Biblia: Aus unserem Dokumenten-Archiv

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Die gantze Heilige Schrifft Deudſch

D. Martin Luther, Wittenberg 1545
Ausgewählte Texte

Ausgewählte Schriften aus unserem Archiv

I Jahr 1545 erschien in Wittenberg die letzte Ausgabe der Lutherbibel, die Martin Luther noch selbst aufbereitet wurde.

Aus dieser Bibel von 1545 finden Sie hier vier Texte sowie Begleittexte mit Gedanken zur jeweiligen biblischen Geschichte:

Unsere Ausgabe

Wir bieten unseren Text im Portable Document Format als PDF-Dateien. Sie benötigen einen geeigneten PDF-Reader, um die Dateien öffnen, lesen und drucken zu können.

Gesetzt haben wir haben wir die Texte in in der Schrift Garamond, also nicht in Fraktur-Schrift.

Die Dateien enthalten neben dem eigentlichen Text des Evangeliums Luthers Scholion, seine Anmerkungen, Verweise und Erklärungen aus der Marginalspalte der Lutherbibel von 1545. Diese kleinen Notizen am Rande geben Einblick in die Sprache und in die Gedankenwelt dieser Zeit. Neben inhaltlichen Erklärungen finden sich oft Erläuterungen einfacher Begriffe, die für uns oft selbstverständlich sind. Damals waren sie es nicht. Sie sind es heute, weil sie über den Gebrauch in der Lutherbibel Einzug in unsere Sprache gefunden und sich darin manifestiert haben.

Ergänzt wurden von uns Versnummern und Abschnittsüberschriften, die im Original nicht vorhanden sind, aber das Lesen und die Orientierung deutlich erleichtern.

Begleittext 1

Die Schöpfungsgeschichte

Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Die Schöpfungsgeschichte, wie sie uns im ersten Buch Moses der Bibel überliefert ist, wird oft als Märchen abgetan. Aber ist sie das? Unser Universum selbst ist wohl das größte Rätsel der Menschheit. Um dieses Rätsel zu lösen, behelfen sich Wissenschaftler mit dem Modell der Urknalltheorie, die das gemeinsame Entstehen von Materie, Raum und Zeit aus einer Singularität heraus beschreibt.

Der »Urknall« ist jedoch nicht als Explosion zu verstehen, sondern als ein Prozess, der nicht definierbar ist. Ein Prozess, den die Wissenschaft nicht beschreiben kann. Sie würde es so formulieren müssen: »Am Anfang war das Nichts, nur Dunkelheit und Leere. Und selbst das wissen wir nicht. Es kann nicht bewiesen werden. Dann entstand plötzlich die Zeit, und in ihr der Raum, und in ihm wiederum die Materie. Niemand weiß, wie das vor sich ging, worin es entstand, wie lange es dauerte, wodurch es entstand und warum.«

Das Rätsel der Menschheit und unserer Gegenwart

Was wir nach heutiger Erkenntnis annehmen, ist, dass der Beginn der Zeit, des Raumes und der Materie in einem einzigen »Punkt« begann, den wir jedoch nicht Punkt nennen dürfen, denn er hatte keine Größe. Die Wissenschaftler nennen es deshalb »Singularität« – neutral, ohne es näher bestimmen zu müssen.

Seit dem bewegt sich von diesem zentralen »Punkt« alles weg. Der Raum dehnt sich aus, die Materie wandert durch den Raum, die Zeit pflanzt sich fort, verstreicht dabei, krümmt sich und verbiegt sich, wie der Raum und alles in ihm auch.

Man kann es sich ähnlich wie bei einer Explosion vorstellen, die Druckwellen erzeugt und sich Platz schafft, die Partikel durch diesen Platz hindurch in den Raum schleudert und die Zeit benötigt, um sich entfalten zu können. Es war aber keine Explosion von der Art, wie wir sie kennen. Denn Explosionen setzen voraus, dass Materie, Raum und Zeit bereits vorhanden sind, sonst könnten sie sich nicht entfalten.

Aber das alles sind nur Annahmen, die abgeleitet sind aus den Beobachtungen des Weltraums aus heutiger Sicht. Diese Vorgehensweise unserer Wissenschaftler unterscheidet sich dabei im Prinzip nicht von der, die Menschen bereits vor Tausenden von Jahren angewendet hatten, um das Rätsel der Entstehung der Welt zu lösen: Das Heute beobachten, um auf das zugrunde liegende Ereignis in der Vergangenheit zu schließen.

So betrachtet, ist die Urknalltheorie nur der moderne Mythos der Schöpfungsgeschichte, der jedoch als Modell in die Wissenschaft einzog und Anerkennung fand. Mit Recht. Denn Modelle, die unserer Erkenntnisfähigkeit entgegen kommen, helfen dabei, zu verstehen. Selbst dann, wenn sie nicht beweisbar sind.

Mythen gab es zu allen Zeiten

Alle Kulturen haben zu allen Zeiten Schöpfungsgeschichten und Mythen entwickelt, die eine Vorstellung vom Anfang spiegeln. Viele der Geschichten ähneln sich auffällig. Haben sie gemeinsame Wurzeln? Selbst, wenn nicht: Menschen überall auf der Welt hatten früh erkannt, dass die Fragen nach dem Sein, dem Sinn und dem Wohin ein Fundament benötigen: Die Antwort auf die Frage: Woher kommen wir?

Paul Gauguin | Woher kommen wir? - Wer sind wir? - Wohin gehen wir? | Quelle: Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Abbildung: Paul Gauguin | Woher kommen wir? - Wer sind wir? - Wohin gehen wir?
Quelle: Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Die Erkenntnisse im Schöpfungsbericht

Der biblische Schöpfungsbericht ist überraschend dicht an den Erkenntnissen dran, die unsere moderne Wissenschaft mit einer Urknalltheorie, mit der Erdgeschichte und mit der Evolutionstheorie beschreibt: Am Anfang war Leere, es formte sich die Atmosphäre, es entstanden Ozeane und Landmassen, Pflanzen und Tiere entwickelten sich und schließlich erschien wie aus dem Nichts der Mensch in der Geschichte.

Natürlich schreiben die Autoren der Bibel vereinfacht mit einfachen Worten. Sie schreiben für ihre Leser. Sie schreiben aus ihrer Vorstellungswelt heraus für die Mitmenschen ihrer Zeit. Es ging ihnen nicht darum, einen wissenschaftlich unwiderlegbaren Text für ein Wissenschaftsjournal zu schreiben. Es ging darum, Menschen eine verständliche Antwort anzubieten auf die Frage: Woher kommen wir? Und um eine Botschaft zu vermitteln, die auf unser Dasein zielt.

Und dennoch zeugen die Texte der Schöpfungsgeschichten von einer tiefgehenden Beschäftigung mit den Ereignissen, die passiert sein müssen bei der Entstehung unserer Welt. Sie zeugen von Nachdenken, Ergründen, Wissen und Wissenschaft, publizistisch aufbereitet für ihre Zeit und ihre Leser.

Das Modell Gott

Die Fragen nach dem Ursprung der Singularität, nach dem auslösenden Ereignis, nach dem »Schöpfer«, beantwortet die Bibel mit »Gott«. Die heutige Wissenschaft kann das zurzeit weder belegen noch bestreiten. Sie ist sich im Klaren darüber, dass es eine auslösende »Macht« gegeben haben muss. Doch diese Macht verschwindet hinter dem Urknall in der nicht definierbaren Zone, die unser Denken heute noch nicht erfassen kann.

Unsere heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse bieten weder Raum noch Ansatzpunkte, um die Vorgänge auch nur annähernd zu beschreiben. Alle Versuche, einen erklärbaren Grund zu finden, scheiterten bisher.

Für die biblischen Autoren war es jedoch wichtig, genau diesen Grund zu erfassen und ihm einen Namen zu geben: Gott.

»Gott« erscheint in den Erzählungen personifiziert, nicht zuletzt deshalb, weil dies der realen Erlebenswelt der Menschen entspringt: Denkende, planerisch vorgehende und handelnde Wesen sind Personen. Personen sind die Akteure im Schauspiel der Geschichte. Wie also könnte man sich eine Macht, die etwas so Gewaltiges schuf, anders vorstellen?

Doch was meint die Bibel damit? Meint sie, dass Gott tatsächlich ein körperliches Wesen ist? Vielleicht. Wir sollten es so verstehen: Die biblischen Autoren nutzen diese Darstellung Gottes als personifiziertes Wesen, als schöpferische Macht, wie ein Modell. Genau so, wie wir den »Urknall« als Standardmodell der Kosmologie verwenden, weil wir nicht wissen, was er ist, aber etwas brauchen, um überhaupt darüber nachdenken zu können.

Was war davor?

Für uns Menschen ist die Vorstellung einer »Explosion«, eines machtvollen plötzlich eintretenden Ereignisses, ein bekanntes Bild, das unserer Erlebenswelt entspricht. Ganz sicher war der Urknall keine Explosion – was sollte da explodiert sein und worin? Was war davor? Und was war so mächtig, dass es ein – aus unserer Sicht! – so unvorstellbar großes Universum schaffen konnte durch einen »Knall« aus dem Nichts?

Und so tun sich auch hinter dem Modell »Gott« solche Fragen auf: Wie sah seine Welt aus, bevor er die unsrige erschuf? Wo kommt er her? Wer hat ihn eigentlich erschaffen? Und woher kommt diese unvorstellbare Kraft, die nötig gewesen sein muss, um schließlich ein Universum zu schaffen, auf so spielerische Weise, wie wir Kuchen backen?

Diese Antworten kennt auch die Bibel nicht. Es genügt, zu wissen, dass wir da sind und dass es einen Grund, ein Fundament, dafür gibt.

An diesen Fragen scheitert das Nachdenken über das Modell der Urknalltheorie genauso, wie unser Nachdenken über Gott und über das Modell eines personifizierten Gottes scheitern muss. Die Begrenztheit unserer Erkenntnisse und unserer Erkenntnisfähigkeit hindert uns daran, die Wahrheit zu ergründen. Sie zwingt uns heute genau so wie die Menschen in alt-biblischer Zeit dazu, Modelle zu erfinden und zu entwickeln, die hinreichende Fundamente liefern für alles, was auf ihnen aufbaut.

Heute münden alle ernstzunehmenden Überlegungen über den Anfang immer wieder darin, dass wir ein zweites Universum annehmen müssen, um ein verständliches Modell zu generieren. Aus wissenschaftlicher Sicht ein zweites Universum, das neben unserem oder um unser Universum herum existieren müsse. Dann wäre ein Ereignis vorstellbar, das die Voraussetzungen mitbringt, ein neues Universum entstehen zu lassen. Möglich wäre es auch, dass ein anderes Universum zeitlich vor unserem Universum existierte, am Ende seines Lebens in einem schwarzen Loch verschwand und daraus neu entstand. Das wäre ein Paradigmenwechsel, der nicht die Existenz des Universums veränderte, sondern nur seinen Zustand.

Doch diese Überlegungen und Annahmen liefern auch keine Antworten. Sie verschieben die Fragen nach dem Davor nur weiter zurück in eine völlig unbekannte Vergangenheit unserer Welt und machen es noch schwieriger, zur Wahrheit vorzudringen.

Diese modernen Annahmen sind in der alten biblischen Vorstellung von einem Schöpfer nicht nur bereits angelegt, sondern auch vorausgesetzt: Ein zweites Universum, nämlich das, in dem Gott mit seinen Heerscharen bereits existierte, bevor er das Weltall erschaffen konnte, muss es gegeben haben, wenn das Modell »Gott« funktionieren soll.

Vermutlich wird es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben: Was war davor? Wie fing es an? Jede Antwort bleibt ein Mythos – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Wunder der Schöpfung steckt in jedem von uns

Unser individuelles Sein geht für jeden von uns zurück auf eine ununterbrochene, lange Kette von Vorfahren, die irgendwo einen Anfang hat. Diese Vorstellung allein grenzt an ein Wunder, wenn man bedenkt, wie leicht die Kette hätte unterbrochen werden können.

Wir verdanken unser Leben nicht uns selbst, auch nicht unseren direkten Eltern allein, sondern einem ewigen Prozess, der irgendwann begann, ununterbrochen lief, und dessen Beginn die Bibel so beschreibt: »Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.«

Das ist ihre Antwort auf die Frage: Woher kommen wir? Die Antwort auf die zweite Frage – Wer sind wir? – lautet dann: Wir sind Teil des Prozesses und tragen die Verantwortung dafür, dass er weitergeht. Wohin wir gehen, das weiß niemand. Doch unser Handeln wird die Zukunft verändern.

Das Wunder der Schöpfung steckt in jedem von uns. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sich dieses Wunder entwickeln kann überall dort, wo wir ein Teil des Ganzen sind.

Und genau das ist der eigentliche Kern der Schöpfungsgeschichte. Es geht eben in diesem Kern nicht um die zugrundeliegenden Fragen: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Es geht um die Erkenntnis, dass wir mit der Schöpfung (oder dem Urknall) ein Geschenk bekommen haben, zu dem wir selbst rein gar nichts beitrugen. Die erwartete Gegenleistung für dieses Geschenk ist die Bereitschaft, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Übernehmen Sie Verantwortung! Man kann sich ihr eh nicht entziehen. Im Großen, aber auch im Kleinen – überall dort, wo uns die Schöpfung täglich begegnet und uns ihre Wunder offenbart und immer wieder neu schenkt: in uns und in unseren Mitmenschen.

Begleittext 2

Kain und Abel

Der Brudermord

Gedanken über Gewalt und Gottes Schutz

Gewalt ist so alt wie Menschheit

Gewalt ist kein Zeichen unserer Zeit. Es gab sie schon immer. Sie ist so alt wie die Menschheit selbst. Gleich in den ersten Geschichten der Bibel geht es um Lug und Betrug, um Gier nach Macht und geheimen Wissen, um Neid, um Mord und Totschlag.

Dagegen kommt das Paradies recht knapp weg: Kaum eine Seite ist dieser Zeit gewidmet. Kaum eine Zeile, die uns erklärt, was sie denn eigentlich sind, die so oft erwähnten »paradiesischen« Zustände. Es bleibt der Fantasie überlassen, sich davon ein Bild zu machen. Märchen und Legenden ranken sich seit Jahrhunderten um dieses Thema, die Kunst hat es vielfältig aufgegriffen, das Sich-Sehnen danach kommt nicht zur Ruhe. Womöglich genau deshalb: Die Welt ist brutal, gewaltbereit und gewalttätig.

Bild zur Geschichte von Kain und Abel in Luthers Biblia 1545.

Abbildung: Bild zur Geschichte von Kain und Abel in Luthers Biblia 1545.
Der Holzschnitt zeigt mehrere Szenen gleichzeitig:
Im Vordergrund bringen die beiden Brüder ihr Opfer dar. Der aufsteigende Rauch von Abels Opfertisch, auf dem ein Lamm liegt, symbolisiert, dass dieses Opfer von Gott angenommen wurde. Von Kains Getreideopfer fließt der Rauch über den Altar zum Boden hinab.
Links im Bild erschlägt Kain seinen Bruder auf dem Feld.
Im Hintergrund rechts sehen wir Gott, der über Kain das Urteil spricht.

Der Hintergrund der Erzählung

Erzählt wird im 1. Buch Mose, Kapitel 4, die Geschichte Kains. Abel, sein Bruder, nimmt nur eine bescheidene Nebenrolle ein: die des Opfers. Völlig ohne Sprechtext. Die Kamera zeigt Abel nur kurz, wie er Opfergaben darbringt, die von Gott beachtet werden. Kains Opfergaben hingegen blieben von Gott unbeachtet. In der nächsten Einstellung fordert Kain seinen Bruder auf, mit ihm aufs Feld zu gehen. Kaum dort angekommen, erschlägt Kain seinen Bruder.

Den biblischen Autoren geht es sicher nicht darum, das Polizeiprotokoll eines Mordes wiederzugeben. Die Geschichte enthält für den Leser Informationen, die Rituale und Gesetze im religiösen und gesellschaftlichen Leben erklären.

Das Lamm – das wohlgefällige Opfertier

Abel war Schafhirt. Er opferte aus seiner Herde Erstlinge. Dieses Opfer gefiel Gott. Darin begründet sich das Opferritual der jüdischen Religion, in dem Schafe und Lämmer, insbesondere Erstlinge, von Abel bis Jesus eine besondere Rolle spielen.

Im »Agnus Dei« (»Lamm Gottes«) fand es als Symbol für die Auferstehung Jesu Christi Einzug in die christliche Religion. Als »Osterlamm«, gebacken als Brot, das in der Osterfeier zur Speiseweihe gebracht wurde, fand es Einzug ist das christliche Brauchtum.

Dies alles nur, weil Abels Opfergaben Gott gefielen.

Gewalt ist Ausdruck der Geisteshaltung

Die Geschichte erklärt den Zusammenhang zwischen Fühlen, Denken und Handeln: Kain wurde zornig und senkte seinen Blick, worauf er von Gott angesprochen wurde.:

»Warum bist Du zornig und schaust so düster drein? Wenn Du recht handelst, bist dann nicht freundlich? Wenn Du aber nicht recht handelst, ist dann nicht die Verführung an der Tür, wie ein lauerndes Tier, das nach Dir verlangt? Dann sollst Du ihr nicht ihren Willen lassen, sondern herrsche über sie!«

Neid war es, der Kain zornig werden lies. Zorn war es, der ihn Pläne schmieden lies. Die Verführung verlangte wie ein lauerndes Tier nach ihm, mit Taten seinen Zorn zu befriedigen. Kain missachtete das göttliche Gebot, eines der ersten, das den Menschen gegeben ist.

Es lautet (1Mos 4,7):

»Lass der Verführung nicht ihren Willen, sondern herrsche über sie!«

Oder kurz:

Beherrsche Dich!

Wir kennen solche Situationen doch zur genüge: Eine Emotion wird wach und an den Türen zu unserem Herzen und zu unserem Geist klopft die Breitschaft zur Gewalt. Sie kennt viele Formen. Sie findet Ausdruck in unserer Gestik, wie bei Kain, sie findet Ausdruck in unserer Sprache und in unseren Taten, wie bei Kain. Auch dann, wenn das ganze scheinbar harmlos ausgeht und nicht im Totschlag mündet, sind wir bereit, gewalttätig zu sein und andere zu Opfern unserer Haltung zu machen. Für unsere Opfer sind unsere Taten nie harmlos!

Die Lösung heißt nun nicht: Vermeide die Tat!, denn das ließe Wut und Zorn weiter in uns gären und ganz sicher nicht nur unsere Stimmung, sondern womöglich gar unseren Charakter verändern, sondern: Beherrsche Deine Emotionen! Beherrsche die Verführung, die nach Dir verlangt. Halte die Türen für das lauernde Tier verschlossen, damit es nicht von Dir Besitz ergreift.

Ja, schwierig, aber machbar. Es braucht Übung. Übung in Nächstenliebe. Und genau das möchten uns die biblischen Geschichten vermitteln, auch am Beispiel des Brudermords.

Die grausame Erkenntnis

Kains Tat blieb nicht unentdeckt. Mit dramatischen Worten beschreibt Gott die Schwere der Tat – ein Mensch hat einen Menschen getötet:

»Was hast Du getan? Höre! Das Blut Deines Bruders schreit zu mir von der Erde!"«

Dies ist eine der Schlüsselszenen. Diesen Satz muss man »sehen« und »hören« mit all der Macht, mit der er gesprochen wurde, um ihn zu begreifen!

Ein Film-Regisseur würde diesen Satz mit allen Hilfsmitteln transportieren, die ihm die moderne Filmtechnik zugesteht. Es entstünde eine geradezu monumentale, alle Sinne strapazierende Szene: Die Entrüstung Gottes darüber, dass der Mensch sogar dazu fähig ist, seine eigenen Brüder, andere Menschen, zu töten, ist gewaltig und erschütternd! Sie geht jedem Leser, jedem Zuhörer, jedem Zuschauer durch Mark und Bein. Auch damals schon, in alt-biblischen Zeiten. Eine erschreckende Erkenntnis, die wir alle jeden Tag neu erfahren. Nicht nur aus Zeitungen und Nachrichten.

Gerechtigkeit und die Todesstrafe

Es war kaltblütiger Mord, von langer Hand geplant und vorbereitet. Das Strafmaß jener Zeit für dieses Vergehen war eigentlich jedem Leser klar: die Todesstrafe. Doch nun passiert etwas Außergewöhnliches: Kain bekommt Lebenslänglich! Aber Gefängnisse gab es nicht. Also sind Verbannung, Armut und unstetes Leben in fremden Ländern die Strafen.

Kain soll leben! Gott geht noch weiter und stellt ihm eine Art Freibrief aus: Er macht ein »Zeichen« an ihm, damit ihn niemand totschlägt als vermeintlich Flüchtigen vor der Todesstrafe.

Das ältestes Zeugnis gegen die Todesstrafe

Dies ist – aus der biblischen Menschheitsgeschichte heraus betrachtet! – das älteste Zeugnis gegen die Todesstrafe. Nicht nur, dass Gott selbst sie nicht verhängt hat, auch kein anderes Gericht darf Kain zu Tode bringen: Wird Kain von Menschenhand getötet, soll dies siebenfach gerächt werden (1Mos 4,15).

Das überrascht! Die Strafe für Richter und Henker, die den Mörder zu ihrem Opfer machen und hinrichten, fällt sehr viel härter aus, als für den Täter selbst!

Die Geschichte lässt deutlich Gottes Intention spüren: Es kam ihm nicht allein darauf an, Rache zu üben (und so selbst dem Tier zu erliegen, das an der Tür klopft!), sondern vor allem darauf, den Täter zu bestrafen.

Du sollst nicht töten

Das Urteil Gottes über Kain und die Androhung einer Strafe für die diejenigen, die ihn töten würden, enthält zwei wesentliche Aspekte:

Erstens ist die Todesstrafe keine Strafe, also zum Bestrafen einer Tat nicht geeignet.

Zweitens ist der Vollzug einer Todesstrafe härter zu bestrafen, als die zugrundeliegende Tat selbst.

Gott verurteilt hier eindeutig die juristisch sanktionierte Tötung von Menschen durch Menschen klar, entschieden und mit erstaunlicher Härte!

Das sind in jeder Diskussion über die Todesstrafe sehr wichtige Erkenntnisse. Erstaunlich ist, das diese Diskussionen bereits in alt-biblischen Zeiten mit derart großer Aufmerksamkeit geführt wurden. Denn sonst wäre der Brudermord in dieser Ausführlichkeit kein Thema in der Bibel geworden, schon gar nicht an einer so exponierten Stelle, gleich am Anfang der Bibel, gleich am Anfang der Menschheitsgeschichte.

Bis heute reißen die Diskussionen um die Todesstrafe nicht ab. In vielen Ländern gibt es die Todesstrafe noch, in etlichen Staaten wird sie praktiziert. Selbst in solchen, die sich den Menschenrechten verschrieben haben.

Das Recht zu leben, ist das wichtigste Menschenrecht. Die Todesstrafe steht dagegen, sie bestreitet dieses Menschenrecht, oder aber sie impliziert, dass verurteilte Täter nicht länger als Menschen zu betrachten sind.

Das Schicksal Kains

Gott jedenfalls bewahrt den Status von Kain als Menschen. Er muss zwar in Folge seiner Bestrafungen verarmt und unstet in fremden Ländern leben, aber er konnte heiraten, Kinder bekommen und sogar als Oberhaupt seiner Sippe fernab von allen anderen eine neue Siedlung gründen (1Mos 4,16f.).

Wie es ihm dabei erging, wie er lebte und welche Mühen er auf sich nehmen musste, um sich und seine Angehörigen zu versorgen, darüber wird nichts berichtet. Die knappe Anmerkung, dass er nun »jenseits von Eden« lebte, jenseits des Paradieses, ist der Hinweis darauf, wie abgeschieden, wie einsam und wie karg sein Leben von da an gewesen sein muss.

Warum lässt Gott das zu?

Abel war der erste Mensch, der dieses Opfer, das Lamm, darbrachte. Interessant ist: Obwohl sein Opfer bei Gott Gefallen fand, zahlte Abel dafür mit dem Leben! Das ist ein Motiv, das wie kein anderes aufzeigt, dass Gott es zulässt, dass unschuldige Menschen leiden müssen und Opfer werden von Naturkatastrophen, Unfällen, Gewalttaten und Kriegen. Und zwar von Anbeginn aller Zeiten, wie diese Geschichte aus den Anfängen der Menschheit zu berichten weiß.

Doch lässt er es tatsächlich zu? Hält er sich ganz raus? Wohl nicht: Er stellt Kain zur Rede und klagt ihn an, dass er Schwach war und sich entgegen den Geboten Gottes nicht beherrschst hatte!

Was aber ist Gottes Anteil daran, dass wir nicht zu Opfern werden? Und wenn doch, wer ist denn wirklich dafür verantwortlich?

Wir alle sind Teil des Ganzen. Es gibt immer ein Gegenüber, einen anderen Menschen, die Natur und den Zufall. Selbst Jesus, Petrus und Paulus erlitten gewaltsame Tode.

In der Trauerarbeit früher Jahre haben wir sehr oft die Fragen gehört: Warum lässt Gott das zu? Wo war denn Gott und sein Schutz? Warum half er denn nicht?

Aus ihrer Trauer und aus ihrem Unmut heraus zweifeln dann viele Menschen und sprechen eine Art innere Kündigung gegen Gott aus. Sie kündigen ihren Bund mit Gott.

Die Antwort, die wir geben können, ist gar nicht leicht zu verstehen, gerade nicht von Menschen, die selbst oder bei Angehörigen und Bekannten hartes Leid erfahren haben und die auf irgendeine Weise Opfer wurden. Es ist aber auch für Nichtbetroffene nur schwer zu verstehen. Wir versuchen es trotzdem:

Es geht nicht darum, ob man Opfer wird, sondern darum, ob man andere zu Opfern macht! Das eine kann man oft kaum beeinflussen, das andere liegt vollständig in unserer Hand. Das ist der Unterschied.

Das jedenfalls lehren uns die Geschichten vom Tod des Abel, vom Tod Jesu, vom Tod des Petrus, vom Tod des Paulus und vieler anderer Menschen, die als Märtyrer in die Geschichte Einzug fanden. Das lehren uns aber auch die Berichte von Völkermorden aus aller Welt, aus Nazi-Deutschland, aus Krisengebieten und von Kriegen. Das lehren uns die Geschichten von alkoholisierten Autofahrern, die Unschuldige in den Tod reißen, die Geschichten von fanatischen Selbstmördern, die zufällig Anwesende morden, die Geschichten von Mördern und der regelmäßige Krimi im Fernsehen. Alle berichten immer und immer wieder das selbe, so weh es auch tun mag:

Es geht darum, niemanden zum Opfer zu machen. Selbst werden kann man es jederzeit!

Gebete, Opfergaben und Gottes Schutz

Abel starb nicht, weil ihm Gottes Schutz fehlte, sondern seinem Bruder Kain, der diesen Schutz für sich selbst, – Gottes Gebot, sich zu beherrschen! –, nicht annahm.

Die Nähe zu Gott schützt uns also nicht vor Leid und nicht vor dem Tod. Sie ist kein Schutzbrief für uns selbst. Sie stärkt uns aber im Leben. Sie bewahrt uns davor, anderen Leid zuzufügen. Sie hilft uns, in unserer Gesellschaft als Nächster, als Mitmensch zu überleben.

Sie beschützt uns davor, Mitmenschen zu Opfern zumachen.

Darauf kommt es an!

Das Jahr 2003 war das Jahr der Bibel. Ein Jahr der Aktivitäten für ein Buch, das ebenso verbreitet wie unbekannt ist.

Bibelausgaben gibt es viele. Dies begründet sich nicht nur in unterschiedlichen Aufmachungen und Ausstattungen, sondern auch in teilweise erheblichen Unterschieden im gebotenen Text.

Nach wie vor bietet die Lutherbibel eine gelungene Übersetzung aus den hebräischen, griechischen und lateinischen Quellen.

Wer heutzutage eine moderne, nüchtern gestaltete, durch verschiedene Sprachanpassungen und kirchenamtliche Revisionen stark verfremdete Edition der Lutherbibel zur Hand nimmt, kann nicht ermessen, wie Bibeln gestaltet waren, die während der Reformationszeit in Wittenberg erschienen sind.

Luther selbst hat seine Texte mehrfach revidiert. 1534 erschien die erste Vollbibel seiner Übersetzung. 1545 wurde die letzte von ihm selbst aufbereitete Ausgabe herausgegeben.

Aus dieser Bibel von 1545 finden Sie hier Textbeispiele. Etliche sind wegen der besseren Lesbarkeit in Garamond gesetzt, nicht in Fraktur-Schrift.

Für viele Texte haben wir Schriften neu erstellt (die SK Biblia1545 Familie) und uns dabei am Aussehen der originalen Typen der Lutherbibel von 1545 orientiert. Es handelt sich dabei um gebrochene Schriften (Fraktur), die unterschiedliche Merkmale verschiedener Drucktypen der damaligen Zeit in sich vereinigen oder untereinander mischen. Zudem sind etliche Typen noch sehr stark an die handschriftlich ausgeführten Vorläufer der verwendeten Druckstempel angelehnt und noch nicht derart normalisiert, wie es in den sehr viel später überarbeiteten Fraktur-Familien zu erkennen ist. Unsere Schriftfamilie ist mit ihren Biblia-1545-Spezifika daher heute in keiner anderen angebotenen Schriftdatei verfügbar.

Der Aufwand erschien uns nötig, weil Dr. Martin Luther (Texte), Hans Lufft (Druck) und M. Georg Rörer (Lektor) die Typografie an vielen Stellen sehr bewusst wählten, um zusätzliche Informationen zu transportieren, die für das Verständnis wichtig sein können. Bei einer Wiedergabe allein in einer Antiqua geht der Informationsgehalt der typografischen Überlegungen der Herausgeber weitgehend verloren.

In jedem Fall haben wir uns bemüht, die verwendeten Schriftzeichen und die Schreibweisen so genau wie möglich am Original auszurichten.

Texte der Lutherbibel in Luthers Sprache.

Empfehlungen: Bildschirmhintergründe mit Texten der Bibel

BIBELTEXTE

Wallpapers mit Texten und Sprüchen aus der Bibel

Unsere Texte und Sprüche aus der Bibel, hochwertig aufbereitet als Bildschirmhintergründe, liegen meist mehrsprachig vor. Als Quellen dienen uns bei der Erstellung die Biblia Hebraica (Hebräisch), die Biblia Vulgata (Lateinisch) und Luthers Biblia von 1545 (Luther-Deutsch).

Wallpaper: Das fünfte Gebot

2. Mose (Exodus) 20,2.13

Text in Hebräisch, Lateinisch und aus Luthers Biblia von 1545.

ICH bin der HERR / dein Gott.
DV ſolt nicht tödten.

Sabrina

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Die Bergpredigt

Evangelium des Matthäus
Kapitel 5 - 7

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

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Der Brudermord: Kain und Abel

Das erste Buch Mose
Kapitel 4, 1-17

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

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Die ersten Menschen: Adam und Eva

Das erste Buch Mose
Kapitel 2,4b - 3,20

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

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Die Schöpfungsgeschichte

Das erste Buch Mose
Kapitel 1,1 - 2,4a

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

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