Wörterbuch zur Lutherbibel | Band 7: T - Z

Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

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zur Lutherbibel von 1545

 

Luther-Deutsch – Deutsch

Band 7

T - Z

Auswahl
 
 

Verzeichnis der Einträge in Band 7: T - Z

 

Aktuell: → Luther-Deutsch – Deutsch

Auswahl: →Deutsch – Luther-Deutsch

         

Luther-Deutsch

Deutsch

 

Luther-Deutsch

Deutsch

T

T (Buchstabe)

 
W

W (Buchstabe)

Tempel

Tempel, der

 
wallen

wallen (Verb, veraltet)

Teufel

Teufel, der

 
wallen (1)

wallen (1; Verb, veraltet)

teuffen

taufen (Verb)

 
wallen (2)

wallen (2; Verb, veraltet)

thar

wagen (Verb)

 
wallen (3)

wallen (3; Verb, veraltet)

tharſtu

wagst du (Verb)

 
Waſſchtöpffen

Waschtöpfe, die (veraltet)

That

Tat, die

 
Waſſerbeche

Wasserbäche, die

Thewrunge

Teuerung, die

 
Waſſerbrunnen

Wasserbrunnen, der

Thor

Tor, der

 
Waſſerflüſſe

Wasserflüsse, die

Thor

Tor, das

 
Waſſerflut

Wasserflut, die

thorheit

Torheit, die

 
Waſſerquelle

Wasserquelle, die

Threne

Träne, die

 
Waſſerſee

Wassersee, der

thum

thum (Adjektiv, veraltet)

 
Waſſerſturm

Wassersturm, der

Thun

Tun, das

 
Watſack

Watsack, der (veraltet)

thun

tun (Verb)

 
weben

weben (Verb)

Thurn

Turm, der

 
wegern

weigern (Verb)

thuſtu

tust du (Verb)

 
wehren

währen (Verb)

tigel

Tiegel, der

 
Weib

Weib, das

Töpffen

Töpfe, die

 
Weihe

Weihe, die (Segnung)

Torheit

Torheit, die

 
Weihe

Weihe, die (Vogel)

Tranckopffer

Trankopfer, das

 
weihen

weihen (Verb)

trawen

trauen (Verb)

 
weiland

weiland (Adverb, veraltet)

trawen

vertrauen (Verb)

 
Weiſe

Weise, der

trawer

Trauer, die

 
weiſen

weisen (Verb)

trawren

Trauern, das

 
Weiſen vom Morgenland

Weisen aus dem Morgenland, die

trawren

trauern (Verb)

 
weiſſeſtu

weißt du (Verb)

Trewe

Treue, die

 
weiſtu

weißt du (Verb)

trewlich

treulich (Adjektiv und Adverb, veraltet)

 
welben

wölben (Verb)

trewmen

träumen (Verb)

 
welſch

welsch (Adj.; veraltet)

Trewmende

Träumende, der

 
werd

wert (Adjektiv)

triegen

trügen (Verb)

 
weren

wehren (Verb)

triegerey

Trügerei, die (veraltet)

 
Weſſcher

Wäscher, der

tritteſtu

trittst du (Verb)

 
widerumb

wiederum (Adverb)

tröſteſtu

tröstest du (Verb)

 
Widerwertige

Widerwärtige, der

Tück

Tücke, die

 
Widwe

Witwe, die

tügen

taugen (Verb)

 
wilfertig

willfertig (veraltet)

Tütel

Tütel ,der

 
wilfertig

willfährig (Adjektiv)

Tunckel

Dunkelheit, die

 
wiltu

willst du (Verb)

tunckel

dunkel (Adjektiv und Adverb)

 
Windwirbel

Windwirbel, der

turren

wagen (Verb)

 
Windwürbel

Windwürbel, der

Tyro

Tyros (Stadt)

 
wirde

Würde, die

U

U (Buchstabe)

 
wirſtu

wirst du (Verb)

V

V (Buchstabe)

 
wiſpeln

wispeln (Verb)

Vbelthetter

Übeltäter, der

 
wolfart

Wohlfahrt, die

vbertretten

übertreten (Verb)

 
wolgefallen

Wohlgefallen, das

Vbertretter

Übertreter, der

 
wolteſtu

wolltest du (Verb)

Vbertrettung

Übertretung, die

 
worffen

werfen (Verb)

verachteſtu

verachtest du (Verb)

 
wünderbarlich

wunderbar (Adjektiv)

verbirgeſtu

verbirgst du (Verb)

 
wünderbarlich

wunderbarlich (Adjektiv, veraltet)

verdamſtu

verdammst du (Verb)

 
wünderlich

wunderlich (Adjektiv)

verdreuſſen

verdrießen (Verb)

 
würdeſtu

würdest du (Verb)

Verechter

Verächter, der

 
X

X (Buchstabe)

verfolgeſtu

verfolgst du (Verb)

 
Y

Y (Buchstabe)

vergabſtu

vergabst du (Verb)

 
Yrſal

Irrsal, das

vergelten

vergelten (Verb)

 
Z

Z (Buchstabe)

verhalten

verhalten (Verb)

 
Zacharias

Zacharias (Name)

verhelen

verhehlen (Verb)

 
Zalmuna

Zalmuna (Name)

verkündigeſtu

verkündigst du (Verb)

 
Zan

Zahn, der

verleumbdeſtu

verleumdest du (Verb)

 
zaubern

zaubern (Verb)

vernewen

erneuern (Verb)

 
Zaum

Zaum, der

Verſchen

Ferse, die

 
Zebaoth

Zebaot

verſchmachten

verschmachten (Verb)

 
Zeboim

Zeboim (Stadt)

verſchmähen

verschmähen (Verb)

 
zebrechen

zerbrechen (Verb)

Verſtand

Vertrag, der

 
Zeene

Zähne, die

Verſtand

Verstand, der

 
zenckiſſch

zänkisch (Adjektiv)

verſtehen

verstehen (Verb)

 
zeplagen

zerplagen (Verb)

Verſtören

Zerstören, das

 
zerſtrewen

zerstreuen (Verb)

verſtören

zerstören (Verb)

 
zeſchlagen

zerschlagen (Verb)

Verſtörer

Zerstörer, der

 
zeſchmeiſſen

zerschmeißen (Verb)

verſtörete Stedte

Ruinen

 
zeſtoſſen

zerstoßen (Verb)

verſtörtzen

verstürzen (Verb; veraltet)

 
Zeuberer

Zauberer, der

verſtöſſeſtu

verstößt du (Verb)

 
Zeuberey

Zauberei, die

verſtoſſeſtu

verstoßest du (Verb)

 
Zeuberin

Zauberin, die

verſtrewen

verstreuen (Verb)

 
zeubern

zaubern (Verb)

verſünen

versühnen (Verb; veraltet)

 
zeuchen

zeucheln (Verb, veraltet)

Verſünung

Versühnung, die (veraltet)

 
zeuchen

zeuchen (Verb, veraltet)

verterben

verderben (Verb)

 
zeuchen

ziehen (Verb, veraltet)

vertilgen

vertilgen

 
Zinsgroſſchen

Zinsgroschen (Münze, veraltet)

verzeuchen

verzeuchen (Verb, veraltet)

 
Zion

Zion, der

vleis

Fleiß, der

 
Zoan

Zoan (Stadt)

vmb

um (Partikel)

 
zörnen

zürnen (Verb)

vmb ſonſt

umsonst (Adverb)

 
Zor

Tyros (Stadt)

vmb vnd vmb

um und um (Wendung)

 
zu ſchanden

zuschanden (Adverb)

vmbbringen

umbringen (Verb)

 
zubrechen

zerbrechen (Verb)

vmbfahen

umfahren (Verb)

 
züchtigen

züchtigen (Verb)

vmbfangen

umfangen (Verb)

 
zumalmen

zermalmen (Verb, veraltet)

vmbgeben

umgeben (Verb)

 
zuplagen

zerplagen (Verb, veraltet)

vmbgehen

umgehen (Verb)

 
zureiſſen

zerreißen (Verb)

vmbher

um (Adverb)

 
zurgehen

zergehen (Verb)

vmbkeren

umkehren (Verb)

 
zurſtrewen

zerstreuen (Verb)

vmbkomen

umkommen (Verb)

 
zurteilen

zerteilen (Verb)

vmbringen

umringen (Verb)

 
zuſcheuchen

zerscheuchen (Verb; veraltet)

Vnglaube

Unglaube, der

 
zuſchlagen

zerschlagen (Verb)

Vngrieche

Nichtgrieche, der

 
zuſchlagen Hertz

gebrochenes Herz (Ausdruck)

vnheilig

unheilig (Adjektiv)

 
zuſchlahen

zerschlagen (Verb)

vnrügig

unruhig (Adjektiv)

 
zuſchmeltzen

zerschmelzen (Verb)

Vnruge

Unruhe, die

 
zuſtören

zerstören (Verb)

Vnſchuld Dauids

Unschuld Davids (Psalm)

 
zuſtoſſen

zerstoßen (Verb)

vnſtrefflich

unsträflich (Adjektiv; Adverb)

 
zuſtrewen

zerstreuen (Verb)

Vnterheubtman

römischer Centurio

 
zutretten

zertreten (Verb)

vntertretten

untertreten (Verb, veraltet)

 
zuuerhelen

zu verhehlen (Verb)

Vntertretter

Unterdrücker, der

 
Zuuerſicht

Zuversicht, die

Vnterweiſung Dauids

Unterweisung Davids

 
zuuerſtehen

zu verstehen

vnuerſtendig

unverständig (Adjektiv)

 
zuuerſtören

zu verstören

vnuerzagt

unverzagt (Adjektiv; Adverb)

 
zuuertilgen

zu vertilgen

Vnzifer

Ungeziefer, das

 
zuuor

zuvor (Adverb)

volkömlich

vollkommenlich (Adverb; veraltet)

 
zuwülen

zerwühlen (Verb)

vorſingen

vorsingen (Verb)

 
Zwilling

Zwilling, der

vrſach

Ursache, die

 
Zwilling

Zwilling (Sternbild)

         

Wörterbuch Band 7: T - Z

Seltene Namen, Wörter und Begriffe

T

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

T

T (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

T

t

tz

Beschreibung

T t tz

reguläre Schrifttype für einfachen Text

T t tz

Schrifttype für Auszeichnungen

T t  

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

T t  

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

Die Ligatur tz

 

Der Kleinbuchstabe »t« verschmilzt mit dem Buchstaben »z« zur Ligatur tz. In der Ligatur unterscheidet sich inbesondere die Form des »z« vom alleinstehenden Buchstaben »z«.

 

Die Ligatur tz ist (wenn im Zeichensatz vorhanden) in der Frakturschrift immer dann zwingend, wenn es sich um ein echtes »tz« handelt. Sie darf dagegen nicht erscheinen wenn »t« und »z« zu zwei getrennten Wortbestandteilen eines zusammengesetztes Wortes gehören.

 

Beispiele mit Ligatur:
Geſetz, ſitzen, pfetzen, ſeltzam, entzünden

 

Beispiele ohne Ligatur:
Rüſt‌zeug, Feſt‌zelt, Blatt‌zählung

 

Die Schmuckschrift für Überschriften kennt die Ligatur »tz« nicht.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Tempel

Tempel, der

Tempel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
341 129 91 121

Gotteshaus, Heiligtum

 

Gebäude für öffentliche Gottesdienste

 

übertragen, biblisch:

der Himmel als Gottes Wohnung

 

der heilige Tempel

 

feststehender Begriff für das Heiligtum des Gottes JHWH auf dem →Tempelberg (Berg Zion) bei Jerusalem:

 

der Tempel in Jerusalem.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Teufel
Teuffel

 

Teufel, der

Teufel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
166 41 8 117

Teuffel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
15 8 0 7

abgeleitet aus dem griechischen διάβολος (diabolos): Verleumder, Widersacher

 

Das Wort Teufel meint u. a. eine böse, boshafte Person, einen bösen Feind, einen Widersacher oder einen bösen Geist.

 

Das Wort Teufel im AT

 

Im Alten Testament (ohne Apokryphen) kommt das Wort Teufel nur einmal vor: in →Ps 106,37. Alle übrigen Vorkommen (45 mal) finden sich ausschließlich in Luthers Vorreden und im Scholion (Luthers Anmerkungen) zu den biblischen Büchern und Texten.

 

Luthers Wort Teufel in Psalm 106,37:

 

hebräisch (Hebraica): שֵׁר (šed), pl. שֵׁרִים (šediym), Götze

lateinisch (Vulgata): daemon, Dämon, böser Geist

griechisch (Septuaginta): δαιμων (daimon), Dämon, böser Geist

 

Lutherbibel von 1545: Teufel

Lutherbibel von 1964/1984: böse Geister

Lutherbibel von 2017: Dämonen

 

Das Wort Teufel im NT

 

Im Neuen Testament findet sich das Wort Teufel im Text der Bücher und Briefe gleich 99 mal, davon allein in den vier Evangelien 74 mal. In den Vorreden und Anmerkungen kommt das Wort 23 mal vor.

 

Neben »Dämon, böser Geist« (lat: daemon; grc: δαιμων) übersetzt Luther »Verleumder, Widersacher« (lat: diabolus; grc: διάβολος, diabolos) mit Teufel.

 

 

Missbrauch der Teufelsidee

 

In der biblischen und kirchlichen Lehre sowie im Volks- und Aberglauben haben sich sehr konkrete, aber auch sehr unterschiedliche Bilder der Teufelsidee entwickelt.

 

Die Teufelsidee war über Jahrhunderte hinweg die ideale Projektionsfläche für alles, was böse, feindlich oder nicht heilig ist. Sie besitzt ein unbeschränkt breites Spektrum, woraus sich viele Gefahren beim Gebrauch ergeben: Menschen, die mit dem Attribut »teuflisch« belegt werden, erfahren die Rückprojektion des gesamten Spektrums oder großer Teile daraus, wobei der Fantasie, neue Ausprägungen, Merkmale und Erkennungszeichen zu erfinden, keine Grenzen gesetzt waren (siehe Hexenverfolgungen, Inquisition, Teufelsaustreibungen usw.).

 

Unzählige Menschen wurden und werden noch heute Opfer einer Idee, die ausschließlich für Machtmissbrauch unterschiedlichster Art verwendet wurde und nach wie vor verwendet wird.

 

Wir raten daher dringend davon ab, den Begriff »Teufel« in irgendeiner Weise, getragen durch unausgegorene, dysphemistische Teufelsideen voreilig zu interpretieren. Es führt immer zu einem Missbrauch des Gegenübers.

 

Wir empfehlen zudem, das Wort Teufel schon im Alltagsgebrauch, speziell aber in der Gemeindearbeit, nicht zu verwenden. Stattdessen kann abhängig vom Kontext auf Wörter wie böse Geister, Verleumder, Widersacher, Gegner, Götze, usw., zurückgegriffen werden.

 

→Mt 7,22

 

Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben?

 

Luther übersetzt hier den in den griechischen Urtexten stehenden Begriff δαιμόνια (Dämonen, böse Geister) bzw. das lateinische daemonia (Biblia Sacra Vulgata) mit Teufel. Dies ist an sich falsch, weil zwischen διάβολος und δαιμόνια zu unterscheiden ist. Doch es ist Absicht: So verweist es darauf, dass zu Luthers Zeiten Teufels­aus­treibungen häufig stattfanden und weit verbreitet waren. Seine Leser kannten das Wort als feststehenden Begriff.

 

Mit seiner Übersetzung »Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben?« greift Luther bewusst die Praxis der Teufelsaustreibungen an. Er zielt dabei auf diejenigen, die sie rechtfertigen und praktizieren. Ihnen gilt Jesu Antwort: »Weichet alle von mir jr Vbeltheter.«

 

Dämonen meinen böse Geister jedweder Art, wohingegen der Teufel im Gegensatz zu Gott steht, dessen Gegenspieler er ist, und als Herrscher über ein eigenes Reich regiert.

 

Diese Ideen entspringen einer Zeit der Vielgötterei, in der sich der Gott JHWH gegen zahlreiche andere Götter auch in Israel und Judäa behaupten musste. Seine Heerscharen bildeten die Cherubim oder Engel. Der böse Feind Gottes, sein Widersacher und sein Verleumder, fand seine Personifizierung im διάβολος der Septuaginta (Weish 2,24), dem wiederum die Dämonen zur Seite standen.

 

Bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. hinein hatte sich die Idee der Wirksamkeit böser Geister auch im jüdischen Glauben weiterentwickelt und verfestigt. So wird diese Idee zu einem wiederkehrenden Motiv speziell in den Evangelien und in den Wundergeschichten Jesu.

 

Die modernen Bibelübersetzungen, auch der Lutherbibel, verwenden den Begriff Teufel in Mt 7,22 nicht mehr. Sie übersetzen mit »böse Geister« (Lutherbibel 1964), »Dämonen« (Lutherbibel 2017, Elberfelder Bibel, Herder Bibel 1968) o. ä., Dies ist einerseits dichter am Urtext, anderseits beugt es gefährlichen Konzepten und Ideen der »Verteufelung« von Menschen und der »Teu­fels­aus­trei­bung« vor.

 

 

SK Version 17.01.2019  

→Register

teuffen
teuffet

taufen (Verb)

von: teufen, in die Teufe (Tiefe) bringen, unters Wasser bringen, senken, (ein-) tauchen

 

Das Verb taufen und das daraus abgeleitete Substantiv Taufe haben sich zu festen Begriffen für den christlichen Ritus etabliert, in dem die Aufnahme des Täuflings in die christliche Gemeinschaft vollzogen wird, verbunden mit dem öffentlichen Glaubensbekenntnis des Täuflings bzw. bei Säuglingen, Kindern und Heranwachsenden seiner Eltern und Angehörigen in seiner Stellvertretung.

 

Der christliche Taufritus geht inhaltlich zurück auf die Taufe Jesu im Jordan (Mt 3,13-17), vollzogen von Johannes dem Täufer, und formal auf den Sendungs- oder Missionsbefehl in Mt 28,18-20:

 

18bMir iſt gegeben alle Gewalt im Himel vnd Erden.

19Darumb gehet hin / vnd leret alle Völcker /

vnd teuffet ſie / im Namen des Vaters /

vnd des Sons /

vnd des heiligen Geiſts /

20Vnd leret ſie halten alles was ich euch befolhen habe.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

turren

 

thar

 

durren

wagen (Verb; veraltet)

wagen, sich erkühnen, unterfangen, sich erdreisten, u. ä.

 

mit einem Verb im Infinitiv, das beschreibt, was gewagt wird.

 

 

 

thar: 3. Person Singular Indikativ Aktiv Präsens von turren:
er/sie/es wagt [es], zu ...

 

 

durren: alternative Schreibweise zu turren

 

→Spr 30,31

 

Vnd der König / wider den ſich niemand thar legen.

 

Und der König, gegen den sich niemand wagt, zu erheben.

 

→Hiob 10,15

 

Bin ich Gottlos / ſo iſt mir aber weh / Bin ich Gerecht / So thar ich doch mein heubt nicht auffheben /

 

Bin ich gottlos, dann tut es mir leid. Bin ich gerecht, dann würde ich es dennoch nicht wagen, mein Haupt zu erheben.

 

 

 

SK Version 16.03.2019  

→Register

tharſtu

wagtest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von →turren (Verb, veraltet) bzw. durren (Verb)

 

mit einem Verb im Infinitiv, das beschreibt, was gewagt wird.

 

 

Präsens:

tharſtu: wagst du, zu ...

Auch als Konjunktiv gebraucht: .. kannst du wagen, zu ...

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

tharſtu: wagtest du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

Warum tharſtu? (antworte mir!) warum wagst du, zu... ?

Wie tharſtu? (antworte mir!) wie kannst du [es] wagen, zu... ?

 

→Mt 7,4

 

Oder wie tharſtu ſagen zu deinem Bruder / Halt / Jch wil dir den Splitter aus deinem auge ziehen

 

Oder das: Wie kannst du es wagen, zu deinem Bruder zu sagen, »Halt! Ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen!«?

 

 

SK Version 16.03.2019  

→Register

That

Tat, die

Verbalnomen zu thun (Verb)

 

Plural: die Thatten

 

Handlung eines Wesens, das einen freien Willen hat. Die Tat ist das verwirklichte Wort, der ausgeführte Gedanke, Plan, Vorsatz, Entschluss oder Rat.

 

→Ps 78,7

 

Das ſie ſetzten auff Gott jre hoffnung / Vnd nicht vergeſſen der thatten Gottes / vnd ſeine Gebot hielten.

 

Dass sie ihre Hoffnung auf setzen und nicht vergessen die Taten Gottes und seine seine Gebote hielten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Thewrunge

Teuerung, die

deutlicher Preisanstieg für Waren, Güter und Dienstleistungen, das Teuerwerden, ggf. Inflation.

 

Die Teuerung resultierte aus Mittelknappheit, beispielsweise schlechten Ernten, und war oft verbunden mit Hungersnöten, weil sich die Bevölkerung selbst Grundnahrungsmittel nicht mehr in ausreichendem Maß leisten konnte.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Thor

Tor, der

ein törichter Mensch.

Töricht: unklug, unvernünftig, dümmlich, einfältig.

 

Aus dem Scholion zu Ps 14,1:

Luther: (Thoren) Das iſt / rohe loſe Leute / die nach Gott nicht fragen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Thor

Tor, das

Tor, Tür, Eingang

 

oft für:

 

a) Tor als Durchgang in einer Mauer

b) Stadttor (Durchgang in der Stadtmauer)

 

 

→Jes 14,31

 

Heule Thor / ſchrey Stad / gantz Philiſterland iſt feige.

 

Heul doch, Tor! Schreie, Stadt! Ganz Philistäa ist feige!

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

thorheit

Torheit, die

thorheit
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

mhd: tôrheit

Siehe: →Torheit

 

Die Schreibweise thorheit (mit »h«) kommt nur in Psalm 49,14 vor. Sie war jedoch in der Zeit nach Luther bis ins 19. Jahrhundert hinein vorherrschend. Heute schreiben wir das Wort wieder ohne »h«.

 

Denk- und Handlungsweise eines Toren (eines unklugen, unver­nünf­tigen, dümmlichen, einfältigen Menschen).

 

Auch für: Gottlosigkeit, schwere Sünde, usw.

 

→Ps 49,14

 

Dis jr Thun iſt eitel thorheit /

 

a) Dies, ihr Tun, ist reine Torheit

a) Dies, ihr Tun, ist reine Dummheit

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Threne

Träne, die

Plural: Threnen, auch Threne

 

→Ps 42,4

 

Meine Threne ſind meine Speiſe tag vnd nacht

 

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht

 

→Ps 126,5

 

Die mit Threnen ſeen / Werden mit freuden erndten.

 

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

thum

thum (Adjektiv, veraltet)

Das Wort thum war zu Luthers Zeit weit verbreitet und umfasste vielfältige Bedeutungen.

 

Eigentlich ist es unser heutiges Wort dumm (Adjektiv), doch ist damit nicht mehr dasselbe, ursprünglich extrem breite Wortumfeld verbunden. Wir lassen das Wort deshalb auch im Teil "Deutsch" so stehen und ersetzen es absichtlich nicht mit dumm.

 

Es meint u.a.:

1) beschränkt und schwach an Verstand, unwissend, stumpfsinnig

2) betäubt, verstockt, verwirrt, verbiestert

3) unbesonnen, unangemessen, widerwärtig, einfältig

4) wild, toll, des Verstandes beraubt

5) taub

6) stumm

7) verfinstert, dunkel, des Lichts beraubt

8) (taub, etwas ist verloren gegangen:) abgestumpft, verdorben, unkräftig, kraftlos

9) einfältig

usw.

 

→Mt 5,13:

 

Wo nu das Saltz thum wird / wo mit ſol man ſaltzen?

 

Hier passt nur eine Bedeutung aus dem Umfeld abgestumpft, verdorben, unkräftig (taub).

 

thum salz ist Salz, das seine Würze und Schärfe verloren hat (taub geworden und verdorben ist).

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Thun

Tun, das

Substantivisch gebrauchter Infinitiv von →thun (Verb)

 

1) das Tätigsein, das Handeln, das Machen, das Verhalten von jemandem

2) das Benehmen, das Betragen, der Umgang

3) mit einem Anwesen oder einem Amt verbundenes Geschäft

 

→Ps 28,5

 

Denn ſie wöllen nicht achten auff das Thun des HERRN / noch auff die werck ſeiner Hende

 

a) Denn sie wollen weder auf die Taten des HERRN achten noch auf die Werke seiner Hände.

b) Denn sie wollen weder Gottes Handeln respektieren noch die Ergebnisse seiner Arbeit.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

thun

tun (Verb)

Mhd.: tuon (erweitert tuogen, tuonen)

allgemein machen, schaffen, verrichten, handeln in unterschiedlichsten Varianten und Bedeutungen

 

Formen

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv thun tun
Präsens ich thu ich tue
  du thuſt du tust
  er thut er tut
Präteritum ich thet ich tat
  er thet er tat
  wir theten wir taten
  jr thetet ihr tatet
  sie theten sie taten
Perfekt du haſt gethan du hast getan
  er hat gethan er hat getan
Plusquamperfekt er hatte gethan er hatte getan
  er hette gethan er hätte getan
Imperative thu (es)! tue (es)!
  haſtu gethan du hast getan!
 

 

→Ps 78,12

 

FVr jren Vetern thet er Wunder in Egyptenland

 

Vor ihren Vätern tat er Wunder in Ägypten

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Thurn

Turm, der

Thurn
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
22 13 5 4

Thürne
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
21 13 8 0

mhd: turn, m.

Plural: Thürne

 

Die Schreibweise Thurn entspricht der geläufigen Verwendung zu Luthers Zeit und war bis in das 19. Jahrhundert hinein gebräuchlich.

 

Daneben verwendet Luther 12 mal die Schreibweise Thurm und 4 mal Thürme.

 

abgeschlossenes Gebäude, dessen Höhe größer ist als der Durchmesser

 

a) als Teil von Befestigungs- und Verteidigungsanlagen, von Stadtmauern und Regierungsgebäuden (Burgen)

b) der Turm zu Babylon

 

 

→Ps 61,4

 

DEnn du biſt meine Zuuerſicht / Ein ſtarcker Thurn fur meinen Feinden.

 

Denn du bist meine Zuversicht, ein starker Turm vor meinen Feinden.

 

→Ps 66,11

 

Du haſt vns laſſen in den Thurn werffen

 

Du hast uns in den Turm werfen lassen.

 

→Ps 48,13

 

Zelet jre Thürne.

 

Zählet ihre Türme.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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thuſtu

tust du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von tun (Verb)

 

Präsens Indikativ: thuſtu, du tust

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 50,21

 

Das thuſtu / vnd ich ſchweige

 

(Ich weiß,) das tust du! Und ich schweige.

 

 

SK Version 03.03.2019  

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tigel

 

tiegel

Tiegel,der

tigel, tiegel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
3* 3 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Mhd.: tëgel, tigel, m.

a) feuerfestes Gefäß, um Metalle darin zu schmelzen

b) der innere Herd im Schmelzofen, in den das aus dem Erz geschmolzene Metall fließt

c) dann auch für Küchengeschirre und Gefäße, die Flüssigkeiten aufnehmen (z. B. Farben, Tinten, usw.)

 

1Sam 2,13-14

 

So kam des Prieſters knabe / weil das fleiſch kochet / vnd hatte eine Krewel mit drey zacken in ſeiner hand / 14vnd ſties in den tiegel oder keſſel oder pfan / oder töpffen / vnd was er mit der krewel erfür zog / das nam der Prieſter dauon

 

So kam der Diener des Priesters mit einer Gabel, die drei Zacken besaß, in seiner Hand, sobald das Fleisch kochte. Er stieß in den Tiegel, in den Kessel oder in die Pfanne, und was er mit der Gabel herauszog, das nahm der Priester.

 

→Ps 12,7

 

Die Rede des HERRN iſt lauter / Wie durchleutert Silber im erdenen tigel / beweret ſieben mal.

 

Die Rede des HERRN ist rein wie geläutertes Silber im irdenen Tiegel, das siebenfach geprüft wurde.

 

Spr 27,21

 

Ein Man wird durch den mund des Lobers bewert / Wie das Silber im tigel / vnd das Gold im ofen.

 

Ein Mann wird durch den, der ihn lobt, für gut befunden, wie das Silber im Tiegel und das Gold im Ofen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Töpffen

Töpfe, die

Töpferwaren, Töpfe aus Ton.

 

Plural von:

Topf, der

 

Bezeichnet das besonders in der Küche verwendete Gefäß, sowohl das mehr breite, in dem gekocht wird, als auch das mehr hohe, das zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln diente.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Torheit

 

thorheit

Torheit, die

Torheit
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
59 36 10 13

thorheit
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

mhd: tôrheit

An einer Stelle, in Psalm 49,14, schreibt Luther thorheit (mit »h«), wie es sich im späteren Sprachgebrauch durchgesetzt hatte.

Heute schreiben wir das Wort wieder ohne »h«: Torheit

 

Denk- und Handlungsweise eines Toren (eines unklugen, unver­nünf­tigen, dümmlichen, einfältigen Menschen).

 

Auch für: Gottlosigkeit, schwere Sünde, usw.

 

→Ps 69,6

 

GOtt du weiſſeſt meine torheit / Vnd meine Schulde ſind dir nicht verborgen.

 

a) Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen.

a) Gott, du kennst meine Unvernunft und Dummheit. Meine Verfehlungen sind dir nicht verborgen.

 

→Ps 49,14

 

Dis jr Thun iſt eitel thorheit /

 

a) Dies, ihr Tun, ist reine Torheit

a) Dies, ihr Tun, ist reine Dummheit

 

 

SK Version 19.01.2019  

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Tranckopffer

Trankopfer, das

Eine der Opferarten, die im Alten Testament beschrieben sind (siehe dazu u. a. 4Mos 28).

 

hebräisch: נסך (näsäk), übersetzt mit:

Trankopfer

 

Das Trankopfer war fester Bestandteil verschiedener Opferanlässe, insbesondere zusammen mit dem Speiseopfer. Dargereicht, gespendet, wurde dabei ursprünglich eine festgelegte Menge Wein. In dieser Form diente das Trankopfer der Bevölkerung den Priestern als Grundversorgung, Nahrung und Lebensunterhalt.

 

Das Trankopfer konnte wohl auch aus Blut bestehen, nämlich dem Blut der für ein Opfer geschlachteten Tiere (so beim Sündopfer), wobei das Blut aufgefangen und dann an den Altar gesprengt wurde.

 

Der Saft der Trauben, Traubensaft oder Wein, wurden bildlich als Blut der Trauben gesehen (in 1Mos 49,11 und 5Mos 32,14 ausdrücklich so beschrieben).

 

Der Wein als Opfergabe beim Trankopfer enthielt so die symbolische Bedeutung des Blutes, wie es beim Tieropfer vergossen wurde.

 

In der Abendmahlsgeschichte tauchen in der Tischzeremonie das Speiseopfer und das Trankopfer als Teile des Sündopfers auf: Jesus reicht Brot als Opfer in der Bedeutung seines (ausgebluteten) Leibes (Lk 22,19) und den Wein als Opfer in der Bedeutung seines vergossenen und aufgefangenen Blutes (Lk 22,20).

 

Blut als Trankopfer

 

→Ps 16,4

 

Jch wil jres Tranckopffers mit dem blut nicht opffern

 

Ich will ihr Trankopfer mit dem Blut nicht spenden.

 

Unklar ist, ob hier wirkliches Blut gemeint ist oder Wein als Symbol für Blut. Das erscheint aber auch unerheblich. Wesentlich ist die Bedeutung des Trankopfers als Sühneopfer zur Vergebung der Sünden, die der im Psalm 16 Sprechende verweigert.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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trawen

trauen (Verb)

a) glauben, vertrauen, zutrauen, hoffen

b) vermuten, denken, meinen

c) fest vertrauen, fest glauben

d) jemandem etwas zutrauen

e) glauben, Vertrauen schenken, seine Zuversicht setzen auf

f) gläubig, zuversichtlich sein

g) leichtgläubig, vertrauensselig sein

 

 

→Ps 25,20

 

Las mich nicht zu ſchanden werden / Denn ich trawe auff dich.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vertrawen

vertrauen (Verb)

 

a) das verstärke trauen: man vertraut jemandem, dem man nichts Böses zutraut

b) jemandem etwas zutrauen

c) (an etwas) glauben, Vertrauen schenken, seine Zuversicht setzen auf

d) gläubig, zuversichtlich sein

 

 

→Ps 18,31

 

Er iſt ein Schild allen die jm vertrawen.

 

Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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trawer

Trauer, die

tiefer, anhaltender seelischer Schmerz, der aus einem (traurigen) Erlebnis erwächst.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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trawren

trauern (Verb)

tiefen, anhaltenden seelischen Schmerz empfinden, der aus einem (traurigen) Erlebnis erwächst.

Trauern, das

Substantivbildung vom Verb trawren.

 

→Ps 6,8:

Meine Geſtalt iſt verfallen fur trawren / vnd iſt alt worden

 

Meine Gestalt ist zusammengefallen vom Trauern, und sie ist alt geworden.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Trewe

Treue, die

ursprünglich:

1) Vertrag, Waffenstillstand, Friede

2) Wort, Versprechen, Eid

 

dann vielfältig verwendet, z. B.:

 

3) die Treue im geistlichen Bereich beschreibt das Verhältnis zwischen Gott und Menschen

4) die Treue im ethischen Bereich beschreibt bestimmte Handlungen oder Eigenschaften der Menschen im Verhältnis zueinander oder zu Ideen, Ideologien und Ethiken.

5) die Treue im politisch-staatlichen Bereich beschreibt Verhältnis als Bündnis zwischen Staaten oder zwischen der Staatsmacht (Regierung) und dem Volk (Untertanen)

6) die Treue im gesellschaftlichen Bereich beschreibt Verhältnisse in der Gemeinschaft, der Brüderschaft, der Familie, der Ehe, der Liebe usw.

 

 

→Ps 88,12

 

Wird man in Grebern erzelen deine Güte? Vnd deine Trewe im verderben?

 

Wird man in den Gräbern von deiner Güte erzählen? Und bei den Toten von deiner Treue?

 

 

SK Version 16.01.2019  

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trewlich

treulich (Adjektiv und Adverb, veraltet)

zu: die Treue

 

auf ein Wort, ein Versprechen, einen Eid, eine Abmachung, ein (Lebens)verhältnis beruhend

 

→Ps 119,75

 

HERR ich weis / das deine Gerichte recht ſind / Vnd haſt mich trewlich gedemütiget.

 

a) HERR, ich weiß, dass deine Urteile richtig sind. Du hast mich treulich gedemütigt.

b) HERR, ich weiß, dass deine Urteile richtig sind. Du hast mich wie abgemacht gedemütigt.

c) HERR, ich weiß, dass deine Urteile richtig sind. Du hast mich, wie es zu erwarten war, gedemütigt.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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trewmen

träumen (Verb)

Das Verb träumen drückt sehr unterschiedliche Formen der Wahrnehmung aus. Hauptsächlich lässt sich unterscheiden

 

a) im Schlaf träumen

b) im geistig wachen Zustand träumen

 

→Jes 29,8

 

Denn gleich wie einem Hungerigen trewmet / das er eſſe /

 

Denn so, wie ein Hungriger träumen mag, dass er esse,

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Trewmende

Träumende, der

Trewmende
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Substantivierung von träumen (Verb; siehe →trewmen)

 

Das Verb träumen drückt sehr unterschiedliche Formen der Wahrnehmung aus. Hauptsächlich lässt sich unterscheiden

 

a) im Schlaf träumen

b) im geistig wachen Zustand träumen

 

→Ps 126,1

 

WEnn der HERR die Gefangen Zion erlöſen wird / So werden wir ſein wie die Trewmende.

 

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie Träumende.

 

Luther erklärt dazu im Scholion (Ps 126,1):

 

(Trewmende) Das iſt / Die Freude wird ſo gros ſein / das wir ſie kaum gleuben werden / vnd wird vns gleich ſein / als trewmet es vns / vnd were nicht wahr.

 

(Träumende) Das ist: Die Freude wird so groß sein, dass wir es kaum glauben können. Es wird uns vorkommen, als würden wir träumen, und es wäre nicht war!

 

 

SK Version 16.01.2019  

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liegen vnd triegen

verbal: lügen und trügen

substantivisch: Lügen und Trügen, Lug und Trug

 

lügen: Unwahrheiten, Falschheiten sagen oder behaupten

 

trügen: täuschen, irreführen

 

Lug, der: die Lüge

 

Trug, der: das Trügen, der Betrug, die Täuschung

 

→Ps 55,12

 

Liegen vnd triegen leſſt nicht von jrer Gaſſen.

 

Lug und Trug verschwinden nicht aus ihren Straßen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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triegerey

Trügerei, die (veraltet)

das Laster des Betrügens (als Charaktereigenschaft und Handlung)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 119,118

 

Denn jr triegerey iſt eitel Lügen.

 

a) Denn ihre Trügerei ist eitel Lügen.

b) Denn ihr Charakter ist Lug und Trug.

c) Denn ihr Hang zum Betrug lässt sie selbstgefällige Lügen verbreiten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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tritteſtu

trittst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von treten (Verb)

 

Präsens:

tritteſtu: trittst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

tritteſtu: du trittst (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

tritteſtu? (antworte mir!) ... trittst du ... ?

 

→Ps 10,1

 

warumb tritteſtu ſo ferne?

 

a) Sag doch! Warum gehst Du soweit weg?

b) Warum nur hast du dich soweit entfernt!?

 

 

SK Version 03.03.2019  

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tröſteſtu

tröstest du (Verb)

2. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv von trösten (Verb)

2. Person Singular Präsens Konjunktiv Aktiv von trösten (Verb)

 

tröſteſtu: tröstest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

tröſteſtu: tröstest du (Indikativ in der Aussage: ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

wenn tröſteſtu mich?: wann tröstest du mich?! (Konjunktiv in der Frage. Fordernd: so antworte doch! Wann wird es geschehen?)

 

→Ps 119,82

 

Wenn tröſteſtu mich?

 

a) Wann tröstest Du mich?

b) Sage mir doch: Wann tröstest Du mich?!

 

 

SK Version 03.03.2019  

→Register

Tück

Tücke, die

heimtückische Boshaftigkeit;

heimtückische Handlung;

verborgene Eigenschaft einer Sache, die jemanden in eine ärgerliche oder gefährliche Situation bringen kann.

 

→Ps 10,2

 

Sie hengen ſich an einander / vnd erdencken böſe Tück.

 

Sie hängen sich aneinander und denken sich Boshaftigkeiten aus.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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tügen

taugen (Verb)

gelten, sich für etwas eignen, geeignet/nutzbar sein, Wert/Nutzen haben.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Tütel

Tütel ,der

die Ausgussröhre oder Ausgussrinne einer Kanne, z. B. einer Teekanne, einer Kaffeekanne oder eines Milchtopfes, die in der Regel unscheinbar und klein ausgearbeitet ist.

 

→Mt 5,18

 

Bis das Himel vnd Erde zurgehe / wird nicht zurgehen der kleineſt Buchſtab / noch ein Tütel vom Geſetze / bis das es alles geſchehe.

 

Luther nutzt das Wort Tütel in Mt 5,18 als Symbol für ein sehr kleines, angehängtes Element des Großen und Ganzen: Das kleinste Gebot, der kleinste Paragraph, die kleinste Formulierung im Gesetz.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Tunckel

Dunkel, das (veraltet)

 

Dunkelheit, die

Die Wörter »das Dunkel« und »die Dunkelheit« sind in der Bedeutung identisch.

 

Finsternis, Raum ohne Licht.

 

→Ps 97,2

 

Wolcken vnd Tunckel iſt vmb jn her

 

Wolken und Dunkelheit sind um ihn

 

→Jes 29,18

 

vnd die augen der Blinden werden aus dem tunckel vnd finſternis ſehen.

 

... und die Augen der Blinden werden aus der Dunkelheit und der Finsternis sehen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

tunckel

dunkel (Adjektiv und Adverb)

finster, ohne Licht, des Lichts beraubt

 

a) nicht hell, dämmernd, düster, trübe, schwärzlich, finster

b) wo der Sinn nicht offen liegt: unklar, ungewiß, unverständlich, verhüllt, geheimnisvoll

 

→Ps 68,15

 

Wenn der Allmechtige hin vnd wider vnter jnen Könige ſetzt / So wird es helle / wo es tunckel iſt.

 

Wenn der Allmächtige hin und wieder unter ihnen Könige beruft, dann wird es hell, wo es dunkel ist.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Tyro

Tyros (Stadt)

Tyrus (Stadt)

Stadt im Libanon, an der Mittelmeerküste gelegen.

 

Das historische Tyrus lag auf einer kleinen Insel vor der Küste und war eine der wichtigsten Städte der Phönizier.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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U

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

U

U (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

U

u

ü

Beschreibung

U u ü

reguläre Schrifttype für einfachen Text

U u ü

Schrifttype für Auszeichnungen

U u ü

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

U u  

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

Hinweise:

 

1. Der Großbuchstabe »U« der Schmuckschrift unterscheidet sich nicht vom Großbuchstaben »V« des selben Zeichensatzes.

2. Bei Großbuchstaben findet in der Lutherbibel von 1545 keine Auszeichnnung der Umlaute statt.

 

Vorkommen:

 

Die Verwendung der Buchstaben »u« und »v« ist in der Sprache der Lutherbibel gewöhnungsbedürftig. Sie erscheint oft gerade um­ge­kehrt zu unserer heutigen Anwendung. Ein Beispiel ist das Wort vnuerſtand (Luther: vnuerstand, heute: unverstand).

 

So schreibt Luther mit »v« beispielsweise vnſer (unser), vnd (und), und vnterthan (untertan), aber auch vater, vorrede, vieh und vogel.

Dagegen schreibt er mit »u« beispielsweise Geuogel (Gevögel), Heua (Eva), dauon (davon), Brieue (Briefe) usw.

 

Der Buchstabe »U« ist eine Variante, die abgerundete Form von »V«. Zu Luthers Zeiten ist er noch wie das »V« eine Mischung aus Konsonant und Vokal, dessen Klangbild von der Stellung im Wort abhängt. Das »U« fand erst sehr viel später zu seiner Bedeutung als rein vokalischer Laut im Alphabet.

 

Maßgebliche Bedeutung hat die Position des Zeichens im Wort:: Am Wortanfang wird fast immer »V« oder »v« benutzt. Dies auch dann, wenn das Klangbild unser heutiges »u« fordern würde. In der Wortmitte überwiegt hingegen das »u«, und zwar auch dann, wenn wir von einem »v« ausgehen würden.

 

Als Folge davon befinden sich in unserem Wörterbuch fast alle Wörter, die wir unter dem Buchstaben »U« erwarten würden, unter »V«.

 

Doppellaute (Diphthonge) mit »u«:

 

Unsere heutigen Doppellaute »au«, »äu«, oder »eu« werden in der Lutherbibel sehr oft nicht mit »u« gebildet, sondern mit »w«.

 

Der Buchstabe »w« ist im Prinzip ein doppeltes »v« (bzw. ein doppeltes »u«) und erzeugt die Mischung aus einem u-Laut mit einem w- bzw. v-artigem An- oder Ablaut. Beispiele: Fraw (Frau), Frewlein (Fräulein), Sawrteig (Sauerteig), usw., oder das »W« in »Wasser«, das weder »V« (Vasser) noch »U« (Uasser) ist, sondern zu einem Diphtong aus beiden Lauten mit eigenem Klangbild verschmolz (deutlicher im englischen Wort water zu hören).

 

Daneben existieren in Luthers Bibel mit »u« ein »au«, wie in Saul, oder ein »eu«, wie in euch oder in freude. Diese Doppellaute mit »u« erzeugen aber nicht den selben an- oder abklingenden Laut wie »aw« in Fraw oder »ew« in Frewlein, sondern münden in einen kurz gesprochenen, stark kontrahierten, neuen Laut.

 

Diäresen:

 

Oft sind die Zeichenfolgen »au« und »eu« nicht als kontrahierte Doppellaute, sondern als getrennte Zeichen zu lesen, wobei keine Lesehilfe in Form eines besonderen Zeichens geboten wird.

 

So ist Heua nicht als Heu-a zu lesen sondern als [H]e-va. Dabei ist das »H« als schwacher Anlaut zu verstehen, das »v« entspricht unserem Klangbild für Luthers »u«, und die beiden Zeichen »e« und »u«(»v«) sind voneinander zu trennen (Silbentrennung).

Ähnliches gilt in dauon (nicht als dau-on, sondern als da-von zu lesen).

 

Umlaute:

 

In den Schrifttypen der Lutherbibel von 1545 werden Umlaute nicht mit aufgesetzten Strichen oder Punkten, sondern mit dem hochgestellten »e« ausgewiesen, aus dem sich einst die Striche (bzw. Punkte) entwickelt hatten. Das entspricht im Grunde einer besonderen Form der Ligatur (Verschmelzung zweier Buchstaben zu einer Glyphe) und weist auf ihre Herkunft hin: »ae«, »oe«, »ue«.

 

Das hochgestellte »e« sollte auch bei kleinen Schrifthöhen nicht mit einem Akzent verwechselt werden.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 19.01.2019  

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V

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

V

V (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

V

v

Beschreibung

V v

reguläre Schrifttype für einfachen Text

V v

Schrifttype für Auszeichnungen

V v

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

V v

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

Hinweise:

 

Der Großbuchstabe »V« der Schmuckschrift unterscheidet sich nicht vom Großbuchstaben »U« des selben Zeichensatzes.

 

Die Verwendung der Buchstaben »u« und »v« ist in der Sprache der Lutherbibel gewöhnungsbedürftig. Sie erscheint oft gerade um­ge­kehrt zu unserer heutigen Anwendung. Ein Beispiel ist das Wort vnuerſtand (Luther: vnuerstand, heute: unverstand).

 

»V« statt »U«:

 

Der Buchstabe »U« ist eine Variante, die abgerundete Form von »V«. Zu Luthers Zeiten ist er noch wie das »V« eine Mischung aus Konsonant und Vokal, dessen Klangbild von der Stellung im Wort abhängt. Das »U« fand erst sehr viel später zu seiner Bedeutung als rein vokalischer Laut im Alphabet.

 

Maßgebliche Bedeutung hat die Position des Zeichens im Wort:: Am Wortanfang wird fast immer »V« oder »v« benutzt. Dies auch dann, wenn das Klangbild unser heutiges »u« fordern würde. In der Wortmitte überwiegt hingegen das »u«, und zwar auch dann, wenn wir von einem »v« ausgehen würden.

 

Als Folge davon befinden sich in unserem Wörterbuch fast alle Wörter, die wir unter den Buchstaben »U« oder »u« erwarten würden, unter »V«.

 

»u« statt »v«:

 

In der Wortmitte kann manch ein »u« ein »v« repräsentieren. So beispielsweise in dauon, Luthers Schreibweise des Wortes davon. In diesem Wort stellt die Kombination »au« keinen Doppellaut dar (anders in auff, auf). Beide Buchstaben sind getrennt zu lesen. Es ist ein Beleg dafür, wie eng die beiden Zeichen »u« und »v« miteinander verwandt sind, und wie ähnlich sie zu Luthers Zeit noch verwendet wurden.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Vbelthetter

 

Vbeltheter

Übeltäter, der

jemand, der Übel anrichtet, der etwas Schlechtes getan hat, der gegen ein Gesetz oder Gebot (hier: die Gesetze und Gebote Gottes) handelt.

 

→Ps 28,3

 

Zeuch mich nicht hin / vnter den Gottloſen / vnd vnter den Vbelthetern / Die freundlich reden mit jrem Neheſten / Vnd haben böſes im hertzen.

 

Ziehe mich nicht weg gemeinsam mit den Gottlosen und den Übertätern, die mit ihrem Nächsten freundlich reden, aber Böses im Sinn haben.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

vbertretten

übertreten (Verb)

a) ein Gesetz oder Gebot (hier: die Gesetze und Gebote Gottes) nicht halten, verletzen, absichtlich mißachten

b) sich vergehen an einem Gebot oder Gesetz

 

→Ps 17,3

 

Jch hab mir fur geſetzt / das mein mund nicht ſol vbertretten.

 

a) Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht übertreten soll.

b) Ich habe mir fest vorgenommen, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

c) Ich habe mir auferlegt, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Vbertretter

Übertreter, der

jemand, der ein Gesetz oder Gebot (hier: die Gesetze und Gebote Gottes) nicht hält, sondern übertritt.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Vbertrettung

Übertretung, die

Substantivierung von übertreten (Verb): über etwas hinweg, hinaus treten, eine Grenze überschreiten, sich über etwas (abgegrenztes) hinweg setzen

 

Gemeint ist die Übertretung der Gesetze und Gebote Gottes.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

verachteſtu

verachtest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verachten (Verb)

 

Präsens:

verachteſtu: verachtest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,4

 

Oder verachteſtu den reichthum ſeiner güte [...] ?

 

Oder verachtest du etwa den Reichtumn seiner Güte [...] ?

 

 

SK Version 03.03.2019  

→Register

verbirgeſtu

verbirgst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verbergen (Verb)

 

Präsens:

verbirgeſtu: verbirgst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

verbirgeſtu: verbirgst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 13,2

 

Wie lange verbirgeſtu dein Andlitz fur mir?

 

Wie lange verbirgst du noch dein Antlitz vor mir?!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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verdamſtu

verdammst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verdammen (Verb)

 

Präsens:

verdamſtu: verdammst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,1

 

Denn worinne du einen andern richteſt / verdamſtu dich ſelbs

 

Denn worin du einen anderen richtest, verdammst du dich selbst!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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verdreuſſen

verdrießen (Verb)

mhd: verdrieʒen

jmd. missmutig machen, verärgern

 

Luther benutzt die ältere Form verdreuſſen neben verdrieſſen.

 

es verdrießt mich: es erregt mein Unbehagen

 

→Ps 139,21

 

Vnd verdreuſſt mich auff ſie / das ſie ſich wider dich ſetzen.

 

a) Und [es] verdrießt mich ihretwegen, weil sie sich dir widersetzen.

b) Und es bereitet mir ihretwegen Unbehangen, dass sie sich dir widersetzen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verechter

Verächter, der

a) jemand, der gering schätzt, der verachtet

b) jemand der keine Freude, keinen Gefallen an etwas hat

 

→Ps 119,158

 

Jch ſehe die verechter / vnd thut mir wehe / Das ſie dein Wort nicht halten.

 

a) Ich sehe die Verächter, und es tut mir weh, dass sie dein Wort nicht halten.

b) Ich sehe die Menschen, die mich verachten, und es tut mir weh, dass sie dein Wort nicht halten.

 

→Jes 33,1

 

Vnd du Verechter / meinſtu / man werde dich nicht verachten?

 

Und du, Verächter! Meinst du etwa, man werde dich nicht verachten?

 

Anmerkung zu Jes 33,1:

Luther hatte bei seiner Übersetzung die unmittelbare Folge für den Verächter gleich im ersten Satzteil herausgearbeitet. Die genauere Übersetzung moderner Bibelausgaben leistet das nicht so direkt. So übersetzt beispielsweise die Lutherbibel 2017: »Und du Räuber, der du selbst nicht beraubt bist!«. Hier kommt die Konsequenz erst im nächsten Satz zum Tragen (siehe dort).

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verfolgeſtu

verfolgst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verfolgen (Verb)

 

Präsens:

verfolgeſtu: verfolgst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

verfolgeſtu: verfolgst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Apg 9,4

 

vnd fiel auff die erden / vnd höret ein Stimme / die ſprach zu jm / Saul / Saul / was verfolgeſtu mich?

 

a) Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: »Saul, Saul! Warum verfolgst du mich?«

 

b) Mit umschriebener Nachdrücklichkeit:

Und er fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: »Saul, Saul! Warum tust du das nur?! Warum verfolgst du mich?«

 

 

SK Version 03.03.2019  

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vergabſtu

vergabst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von vergeben (Verb)

 

Präteritum:

vergabſtu: vergabst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

vergabſtu: vergabst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 32,5

 

Da vergabſtu mir die miſſethat meiner ſünde

 

a) (ich bin mir sicher:) Da vergabst Du mir das Unrecht meiner Verfehlung!

b) Da hast du mir vergeben das Unrecht meiner Verfehlung!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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vergelten

vergelten (Verb)

ursprünglich: empfangenes Geld zurückbezahlen (in vergelten steckt das Wort Gelt, Geld).

 

a) bezahlen, zurückzahlen

b) Ersatz leisten für etwas, eine Gegenleistung für etwas erbringen

 

Formen:

 

er vergilt ihnen: er vergilt ihnen (3. Person Singular Präsens Aktiv Indikativ)

er vergelte ihnen: er vergelte ihnen (3. Person Singular Präsens Aktiv Konjunktiv)

 

→Ps 28,4

 

Vergilt jnen was ſie verdienet haben.

 

a) Vergilt ihnen, was sie verdient haben.

b) Zahle ihnen zurück, was sie verdient haben.

 

→Ps 137,8

 

Wol dem der dir vergelte / wie du vns gethan haſt.

 

a) Wohl dem, der dir vergelte, wie du uns getan hast.

b) Wohl dem, der dir vergelten möge, was du für uns getan hast.

c) Wohl dem, der dir bezahle, was du für uns getan hast.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verhalten

verhalten (Verb, veraltet)

zurückhalten

 

zurückhalten, behalten, vorenthalten

 

→Ps 78,4

 

Das wirs nicht verhalten ſollen jren Kindern

 

Dass wir es ihren Kindern nicht vorenthalten sollen

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verhelen

 

zuuerhelen

verhehlen (Verb)

 

zu verhehlen

etwas zurückhalten, jemandem etwas verschweigen, vorenthalten

 

→Jes 29,15

 

WEh / die verborgen ſein wollen fur dem HERRN / jr Furnemen zuuerhelen / vnd jr Thun im finſtern halten /

 

Wehe [denen], die verborgen sein wollen vor dem HERRN, die ihre Absichten verschweigen und ihr Tun im Finstern halten.

 

Anm: Die Zusammenziehung mit dem Präfix »zu-« führt nach den Regeln des Luther-Deutsch zur Wandlung des »v« in »verhelen« nach »u«.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verkündigeſtu

verkündigest du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von verkündigen (Verb)

 

Präsens Indikativ: verkündigeſtu, du verkündigst

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 50,16

 

Was verkündigeſtu meine Rechte / vnd nimpſt meinen Bund in deinen mund?

 

(Was fällt Dir ein!) Was verkündigst du meine Rechte und nimmst meinen Bund in deinen Mund!?

 

 

SK Version 03.03.2019  

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verleumbdeſtu

verleumdest du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von verleumden (Verb)

 

Präsens Indikativ: verleumbdeſtu, du verleumdest

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 50,20

 

Deiner Mutter ſon verleumbdeſtu.

 

Deiner Mutter Sohn verleumdest Du!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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vernewen

erneuern (Verb)

erneuern, neu machen,

auch auffrischen, erfrischen usw.

 

→Ps 104,30

 

Du leſſeſt aus deinen Odem / ſo werden ſie geſchaffen / Vnd verneweſt die geſtalt der Erden.

 

Du spendest deine Lebenskraft: So werden sie geschaffen. Und so erneuerst du die Gestalt der Erde.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Verſchen

Ferse, die

Teil des Fußes

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verſchmachten

verschmachten (Verb)

in Sehnsucht nach etwas zugrunde gehen.

 

schmachten (Verb)

 

heftig hungern oder dürsten; ein sehnliches Verlangen nach etwas haben.

 

 

SK Version 04.08.2017  

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verſchmähen

verschmähen (Verb)

Mhd.:versmâhen, versmân

schmähend zurückweisen

 

verſchmecht

 

verſchmecht
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
5 4 0 1

Von verschmähen sind aus alten Texten viele Varianten bekannt, u. a. versmehen, versmachen und verschmachen.

Luther verwendet an sechs Stellen die besondere Form verschmecht.

 

er hat verschmecht: er hat verschmäht

 

→Ps 22,25

 

DEnn er hat nicht veracht noch verſchmecht das elend des Armen

 

Denn er hat das Elend der Armen weder verachtet noch verschmäht.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verſtand

Verstand, der

 

A) Inbegriff geistiger Fähigkeiten in ver­schie­de­nen Be­deu­tun­gen, so beispielsweise

 

a) die Denkkraft, der Intellekt, die Intelligenz in Abgrenzung zur emotionalen Sinnlichkeit

b) die intellektuelle Fähigkeiten im Zusammenhang mit Vernunft

c) praktische Fähigkeiten und Gaben auf Basis von Wissen, Wissenschaft, Können durch Erfahrung

d) die Gesamtheit, der Besitz der geistigen Kräfte, das Beisammensein der geistigen Fähigkeiten, die Besinnung, die Besonnenheit

e) der dem Einzelnen verliehene Grad von geistigen Fähigkeiten, Geistesschärfe, Einsicht, Umsicht, Überlegung, Urteilsfähigkeit

f) auf einem bestimmten Gebiet urteilsfähig sein, mit etwas umzugehen wissen

 

B) Vereinbarung, Abmachung,

a) Vereinbarung, Vertrag

b) Komplott (Vereinbarung gegen einen Dritten gerichtet)

c) Mitteilung, Bescheid, Erklärung

 

 

 

In der Bedeutung Vereinbarung

 

→Jes 28,15

 

Wir haben mit dem Tod einen Bund / vnd mit der Hellen einen verſtand gemacht /

 

Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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verſtehen

 

zuuerſtehen

verstehen (Verb)

 

Vielfältig eingesetzter Begriff, der den Vorgang geistigen oder emotionalen Erfassens mit unterschiedlichen Sinnen und in unterschiedlichen Lebenssituationen beschreibt.

Beispielsweise:

 

1) Ausdruck für geistig erfassen, begreifen, vernehmen, wahrnehmen

2) Ausdruck für emotional erfassen, empfinden, nachempfinden

3) Gesprochenes mit Aufmerksamkeit und Verständnis anhören

4) Gelesenes erfassen, erfahren

5) einen Gesamtzusammenhang, ein Ding oder einen Menschen: erfassen, begreifen, durchschauen, erkennen usw.

6) jemanden etwas zu verstehen geben: merken lassen, andeuten, mitteilen usw.

 

Besondere Schreibweise bei Luther aus der Zusammenziehung der Konjunktion »zu« und dem Infinitiv: →zuuerſtehen, zu verstehen

 

Anm: Die Zusammenziehung mit dem Präfix »zu-« führt nach den Regeln des Luther-Deutsch zur Wandlung des »v« in »versthen« nach »u«, das dennoch wie »v« zu sprechen ist.

 

 

→Jes 44,18

 

SIe wiſſens nichts vnd verſtehen nichts / Denn ſie ſind verblendet / das jre Augen nicht ſehen / vnd jre Hertzen nicht mercken können.

 

Sie wissen nichts und verstehen nichts, denn sie sind [derart] verblendet, so dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nicht empfinden können.

 

Anm.:

Hier drückt verstehen offensichtlich sowohl geistiges Begreifen (zu: »wissen nichts«) wie auch emotionales Empfinden (zu: »Herzen, die nicht empfinden«) aus.

 

 

→Jes 28,9

 

Wem ſol er zuuerſtehen geben die predigt?

 

Wem soll er die Predigt zu verstehen geben?

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

verſtören

Zerstören, das

 

Substantiv zu →verſtören (Verb)

 

a) das Zerstören

b) das Verstören, Stören

 

Siehe auch: →Verſtörer (Substantiv)

 

 

→Jes 33,1

 

Wenn du das verſtören volendet haſt / So wirſtu auch verſtöret werden /

 

Wenn das Zerstören vollendet hast, dann wirst auch du zerstört werden!

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

verſtören

zerstören (Verb)

1) etwas zerstören, verwüsten

2) jemanden verstören, stören

 

Siehe auch: →Verſtörer (Substantiv)

 

 

→Jes 33,1

 

WEh aber dir du Verſtörer / meinſtu du werdeſt nicht verſtöret werden?

 

Weh aber Dir, du Zerstörer! Meinst du etwa, du wirst nicht zerstört werden?

 

Anmerkung zu Jes 33,1:

Luther hatte bei seiner Übersetzung die unmittelbare Folge für den Zerstörer gleich im ersten Satz herausgearbeitet. Die genauere Übersetzung moderner Bibelausgaben leistet das nicht so direkt. So übersetzt beispielsweise die Lutherbibel 2017: »Weh dir, du Verwüster, der du selbst nicht verwüstet bist,«. Hier kommt die Konsequenz erst im nächsten Satz zum Tragen (siehe dort).

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Verſtörer

Zerstörer, der

Verwüster, der

Substantiv zu →verſtören (Verb)

 

a) im Sinne von zerstören: meist gebraucht für einen »Landzerstörer«, also jemand, der das Land verwüstet, ein Verwüster

b) im Sinne von verstören: jemand, der andere oder deren Handeln stört, ein Störenfried

 

 

 

→Jes 33,1

 

WEh aber dir du Verſtörer / meinſtu du werdeſt nicht verſtöret werden?

 

Weh aber Dir, du Zerstörer! Meinst du etwa, du wirst nicht zerstört werden?

 

Anmerkung zu Jes 33,1:

Luther hatte bei seiner Übersetzung die unmittelbare Folge für den Zerstörer gleich im ersten Satz herausgearbeitet. Die genauere Übersetzung moderner Bibelausgaben leistet das nicht so direkt. So übersetzt beispielsweise die Lutherbibel 2017: »Weh dir, du Verwüster, der du selbst nicht verwüstet bist,«. Hier kommt die Konsequenz erst im nächsten Satz zum Tragen (siehe dort).

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

verſtörete Stedte

zerstörte Städte (Ausdruck)

auch sinngemäß: Ruinen

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

verſtörtzen

verstürzen (Verb; veraltet)

a) etwas zum Stürzen bringen, umstürzen

b) zu Fall bringen

c) einen Körperteil schädigen; beim Stürzen verdrehen, umknicken, auskugeln usw.

d) etwas verderben (besonders aus Hast und Eile)

e) bestürzt, konfus, verwirrt sein

 

verſtörtzt: adjektivisch gebrauchtes Partizip Präteritum: bestürzt

 

verſtörtzt
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
4* 2 0 2

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

 

→Jes 29,9

 

ERſtarret vnd werdet verſtörtzt / Verblendet euch / vnd werdet truncken /

 

Erstarret und werdet bestürzt. Verblendet euch und werdet truncken.

 

VerweisJer 4,9

 

ZV der zeit / ſpricht der HERR / wird dem Könige vnd den Fürſten das hertz entfallen / Die Prieſter werden verſtörtzt / vnd die Propheten erſchrocken ſein.

 

→Mk 9,6

 

Er wuſte aber nicht was er redet / denn ſie waren verſtörtzt.

 

→Apg 2,6

 

Da nu dieſe ſtimme geſchach / kam die Menge zuſamen / vnd wurden verſtörtzt / Denn es höret ein jglicher / das ſie mit ſeiner Sprache redten.

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

verſtöſſeſtu

verstößt du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verstoßen (Verb)

 

Präsens:

verſtöſſeſtu: verstößt du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

verſtöſſeſtu: verstößt du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 44,10

 

Warumb verſtöſſeſtu vns denn nu

 

Sag doch: Warum verstößt du uns denn?!

 

 

SK Version 03.03.2019  

→Register

verſtoſſeſtu

verstoßest du (Verb)

2. Person Singular Konjunktiv Aktiv von verstoßen (Verb)

 

Präsens:

verſtoſſeſtu: verstoßest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

verſtoſſeſtu: verstoßest du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 88,15

 

Warumb verſtoſſeſtu HERR meine Seele

 

Sag doch: Warum verstoßest du, HERR, meine Seele?!

 

 

SK Version 03.03.2019  

→Register

verſtrewen

verstreuen (Verb)

streuen, auseinanderstreuen,

(unachtsam und leichtsinnig hier und da) fallen lassen, verschütten, verlieren, vergeuden,

ausstreuen, um sich herum verbreiten,

ein Ganzes in seine Bestandtheile auflösen,

von etwas absondern, teilen

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

verſünen

versühnen (Verb; veraltet)

 

versöhnen (Verb)

verſünen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
99 89 6 4

mhd: versunet, versient, versoent, versunen, versünen, versonen, versoenen, versyenen, versenen, versunet, versunen, versienen, vorsonen

Das Verb verſünen (versühnen) ist die veraltete Form des Verbs versöhnen.

 

versühnen ist jedoch deutlicher an Sühne angelehnt, womit eine zu entrichtende Buße, ein aktives Tun verbunden ist (z. B. ein Opfer zu erbringen ist). Dahingegen ist versöhnen allgemeiner bezogen auf eine innere Umkehr bei der Herstellung eines gestörten Verhältnisses zwischen Menschen oder zwischen Gott und Mensch, die ohne Reue oder Buße, sondern allein aufgrund der inneren Haltung möglich ist.

 

a) Sühne leisten

b) wieder rein machen, was durch Schuld befleckt ist

c) →entsündigen (siehe dort)

 

 

Das Verb kommt nur im Präsens und im Futur vor, ist also auf das gegenwärtige Tun und das künftige Handeln bezogen.

 

Die Häufung des Begriffs im Alten Testament begründet sich in den zahlreichen Vorschriften im Dritten und Vierten Buch Mose für Priester, deren Aufgabe es u. a. ist, Menschen untereinander zu versöhnen, Gott zu versöhnen, und Gott mit den Menschen zu versöhnen. Allein in diesen beiden Büchern kommt verſünen 58 mal vor.

 

→Rom 5,10

 

DEnn ſo wir Gott verſünet ſind / durch den Tod ſeines Sons / Da wir noch Feinde waren / Viel mehr werden wir ſelig werden durch ſein Leben / ſo wir nu verſünet ſind?

 

Denn wenn wir mit Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes [das war das zu entrichtende Opfer, daher: versühnt, Sühne geleistet haben], als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nach dem wir nun versöhnt sind [Sühne geleistet haben]?

 

→Ps 49,8

 

Kan doch ein Bruder niemand erlöſen / Noch Gotte jemand verſünen.

 

a) Kann doch niemand einen Bruder erlösen, noch jemanden mit Gott versühnen.

b) Kann doch niemand einen Bruder erlösen, noch jemanden vor Gott von Schuld befreien.

b) Kann doch niemand einen Bruder erlösen, noch für jemanden vor Gott Sühne leisten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Verſünung

Versühnung, die (veraltet)

 

Versöhnung, die

Im religiösen Kontext kommt dem Begriff Versühnung eine besondere Bedeutung zu.

 

Das »Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm« (Schlagwort: versöhnung) erklärt zur Verwendung des Begriffs bei Luther:

 

»noch Luther braucht versühnung in der bibelübersetzung in dem später aufgegebenen sinne von sühnung, entsündigung, reinigung von schuld, befleckung; im neuen testament liegt daher dieser objective sinn zu grunde, wendet sich aber leicht zur auffassung, die dem neueren gebrauch entspricht, so dasz die begütigung gottes und die freundliche innerliche vereinigung des erlösten christen mit dem durch Christi sühnetod (versöhnungstod) begütigten gott gemeint ist.«

 

→Rom 5,13

 

Denn die Sünde war wol in der Welt / bis auff das Geſetz / Aber wo kein Geſetz iſt / da achtet man der ſunde nicht.

 

Korrektur:

Denn die Sünde war wol in der Welt / bis auff das Geſetz / Aber wo kein Geſetz iſt / da achtet man der ſünde nicht.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

verterben
verterbete

verderben (Verb)

Nebenform: verterben (veraltet)

ursprünglich.: starr werden

 

zu Grunde gehen, zu dauerndem Schaden kommen

 

 

SK Version 04.08.2017  

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vertilgen

vertilgen (Verb)

 

1) etwas essend oder trinkend verzehren

2) Unkraut oder Ungeziefer ausrotten

3) übertragen: etwas auslöschen durch etwas (»Das Böse vertilgt das Gute«)

4) im biblischen Gebrauch oft als göttliches Eingreifen gegen Menschen, Feinde, Gottlose: vernichten

 

 

→1Mos 6,7

 

Ich wil die Menſchen / die ich geſchaffen habe vertilgen / von der Erden /

 

a) Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde.

b) Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, [wie Ungeziefer] ausrotten von der Erde.

c) Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, [durch göttliches Eingreifen] vernichten auf der Erde.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

verzeuchen

verzeuchen (Verb, veraltet)

verziehen (Verb, veraltet)

verzögern, hinauszögern, wegziehen

etwas aufschieben

 

→Ps 40,18

 

Mein Gott verzeuch nicht.

 

Mein Gott, verzögere es nicht!

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

vleis

Fleiß, der

Eigentlich fleis oder fleisz, doch Luther verwendet durchgehend die Schreibweise vfleis (mit »v« staff »f«), die das Grimmsche Wörterbuch als fehlerhaft deklariert.

 

Eifer, Anstrengung

 

→Ps 78,72

 

Vnd regiert ſie mit allem vleis.

 

Und <er> regiert sie mit allem Fleiß.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

vmb

um (Partikel)

a) Präpostion: um vieles, um alles, usw.

b) Adverb: um sein, usw.

c) Konjunktion: um zu

 

Die Schreibweise im Luther-Deutsch ist in allen Fällen vmb, auch als Präfix in Verbindung mit Verben.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

vmb ſonſt

 

vmbſonſt

umsonst (Adverb)

a) ohne Lohn, ohne Entgelt, ohne Gegenleistung, ohne Vergütung; gratis

b) ohne die erwartete, nutzbringende Wirkung: erfolglos, nutzlos, vergebens, sinnlos, zwecklos

c) ohne Grund (negiert: nicht umsonst, aus gutem Grund)

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

vmb vnd vmb

um und um (Wendung)

Siehe auch: →vmb

 

Die Wendung verstärkt durch die paarige Nutzung von um dessen Bedeutung.

 

a) rundum, ringsum, von allen Seiten

b) zur Bezeichnung der vollständigen Erfassung einer Form oder Fläche: vollständig, komplett

c) zur Bezeichnung eines vollständig erfassten Vorgangs oder einer Idee: alles in allem, letzten Endes, letztendlich, schließlich

 

→Ps 17,9

 

Fur meinen Feinden / die vmb vnd vmb nach meiner Seelen ſtehen.

 

a) Vor meinen Feinden, die ringsum nach meiner Seele stehen

b) Vor meinen Feinden, die mir von allen Seiten nach dem Leben trachten.

 

c) Vor meinen Feinden, die mir letztendlich das Leben nehmen wollen.

 

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbbringen

umbringen (Verb)

1a) an einen anderen Ort bringen, zurückbringen

1b) jemanden zu Boden bringen, werfen

1c) jemanden wegbringen

2a) Lebewesen: ums Lebens bringen, das Leben nehmen, töten

2b) einen Menschen: morden

2c) von Menschen: sich das Leben nehmen

3a) eine Sache: etwas zunichte machen

3b) eine Sache: durchbringen, vertun, vergeuden, verprassen

 

→Ps 40,15

 

SChemen müſſen ſich vnd zu ſchanden werden / die mir nach meiner Seelen ſtehen / das ſie die vmbbringen

 

Schämen müssen sich und bloßgestellt werden, die mir nach meiner Seele trachten, um sie umzubringen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbfahen

umfahren (Verb)

1a) umherfahren

1b) herumfühführen

2) um etwas herumfahren, umkreisen

 

→Ps 32,10

 

Wer aber auff den HERRN hoffet / den wird die Güte vmbfahen.

 

a) Wer aber auf den Herrn hofft, den wird die Güte umkreisen.

b) Wer aber auf den HERRN seine Hoffnung setzt, der wird von Güte umgeben sein.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbfangen

umfangen (Verb)

vmbfange, vmbfieng

 

a) umarmen, umfassen, umgreifen

b) ringsum umgeben, ringsum bedecken

c) umgeben, umschließen

c) bei abstraktem Objekt auch: sich innerlich aneignen, sich bekennen zu

d) für räumliche Weite: sich ausdehnen (in sich einschließend)

 

 

→Ps 18,5

 

Denn es vmbfiengen mich des Todes bande

 

a) Denn es umfingen mich des Todes Bande

a) Denn es umfassten mich die Fesseln des Todes.

 

→Ps 116,3

 

STricke des Todes hatten mich vmbfangen

 

a) Stricke des Todes hatten mich umfangen

a) Fesseln des Todes hatten mich umfasst

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbgeben

umgeben (Verb)

umschließen

 

1) umstricken, umschlingen, umzäunen

2) umstellen, umzingeln, belagern

3) ringsum bedecken

4) behüten, betreuen

 

→Ps 40,13

 

Denn es hat mich vmbgeben leiden on zal

 

a) Denn es haben mich unzählige Leiden umgeben.

b) Denn es hat mich endloses Leid umschlungen.

 

 

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vmbgehen

umgehen (Verb)

1) um etwas herum gehen, umschreiten

1a) umhergehen

2) einen Menschen umgehen:

2a) ihn umwerben

2b) ihn meiden

3) etwas geht um

3a) z. B.: Seuchen, Krankheiten, Gerüchte: etwas verbreitet sich

3b) z. B.: ein Gespenst läuft herum

 

→Ps 40,5

 

Vnd ſich nicht wendet zu den Hoffertigen / vnd die mit Lügen vmbgehen.

 

a) Und sich nicht den Hochnäsigen zuwendet, die mit Lügen umherschreiten.

b) Und sich nicht den Hochnäsigen zuwendet, die mit Lügen daherkommen.

c) Und sich nicht den Hochnäsigen zuwendet, die Lügen verbreiten.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbher

umher (Adverb)

ringsum, im Umkreis

 

Zusammengesetz aus vmb (→siehe dort) und her.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbkeren

umkehren (Adjektiv)

in die entgegengesetzte Richtung kehren, wenden

 

→Ps 18,38

 

Jch wil meinen Feinden nachiagen vnd ſie ergreiffen / Vnd nicht vmbkeren / bis ich ſie vmbbracht habe.

 

Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen, und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbkomen

umkommen (Verb)

 

→Ps 83,18

 

Schemen müſſen ſie ſich vnd erſchrecken jmer mehr vnd mehr / Vnd zu ſchanden werden vnd vmbkomen.

 

Schämen müssen sie sich und immer mehr und mehr erschrecken. Sie müssen zuschanden werden und umkommen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vmbringen

umringen (Verb)

ringartig umschließen

 

1) umschlingen, umzäunen

2) umstellen, umzingeln, belagern

3) umarmen

 

Hinweis: umringen vs. umbbringen

 

Unsere heutige Vorsilbe »um-« ist bei Luther regelmäßig »umb-«.

Luthers Wort umbringen meint daher nicht unser umbringen. Dies schreibt sich umbbringen (mit zwei »b«).

 

→Ps 88,18

 

Sie vmbgeben mich teglich wie waſſer / Vnd vmbringen mich mit einander.

 

Sie umgeben mich täglich wie Wasser, und gemeinsam umringen sie mich.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Vnglaube

Unglaube, der

Unglauben, der

Vnglaube
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
40 11 1 28
Mhd.: ung(e)loube, m.

Gegenstück: →Glaube(n).

 

A) Im weiteren Sinn ohne religiösen Begriffsinhalt:

 

1) Nichtglaube, das Nichtglauben, Mangel an Zutrauen, Misstrauen, Zweifel

2) Nichtgeglaubtes, Unglaubliches, Unglaubwürdiges

3) Fehlen der Vertrauenswürdigkeit, Unglaubwürdigkeit, Misskredit

4) Treulosigkeit, Untreue, Treuebruch, Verrat, Betrug

 

B) Im engeren Sinne, dem Glauben als religiösem Begriff entgegengestellt ( Fehlen des von religiöser Gemeinschaft oder Autorität geforderten Glaubens, Mangel des rechten Glaubens, Gegenteil von Glauben):

 

1) Ungehorsam, Abfall, Versündigung, Gottlosigkeit, Atheismus

2) Aberglaube, Zauberei

3) Irrglaube, Ketzerei

 

In der Bibel tritt der Begriff bevorzugt in seiner religiösen Bedeutung auf:

 

 

Der Glaube bezeichnet allgemein sowohl das auf Gott gerichtete hingebende Vertrauen religiöser Menschen, sowie eine innere Bejahung, Aneignung und Bewahrung der offenbarten Gotteserkenntnis, mit der sich Gehorsam, Treue u. s. w. gegenüber den göttlichen Geboten und religiösen Lehren verbinden.

Der Unglaube ist danach allgemein das Fehlen dieses Vertrauens, die Verneinung, Ablehnung und Bekämpfung der Gotteserkenntnis, die sich dann in Ungehorsam, Untreue u. s. w. gegenüber Geboten und religiösen Lehren ausdrückt.

 

→Rom 3,3

 

Das aber etliche nicht gleuben an daſſelbige / was ligt daran? Solt jrer vnglaube Gottes glaube auffheben?

 

Dass aber einige <Menschen> daran nicht glauben: Was solls? Sollte <etwa> ihr Unglaube Gottes Glauben aufheben?

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Vngrieche

Nichtgrieche, der

griechisch: βάρβαρος bárbaros, Plural βάρβαροι, bárbaroi

 

Nichtgrieche, Barbar

 

Im antiken Griechenland bezeichnete man Menschen, die schlecht oder kein Griechisch verstanden, als βάρβαροι, Barbaren. Es gab also eine ebenso deutliche wie geläufige Unterscheidung zwischen Griechen und Nichtgriechen.

 

Paulus greift diese Denkweise in Röm 1,14 auf.

 

Luther vermeidet jedoch den Begriff »Barbaren«, offensichtlich sehr bewußt, und führt die ungwöhnliche Bezeichnung Ungriechen ein.

 

→Röm 1,14

 

Jch bin ein Schüldener / beide der Griechen vnd der Vngriechen

 

Ich bin ein Schuldner beider, der Griechen und der Nichtgriechen

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vnheilig

unheilig (Adjektiv, veraltet)

nicht heilig,

nicht göttlich vollkommen und verehrungswürdig.

 

→Ps 43,1

 

füre mir meine ſache wider das vnheilige Volck

 

führe meine Sache wider das unheilige Volk

 

 

SK Version 16.01.2019  

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vnrügig

unruhig (Adjektiv)

in einem Zustand ständiger Unruhe befindlich, ausgelöst von und verbunden mit Plage, Mühe, Last, Besorgnis.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Vnruge

Unruhe, die

Ggs. zu Ruhe (ruge); das Nichtaufhören einer Tätigkeit oder eines Geschehens, Störung eines (angestrebten) Zustands.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Vnſchuld Dauids

Unschuld Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von →Psalm 7.

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diesen Psalm verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass der Psalm zu einer Sammlung von Psalmen gehört, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

vnſtrefflich

unsträflich (Adjektiv; Adverb)

unstrafbar; nicht zubestrafen

nicht zu tadeln, dem Tadel nicht unterworfen

 

→Ps 119,9

 

Wie wird ein Jüngling ſeinen Weg vnſtrefflich gehen?

 

a) Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen?

b) Wie kann ein junger Mann seinen Weg guten Gewissens gehen?

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Vnterheubtman

römischer Centurio

Luthers Wort Vnterheubtman (Unterhauptmann) lautet in den Quellen:

 

lateinisch: centurio (von centum, hundert)

griechisch: ἑκατόνταρχος (hekatontarchos, »Herrscher über Hundert«, Hauptmann, Centurio)

Der römische Centurio stand einer »Hundertschaft« vor, die effektiv aus etwa 80 Legionären bestand. Die übrigen Soldaten waren für Verwaltungs- und Nachschubaufgaben vorgesehen.

 

Zur Unterscheidung der Ränge benutzt Luther für das griechische ἑκατόνταρχος (Hauptmann, Centurio) die deutschen Wörter Vnterheubtman oder Heubtman, für das griechische χιλιάρχος (chiliarchos, »Herrscher über Tausend«, Hauptmann, Militärtribun) die Wörter Heubtmann, Oberheuptman oder die Bezeichnung öberſter Heubtmann.

 

 

→Apg 22,25f.

 

25Als er jn aber mit Riemen anband / ſprach Paulus zu dem Vnterheubtman / der da bey ſtund / Jſts auch recht bey euch / einen Römiſchen menſchen / on vrteil vnd recht geiſſeln? 26Da das der Vnterheubtman höret / gieng er zu dem Oberheubtman

 

25Doch während Paulus mit Riemen für die Auspeitschung gefesselt wurde, sprach er zum Centurio, der dabeistand: Ist es nach eurem Recht erlaubt, einen römischen Bürger ohne Verhandlung und Urteil zu geißeln? 26Als der Centurio das hörte, ging er zum Tribun.

 

 

SK Version 17.01.2019  

→Register

vntertretten

untertreten (Verb, veraltet)

eigentlich: nach unten treten, darunter treten

 

a) im Kampf niedertreten, besiegen

b) (unter die Füße treten:) mißachten, überwinden, bezwingen, unwirksam machen

c) unterdrücken, verfolgen

 

→Ps 44,6

 

Jn deinem Namen wöllen wir vntertretten die ſich wider vns ſetzen.

 

In deinem Namen wollen wir besiegen, die sich gegen uns stellen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Vntertretter

Untertreter, der (veraltet)

Substantiv zu untertreten (Verb)

 

Unterdrücker, Verfolger

 

 

SK Version 24.01.2018  

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Vnterweiſung Dauids

Unterweisung Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von sechs Psalmen:

 

→Ps 32, →Ps 52, →Ps 53

→Ps 54, →Ps 55, →Ps 142

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

vnuerſtendig

unverständig (Adjektiv)

noch nicht den nötigen Verstand für etwas habend

 

 

Die Schreibweise entspricht den Regeln der Zeit Luthers:

Das "u" am Wortanfang wird als "v" gesetzt, das "v" in der Wortmitte regelmäßig als "u".

Dies zeigt, wie dicht die beiden Buchstaben klanglich beieinander lagen. Das "V" tritt noch als Vokal, nicht als reiner Konsonant auf.

Siehe dazu auch die Artikel zum →Buchstaben U und zum →Buchstaben V.

 

→Jes 27,11

 

Denn es iſt ein vnuerſtendig volck /

 

Denn es ist ein unverständiges Volk

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

vnuerzagt

unverzagt (Adjektiv; Adverb)

vnuerzagt
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
16 13 1 2

Mhd.: unverzaget, unverzeit,

auch: unverzagetlich, unverzageclich

nicht verzagt

 

Ursprünglich aus dem kriegerischen bzw. kämpferischen Umfeld: Im Kampf nicht zu verzagen ist eine wichtige Eigenschaft von Kriegern, Soldaten, Rittern, Helden, Befehlshabern, Fürsten, usw.

 

 

Die Schreibweise entspricht den Regeln der Zeit Luthers:

Das "u" am Wortanfang wird als "v" gesetzt, das "v" in der Wortmitte regelmäßig als "u".

Dies zeigt, wie dicht die beiden Buchstaben klanglich beieinander lagen. Das "V" tritt noch als Vokal, nicht als reiner Konsonant auf.

Siehe dazu auch die Artikel zum →Buchstaben U und zum →Buchstaben V.

 

→Ps 27,14

 

ſey getroſt vnd vnuerzagt / Vnd harre des HERRN.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Vnzifer

Ungeziefer, das

tierischer Schädling.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

volkömlich

vollkommenlich (Adjektiv und Adverb, veraltet)

abgeleitet von vollkommen (Adjektiv) und in gleicher Weise gebraucht

 

volkömlich
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 2 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

voll, ganz, gut erntwickelt, alle Teile habend, umfänglich

 

→Hiob 11,7

 

Meinſtu / das du ſo viel wiſſeſt / als Gott weis / vnd wölleſt alles ſo volkömlich treffen / als der Allmechtige?

 

Meinst du denn, dass du so viel weißt, und dass du alles so vollkommen begreifst, wie der Allmächtige?

 

 

→Jes 47,9

 

Ja volkömlich werden ſie vber dich komen /

 

Ja, sie [Witwenstand und Unfruchtbarkeit] werden dich vollständig über dich kommen.

 

 

 

SK Version 17.03.2019  

→Register

vorſingen

vorsingen (Verb)

a) für jemandem etwas singen

b) vor jemanden etwas singen

c) als Solist etwas zuerst singen, andere (ein Chor) wiederholen es

d) als Solist einen Liedteil singen, andere (ein Chor) ergänzt weitere Liedteile

 

→Ps 4,1 ( u. a.)

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen

 

Luther: (Vorſingen) Wie der Can­tor vnd Prieſ­ter einen Vers oder Epiſtel vor ſinget / Vnd der Chor hinnach ſinget ein Reſponſo­rium / Halelu­ia oder Amen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

vrſach

Ursache, die

Ursache, Grund

 

→Ps 7,5 →Ps 139,20

on vrſach: ohne Ursache, ohne Grund, grundlos

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

W

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

W

W (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

W

w

Beschreibung

W w

reguläre Schrifttype für einfachen Text

W w

Schrifttype für Auszeichnungen

W w

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

W w

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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wallen

wallen (Verb; veraltet)

in der Bedeutung 2: umherschweifen, unstet sein

Das Wort wallen kann drei völlig verschiedene Bedeutungen haben:

 

→1) wallen, sprudeln, bewegt fließen, innerlich erregt sein, usw.

→2) wallen, umherschweifen, unstet sein

→3) wallen, einen Wall herstellen

 

Siehe dort.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

wallen

wallen (Verb; veraltet)

in der Bedeutung 1:sprudeln, bewegt fließen, innerlich erregt sein,usw.

wallen, sprudeln, usw.
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
4* 3 1 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Das Wort wallen kann drei völlig verschiedene Bedeutungen haben:

 

→1) wallen, sprudeln, bewegt fließen, innerlich erregt sein, usw.

→2) wallen, umherschweifen, unstet sein

→3) wallen, einen Wall herstellen

Ahd.: wallan; Mhd.: wallen

Bedeutung 1:

 

eigentlich: sich drehen, wälzen

 

allgemein für: in Bewegung sein

 

sprudeln, bewegt fließen, aufkochen, innerlich erregt sein, im Winde flattern, usw.

 

1) Von den Bewegungen des Wassers

1a) von den stürmischen Wogen des Meeres, einem Strudel, durch Sturm erregtem Wasser

1b) von den ruhigen Wogen des Meeres, dem sanften Rauschen eines Flusses oder Baches

1c) übertragen von Dingen, die im Wasser herumgetrieben werden

1d) von einer sprudelnden Quelle

1e) vom kochenden Wasser ( sieden, kochen )

1f) übertragen auf das Behältnis, in dem die Flüssigkeit siedet (ein Kessel, Hafen, Topf, Tiegel wallt)

2) Von den Bewegungen des Feuers

2a) vom Feuer selbst

2b) von Flammen

3) Von der Bewegung der Luft

3a) von Luft selbst, vom Wind

3b) von Wolken, Nebel, Rauch, Staub

4) Von Menschenmassen

4a) von einer wimmelnden, in Bewegung befindlichen Menschenmenge

5) Von Bewegungen im Körper und innerlichen Erregungen

5a) von hervorbrechenden Tränen

5b) vom Blut

5c) vom Herzen

5d) vom Gemüt, der Seele, der Brust, dem Busen

5e) von inneren Organen des Menschen

5f) von Leidenschaften und Empfindungen

6) Übertragen auf andere Bewegungen

6a) von der Bewegung des weiblichen Busens aufgrund der Atmung

6b) von dem vom Wind bewegten Getreide

6c) vom Wind bewegte Fahnen, Banner, Segel

6d) von Wind bewegter Kopfschmuck (Federn, Helmbusch)

7) Von Gerüchen und Klängen

8) von Traumbildern und Erscheinungen

 

→Ps 46,4

 

Wenn gleich das Meer wütet vnd wallet /

 

a) Wenngleich das Meer wütete und wallete,

b) Wenn das Meer auch wütete und aufbrauste,

c) Wenn das Meer auch wütete und hohe Wellen schlüge,

 

Jer 5,22

 

Der ich dem Meer den ſand zum vfer ſetze / darin es allezeit bleiben mus / darüber es nicht gehen mus / Vnd obs ſchon wallet / ſo vermags doch nichts /

 

Der ich dem Meer den Sand als Ufer bestimmte, in dessen Grenzen es immer bleiben muss, die es nicht nicht überwinden kann. Auch wenn es stürmisch aufbraust, vermag es letztendlich doch nichts.

 

Klgl 1,20

 

Mein hertz wallet mir in meinem Leibe / denn ich bin hoch betrübt /

 

a) Mein Herz wallet mir im Leib, denn ich bin hoch betrübt,

b) Mein Herz schlägt so unruhig, denn ich bin sehr betrübt,

 

Jdt 12,17

 

VND ſie ſtund auff vnd ſchmücket ſich / vnd gieng hin ein fur jn / vnd ſtund fur jm. 17Da wallet dem Holofernes ſein hertz / Denn er war entzündet mit brunſt gegen jr.

 

Und sie stand auf, schmückte sich, ging hinein zu ihm und stand <nun> vor ihm. 17Da hüpfte das Herz des Holofernes, denn er war heiß auf sie und er begehrte sie sehr.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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wallen

wallen (Verb; veraltet)

in der Bedeutung 2: umherschweifen, unstet sein

wallen, umherschweifen, usw.
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
8 4 0 4

Das Wort wallen kann drei völlig verschiedene Bedeutungen haben:

 

→1) wallen, sprudeln, bewegt fließen, innerlich erregt sein, usw.

→2) wallen, umherschweifen, unstet sein

→3) wallen, einen Wall herstellen

Ahd.: wallôn; Mhd.: wallen

Bedeutung 2:

 

eigentlich umherschweifen, unstet sein, es meint aber im gehobenen Sinn auch feierlich, gemessen einherschreiten.

 

Das Wort wallen ist wie das gleichbedeutende, ebenfalls veraltete wallfahren das Verb zur heute gebräuchlicheren Substantivierung eine Wallfahrt machen, unternehmen.

 

→Ps 42,5

 

Denn ich wolt gerne hin gehen mit dem Hauffen / vnd mit jnen wallen zum Hauſe Gottes

 

a) Denn ich wollte gerne mit der großen Schar losziehen, und mit ihnen zum Hause Gottes wallen.

b) Denn ich wollte gerne gemeinsam mit der großen Schar feierlich zum Hause Gottes ziehen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wallen

wallen (Verb; veraltet)

in der Bedeutung 3: einen Wall herstellen

wallen, einen Wall herstellen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Das Wort wallen kann drei völlig verschiedene Bedeutungen haben:

 

→1) wallen, sprudeln, bewegt fließen, innerlich erregt sein, usw.

→2) wallen, umherschweifen, unstet sein

→3) wallen, einen Wall herstellen

Bedeutung 3:

 

einen Wall herstellen, errichten

 

2Mos 15,8

 

DVrch dein Blaſen theten ſich die Waſſer auff / vnd die Flut ſtunden auff hauffen / Die Tieffe wallet von einander mitten im Meer.

 

a) Durch dein Blasen taten sich die Wasser auf, und die Fluten standen wie Haufen. Die Tiefe wallet voneinander mitten im Meer.

b) Durch dein Blasen teilte sich das Wasser, und die Fluten standen wie Mauern. Die Tiefe trennte sie voneinander wie ein (errichteter) Wall, mitten im Meer.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Waſſchtöpffen

Waschtöpfe, die (veraltet)

Waſſchtöpffen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 2 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Waschgeschirr zur körperlichen Reinigung

 

entsprach funktional den heutigen Waschbecken in Badezimmern

 

→Ps 60,10

 

Moab iſt mein waſſchtöpffen /

 

Moab ist mein Waschgeschirr.

 

→Ps 108,10

 

Moab iſt mein Waſſchtöpffen /

 

Moab ist mein Waschgeschirr.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Waſſerbeche

Wasserbäche, die

Bach, Fluss.

 

Waſſerbeche
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
10 10 0 0

 

Für uns erscheint der Begriff pleonastisch konstruiert, denn im Wort Bäche ist die Bedeutung von Wasser bereits enthalten.

 

Bäche und Bachabschnitte in trockenen Gebieten, die nur sehr wenig oder zeitweise gar kein Wasser führen (Wadis), gehören zum Lebensraum der Hebräer (siehe beispielsweise Joel 1,20 unten).

 

Bäche können auch andere Inhalte haben. Der Begriff wird dann im übertragenen Sinn oder als Metapher benutzt, so in Psalm 18:

 

Die beche Belial erſchreckten mich. (→Ps 18,5)

 

Hier müssen die Bäche oder »Ströme« Belials als Metapher der Ausdehnung des Wirkungsbereichs des Gottes Belial und seiner Popularität verstanden werden: Wie Wasserläufe, Flüsse und Ströme ergießt sich Belial über das Land, verbreitet sich weiter und weiter und reißt mit seinem machtvollen Einfluss die Menschen mit sich. Wie Flüsse die Felder bewässern und für reichen Ertrag sorgen, so nähren die Ströme Belials den Götzenkult und lassen ihn überall aufleben. Diese Beobachtung und sein Erschrecken darüber formuliert der Autor des 18. Psalms.

 

Der Begriff Wasserbäche ist eindeutig und schließt all dies aus. Wir dürfen uns einen stattlichen Bach oder Fluss vorstellen, der immer Wasser führt, wodurch die Pflanzen und Bäume an seinen Ufern gut gedeihen, nie vertrocknen und reichlich Früchte bringen (wie in Ps 1,3 erklärt).

 

 

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

Das Wort Wasserbäche hat sich durch seine Übersetzung in der gehobenen Sprache etabliert.

 

→Ps 1,3

 

Der iſt wie ein Bawm gepflantzet an den Waſſerbechen / Der ſeine Frucht bringet zu ſeiner zeit / Vnd ſeine Bletter verwelcken nicht

 

Der ist wie ein Baum gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine seine Blätter verwelken nicht.

 

 

→Joel 1,20

 

Es ſchreien auch die wilden Thiere zu dir / Denn die waſſerbeche ſind ausgetrockent / vnd das fewr hat die Awen in der wüſten verbrand.

 

Es schreien auch die wilden Tiere zu dir, denn die Wasserbäche sind ausgetrocknet, und das Feuer hat die Oasen in der Wüste verbrannt.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Waſſerbrunnen

 

Waſſerbrun

Wasserbrunnen, der (veraltet)

Brunnen

 

Waſſerbrunnen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
7 5 0 2

Waſſerbrun
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
5 5 0 0

 

Alle Vorkommen in der Schreibweise Waſſerbrun finden sich im 1. Buch Mose, das die Form Waſſerbrunnen nicht kennt.

 

Für uns erscheint der Begriff pleonastisch konstruiert, denn im Wort Brunnen ist die Bedeutung von Wasser bereits enthalten.

 

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

→Ps 114,8

 

Der den Fels wandelt in Waſſerſee / Vnd die Steine in waſſerbrunnen.

 

a) Der den Fels wandelt in einen Wassersee und die Steine in Wasserbrunnen.

b) Der den Fels in einen See verwandelt und Steine in Brunnen.

 

 

→1Mos 16,7

 

Aber der Engel des HERRN fand ſie bey einem Waſſerbrun in der wüſten / nemlich / bey dem Brun am wege zu Sur /

 

a) Aber der Engel des Herrn fand sie bei einem Wasserbrunnen in der Wüste, nämlich bei dem Brunnen am Weg nach Sur.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Waſſerflüſſe

Wasserflüsse, die

Flüsse

 

Waſſerflüſſe
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Für uns erscheint der Begriff pleonastisch konstruiert, denn im Wort Fluss ist die Bedeutung von Wasser in der Regel bereits enthalten.

 

Auch im Mittelalter war der Begriff »Wasserflüsse« wohl nicht gebräuchlich, weshalb er in der Lutherbibel 1545 nur einmal vorkommt. Luther verwendet ihn in Jes 41,18 als Stilmittel parallel zu Wasserseen und Wasserquellen.

 

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

→Jes 41,18

 

Sondern / ich wil Waſſerflüſſe auff den Höhen öffenen / vnd Brunnen mitten auff den Felden / Ich wil die Wüſten zu Waſſerſeen machen / vnd das dürre Land zu Waſſerquellen.

 

a) Sondern: Ich will Wasserflüsse auf den Höhen öffnen und Brunnen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüsten zu Wasserseen machen und das dürre Land zu Wasserquellen.

b) Sondern: Ich will Bäche auf den Höhen öffnen und Brunnen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüsten zu Seen machen und das dürre Land zu wasserreichen Gegenden.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Waſſerflut

Wasserflut, die

Flut

 

Waſſerflut
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
4* 4 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Für uns erscheint der Begriff pleonastisch konstruiert, denn im Wort Flut ist die Bedeutung von Wasser in der Regel bereits enthalten.

 

Doch die Verbindung mit »Wasser-« zielt darauf, dass es nicht nur eine der eher üblichen Fluten handelt (z. B. das Ansteigen des Wasserpegels in einem Bach oder Fluss, oder die Wassermengen des Flusses, Sees oder Meeres selbst), sondern, dass sehr viel Wasser bewegt wird. Gemeint ist ein außergewöhnliches, gewaltiges Naturereignis. Ähnlich einem Tsunami, für dessen Besonderheit als Flutwelle ebenfalls ein Name kreiert wurde.

 

Davon zu unterscheiden ist jedoch die große Wasserflut aus der Noah-Geschichte, die →Sindflut (Sintflut), deren Einmaligkeit nach einem eindeutigen Namen verlangte.

 

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

Hiob 22,11

 

Solteſtu denn nicht die finſternis ſehen / vnd die Waſſerflut / dich nicht bedecken?

 

Meinst Du etwa, Du solltest nicht die Finster sehen? Und die Wasserflut sollte dich nicht bedecken?

 

 

→Jes 30,27-28

 

Seine Lippen ſind vol grimmes / vnd ſeine Zunge wie ein verzerend fewr / 28vnd ſein Odem wie ein Waſſerflut /

 

a) Seine Lippen sind voller Grimm, und seine Zunge ist wie ein verzehrendes Feuer, und sein Atem ist wie eine Wasserflut.

 

 

→Ps 32,6

 

DA fur werden dich alle Heiligen bitten / zur rechten zeit / Darumb wenn groſſe Waſſerflut komen / werden ſie nicht an die ſelbigen gelangen.

 

Davor werden dich alle Heiligen zur rechten Zeit darum bitten, dass sie, wenn die große Wasserflut kommt, verschont bleiben mögen.

 

 

→Ps 69,16

 

Das mich die Waſſerflut nicht erſeu­ffe / vnd die Tieffe nicht ver­ſchlin­ge /

 

Damit mich die Wasserflut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Waſſerquelle

 

Waſſerquell

Wasserquelle, die

Quelle

 

Waſſerquelle
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
7 7 0 0

 

Für uns erscheint der Begriff auf den ersten Blick pleonastisch konstruiert, denn im Wort Quelle ist die Bedeutung von Wasser in der Regel bereits enthalten.

 

Doch es gibt auch andere Arten von Quellen. Eine Quelle kann, allgemein verwendet, der Ursprung von etwas sein: Geldquelle, Lichtquelle, Quelle der Freude, Quelle des Lebens (→Spr 14,27: Die furcht des HERRN iſt eine quelle des lebens /)

 

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

→Jes 41,18

 

Sondern / ich wil Waſſerflüſſe auff den Höhen öffenen / vnd Brunnen mitten auff den Felden / Ich wil die Wüſten zu Waſſerſeen machen / vnd das dürre Land zu Waſſerquellen.

 

a) Sondern: Ich will Wasserflüsse auf den Höhen öffnen und Brunnen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüsten zu Wasserseen machen und das dürre Land zu Wasserquellen.

b) Sondern: Ich will Bäche auf den Höhen öffnen und Brunnen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüsten zu Seen machen und das dürre Land zu wasserreichen Gegenden.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Waſſerſee

Wassersee, der (veraltet)

See, Teich

 

Waſſerſee
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
3* 3 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Für uns erscheint der Begriff pleonastisch konstruiert, denn im Wort See ist die Bedeutung von Wasser bereits enthalten.

 

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

→Ps 114,8

 

Der den Fels wandelt in Waſſerſee / Vnd die Steine in waſſerbrunnen.

 

a) Der den Fels wandelt in einen Wassersee und die Steine in Wasserbrunnen.

b) Der den Fels in einen See verwandelt und Steine in Brunnen.

 

 

→Jes 14,23

 

Vnd wil ſie machen zum erbe den Igeln / vnd zum Waſſerſee / vnd wil ſie mit einem Beſem des verderbens keren / ſpricht der HERR Zebaoth.

 

a) Und ich will sie den Igeln zum Erbe geben, und ich will sie zum Wassersee machen, und ich will sie mit einem Besen des Verderbens kehren, spricht der Herr Zebaot.

b) Und ich will sie den Igeln zum Erbe geben, und ich will sie mit Wasser überfluten, und ich will sie mit einem Besen des Verderbens hinauskehren, spricht der Herr Zebaot.

 

 

→Jes 41,18

 

Sondern / ich wil Waſſerflüſſe auff den Höhen öffenen / vnd Brunnen mitten auff den Felden / Ich wil die Wüſten zu Waſſerſeen machen / vnd das dürre Land zu Waſſerquellen.

 

a) Sondern: Ich will Wasserflüsse auf den Höhen öffnen und Brunnen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüsten zu Wasserseen machen und das dürre Land zu Wasserquellen.

b) Sondern: Ich will Bäche auf den Höhen öffnen und Brunnen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüsten zu Seen machen und das dürre Land zu wasserreichen Gegenden.

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Waſſerſturm

Wassersturm, der (veraltet)

Sturm auf dem Wasser; Sturm im Wasser

heftig bewegtes, andringendes Wasser

 

Waſſerſturm
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Luther benutzt für natürliche Wasservorkommen, wie Bach, Fluss, See, Quelle, Brunnen, Flut oft ein Kompositum mit »Wasser-«:

 

→Waſſerbeche

→Waſſerflüſſe

→Waſſerſee

→Waſſerflut

→Waſſerquelle

→Waſſerbrunnen

→Waſſerſturm

 

→Jes 28,2

 

wie ein Hagelſturm / wie ein ſchedlich Wetter / wie ein Waſſerſturm / die mechtiglich einreiſſen /

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Watſack

Watsack, der (veraltet)

ein Sack oder Behältnis für Reisgepäck, Reiseproviant und Getränke

 

Der Watsack wurde auf dem Rücken getragen bzw. zu Pferd oder Wagen mitgeführt.

 

Die heutigen Entsprechungen wären:

 

Beutel, Rucksack, Reisetasche, Koffer

 

Scholion zu →Ps 119,83:

 

(Haut) Da man öle / wein / waſſer inne füret / wie ein watſack.

 

(Haut) Zu verstehen als Behältnis, in dem man Öl, Wein oder Wasser mitführt wie in einem Beutel.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

weben

weben (Verb)

1) auf dem Webstuhl fertigen

2) sich hin und her bewegen

3) sich zeigen und wirksam sein

4) wehen

 

→1Mos 1,20

 

Es errege ſich das Waſſer mit webenden vnd lebendigen Thieren

 

a) Es rege sich das Wasser mit lebendigen, wimmelnden Tieren

b) Es belebe sich das Wasser mit lebendigen Tieren, die sich darin tummeln

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wegern

wegern (Verb, veraltet)

weigern, verweigern

 

Die Schreibweise wegern (»e« statt »ei«) war zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert allgemein gebräuchlich.

 

→Ps 21,3

 

Du gibſt jm ſeines hertzen wundſch / Vnd wegerſt nicht was ſein mund bittet

 

a) Du gibst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst nicht, was sein Mund erbittet

b) Du erfüllst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst nicht, was sein Mund erbittet

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wehren

 

weren

währen (Verb)

Das Wort kommt in unterschiedlichen Bedeutungen vor, die wir hier nicht alle auflisten können.

 

Verwendung in der Luther-1545

 

währen in der Grundbedeutung dauern

 

Mhd.: wern

 

Luther: wehren, auch: weren

 

a) Bestand haben, dauern, sich zeitlich oder räumlich ausdehnen

b) in seinem Zustand verharren, sich eine gewisse Zeit in seinem Wesen erhalten, sich über eine gewisse Zeit erstrecken

c) ganz, unversehrt bleiben

 

→Ps 30,6

 

DEnn ſein Zorn weret ein augenblick

 

Denn dein Zorn dauert einen Augenblick

 

→Ps 119,96

 

Jch hab alles dinges ein ende geſehen / Aber dein Gebot wehret.

 

a) Ich habe aller Dinge Ende gesehen, aber dein Gebot währt <ewig>.

b) Ich habe das Ende aller Dinge gesehen, doch Dein Gebot hat Bestand.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Weib

Weib, das

die (Ehe-) Frau

 

Hinweis:

 

Es ist zu beachten, dass Luther den zu seiner Zeit gängigen Begriff Weib nicht abschätzig oder abwertend benutzt. Im Gegenteil: Wenn auch die etymologische Herkunft des Begriffs umstritten und unklar ist, so bezeichnete er doch die erwachsene, verantwortlich handelnde Frau in gesellschaftlich angesehener Stellung, z. B. als Ehefrau.

 

In der deutschen Sprache hat der Begriff »Weib« im Laufe der Zeit eine geringschätzende Bedeutung erfahren und besitzt heute die Qualität einer Beleidigung, die u. U. strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Begriff wird daher in modernen Übersetzungen nicht verwendet. Stattdessen wird i. d. R. das Wort »Frau« benutzt.

 

Die englische Sprache kennt noch heute geläufig das Wort »wife« (meist für »Ehefrau«), das etymologisch auf die selbe Wurzel zurückzuführen ist, neben dem Begriff »woman«, der allgemein für »Frau« steht.

 

Empfehlung:

 

Wir empfehlen wegen der geringschätzenden Qualitäten, die an diesem Begriff kleben, bei Interpretationen, bei Textauslegungen, in Predigten und auch bei Textlesungen aus alten Lutherbibeln den Begriff Weib nicht zu verwenden und durch Frau zu ersetzen.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Weihe, die

Weihe, die

zu →weihen (Verb)

 

Heiligung, Segnung besonderer Güte

 

Das Substantiv wird in der Lutherbibel 1545 ausschließlich im Zusammenhang mit der Weihe Aarons zum Priester verwendet (2Mos 28).

 

Es war die Aufgabe des Moses vor dem Volk Aaron mit dem Segen Gottes zum Priester zu weihen. Mit dieser Weihe einher ging die Amtseinführung Aarons als Priester der Israeliten.

 

Weihe
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 2 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

 

→2Mos 28,3

 

... das ſie Aaron kleider machen zu ſeiner Weihe / das er mein Prieſter ſey.

 

... dass sie Aaron Kleider anfertigen für seine Weihe, damit er mein Priester sei.

 

 

Anmerkung in der Marginalspalte zu →2Mos 28,41

 

Das in der wei­he den Prie­ſtern die hen­de mit Opffer ge­fül­let wur­den fur dem HERRN.

 

Dass in der Weihe den Priestern die Hände mit Opfern gefüllt wurden vor dem Herrn.

 

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Weihe, der

Weihe, die

Greifvogel (Circus)

 

Eine Weihe ist ein habichtartiger, schlanker und mittelgroßer Greifvogel, der seine Beute im Flug erjagt.

 

Zu Luthers Zeit war die Weihe maskulin: der Weihe.

 

Weihe (Vogel)
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
3* 3 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

 

Verweis3Mos 11,13-14

 

VND dis ſolt jr ſchewen vnter den Vogeln / das jrs nicht eſſet / Den Adeler / den Habicht / den Fiſchar / den Geyer / den Weihe / vnd was ſeiner art iſt.

 

Und diese solt ihr scheuen unter den Vögeln, dass ihr sie nicht esset: Den Adler, den Habicht, den Fischadler, den Geyer, die Weihe, und alle dieser Art.

 

 

Verweis5Mos 14,12-13

 

Das ſind ſie aber die jr nicht eſſen ſolt / Der Adler / der Habicht / der Fiſſchar / der Teucher / der Weihe / der Geier mit ſeiner art.

 

Das sind aber die, die ihr nicht essen sollt: Der Adler, der Habicht, der Fischadler, der Taucher, der Weihe, der Geier und alle seiner Art.

 

 

→Jes 34,15

 

Der Igel wird auch daſelbs niſten vnd legen / brüten vnd ausheggen vnter jrem ſchatten / Auch werden die Weihen daſelbs zuſamen komen.

 

Der Igel wird dort nisten und legen / brüten und ausbrüten unter ihren Schatten. Auch werden dort die Weihen zusammenkommen.

 

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

weihen

weihen (Verb)

heiligen, segnen in besonderer Güte

 

Das Verb wird in der Lutherbibel 1545 verwendet:

 

a) im Zusammenhang mit der Weihe Aarons zum Priester (2Mos 28)

b) im Zusammenhang mit der Weihe des Tempels Salomo (1Kon 8)

c) im Buch Daniel im Zusammenhang der Weihe eines goldenen Götzenbildes Nebukadzezars (Daniel 3).

 

Die Weihe Aarons durch Mose mit dem Segen Gottes diente der Amtseinführung Aarons als Priester der Israeliten (2Mos 28).

 

Die Weihe des Mittelhofs im Tempel diente dazu, seine besondere Bedeutung im Heiligtum durch Gottes Segen zu erwirken (1Kön 8).

 

Mit der Weihe des Götzenbildes vollzog Nebukadnezar offensichtlich ein Ritual, in dem Götterbildnisse zu anbetungswürdigen Göttern gewandelt wurden (Dan 3).

 

weihen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
16 16 0 0

 

Sie auch: →einweihen (Verb)

 

→2Mos 28,41

 

Vnd ſolt ſie ſalben / vnd jre hende füllen / vnd ſie weihen / das ſie meine Prieſter ſeien.

 

Und sollt sie salben, und ihre Hände füllen, und sie weihen, damit sie meine Priester seien.

 

 

→1Kön 8,64

 

Deſſelbigen tags weihete der König den Mittelhof /

 

Am selben Tag weihte der König [Salomo] den Mittelhof [des Tempels].

 

 

→Dan 3,2

 

... das ſie zuſamen komen ſolten / das Bilde zu weihen / das der könig NebucadNezar hatte ſetzen laſſen.

 

... weil sie zusammenkommen solten, um das Bild zu weihen, das der König Nebukadnezar hatte setzen lassen.

 

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

weiland

weiland (Adverb, veraltet)

weiland
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
17 0 0 17

mhd: wîlen(t)

 

weiland ist der erstarrte instrumentale Plural zum Substantiv Weile.

 

einst, früher, ehedem, vormals, zuvor

 

→Rom 11,30:

 

Denn gleicher weiſe / wie auch jr weiland nicht habt gegleubet an Gott

 

Denn gleicherweise wie ihr früher nicht an Gott geglaubt hattet

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Weiſe
Weiſen

 

die Weiſen vom Morgenland

Weise, der

Weisen, die (Plural)

 

die Weisen aus dem Morgenland

der Weise: Mensch, der klug und gebildet ist.

 

→Mt 2

 

die Weiſen vom Morgenland

die Weisen aus dem Morgenland

 

Luther erklärt in seinem Scholion zu →Mt 2,1, dass das griechische Wort Μάγοσ (Magos, wörtlich »Magier«) ein Titel für Wissenschaftler (Astrologen, Astronomen, Naturkundler) und Priester (theologisch gebildete Personen) sei: Die S. Mattheus Magos nennet / ſind Naturkündige vnd Prieſter geweſen.

 

Tatsächlich ist nach dem Stand der heutigen Forschung der Begriff Μάγοσ ein persischer und babylonischer Titel, der Weise und Priester bezeichnet, die sich auf Stern- und Traumdeutung sowie anderer »geheimer« Künste verstanden.

 

Die Magier

 

Wir wissen nicht viel über sie, doch festzuhalten ist, dass es sich bei den »Magiern« im Matthäus-Evangelium um Personen handelt, die einer fremden Kultur angehörten, die in fremden Sprachen redeten, die fremde Religionen ausübten und die mit Sicherheit (als Priester) fremden Göttern dienten.

 

Aus jüdischer Sicht waren die Magier also »Heiden« (angehörige fremder Völker mit fremden Religionen). Aus politischer Sicht waren es Ausländer, aus gesellschaftspolitischer Sicht waren es angehörige der gebildeten Oberklasse, nicht jedoch Könige.

 

Festzuhalten ist, dass sie »aus dem Morgenland« anreisten, also einem (nicht näher bestimmten) Land östlich von Israel, in der Richtung gelegen, in der morgens die Sonne aufgeht: aus dem Orient.

 

Festzuhalten ist zudem, dass Matthäus keine Zahl nennt: Es ist unbekannt, wie viele es waren. Aus dem Plural ergibt sich nur: Es waren mindestens zwei. Allerdings dürfen wir davon ausgehen, dass es sich um mehrere Personen handelte, die von weiteren Personen begleitet wurden, was bei langen beschwerlichen Reisen selbstverständlich war.

 

In der katholischen Tradition avancierten die Weisen aus dem Morgenland zu den »Heiligen Drei Königen«. Doch ist weder die Dreizahl belegt, noch handelte es sich um Könige, noch stehen sie in irgendeiner definierten Beziehung zum Judentum oder zum Christentum.

 

Die Beziehungen, die sich aus der Erzählung des Matthäus ergeben, sind einerseits die Suche nach dem neuen König der Juden (→Mt 2,2), der sich aus ihrer Motivation ergibt, zu sehen, wohin sie ihre Sterndeutung führen wird, und anderseits das Traumerlebnis, in dem nun der jüdische Gott eingriff und ihnen befahl, nicht zu Herodes zurück zu kehren (→Mt 2,12). Wie dieses Traumerlebnis (ein für die Weisen fremder Gott gibt Anweisungen) konkret verlaufen ist, und wie es bekannt werden konnte, bleibt rätselhaft.

 

Weihnachten, ein interkulturelles Fest

 

Das Missverständnis, das sich im Glauben an die Heiligen Drei Könige ausdrückt, findet seine Höhepunkte immer dann, wenn die Weisen aus dem Morgenland als drei christliche (heilige) Könige interpretiert werden, und dabei geflissentlich die Nachkommen der Völker, denen sie angehörten, von »unserem« Weihnachtsfest und von unserem christlichen Verständnis ausgrenzt werden.

 

Das erste Weihnachtsfest, die Geburt Christi, war nach Matthäus ein interkulturelles Fest, bei dem sich die angehörigen fremder Völker nach mühsamer, kostspieliger Reise einfanden, um zu gratulieren. Sie brachten Geschenke mit, die dem Kind gegenüber ihre hohe Wertschätzung unterstrichen.

 

Die Bedeutung der Magier bei Matthäus

 

Dem Autor des Matthäus-Evangeliums war der Titel Μάγοι wichtig: Auf diese Weise bezeugen angesehene Wissenschaftler und Priester, in allen Dingen gebildete und kompetente Menschen, den Königsanspruch Jesu, und gerade. nicht irgendwelche Könige, deren Kompetenz fraglich erscheinen könnte (siehe die Akzeptanz des Herodes im Volk, siehe die Akzeptanz des römischen Kaisers als Besatzungsmacht in Israel).

 

Was die Frage angeht, warum nicht jüdische Schriftgelehrte und die Pharisäer zur Geburtsstätte geeilt waren, deren Tempel unweit des Geburtsorts stand, die ohne Aufwand hätten kommen können, und die sehr wohl wussten, was der Stern bedeutete (→Mt 2,7), so finden wir die Antwort wohl im Jesus-Wort beim selben Autor: »Ein Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterland und in seinem Hause« (→Mt 13,57).

 

So bezeugen die Bürger und Priester fremder Länder an Stelle der jüdischen Gelehrten Jesus als den König Israels.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

weiſen

weisen (Verb, veraltet)

lehren, belehren

anweisen, hinweisen, aufweisen, erweisen, beweisen

 

→Ps 2,10

 

So laſſt euch nu weiſen jr Könige

 

So lasst euch belehren, ihr Könige!

 

Könige, die höchsten Entscheidungsträger im Staat, erklären i. d. R. ihre Entscheidungen als gottgegeben, als un­be­zweifel­bar und als weise. Sie geben die Anweisungen. Dieser Spruch verlangt von ihnen, sich eines Besseren belehren und sich selbst anweisen zu lassen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

die Weiſen vom Morgenland

die Weisen aus dem Morgenland

der Weise: Mensch, der klug und gebildet ist.

 

das Morgenland: Land im Osten Israels (in der Richtung, in der die morgens die Sonne aufgeht), der Orient

 

→Mt 2,1

 

Sihe / da kamen die Weiſen vom Morgenland gen Jeruſalem

 

Siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland nach Jerusalem

 

Luther erklärt in seinem Scholion zu →Mt 2,1, dass das griechische Wort Μάγοσ (Magos, wörtlich »Magier«) ein Titel für Wissenschaftler (Astrologen, Astronomen, Naturkundler) und Priester (theologisch gebildete Personen) sei:

 

Die S. Mattheus Magos nennet / ſind Naturkündige vnd Prieſter geweſen.

 

Tatsächlich ist nach dem Stand der heutigen Forschung der Begriff Μάγοσ ein persischer und babylonischer Titel, der Gelehrte und Priester bezeichnet, die sich auf Stern- und Traumdeutung sowie anderer »geheimer« Künste verstanden.

 

Die Magier im Matthäus-Evangelium

 

Wir wissen nicht viel über sie, doch festzuhalten ist, dass es sich bei den »Magiern« im Matthäus-Evangelium um Personen handelt, die einer fremden Kultur angehörten, die in fremden Sprachen redeten, die fremde Religionen ausübten und die mit Sicherheit (als Priester) fremden Göttern dienten bzw. theologisch gebildet waren.

 

Aus jüdischer Sicht waren die Magier also »Heiden« (angehörige fremder Völker mit fremden Religionen). Aus politischer Sicht waren es Ausländer, aus gesellschaftspolitischer Sicht waren es Vertreter der gebildeten Oberklasse, nicht jedoch Könige.

 

Festzuhalten ist, dass sie »vom Morgenland« anreisten, einem (nicht näher bestimmten) Land östlich von Israel, in der Richtung gelegen, in der morgens die Sonne aufgeht: aus dem Orient.

 

Festzuhalten ist zudem, dass Matthäus keine Zahl nennt: Es ist unbekannt, wie viele es waren. Aus dem Plural ergibt sich nur: Es waren mindestens zwei. Allerdings dürfen wir davon ausgehen, dass es sich um mehrere Personen handelte, die von weiteren Personen begleitet wurden, was bei langen beschwerlichen Reisen selbstverständlich war.

 

In der katholischen Tradition avancierten die Weisen aus dem Morgenland zu den »Heiligen Drei Königen«. Doch ist weder die Dreizahl belegt, noch handelte es sich um Könige, noch stehen sie in irgendeiner definierten Beziehung zum Judentum oder zum Christentum.

 

Die Beziehungen, die sich aus der Erzählung des Matthäus ergeben, sind einerseits die Suche nach dem neuen König der Juden (→Mt 2,2), der sich aus ihrer Motivation ergibt, zu sehen, wohin sie ihre Sterndeutung führen wird, und anderseits das Traumerlebnis, in dem nun der jüdische Gott eingriff und ihnen befahl, nicht zu Herodes zurück zu kehren (→Mt 2,12). Wie dieses Traumerlebnis (ein für die Weisen fremder Gott gibt Anweisungen) konkret verlaufen ist, und wie es bekannt werden konnte, bleibt rätselhaft.

 

Weihnachten, ein interkulturelles Fest

 

Das Missverständnis, das sich im Glauben an die Heiligen Drei Könige ausdrückt, findet seine Höhepunkte immer dann, wenn die Weisen aus dem Morgenland als drei christliche (heilige) Könige interpretiert werden, und dabei geflissentlich die Nachkommen der Völker, denen sie angehörten, von »unserem« Weihnachtsfest und von unserem christlichen Verständnis ausgrenzt werden.

 

Das erste Weihnachtsfest, die Geburt Christi, war nach Matthäus ein interkulturelles Fest, bei dem sich die angehörigen fremder Völker nach mühsamer, kostspieliger Reise einfanden, um zu gratulieren. Sie brachten Geschenke mit, die dem Kind gegenüber ihre hohe Wertschätzung unterstrichen.

 

Die Bedeutung der Magier bei Matthäus

 

Dem Autor des Matthäus-Evangeliums war der Titel Μάγοι wichtig: Auf diese Weise bezeugen angesehene Wissenschaftler und Priester, in allen Dingen gebildete und kompetente Menschen, den Königsanspruch Jesu, und gerade. nicht irgendwelche Könige, deren Kompetenz fraglich erscheinen könnte (siehe die Akzeptanz des Herodes im Volk, siehe die Akzeptanz des römischen Kaisers als Besatzungsmacht in Israel).

 

Was die Frage angeht, warum nicht jüdische Schriftgelehrte und die Pharisäer zur Geburtsstätte geeilt waren, deren Tempel unweit des Geburtsorts stand, die ohne Aufwand hätten kommen können, und die sehr wohl wussten, was der Stern bedeutete (Mt,2,7), so finden wir die Antwort wohl im Jesus-Wort beim selben Autor: »Ein Prophet gilt nirgends weniger denn in seinem Vaterland und in seinem Hause« (Mt 13,57).

 

So bezeugen die Bürger und Priester fremder Länder an Stelle der jüdischen Gelehrten Jesus als den König Israels.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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weiſſeſtu

weißt du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von wissen (Verb)

 

Präsens:

weiſſeſtu: weißt du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

weiſſeſtu: weißt du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Ps 40,10

 

Jch wil mir meinen Mund nicht ſtopffen laſſen / HERR / das weiſſeſtu.

 

Ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen! HERR, das weist du (doch)!

 

→Ps 139,2

 

Ich ſitze oder ſtehe auff ſo weiſſeſtu es.

 

Ich sitze oder stehe auf: Du weißt es, es entgeht Dir nicht!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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weiſtu

weißt du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von wissen (Verb)

 

Präsens:

weiſtu: weißt du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

weiſtu: weißt du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Spr 30,4

 

Weiſtu das?

 

(nachrücklich:) Weißt Du das?!

 

 

 

SK Version 03.03.2019  

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welben

wölben (Verb)

bogenförmig decken, gewölbeartig bedecken, in der Form eines Gewölbes herstellen,

bogenförmig krümmen, gewölbeartig krümmen,

sich bogenförmig ausbreiten

 

→Ps 104,3

 

Du breiteſt aus den Himel / wie einen Teppich. Du welbeſt es oben mit Waſſer.

 

a) Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich. Du wölbst es oben mit Wasser.

b) Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich, wie ein Gewölbe aus Wasser.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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welſch

welsch (Adjektiv; veraltet)

wälsch (Adjektiv; veraltet)

abgeleitet vom Volksnamen Wahle (volkstümlicher Name, den der Germane seinem südlichen und westlichen Nachbarn gegeben hat: Romane, Italiener, Franzose. Das Wort bezeichnet allerdings ursprünglich den Kelten und geht auf den keltischen Volksstamm der Volcae zurück).

 

bedeutet: romanisch, italienisch, französisch.

 

Substantiviert gebraucht:

 

→Apg 10,1

 

ES war aber ein Man zu Ceſarien / mit namen Cornelius / ein Heubtman von der ſchar / die da heiſſt / die Welſche

 

Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der Schar, die »die Italienische« genannt wurde.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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werd

 

werder

wert (Adjektiv)

alte Komparativbildung: werder, »werter [sein oder halten]«, mehr wert, wertvoller

alte Superlativbildung: am werdesten, der werdeste

 

1) angesehen sein, geschätz sein, Bedeutung haben, Geltung besitzen

2) etwas oder jemand schätzen

3) von Dingen: eine hohe oder bestimmte Kaufkraft besitzen (etwas besitzt Wert, ist wertvoll)

4) von Dingen: eine gewisse Seltenheit bei hohem Ansehen besitzen (etwas ist viel wert, weil es selten ist und nachgefragt ist, z. B. Gold)

 

 

Verwendung im Komparativ:

 

→Jes 13,12

 

Das ein Man theurer ſein ſol denn fein Gold / vnd ein Menſch werder denn golds ſtücke aus Ophir.

 

das ein Mann kostbarer sein soll als feinstes Gold, und ein Mensch wertvoller als Goldstücke aus Ofir.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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weren

wehren (Verb)

schließen, durch verschließen schützen, bedecken

(ab-)wehren, verweren

 

Verwendung in der Lutherbibel 1545

 

Luther schreibt das Wort »wehren« (abwehren) immer ohne »h«: weren.

 

Das Wort wehren, das »→währen« (andauern; sieh dort) bedeutet, kommt in beiden Schreibweisen vor: wehren oder weren.

 

→Ps 119,101

 

Jch were meinem fus alle böſe wege

 

Ich verwehre meinem Fuß alle bösen Wege.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Weſſcher

Wäscher, der

Nomen Agentis zu waschen

 

a) im eigentlichen Sinn: jemand der Wäsche wäscht

b) übetragen: kurzer, heftiger Regenguss

c) übertragen: Schwätzer, Plauderer (in diesem Sinn veraltet)

 

Luther nutzte den Begriff in der Bedeutung Schwätzer gern.

 

 

→Hiob 11,2-3

 

Mus denn ein Weſſcher jmer recht haben? Müſſen die Leute deinem groſſen ſchwetzen ſchweigen /

 

a) Muss denn ein Schwätzer immer recht haben? Müssen die Leute wegen deines Schwätzens schweigen?

 

b) Hat denn jemand, der viel redet, schon deshalb recht? Müssen die Leute dein Geschwätz schweigend ertragen?

 

 

 

SK Version 17.03.2019  

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widerumb

wiederum (Adverb)

auch: widerum

zurück, abermals, hingegen, umgekehrt

 

→Lk 2,20

 

die Hirten kehreten widerumb

 

die Hirten kehrten um (bzw.: zurück)

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Widerwertige

Widerwärtige, der

Substantivierung des Adjektivs widerwärtig

 

In der substantivierten Form bezeichnet das Wort speziell im 16. und 17. Jahrhundert den Gegner, den Feind und den Widersacher.

 

→Ps 81,15

 

So wolt ich jre Feinde bald dempffen / Vnd meine Hand vber jre Widerwertige wenden.

 

So wollte ich recht bald ihre Feinde demütigen, und meine Hand gegen ihre Widersacher wenden.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Widwe

Witwe, die

Verheiratete Frau, deren Ehemann gestorben ist

 

→Ps 78,64

 

Jre Prieſter fielen durchs Schwert / Vnd waren keine Widwen / die da weinen ſolten

 

a) Ihre Priester fielen durch das Schwert. Und es gab keine Witwen, die darüber weinten.

b) Ihre Priester fielen durch das Schwert. Und die Witwen weinten nicht.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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wilfertig

willfertig (Adjektiv; veraltet)

willfährtig(Adjektiv; veraltet)

willfährig (Adjektiv)

meint: willig, bereit, freundlich, gefällig

 

→Mt 5,25

 

Sey wilfertig deinem Widerſacher bald

 

Luther erklärt in den Begriff im Scholion:

 

(Wilfertig) Gleich wie der ſchüldig iſt zuuer­ſünen / der dem andern leide gethan hat. Alſo iſt der ſchüldig zuuerge­ben vnd gutwillig zu ſein / dem leid geſchehen iſt / das kein zorn bleibe auff beiden ſeiten.

 

 

Heute wird willfährig oft abwertend gebraucht: gedankenlos oder würdelos den Absichten anderer dienen oder folgen. Die ursprünglich bewusst freundliche Haltung ist im Wortsinn verlorengegangen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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wiltu

willst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von wollen (Verb)

 

Präsens:

wiltu: willst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

wiltu: willst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 13,2

 

wie lang wiltu mein ſo gar vergeſſen?

 

Wie lange willst du mich noch so ganz vergessen?!

 

 

SK Version 03.03.2019  

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Windwirbel

 

Windwürbel

Windwirbel, der (veraltet)

Wirbelwind

Windhose

Sturm

Orkan

 

Luther benutzt beide Formen, sowohl Windwirbel wie auch Windwürbel.

 

Anm.: Die Schreibweise Windwürdel (mit "d" statt "b") in Jes 29,6 scheint ein Druckfehler zu sein und ist nach Windwürbel zu korrigieren.

 

 

→Jes 29,6

 

Mit Druckfehler Windwürdel:

 

Denn du wirſt vom HERRN Zebaoth heimgeſucht werden mit wetter vnd Erdbeben vnd groſſem Donner mit Windwürdel vnd vngewitter /

 

Dann wirst Du vom HERRN Zebaot heimgesucht werden mit (stürmischem) Wetter, mit Erdbeben, mit schwerem Donner, mit Wirbelwinden und Gewitter.

 

→Jes 40,24

 

In der Variante Windwirbel:

 

Das ſie / wo ein Wind vnter ſie wehet / verdorren / vnd ſie ein Windwirbel wie Stoppeln wegfüret.

 

→Mk 4,37

 

In der Variante Windwürbel:

 

Vnd es erhub ſich ein groſſer Windwürbel / vnd warff die Wellen in das ſchiff /

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wirde

Würde, die

Rang, Stand

Ansehen, Geltung (in Amt und Würden, Gut und Ehre)

 

→Ps 49,21

 

Wenn ein Menſch in der wirde iſt / vnd hat keinen verſtand: Wenn ein Mensch von hohem Rang ist (hohes Ansehen genießt) und (dennoch) keinen Verstand hat.

 

Aus dem Scholion zu →Ps 49,13

 

Luther: (Wirde) / Das iſt / gut vnd ehre.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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wirſtu

wirst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von werden (Verb)

 

Präsens:

wirſtu: wirst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

wirſtu: wirst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Ps 8,6

 

Du wirſt jn laſſen eine kleine zeit von Gott verlaſſen ſein / Aber mit ehren vnd ſchmuck wirstu jn krönen.

 

Du wirst ihn kurze Zeit von Gott verlassen sein, doch dann krönst du ihn mit Ehren und Schmuck!

 

 

SK Version 03.03.2019  

→Register

wiſpeln

wispeln (Verb)

 

wispern (Verb)

wiſpeln
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Die beiden noch heute gebräuchlichen Formen wispeln und wispern beschreiben gleichwertig eine Art von Geräuschen, verursacht von Tieren (Stimme, Atem), Pflanzen (Wind im Geäst und in den Blättern) und Menschen (Stimme).

In der Lutherbibel von 1545 gibt es nur die Form wispeln.

 

Solche Geräusche, die durch die menschliche Sprache verursacht werden, sind (u. a.):

 

a) zischen, pfeiffen, stottern;

b) leises, flüsterndes, kaum verständliches Sprechen (eines Einzelnen oder einer Gruppe)

 

→Jes 29,4

 

Als denn ſoltu genidriget werden vnd aus der Erden reden / vnd aus dem ſtaube mit deiner Rede mummeln / Das deine ſtimme ſey / wie eins Zeuberers aus der Erden / vnd deine rede aus dem ſtaube wiſpele.

 

Und dann wirst Du ganz bestimmt erniedrigt werden. Du wirst aus der Erde heraus reden, und aus dem Staub stammeln. Deine Stimme wird sein wie die eines Zauberers aus der Tiefe der Erde, und deine Rede wird sich wie Wispern im Staub anhören.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Wolfart

Wohlfahrt, die

das Wohlergehen

Zustand, in dem es jemandem gut geht, wohl geht

 

→Ps 106,5

 

Das wir ſehen mügen die Wolfart deiner Auſſweleten / vnd vns frewen / das deinem Volck wolgehet

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wol­ge­fallen

Wohlgefallen, das

wolgefallen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
43 20 4 19

die innere Freude, verbunden mit Zufriedenheit und einem Glücksgefühl in Bezug auf eine Person, eine Sache oder ein Ereignis.

 

Luther erklärt das Wort Wolgefallen in seinem

Scholion zu →Lk 2,14:

 

Luther: (Wolgefallen) Das die menſchen dauon luſt vnd liebe haben werden / gegen Gott vnd vnternander. Vnd daſſelb mit danck annemen / vnd darüber alles mit freuden laſſen vnd leiden.

 

Für Luther ist Wohlgefallen das sehr starke Gefühl von Lust und Liebe, sowohl gegenüber Gott wie auch untereinander.

 

Dieses Gefühl ermöglicht es, alles dankbar anzunehmen, alles mit Freuden über sich ergehen zu lassen und alles mit Freuden zu ertragen, was das Schicksal einem entgegenwirft und aufbürdet.

 

Für Luther wird die Geburt Christi in der Verkündigung der Engel zum tragenden Motiv dafür, das Leben auszuhalten, selbst in größter Not und Ungewissheit.

 

Das bekannste Bibelstelle, in der das Wort Wohlgefallen vorkommt, ist Weihnachtsgeschichte:

 

→Lk 2,13-14:

 

13Vnd als bald ward da bey dem Engel die menge der himeliſchen Herrſcharen / die lobten Gott / vnd ſprachen / 14Ehre ſey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menſchen ein wolgefallen.

 

 

SK Version 31.01.2019  

→Register

wolteſtu

wolltest du (Verb)

wolteſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
22 19 2 1

2. Person Singular Indikativ Aktiv von wollen (Verb)

 

Präteritum:

wolteſtu: wolltest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

wolteſtu: wolltest du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 5,4

 

HERR früe wolteſtu meine ſtim hören

 

HERR, am Morgen hast Du mein Gebet erwartet!

 

→Ps 31,4

 

Vnd vmb deines Namens willen wolteſtu mich leiten vnd füren.

 

Um Deines Namens willen wolltest Du mich <doch> leiten und führen!

 

 

SK Version 03.03.2019  

→Register

worffen

werfen (Verb)

mhd: worfen, wurfen

a) eigentliche Bedeutung: Getreide mit der Wurfschaufel (von der Spreu) reinigen

b) schwache Verbalbildung zum Substantiv »Wurf«

 

→Jes 27,12

 

ZV der zeit wird der HERR worffen /

 

Luther erklärt dazu in seinem Scholion zu Jes 27,12:

 

(Worffen) Wie man in der Ten­nen das Korn worf­fet.

 

(Siehe oben, eigentliche Bedeutung)

 

Die sinngemäße Übertragung in unsere Zeit könnte daher lauten:

 

Zu der Zeit wird der HERR die Spreu vom Weizen trennen

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wünderbarlich

 

wunderbarlich

wunderbarlich (Adjektiv, veraltet)

 

wunderbar (Adjektiv)

wunderbarlich ist das selbe wie wunderbar, jedoch war es zu Luthers Zeiten bis in das 17. Jahrhundert hinein die bevorzugte Form.

 

Luther benutzt die Schreibweisen ohne und mit Umlaut »ü«: wunderbarlich und wünderbarlich.

 

→Ps 139,14

 

Ich dancke dir darüber / das ich wünderbarlich gemacht bin / Wünderbarlich ſind deine Wercke.

 

Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar gemacht bin! Wunderbar sind deine Werke!

 

→Ps 99,3

 

MAn dancke deinem groſſen vnd wunderbarlichem Namen / Der da heilig iſt.

 

Man danke deinem großen, wunderbaren Namen, der heilig ist.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

wünderlich

wunderlich (Adjektiv, veraltet)

 

eigentlich: Verwunderung, Staunen erregen

 

Luther verwendet es zumeist in der Bedeutung:

 

verwunderlich, seltsam, sonderbar

 

 

→Jes 29,14

 

So wil ich auch mit dieſem Volck wünderlich vmbgehen / auffs wünderlichſt vnd ſeltzamſt /

 

So will ich auch mit diesem Volk verwunderlich umgehen, ja, auf das Sonderbarste und Seltsamste

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

würdeſtu

würdest du (Verb)

2. Person Singular Konjunktiv Aktiv von werden (Verb)

 

Präsens: du werdest

Präteritum: du würdest

Futur I, Konjunktiv II: du würdest (werden)

 

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Hiob 11,16

 

Denn würdeſtu der mühe vergeſſen /

 

Dann würdest Du alle Mühe vergessen.

 

 

 

SK Version 17.03.2019  

→Register

X

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

X

X (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

X

x

Beschreibung

X x

reguläre Schrifttype für einfachen Text

X x

Schrifttype für Auszeichnungen

X x

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

 

Hinweis:

 

Der Großbuchstabe X kommt in der Lutherbibel von 1545 nur im Wort Xerxes vor, verwendet in Luthers Vorrede zum Buch des Propheten Daniel.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Y

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

Y

Y (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

Y

y

Beschreibung

  y

reguläre Schrifttype für einfachen Text

  y

Schrifttype für Auszeichnungen

  y

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

  y

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

Hinweis:

 

Der Großbuchstabe Y kommt in der Lutherbibel von 1545 nicht vor.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

yrſal

 

irrsal

Irrsal, der, die, das (veraltet)

 

ahd, mhd: irresal

Yrſal
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Zustand menschlichen Irrens in faktischer oder moralischer Weise

 

1) Umherschweifen, Irrfahrt

2) Verirrung, Abweichung vom rechten Weg, Irrweg

3) Abweichung vom rechten Glauben

4) Störung, Verwirrung

 

Die Schreibweise irrsal findet sich bei Luther, jedoch nicht in der Lutherbibel von 1545.

 

→Jes 32,6

 

Denn ein Narr redet von narrheit / vnd ſein hertz gehet mit vnglück vmb / das er Heucheley anrichte / vnd predige vom HERRN yrſal /

 

a) Denn ein Narr redet von Narrheit und sein Herz geht mit Unglück um, damit er Heuchelei anrichte und Irrsal predige vom Herrn.

b) Denn ein Narr redet Narrheit und sein Herz sinnt auf Unheil, damit er Heuchelei verursache und Irrwege predige über den Herrn.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Z

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

Z

Z (Buchstabe)

In unseren Texten kommen folgende Formen vor:

 

Z

z

tz

Beschreibung

Z z tz

reguläre Schrifttype für einfachen Text

Z z tz

Schrifttype für Auszeichnungen

Z z  

Schrifttype für Überschriften, Schmuckschrift

Z z  

Schrifttype für Unterschriften und Anmerkungen, Schmuckschrift

 

Die Ligatur tz

 

Der Kleinbuchstabe »z« verschmilzt mit dem Buchstaben »t« zur Ligatur tz. In der Ligatur unterscheidet sich inbesondere die Form des »z« vom alleinstehenden Buchstaben »z«.

 

Die Ligatur tz ist (wenn im Zeichensatz vorhanden) in der Frakturschrift immer dann zwingend, wenn es sich um ein echtes »tz« handelt. Sie darf dagegen nicht erscheinen wenn »t« und »z« zu zwei getrennten Wortbestandteilen eines zusammengesetztes Wortes gehören.

 

Beispiele mit Ligatur:
Geſetz, ſitzen, pfetzen, ſeltzam, entzünden

 

Beispiele ohne Ligatur:
Rüſt‌zeug, Feſt‌zelt, Blatt‌zählung

 

Die Schmuckschrift für Überschriften kennt die Ligatur »tz« nicht.

 

© Die bei Stilkunst.de verwendeten Zeichensätze wurden nach Drucken der Lutherbibel von 1545 neu entwickelt und werden weiter an die von Drucker Hans Lufft verwendeten Typen angepasst.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Zacharias

Zacharias (Name)

Nach →Lk 1:

 

Zacharias war Priester in Jerusalem und übte sein Priesteramt im Tempel aus. Er war der Ehemann von Elisabeth und Vater von Johannes, der später »der Täufer« genannt wurde.

 

Durch die enge Verknüpfung der beiden Geburtsgeschichten von Johannes und Jesus in Lk 1 übernimmt Zacharias eine wichtige Rolle als Zeuge dafür, dass Jesus der erwartete Messias ist. Seinen Höhepunkt findet das Zeugnis des Zacharias in seinem Gebet (→Lk 1,68-79), das als »Lobgesang des Zacharias« bzw. als »Benedictus« bekannt geworden ist.

 

 

SK Version 31.01.2018  

→Register

Zalmuna

Zalmunna (Name)

Zalmunna war ein König von Midian, dessen Streitkräfte und Verbündete sieben Jahre lang Israel bedrückten.

 

 

SK Version 04.08.2017  

→Register

Zan
Zeene

Zahn, der

Zan
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
9 7 0 2

Plural: →Zeene (siehe dort)

 

→2Mos 21,24

 

Auge vmb auge / Zan vmb zan / Hand vmb hand / Fus vmb fus / 25Brand vmb brand / Wund vmb wunde / Beule vmb beule.

 

Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule.

 

 

→Spr 25,19

 

Die hoffnung des Verachters zur zeit der not / Jſt wie ein fauler Zan vnd gleitender fus.

 

Die Hoffnung des Verächters in Zeiten der Not ist wie ein fauler Zan und ein steifer Fuß.

 

 

→Mt 5,38

 

IR habt gehört / das da geſagt iſt / Auge vmb auge / Zan vmb zan.

 

Ihr habt gehört, das da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

 

 

 

 

SK Version 24.03.2019  

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zeubern

 

zaubern

zaubern (Verb)

Luther benutzt beide Formen, zeubern wie auch zaubern.

 

a) die Zauberei, das Zauberwerk, die Zauberkunst betreiben

b) die Anwendung der Zauberkunst und die Entfaltung ihrer Wirkung als Einheit

c) durch Zauberei bewirken, hervorbringen

 

A) In der Variante zaubern

 

Verweis2Chr 33,6

 

Vnd er lies ſeine Söne durchs fewr gehen / im tal des ſons Hinnom / Vnd welet tage vnd achtet auff Vogel geſchrey / vnd zauberte / vnd ſstifftet Warſager vnd Zeichen deuter / vnd thet viel / das dem HERRN vbel gefiel / jn zu erzürnen.

 

als substantivierter Infinitiv:

 

VerweisWeish 12,4

 

darumb / das ſie feindſelige werck begiengen / mit zaubern /

 

B) In der Variante zeubern

 

als substantivierter Infinitiv:

 

Verweis2Kon 17,17

 

vnd lieſſen jre Söne vnd Töchter durchs fewr gehen / vnd giengen mit weiſſagen vnd zeubern vmb / vnd vbergaben ſich zu thun das dem HERRN vbel gefiel jn zu erzürnen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Zaum

Zaum, der

Plural: die Zäume (Zeum)

 

das Zaumzeug

 

Ledergeschirr für den Kopf von Reit- und Lasttieren.

 

→Ps 32,9

 

Welchen man Zeum vnd Gebis mus ins Maul legen

 

a) Denen man Zaumzeug und Kandare ins Maul legen muss.

b) Die mit Zaumzeug und Kandare gebändigt werden müssen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Zebaoth

HERR Zebaoth

Zebaot

 

HERR Zebaot

Das hebräische Wort Zebaot (צבאות) meint »Heere« oder »Heerscharen« und ist ein Attribut zum Gottesnamen JHWH (יהוה). Es beschreibt Gott entweder als denjenigen, der über der Armee seines Volkes steht, oder als Anführer einer Armee der Engel, als denjenigen, »der über den Cherubim thront« (2Sam 6,2; Jes 37,16).

 

HERR Zebaot

 

Martin Luther übersetzt JHWH Zebaot mit »HERR Zebaoth«, wobei die in Versalien gesetzte, deutsche Bezeichnung »HERR« angibt, dass sich dahinter das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH«, der unaussprechliche Name Gottes, verbirgt.

 

Martin Luther belässt Zebaot unübersetzt und gibt dem Wort damit die Bedeutung eines Namensteils, ohne seinen Sinn aufzulösen oder zu werten. Hier steht Zebaoth wie ein Beiname, wie ein Ehrentitel und als Insigne seiner Macht. Diese Wiedergabe wurde in der Lutherbibel bis in die heutige Zeit beibehalten.

 

Andere moderne Übersetzungen schreiben beispielsweise »Herr der Heere« (Einheitsübersetzung), »Jehova der Heerscharen« (Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas), »Herr der Heerscharen« (Elberfelder Bibel) oder »Jahwe Zebaot «(Herder-Bibel, 1968).

 

 

SK Version 21.01.2019  

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Zeboim

Zeboim (Stadt)

Stadt der Kanaaniter, gelegen in der Nähe von Sodom und Gomorra. Die genaue Lage ist unbekannt.

 

Zeboim ist nach 1Sam 13,18 auch der Name eines Tals.

 

Zeboim
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
6* 6 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Der Name taucht erstmals in einer Städteliste auf, die in →1Mos 10,18-19 das Land des von Kanaan abstammenden Stammes benennt:

 

18bDa her ſind ausgebreitet die Geſchlecht der Cananiter. 19Vnd jre Grentze waren von Zidon an / durch Gerar / bis gen Gaſa / bis man kompt gen Sodoma / Gomorra / Adama / Zeboim / vnd bis gen Laſa.

 

In →1Mos 14,2 erscheint eine weitere Liste, die fünf Städte mit ihren Königen benennt:

 

2Das ſie kriegten mit Bera dem könige von Sodom / vnd mit Birſa dem könige von Gomorra / vnd mit Sineab dem könige von Adama / vnd mit Semeber dem könige von Zeboim / vnd mit dem könige von Bela / die heiſſt Zoar.

 

Die Liste wird in →1Mos 14,8 wiederholt::

 

8Da zogen aus der könig von Sodom / der könig von Gomorra / der könig von Adama / der könig von Zeboim / vnd der könig von Bela / die Zoar heiſſt / vnd rüſten ſich zu ſtreiten / im tal Siddim /

 

In →1Mos 19,24-25 wird über die Zerstörung Sodoms und Gommaras berichtet:

 

24DA lies der HERR Schwebel vnd Fewr regenen von dem HERRN vom Himel erab / auff Sodom vnd Gomorra / 25vnd keret die Stedte vmb / die gantze gegend / vnd alle Einwoner der ſtedte / vnd was auff dem Lande gewachſen war.

 

Etliche Kommentatoren gehen daher davon aus, dass es neben Sodom und Gomorra drei weitere Städte waren, die während dieser Katastrophe vernichtet wurden, insgesamt also fünft Städte, wie sie in 1Mos 14,2 und und 1Mos 14,8 benannt sind:

 

  • Sodoma
  • Gomorra
  • Adama
  • Zeboim
  • Bela (Zoar)

 

Sie werden daher auch »die fünf Städte der Ebene von Sodom« genannt, die nach 1Mos 19 Gottes Zorn traf.

 

Allerdings werden in Verweis5Mos 29,23 nur vier zerstörte Städte aufgezählt, Bela (Zoar) ist nicht darunter:

 

23Gleich wie Sodom / Gomorra / Adama vnd Zeboim vmbgekeret ſind / die der HERR in ſeinem zorn vnd grim vmbgekeret hat /

 

 

Weitere Vorkommen von Zeboim:

 

 

Verweis1Sam 13,18

 

Der dritte wand ſich auff die ſtraſſe / die da langet an das tal Zeboim /

 

 

→Hos 11,8

 

Was ſol ich aus dir machen Ephraim? ſol ich dich ſchützen Iſrael? Sol ich nicht billich ein Adama aus dir machen / vnd dich / wie Zeboim / zurichten? Aber mein Hertz iſt anders ſinnes / meine Barmhertzigkeit iſt zu brünſtig /

 

 

 

SK Version 21.03.2019  

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zebrechen

zerbrechen (Verb)

auch: →zubrechen (Verb)

 

etwas vollständig, gänzlich brechen

 

1) Gegenstände, Gerätschaften: in Stücke brechen

2) Speisen (wie z. B. Brot): brechen

3) Steine, Erze: in Stücke brechen, zerstoßen

4) Gebäude, Bauten, Anlagen: niederreißen, einreißen, zum Einsturz bringen

5) Körper und Glieder von Menschen oder Tieren: in Stücke teilen

5) Menschlicher Geist, Wille: den Willen brechen

 

 

Die Vorsile »ze-«

 

Bei der Vorsilbe »ze-« (ohne »r«) handelt es sich um eine mit­tel­hoch­deut­sche Form neben »zer-«, die später ver­lo­ren ge­gan­gen ist, bzw. als Kom­po­si­tum mit be­stimmten Ver­ben nicht mehr ge­bräuch­lich war.

 

Der übergeordete Sinn der Vorsilbe in Komposita mit Verben deu­tet in die Rich­tung etwas um­fas­send, voll­stän­dig, gänz­lich, grund­legend tren­nen, spal­ten, ab­son­dern, schei­den, usw,

 

 

→Ps 28,5

 

Denn ſie wöllen nicht achten auff das Thun des HERRN / noch auff die werck ſeiner Hende / Darumb wird er ſie zebrechen vnd nicht bawen.

 

Denn sie wollen weder die Taten des HERRN respektieren noch die Werke seiner Hände. Deshalb wird er sie [ihren Geist, ihre Absichten] brechen und nicht aufbauen [gedeihen lassen, bestärken, fördern].

 

 

SK Version 17.03.2019  

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Zeene
Zan

Zähne, die

Zeene
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
37 31 4 2

Plural von →Zan (Zahn, der; siehe dort)

 

→Ps 3,8

 

Denn du ſchlegſt alle meine Feinde auff den backen / vnd zerſchmetterſt der Gottloſen zeene.

 

 

SK Version 24.03.2019  

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zenckiſſch

 

zenckiſch

zänkisch (Adjektiv)

zu Zank und Streit veranlagt

 

Mit »s« und »sch«: zenckiſſch

 

→Ps 18,44

 

Du hilffſt mir von dem zenckiſſchen Volck

 

Du hilfst mir vor dem zänkischen Volk

 

Nur mit »sch«: zenckiſch

 

→Ps 31,21

 

Du verdeckeſt ſie in der Hütten / fur den zenckiſchen Zungen.

 

Du verbirgst sie in der Hütte vor den zänkischen Zungen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zeplagen

zerplagen (Verb; veraltet)

Kompositum zu plagen (Verb)

 

Den Geist oder Körper mit Plagen völlig, gänzlich auseinander bringen, schädigen.

 

a) mit schwerer Plage heimsuchen

b) sehr quälen

 

 

Die Vorsile »ze-«

 

Bei der Vorsilbe »ze-« (ohne »r«) handelt es sich um eine mit­tel­hoch­deut­sche Form neben »zer-«, die später ver­lo­ren ge­gan­gen ist, bzw. als Kom­po­si­tum mit be­stimmten Ver­ben nicht mehr ge­bräuch­lich war.

 

Der übergeordete Sinn der Vorsilbe in Komposita mit Verben deu­tet in die Rich­tung etwas um­fas­send, voll­stän­dig, gänz­lich, grund­legend tren­nen, spal­ten, ab­son­dern, schei­den, usw,

 

Die Lutherbibel von 1545 kennt nur das Wort zeplagen.

In der Lutherbibel von 1912 taucht zeplagen nicht mehr auf und ist durch zerplagen ersetzt.

 

 

→Hiob 10,17

 

Es zeplagt mich eins vber das ander mit hauffen.

 

a) Es quält mich eines über das andere haufenweise.

 

b) Das alles qält mich extrem!

 

 

 

SK Version 17.03.2019  

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zerſtrewen

zerstreuen (Verb)

a) streuen, auseinanderstreuen,

b) auseinandertreiben, auseinanderjagen,

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen,

d) von etwas absondern, teilen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung

zerſtrewen und →zurſstrewen.

 

→Ps 68,31

 

Er zerſtrewet die Völcker die da gern kriegen.

 

Er zerstreut die Völker, die gerne Krieg führen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zeſchlagen

zerschlagen (Verb)

identisch mit: zuſchlagen

 

1. von Gegenständen: in Stücke schlagen

2. von (menschlichen) Leibern: in Stücke hauen, zerteilen, zerschmettern

3. durch Schlagen verletzen, Wund schlagen

 

→Ps 51,10

 

Das die Gebeine frölich werden / die du zeſchlagen haſt.

 

Damit die Knochen fröhlich werden, die du zerschlagen hast.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zerſchmeiſſen

zerschmeißen (Verb)

Kompositum zu →schmeiſſen, schmeißen (Verb)

 

durch Wurf aus der Ferne, durch Niederwerfen auf den Erdboden oder durch gewaltsamen Schlag:

 

in Stücke werfen, in Stücke hauen, zerschlagen

 

zeſchmeiſſen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
6* 6 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Sämtliche Vorkommen des Verbs zeſchmeiſſen finden sich in den Psalmen.

 

Hinweis: Luther verwendet ohne Unterscheidung:

 

zerſchmeiſſen

zeſchmeiſſen

zuſchmeiſſen.

zurſchmeiſſen.

 

→Ps 2,9

 

Wie Töpffen ſoltu ſie zeſchmeiſſen.

 

Schlag sie in Stücke, als wären es Tontöpfe!

 

 

→Ps 68,22:

Aber Gott wird den Kopff ſeiner Feinde zuſchmeiſſen ſampt jrem Harſcheddel.

 

Aber Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern mitsamt ihrem Haarschopf.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zeſtoſſen

zerstoßen (Verb)

a) stoßen, in Stücke stoßen

b) zertrümmern, zermalmen

 

→Ps 44,6

 

Durch Dich wöllen wir vnſer Feinde zeſtoſſen

 

Durch dich werden wird unsere Feinde zermalmen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Zeuberer

 

Zeuberin

Zauberer, der

 

Zauberin, die

Jemand, der mit der Hilfe übernatürlicher Geister wunderbare, geheimnisvolle Dinge vollbringen kann.

Jemand, der →Zeuberey betreibt bzw.→zeubern kann.

 

 

 

→Jes 29,4

 

Das deine ſtimme ſey / wie eins Zeuberers aus der Erden /

 

Deine Stimme wird sein wie die eines Zauberers aus der Tiefe der Erde,

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

Zeuberey

Zauberei, die

a) die Tätigkeit des Zauberns (→zeubern)

b) das Zauberwerk, die Zauberkunst betreiben

c) die Anwendung der Zauberkunst und ihre Wirkung als Einheit

 

 

→Apg 8,9

 

ES war aber ein Man mit namen Simon / der zuuor in derſelbigen Stad Zeuberey treib / vnd bezauberte das Samariſche volck / vnd gab fur / Er were etwas groſſes /

 

Es gab dort aber einen Mann mit Namen Simon, der zuvor in der selben Stadt Zauberei betrieb. Er verblendete das samaritische Volk und gab vor, er wäre etwas Besonderes.

 

→Apg 8,11

 

Sie ſahen aber darumb auff jn / das er ſie lange zeit mit ſeiner Zeuberey bezaubert hatte.

 

Sie achteten ihn [nur] deshalb, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberei verzaubert hatte.

 

 

Anm.: Das Wort →bezaubern hat in Apg 8,9 und 8,11 nicht die positive Bedeutung von entzücken, angenehm beeindrucken, sondern die negative Bedeutung von verblenden, von geistig manipulieren, von geistig vereinahmen.

 

 

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zeuchen

zeuchen (Verb; veraltet)

zeucheln (Verb; veraltet)

ziehen (Verb)

ziehen (in jeglichem Sinn), zerren, raffen.

 

er zoch: er zog (3.Pers. Prä.)

 

→Ps 40,3

 

Vnd zoch mich aus der grawſamen Gruben

 

Und zog mich aus der grausamen Grube

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Zinsgroſſchen

Zinsgroschen, der

Der Zinsgroschen war als Münze, als Geldstück, zu Luthers Zeiten in Umlauf.

 

Er wurde aus einer Silberlegierung geprägt mit einem Silberanteil von gut 48% bei einem Gesamt-(Rau-)gewicht von etwa 2,66 Gramm, enthielt also knapp 1,3 Gramm reines Silber.

 

Zur Schreibweise

 

Das doppelte »s« in Luthers Wort Groſſchen enstammt der lateinischen Schreibweise GROSSVS. Das Wort ist dem Lateinischen entlehnt.

 

 
Sächsischer Zinsgroschen, geprägt um 1510
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Abbildung: Sächsischer Zinsgroschen, geprägt um 1510

Credits/Attribution: Classical Numismatic Group, Inc.
Quelle: www.wikipedia.de | Link (extern): Zinsgroschen | Lizenz CC BY-SA

In der Randprägung ist das Wort »GROSSVS« gut zu erkennen (linke Abbildung).

 

 

Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Luther benutzte das Wort auschließlich in →Mt 17,24. Hier ist allerdings nicht die Münze an sich, sondern die Steuer gemeint, die zu begleichen ist:

 

DA ſie nu gen Capernaum kamen / giengen zu Petro die den Zinsgroſſchen einamen / vnd ſprachen / Pflegt ewer Meiſter nicht den Zinsgroſſchen zu geben?

 

Im griechischen Quelltext findet sich an dieser Stelle das Wort δίδραχμον, die Doppel-Drachme. Sie steht für die Zahlung, die als Tempelsteuer zu entrichten war. Der Wert dieser Münze entsprach dem griechischen Stater, der dann weiter unten im selben Text genannt wird (→Mt 17,24):

 

Vnd den erſten Fiſch der auffer feret / den nim / vnd wenn du ſeinen Mund auffthuſt / wirſtu einen Stater finden

 

In griechischen Quelltext entsprechen sich die Werte der genannten Münzen Didrachme und Stater.

 

Anders als bei der Didrachme ersetzt Luther den griechischischen Stater nicht durch eine geläufige Münze seiner Zeit. Es gibt keine Entsprechung dafür. Vielmehr weist er in der Randnotiz darauf hin, dass der Stater dem Wert eines halben Guldens entspricht. Somit beträgt sein Wert nicht einem, sondern zehneinhalb Zinsgroschen.

 

Luther möchte demnach in Mt 17,24 das Wort »Zinsgroschen« nicht als Münze verstanden wissen, sondern als nicht näher genannten Betrag, der als Tempelsteuer zu entrichten sei. In Mt 17,27 ist dann zu lesen, dass dieser Betrag für zwei Personen (Petrus und Jesus) einen Stater, nach Luthers Rechnung einen halben Gulden, ausmachte.

 

Der Wert der Münzen zur Zeit Luthers

 

Der Wert der Münzen bemaß sich vorrangig am Anteil des Feingehalts der Edelmetalle.

 

Nach der sächsischen Münzordnung von 1500 galt:

 

1 Mark (aus Gold geprägt) = 8,53 Gulden (Silber), was der Umrechnung des Goldgewichts der Mark in das Silbergewicht der Gulden entsprach.

1 Gulden (Silber) = 21 Zinsgroschen (Silber)

1 Zinsgroschen = 12 Pfennige

1 Pfennig = 2 Heller

 

oder:

1 Mark = 8,5 Gulden = 180 Zinsgroschen = 2160 Pfennige

 

 

Umrechnung in heutige Werte

 

Zu Luthers Zeiten betrug im Schnitt der Tagelohn für einen Arbeiter 28 bis 30 Pfennige, was etwa zweieinhalb Zinsgroschen entsprach.

 

Heute (2016) beträgt der durchschnittliche Arbeitslohn aller Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr ca. 41.000 Euro. Bei etwa 252 Arbeitstagen ergibt das einen Bruttolohn von gut 162 Euro pro Arbeitstag.

 

Ohne die Kaufkraft zu berücksichtigen, nur gestützt auf das Verhältnis der ermittelten Tagelöhne für die Jahre um 1540 und für das Jahr 2016, kann der ungefähre Wert der Münzen ermittelt werden:

 

1 Heller: etwa 2,70 Euro bis 2,90 Euro

1 Pfennig: etwa 5,40 Euro bis 5,80 Euro

1 Zinsgroschen: etwa 64 Euro bis 70 Euro

1 Gulden: etwa 1.340 Euro bis 1.470 Euro

1 Mark: etwa 11.400 bis 12.600 Euro

 

Als Tempelsteuer sollte Petrus demnach einem Betrag an die Steuereintreiber abführen, der heute etwa 700 Euro ausmacht, pro Kopf etwa 350 Euro.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Zion

 

berg Zion

 

berg Gottes

 

des HERRN Berg

 

der heilige Berg

Zion, der

Berg Zion, der

Der in der Bibel genannte Berg Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Er steht als Synonym für den Wohnsitz des Gottes JHWH.

 

König David eroberte Jerusalem sowie den Berg Zion südlich der Stadt (Südosthügel) mit der Burg Zion und machte Jerusalem zu seinem Königssitz. Salomo hatte das Stadtgebiet auf den angrenzenden Nordosthügel ausgeweitet, in dem er dort (wo sich heute der Felsendom befindet) einen Tempel errichtete. Der Name Zion bezeichnet nun diesen Hügel, den Tempelberg.

 

 

Karte: Lage des Tempelbergs in Jerusalem

 

Die Bezeichnung »Zion« ist allerdings in der Bibel unterschiedlich verwendet: In der am engsten gefassten Vorstellung bezeichnet Zion den Tempelberg. Das Wort kann aber auch für ganz Jerusalem, die heilige Stadt Jahwes, stehen. An einigen Stellen in den biblischen Texten können damit auch die Bewohner Jerusalems, bzw. das gesamte Volk oder alle Städte Judäas gemeint sein.

 

Der in Jerusalem heute sogenannte »Mount Zion«, südwestlich der alten Stadtmauer gelegen, erhielt diesem Namen, nachdem der kleine Berg im Mittelalter irrtümlich als Berg Zion identifiziert wurde. Neuere Forschungen bestätigen jedoch: Er ist nicht mit dem biblischen Berg Zion identisch. Der Berg behielt aber diesen offiziellen Namen.

 

Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion
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Abbildung: Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion

Foto: 2015, © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

 

 

 

SK Version 04.08.2017  

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Zoan

Zoan (Stadt)

Tanis (Stadt)

Nach der hebräischen Bibel war Zoan eine Stadt in Ägypten,. dort gelegen im östlichen Nildelta.

 

Nach 4Mos 13,22 wurde Zoan sieben Jahre nach Hebron erbaut.

Psalm 78,12 und 43 identifizieren das »Feld von Zoan« als den Ort, wo die Plagen auftraten, die Mose dem Pharao angekündigt hatte.

Die Stadt wird daneben noch in Jes 19,11.13, Jes 30,4 und Ez 30,14 genannt.

 

Die griechische Septuaginta benutzt an allen Bibelstellen statt Zoan den Namen Tanis. Beide Namen lassen sich aus dem ägyptischen Namen ableiten (ägyptisch: Djanet or Djan; in modernem Arabisch: Tsan).

 

Tanis wurde nicht vor 1075 v.Chr. erbaut. Ältere Referenzen dieses Namens bezeichnen eine andere Stadt: in Ägypten: Avaris, die Hauptstadt der Hyksos, bzw. Pi-Ramesses, die ramessidische Hauptstadt.

 

→Ps 78,12

 

FVr jren Vetern thet er Wunder in Egyptenland / Jm felde Zoan.

 

Vor ihren Vätern tat er Wunder in Ägypten, im Felde Zoan.

 

→Ps 78,43

 

WJe er denn ſeine Zeichen in Egypten gethan hatte / Vnd ſeine Wunder im lande Zoan.

 

Wie er denn seine Zeichen in Ägypten getan hatte und seine Wunder im Lande Zoan.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zörnen

 

zürnen

zürnen (Verb)

a) der Zustand des Zorns

b) in Zorn geraten

c) heftig im Zorn handeln

d) häufig im Zusammenhang mit Gott: Gott zürnt

 

Luther verwendet die Schreibweisen zürnen und zörnen.

 

→Ps 90,11

 

Wer gleubts aber / das du ſo ſeer zörneſt?

 

Wer glaubt es aber, dass du so sehr zürnst?

 

Aus dem Scholion zu Ps 90,11:

 

Luther: (Zörneſt) Das iſt / Das ſolches dein Zorn iſt / vnd vnſer ſünde ſo gros iſt / die ſolchen zorn verdienet.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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Zor

Zor (Ortsname)

Tyros (Ortsname)

hebräische Bezeichnung für die Stadt Tyros.

lateinisch: Tyrus

 

Tyros war eine geschichtsreiche, große Hafenstadt an der Mittelmeerküste im südlichen Libanon. Als militärischer Stützpunkt und als Umschlagplatz für Waren und Güter aller Art war Tyros eine reiche und politisch bedeutsame Handelsstadt.

 

Aus dem Scholion zu →Ps 45,13:

 

Luther: (Zor) Heiſſt die ſtad Tyrus. Er nennet aber die ſtad Tyrus die zu der zeit die reichſte vnd berhümbſte ſtad war. Als ſolt er ſagen / Auch die Reichſten in der Welt werden Chriſtum ehren.

 

Luther an erklärt an anderer Stelle Name und Bedeutung in diesem Vers:

 

Die Tochter Zor wird mit Geſchenke da ſeyn

 

DAß er [der Autor des Psalm] ſpricht, die Tochter Zor iſt nach der Ebräiſchen Sprache gerdt [geredet]; er heiſſt aber die herrliche reiche Stadt alſo und zeiget damit an, wie ich oben geſagt habe, daß die Stadt Tyrus auch zu der Kirche ſoll bekehret werden und das Wort und den ſchwehren Artickel, daß Chriſtus wahrer natürlicher GOtt iſt und angebetet ſoll werden, annehmen, und den Glauben mit ihren Geſchencken und Almoſen gegen denen armen Heiligen bekennen. Du ſollst aber hier durch die Stadt Tyrus alle andere gewaltige Städte in der Welt verſtehen. Denn Tyrus iſt zu dieſer Zeit dieſes Pſalms die reichſte und berühmte Stadt geweſen; gleich als wenn ich zu unser Zeit ſagte, Venedig wird das Evangelium annehmen, und die armen geplagten Chriſten reichlich erhalten und ernähren, auf daß alſo die Zahl der Kirche groß werde.

Quelle:

Des Theuren Mannes GOttes, D. Martin Luthers Sämtliche Theils von Ihm ſelbst Deutſch verfertigte, theils aus dessen Lateiniſchen ins Deutſche überſetzte Schrifften und Wercke, Sechſter Theil, S. 164

Verlegt bei Johann Heinrich Zedler, Leipzig, 1730

 

 

SK Version 17.01.2019  

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zu ſchanden

zuschanden (Adverb)

von: die Schande, Unehre, Schimpf

 

eigentlich: zu Schanden (Substantiv, Dativ, Plural)

zur Unehre, zum Schimpf (machen, werden, gelangen, usw.)

 

in der Ehre zerstört, vernichtet, zu nichte gemacht

 

Besonders bei Luther häufig gebräuchlich:

 

zu ſchanden machen, zu ſchanden werden

 

a) zu nichte machen, zu nichte werden

b) moralisch vernichten, vernichtet werden

c) beschämen, beschämt werden

d) bloßstellen, bloßgestellt werden

 

→Ps 40,15

 

Schemen müſſen ſich vnd zu ſchanden werden / die mir nach meiner Seelen ſtehen / das ſie die vmbbringen

 

Schämen müssen sich und bloßgestellt werden, die mir nach meiner Seele trachten, um sie umzubringen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zubrechen

zerbrechen (Verb)

auch: →zebrechen (Verb)

 

u. a.:

 

1) Gegenstände, Gerätschaften: in Stücke brechen

2) Speisen (wie z. B. Brot): brechen

3) Steine, Erze: in Stücke brechen, zerstoßen

4) Gebäude, Bauten, Anlagen: niederreißen, einreißen, zum Einsturz bringen

5) Körper und Glieder von Menschen oder Tieren: in Stücke teilen

5) Menschlicher Geist, Wille: den Willen brechen

 

 

→Ps 10,15

 

Zubrich den arm des Gottloſen

 

Zerbrich den Arm der Gottlosen

 

 

SK Version 16.01.2019  

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züchtigen

züchtigen (Verb)

eigentlich: aufziehen, züchten von Pflanzen und Tieren

 

durch Zucht die Erziehung bewirken

 

a) als Maßnahme, die der sittlichen und geistigen Besserung dient

b) als Strafe im Sinne der Vergeltung

c) als körperliche Strafe durch Schläge

 

→Ps 2,10

 

laſſt euch züchtigen jr Richter auff Erden.

 

lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erden!

Im Sinne von: Lasst euch zu sittlicher und geistiger Reife führen (erziehen), ihr Richter auf Erden!

 

Üblicherweise verhängen Richter die Züchtigung als Strafe zum Zweck der Besserung. Dieser Spruch in Psalm 2,10 verlangt von ihnen, sich selbst der Züchtigung zu stellen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zumalmen

zermalmen (Verb)

eigentlich: zermahlen

 

ein gewaltsames Zerkleinern oder Zertrümmern in feine oder grobe Stücke und Brocken oder zu Staub und Brei

 

→Ps 119,20

 

Meine Seele iſt zumalmet fur verlangen

 

a) Meine Seele ist zermalmt vor Verlangen

b) Meine Seele zermürbt sich vor Verlangen

c) Meine Seele verzehrt sich vor Sehnsucht

d) Meine Seele frisst sich auf vor Sehnsucht

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zuplagen

zerplagen (Verb, veraltet)

von: plagen

 

mit schwerer Plage heimsuchen, sehr quälen

 

oft als Strafe Gottes gebraucht

 

→Ps 106,32

 

VND ſie erzürneten jn am Hadderwaſſer / Vnd ſie zuplagten den Moſe vbel.

 

Und sie erzürnten ihn am Haderwasser. Und sie setzten Moses übel zu.

 

 

SK Version 16.01.2019  

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zureiſſen

zerreißen (Verb)

 

→Ps 2,3

 

Laſſet vns zureiſſen jre Bande / Vnd von vns werffen jre Seile.

 

Lasst uns ihre Bande zerreissen und ihre Seile von uns werfen.

 

→Ps 119,126

 

Sie haben dein Geſetze zuriſſen.

 

Sie haben dein Gesetz zerrissen.

 

 

SK Version 16.01.2019  

→Register

zurgehen

zergehen (Verb)

a) auseinandergehen, auseinanderfließen, auseinanderlaufen, sich zerstreuend verschwinden (z. B. von Wasser)

b) zu Grunde gehen, untergehen, vergehen

c) von der Zeit und von Geschehnissen: ablaufen, vergehen, zu ende gehen

 

 

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zurſtrewen

 

zuſtrewen

zerstreuen (Verb)

a) streuen, auseinanderstreuen,

b) auseinandertreiben, auseinanderjagen,

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen,

d) von etwas absondern, teilen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung
zurſtrewen, zuſtrewen und →zerſstrewen.

 

zuſtrewen

 

→Ps 141,7

 

Vnſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

 

Unsere Gebeine sind zerstreut bis zum Reich der Toten.

 

Anmerkung zu Ps 141,7:

 

Luther folgt hier dem hebräischen und lateinischen Textvorlagen. Etliche moderne Übersetzungen, so auch Luther-1964 und Luther-1984, schreiben statt »Unsere Gebeine« nun »Ihre Gebeine« und stützen sich dabei auf ältere Übersetzungen.

 

Durch diese Textglättung erscheint die Aussage passend zu den in Vers 6 genannten »Lehrern«, die gestürzt werden müssten.

 

Jedoch ist zwischen den Versen 6 und 7 ein gedanklicher Absatz zu sehen, der einen Themenwechsel bedeutet. Das Thema der Lehrer ist in Vers 6 abgeschlossen.

 

In den Versen 6 bis 10 geht es nun um das Leiden und das Schicksal der Gerechten (zu denen sich der Autor des Psalms zählt), die immer wieder in die Stricke und Fallen der Übeltäter geraten.

 

Hintergrund des Bildes ist eine Kriegsszene: Die Soldaten Davids stürzen in Fallen und sterben im Kampf. Der Boden des Schlachtfelds ist aufgerissen und durchwühlt. Die toten Leiber und Knochen sind weit über die Erde verstreut, bis an den Rand der Welt, so scheint es, bis zum Beginn des Reichs der Toten. Die Schlacht endete für König David und sein Heer in einer Katastrophe, doch der nächste Angriff steht bevor.

 

Mit »Unsere Gebeine« schreibt David über seine Soldaten, die der gerechten Sache folgten, und doch in Fallen der üblen Feinde fielen. Nun bittet er Gott darum, ihn nicht zu verdammen, und darum, dass er ihn (und sein Heer) vor den Fallen der Feinde bewahren möge.

 

→Ps 92,10

 

deine Feinde werden vmbkomen / Vnd alle Vbelthetter müſſen zuſtrewet werden.

 

deine Feinde werden umkommen, und alle Übeltäter müssen zerstreut werden

 

→Apg 8,1

 

... vnd ſie zurſtreweten ſich alle in die lender Judea vnd Samaria ...

 

... und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samaria ...

 

 

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zurteilen

zerteilen (Verb)

in Stücke zerlegen, in seine Bestandteile teilen

 

→Ps 78,13

 

Er zurteilet das Meer / vnd lies ſie durch hin gehen

 

Er teilte das Meer und lies sie hindurch gehen.

 

 

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zuſcheuchen

zerzeuchen (Verb; veraltet)

a) auseinander scheuchen

b) verscheuchen

 

 

→Jes 33,4

 

wie man die Hewſchrecken auffrafft / vnd wie die Kefer zuſcheuchet werden /

 

Wie man die Heuschrecken aufsammelt, und wie die Käfer verscheucht werden

 

 

 

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zuſchlagen

 

zuſchlahen

zerschlagen (Verb)

identisch mit: zeſchlagen

 

1) von Gegenständen: in Stücke schlagen

2) von (menschlichen) Leibern: in Stücke hauen, zerteilen, zerschmettern

3) durch Schlagen verletzen, Wund schlagen

 

Die bei Luther statt »zer-« (»zerschlagen«) optional gebräuchlichen Präfixe »zu-« (zuschlahen) oder »zur-« (»zurschlahen«) zeigt die etymologische Nähe zum Wort zuschlagen (draufschlagen) an, das wie zerschlagen eine Verstärkung des Schlagens (starkes, zielgerichtetes Schlagen) meint.

 

→Ps 2,9

 

Du ſolt ſie mit einem eiſern Scepter zuſchlahen / Wie Töpffen ſoltu ſie zeſchmeiſſen

 

Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschmettern. Schlag sie in Stücke, als wären es Tontöpfe!

 

 

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zuſchlagen Hertz

gebrochenes Herz (Ausdruck)

eigentlich: zerschlagenes Herz

dafür heute üblich: gebrochenes Herz

 

 

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zuſchmeltzen

 

zurſchmeltzen

zerschmelzen (Verb)

von: schmelzen (Verb)

 

in der Hitze oder im Wasser zergehen, flüssig werden, zerfließen

 

Häufig bildhaft gebraucht: etwas verläuft, verbrennt, zergeht (usw.) als würde es es schmelzen

 

→Ps 97,5

 

Berge zuſchmeltzen wie wachs fur dem HERRN

 

Berge schmelzen wie Wachs vor dem HERRN

 

 

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zuſtören

zerstören (Verb)

a) etwas durch Stochern mit einem Werkzeug aus seinem Zusammenhang bringen

b)den Sinn, das Gemüt stören, verstören, verwirren, zerrütten

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen, vernichten, zerstören

d) Menschen zerstreuen, auseinanderjagen

 

 

 

 

→Apg 8,3

 

Saulus aber zuſtöret die Gemeine / gieng hin vnd her in die Heuſer / vnd zoch erfür Man vnd Weiber / vnd vberantwortet ſie ins Gefengnis.

 

Saulus aber vernichtete die Gemeinde: Er ging von Haus zu Haus, verhaftete Männer und Frauen und überstellte ins Gefängnis.

 

 

 

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zuſtoſſen

zerstoßen (Verb)

a) stoßen, in Stücke stoßen

b) zertrümmern, zermalmen

 

→Jes 27,9

 

Jn dem / das er alle ſteine des Altars machet / wie zuſtoſſen ſteine zu aſſchen /

 

a) In dem, dass er alle Steine des Altars macht, wie zerstoßene Steine zu Asche

b) In dem er alle Steine des Altars zerstört, gleich wie Steine zu Asche zerstoßen wird.

 

 

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zutretten

 

zutreten

zertreten (Verb)

 

→Ps 119,118

 

Du zutritteſt alle die deiner Rechte feilen

 

Du zertrittst alle, die von deiner Ordnung abirren.

 

 

→Jes 14,25

 

Das Aſſur zuſchlagen werde in meinem Lande / vnd ich jn zutrete auff meinen Bergen.

 

Dass Assur zerschlagen werde in meinem Lande, und ich ihn zertrete auf meeinen Bergen.

 

 

 

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verhelen

 

zuuerhelen

verhehlen (Verb)

 

zu verhehlen

etwas zurückhalten, jemandem etwas verschweigen, vorenthalten

 

→Jes 29,15

 

WEh / die verborgen ſein wollen fur dem HERRN / jr Furnemen zuuerhelen / vnd jr Thun im finſtern halten /

 

Wehe [denen], die verborgen sein wollen vor dem HERRN, die ihre Absichten verschweigen und ihr Tun im Finstern halten.

 

Anm: Die Zusammenziehung mit dem Präfix »zu-« führt nach den Regeln des Luther-Deutsch zur Wandlung des »v« in »verhelen« nach »u«.

 

 

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Zuuerſicht

Zuversicht, die

ursprünglich: das Voraussehen auf etwas oder eine Person

 

1) die Erwartung des Künftigen

2) die Erwartung dessen, was man wünscht, die Hoffnung

3) das Vertrauen auf Gott und das, was er gewährleistet

4) die feste, untrügliche Annahme der Erwartung

5) das Vertrauen, das man auf sich und seine Fähigkeiten hat

 

→Ps 94,22

 

Mein Gott iſt der Hort meiner zuuerſicht.

 

 

→Ps 142,6

 

HERR / zu dir ſchrey ich / vnd ſage / Du biſt meine Zuuerſicht /

 

Herr, zu dir schreie ich und sage: Du bist meine Zuversicht!

 

 

 

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zuuerſtehen

zu verstehen (Verb)

 

Luther benutzt die Konjunktion »zu« als Vorsilbe des Verbs.

 

In der Folge wird das einleitende »v« von verſtehen in der Wortmitte zu »u«, ist aber dennoch wie »v« zu sprechen.

 

Siehe: →verstehen (Verb)

 

→Jes 28,9

 

Wem ſol er zuuerſtehen geben die predigt?

 

Wem soll er die Predigt zu verstehen geben?

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zuuerſtören

zu zerstören (Verb)

Luther benutzt die Konjunktion »zu« als Vorsilbe des Verbs.

 

In der Folge wird das einleitende »v« von verſtören in der Wortmitte zu »u«, ist aber dennoch wie »v« zu sprechen.

 

a) etwas zerstören, verwüsten

b) jemanden verstören, stören

 

Siehe: →verſtören (Verb)

 

→Jes 13,9

 

Denn ſihe / des HERRN tag kompt grauſam / zornig / grimmig / das Land zuuerſtören / vnd die Sünder draus zuuertilgen.

 

Denn siehe! Des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, um das Land zu zerstören und die Sünder darin zu vertilgen.

 

 

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zuuertilgen

zu vertilgen (Verb)

Luther benutzt die Konjunktion »zu« als Vorsilbe des Verbs.

 

In der Folge wird das einleitende »v« von vertilgen in der Wortmitte zu »u«, ist aber dennoch wie »v« zu sprechen.

 

1) etwas essend oder trinkend verzehren

2) Unkraut oder Ungeziefer ausrotten

3) übertragen: etwas auslöschen durch etwas (»Das Böse vertilgt das Gute«)

4) im biblischen Gebrauch oft als göttliches Eingreifen gegen Menschen, Feinde, Gottlose: vernichten

 

Siehe: →vertilgen (Verb)

 

→Jes 13,9

 

Denn ſihe / des HERRN tag kompt grauſam / zornig / grimmig / das Land zuuerſtören / vnd die Sünder draus zuuertilgen.

 

a) Denn siehe! Des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, um das Land zu zerstören und die Sünder darin zu vertilgen.

b) Denn siehe! Des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, um das Land zu zerstören und die Sünder darin zu vernichten.

 

 

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zuuor

zuvor (Adverb)

zeitlich vorhergehend, davor

 

→Ps 119,152

 

Zuuor weis ich aber

 

a) Zuvor weiß ich aber,

b) Ich weiß bereits,

 

 

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Zwilling

Zwilling, der

Zwillinge, die

Zwillinge, das Sternbild

a) Singular: der Zwilling (einer von beiden)

b) Plural: die Zwillinge (beide)

c) das Sternbild Zwillinge (Gemini)

 

Das Sternbild der Zwillinge

 

→Apg 28,11

 

NAch dreien monden aber ſchifften wir aus in einem Schiffe von Alexandria / welchs in der Jnſulen gewintert hatte / vnd hatte ein Panir der Zwilling.

 

Anm.: Das Sternbild Zwillinge (Gemini) hat die Form eines langgezogenen Rechtecks. Die beiden mit bloßem Auge sichtbaren Hauptgestirne Castor (α Geminorum) und Pollux (β Geminorum) bilden mit Blick Richtung Norden die beiden nordwestlichen Eckpunkte.

 

Vgl. dazu Luthers Anmerkung in der Marginalspalte zu Apg 28,11:

(Zwilling) Die nu ein Ge­ſtirn am Hi­mel hei­ſſen / wur­den bey den Hei­den ge­hal­ten fur Götter die den Schiff­leu­ten gne­dig we­ren / vnd hei­ſſen Ca­stor vnd Pol­lux.

 

Siehe auch: →Panir

 

 

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