Berges mit einer Qubba, einem islamischen Grabbau, überbaut ist. Die Grabstätte ist Ziel von Pilgern, die sich Heilung von Krankheiten erhoffen.

 

Fotos: ©by Sabrina, 2015, CC BY-SA

 

 

 

SK Version 17.01.2019  

→Register

abe

ab (Partikel)

Die Partikel tritt regelmäßig mit einem Verb auf.

 

Die Verbindung abe und Verb sind nicht selten eigenständige Verben geworden:

 

abe hawen: abhauen

 

abe ſein: absein, ab sein (nach der neuen deutschen Rechtschreibung wird »ab sein« wieder wie schon zu Luthers Zeiten getrennt geschrieben)

 

→Mt 5,30

 

Ergert dich deine rechte Hand / So haw ſie abe / vnd wirff ſie von dir.

 

Ärgert Dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir.

 

 

 

SK Version 03.02.2018  

→Register

abe ſein

ab sein

Partikel aus abe (ab) und ſein (sein).

Nach der neuen deutschen Rechtschreibung ist das bisherige absein wieder getrennnt zu schreiben: ab sein.

 

Bei der Partikel abe ſein ist häufig ein Verb mitzudenken, um einen sinnvollen Kontext zu erzeugen.

 

→Rom 4,14

 

Denn wo die vom Geſetz Erben ſind / So iſt der Glaube nichts / vnd die Verheiſſung iſt abe.

 

a) Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist ab <-getan>.

b) Wenn nämlich diejenigen, die dem Gesetz folgen, die Erben sind, dann ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist aufgehoben (oder: bedeutungslos).

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Abend

Abend, der

Zeit nach dem Sonnenuntergang.

 

→Mt 28,1

 

Am abend aber des Sabbaths / ...

 

Nach der jüdischen Zeitrechnung beginnt ein neuer Tag nach Sonnenuntergang und endet vierundzwanzig Stunden später mit Sonnenuntergang. Bei uns hingegen beginnt und endet ein Tag um Mitternacht.

 

Nach jüdischer Zeitrechnung wurde Jesus am Tag vor dem Sabbat (entspricht unserem heutigen Freitag) um die Mittagszeit gekreuzigt und noch vor Sonnenuntergang zu Grabe getragen (1.Tag). Am Abend, also nach Sonnenuntergang, begann der Sabbat (2. Tag).

 

Die in Mt 28 geschilderten Ereignisse sind am Beginn des jüdischen Tags nach dem Sabbat (3. Tag; entspricht unserem Sonntag) geschehen. Wir feiern daher die Auferstehung am Sonntag, das Auferstehungsfest am Ostersonntag: Jesus ist am dritten Tag von den Toten auferstanden (so auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis formuliert).

 

Ostern beginnt am Abend des Karsamstags

 

Überträgt man die jüdische Zeitrechnung auf unseren Kalender, beginnt der Ostersonntag am Abend des Karsamstags nach Sonnenuntergang. Diese Methode der Zeitrechnung war auch im christlichen Europa lange verbreitet, ursprünglich eingeführt von frühen christlichen Gemeinden jüdischen Ursprungs in Rom. Sie wird in der katholischen Kirche noch heute mit der Abendmesse gewürdigt, die liturgisch einen neuen Tag einleitet.

 

Heute gewinnt die Osternacht mit Gottesdiensten und Osterfeuern am Karsamstag abends (nach Sonnenuntergang) oder am frühen Ostermorgen (vor Sonnenaufgang) neue Bedeutung in vielen evangelischen Gemeinden. Nicht zuletzt deshalb, weil so die Besonderheit des Festes betont wird und die gleichförmigen Abläufe der regulären Gottesdienstordnung im Kirchenjahr durchbrochen werden. Dem Osterfest wird seine besondere Bedeutung auch in der Form der Feier zuteil, was in den Gemeinden oft großen Zuspruch findet.

 

 

 

SK Version 25.02.2019  

→Register

Abendopffer

Abendopfer, das

Das Abendopfer war ein rituelles Brandopfer, das abends dargebracht wurde und die ganze Nacht hindurch brannte.

 

→Ps 141,2

 

Mein Gebet müſſe fur dir tügen / wie ein Reuchopffer / Meine hende auffheben / wie ein Abendopffer.

 

a) Mein Gebet soll dir erscheinen wie ein Rauchopfer, das Erheben meiner Hände wie ein Abendopfer.

b) Oder kurz: Nimm mein Gebet als Rauchopfer und das Erheben meiner Hände als Abendopfer.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Abiram

Abiram (Name)

Abiram
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
12 11 1 0

Abiram lebte zur Zeit →Mose. Er war der Sohn des Eliabs und Bruder des →Datan.

 

Während der Wanderung durch die Wüste Sinai zettelten →Korach, Abiram und Datan einen Aufstand gegen Mose an (4Mos 16,1ff). Mit ihnen waren 250 Fürsten vom Stamm der Levi beteiligt.

 

Der Aufruhr endete derart, dass die Aufrührer mit ihren Familien durch Öffnen des Erdbodens verschlungen bzw. durch Feuer vom Herrn verzehrt wurden. Es gab im Falle Korach eine Ausnahme: →Die Kinder Korachs wurden nicht in die Bestrafung eingeschlossen (4Mos 26,9-11).

 

→4Mos 16,1-2

 

1VND Korah der ſon Jezehar / des ſons Kahath / des ſons Leui / ſampt Dathan vnd Abiram den ſönen Eliab / vnd On / dem ſon Peleth / den ſönen Ruben / 2Die empöreten ſich wider Moſe / ſampt etlichen Mennern vnter den kindern Jſrael / zwey hundert vnd funffzig / furnemeſten in der Gemeine / Ratſherrn vnd ehrliche Leute.

 

1Und Korach, der Sohn Jizhars, Enkel des Kehat, Urenkel des Levi, sowie Datan und Abiram, die Söhne Eliabs, und On, der Sohn Pelets, und die Söhne Rubens, 2die empörten sich gegen Mose gemeinsam mit etlichen Männern der Israeliten. <In Summe> zweihundertfünfzig der Vornehmsten in der Gemeinde, <viele> Ratsherren und ehrliche Leute.

 

→Ps 106,17

 

Die Erde that ſich auff / vnd verſchlang Dathan / Vnd decket zu die rotte Abiram.

 

Die Erde tat sich auf und verschlang Datan und deckte zu die →Rotte Abiram.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Abraham

 

Abram

Abraham (Name)

 

Abram (Name)

Die Namen Abram und Abraham

 

Abram
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
64 64 0 0

Abram

 

hebräisch:‎ אַבְרָמ (Abrām), hoher Vater

griechisch: Άβρὰμ

lateinisch: Abram

 

Abraham
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
271 172 15 84

Abraham

 

hebräisch: ‏ אַבְרָהָם‎ (Abrāhām, Vater der vielen [Völker])

lateinisch: Abraham

griechisch: Άβραὰμ

 

Es handelt sich bei Abram und Abraham um die selbe Person. In 1Mos 11,27 - 25,10 wird die Geschichte Abrahams erzählt, der zunächst Abram hieß.

 

In 1Mos 17,5-6 bekommt Abram von Gott zum Zeichen des Bundes zwischen Gott und Abram den neuen Namen Abraham. Dort wird zugleich die Bedeutung des Namens begründet und erläutert:

 

5Darumb ſoltu nicht mehr Abram heiſſen / ſondern Abraham ſol dein name ſein / Denn Jch habe dich gemacht / vieler völcker Vater. 6Vnd wil dich faſt ſeer fruchtbar machen / vnd wil von dir Völcker machen / vnd ſollen auch Könige von dir komen.

 

Im zugehörigen Scholion erklärt Luther den Namen.

 

Luther: Abram Heiſſt hoher Vater. Abraham aber der Hauffen Vater wiewol die ſelben hauffen nur mit einem Buchstaben angezeigt werden in ſeinem namen / nicht on vrſach.

 

Luther: [Das hebräische Wort] Abram heißt »hoher Vater«. Abraham [heißt] aber »der Haufen Vater« [»Vater eines Haufens, Vater vieler«], obwohl die selben Haufen [die vielen] nur mit einem Buchstaben angezeigt werden, nicht ohne Grund. [Im Hebräischen ist der Unterschied nur ein Konsonant (Buchstabe »h«), im Deutschen sind es zwei Buchstaben, da wir auch das »a« schreiben.]

 

Zur Person Abrahams

 

Abram wurde im Gebiet von Ur in Kaldäa geboren (1Mos 11,26ff.), im heutigen Irak, wahrscheinlich zu Beginn des 2. Jahrtausends vor Christus. Er ist der Sohn Terachs, ein Semit, also ein Nachkomme Sems, des Sohnes Noahs.

 

Mit seinem Vater Terach und einem Teil seiner Familie ließ sich Abraham zunächst in Haran nieder, nahe der jetzigen syrisch-türkischen Grenze. Dort folgte er dem Ruf Gottes und zog nach Süden. Einige Zeit verbrachte er in Ägypten, das damals von semitischen Pharaonen, den Hyksos, beherrscht wurde. Dann wanderte er nach Kanaan, wo er in Mamre bei Hebron (heute Al-Khalil) sein Hauptlager aufschlug.

 

Materiell war Abraham ein Scheich, der eine riesige Viehherde besaß. Er war das Oberhaupt eines wohlhabenden Stammes und besaß viele Diener, Sklaven, wie damals üblich.

 

Nach seinem Tod wurde er nahe seinem Lagerplatz in Mamre in der Höhle von Machpela bestattet.

 

Abraham ist der Stammvater der Israeliten: Der Sohn seines Sohns Isaak, Abrahams Enkel, war Jakob, der später Israel hieß und durch seine Söhne der Vater der zwölf Stämme Israels wurde .

 

Ahnherr der monotheistischen Religionen

 

Durch den Bund mit Gott steht Abraham religiös am Beginn des Monotheismus, wie er sich als Religion in den zwölf Stämmen Israels etabliert hatte.

 

Für die Christen ist er der Ahnherr des Messias: Die Linie Jesu lässt sich auf Abraham zurückführen. Jesus ist im christlichen Glauben der »Samen Adams« (vgl. →1Mos 3,15; Luthers Scholion zu →1Mos 4,1) und der »Samen Abrahams«, den die alttestamentlichen Schriften immer wieder benennen.

 

Somit ist Abraham der geistige Vater all derer, die der Kirche Christi angehören. Doch dies gilt nicht nur für Christen. Auf ihn berufen sich die Anhänger der drei großen monotheistischen Religionen: Juden, Christen und Moslems.

 

 

 

SK Version 17.01.2019  

→Register

Abſalom

Abschalom (Name)

hebräisch: אַבְשָׁלוֹם (’avšālôm)

 

Nach der Bibel war Abschalom der dritte Sohn König Davids, ein Halbbruder Salomons. Er lebte um 1000 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind nicht bekannt.

 

Verweis2Sam 3,2ff

 

VND es wurden Dauid kinder geborn zu Hebron / ſein Erſtgeborner ſon Amnon von AhiNoam der Jeſreelitin. Der ander / Chileab von Abigail Nabals weib des Carmeliten. Der dritte / Abſalom der ſon Maacha der tochter Thalmai des königs zu Geſur.

 

 

 →Ps 3,1

 

Ein Pſalm Dauids / Da er floh fur ſeinem ſon Abſalom.

 

Die Überschrift des dritten Psalms nimmt Bezug auf die Erzählung in 2Sam 15: König David flieht vor seinem Sohn Absalom.

 

Verweis2Sam 15,13f

 

DA kam einer der ſagts Dauid an / vnd ſprach / Das hertz jdermans in Jſrael folget Abſalom nach. Dauid ſprach aber zu allen ſeinen Knechten / die bey jm waren zu Jeruſalem / Auff / laſſt vns fliehen / Denn hie wird kein entrinnen ſein fur Abſalom / Eilet / das wir gehen / das er vns nicht vbereile vnd ergreiffe vns / vnd treibe ein vnglück auff vns / vnd ſchlahe die Stad mit der ſcherffe des ſchwerts.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

abzeuchen

abziehen (Verb)

zu →zeuchen (Verb)

 

abziehen in jeglichem Sinne

 

a) die Hand von jemandem abziehen: Freundschaft kündigen, Schutz aufheben, etc.

b) die Hand von etwas abziehen: die Hand wegnehmen

b) die Haut, das Fell abziehen

c) Kleidung abziehen: ausziehen

 

 

→Jes 33,15

 

Wer vnrecht haſſet ſampt dem Geitz / vnd ſeine hende abzeucht / das er nicht Geſchencke neme.

 

a) Wer Unrecht hasst, einschließlichh dem Geiz, und wer seine Hände verbirgt, damit er keine Geschenke annehme.

b) Wer Unrecht und Geiz hasst und sich nicht bestechen lässt.

 

 

 

SK Version 19.01.2019  

→Register

acht Seiten

acht Saiten

hebräisch: שְׁמִינִית (Scheminith)

 

Dieses hebräische Wort kommt im Zusammenhang mit »Musikvortragen« nur in den Überschriften zu den Psalmen 6 und 12, sowie in 1Chr 15,21 vor.

 

Die Bedeutung ist unsicher. Es steckt die Zahl acht darin (hebräisch: שְׁמִינִי, shemini). Unklar bleibt jedoch, ob es sich dabei um ein spezielles, dann womöglich achtsaitiges Instrument handelt, ähnlich einer Zither, um die Beschreibung einer Klangbreite (Oktave), oder um die Bezeichnung einer Tonlage (bzw. Tonart).

 

Luther entschied sich für ein Instrument mit acht Saiten.

 

→Ps 6,1 und →Ps 12,1

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen auff acht Seiten.

 

a) Ein Psalm Davids. Vorzusingen (von einem Solisten). Musikalisch begleitet auf dem achtsaitigen Instrument (auf der Scheminit).

b) Ein Psalm Davids. Vorzusingen. Zur Scheminith.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Adam

Adam (Name)

hebräisch: אָדָם‎, ādām (der Mensch)

griechisch: Αδαμ

lateinisch: Adam

 

Der Name leitet sich ab vom hebräischen Wort אֲדָמָה (ădāmāh, »Ackerboden«, »Erde«).

 

 

Luther erklärt den Namen in seinem Scholion
zu →1Mos 3,8b

 

Adam heiſſt auf Ebreiſch Menſch / darumb mag man menſch ſagen / wo Adam ſtehet / vnd widerumb.

 

Adam ist Hebräisch und bedeutet »Mensch«. Deshalb kann man überall da, wo »Adam« im Text steht, auch »Mensch« sagen, und umgekehrt.

 

 

In der Schöpfungsgeschichte wurde der Mensch von Gott aus Lehm (Erdboden) geformt. Der fertigen Figur, dem Leib, wurde danach der »Lebenshauch« eingeblasen und der Mensch wurde ein lebendiges Wesen.

 

Das gleiche Motiv findet sich so auch in anderen Schöpfungsgeschichten, beispielsweise in denen der Sumerer und der Ägypter, die jeweils älter sind, als die biblische Schöpfungsgeschichte.

 

In der ägyptischen Mythologie formte der Gott Chnum auf einer Töpferscheibe aus Lehm eine Figur. In diese Figur füllte er schließlich das »Ka«, die »Lebenskraft«, und der erste Mensch war geschaffen.

 

 

 

SK Version 17.01.2019  

→Register

Adama

Adama (Stadt)

Stadt der Kanaaniter, gelegen in der Nähe von Sodom und Gomorra. Die genaue Lage ist unbekannt.

 

Adama
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
6* 6 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Der Name taucht erstmals in einer Städteliste auf, die in →1Mos 10,18-19 das Land des von Kanaan abstammenden Stammes benennt:

 

18bDa her ſind ausgebreitet die Geſchlecht der Cananiter. 19Vnd jre Grentze waren von Zidon an / durch Gerar / bis gen Gaſa / bis man kompt gen Sodoma / Gomorra / Adama / Zeboim / vnd bis gen Laſa.

 

In →1Mos 14,2 erscheint eine weitere Liste, die fünf Städte mit ihren Königen benennt:

 

2Das ſie kriegten mit Bera dem könige von Sodom / vnd mit Birſa dem könige von Gomorra / vnd mit Sineab dem könige von Adama / vnd mit Semeber dem könige von Zeboim / vnd mit dem könige von Bela / die heiſſt Zoar.

 

Die Liste wird in →1Mos 14,8 wiederholt::

 

8Da zogen aus der könig von Sodom / der könig von Gomorra / der könig von Adama / der könig von Zeboim / vnd der könig von Bela / die Zoar heiſſt / vnd rüſten ſich zu ſtreiten / im tal Siddim /

 

In →1Mos 19,24-25 wird über die Zerstörung Sodoms und Gommaras berichtet:

 

24DA lies der HERR Schwebel vnd Fewr regenen von dem HERRN vom Himel erab / auff Sodom vnd Gomorra / 25vnd keret die Stedte vmb / die gantze gegend / vnd alle Einwoner der ſtedte / vnd was auff dem Lande gewachſen war.

 

Etliche Kommentatoren gehen daher davon aus, dass es neben Sodom und Gomorra drei weitere Städte waren, die während dieser Katastrophe vernichtet wurden, insgesamt also fünft Städte, wie sie in 1Mos 14,2 und und 1Mos 14,8 benannt sind:

 

  • Sodoma
  • Gomorra
  • Adama
  • Zeboim
  • Bela (Zoar)

 

Sie werden daher auch »die fünf Städte der Ebene von Sodom« genannt, die nach 1Mos 19 Gottes Zorn traf.

 

Allerdings werden in Verweis5Mos 29,23 nur vier zerstörte Städte aufgezählt, Bela (Zoar) ist nicht darunter:

 

23Gleich wie Sodom / Gomorra / Adama vnd Zeboim vmbgekeret ſind / die der HERR in ſeinem zorn vnd grim vmbgekeret hat /

 

 

Weitere Vorkommen von Zeboim:

 

 

VerweisJos 19,36

 

Vnd hat feſte stedte / Zidim / Zer / Hamath / Rakath / Chinnareth / 36Adama / Rama / Hazor / 37Kedes / Edrei / EnHazor / 38Jereon / MigdalEl / Harem / BethAnath / BethSames / Neunzehen Stedte vnd jre dörffer.

 

 

→Hos 11,8

 

Was ſol ich aus dir machen Ephraim? ſol ich dich ſchützen Iſrael? Sol ich nicht billich ein Adama aus dir machen / vnd dich / wie Zeboim / zurichten? Aber mein Hertz iſt anders ſinnes / meine Barmhertzigkeit iſt zu brünſtig /

 

 

 

SK Version 21.03.2019  

→Register

AH

 

Ah

 

ah

Ah

Ach!

Ah
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
134 111 11 12

heute ungebräuchlich.

 

Ah ist ein gemildertes Ach, dass Luther in der Bibel von 1545 häufig verwendet.

 

→Ps 85,9

 

AH das ich hören ſolt / das Gott der HERR redet

 

a) Ach, dass ich doch hören solle, das Gott der HERR redet!

b) Ach, dass ich doch hören könnte, was Gott der HERR reden wird!

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

allerhöheſt

allerhöchst (Adjektiv)

ganz oben, höher geht es nicht

 

Als Attribut des Ranges und der Ehre besonders für Gott, aber auch für Könige gebraucht.

 

 

 

SK Version 03.02.2018  

→Register

Allerhöheſte

Allerhöchste, der

Substantivierung von: →allerhöheſt (ganz oben, höher geht es nicht)

 

Als Rangbezeichnung und Ehrenbezeichnung besonders für Gott, aber auch für Könige gebraucht.

 

 

 

SK Version 03.02.2018  

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allerley

allerlei (unbestimmtes Zahlwort)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 87,5

 

Man wird zu Zion ſagen / Das allerley Leute drinnen geborn werden

 

Man wird über Zion sagen, dass allerlei Leute darin geboren werden.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Alles nu

Alles nun

 

→Mt 7,12

 

Korrekturhinweis

 

In zahlreichen Dokumenten, die Texte der Lutherbibel von 1545 neu gesetzt bieten, wird hier anstelle von »Alles nu« der Text »Alies nu« wiedergegeben.

 

Das ist m. E. falsch. Das Wort »Alies« gibt es nicht. Auch ein möglicher Fehler des Schriftsetzers in Form einer falschen Buchstabenwahl kann ausgeschlossen werden.

 

Das Druckbild zeigt eindeutig statt dem i (kleines »i«) den Buchstaben l (kleines »L«), der jedoch nicht ganz sauber gedruckt ist und vermutlich elektronischen Scannern das falsche »i« vorgaukelt. Ein direkter Vergleich in einer Faksimile-Ausgabe mit einem echten Buchstaben »i« im selben Satz klärt den Irrtum schnell auf.

 

Wir verwenden hier deshalb in Abweichung zu vielen anderen Textdokumenten die korrekte Schreibweise »Alles nu«.

 

 

 

SK Version 03.02.2018  

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allewege

 

allwege

 

allweg

allewege (Adverb; veraltet)

 

allwege (Adverb; veraltet)

 

allweg (Adverb; veraltet)

allewege, allwege, allweg
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
21 15 0 6

verkürzt aus: alle Wege

 

immer, überall

 

Luther benutzt überwiegend allewege (10x), allwege (9x) und nur zweimal allweg.

 

Heute sind diese veralteten Formen noch gebräuchlich:

 

allewege, allerwege, allerwegen, allerwegs

 

→Ps 40,12

 

Las deine Güte vnd Trewe allwege mich behüten.

 

a) Lass deine Güte und Treue mich allerwege behüten.

b) Lass deine Güte und Treue mich immer behüten.

c) Lass deine Güte und Treue mich stets behüten.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Allmechtige

Allmächtige, der

Substantivierung von: allmächtig (Adverb; von/mit umfassender, gewaltiger Macht)

 

Als Rangbezeichnung und Ehrenbezeichnung besonders für Gott gebraucht.

 

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Aloes

Aloeholzbaum, der

Adlerholzbaum, der

Aloes, das

Gemeint ist in der Lutherbibel nicht die heute allseits bekannte Aloe (Aloe vera; dickblättriges, sukkulentes Grasbaumgewächs, dessen Saft in Arzneien und Kosmetika verwendet wird), sondern der Aloeholzbaum, der auch Adlerholzbaum genannt wird, bzw. Salben und Öle, die auf Basis der ätherischen Öle aus dem Holz des Aloeholzbaums angerührt wurden.

 

Der Adlerholzbaum ist ein immergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen bis zu 40 Meter erreicht. Sein Vorkommen erstreckt sich im südlichen Asien ab Indien ostwärts.

 

Das Holz enthält ätherische Öle und war im Altertum als Räucherwerk, als Heilmittel und als Beistoff für Salben im vorderen Orient (Israel, Arabien) sehr geschätzt. Allerdings war es auch wegen des seltenen Vorkommens, wegen der kostspieligen Einfuhr aus Asien und wegen der aufwändigen Aufbereitung speziell für Salben und Öle extrem teuer.

 

Aloes bezeichnet nicht nur den Baum oder dessen Holz, sondern auch das ätherische Öl bzw. solche Salben und Öle, die auf Basis des Aloeholzöls hergestellt sind.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Amalekiter

Amalekiter, der

Amalekiter, die (Plural)

Volksstamm, der auf den Stammvater Amalek zurückgeht.

 

Die Amalekiter bevölkerten die Wüste Negev bin zum Sinai und Nordarabien.

 

Amalek, ein Enkel →Esaus, war einer der Scheiche von Edom (1Mo 36). Sein Name bezeichnete auch seine Stammesnachkommen.

 

1Mos 36,12:

Vnd Thimna war ein kebſweib Eliphas Eſaus ſon / die gebar jm Amalek.

 

Und Thimna war eine Nebenfrau des Eliphas, Esaus Sohn. Die gebar ihm Amalek.

 

Die Amalekiter waren mit den Israeliten verfeindet (2Mos 17,8-16), so dass Gott beschloss, die Amalekiter auzurotten (2Mos 17,14). Es war dann Saul, der die Amelekiter vernichtend schlug und das Volk stark dezimierte (1Sam 15). Schließlich wurden die Amalikiter von →David (2Sam 8) unterworfen und sind dadurch wohl als eigenständiges Volk untergegangen.

 

2Mos 17,8-16 in Auszügen:

8Da kam amalek / vnd streit wider Israel in Raphidim. [...] 13Vnd Josua dempffet den Amalek vnd sein volck / durch des schwerts scherpffe.
14VND der HERR sprach zu Mose / Schreibe das zum gedechtnis in ein Buch / vnd befilhs in die ohren Josua / Denn ich wil den Amalek vnter den Himel austilgen / das man sein nicht mehr gedencke. 15Vnd Mose bawet einen Altar / vnd hies jn / der HERR / Nissi / 16Denn er sprach / Es ist ein Malzeichen bey dem Stuel des HERRN / das der HERR streiten wird wider Amalek von Kind zu Kindeskind.

 

1Sam 15,7.8:

7DA ſchlug Saul die Amalekiter van Heuila an / bis gen Sur / die fur Egypten ligt. 8Vnd greiff Agag der Amalekiter König lebendig / vnd alles Volck verbannet er mit des ſchwerts ſcherffe.

 

2Sam 8,11.12:

die er [David] vnter sich bracht 12von Syria / von Moab / von den kindern Ammon / von den Philistern / von Amalek

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Amen

Amen, das

Amen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
96 35 12 48

hebräisch: אָמֵן (āmén),

griechisch: ἀμήν (amēn)

lateinisch: amen

 

Biblische Beteuerung am Schluss der Gebete.

 

Das hebräische Wort אָמֵן bedeutet »wahrlich!« oder »gewiss!« und wird verwendet als

 

a) Bestätigung oder Zustimmung nach der Rede eines anderen,

b) Bekräftigung des vorgelesenen Bundes oder Eides,

c) am Schluss eines Gebets.

 

Daher ist es Teil der jüdischen und der christlichen Liturgie.

 

Im Neuen Testament wird die griechische Transkription ἀμήν verwendet.

 

Christus, das Amen der Schöpfung

 

Offb 3,14 bezeichnet Christus selbst als »Amen«, mit dem Gott alle Verheißungen erfüllt hat:

 

VND dem Engel der gemeinen zu Laodicea schreibe / Das saget / Amen / Der trewe vnd warhafftiger Zeuge / der anfang der creatur Gottes.

 

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt, der »Amen« [heißt], der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes.

 

 

SK Version 17.01.2019  

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ammechtig

ohnmächtig (Adjektiv)

bewusstlos, kraftlos, schwächlich, kränklich, leidend

 

→Ps 88,16

 

Jch bin elend vnd ammechtig / das ich ſo verſtoſſen bin

 

a) Ich bin elend und ohnmächtig, weil ich so verstoßen bin.

b) Ich bin elend und schwach, weil ich so verstoßen bin.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Ammoniter

Ammoniter, der

Ammoniter, die (Plural)

Die Ammoniter sind die Nachkommens Ammons, des Sohnes Lots, den er mit seiner jüngeren Tochter gezeugt hatte (1Mos 19,36-38). Sie bewohnten das Land östlich vom Unterlauf des Jordan in der Nachbarschaft zu den Moabitern. Ihre Hauptstadt war Rabba, das heutige Amman.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Andlitz

Antlitz, das

Gesicht, Angesicht

 

→Ps 4,7

 

Aber HERR erhebe vber vns das Liecht deines andlitzs.

 

Luther: (Liecht des andlitzs) Jſt freundlich vnd gnedigs anſehen.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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Angſt

 

Engſten

Angst, die

Singular: angſt

Plural: engſten

 

Gefühlszustand angesichts tatsächlicher oder empfundener drohender Gefahr: Beklemmung, Bedrückung, einhergehend mit köperlichen Anzeichen der Erregung oder Auffregung, mit psychischen Anzeichen für Panik, Belastung oder Stress.

 

Siehe auch: →engſten (Verb)

 

→Ps 142,4

 

Wenn mein Geiſt in engſten iſt / ſo nimpſtu dich meiner an /

 

a) Wenn mein Geist in Ängsten ist, so nimmst du dich meiner an!

b) Wenn mein Geist in Angst [gefangen] ist, so nimmst du dich meiner an!

 

 

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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anlauffen

anlaufen (Verb, veraltet)

eigentlich: an einen laufen, an etwas laufen

 

a) hauptsächlich im kriegerischen Sinn: gegen die Burg anlaufen, gegen die Mauern anlaufen, gegen ein feindliches Heer anlaufen

b) vergeblich dagegen anrennnen: zurückprallen und nichts ausrichten, auflaufen ( auf die vorbreitete Abwehr), zu Fall kommen

c) anstoßen an etwas (und dabei Schaden erleiden)

d) sich eilends und unnachgiebig jemandem zuwenden (bestürmen, bedrängen)

 

Das Wort ist heute noch in vielen Bedeutungen gebräuchlich (»er kommt angelaufen«, »das Schiff läuft den Hafen an«, »die Produktion läuft an«, usw).

 

Allerdings ist die Verwendung bei Luther für uns ungewöhnlich. So meint es beispielsweise das Anlaufen eines Heeres in der Schlacht (im schnellen Schritt angreifen), das Anlaufen einer Gruppe böser Menschen (im Sinne von bestürmen und bedrängen) oder auch das Auflaufen lassen (auf die vorbereitete Abwehr, zu Fall bringen).

 

→Ps 27,14

 

Darumb ſo die Böſen / meine Widerſacher vnd Feinde / an mich wöllen mein fleiſch zu freſſen / Müſſen ſie anlauffen vnd fallen.

 

a) Deshalb: Wenn die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen, um mein Fleisch zu fressen, dann müssen sie angreifen und fallen. [Wie ein feindliches, in der Schlacht angreifendes und niedergemetzeltes Heer.]

b) Deshalb: Wenn die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen, um mein Fleisch zu fressen, dann sollen sie nur kommen! Sie werden fallen!

 

Ez 3,20

 

VND wenn ſich ein Gerechter von ſeiner gerechtigkeit wendet / Vnd thut böſes / So werde ich jn laſſen anlauffen / das er mus ſterben

 

a) Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Böses tut, dann werde ich ihn angreifen lassen, so dass er sterben muss.

b) Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Böses tut, dann werde ich ihn angreifen lassen. Er wird es nicht überleben.

c) Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Böses tut, dann werde ich ihn auflaufen lassen, so dass er sterben muss.

d) Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Unrecht begeht, dann werde ich ihn zu Fall bringen, so dass er sterben muss.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Anligen

Anliegen, das

Anligen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 1 0 1

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

a) ein innerer Drang, über etwas, was einem beschäftigt, unruhig macht oder Sorgen bereitet, und bei dem man Hilfe oder Unterstützung benötigt, vorzutragen

b) Wunsch, Bitte

 

→Ps 55,23

 

Wirff dein Anligen auff den HERRN / der wird dich verſorgen /

 

Wirf dein Anliegen auf den HERRN, der wird dich versorgen.

 

Eph 6,18

 

Vnd betet ſtets in allem anligen mit bitten vnd flehen / im geiſt /

 

a) Und betet stets in allen Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist.

b) Und betet stets in bei allem, was euch bewegt, mit Bitten und Flehen im Geist.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Anſchlag

Anschlag, der

Plural: anſchlege, Anschläge

 

Das Wort Anschlag wird in verschiedenen Bedeutungen und unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.

 

Luther benutzt es in Sinn von:

 

a) Plan, Vorhaben

b) Wünsche (des Vorhabens, des Handelns)

 

Dahinter verbirgt sich die Idee des Anschlags als öffentliche Bekanntmachung: Pläne, Vorhaben und Wünsche werden bzw. sind bekannt gemacht.

 

 

→Ps 20,5

 

Er gebe dir was dein Hertz begeret / Vnd erfülle all deine anſchlege.

 

a) Er gebe dir was dein Herz begehrt und helfe dir bei allen deiner Vorhaben.

b) Er gebe dir was dein Herz begehrt und erfülle alle deine Pläne.

 

→Ps 146,4

 

Denn des menſchen Geiſt mus dauon / vnd er mus wider zu Erden werden / Als denn ſind verloren alle ſeine Anſchlege.

 

a) Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden. Dann sind verloren alle seine Vorhaben.

b) Denn des Menschen Geist muss ihn verlassen. Der Mensch muss wieder zu Erde werden. Dann lösen sich alle seine Pläne in nichts auf.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

anſtoſſen

anstoßen (Verb)

in verschiedenen Bedeutungen

 

→Ps 5,11:

Stoſſe ſie ans vmb jrer groſſen vbertrettung willen

 

Hier im Sinne von hart anrühren gebraucht: Fasse sie hart an (gehe nicht nachsichtig mit ihnen um) wegen ihrer großen Übertretungen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

antworteſtu

antwortest du (Verb)

antworteſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
5* 2 0 3

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

2. Person Singular Indikativ Aktiv von antworten (Verb)

 

Präsens:

antworteſtu: antwortest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

Hi 30,20

 

SChrey ich zu dir / so antworteſtu mir nicht

 

Schreie ich zu dir, antwortest du mir <einfach> nicht!

 

→Ps 22,3

 

Mein Gott / des tages ruffe ich / So antworteſtu nicht

 

Mein Gott, tagsüber rufe ich <dich an>, doch du antwortest nicht!

 

Mt 26,62

 

VND der Hoheprieſter ſtund auff / vnd ſprach zu jm / Antworteſtu nichts zu dem / das dieſe wider dich zeugen?

 

Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du <denn> nichts zu dem, was diese gegen dich bezeugen?!

 

Mk 14,60

 

VNd der Hoheprieſter ſtund auff vnter ſie / vnd fragete Jheſum / vnd ſprach Antworteſtu nichts zu dem / das dieſe wider dich zeugen?

 

Und der Hohepriester stand auf, trat in ihre Mitte, befragte Jesus und sprach <dabei>: Antwortest du <denn> nichts zu dem, was diese gegen dich bezeugen?!

 

Mk 15,4

 

Pilatus aber fragte jn abermal / vnd ſprach / Antworteſtu nichts?

 

Pilatus aber fragte ihn noch einmal und sprach: Antwortest du <denn> nichts?!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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Apoſtel

Apostel, der

griechisch: ἀπόστολος (apostolos), der Gesandte

 

Die Bezeichnung »Apostel« meint im Deutschen »Gesandter«. In der kirchlichen Auffassung handelt es sich um den inneren Kreis der Jünger Jesu. Diese Jünger waren zu Lebzeiten Jesu seit dessen Taufe durch Johannes seine engsten Begleiter. Allen Aposteln wurde der Sendungsauftrag, wie er in Matthäus 28,19 beschrieben ist, von Jesus selbst erteilt.

 

Die Namensliste der ersten zwölf Apostel, die Jesus berufen hatte, findet sich in der Bibel an mehreren Stellen, so im Matthäus-Evangelium (10, 1-4), im Markus-Evangelium (3, 13-19) und im Lukas-Evangelium (6, 12-16).

 

Die Auswahl der Zwölf Apostel (Lk 6,12-16)

 

12ES begab ſich aber zu der zeit / das er gieng auff einen Berg zu beten / vnd er bleib vber nacht in dem gebet zu Gott. 13Vnd da es tag ward / rieff er ſeinen Jüngern / vnd erwelet jrer Zwelffe / welche er auch Apoſtel nennet / 14Simon / welchen er Petrum nennet / vnd Andrean ſeinen bruder / Jacobum vnd Johannem / Philippum vnd Bartholomeum / 15Mattheum vnd Thomam / Jacobum Alphei ſon / Simon genant Zelotes / 16Judam Jacobs ſon / vnd Judam Jſchariothen den Verrheter.

 

Der Kreis der Apostel nach der Auferstehung

 

In der Apostelgeschichte wird der Kreis der Apostel benannt, wie er sich nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt entwickelt hatte. Die Liste in der Apostelgeschichte 1, 13 nennt nur noch elf Namen und lässt Judas Iskariot aus.

 

In Apostelgeschichte 1, 21-26 wird über eine Nachwahl berichtet, die nötig war, damit der Kreis der Apostel wieder aus 12 Personen bestünde. Gewählt wurde ein Mann namens Matthias.

 

In der römisch-katholischen Kirche

 

Zum Kreis der Apostel zählt die katholische Kirche zudem Barnabas und Paulus. Der Text in Apostelgeschichte 14, 14 bezeichnet beide als Apostel.

 

In der Apostelgeschichte und in den Briefen im Neuen Testament sind weitere Personen ausdrücklich als Apostel bezeichnet. Ihre Namen fanden aber keinen Einzug in das Kalendarium der römischen Kirche.

 

In der evangelischen Kirche

 

Die evangelische Kirche kennt insgesamt 13 Apostel, für die Gedenk- und Feiertage im Kalender eingerichtet wurden. In dieser Liste sind Judas Iskariot, der Jesus verraten hatte, und Barnabas nicht enthalten, wohl aber Matthias und Paulus.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Apoſtelampt

Apostelamt, das

griechisch: ἀποστολή (apostole), die Aussendung

 

Die »Aussendung« wird inhaltlich als Auftrag, als Amt verstanden, das der Gesandte (Apostel) zu erfüllen hat. Das griechische Wort ἀποστολή wird in den biblischen und christlichen Texten nur im Sinn Apostelamt gebraucht.

 

→Röm 1,5

 

Durch welchen wir haben empfangen Gnade vnd Apoſtelampt vnter alle Heiden

 

Durch welchen wir empfangenn haben Gnade und Apostelamt unter allen Heiden

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Archelaus

Herodes Archelaos (Name)

Herodes Archelaos (* um 23 v. Chr.; † um 18 n. Chr.) war der Sohn von Herodes dem Großen, der nach dessen Tod im Jahr 4 v. Chr. die Nachfolge als König über Israel antreten sollte.

 

Doch in der jüdischen Bevölkerung war der Widerstand gegen Archelaos groß. Kaiser Augustus vergab den Königstitel nicht, sondern bestimmte, dass Archelaos nur über Judäa (mit den Gebieten Judäa, Samaria und Idumäa) herrschen sollte. Galiläa und Peräa wurden seinem Bruder Herodes Antipas zugesprochen, Herodes Phillipos bekam die Gebiete östlich des Oberlaufs des Jordans.

 

Kaiser Augustus stellte dem Herodes Archelaos in Aussicht, den Königstitel über ganz Israel dann zu erhalten, wenn er sich als Herrscher und Führungspersönlichkeit ausgezeichnet habe, wobei sicher das innenpolitische Geschick und die Gunst der Bevölkerung wesentliche Rollen spielten.

 

Doch Herodes Archelaos regierte hart, ungerecht und brutal. Einflussreiche und angesehene jüdische Familien Judäas klagten beim Kaiser darüber. Der rief 6 n. Chr. Herodes Archelaos nach Rom und ließ ein ordentliches Gericht über die Anklagen urteilen. Das Urteil beendete die Karriere des Herodes Archelaos: Ihm wurde die Herrschaft über Judäa entzogen und er wurde nach Vienna in Gallien verbannt, wo er 18 n. Chr. starb, ohne weiter politisch in Erscheinung zu treten.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

arg

arg (Adjektiv)

Zu unterscheiden sind zwei Bedeutungen:

 

1a) schlecht, niederträchtig, böse

1b) übel, schlimm, unangenehm

 

und

 

2) karg im Sinne von zurückhaltend im Geben, nicht freigiebig, haushälterisch

 

zu 1) →Mt 7,17

 

Alſo ein jglicher guter Bawm / bringet gute Früchte / Aber ein fauler Bawm / bringet arge Früchte.

 

Also: Jeder gesunde Baum bringt gute Früchte, aber ein Kranker Baum bringt schlechte Früchte.

 

 

zu 2) →Mt 7,11

 

So denn jr / die jr doch arg ſeid / künd dennoch ewren Kindern gute gabe geben

 

Obwohl ihr es euch nicht leisten könnt, freigiebig zu sein, könnt ihr dennoch euren Kindern gute Gaben geben.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Arge
arge

Arge, das (veraltet)

Substantiv zu arg (Adjektiv).

 

Zu unterscheiden sind zwei Bedeutungen:

 

1a) das Schlechte, das Niederträchtige, das Böse

1b) das Übel, das Üble, das Schlimme, das Unangenehme

 

und

 

2) das Karge im Sinne von zurückhaltend im Geben, nicht freigiebig, haushälterisch

 

zu 1) →Ps 97,10

 

DJe jr den HERRN liebet / haſſet das arge

 

a) Die ihr den HERRN liebt: Hasst das Arge!

b) Die ihr den HERRN liebt: Hasst das Böse!

 

 

SK Version 22.03.2019  

→Register

Ariel

Ariel (Name)

 

Ariel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
9* 10 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

a) männlicher Name (4Mos 26,17; Esra 8,16)

b) aus a) Namensgebung für einen Volkstamm (4Mos 26,17) und eine Stadt

c) als Bezeichnung für Jerusalem (Jes 29)

d) Oberteil des Altars im Tempel Jerusalems (Hes 43,15-16)

 

Ariel

 

hebräisch: ‎אריאל (Ariel)

 

a) Opferherd Gottes (Oberteil des Altars)

b) Löwe Gottes (streitbarer Engel)

 

 

4Mos 26,17

 

15DJE kinder Gad in jren geſchlechten waren / ... 17Ariel / daher das geſchlecht der Arieliter kompt.

 

Esra 8,16

 

Da ſandte ich hin Elieſer / Ariel / Semaja / Elnathan / Jarib / Elnathan / Nathan / Sacharja / vnd Meſullam die Oberſten /

→Jes 29,1 (2 mal)

 

WEh Ariel Ariel / du Stad des lagers Dauids

 

→Jes 29,2 (2 mal)

Aber ich wil den Ariel engſten / das er trawrig vnd jamerig ſey / vnd ſol mir ein rechter Ariel ſein.

 

→Jes 29,7

 

ABer wie ein Nachtgeſicht im Trawm / So ſol ſein die menge aller Heiden / ſo wider Ariel ſtreiten /

 

Hes 43,15

 

Vnd der Harel vier ellen hoch / vnd vom Ariel vberwerds vier Hörner /

 

Hes 43,16

 

Der Ariel aber war zwelff ellen lang / vnd zwelff ellen breit ins geuierde.

 

Luthers Erläuterung zu Jes 29,1:

 

(Ariel) Heiſ­ſet Got­tes Lewe. Al­ſo heiſ­ſen ſie die ſtad Je­ru­ſa­lem / vmb des wil­len / das ſie durch Gott mech­tig war. Aber nu ſol er Got­tes­le­we heiſ­ſen / wi­der wel­chen Gott ſtrei­ten wil.

 

Luthers Erläuterung zu Hes 43,15-16

 

Harel heiſſt Gottes berg / Ariel Gottes lewe / So nennet er das vber teil des Altars / darauff man opfferte.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Aſſaph

Asaf (Name)

Asaf war ein Gesangmeister Davids. Er lebte demnach um 1000 v. Chr., genaue Lebensdaten sind nicht bekannt.

Er war als Chorleiter und Leiter des Gottesdienstes mit Gesang im Tempel tätig.

 

Asaf schrieb mehrere Psalmen. Sein Name erscheint als Autorenvermerk in den Titelzeilen der Psalmen Ps 50, Ps 73, Ps 74, Ps 75, Ps 76, Ps 77, Ps 78, Ps 79, Ps 80, Ps 81, Ps 82 und Ps 83.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Aſſur

Assur (Stadt)

 

Assyrien (Land)

a) Assur, Stadt im Norden des heutigen Irak, gelegen am westlichen Ufer des Tigris.

b) Assyrien, Landschaft um den Tigris mit Assur als Hauptstadt.

 

→Jes 27,13

 

So werden komen die verlornen im lande Aſſur /

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

auffgehaben

aufgehaben (Verb)

Partizip Präteritum von aufheben (Verb),

heute ungebräuchlich.

 

→Ps 85,4

 

Der du vormals haſt alle deinen Zorn auffgehaben

 

a) Der du zunächst all deinen Zorn aufgehoben hattest

b) Der du zunächst all deinen Zorn beendet hattest

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

auffm

auf dem (Präposition und Artikel)

 

auf einem

auffm scheint eine umgangssprachliche Zusammenziehung der Präpostion auf mit dem Artikel im Dativ (bestimmt oder unbestimmt) zu sein, die Luther hier zu Druck brachte. Das Wort ist weiterhin nicht verwendet.

 

→Aus dem Scholion zu Luthers Vorrede auf den Psalter

 

Menſchen herz iſt wie ein Schiff auffm Meer etc.

 

Des Menschen Herz ist wie ein Schiff auf dem Meer, etc.

 

→Ps 2,12

 

Küſſet den Son / Das er nicht zürne / vnd jr vmbkomet auffm wege

 

Küsst den Sohn, damit er nicht erzürnt und ihr auf dem Weg umkommt.

 

→Ps 61,3

 

Du wolteſt mich füren auffm hohen Felſen.

 

Du wollest mich führen auf einen hohen Felsen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

auffrecken

aufrecken (Verb; veraltet)

zu recken (Verb),

 

emporrecken, emporrichten, aufrichten

 

1) vom Leib und von den Gliedern

2) von Tiren, die sich aufrichten

3) von entfalteten Fahnen bzw. Panieren

 

 

 

 

 

 

→Hiob 10,16

 

Vnd wie ein auffgereckter Lewe jageſtu mich /

 

Und wie ein aufgerichteter [im Sprung befindlicher] Löwe jagest du mich [dann ganz sicher].

 

 

 

SK Version 16.03.2019  

→Register

Auguſtus

Augustus (Name)

Kaiser Augustus

Kaiser Augustus

 

* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius; † 19. August 14 n. Chr.

Großneffe und Haupterbe Gaius Iulius Caesars

(verkürzter) Titel: Imperator Caesar Augustus

Regierungszeit: 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.

Erster römische Kaiser und Alleinherrscher des Römischen Reiches.

 

Biblischer Zeitrahmen

 

Geburt und Kindheit Jesu

 

Jüdische Herrscher dieser Zeit:

a) (bis 4 v. Chr.) Herodes der Große

b) (ab 4 v. Chr.) Herodes Archelaos (Judäa, bis 6 n. Chr.)

c) (ab 4 v. Chr.) Herodes Antipas (Galiläa)

d) (ab 4 v. Chr.) Herodes Phillipos (Dekapolis)

 

Siehe auch: →Römische Kaiser

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Auſſerwelete

Auserwählte, der

Substantivierung des Verbs auserwählen

 

a) von einzelnen Personen: auserwählt sein für eine Bestimmung

b) vom Volk Israel: das auserwählte Volk

 

→Ps 105,6

 

Jr kinder Jacob ſeines Auſſerweleten.

 

Deneben gibt es die Form Auſſwelete, der Ausgewählte, von auswählen

 

→Ps 106,5

 

Das wir ſehen mügen die Wolfart deiner Auſſweleten

 

 

SK Version 16.01.2019  

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ausſtecken

ausstecken (Verb; veraltet)

 

a) etwas mit einer Fahne markieren: abstecken, z. B. die Strecke mit Fähnchen aus-, abstecken.

b) etwas mit einem Signalgeber anzeigen: eine Fahne, eine Kranz usw. als Zeichen für etwas anbringen

 

→Jes 33,23

 

Alſo werden ſie auch das Fenlin nicht auff den Maſtbaum ausſtecken.

 

Also werden sie auch die Fahne nicht am Mastbaum [als Zeichen] anbringen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Auſſwelete

Ausgewählte, der

Substantivierung des Verbs auserwählen

 

a) von einzelnen Personen: ausgewählt sein für eine Bestimmung

b) vom Volk Israel: das ausgewählte Volk

 

→Ps 106,5

 

Das wir ſehen mügen die Wolfart deiner Auſſweleten

 

Deneben gibt es die Form Auſſerwelete, der Auserwählte, von auserwählen

 

→Ps 105,6

 

Jr kinder Jacob ſeines Auſſerweleten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Awe

Aue, die

wasserumflossenes Land, feuchter Grund, (feuchte) Wiese, auch: Insel

 

Flaches Landstück, immer verbunden mit Fruchtbarkeit, mit frischen, grünen Pflanzen und Wasser in Form von Bächen oder Quellen, das sich von einer eher kargen Umgebung abhebt.

 

→Ps 23,1

 

Er weidet mich auff einer grünen Awen / Vnd füret mich zum friſſchen Waſſer.

 

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zu frischem Wasser.

 

→Ps 37,20

 

Wenn ſie gleich ſind wie eine köſtliche Awe / werden ſie doch vergehen

 

Auch dann, wenn sie einer köstlichen Aue gleichen, werden sie doch vergehen

 

 

SK Version 16.01.2019  

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B

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

B

B (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

B

b

Beschreibung

B b

reguläre Schrifttype für einfachen Text

B b

Schrifttype für Auszeichnungen

B b

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

B b

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Baal
Baalim

Baal (Titel)

Baalim (Sammelbegriff)

 

hebräisch: בעל (»Herr«)

lateinisch: Beel

griechisch: βεελ (Beel)

 

Als Sammelbegriff für mehrere Götter wird der Plural Baalim verwendet.

 

Baal als Gottheit

 

Das Wort Baal ist sprachlich kein Eigenname, sondern eine An­re­de­form und somit einem Titel vergleichbar. Es bedeutet »Herr und Besitzer des Landes«, aber auch »Herr«, »Meister«, »Besitzer«, »Eheherr« (Ehemann), oder einfach »König« und »Gott«. Damit ist Baal nicht ein einzelner Gott, sondern mit der Anrede wird eine Vielzahl von Göttern bezeichnet, die z. T. nur eine sehr enge, regional begrenzte Bedeutung hatten. Der Plural lautet Baalim.

 

Das Wort Baal (ohne weitere Zusätze) ist in der Regel die Anredeform für den palästinenschen Landgott, auf den die Israeliten bei der Landnahme trafen. Nach der Landnahme ersetzte Jahwe (JHWH) nach und nach Baal in der Volksgläubigkeit der palästinenschischen Bevölkerung.

 

Baal war den Israelien allerdings bereits vorher aus Ägpten bekannt, wo es im Neuen Reich eine aus Syrien adaptierte Form des Baal gab. Der ägyptische Baal wurde nach und nach dem ägyptischen Gott Seth gleichgestellt. Daher wurden ihm in der Götterwelt zahlreiche Zuständigkeiten und Ei­gen­schaf­ten zugeordnet, z. T. auch widersprüchliche, verbunden mit großer Macht. Für viele Lebensfragen, gerade der armen und unteren Bevölkerungsschichten, avancierte Baal beinahe zu einem Universalgott, der sowohl hohe Anerekennung genoss, wie auch große Ehrfurcht erntete.

 

Anders als bei Seth verkörpert der Stier diesen Gott, der durch die bildlichen Darstellungen, gepaart mit den Eigenschaften der unmittelbaren, brutalen Kraft und der Gewaltigkeit im Auftreten, für die Israeliten jedoch zum Abgott wird. Dennoch hält sich der Baalskult noch viele Jahrhunderte nach der Land­nah­me in Israel, bevorzugt in den nördlichen Gebieten.

 

In der Geschichte vom →goldenen Kalb (2Mos 32,1-6) findet sich der ägyptische Baalskult und die religiöse Grundlage für den Ersatz Baals (und aller Baalim) durch Jahwe unter den Israeliten.

 

Zusätze, wie →Baal Peor, bezeichnen einen bestimmten, einzelnen Gott, der in einer bestimmten Gegend als höchster Gott Verehrung fand in Abgrenzung zu weiteren Göttern, für die ebenfalls die Anrede Baal üblich war. Die Verschmelzung von Titel und Ortsbezeichnung wird Namensgeber.

 

Das Wort Baal findet aber auch Verwendung in den Namen von Personen (als Titelbezeichnung), wie Baal-Hanan (»(der gottgleiche) König Hanan«, bzw. »der Herrscher dieses Landes, Hanan«), oder in Ortsnamen (als Hauptstadt des Herrschaftsgebiets eines bestimmten Landgottes), wie Baal-Zephon oder Bal-Gad.

 

→Ri 2,13

 

Denn ſie verlieſſen je vnd je den HERRN / vnd dieneten Baal vnd Aſtharoth.

 

Denn sie [die Israeliten] verließen nach und nach den HERRN und dienten [dem Gott] Baal und [der Göttin] Astharoth.

 

Anmerkung:

Aschhtarot (hebr.; auch Aschtaret; gr.: Astarte) war eine Himmelsgöttin und Liebesgöttin etlicher semitischer Völker.

 

 

→Ri 2,11

 

Da theten die kinder Iſrael vbel fur dem HERRN / vnd dieneten Baalim /

 

Da taten die Kinder Israels Übel vor dem HERRN und dienten den Baalim.

 

 

→Hos 11,2

 

Aber wenn man jnen jtzt rufft / ſo wenden ſie ſich dauon / vnd opffern den Baalim / vnd reuchern den Bildern.

 

Aber wenn man sie jetzt ruft, dann wenden sie sich ab, opfern den Baalim und bringen deren Bildern Rauchopfer dar.

 

 

 

SK Version 21.03.2019  

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Baal Peor

Baal Peor (Gottheit)

Baal Peor
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

hebräisch: בעל פעור  (»Herr des Peor«)

lateinisch: Beelphegor

griechisch: βεελφεγωρ (Beelphegor)

 

Moabitische Gottheit, auch Baal Pegor genannt.

 

Peor war ein Berg in Moab, gelegen zwischen dem Toten Meer und der Stadt Amman:

 

 

In Glauben der alttestamentlichen Zeit residierten Götter i.d.R. auf Bergen. So auch der Gott Israels auf dem Berg Zion bei Jesrusalem.

 

Der Sitz des Gottes Baal Peor (»Herr des Peor«) war der Berg Peor.

 

Baal als Gottheit

 

Siehe dazu den Artikel →Baal.

 

 

Ps 106,28:

 

VND ſie hiengen ſich an den Baal Peor / Vnd aſſen von den Opffern der todten Götzen.

 

Und sie hängten sich an den Baal Peor und aßen von den Opfergaben des toten Götzen.

 

 

SK Version 21.03.2019  

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Babel

Babel (Name)

Im Alten Testament:

 

a) Name für die sumerische Stadt Babylon

Ehemalige Hauptstadt Babyloniens, gelegen am Euphrat, etwa 90 km südlich des heutigen Bagdads (Irak).

 

b) Name für das Land Babylonien

Landschaft am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris, zwischen der heutigen irakischen Stadt Bagdad und dem Persischen Golf gelegen.

 

Hintergrund zu Psalm 87

 

Gottes Handeln gegenüber dem Pharao vor dem Auszug aus Ägypten sowie sein Handeln gegenüber Nebukadnezzar II. während des Exils der Judäer in Babylonien gab Anlaß zu Dank und Lobpreis. Damit war aber auch die Vepflichtung verbunden, immer wieder diese Geschichten zu erzählen. Sie erklären, dass Gott stets beim Volk ist, bei den Menschen, und nicht an ein Land, an eine Stadt, an einen Berg oder an den Tempel gebunden ist. Sie erklären, dass Gott selbst es mit den Königen mächtiger Staaten aufnimmt, wenn es um sein Volk geht.

 

→Ps 87,4

 

JCh wil predigen laſſen Rahab vnd Babel / das ſie mich kennen ſollen

 

a) Ich will über Rahab und Babel predigen lassen, dass sie mich kennen sollen.

b) Ich will über Ägypten und Babylonien predigen lassen, damit sie mich genauer kennen lernen.

 

 

Hintergrund zu Psalm 137

 

Der babylonische König Nebukadnezzar II. eroberte 597 v. Chr. Jerusalem und setzte in Juda Zedekia als König ein. Nach einem Treuebruch Zedekias eroberte Nebukadnezzar II. 587/586 v. Chr. Jerusalem erneut, zerstörte den Tempel und deportierte einen großen Teil der Bevölkerung Judas nach Babylonien.

 

→Ps 137,1

 

AN den waſſern zu Babel ſaſſen wir / vnd weineten / Wenn wir an Zion gedachten.

 

a) An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.

b) In Babylon saßen wir am Euphrat und weinten, wenn wir an Zion dachten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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bach

Bach, der

Plural: die Beche

 

fließendes Gewässer

 

 

SK Version 16.01.2019  

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bach Kiſon

Kischon (Fluss)

Der Kischon ist ein Fluss in Nordisrael.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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ban

Ban, die (veraltet)

 

Bahn, die

ban oder bahn bezeichnet einen Weg oder Pfad, der durch eine unbegehbare oder unbefahrbare Gegend führt, und der über schwierige, rauhe Stellen getreten oder angelegt wurde.

 

→Ps 68,5:

 

Macht ban dem der da ſanfft her feret

 

a) Macht Bahn dem, der da sanft her fährt.

b) Schüttet (einen Weg) auf dem, der durch die Wüste1 fährt.

c) Legt einen Weg an für den, der durch die Wüste fährt.

 

1Anmerkung zu Ps 68,5:

Luther übersetzt hier mit »der da sanfft her fähret« den Text einer lateinischen Biblia Vulgata, die sich auf den Text der griechischen Septuaginta stützt, ziemlich geglättet. Nach den hebräischen Quellen geht die Fahrt durch Wüsten (hebräisch: עֲרָבָה, ʽărābāh, Steppe, Wüste, karge Ebene). Entsprechend haben auch die neuen Luther-Ausgaben (1964, 1984) den Text korrigiert.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Baſiliſk

 

Baſiliſke

Basilisk, der

Basiliske, die (veraltet)

Basilisk, Giftschlange, Natter, Otter, Viper u. a.

 

mhd: basiliske, m. [Schlange]

 

hebräisch: צֶפַע (ṣepa, Giftschlange) und צִפְעוֹנִי (ṣipwoniy, Giftschlange)

griechisch: βασιλισκος (basilískos, wörtl.: »Kleinkönig«), Basilisk, eine Schlangenart

lateinisch: basiliscus, Basilisk

 

Der hebräische Text benutzt Wörter, die offensichtlich eine besonders giftige Schlangenart benennen. Welches Tier gemeint ist und ob es überhaupt eine Schlange bezeichnet, bleibt unklar. Spekulationen dazu sind zahlreich veröffentlicht worden.

 

Der Basilisk

 

Der Basilisk ist ein antikes Fabelwesen, das im Mittelalter wieder neu auflebte, nicht zuletzt durch die Verwendung des Begriffs in den Übersetzungen Luthers.

 

Der Basilisk soll von einer Schlange (oder Kröte) aus einem dotterlosen Hühnerei ausgebrütet worden sein. Dargestellt wird das Wesen daher meist als Hahn mit dem Schwanz einer Schlange. Manchmal findet sich auf dem Kopf eine Krone, manchmal ist der Körper verformt und schrumplig wie der einer Kröte. In manchen Skulpturen des späten Mittelalters kommt der Basilisk einem Drachen nahe, der herrschend und drohend mit gespreizten Flügeln Eingänge bewacht. Die besondere Fähigkeit dieses Tieres soll in seinem tödlichen Blick verborgen sein, der dem Menschen Lebenskraft entziehen oder zu Versteinerung führen soll. Er könne mit seinem Atem Büsche und Sträucher in Brand setzen und Steine sprengen.

 

Baſiliſk
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
4* 4 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Verwendung

 

Das Wort kommt ausschließlich bei den Propheten Jesaja und Jeremia vor.

 

Luther benutzt die maskuline, aber auch die feminine Form.

 

Ein Blick auf die gegebenen Textstellen verdeutlicht, warum sich Luther für das Wort »Basilisk« für das unbekannte Tier entschieden hat, obwohl ihm die Bedeutung »giftige Schlange« bekannt war: Die Beschreibungen gehen weit über die Eigenschaften einer Schlange hinaus.

 

Moderne Übersetzungen wählen dennoch meist Schlan­gen­namen. Die Elberfelder Bibel sieht hier eher die Otter oder eine Viper, die Lutherbibel 2017 identifiziert das Tier als Natter. Dies alles sind Giftschlangen, die auch in Palästina bzw. im Vorderen Orient in den Zeiten der Propheten Jesaja und Jeremia bekannt waren.

 

Doch dies scheint zu einfach gelöst. Die Autoren der Prophetenbücher kannten Schlangen (siehe Jes 14,29 und Jer 8,17 unten). Vermutlich wählten sie Wörter für irreale Wesen, die auf einem regionalen mystischem Glauben ihrer Zeit basierten und dort etwas Böses vertraten. Die simplifizierte (aber nicht ganz passende) Interpretation als »Giftschlange« charakterisiert immerhin ihre Gefährlichkeit (durch ihr starkes Gift) sowie ihre religiös zu verstehende Listigkeit und dämonenhafte Art (angelegt in der Geschichte der Verführung im Paradies durch die Schlange, →1Mos 3,1-6).

 

Bei einer Interpretation der Textstellen wird gerade die dämonenhafte Gefährlichkeit dieser Wesen zu berücksichtigen sein, denn dieser Aspekt war den Autoren wichtig. Luther hat bereits implizit durch eine geschickte Wortwahl mit dem Begriff »Basilisk« darauf hingewiesen.

 

In neueren Übersetzungen geht Luthers Erkenntnis nicht nur verloren, sie zeigen die Autoren der alten hebräischen Texte auch als redaktionelle Stümper: Nattern, die fliegende Schlangen ausbrüten? Die Geschichte wird unglaubwürdig, weil der Versuch unternommen wurde, sie in eine reale Welt zu übertragen, was aber nicht vollständig gelingen kann. Beschrieben sind mystische Wesen in einem Umfeld, wo sie eine Rolle spielten.

 

 

→Jes 11,8

 

Vnd ein Seugling wird ſeine luſt haben am loch der Ottern / vnd ein Entweneter wird ſeine hand ſtecken in die hüle des Baſilisken.

 

a) Und ein Säugling wird seine Lust haben am Loch der Ottern, und ein Kleinkind wird seine Hand in die Höhle des Basilisken stecken.

b) Lutherbibel 2017: Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstecken [sic] zur Höhle der Natter.

 

 

→Jes 14,29

 

Denn aus der wurtzel der Schlangen wird eine Baſiliſke komen / vnd jre frucht wird ein fewriger fliegender Drache ſein.

 

a) Denn aus der Wurzel der Schlange wird eine Basiliske kommen, und ihre Frucht wird ein feuriger, fliegender Drache sein.

b) Lutherbibel 2017: Denn aus der Wurzel der Schlange wird eine giftige Natter kommen, und ihre Frucht wird eine fliegende Schlange sein.

 

Anmerkung:

Hier ist von einer weiblichen Basiliske die Rede, weil das Wesen seinerseits ein mystisches Wesen gebiert: den feuerspeienden, fliegenden Drachen.

 

 

→Jes 59,5

 

SIe brüten Baſiliſken eyer / vnd wircken Spinneweb. Iſſet man von jren Eyern / ſo mus man ſterben / Zutrit mans aber / ſo feret ein Otter eraus.

 

a) Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinngewebe. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben. Aber zertritt man eins, dann fährt eine Otter heraus.

b) Lutherbibel 2017: Sie brüten Natterneier und weben Spinnweben. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben. Zertritt man sie aber, so fährt eine Schlange heraus.

 

 

→Jer 8,17

 

Denn ſihe / Ich wil Schlangen vnd Baſiliſken vnter euch ſenden / die nicht beſchworen ſind / die ſollen euch ſtechen / ſpricht der HERR /

 

a) Denn siehe! Ich will Schlangen und Basilisken zu euch schicken, die nicht beschworen sind. Die sollen euch stechen, spricht der Herr.

b) Lutherbibel 2017: Denn siehe, ich will Schlangen und Nattern unter euch senden, die nicht zu beschwören sind; die sollen euch stechen, spricht der Herr.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Orion

 

Band des Orion

 

Jacobsſtab

Orion (Name eines Sternbilds)

Oriongürtel, der

Jakobsstab, der

Orion ist ein Sternbild, das über dem Äquator liegt und im Mittelmeerraum gut zu sehen ist.

 

Orion
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
5* 5 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Jacobsſtab
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Die Bezeichnung Orion steht in der Lutherbibel 1545 für

 

a) das Sternbild Orion

b) den Oriongürtel

c) ein Sternbild (als Gattungsbegriff)

 

 

 

Das Sternbild Orion

 

Sternbild Orion

Creative Commons Attribution-ShareAlike

 

Abbildung:

Das Sternbild Orion.

Die roten Verbindungslinien kennzeichnen den sog. Jakobsstab, der fast genau über dem Äquator steht.

 

Grafik: ©by Sabrina, 2018, CC BY-SA

 

 

Band des Orion

 

der Oriongürtel

 

Im Zentrum des Sternbilds Orion befinden sich drei, fast in einer Linie dicht beieinanderstehende Sterne namens Alnitak, Alnilam und Mintaka (ζ, ε und δ Orionis), der Oriongürtel, das Band des Orion, bzw. der Oriongürtel.

 

Jakobsſtab

 

Der Oriongürtel wurde im Mittelalter oft Jacobsstab genannt.

 

Der Jakobsstab war ein gerader Wanderstab für Pilger, der drei markante Merkmale besaß: eine kräftige, eiserne Spitze unten, einen kugelförmigen oberen Abschlussknauf und in der Mitte ein Griffstück mit verdickter Handauflage.

 

Mit einer gedachten Linie zwischen den drei Sternen entsteht für den Betrachter die Grundform des Jakobsstabs.

 

Das Wort Jacobsſtab kommt in deer Lutherbibel 1545 nur in einer Anmerkung Luthers zu Hiob 9,9 vor.

 

 

Fundstellen

 

→Hiob 9,9

 

Er machet den Wagen am himel vnd Orion vnd die Glucken vnd die Stern gegen mittag.

 

a) Er machte den Wagen am Himmel, und Orion, und die Glucken, und die Sterne gegen Mittag.

b) Er machte den großen Wagen am Himmel, und das Sternbild Orion, und die Plejaden, und die Sterne über dem Äquator.

 

 

Luther in seiner Anmerkung (Marginalspalte) zu →Hiob 9,9

 

(Orion) Iſt das hel­le Ge­ſtir­ne ge­gen mit­tag / das die Bau­ern den Ja­cobs­ſtab heiſ­ſen. Die Glu­cken oder die Hen­ne / ſind die ſie­ben klei­ne Ge­ſtir­ne.

 

a) Orion ist die helle Sternansammlung über dem Äquator, die die Bauern den Jakobsstab nennen. Die Glucken oder die Henne sind der Sternhaufen der sieben kleinen Sterne.

b) Orion ist das Sternbild über dem Äquator, dessen Gürtelsterne die Bauern den Jakobsstab nennen. Die Plejaden sind der Sternhaufen der sieben kleinen Sterne.

 

 

→Hiob 38,31

 

Kanſtu die bande der ſieben Sterne zuſamen binden? oder das band des Orion aufflöſen?

 

a) Kannst du das Band der sieben Sterne zusammenbinden? Oder das Band des Orion auflösen?

b) Kannst das Band der Plejaden zusammenbinden? Oder das Band des Oriongürtels auffösen?

 

 

→Jes 13,10

 

Denn die Sterne am Himel vnd ſein Orion ſcheinen nicht helle /

 

a) Denn die Sterne am Himmel und sein Orion scheinen nicht hell.

b) Denn die Sterne am Himmel und sein Sternbild scheinen nicht hell.

 

 

→Amos 5,8

 

Er macht die Glucken vnd Orion /

 

a) Er macht die Glucken und Orion.

b) Er machte die Plejaden und das Sternbild Orion.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Glucken

 

Bande der ſieben Sterne

Plejaden, die

 

1) Glucke (oder: Gluckhenne): Henne (weibliches Haushuhn), die brühtet oder ihre Küken führt.

 

2) Glucken: Bezeichnung für die Plejaden, ein loser Sternhaufen innerhalb unserer Galaxie im Sternbild Stier.

 

Das Wort Glucken kommt in der Lutherbibel 1545 nur in der übertragenen Bedeutung für die Plejaden vor.

 

Glucken
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
3* 3 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Die Plejaden

 

Im Mittelalter trug der Sternhaufen der Plejaden Bezeichnungen wie »Glucken«, »Henne« oder »Gluckhenne«. Dahinter verbirgen sich die Bilder des Nests einer Henne mit den Eiern bzw. einer Henne mit Küken (also einer Glucke), die unter ihren Flügeln die Schar ihrer Küken versammelt.

 

 

Die Bezeichnung »Plejaden« kommt in der Lutherbibel 1545 nicht vor. Sie fand erst in späteren Auflagen Einzug. So ersetzt sie bereits in der Lutherbibel 1912 in Hiob 9 und Amos 5 das Wort Glucken.

 

 

Plejaden

Creative Commons Attribution-ShareAlike

 

Abbildung:

Plejaden (roter Kreis) im Sternbild Stier, das Sternbild links unten ist Orion.

Links unten ist im Sternbild Orion der Oriongürtel, »das Band des Orion« zu sehen.

 

Credits:

Grafik ©by fatso at the German language Wikipedia,

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert" lizenziert.

 

 

 

Bande der ſieben Sterne

 

Aus dem Sternhaufen der Plejaden, der mehr als 1200 Sterne umfasst, sind sechs bis neun Sterne mit bloßem Auge sichtbar. Meist werden sieben Sterne erkannt, weshalb der Sternhaufen auch den den Namen »Siebengestirn« erhielt.

 

Die Plejaden als Ansammlung von sieben Sternen zählen zu den Gebilden am Himmel, die bereits für den frühen Menschen Bedeutung in Religionen und Naturbeobachtungen gewannen. Bekannt ist beispielsweise die Himmelsscheibe von Nebra, die u.a. die sieben hellsten Sterne der Plejaden als Sternhaufen zeigt.

 

 

Himmelsscheibe von Nebra

Creative Commons Attribution-ShareAlike

 

Abbildung:

Himmelsscheibe von Nebra (ca. 2000 v. Chr.)

Zwischen Vollmond und Mondsichel ist das Siebengestirn der Plejaden zu sehen.

 

Credits:

Foto ©by Dbachmann aus der englischsprachigen Wikipedia

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert" lizenziert.

 

 

Fundstellen

 

→Hiob 9,9

 

Er machet den Wagen am himel vnd Orion vnd die Glucken vnd die Stern gegen mittag.

 

a) Er machte den Wagen am Himmel, und Orion, und die Glucken, und die Sterne gegen Mittag.

b) Er machte den großen Wagen am Himmel, und das Sternbild Orion, und die Plejaden, und die Sterne über dem Äquator.

 

 

Luther in seiner Anmerkung (Marginalspalte) zu →Hiob 9,9

 

(Orion) Iſt das hel­le Ge­ſtir­ne ge­gen mit­tag / das die Bau­ern den Ja­cobs­ſtab heiſ­ſen. Die Glu­cken oder die Hen­ne / ſind die ſie­ben klei­ne Ge­ſtir­ne.

 

a) Orion ist die helle Sternansammlung über dem Äquator, die die Bauern den Jakobsstab nennen. Die Glucken oder die Henne sind der Sternhaufen der sieben kleinen Sterne.

b) Orion ist die helle Sternansammlung über dem Äquator, dessen Gürtelsterne die Bauern den Jakobsstab nennen. Die Plejaden sind der Sternhaufen der sieben kleinen Sterne.

 

 

→Amos 5,8

 

Er macht die Glucken vnd Orion /

 

a) Er macht die Glucken und Orion.

b) Er machte die Plejaden und das Sternbild Orion.

 

 

→Hiob 38,31

 

Kanſtu die bande der ſieben Sterne zuſamen binden? oder das band des Orion aufflöſen?

 

a) Kannst du das Band der sieben Sterne zusammenbinden? Oder das Band des Orion auflösen?

b) Kannst das Band der Plejaden zusammenbinden? Oder das Band des Oriongürtels auffösen?

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

BathSaba

Bathseba (Name)

Ehefrau König Davids, Mutter König Salomos.

 

→Ps 51,2

 

Da der Prophet Nathan zu jm kam / Als er war zu BathSaba eingangen.

 

Als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er bei Bathseba war.

 

Vergleiche zum bezeichneten Anlass des Psalms 51 auch 2Sam 12,24-25.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Baw
baw

Bau, der

a) der Bau (als Unterschlupf oder Nisthöhle, beispielsweise von Tieren wie Füchsen oder Dachsen)

b) das Gebäude

c) die Konstruktion, die Form eines Gebäudes oder Festkörpers

d) die Gestalt, die Form des körperlichen Aufbaus von Pflanzen und Tieren

 

Umlaut aw

Die Zeichenfolge »aw« entspricht neben »au« (z. B. in haus) unserem heutigen Umlaut »au«.

 

→Ps 80,16

 

Vnd halt jn im baw / den deine Rechte gepflantzt hat

 

a) Und forme, den deine Rechte gepflanzt hat

b) Und bringe in Form, den deine Rechte gepflanzt hat

 

 

SK Version 22.03.2019  

→Register

bawen

bauen (Verb)

 

Umlaut aw

Die Zeichenfolge »aw« entspricht neben »au« (z. B. in haus) unserem heutigen Umlaut »au«.

 

→1Mos 2,5

 

vnd war kein Menſch der das Land bawete

 

es gab noch keinen Menschen, der das Land bebaute

 

 

SK Version 22.03.2019  

→Register

Bawm
Bewme

Baum, der

Bäume, die

 

Die Umlaute aw und ew

 

Neben den Umlauten »au« (haus) und »eu« (freude) kennt das Luther-Deutsch die Schreibweisen mit dem Buchstaben »w«.

 

Der Buchstabe »w« enstand aus einem doppelten »v« (»vv« bzw. »uu«) und signalisiert das verstärkte Klangbild.

 

Der Umlaut aw in Bawm endet in einem w-artigen Abklang, der fast wie ein kurzgesprochenes »o« klingt, ähnlich Ba(u)-om.

 

Der Umlaut ew in Bewme endet in einem v-artigen Abklang, der ein »j« mitschwingen lässt, ähnlich Be(u)-jme.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Bedellion

Bedellion, das

Bedolachharz, das

auch Bdelliumharz, das (Bedellium, Bedellion).

hebräisch: בדלח‎ (bedolach)

 

Harz des Balsambaumes, das als Duftstoff zum Räuchern verwendet wurde. Importiert wurde es aus Indien, Süd-Arabien und Ost-Afrika.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Bekümmernis
bekümmernis

 

bekümmerniſſe

Bekümmernis, die

Bekümmernis, das

Plural: Bekümmernisse

 

Sorge, Besorgnis, Kummer, Angst, äußerste Sorge

 

→Ps 94,19

 

Jch hatte viel Bekümmerniſſe in meinem hertzen / Aber deine Tröſtung ergetzeten meine Seele.

 

SK Version 22.03.2019  

→Register

Belial

Belial (Gottheit)

hebräisch: בליעל (Belial)

griechisch: Βελίαρ (Beliar)

 

Belial bzw. Beliar ist eine abwertende Kennzeichnung bzw. ein Name eines Gottes (abwertend: Götze), der zu Bosheit und Lüge verführt. Etymologisch ist im Wortstamm wohl das Verneinende, Negierende, Gegensätzliche von etwas Wertigem enthalten. So stehen sich gegensätzlich »Gott« und ein» Nicht-Gott« (Götze) gegenüber: JHWH und Belial.

 

Manche Autoren abstrahieren den Begriff und wollen ihn mit »Wertlosigkeit« oder »Nichtsnutz« übersetzt wissen, was allerdings die Gegenwart der Vielgötterei, die es auch in Israel und Judäa gab, ausblendet. Diese lässt eher eine konkrete, personal gedachte Gottheit erwarten. Dann ist Belial als Gott zu verstehen, der dem Gott JHWH gegenübersteht, aber nach jüdischem Glauben aufgrund seiner nicht-göttlichen Eigenschaften nur als Götze verstanden werden kann.

 

→Ps 18,5

 

Die beche Belial erſchreckten mich.

 

Die »Ströme Belials« in Ps 18,5 lassen einige Autoren vermuten, es handle sich um einen Gott der Unterwelt (Gott eines Ortes, von dem niemand aufsteigt). Dem widersprechen andere Bibelstellen, in denen Belial erwähnt wird.

 

Vielmehr darf hier die Metapher der Ausdehnung des Wirkungsbereichs des Belial und seiner Popularität verstanden werden: Wie Wasserläufe, Flüsse und Ströme ergießt sich Belial über das Land, verbreitet sich weiter und weiter und reißt mit seinem machtvollen Einfluss die Menschen mit sich. Wie Flüsse die Felder bewässern und für reichen Ertrag sorgen, so nähren die Ströme Belials den Götzenkult und lassen ihn überall aufleben.

 

Diese Beobachtung und sein Erschrecken darüber formuliert der Autor des 18. Psalms.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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benedeien

benedeien (Verb; veraltet)

loben, lobpreisen, auch: segnen

 

Das Wort stammt vom lateinischen benedicere (gutsagen, gutreden im Sinne von: Gutes sagen, also: loben).

 

Das Wort wird nur kirchlich-religiös verwendet, doch selbst da ist es veraltet. Es erscheint heute nur noch in formelhaft formulierten Liedern und Texten (»Heilige Maria Mutter Gottes! Du bist gebenedeit unter den Frauen.«), sowie im Titel für Maria, die Gottesmutter, die Gebenedeite (die Gesegnete).

 

Die Bezeichnung »die Gebenedeite« ist zurückzuführen auf den Text in →Lk 1,42:

 

Gebenedeiet biſtu vnter den Weibern / vnd gebenedeiet iſt die Frucht deines Leibes.

 

Dort erklärt Luther im Scholion, dass benedeien »loben« (Gutes sagen) meint. Eine moderne Übersetzung könnte formulieren:

 

Gelobt bist du unter den Frauen, und gelobt ist die Frucht deines Leibes.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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BenJamin

Benjamin (Name)

Benjamin, Sohn des Jakobs

Benjamin war der zwölfte und letzte Sohn Jakobs, den er wie Josef von Rahel hat (1Mos 30,22-24; 35,16-18).

 

Benjamin war neben Josef der Lieblingssohn von Jakob (1Mos 44,20).

 

Benjamin gilt als der Ahnherr und Stammvater eines der zwölf Stämme Israels.

 

Der Stamm Benjamin besiedelte zunächst das Gebiet bei Jericho, danach das Gebiet um Jerusalem (Jos 18,11-28).

 

Der Apostel Paulus führt seine Abstammung auf den Stamm Benjamin zurück (Phil 3,5).

 

 

→Ps 80,3

 

Erwecke deine Gewalt / der du fur Ephraim / BenJamin vnd Manaſſe biſt / Vnd kome vns zu hülffe.

 

Entfalte deine Macht, der du vor Efraim, Benjamin und Manasse stehst, und komme uns zu Hilfe!

 

 

 

SK Version 22.03.2019  

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Zion

 

berg Zion

 

berg Gottes

 

des HERRN Berg

 

der heilige Berg

Zion, der

Berg Zion, der

Der in der Bibel genannte Berg Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Er steht als Synonym für den Wohnsitz des Gottes JHWH.

 

König David eroberte Jerusalem sowie den Berg Zion südlich der Stadt (Südosthügel) mit der Burg Zion und machte Jerusalem zu seinem Königssitz. Salomo hatte das Stadtgebiet auf den angrenzenden Nordosthügel ausgeweitet, in dem er dort (wo sich heute der Felsendom befindet) einen Tempel errichtete. Der Name Zion bezeichnet nun diesen Hügel, den Tempelberg.

 

 

Karte: Lage des Tempelbergs in Jerusalem

 

Die Bezeichnung »Zion« ist allerdings in der Bibel unterschiedlich verwendet: In der am engsten gefassten Vorstellung bezeichnet Zion den Tempelberg. Das Wort kann aber auch für ganz Jerusalem, die heilige Stadt Jahwes, stehen. An einigen Stellen in den biblischen Texten können damit auch die Bewohner Jerusalems, bzw. das gesamte Volk oder alle Städte Judäas gemeint sein.

 

Der in Jerusalem heute sogenannte »Mount Zion«, südwestlich der alten Stadtmauer gelegen, erhielt diesem Namen, nachdem der kleine Berg im Mittelalter irrtümlich als Berg Zion identifiziert wurde. Neuere Forschungen bestätigen jedoch: Er ist nicht mit dem biblischen Berg Zion identisch. Der Berg behielt aber diesen offiziellen Namen.

 

Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion
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Abbildung: Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion

Foto: 2015, © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

 

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Bethlehem

Bethlehem (Ortsname)

hebräisch: בית לחם (Beth Lechem)

griechisch: βηϑλέεμ (Bethleem)

lateinisch: Bethleem

 

Biblischer Ort in Judäa, südlich von Jerusalem.

 

Heute befindet sich Bethlehem im Westjordanland, im palästinensischen Autonomiegebiet.

 

 

Geburtsort Jesu

 

Bethlehem, das in der frühen Zeit Efrata hieß (→1Mos 35,16-20), ist nach →Mt 2,1 und →Lk 2,4-11 der Ort, in dem Jesus geboren wurde. Dies ist heute jedoch in der Leben-Jesu-Forschung umstritten.

 

Für die Evangelisten erfüllt sich mit Bethlehem als Geburtsort eine alt­tes­ta­ment­li­che Prophezeiung, auf die sie mit der Ge­burts­ge­schich­te verweisen.

 

Betlehem war nach →1Sam 16,1 der Herkunftsort, die Stadt König Davids (um 1000 v. Chr.):

 

16 1VND der HERR ſprach zu Samuel / Wie lange tregeſtu leide vmb Saul / den ich verworffen habe / das er nicht König ſey vber Jſrael? Fülle dein Horn mit öle / vnd gehe hin / Jch wil dich ſenden zu dem Bethlemiter Jſai / Denn vnter ſeinen Sönen hab ich mir einen König erſehen.

 

In Bethlehem sollte nach →Mi 5,1-3 der erwartete Messias als Nachkomme Davids geboren werden:

 

5 1VND du Bethlehem Ephrata / die du klein biſt / vnter den tauſenten in Juda / Aus dir ſol mir der komen / der in Jſrael Herr ſey / welchs Ausgang von anfang vnd von ewig her geweſt iſt. 2Jn des leſſt er ſie plagen / Bis auff die zeit / das die / ſo geberen ſol / geboren habe / Da werden denn die vbrigen ſeiner Brüder widerkomen zu den kindern Jſrael. 3Er aber wird aufftretten vnd weiden in krafft des HERRN / vnd im Sieg des Namens ſeines Gottes / Vnd ſie werden wonen / Denn er wird zur ſelbigen zeit herrlich werden / ſo weit die Welt iſt.

 

Nach dem Evangelisten Lukas lebten Maria und Josef in Nazareth. Die Geburt Jesu in Bethlehem wird in Lk 2 damit begründet, dass sich Josef in seiner Geburtsstadt einzufinden hatte wegen der Volkszählung, die von Publius Sulpicius Quirinius, Legat von Syrien, angeordnet worden war. Historisch ist diese Volkszählung für das Jahr 6 n. Chr. belegt.

 

Der Evangelist Matthäus geht dagegen davon aus, dass Maria und Josef zunächst in Bethlehem lebten. Nach seiner Darstellung (Mt 1-2) wurde Jesus zur Regierungszeit von Herodes dem Großen geboren, der 4 v. Chr. starb. Dessen »Kindermord von Bethlehem« (→Mt 2,16-18) ist außerbiblisch nicht bezeugt, wohl aber seine Grausamkeit, wenn es darum ging, seine Macht zu bewahren oder auszubauen. Die Brutalität des Herodes dient Matthäus dazu, zu begründen, warum Maria und Josef mit dem Säugling nach Ägypten auswanderten. Dadurch hätte sich eine weitere messianische Weissagung erfüllt (→Hos 11,1: DA Jſrael jung war / hatte ich jn lieb / vnd rieff jm / meinem Son / aus Egypten. )

 

In Ägypten blieben sie, bis Herodes der Große gestorben war (4. v. Chr.). Danach kehrten sie nach Palästina zurück, vermieden es aber, in ihre Heimatstadt Bethlehem zu ziehen, weil in Judäa nun Herodes Archelaos herrschte (Regierungszeit 4 v. Chr. bis 6 n. Chr.), der wohl seinem Vater als Despot in nichts nachstand. Maria und Josef zogen deshalb nach Galiläa, wo Herodes Antipas mit dem Wohlwollen der jüdischen Bürgerschaft regierte, und richteten in dem kleinen Dorf Nazareth ihr neues Heim ein.

 

Der historische Wahrheitsgehalt

 

Die Geburtsgeschichten werfen viele Fragen auf. Beide Versionen wirken über weite Stellen hinweg konstruiert. Außerbiblische Belege gibt es nicht.

 

Es ist daher anzunehmen, dass sich um die Geburt Jesu schon früh »Wahrheiten« entwickelt hatten, die insbesondere den christlich-jüdischen Gemeinden der Urchristen das messianische Zeugnis anhand alttestamentlicher Überlieferungen belegen wollten.

 

Anstelle einer historischen Genauigkeit, die womöglich bereits für die Evangelisten längst nicht mehr rekonstruierbar war, wurden markante geschichtliche Ereignisse und Gegebenheiten als hin­rei­chen­de Zeitzeugnisse benannt, wie die Volkszählung oder die bru­ta­len Regime des Herodes und seines Sohnes Archelaos. Insofern ist der historische Wahrheitsgehalt – nicht der religiöse! – umstritten. Folglich ist nicht nur umstritten, wann Jesus geboren wurde, es ist auch fraglich, ob Jesus überhaupt in Bethlehem geboren wurde.

 

Doch weder sein Geburtsjahr noch sein Geburtsort spielen heute für die religiöse Bedeutung des Jesus von Nazareth und für sein Wirken in der Geschichte eine Rolle.

 

Die Geburtsgeschichten hatten ihren Sinn in einer Zeit, als es not­wen­dig war, einem einfachen Zimmermannssohn im all­ge­mei­nen Ansehen ein Profil zu geben, das dem Anspruch, Messias zu sein, genügt. Sie sind als Antworten, als Reaktion auf die Hinterfragung der alttestamentlichen Prophe­zeihun­gen in die Form entwickelt worden, in der sie uns heute vor­liegen.

 

Die Geburtskirche in Bethlehem

 

In Bethlehem wird die eigentliche Stätte der Geburt in einer Höhle (die wohl als Stall genutzt wurde) schon ab dem 2. Jahrhundert ver­ehrt. Dies ist ein Beleg dafür, wie populär die »Weih­nachts­ge­schich­te« bereits in der jungen Urkirche war, welchen Stellenwert die mes­si­a­ni­schen Zeugnisse für die frühen Christen hatten, und wie sehr man am Leben des Jesus von Nazareth, dem man als Christ nach­folg­te, interessiert war.

 

Für die gesamte Christenheit hat daher Bethlehem bis heute einen ganz besonderen Stellenwert in der biblisch-religiösen Suche nach den Wurzeln unseres Glaubens.

 

Schon seit dem Jahr 333 steht an dieser Stelle, im Osten der Stadt, die Geburtskirche. Am 29. Juni 2012 wurde die Geburtskirche in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

 

Geburtskirche

 

Geburtskirche

 

Geburtsgrotte

 

Krippengrotte

 

Felsengrotte

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Abbildungen:

Bild 1: Der Glockenturm des armenischen Klosters ist das Erste, was der Besucher sieht, wenn er in die Straße einbiegt, die zum Platz vor der Geburtskirche führt.

 

Bild 2: Der Eingangsbereich der Geburtskirche zeigt sich überraschend nüchtern. Das Kreuz über der Basilika wirkt nahezu unscheinbar. Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Gange, die das Schild links neben dem Eingang erläutert.

 

Bild 3: Die Geburtsgrotte mit dem vierzehnzackigen Stern. Die Zacken sollen die vierzehn Geschlechter in Jesu Stammbaum symbolisieren. Das Loch im Stern ist umrahmt von der lateinischen Inschrift:

 

1717 HIC DE VIRGINE MARIA IESUS CHRISTUS NATUS EST ,
»1717 Hier ist von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren worden«.

 

Die Jahreszahl bedeutet: Der Stern wurde im Jahr 1717 erstmals angebracht. Hier, unterhalb der Abdeckung, befindet sich laut der (außerbiblischen) Überlieferung die Stelle auf dem felsigen Grund, an der Maria Jesus geboren haben soll.

 

Bild 4: Die Krippen- oder Magiergrotte befindet sich rechts von der Ge­burts­grotte. Hier soll die Krippe gestanden haben, hier sollen die Magier (die Weisen aus dem Morgenland) das Kind vorgefunden und angebetet haben. Die Fläche ist altarartig überbaut. Kirchliche Würdenträger bis hin zum Papst besuchen diese kleine Grotte zum stillen Gebet.

 

Bild 5: Der Stall, in dem Jesus geboren wurde, kann durchaus eine Höhle gewesen sein. Das Bild zeigt eine solche Höhle, eingemeißelt in Kalksandstein, in der Fel­sen­stadt Petra (Jordanien). Solche Höhlen sind in vielen Gebieten bekannt. Sie dienten den Menschen als Wohnungen, Ställe und Gräber.

 

Fotos: ©by Sabrina, 2015, CC BY-SA

 

 

SK Version 22.03.2019  

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betrübſtu

 

betrübeſtu

betrübst du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von betrüben (Verb)

 

Präsens Indikativ: betrübſtu, du betrübst

alternative Schreibweise: betrübeſtu, du betrübst

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 42,12

 

WAs betrübſtu dich meine Seele / vnd biſt ſo vnrügig in mir?

 

Warum nur bist du betrübt, meine Seele! Und warum bist du so unruhig in mir?

 

→Ps 42,6

 

WAS betrübeſtu dich meine Seele / vnd biſt ſo vnrügig in mir?

 

 

SK Version 03.03.2019  

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Beuder

Bruder, der

 

→Mt 7,4:

 

Oder wie tharſtu ſagen zu deinem Beuder

 

An dieser Stelle ein Druckfehler im Original (»e« statt »r«), den wir gemäß der Vorlage übernommen haben.

Die richtige Schreibweise lautet: Bruder.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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beweret

bewährt (Adjektiv)

beweret
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
7 1 2 4
Mhd.: bewæret

Partizip von bewähren (Verb)

 

bewiesen, gebilligt, geprüft, als gut nachgewiesen, begründet, erhärtet, für gut befunden, erkundet, überprüft

 

→Ps 12,7

 

Die Rede des HERRN iſt lauter / Wie durchleutert Silber im erdenen tigel / beweret ſieben mal.

 

Die Rede des HERRN ist rein wie geläutertes Silber im irdenen Tiegel, das siebenfach geprüft wurde.

 

→Spr 27,21

 

Ein Man wird durch den mund des Lobers bewert / Wie das Silber im tigel / vnd das Gold im ofen.

 

Ein Mann wird durch den, der ihn lobt, für gut befunden, wie das Silber im Tiegel und das Gold im Ofen.

 

→2Kor 8,2

 

Denn jre freude war da vberschwenglich / da sie durch viel trübsal beweret wurden /

 

Denn da war ihre Freude überschwenglich, obwohl sie durch viel Trübsal geprüft wurden

 

 

SK Version 22.03.2019  

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bey

bei (Präposition)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 103,18

 

Bey denen die ſeinen Bund halten

 

Bei denen, die seinen Bund halten

 

 

SK Version 22.03.2019  

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Beyſtand

Beistand, der

Beyſtand
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
7 3 0 4

Hilfe, Beihilfe, Beistand

 

 

→Ps 60,13

 

Schaff vns beyſtand in der Not /

 

Schaffe uns Beistand in der Not.

 

→Ps 108,13

 

Schaffe vns beyſtand in der not /

 

Schaffe uns Beistand in der Not.

 

→Rom 16,2 (2 mal)

 

Das jr ſie auffnemet in dem HErrn / wie ſichs zimet den Heiligen / Vnd thut jr beyſtand in allem Geſcheffte / darinnen ſie ewer bedarff / Denn ſie hat auch vielen beyſtand gethan / auch mir ſelbs.

 

Dass ihr sie aufnehmt im <Namen> des HErrn, wie es sich den Heiligen geziemt, und gebt ihr Beistand in allen Angelegenheiten, in denen sie euch braucht. Denn sie hat selbst vielen Beistand gewährt, auch mir selbst.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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beyſtehen

beistehen (Verb)

herantreten, zur Seite stehen

 

Nach den Regeln des Luther-Deutsch wird am Wortende »ei« zu »ey«. Es ist zu erkennen, dass es sich hier um ein Kompositum, um eine Zusammenziehung der beiden Wörter bey und ſtehen handelt, was sich in der Schreibweise erhalten hat.

 

In späteren Bibelausgaben hat sich das Wort als eigenständiger Begriff etabliert und wird dort mit »ei« geschrieben. Luther-1912: beiſtehen

 

→Ps 37,40

 

Vnd der HERR wird jnen beystehen

 

Und der HERR wird ihnen beistehen

 

→Ps 119,173

 

Las mir deine Hand beyſtehen

 

Lasse mir deine Hand beistehen

 

 

SK Version 16.01.2019  

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bezaubern

bezaubern (Verb)

 

verzaubern (Verb)

a) negativ: verblenden, verzaubern

b) positiv: entzücken, angenehm (für sich) einnehmen, beeindrucken

 

 

→Apg 8,9

 

ES war aber ein Man mit namen Simon / der zuuor in derſelbigen Stad Zeuberey treib / vnd bezauberte das Samariſche volck / vnd gab fur / Er were etwas groſſes /

 

Es gab dort aber einen Mann mit Namen Simon, der zuvor in der selben Stadt Zauberei betrieb. Er verblendete das samaritische Volk und gab vor, er wäre etwas Besonderes.

 

→Apg 8,11

 

Sie ſahen aber darumb auff jn / das er ſie lange zeit mit ſeiner Zeuberey bezaubert hatte.

 

Sie achteten ihn [nur] deshalb, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberei verzaubert hatte.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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biſtu

bist du (Verb)

biſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
163 94 6 63

2. Person Singular Indikativ Aktiv von sein (Verb)

 

Präsens:

biſtu: bist du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→1Mos 3,9

 

Vnd Gott der HERR rieff Adam / vnd ſprach zu jm / Wo biſtu?

 

Und Gott der HERR rief den Menschen und sprach zu ihm: (Antworte gefälligst!) Wo bist du?

Umgangssprachlich umschrieben: Wo treibst du dich rum!?

 

→Ps 139,3

 

Jch gehe oder lige / ſo biſtu vmb mich / Vnd ſiheſt alle meine wege.

 

Ich gehe oder liege (und ich weiß): Du bist (ganz bestimmt) um mich herum! Und du siehst alle meine Wege.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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blöſſen

blößen (Verb; veraltet)

Bekleidung (von einem Körperteil) entfernen

 

ausziehen, entkleiden, enthüllen, entblößen

 

Siehe auch: →bloſs (Adjektiv)

 

→Jes 32,11

 

Es iſt furhanden / auszihen / blöſſen vnd gürten vmb die Lenden.

 

a) Es ist vorhanden: Ausziehen, Entblößen und Umgürten um die Lenden.

b) Nun gilt es: Ausziehen, Entkleiden und die Taille umgürten!

c) Legt los: Zieht euch aus, entkleidet euch völlig und zieht die Hüftgürtel an!

 

 

 

SK Version 22.03.2019  

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bloſs
bloſſen

bloß (Adjektiv)

 

unbekleidet, entblößt, nackt

 

auch: nur

 

→1Mos 3,24

 

vnd lagert fur den garten Eden den Cherubim mit einem bloſſen hawenden Schwert

 

und postiert vor dem Garten Eden den Cherub, einen göttlichen Wächter, mit einem blanken, zum Schlag bereiten Schwert.

 

Das Bild zeigt: Der Cherub hielt das Schwert bereits zum Schlag bereit in den Händen, was die Ernsthaftigkeit Gottes unterstreicht, den Menschen keinesfalls wieder in den Garten Eden zu lassen. Das Schwert hing nicht, wie bei herkömmlichen Wachen üblich, am Gürtel, es war nicht in seiner Scheide, und der Cherub konnte kaum überlistet werden.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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Brandopffer

Brandopfer, das

Brandopffer
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
301 287 11 3

hebräisch: עֹלָה (ʽōlăh)

 

Das hebräische Wort meint Brandofer. Es wird häufig auch mit Aufstiegsopfer, Ganzopfer, Holocaust übersetzt.

Das Brandopfer ist eine der Opferarten, die im Alten Testament beschrieben sind (siehe dazu u. a. 4Mos 28).

 

Brandofer, Aufstiegsopfer, Ganzopfer, Holocaust

 

Bei der »Olah«, dem Brandopfer, wurde ein Rind, ein Schaf oder ein Widder vollständig verbrannt (»Ganzopfer«). Arme Leute opferten Tauben.

 

→Ps 40,7

 

OPffer vnd Speiſopffer gefallen dir nicht / Aber die Ohren haſtu mir auffgethan / Du wilt weder Brandopffer noch Sündopffer.

 

Opfer und Speiseopfer gefallen dir nicht. Aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer.

 

 

SK Version 22.03.2019  

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brengen

bringen (Verb)

Die Schreibweise brengen für bringen entstammt dem niederländischen Sprachraum. Sie kommt in Luthers Schriften öfters vor, in der Lutherbibel von 1545 zweimal, im PS 43,3 und im Ps 76,12:

 

→Ps 43,3

 

SEnde dein Liecht vnd deine Warheit / das ſie mich leiten / Vnd brengen zu deinem heiligen Berg

 

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg

 

→Ps 76,12

 

Brenget Geſchenck dem Schrecklichen.

 

Bringt dem Schrecklichem Geschenke

 

 

SK Version 16.01.2019  

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brochen

brechen (Verb)

mhd: brëchen, brach, brâchen, brochen

 

Anm: Das Wort brechen besitzt viele Bedeutungen. Wir beschränken uns auf solche, die in der Lutherbibel von 1545 vorkommen.

 

a) den Acker brechen: umgraben, pflügen

 

 

→Jes 28,24

 

Pflüget oder brochet oder erbeitet auch ein Ackerman ſeinen acker jmerdar zur ſaat?

 

Pflügt, gräbt um oder bestellt denn ein Bauer seinen Acker fortwährend zur Aussaat?

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Bule

Buhle, der

Buhl, der

mhd: buole

Das Wort wird sowohl für männliche wie auch für weibliche Personen maskulin verwendet.

 

Das Wort legt eine besonders innige Beziehung eines Menschen zu einem anderen zugrunde.

 

a) der Liebhaber

b) die Geliebte

 

c) im erweiterten Sinn gebraucht wie Freund, Vertrauter, o. ä. auch für entsprechend geliebte Menschen, wie Verwandte, wie Bruder, Schwager, Vetter, usw.

 

→Jes 62,4f

 

4bSondern du ſolt (mein luſt an jr) vnd dein Land (lieber Bule) heiſſen / Denn der HERR hat luſt an dir / vnd dein Land hat einen lieben Bulen. 5Denn wie ein lieber Bule einen Bulen lieb hat / So werden dich deine Kinder lieb haben /

 

Sondern du sollst »Meine Lust an ihr« heißen und dein Land »Lieber Geliebter«, denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Liebhaber. Denn wie ein lieber Liebhaber eine Geliebte lieb hat, so werden dich deine Kinder lieb haben.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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C

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

C

C (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

C

c

Beschreibung

C c

reguläre Schrifttype für einfachen Text

C c

Schrifttype für Auszeichnungen

C c

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

C c

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Caninichen
Kaninichen
Caninchen

Kaninchen, das

Klippdachs, der

wildlebendes, dem Hasen ähnliches Tier.

 

Luther benutzt das allseits bekannte Kaninchen, um einem in Europa unbekannten Tier für seine Leserschaft ein Gesicht zu geben: dem Klippdachs.

 

Das Tier, das in den biblischen Quellen gemeint ist (hebräisch שׇׁפׇן šāfān; griechisch χοιρογρύλλιον choirogrýllion), ist nach Ansicht der neueren Forschung mit hoher Wahrscheinlichkeit der Klippschliefer oder Klippdachs (Procavia capensis).

 

Luther lag gar nicht so schlecht mit der Wortwahl für seine Übersetzung: Dieses Tier ähnelt einem Kaninchen durchaus in Fell und Größe. Es ist zudem kein Hase, der eigenständig in den biblischen Schriften genannt ist und von ihm un­ter­schie­den werden sollte. Allerdings erinnert der Klippdachs von der äußeren Form her eher an ein Murmeltier oder ein Nutria. Das Tier stellt aber eine eigene, unabhängige Art dar.

 

Die verschiedenen Schreibweisen in der Lutherbibel erklären sich hinreichend aus den großen Zeitspannen, die zwischen den Übersetzungen der verschiedenen Texte lagen.

 

Caninichen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 2 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Kaninichen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Caninchen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Caninichen

 

→Spr 30,26

 

Caninichen ein ſchwach volck / Dennoch legts ſein haus in den felſen /

 

Die Klippdachse sind ein schwaches Volk. Dennoch bauen sie ihr Haus in den Felsen.

 

 

Verweis3Mos 11,5

 

Die Caninichen widerkewen wol / aber ſie ſpalten die Klawen nicht / Darumb ſind ſie vnrein.

 

Die Klippdachse käuen zwar wieder, aber sie spalten die Klauen nicht. Darum sind sie unrein.

 

 

Kaninichen

 

→Ps 104,18

 

Die hohen Berge ſind der Gemſen zuflucht / Vnd die Steinklufft der Kaninichen.

 

Die hohen Berge sind der Gämsen Zuflucht und die Steinkluft der Klippdachse.

 

 

Caninchen

 

Verweis5Mos 14,7

 

Das Camel / der Haſe / vnd Caninchen / die da widerkewen / vnd doch die klawen nicht ſpalten / ſollen euch vnrein ſein.

 

Das Kamel, der Hase und der Klippdachs, die [zwar] alle wiederkäuen aber [eben] die Klauen nicht spalten, sollen für euch unrein sein.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Cantzler

Kanzler, der

Verwendung in der Bibel: Sekretär des Fürsten oder Königs

 

 

Cantzler
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
19 17 1 1
 

→Jes 36,3

 

VND es gieng zu jm er aus Eliakim der ſon Hilkia / der Hofemeiſter / vnd Sebena der Cantzler / vnd Joah der ſon Aſſaph der Schreiber.

 

a) Und es gingen zu ihm hinaus der Hofmeister Eliakim, Sohn des Hilkijas, und Schebna, der Kanzler, und der Schreiber Joach, Sohn des Asaf.

 

Anm.: zu Jes 36,3:

Hier ist Luther mit den Namen und Funktionen durcheinandergeraten. Richtig ist: Eliakim war der Hofmeister, Schebna der Schreiber und Joach der Kanzler. Vgl. →Jes 37,2.

 

 

VerweisSir 10,5

 

Es stehet in Gottes handen / das einem Regenten gerate / der selbe gibt jm einen löblichen Cantzler

 

a) Es liegt in Gottes Händen, dass es einem Regenten gelingt. Derselbe gibt ihm einen löblichen Kanzler.

 

 

→Apg 19,35

 

DA aber der Cantzler das Volck geſtillet hatte / ſprach er /

 

a) Nachdem der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er ...

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Ceder

 

cedern Libanon

 

cedern Gottes

 

Bewme des HERRN

Libanon-Zeder, die

Immergrüner Baum mit Wuchshöhen zwischen 30 bis 50 Meter, kann bis zu 1.000 Jahre alt werden.

 

In Palästina gibt es keine Zedern. Die Bibel nennt sie fast immer im Zusammenhang mit dem Libanon. Dort gab es große Zedernhaine, die sehr alt waren und wertvolles Holz für teure Bauwerke lieferten. So nutze König Salomo das Holz der Libanon-Zeder für den Bau des Tempels und seiner Paläste.

 

Dem Holz haftet das Göttliche an, die cedern Libanon sind nach Ps 104 die Bewme des HERRN.

 

→Ps 104,16

 

DAs die Bewme des HERRN vol ſaffts ſtehen / Die cedern Libanon die er gepflantzt hat.

 

Dazu Luther im Scholion zu Ps 104,16:

Bewme des HERRN / heiſſt er die im wald ſtehen / die nicht durch Menſchen ge­flantzet ſind.

 

Luther versteht »die Bewme des HERRN« als Bäume des Waldes, die nicht von Menschenhand gepflanzt wurden.

 

Tatsächlich beschreibt der Autor des Psalms, dass »die Bewme des HERRN« die cedern Libanon sind, die durchaus von Menschen gepflanzt sein können. Die Beifügung die er gepflantzt hat, bezieht sich auf Gott als Lebensspender und Schöpfer, wie er bereits in den Versen davor beschrieben wurde: So wie alles Leben stammen auch die Libanon-Zedern aus der Hand Gottes.

 

 

→Ps 80,11

 

Berge ſind mit ſeinem Schatten bedeckt / Vnd mit ſeinen Reben die cedern Gottes.

 

Luther erklärt im Scholion zu Ps 80,11, dass die cedern Gottes die Libanon-Zedern sind, in dem er sie für die Ortsangabe benutzt:

 

(Cedern Gottes) Jd eſt / Regnum dilatatum vſque ad Li­ba­num. (Zedern Gottes) Das meint: Das Königreich er­streck­te sich bis zum Libanon.

 

 

→Ps 92,13

 

Er wird wachſſen wie ein Ceder auff Libanon.

 

 

 

SK Version 17.01.2019  

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Ceſarea
Ceſarien

Caesarea Maritima

Caesarea ist Name oder Namensteil etlicher antiker Städte. In den neutestamentlichen Erzählungen finden zwei Städte Erwähnung:

 

a) in der Apostelgeschichte: Caesarea Maritima

b) in den Evangelien: →Caesarea Philippi

 

 

Caesarea Maritima

 

Herodes der Große gründete um 22 v. Chr. die Stadt und nannte sie Caesarea zu Ehren des römischen Kaisers →Augustus (Imperator Caesar Augustus). Zur Unterscheidung von anderen gleichnamigen Städten erhielt sie den Namenszusatz Maritima, der auf ihre Lage direkt am Mittelmeer zurückgeht.

 

Nachdem im Jahr 6 n. Chr. Herodes Archelaos entmachtet worden war, fiel Judäa direkt unter römische Kontrolle. Die Stadt wurde Residenz der römischen Statthalter, die zunächst den Rang eines Präfekten, ab der Mitte des 1. Jahrhunderts eines Prokurators hatten.

 

In Caesarea wurde in einer Inschrift der älteste außerbiblische Nachweis der Statthalterschaft von Pontius Pilatus gefunden.

 

Ceasarea Maritima im Neuen Testament

 

Im neuen Testament wird Caesarea (Maritima) mehrfach erwähnt:

 

In der →Geschichte des römischen Hauptmanns Kornelius führt Petrus die erste Taufe eines Heiden, eines Nichtjuden, eines Unbeschnittenen durch (Apg 10). Hier begründet sich die Umsetzung des universalen Missionsbefehls. Die Verkündigung und die Taufe beschränken sicht nicht länger nur auf die jüdische Bevölkerung. Die Ausdehnung die Christentums über die Grenzen Israels und über die jüdischen Gemeinden in der Diaspora hinaus nahm in Caesarea Maritima ihren Anfang.

 

In Caesarea wohnte Phillipus, der Evangelist, einer der sieben Almosenpfleger (→Apg 21,8f.).

 

In Caesarea sagte der Prophet Agabus die Gefangenschaft des Paulus voraus (→Apg 21,10-14).

 

In Caesarea Maritima soll Paulus zwei Jahre lang unter dem römischen Statthalter Felix gefangen gewesen sein, bevor ihn sein Nachfolger, Portius Festus mit der Zustimmung des Königs Agrippa nach Rom überführen ließ (Apg 23ff.).

 

 

Karte: Lage der Stadt Caesarea Maritima

 

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Ceſarea Philippi

Caesarea Philippi

Caesarea ist Name oder Namensteil etlicher antiker Städte.

In den neutestamentlichen Erzählungen finden zwei Städte Erwähnung:

 

a) in der Apostelgeschichte: →Caesarea Maritima

b) in den Evangelien: Caesarea Philippi

 

 

Caesarea Philippi

 

Die Gründung der Stadt geht auf Alexander den Großen zurück, der im Quellgebiet des Banias, einem der drei Quellflüsse des Jordan, eine Kultstätte für den griechischen Hirtengott Pan errichten ließ. Der Ort wurde Paneas genannt. Herodes der Große errichtete in Paneas einen Tempel für Kaiser Augustus und die römische Göttin Roma.

 

Nach dem Tod von Herodes dem Großen fielen die nordöstlichen Gebiete Palästinas unter die Herrschaft seines Sohnes Herodes Philippus, der Paneas zu seiner Hauptstadt ausbauen ließ und zu Ehren des römischen Kaisers →Augustus (Imperator Caesar Augustus) und als Zeichen seiner Herrschaft in Caesarea Philippi umbenennen ließ.

 

Caesarea Philippi im Neuen Testament

 

Im Neuen Testament wird Caesarea Philippi als der Ort erwähnt, an dem Petrus Jesus als den Messias bekannt hat (→Mt 16,13; →Mk 8,27 ). Jesus nennt Petrus daraufhin den Felsen, auf den er seine Gemeinde bauen will, und dem er die Schlüssel des Himmelreichs überreicht. In Caesarea Philippi findet das katholischen Papsttum seinen Ursprung.

 

 

Karte: Angenommene Lage der Stadt Caesarea Philippi im Quellgebiet des Banias.
Die antike Stadt existiert nicht mehr. Zahlreiche archäologische Funde, oft nur spärliche Reste und Fundamente ehemaliger Siedlungen, zeichnen nach und nach ein zusammenhängendes Bild des ehemals reich und großflächig bebauten Gebiets.

 

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Cherub
Cherubim

Cherub, der

Cherubim, die (Plural)

hebräisch: כְּרוּב, Cherub

Plural: כְּרֻבִים, Cherubim

 

Ein Cherub ist ein geflügeltes Mischwesen, meist mit einem Menschenkopf und mit einem Tierleib (mit Flügeln und Tierfüßen). Der Cherub ist ein himmlischer Wächter, der beispielsweise das Paradies bewacht.

 

Luther erklärt den Begriff in seinen Anmerkungen zu →Hesekiel 10,9:

 

Hie ſihet man / das Che­rub oder Che­ru­bim nicht ſey ein ſon­der­li­che Cre­a­tur / ſon­dern ein ge­flü­gel­te ge­ſtalt / oder bil­de ei­nes Vo­gels / Och­ſens / Le­wens / Men­ſchens / da­rin­nen die En­gel er­ſchei­nen / wie ſie wol­len. Dar­umb ſie auch Che­ru­bim heiſ­ſen / vnd durch Che­ru­bim be­deu­tet wer­den. Alſo auch die En­gel der Kir­chen / das iſt / Die Apo­ſtel / Pro­phe­ten / Biſſcho­ue oder Pre­di­ger etc.

 

 

→1Mos 3,24

 

Vnd treib Adam aus / vnd lagert fur den garten Eden den Cherubim mit einem bloſſen hawenden Schwert / zu bewaren den weg zu dem Bawm des Lebens.

 

Und er treibt Adam hinaus und postiert vor dem Garten Eden den Cherub, einen göttlichen Wächter, mit einem blanken, zum Schlag bereiten Schwert.

 

→Ps 18,11

 

Vnd er fuhr auff dem Cherub vnd flog daher / Er ſchwebet auff den fittigen des winds.

 

Und er fuhr auf einem Cherub und flog daher. So schwebt er auf den Flügeln des Windes.

 

Luther erklärt

 

 

 

SK Version 14.04.2019  

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Chriſtus

Christus [, der]

griechisch: Χριστός (Christos), der Gesalbte

 

gemeint ist:

Jesus Christus

 

griechisch: Ἰησοῦς Χριστός (Iēsous Christos), Jesus, der Gesalbte

 

 

SK Version 31.01.2018  

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Chriſtus der HErr

Christus, der HErr

Feste typografische Auszeichnung von Luthers im Wort »HErr«: großes »H« und großes »E«, gefolgt von zwei kleinen »r«.

 

Luthers benutzt die Schreibweise HErr im Neuen Testament dort, wo in den Quellen mit dem griechischen Wort kyrios (Herr, Besitzer, Gebieter) Jesus Christus als Sohn Gottes gemeint ist..

 

 

SK Version 04.08.2017  

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D

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

D

D (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

D

d

Beschreibung

D d

reguläre Schrifttype für einfachen Text

D d

Schrifttype für Auszeichnungen

D d

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

D d

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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da fur

davor (Adverb)

a) räumlich: im Gegensatz zu dahinter

b) zeitlich: im Gegensatz zu danach

c) bildlich mit Verben aus dem Umfeld der Angst, der Furcht, des Erschreckens, des Widerwillens, des Zauderns usw. (»er fürchtete sich davor«)

d) relativ, als Ersatz für wovor

 

Beispiel für c) bildlich: →Ps 106,15

 

ER aber gab jnen jre bitte / vnd ſandte jnen gnug / Bis jnen da fur ekelt.

 

ER aber erfüllte ihre Bitte und sandte ihnen so viel, bis ihnen davor ekelte.

ER aber erfüllte ihre Bitte und sandte ihnen so viel, bis ihnen davon schlecht wurde.

 

Beispiel für d) anstelle von »wovor«: Verweis5Mos 28,60

 

Vnd wird dir zuwenden alle Seuche Egypti / da fur du dich fürchtest

 

Und er wird dir alle Seuchen Ägyptens schicken, wovor du dich fürchtest.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Datan

Datan (Name)

Datan lebte zur Zeit Mose. Er war der Sohn des Eliabs und Bruder des Abiram.

 

Während der Wanderung durch die Wüste Sinai zettelten Korach, Abiram und Datan einen Aufstand gegen Mose an (4Mos 16,1ff). Mit ihnen waren 250 Fürsten vom Stamm der Levi beteiligt.

 

Der Aufruhr endete derart, dass die Aufrührer mit ihren Familien durch Öffnen des Erdbodens verschlungen bzw. durch Feuer vom Herrn verzehrt wurden. Es gab im Falle Korah eine Ausnahme: Seine Kinder wurden nicht in die Bestrafung eingeschlossen (4Mos 26,9-11).

 

 

 

SK Version 04.02.2018  

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Dauid

David

hebräisch: דָּוִד (dͻwid) oder דָּוִיד (dͻwīd)

lateinisch: David

griechisch: Δαυιδ (David)

 

Zur Person Davids

 

Nach der biblischen Überlieferung war David König von Juda und nach Saul der zweite König Israels. Er lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr.

 

Genauere Lebensdaten sind unbekannt. Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer. Schließlich wurde er Sauls Nachfolger als König über Israel.

 

David in der Bibel

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

König David gilt als der Autor von 73 Psalmen. Siehe dazu die folgenden Artikel:

 

→Psalm Davids

→Gülden Kleinod Davids

→Unterweisung Davids

→Lied Davids

→Psalmlied Davids

→Gebet Davids

→Unschuld Davids

→Lob Davids

→Davids

 

 

 

SK Version 17.01.2019  

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Dauids

Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von →Psalm 138.

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diesen Psalm verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass der Psalm zu einer Sammlung von Psalmen gehört, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

 

SK Version 04.02.2018  

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daumeln

taumeln (Verb)

a) sich mit Heftigkeit bewegen: springen, tanzen

b) sich wie im betäubten Zustand, im Rausch bewegen: schwanken, schwankend gehen, torkeln

 

 

→Jes 29,9

 

vnd werdet truncken / doch nicht vom wein / Daumelt / doch nicht von ſtarckem getrencke.

 

... und werdet truncken, doch nicht vom Wein. Taumelt, doch nicht vom starken Getränk.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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dauon

 

da von

davon (Adverb)

dauon
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
404 267 73 64

da von
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
33 28 3 2

mhd: dâ von

Luther benutzt die zusammengestzte (dauon) und die getrennte Schreibweise (da von).

 

Das Wort bezeichnet

 

a) eine Entfernung von einem Ort: davon (entfernt sein)

b) eine Ablösung, Trennung, Befreiung von einer Sache, einem Verhältnis oder einem Zustand: davon (befreit sein, u. ä.)

c) eine Richtung für Bewegungen: von da, von daher, (da) hinweg, weg, dahin

d) einen Bezug zu einer Sache, einem Vorgang oder einem Zustand: davon (sagen, reden, denken, nehmen, usw.)

 

Beispiel für zusammengesetzte Schreibung: dauon

 

→Ps 49,21

 

Kvrtz / Wenn ein Menſch in der wirde iſt / vnd hat keinen verſtand / So feret er dauon wie ein Vieh.

 

Kurz: Wenn ein Mensch in Amt und Würden ist, aber keinen Verstand besitzt, dann fährt er dahin wie ein Stück Vieh.

 

Beispiel für getrennte Schreibung: da von

 

→Ps 49,13

 

Dennoch können ſie nicht bleiben in ſolcher wirde / Sondern müſſen da von / wie ein Vieh.

 

Dennoch können sie nicht bleiben in dieser Würde, sondern sie müssen davon, nicht anders als Vieh.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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dazumal

 

da zumal

dazumal (Adverb, veraltet)

soviel wie damals

 

Luther verwendet häufig die getrennte Schreibweise, die allerdings als feste Konjunktion steht.

 

→Ps 89,20

 

Da zumal redeſtu im Geſichte zu deinem Heiligen

 

a) Damals redetest du in einer Visionen zu deinem Heiligen

b) Damals hast du doch in einer Vision zu deinem Heiligen geredet

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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deckeſtu

deckst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von decken (Verb)

 

Präsens:

deckeſtu: deckst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

deckeſtu: deckst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Ps 104,6

 

Mit der Tieffe deckeſtu es / wie mit einem Kleid / Vnd Waſſer ſtehen vber den Bergen.

 

Mit der Tiefe des Wassers deckst du es zu wie mit einem Kleid. Das Wasser steht bis über die Berge.1

 

1Anmerkung zu Ps 104,6:

 

Luther verwendet für die Verse 6-9 einen erzählerischen Präsens. Erzählt wird die Geschichte der Erschaffung der Welt, in der zunächst die trockene Erde geschaffen wurde. Dann überspülten ungeheure Wassermassen die gesamte Erde, aus denen sich schließlich das Land hervorhob. Berge türmten sich auf und Täler bildeten sich zwischen ihnen.

 

Dies alles geschah in der Vergangenheit. Moderne Bibelübersetzungen, so auch Luther-1964 und Luther-1984, übersetzen daher:

 

Mit den Fluten decktest du es wie mit einem Kleide, und die Wasser standen über den Bergen.

 

 

 

SK Version 03.03.2019  

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dempffen

dämpfen (Verb)

eigtl.: durch Dampf ersticken, Feuer auslöschen, ersticken

übertragen: niederdrücken, überwätigen, unterdrücken, vertilgen, klein machen, demütigen

 

→Ps 81,15

 

So wolt ich jre Feinde bald dempffen / Vnd meine Hand vber jre Widerwertige wenden.

 

So wollte ich recht bald ihre Feinde demütigen, und meine Hand gegen ihre Widersacher wenden.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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denckeſtu

denkst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von denken (Verb)

 

Präsens:

denckeſtu: denkst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,3

 

Denckeſtu aber / o Menſch / der du richteſt die / ſo ſolches thun / vnd thuſt auch daſſelbige / das du dem vrteil Gottes entrinnen werdeſt?

 

Denkst du etwa <wirklich>, o Mensch, der du diejenigen richtest, die das tun, was du selbst tust, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst?!

 

 

 

SK Version 03.03.2019  

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die ander Maria

Maria, die andere (Name)

Mit die ander Maria in →Mt 27,61 und →Mt 28,1 ist wohl die Maria gemeint, die kurz zuvor neben Maria Magdalena in →Mt 27,56 benannt ist:

 

→Mt 27,55f.

 

Vnd es waren viel Weiber da / die von ferns zuſahen / die da Jheſu waren nachgefolget aus Galilea / vnd hatten jm gedienet / Vnter welchen war Maria Magdalena / vnd Maria die mutter Jacobi vnd Joſes / vnd die mutter der kinder Zebedei.

 

Maria, die Mutter des Jakobus und des Joses.

 

Die Textinterpreten gehen allgemein davon aus, das mit »der anderen Maria«, die Mutter des Jakobus und des Joses gemeint ist. Allerdings ist deren Person unklar und umstritten. Sie soll mit Maria Kleophae (Maria des Kleophas) identisch sein (vgl. →Joh 19,25). Doch dafür gibt es keine Beweise.

 

Maria Kleophae war eine Jüngerin Jesu und womöglich eine engere Freundin oder Vertraute der Maria Magdalena. Im späten Johannesevangelium wird sie als die Schwester der Mutter Jesu, also Jesu Tante, bezeichnet (Joh 19,25).

 

Jedoch benennt →Mk 6,3 vier Brüder Jesu, von denen zwei Jakobus und Jose hießen. Maria, die Mutter Jesu, war zugleich die Mutter Jacobi und Joses. Dass es sich dabei um ein und die selbe Frau handelt, die in →Mk 15,40 wie in Mt 27,56 genannt ist, kann aus dem Markus-Evangelium heraus hinreichend begründet werden, wo Jesus die verwandtschaftliche Beziehung zu seiner Mutter und zu seinen Brüdern aufkündigt und ideologisch neu besetzt. Maria, die Mutter Jesu verliert jede Sonderstellung:

 

Denn wer Gottes willen thut / der iſt mein Bruder vnd mein Schweſter vnd meine Mutter. (→Mk 3,35)

 

Im weiteren Verlauf des Markus-Evangeliums wird Maria, die Mutter Jesu, daher nicht weiter sonderlich erwähnt.

 

Es ist möglich, dass Matthäus (in Mt 27,56) die Formulierungen und Bezeichnungen unreflektiert aus der selben Quelle wie Markus oder von frühen Markus-Versionen gewonnen hat.

 

Anderseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine weitere Maria zwei ihrer Kinder wie auch Jesu Mutter Jakobus und Jose genannt hatte. Insbesondere, wenn man verwandt war, und so ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugte. Wie heute gab es auch damals zeitlich und regional unterschiedliche Vorlieben für Vornamen, die dann besonders häufig benutzt wurden. Der Name Maria gehörte zumindest in Galiläa, womöglich auch in Judäa dazu, aber beispielsweise auch Jakobus oder auch Jesus.

 

Die Frage, wer diese Maria, die Mutter des Jakobus und des Jose, war, lässt sich heute nicht eindeutig beantworten. Dafür kreisen zu viele dogmatisch verfärbte Interpretationen und künstliche Konstrukte verwandtschaftlicher Verhältnisse um die Personen der Mutter Jesu, seiner Geschwister und um die in den Evangelien namentlich genannten anderen Frauen, die beispielsweise als die leiblichen Mütter der »Herrenbrüder« aus Mk 3,6 herhalten müssen, um die Unbeflecktheit Marias zu bewahren. Der Diskussion fehlt es dann an der nötigen unbelasteten Objektivität, wenn kirchliche Heiligen­vorstellungen über sachliche Lebenshintergründe gestellt werden.

 

Sie ist eben die ander Maria. - Das trifft es hinreichend.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Ding

Ding, das

 

die Sache, die Aufgabe

 

Umfassendes Wort, für vieles, was nicht näher bestimmbar ist oder bestimmt werden soll.

 

In der weitesten, unbegrenzten Bedeutung umfasst es das sinnlich Bemerkbare, aber auch das Übersinnliche, das Gedachte.

 

→Mt 5,34

 

Jch aber ſage euch / Das jr aller ding nicht ſchweren ſolt

 

a) Ich aber sage euch, dass ihr in allen Angelegenheiten nicht schwören sollt

b) Ich aber sage euch, dass ihr nicht schwören sollt, egal in welchen Angelegenheiten

 

→2Mos 20,9

 

Sechs tage ſoltu erbeiten / vnd alle dein ding beſchicken.

 

Ding meint hier alles, was den Angesprochenen umtreibt und beschäftigt: seine Aufgaben und Arbeiten, die zu erledigen sind; seine Verpflichtungen, denen er in diesem Zusammenhang nachkommen muss; seine Tätigkeiten, die er aus Spaß an der Freude betreibt, usw.

 

Wir verwenden im folgenden Übersetzungsbeispiel das Wort »Aufgaben«. Wir sind uns bewusst, dass dieser Begriff viel zu eng gefasst ist, um die Tragweite des Gebots in 2Mos 20,9 auszudrücken:

 

a) umschrieben: Sechs Tage hast du zu arbeiten und deine Aufgaben zu erledigen.

b) Imperativ: Arbeite sechs Tage und erledige deine Aufgaben!

 

Siehe auch: →Artikel ſoltu

 

Anmerkung:

 

Womöglich wäre die folgende Übersetzung sinnvoll. Umgangssprachlich ist sie wieder zeitgemäß:

 

Sechs Tage hast du Zeit, dein Ding zu machen.

 

Mach dein Ding!

 

Die Redensart »sein Ding machen« (und alle Ableitungen davon), ist keineswegs so modern, wie sie scheint.

 

Sie geht auf Luther zurück (2Mos 20,9). In gutem Luther-Deutsch hieße sie allerdings »seyn ding beſchicken«. Die Bedeutung beider Ausdrücke ist nahezu identisch.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Dirne

Dirne, die

Magd, die

Hausangestellte, die

 

1. Jungfrau, (dienendes) Mädchen, Magd – im Gegesatz zu Jüngling, (dienendem) Knaben, Knecht

2. Hausdirne - Dienstmagd in einem gehobenen Haus

3. abwertend: junge Frau, die »unzüchtige« Dienste feil bietet (Prostituierte, Hure)

 

Der usprüngliche Sinn lag im ehrbaren Dienen einer jungen Frau als Hausangestellte (Magd). So werden im Mittelalter auch heilige Jungfrauen (Nonnen), »Gottes Mägde«, als »gotes dirnen« bezeichnet. Sogar Maria, die Mutter Jesu, wird eine »gotes dirne« (Dirne Gottes) genannt.

 

Der heutige Sprachgebrauch nutzt »Dirne« fast ausschließlich abwertend als Bezeichnung für eine Prostituierte.

 

Statt Luthers mittelalterlichem Begriff »Dirne« sollte ggf. »Magd«, besser noch »Hausangestellte« verwendet werden. Heute abwertend zu verstehende Begriffe sollten vermieden werden (so z. B. Luther, revidierter Text 1964 gültig bis 2017 in Spr 31,2: »Gesinde«).

 

 

 

→Spr 31,15

 

Sie ſtehet des nachts auff / vnd gibt Futter jrem Hauſe / Vnd eſſen jren Dirnen.

 

Sie [die Hausfrau] steht nachts auf, füttert ihr Vieh und gibt ihren Hausangestellten zu essen.

 

Anmerkungen:

Zum Haushalt gehörte das Vieh. Da Luther hier »Futter« nennt, kann sich die Handlung der Hausfrau nur auf das Vieh beziehen.

 

Gemeint ist der Satz so: In aller Frühe, noch im Dunklen, lange vor Sonnenaufgang, steht die Hausfrau auf, begibt sich in den zum Haus gehörigen Stall und füttert das Vieh. Danach geht sie in die Küche und bereitet das Frühstück für die Hausangestellten. Erst dann wird sie sich um die Familie und schließlich um sich selbst kümmern.

 

Der Autor hebt dies hervor, um besondere Eigenschaften einer guten, fleißigen Hausfrau zu beschreiben wie Zuvorkommenheit, Fleiß, Selbstlosigkeit. Denn eigentlich ist es die Aufgabe der »Dirnen«, der Hausangestellten, das Vieh zu füttern und Frühstück für die Familie zu bereiten, bevor sie selbst essen und trinken.

 

 

 

SK Version 13.02.2019  

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Drache

Drache, der

mystische Tiergestalt, Ungeheuer

 

1) In →Ps 44,20: Schakal

 

zu 1) hebräisch: תָּן (tan), Schakal

 

Die Bedeutungen des Wortes im Einzelnen:

 

  1. 1a) Schakal
  2. 1b) Wolf,
  3. 1c) Bewohner verwüsteter Gegenden,
  4. 1d) Kreaturen, die Klagelaute ausstoßen

 

2) In →Ps 91,13: Schlange

 

zu 2) hebräisch: תַּנִּין (tannin): Schlange

 

Die Bedeutungen des Wortes im Einzelnen:

 

  1. 2a) großer Seefisch (Walfisch, Haifisch u. ä., z.B. →1Mos 1,21; →Ps 148,7)
  2. 2b) mystisch übertragen: großes Seeungeheuer, Drachen (z.B. →Jes 51,9; →Ps 74,13)
  3. 2c) Schlange (z.B. 2Mos 7,9ff.; →Ps 91,13)
  4. 2d) übertragen: Bild für Ägypten (z. B. →Jes 27,1)
  5. 2e) übertragen: Bild für (das mächtige Ungeheuer) König Nebukadnezar (Jer 51,34)

 

Beide Wörter gehen in der hebräischen Sprache auf den selben Wortstamm ( תנן) zurück, was erklären mag, warum Luther sie identisch übersetzte. Dabei entschied er sich gegen die konkrete Bezeichnung eines Tieres, die ihm wohl zu schwach erschien, für das mystische Bild des »Drachens«.

 

Der Drache ist ein Ungeheuer, das die Gestaltmerkmale und Wesenzüge unterschiedlicher Tiere besitzt, aber vielfach mächtiger als jedes dieser Tiere selbst ist.

 

→Ps 44,20

 

Das du vns ſo zurſchlegeſt vnter den Drachen / Vnd bedeckeſt vns mit finſternis.

 

a) Das du uns so zerschlägst unter den Schakal und bedeckst uns mit Finsternis

b) Das du uns so zerschlägst unter die Herrschaft des Tyrannen und bedeckst uns mit Finsternis.

c) Das du uns so zerschlägst unter die Völker der Wüste und bedeckst uns mit Finsternis.

 

Luthers Scholion in Ps 44 belegt, dass er den Drachen als Metapher für tyrannische Völker verstanden wissen will:

(Drachen) Das iſt / Den gifftigen Tyrannen.

 

Erläuterung zum Bild des Schakals:

 

Der Schakal ist ein typischer Bewohner der Wüste, dessen Geheul an die Klagelieder Trauernder erinnert. Er steht als Metapher für kriegerische Wüstenvölker bzw. fremde Heere, die über die Wüste kommend in das Land einfielen. Wo sie raubten und plünderten, hörte man noch lange die Klagelieder der Bewohner von weit her.

 

→Ps 91,13

 

Auff dem Lewen vnd Ottern wirſtu gehen / Vnd tretten auff den Jungenlewen vnd Drachen.

 

Du gehst auf Löwen und Vipern, Junglöwen und Schlangen wirst Du niedertreten.

 

Das Bild, das Autor des Psalms zeichnet, stellt paarweise Löwe und Viper (die erwachsenen, zeugungsfähigen Tiere), sowie Junglöwe und Schlange(nbrut) (die Nachkommen) nebeneinander.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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drang

Drang, der

 

a) Andrang

b) Gedränge

c) Anreiz, innerer Trieb

d) die aus einstürmenden Ereignissen erwachsene Not

 

→Ps 44,25

 

Warumb verbirgeſtu dein Andlitz / Vergiſſeſt vnſers elends vnd drangs?

 

Sag doch: Warum nur verbirgst du dein Gesicht (vor uns) und vergißt unser Elend und unsere dringliche Not?!

 

 

 

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Drewen

Dräuen, das (veraltet)

Drohen, das

von →dräuen (Verb; veraltet) für drohen, androhen, bedrohen

 

a) das Drohen, Bedrohen

in der Absicht, zu strafen oder Schaden zuzufügen;

 

b) die Wut, der Groll (gegen jemanden)

wobei die die Tat im Fokus liegt (jemanden Zorn durch Taten spüren lassen)

 

c) die heftige, nachdrückliche Ermahnung

in guter Absicht, um vor Bösem zu warnen oder davon abzuhalten.

 

 

→Ps 102,11

 

Fur deinem drewen vnd zorn

 

Vor deinem Groll und deinem Zorn

 

 

 

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drewen

dräuen (Verb, veraltet)

drohen (Verb)

a) drohen, androhen, bedrohen

 

in der Absicht, zu strafen oder Schaden zuzufügen;

 

b) heftig, nachdrücklich ermahnen

 

in guter Absicht, um vor Bösem zu warnen und davon abzuhalten.

 

 

→Ps 7,12

 

Gott iſt ein rechter Richter / Vnd ein Gott der teglich drewet.

 

Gott ist ein gerechter Richter, und ein Gott, der täglich droht.

 

Anmerkung zu Psalm 7,12:

 

Luthers Wort drewet ist eine Entsprechung für das hebräische זָעַם (zͻˁam), das so viel bedeutet wie »heftig auf jemanden zürnen und ihn den Zorn fühlen lassen«.

 

In Psalm 7,12 wird das Konstrukt זֹעֵם  אֵל (ˀel zoˁem; Gott, zürnend) allerdings wie ein Titel, wie ein Name gebraucht: Zorngott.

 

Daraus ergeben sich diese Übersetzungsvarianten:

 

b) Gott ist ein gerechter Richter, ein zürnender Gott, der [seinen Feinden] den Zorn alle Tage spüren lässt

 

c) Gott ist ein gerechter Richter, er ist Zorngott alle Tage.

 

 

 

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Dromete

Trompete, die

Blasinstrument aus Metall, das aus einer geraden, gebogenen oder gewundenen und ziemlich dünnen Röhre mit flachem Kesselmundstück und Schalltrichter besteht. Das Instrument besitzt einen hellen, schmetternden Klang­charakter.

 

 

 

SK Version 04.02.2018  

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Drumel

Trommel, die

Schlaginstrument, das mit einem oder zwei Schlägeln geschlagen wird.

 

a) Trommel: hohle Walze, deren Öffnungen mit gegerbten Fellen bespannt ist;

b) (Kessel-)Pauke, Trommelpauke: einfellige Trommel.

 

 

 

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Drumelhaus

 

Drumelkirche

Trommelhaus, das

Trommelkirche, die

Bedeutung unklar.

 

Luther verwendet die Bezeichnung in seiner Anmerkung zu

 

→Jer 7,32

 

Al­ſo mag To­pheth ein Dru­mel­haus oder Dru­mel­kir­chen heiſ­ſen.

 

Luther legt das Bild eines Gebäudes oder einer Halle zugrunde, die den militärischen Exerzierhallen entspricht, in denen unter anderem das Schlagen der Trommeln geübt und praktiziert wurde.

 

Die Wortschöpfung »Trommelkirche« entzieht diesem Gebäude die militärische Funktion und erklärt sie zu einer religiösen Einrichtung.

 

Vorstellen dürfen wir uns demnach ein Gebäude oder (ähnlich einem Tempel mit Außenanlegen) ein Areal, das religiösen Zwecken diente, und auf dem es üblich war, Zeremonien lautstark mit vielen Trommeln zu begleiten.

 

 

 

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Du ſolt nicht tödten

Das 5. Gebot

Du sollst nicht töten!

Luther verwendet in →Mt 5,21 (Die Bergpredigt) die selbe Formulierung wie in →2Mos 20,13 (Die Zehn Gebote).

 

Was meint »nicht tödten«?

 

Die Diskussion darum, wie dieses Gebot zu verstehen ist, und wie Luther die beiden Stellen übersetzt, reißt nicht ab.

 

Zwar geht es durchaus um die Frage, welche Übersetzung den hebräischen und griechischen Quellen am Ehesten entspricht. Es geht aber auch um die Frage, ob es für Christen statthaft ist, in bestimmten Situationen zu töten, beispielsweise zur Abwehr von Gewalt, zur Verteidigung des eigenen Lebens, zur Verteidigung der Gesellschaft und des Staates, zur Bestrafung von schwerwiegenden Verbrechen, usw.

 

Die »richtige« Übersetzung ist dabei nicht selten in der Diskussion ein Argument. Doch was ist »richtig«?

 

In 2Mos 20,13 bezeichnet das hebräische רָצָה (razah) das unrechtmäßige Töten eines einzelnen Menschen: töten, morden, erschlagen.

 

Doch was meint »unrechtmäßig«? Meint es Unrecht in Bezug auf das Rechtssystem eines (beliebigen) Staates in einer (beliebigen) Zeit? Meint es das alttestamentliche jüdische Recht? Meint es das Rechtsverständnis einer christlich geprägten Gesellschaft? Meint es das göttliche Recht, das uns durch die Gebote, durch die Propheten, durch Jesus Christus und durch das Neue Testament vermittelt wurde?

 

So findet sich in der Einheitsübersetzung in 2Mos 20,13 der Text »Du sollst nicht morden«. Jedoch bietet die selbe Einheitsübersetzung in Mt 5,21 »Du sollst nicht töten«.

 

Die Einheitsübersetzung versucht sich dem Problem zu nähern, löst es aber nicht auf. Wir meinen: Im Gegenteil!

 

Der Versuch, nur eine bestimmte Variante des Tötens im Gebot zu erfassen, nämlich das Morden, schafft völlig neue Probleme.

 

Ein Beispiel aus unserer jüngeren Geschichte mag das verdeutlichen: War die staatlich angeordnete Tötung von Juden, von Zeugen Jehovas, von Zigeunern, von politischen Gefangenen, von geistig behinderten Mitmenschen durch die Nazis im Dritten Reich rechtens oder Mord? Aus unserer heutigen Perspektive ist die Antwort klar: Es war Mord. Doch sobald man sich in das System selbst begibt und nicht nur die Zeit, sondern auch den gesamten Rückblick auf die Geschichte abstreift, könnte es sich völlig anders darstellen – wie es auch die Vernehmungen der Täter in den Nürnberger Prozessen belegen. Sie hätten, so formulierten sie mehrfach, im Rahmen des Rechts, auf Anordnung und auf Befehl gehandelt. Das verharmlost die Taten keineswegs!

 

Das Beispiel zeigt, dass sich der Begriff »unrechtmäßiges Töten« ganz besonderen Werten und Beurteilungen stellen muss! Werten, die weit über die Rechtssysteme von Gesellschaften und Staaten hinausgehen. Werten, die auch in einer Betrachtung von außen bzw. im Rückblick unter sich ändernden Bedingungen zum selben Urteil führen.

 

Das ist es, was Jesus in der Bergpredigt formuliert. Und das ist es, was Luther durch seine Wortwahl offenhalten möchte.

 

Der Text der griechisches Quellen sowohl im Neuen Testament wie auch im Alten Testament (Septuaginta) hilft uns nur bedingt weiter. Er lautet gleich: ού φονεὐσειϛ - »du sollst nicht morden/töten«.

Das griechische φονεὐω meint morden, töten. Der φονεὐς ist ein Mörder oder Totschläger, also jemand, der unrechtmäßig tötet.

 

So bleibt es uns überlassen, das zugrundeliegende Wertesystem festzumachen. Das ist keine leichte Aufgabe! Die Auswirkungen ihrer Ergebnisse sind enorm.

 

Wir sind überzeugt, dass es Luther auf eine christlich geprägte Übersetzung ankam, die sich am Sprachgebrauch seiner Zeit orientierte und damit die Erfahrungen und das Wissen der selben Zeit spiegelte.

 

Für ihn war einerseits mit Blick auf das Neue Testament Töten an sich ein Verbrechen – wenn schon das Beschimpfen eines Mitmenschen auf gleiche Weise geahndet werden soll (→Mt 5,21f). Anderseits war »morden« für Luther viel zu eng gefasst. Seiner Lebenswirklichkeit entsprach das nicht.

 

So geschahen üble Verbrechen, Hinrichtungen und Morde auch im Namen der Kirche, die theologisch-religiös und durch Gesetze sanktioniert waren, und die nicht unter den Begriff »Mord« fielen.

 

Luther kannte beispielsweise das Schicksal von Jan Hus sehr wohl. Ein Schicksal, das die Kirchenfürsten und der Kaiser auch Luther nach seinem Auftritt in Worms angedeihen lassen wollten und dem er sich nur durch die vorgetäuschte Entführung entziehen konnte.

 

Die Übersetzung »Du sollst nicht morden« wäre ein Freibrief für kirchliche und staatliche Übergriffe dieser Art gewesen. Es sollte jedem Leser bewusst sein, dass sie das noch heute ist und nur mit größter Vorsicht interpretiert werden sollte.

 

Wir folgen der Denkweise Luthers, die sich in seiner Übersetzung zeigt, und im Sinne des kategorischen Imperativs als Wertemaßstab (Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.): Du sollst nicht töten.

 

 

 

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Dünckel

Dünkel, der

Die übertriebene, hoffärtige, auf andere herabblickende Meinung von eigenen Vorzügen.

 

von: dünken (Verb>

 

→Ps 81,13

 

So hab ich ſie gelaſſen in jres hertzen dünckel

 

So habe ich sie in der Überheblichkeit ihrer Herzen belassen

 

 

 

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durchleutern

durchläutern (Verb, veraltet)

völlig reinigen, lauter machen durch Ausschmelzen, Auskochen, Durchseihen.

 

→Ps 105,19

 

Bis das ſein wort kam / Vnd die Rede des HERRN jn durchleutert.

 

wörtlich: Bis sein Wort kam, und die Rede des HERRN ihn durchläuterte.

 

sinngemäß: Bis ihn seine Worte trafen, und die Rede des HERRN ihn durch und durch reinigte.

 

 

 

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durren

 

turren

wagen (Verb; veraltet)

 

siehe: →turren

 

 

 

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