Der neojulianische Kalender

Kalender und Zeitrechnung

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Der neo­ju­li­a­ni­sche Kalender und das neo­ju­li­a­ni­sche Datum

 

 

 

 

neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung

neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung

 

Einleitung

In un­se­ren Ka­len­der­blät­tern des Ewi­gen Ka­len­ders fin­det sich in der In­fo-Box »Das Da­tum in ver­schie­de­nen Zeit­rech­nun­gen« ab dem Ka­len­der­blatt für den 23. März 1924 (ju­li­a­nisch: 10. März 1924) ei­ne Um­wand­lung des an­ge­zeig­ten Da­tums in die neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung. Grund­la­ge da­für ist der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der.

Wir er­klä­ren hier, was der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der ist und wie die Da­tums­an­ga­be zu le­sen und zu in­ter­pre­tie­ren ist.

In wei­te­ren Ab­schnit­ten un­ter­su­chen wir die Ge­nau­ig­keit der Ka­len­der­sys­te­me, stel­len Ver­glei­che an und fra­gen nach Sinn, Nut­zen und Vor­teilen des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders.

Ab­schlie­ßend be­trach­ten wir die schlim­men Fol­gen, die sich aus der Un­ei­nig­keit der Kir­chen, ba­sie­rend auf ih­ren un­ter­schied­li­chen Ka­len­der­sys­te­men, für die Chris­ten­heit er­ge­ben.

 

1 Der Sinn der neo­ju­li­a­ni­schen Zeit­rech­nung in un­se­rem Ka­len­der

Die Kir­chen­ka­len­der fast al­ler christ­lich-or­tho­do­xen Kir­chen ba­sie­ren ent­we­der auf der ju­li­a­ni­schen oder auf der neo­ju­li­a­ni­schen Zeit­rech­nung. Die meis­ten west­li­chen Kir­chen, wie die ka­tho­li­schen und die evan­ge­li­schen Kir­chen, verwenden heute den gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der, der auch Grundlage unseres bürgerlichen Ka­len­ders ist.

In Deutschland und Europa leben viele or­tho­do­xe Chris­ten. Da­bei bil­den die grie­chi­schen und die rus­si­schen Ge­mein­den die größ­ten Grup­pen.

Die or­tho­do­xen Kir­chen Russ­lands wer­den zu­sam­men mit ei­ni­gen an­de­ren or­tho­do­xen Kir­chen den Alt­ka­len­da­ri­ern zu­ge­rech­net. Sie ver­wen­den für die Be­stim­mung ih­rer Fes­te und Fei­er­ta­ge durch­gän­gig den ju­li­a­ni­schen Ka­len­der.

Die or­tho­do­xen Kir­chen Grie­chen­lands ge­hö­ren zur Grup­pe der Neu­ka­len­da­rier. Sie ver­wen­den für die Be­rech­nung des Os­ter­fests und al­ler von Os­tern ab­hän­gi­gen Ta­ge ge­mein­sam mit den Alt­ka­len­dari­ern den ju­li­a­ni­schen Ka­len­der, für al­le übri­gen Fes­te und Fei­er­ta­ge den neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der.

Daher werden in Deutsch­land und Eu­ro­pa die sel­ben kirch­li­chen Fei­er­ta­ge und Fes­te an min­des­tens zwei un­ter­schied­li­chen Ta­gen im Ka­len­der ge­fei­ert.

Wenn unser Ka­len­der auch evan­ge­lisch ge­prägt ist, heißt das nicht, dass wir Chris­ten, die an­de­ren Kon­fes­si­o­nen an­ge­hören, aus dem Blick ver­lie­ren wol­len. Ihre Fest- und Fei­er­ta­ge, so­wie ih­re Ge­bräu­che, soll­ten uns na­he­ge­hen, zu­min­dest aber ober­fläch­lich in­ter­es­sie­ren. In je­dem Fall soll­ten wir sie re­spek­tie­ren. Denn das meint Wür­di­gung und Wert­schät­zung ih­rer Re­li­gi­on, ih­rer Bräu­che und ih­res Le­bens­stils.

Vor­aus­set­zung da­für ist es, zu wis­sen, wann für sie be­stim­mte Fest­ta­ge im Ka­len­der gel­ten. Da­für al­ler­dings müs­sen wir die Ka­len­der­sys­te­me, auf die ihr Kir­chenjahr auf­baut, in un­se­ren Ka­len­der­blät­tern ab­bil­den.

 

2 Neo­ju­li­a­ni­scher, neu­ju­li­a­ni­scher, me­le­ti­a­ni­scher Ka­len­der oder Milanković-Ka­len­der

Der Ka­len­der, den wir hier un­ter der Be­zeich­nung neo­ju­li­a­ni­scher Ka­len­der füh­ren, wird auch neu­ju­li­a­ni­scher Ka­len­der, me­le­ti­a­ni­scher Ka­len­der oder (nach sei­nem Er­fin­der Mi­lu­tin Mi­lan­ko­vić) Mi­lan­ko­vić-Ka­len­der ge­nannt.

 

3 Der praktische Einsatz des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders in or­tho­do­xen Kir­chen

 

3.1. Die Ausgangslage vor dem Jahr 1921

Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der wur­de 1923 ent­wi­ckelt. Er war prin­zi­pi­ell ge­eig­net, die bei­den bis da­hin ver­wen­de­ten Ka­len­der, ju­li­a­nisch und gre­go­ri­a­nisch, ab­zu­lö­sen. Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der wur­de aber nur von ei­ni­gen christ­li­ch-or­tho­do­xen Kir­chen über­nom­men, längst nicht von allen.

Anders als die abend­län­di­schen Kir­chen (wie die rö­misch-ka­tho­li­sche und die evan­ge­li­schen Kir­chen) leg­ten al­le christ­lich-or­tho­do­xen Kir­chen vor 1921 für die Be­rech­nung ihres Kir­chen­jah­res und al­ler Fest- und Fei­er­ta­ge da­rin den ju­li­a­ni­schen Ka­len­der zu­grun­de. Dies führ­te zu gro­ßen Ab­wei­chun­gen der Fes­te zwi­schen nicht-or­tho­do­xen und or­tho­do­xen Kir­chen.

 

3.2 Der gregorianische Ka­len­der in der or­tho­do­xen Kir­che Finnlands

Im Jahr 1921 scher­te erst­mals die or­tho­do­xe Kir­che Finn­lands aus. In Finn­land stel­len die or­tho­do­xen und die evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Ge­mein­den die größ­ten christ­li­chen Grup­pen. Die or­tho­do­xe Kir­che Finn­lands führ­te als Kir­chen­ka­len­der den gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der ein. Von nun an fei­er­ten die Chris­ten Finn­lands ge­mein­sam. Bei­spiels­wei­se fiel das kirch­li­che Fest Weih­nach­ten (wie auch Os­tern, Him­mel­fahrt und Pfings­ten) nicht mehr auf ver­schie­de­ne Tage im Jahr. Zu­dem stimm­ten die Fest­ta­ge für al­le Chris­ten mit dem staat­li­chen Fei­er­ta­gen über­ein.

Besser geht es nicht. Alle (gleich­na­mi­gen) Fes­te und Fei­er­ta­ge im sel­ben Takt. Ganz un­ab­hän­gig da­von, wel­ches Ka­len­der­sys­tem zu­grun­de liegt.

 

3.3 Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der bei den Neu­ka­len­da­ri­ern

Etliche or­tho­do­xe Kir­chen ent­schie­den sich 1924 für den neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der. In ih­rem Kir­chen­jahr folg­te auf den ju­li­ani­schen Sams­tag, den 9. März 1924, der neo­ju­li­a­ni­sche Sonn­tag, der 23. März 1924.

Dieses Datum stimm­te von da an mit dem gre­go­ri­a­ni­schen bür­ger­li­chen bzw. staat­li­chen Ka­len­dern über­ein, und das wird bis zum Jahr 2800 so sein.

Zu diesen or­tho­do­xen Kir­chen zäh­len die kons­tan­ti­no­po­li­ta­ni­sche, grie­chi­sche (Aus­nah­me sind die Klös­ter auf dem Berg Athos), ru­mä­ni­sche, bul­ga­ri­sche, an­ti­o­che­ni­sche und ale­x­an­d­ri­ni­sche or­tho­do­xe Kir­che.

Wegen der Ein­füh­rung des neu­en neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders werden diese Kir­chen als Neu­ka­len­da­rier be­zeich­net.

 

3.4 Der julianische Ka­len­der bei den Alt­ka­len­da­ri­ern

Dagegen hal­ten nach wie vor am ju­li­a­ni­schen Ka­len­der u. a. fest: die rus­si­sche, ser­bi­sche, nord­ma­ze­do­ni­sche, ge­or­gi­sche und je­ru­sa­le­mi­ti­sche or­tho­do­xe Kir­che und die Athos-Klös­ter in Grie­chen­land.

Sie feiern nach dem Ka­len­der des al­ten Stils und wer­den da­her Alt­ka­len­da­rier ge­nannt.

 

3.5 Das Osterfest nach ju­li­a­ni­scher Zeit­rech­nung

Die gro­ße Aus­nah­me im Ka­len­der bil­det das Os­ter­fest. Es wird als wich­tigs­tes Fest in al­len or­tho­do­xen Kir­chen ge­mein­sam nach dem ju­li­a­ni­schen Ka­len­der ge­fei­ert. Ein­ge­schlos­sen sind von die­ser Re­gel al­le Fest- und Fei­er­ta­ge, die un­mit­tel­bar von Os­tern ab­hän­gen (wie Fas­ten­zei­ten, Pal­ma­rum, Him­mel­fahrt, Drei­ei­nig­keits-fest).

Die Neukalendarier be­trach­ten da­her drei Ka­len­der gleich­zei­tig: den ju­li­a­ni­schen Kir­chen­ka­len­der (für Os­tern und ös­ter­li­che Fest­ta­ge), den neo­ju­li­a­ni­schen Kir­chen­ka­len­der (für Weih­nach­ten, weih­nacht­li­che Fest­ta­ge und fes­te Ge­denk­ta­ge) und den bür­ger­li­chen bzw. staat­li­chen Ka­len­der.

 

4 Die Gültigkeit des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders

Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der gilt in den neu­ka­len­da­ri­schen or­tho­do­xen Kir­chen ab dem gre­go­ri­a­ni­schen 23. März 1924 (ju­li­a­nisch: 10. März 1924).

In unseren Ka­len­der­blät­tern er­scheint die Zeit­an­ga­be da­her erst ab dem
23. März 1924!

 

neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung

Bis zum gre­go­ri­a­ni­schen 28. Fe­bru­ar 2800 sind auf­grund ih­rer Schalt­tag­re­geln der gre­go­ri­a­ni­sche und der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der iden­tisch! Wir fü­hren die Ta­ge den­noch nach neo­ju­li­a­ni­scher Zeit­rech­nung ge­son­dert auf, weil sie Teil des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders sind, nach­dem fak­tisch die Fest­ta­ge der or­tho­do­xen Neu­ka­len­da­rier be­rech­net wer­den.

Wir zeigen Über­ein­stim­mun­gen des Ta­ges­da­tums im neo­ju­li­a­ni­schen und im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der durch ei­nen grün um­ran­de­ten Kopf­bal­ken für die Info-Box »Neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung« an.

 

neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung

Ab dem gre­go­ri­a­ni­schen 29. Fe­bru­ar 2800 lau­fen gre­go­ri­a­ni­scher und neo­ju­li­a­ni­scher Ka­len­der zeit­wei­se aus­ein­an­der. Im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der ist das Jahr 2800 kein Schalt­jahr. Der gre­go­ri­a­ni­sche Diens­tag, der 29. Fe­bru­ar 2800, ist im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der Diens­tag, der 1. März 2800.

Wir wei­sen ab die­ser Zeit auf die Ab­wei­chung zwi­schen neo­ju­li­a­ni­schem und gre­go­ri­a­ni­schem Ka­len­der mit ei­nem rot um­ran­de­ten Kopf­bal­ken für die Info-Box »Neo­ju­li­a­ni­sche Zeit­rech­nung« hin.

 

Hintergründig

Hintergründig

Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der

 

1 Der Unterschied zum julianischen und zum gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der

Der julianische, der gregorianische und der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der unterscheiden sich in der Berechnung der Schaltjahre.

 

Julianischer Ka­len­der

 

Im julianischen Ka­len­der gilt in Jahren nach Christi Geburt →*1) die einfache Regel:

  • Ist eine Jahreszahl ganzzahlig durch 4 ohne Rest teilbar, dann ist dieses Jahr ein Schaltjahr.

Der Schaltjahr-Zyklus beträgt vier Jahre: Auf drei so genannte Gemeinjahre (365 Tage) folgt ein Schaltjahr (366 Tage).

Der julianische Ka­len­der besitzt in vier Jahren ein Schaltjahr.

 

 

Anmerkung:

1 Diese Regel gilt kalendarisch ab dem Jahr 8 n. Chr. und funktioniert effektiv ab dem Jahr 4 n. Chr. Da es im Ka­len­der kein Jahr 0 (Null) gibt, verschiebt sich die Rechnung für Jahre vor Christi Geburt.

Dem Jahr 1 nach Chr. geht das Jahr 1 vor Chr. voraus. Es ist das vierte Jahr vor dem Schaltjahr 4 nach Christus. Das Jahr 1 v. Chr. ist in der rückwärtigen (proleptischen) Berechnung daher ein Schaltjahr, wie auch die Jahre 5 v. Chr., 9 v. Chr, usw.

Die Regel lautet in der Zeit vor Christi Geburt:

Ist eine (negative) Jahreszahl durch -4 mit dem ganzzahligen Rest -1 teilbar, dann ist dieses Jahr ein Schalt­‌jahr.

Beispiel: -3761 (das ist 3761 v. Chr) geteilt durch -4 ergibt den Rest -1. Das Jahr 3761 v. Chr ist ein Schalt­jahr mit 366 Tagen.

 

Gregorianischer Ka­len­der

 

Im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der ist die Regel dreistufig:

  • Ist eine Jahreszahl ganzzahlig durch 4 ohne Rest teilbar, dann ist dieses Jahr ein Schaltjahr.
  • Ist die Jahreszahl ganzzahlig zwar durch 4 aber auch durch 100 jeweils ohne Rest teilbar, dann ist dieses Jahr kein Schaltjahr.
  • Ist die Jahreszahl ganzzahlig zwar durch 4 und durch 100, aber auch durch 400 jeweils ohne Rest teilbar, dann ist dieses Jahr ein Schaltjahr.

Die Folge dieser Regelung: Innerhalb von 400 Jahren fallen gegenüber dem julianischen Ka­len­der drei Schaltjahre aus (mit Jahreszahlen, die durch 100, aber nicht durch 400 ohne Rest teilbar sind).

Der Schaltjahr-Zyklus beträgt 400 Jahre. Darin enthalten sind 303 Gemeinjahre und 97 Schaltjahre.

Der julianische Ka­len­der besitzt in 400 Jahren 100 Schaltjahre.

 

Neo­ju­li­a­ni­scher Ka­len­der

 

Im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der wird es in der dritten Stufe kompliziert:

  • Ist eine Jahreszahl ganzzahlig durch 4 ohne Rest teilbar, dann ist dieses Jahr ein Schaltjahr.
  • Ist die Jahreszahl ganzzahlig zwar durch 4 aber auch durch 100 jeweils ohne Rest teilbar, dann ist dieses Jahr kein Schaltjahr.
  • Ist die Jahreszahl ganzzahlig durch 4 und durch 100 ohne Rest teilbar, und beträgt der Rest bei einer Division durch 900 entweder 200 oder 600, dann ist dieses Jahr ein Schaltjahr.

Die Folge dieser Regelung: Innerhalb von 900 Jahren fallen gegenüber dem julianischen Ka­len­der 7 Schaltjahre aus (mit Jahreszahlen, die zwar ohne Rest durch 100, aber nicht durch 900 mit einem Rest von 200 oder 600 teilbar sind).

Der Schaltjahr-Zyklus beträgt 900 Jahre. Darin enthalten sind 682 Gemeinjahre und 218 Schaltjahre.

Der julianische Ka­len­der besitzt in 900 Jahren 225 Schaltjahre.

Der gregorianische Ka­len­der besitzt in 900 Jahren gemittelt 218,25 Schaltjahre, ist also in ei­nem neo­ju­li­a­ni­schen Zyklus gemittelt um einen Vierteltag länger als der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der. Ver­glei­che der Ka­len­der­sys­te­me sind daher nur in Perioden von 3600 Jahren sinn­voll, in de­nen alle Ka­len­der vollständige Zyklen durchlaufen und ganzzahlig die An­zahl Schalt­ta­ge aus­wei­sen.

 

Erschwerte Berechnungen im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der

Während die ersten beiden Schalt­jahr­re­geln mit denen des gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­ders über­ein­stim­men, er­schwert die letz­te Schalt­jahr­re­gel des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders (ei­gent­lich sind es zwei Re­geln) alle Be­rech­nun­gen im Ka­len­der.

Im julianischen und im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der lässt sich bei Kenntnis der Regeln mit Blick auf die Jahreszahl sofort erkennen, ob das Jahr ein Schaltjahr ist. Mit etwas Übung genügt ein Blick dafür.

Im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der müssen 100er-Jahre (eigentlich kein Schaltjahr) dahingehend über­prüft werden, ob eine Division durch 900 die Reste 200 oder 600 ergibt. Da ist doch min­des­tens Kopf­rech­nen gefragt.

Die Folge dieser Regel ist aber nicht nur die erschwerte Ermittlung der Schaltjahre, son­dern auch die davon abhängige Ermittlung des Wochentags, auf den ein Datum fällt.

In Gemeinjahren mit ihrer Länge von 365 Tagen erhöht sich der Wochentag des 1. März vom Vorjahr zum aktuellen Jahr um 1. War der 1. März im Vorjahr ein Montag, dann ist er im aktuellen Jahr ein Dienstag.

In Schaltjahren erhöht sich der Wochentag jedoch um 2. War der 1. März im Vorjahr ein Montag, dann ist er im Schaltjahr ein Mittwoch. Gleiches gilt für alle übrigen Tage des Jahres, ab­hän­gig davon, ob sie vor oder nach einem Schalttag liegen.

 

2 Die Genauigkeit des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders

 

2.1 Die Jahreslängen in den Ka­len­der­sys­te­men

Die Ka­len­der unterscheiden sich durch die Schaltjahrregeln in der Anzahl der Tage in­ner­halb bestimmter Abschnitte.

Für die folgende Berechnung ist das gemeinsame Vielfache der Schaltjahr-Zyklen der drei Ka­len­der­sys­teme heranzuziehen, das sind 3600 Jahre.

Gegenüber dem julianischen Ka­len­der lässt der gregorianische Ka­len­der in 3600 Jahren ins­ge­samt 27 Schalttage aus, der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der allerdings 28 Tage.

Die Anzahl der Tage in einer Periode von 3600 Jahren beträgt ...

  • ... im julianischen Ka­len­der: 1.314.900 Tage
  • ... im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der: 1. 314.873 Tage (julianisch - 27)
  • ... im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der: 1. 314.872 Tage (julianisch - 28)

Die Divison dieser Werte durch 3600 ergibt die gemittelte Jahreslänge in Tagen im Ka­len­der:

  • julianisch: gemittelt 365,25 Tage pro Jahr
  • gregorianisch: gemittelt 365,2425 Tage pro Jahr
  • neojulianisch: gemittelt 365,242222 pro Jahr

Doch was bedeutete das in Bezug auf die astronomische Jahreslänge, die sich aus dem Um­lauf der Erde um die Sonne, aus dem so genannten Tropischen Jahr ergibt?

 

Unterschiedliche Grund­la­gen für die Be­rech­nung der Ge­nau­ig­kei­ten

Die Grund­la­ge für die Be­ur­tei­lung der Ge­nau­ig­keit eines Ka­len­ders wird oft auf die Um­lauf­zeit der Er­de um die Son­ne re­du­ziert. Die­se Grö­ße heißt Tro­pi­sches Jahr. Doch es gibt un­ter­schied­li­che Vor­ge­hens­weis­en. Zwei sind we­sent­lich:

a) Üblicherweise wird zur Be­rech­nung der Ka­len­der­ge­nau­ig­kei­ten eine Län­gen­an­ga­be he­r­an­ge­zo­gen, die für die Be­rech­nung die mo­der­ne 360°-De­fi­ni­ti­on des Tro­pi­schen Jah­res zu­grun­de legt. Die­sen An­satz ver­fol­gen wir im fol­gen­den Ab­schnitt (2.2.).

b) Daneben gibt es Be­rech­nun­gen, die die äl­te­re De­fi­ni­ti­on des Tro­pi­schen Jah­res ver­wen­den und zu­sätz­lich wei­te­re Ein­fluss­fak­to­ren be­rück­sich­ti­gen. Die­sen An­satz stel­len wir im da­r­auf fol­gen­den Ab­schnitt vor (2.3.).

Schon jetzt sei da­rauf hin­ge­wie­sen: Die Er­geb­nis­se bei­der An­sät­ze un­ter­schei­den sich stark und be­ein­flus­sen die Be­ur­tei­lung der Ka­len­der­ge­nau­ig­kei­ten ge­wal­tig!

 

2.2. Die Genauigkeit bei einer Erdumlaufzeit von 365,2421905 Tagen

Die Zahl 365,24219052

In der Literatur und im Internet wird regelmäßig die Länge des Tropischen Jahres mit 365,24219052 Tagen angegeben.

Dieser Wert stammt aus der Berechnung des Tropischen Jahres nach der heute üblichen so genannten 360°-Grad-Definition des Tropischen Jahres. Genauer: Es ist die so genannte ins­tan­ta­ne Jahreslänge, berechnet aus der Geschwindigkeit der Erdbewegung am 1. Januar 2000.

Dieser Wert beträgt 365 Tage, 5 Stunden, 48 Sekunden und 261 Millisekunden, oder de­zi­mal geschrieben: 365,24219052083333 Tage.

Der Wert ist nicht die tatsächliche Umlaufzeit der Erde um die Sonne (360°)! Diese betrug im Jahr 2000 nämlich 365 Tage, 5 Stunden, 48 Sekunden und 248,085 Millisekunden.
Dezimal: 365,24219037135 Tage.

Werden für die Berechnung der instantanen Jahreslänge andere Tage gewählt, ergeben sich an­de­re Werte. werden für Berechnung der 360°-Grad-Umlauf-Zeit andere Jahre ge­wählt, er­ge­ben sich ebenfalls andere Werte.

Klingt kompliziert, ist es auch, aber es ist wichtig zu wissen, welcher Wert für die Be­rech­nung der Genauigkeiten des gre­go­ri­a­ni­schen und des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders im Fol­gen­den he­r­an­ge­zo­gen wird.

 

Die auffälligen Besonderheiten an dieser Grundlage:

1. Die Zahl stammt aus der Berechnung der Umlaufgeschwindigkeit am 1. Januar 2000. Zur Erinnerung: Der gregorianische Ka­len­der wurde 1582 eingeführt, der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der am 23. März 1924.

2. Die Zahl ist die instante Jahreslänge. Sie wird durchgehend für den gesamten Gül­tig­keits­zeit­raum des Ka­len­ders verwendet (mindestens von 1582 bis unendlich). Tat­säch­li­che Umlaufzeiten, die sich verändern, sowie Schwankungen der instantanen wie auch der 360°-Umlaufzeiten und die Verlangsamung der Erdrotation sind auf dieser Grundlage nicht berücksichtigt.

 

Genauigkeitsüberlegungen zu den Ka­len­der­sys­te­men

Auf der Grundlage der Tropischen Jahreslänge von 365,2421905 Tagen ist der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der deutlich genauer als der gregorianische Ka­len­der.

Die durchschnittliche Abweichung beträgt ...

  • ... im julianischen Ka­len­der: +0.007809 Tage
  • ... im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der: +0.000309
  • ... im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der: +0.0000095 Tage

Das bedeutet, der neojulinaische Ka­len­der ist annähernd 33 mal genauer als der gre­go­ri­a­ni­sche Ka­len­der.

Den Unterschied, der in diesem Fall zur höheren Genauigkeit des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders führt, macht effektiv ein Tag weniger im neolianischen Ka­len­der in 3600 Jahren!

Doch leider wird der eine Tag nicht nur einfach weggelassen. Ein solcher Ka­len­der wäre sehr einfach auf Grundlage des gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­ders zu erzeugen durch eine zu­sätz­li­che Regel: Ist die Jahreszahl zwar durch 400 (Schaltjahr!) aber auch durch 3600 ohne Rest teilbar, ist das Jahr kein Schaltjahr. Das würde zwar funktionieren, würde aber eine angestrebte Genauigkeit des gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­ders innerhalb der 3600 Jahre nicht verbessern, wohl aber nach jeweils 3600 Jahren den Ka­len­der neu starten mit einem verbesserten Datum gegenüber der verwendeten Länge des Sonnenjahrs. →*2)

So einfach macht es sich der neojulinaische Ka­len­der nicht.

Die kontinuierlich auflaufenden Ungenauigkeiten im Ka­len­der müssen in mög­lichst klei­nen, im Ka­len­der abbildbaren Abschnitten ausgeglichen werden, nicht nur an einem Tag in 3600 Jahren oder all­ge­mein in sehr großen Zeitabschnitten. Menschenleben sind kürzer, und Ka­len­der­sys­te­me müssen den Anforderungen unser Lebenspraxis gerecht werden.

Dies war und ist die große Herausforderung bei allen Ka­len­der­sys­te­men, die je entwickelt wurden und noch werden. Dies ist zugleich die Problematik des gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­ders, der unter Heranziehung des Tropischen Jahres nach der 360°-Definition ohne das Weglassen eines Schalttags in ferner Zukunft aufgrund seiner (minimalen) Un­ge­nau­ig­keit dem Son­nen­jahr davon laufen wird. Er wird das selbe Schicksal erleiden, wie einst der julianische Ka­len­der.

Nach festen Re­geln werden daher in vom gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der ab­wei­chen­den Ab­stän­den im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der Schalt­tage weg­ge­las­sen oder hin­zu­ge­fügt. Dies ge­schieht so­lan­ge, bis sich nach 3600 Jahren ein Tag weniger er­gibt. Das erschwert aller­dings die Um­rech­nun­gen zwischen gregorianischem und neo­ju­li­a­ni­schem Ka­len­der erheblich!

 

*1) Das Tropische Jahr wurde im Laufe der Zeit unterschiedlich definiert. Daraus ergeben sich für die Berechnung der Länge unterschiedliche Werte. Für unsere Betrachtung sind von Bedeutung die moderne so genannte 360°-Definition und die ältere Definition nach zwei Durchgängen der Sonne durch einen festgelegten Punkt. Während bei der Berechnung nach der modernen Definition der Startpunkt auf der Umlaufbahn der Erde um die Sonne keine Rolle spielt, hängen die Ergebnisse nach der älteren Definition unmittelbar vom Startpunkt ab. Um vergleichbare Ergebnisse für verschiedene Jahre zu erhalten, muss stets der selbe Startpunkt gewählt werden. Bevorzugt wird daher der Frühlingspunkt (Früh­lings­ä­qui­nok­ti­um) gwählt, der Moment, an dem vom der Erde aus betrachtet, die Sonne auf ihrem Weg nach Norden direkt über dem Äquator steht.

* 2) An dieser Stelle sind astronomische Berechnungen nicht relevant. Überlegungen dazu folgen weiter unten. Hier geht es um den direkten Vergleich der Ka­len­der­sys­te­me, wobei ein gemeinsamer Startpunkt, ein fiktiver 1. Januar im Jahr 1 vorausgesetzt wird. Die tatsächlichen Daten der Ka­len­der­ein­füh­rung (15. Oktober 1582 bzw. 23. März 1924) und die an diesen Tagen geltenden astronomischen Zeiten (um Abweichungen zu ermitteln) bleiben unberücksichtigt.

 

2.3. Die Genauigkeit bei Frühlingspunkt-Durchschreitung

In der Literatur und im Internet wird regelmäßig die Länge des Tropischen Jahres mit 365,24219052 Tagen angegeben.

Dieser Wert stammt aus der Berechnung des Tropischen Jahres nach der heute üblichen so genannten 360°-Grad-Definition des Tropischen Jahres. Genauer: Es ist die so genannte ins­tan­ta­ne Jahreslänge, berechnet aus der Geschwindigkeit der Erdbewegung am 1. Januar 2000.

Anzumerken ist: Astronomisch berechnet nach der 360°-Definition des tropischen Jahren wäre eine Korrektur um einen Tag bereits nach etwa 3225 Jahren im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der nötig. Dabei werden allerdings zwei Dinge nicht berücksichtigt: 1. Der gregorianische Ka­len­der stützt sich auf die Frühlingsäquinoktium-Definition des tropischen Jahres. Durch ihn sollte verhindert werden, dass sich der Frühlingspunkt in der Zukunft zu weit vom 21. März wegbewegt. 2. Die Durchlaufzeit vom Frühlingspunkt bis zum nächsten Frühlingspunkt nimmt derzeit (bis etwa zu Jahr 4800) kontinuierlich zu, dann wieder ab. 3. Die Dauer der Erdrotation schwankt und wird sich lanfristig kontinuierlich verlagsamen. Da Ka­len­der Tage messen, werden als Ausgleich in Abständen Schaltsekunden am 30.6. und/oder am 31.12. eines Jahres eingefügt. Eine Schaltsekunde ist derzeit ungefähr alle 18 Monate nötig, allerdings lassen sich konkrete Erfordenisse nicht weit genug vorausberechnen. Von 1972 bis 2019 wurden 27 Schaltsekunden in den Ka­len­der eingefügt. Der Effekt: Die Zeiteinheit Tag dehnt sich aus, das Jahr wird scheinbar kürzer (der Frühlingspunkt wird früher im Jahr erreicht).

Zusammengenommen bewirkt das: Der Abweichung des gregorianische Ka­len­ders zum Tropischen Frühlingspunkt-Jahr nimmt derzeit kontinuierlich ab und erreicht um das Jahr 3000 seinen minimalen Wert von +0,00012 Tagen. Danach steigt die Abweichung wieder an. Um das Jahr 4800 herum wird die Abweichung in etwa der derzeitigen Abweichung im 21. Jahrhundert entsprechen.

Das bedeutet: Wenn eine Abweichung von ± 0,0002 Tagen tolerierbar sei (wie im 16. Jahrhundert), dann wird im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der für viele Tausend Jahre keine Korrektur nötig sein. Erst nach dem Jahr 5900 übersteigt der Fehler die angenommene Toleranzgrenze .

Anders im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der: Seine Abweichung beträgt zur Zeit etwa -0,00012 Tage. Die Abweichung wächst aber derzeit an und wird den maximalen Wert von -0,00018 Tagen um das Jahr 3000 erreichen. Danach fällt die Abweichung wieder und wird um 4800 ähnlich groß sein wie heute. Um das Jahr 5900 wird keine Abweichung bestehen, aber der Fehler steigt wieder an (nun mit positive Werten). Nach dem Jahr 7000 überschreitet der Wert mit +0,0002 Tagen die angenommene Toleranzgrenze.

Interessant dabei ist, dass um das Jahr 2800, wenn der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der erstmals vom gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der abweicht (bis zum 28. Februar 2800 sind beide Ka­len­der identisch!), ist die Fehlabweichung im neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der gegenüber dem Tropischen Jahr nach Frühlingsäquinoptikum größer, als die Abweichung im gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der. Und so bleibt es, bis etwa zum Jahr 4800. Erst danach gewinnt der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der effektiv an Genauigkeit gegenüber dem gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der.

 

Gedankenpausen

Die Zukunft der kirchlichen Ka­len­der

Eine kleine Ka­len­der­kri­tik

 

1 Der fehlende Nutzen des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders

Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der ist umstritten. Dabei spielen zwei Sichtweisen eine Rolle: die kirchlich-religiöse und die ka­len­der­wis­sen­schaft­li­che.

 

1.1 Der fehlende kirchlich-religiöse Nutzen

Etliche or­tho­do­xe Kir­chen lehnen die Einführung des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders ab. Ihre Ar­gu­men­te sind überwiegend kirchlich-religiös begründet.

Die kirchlichen Feste wurden von al­ters her nach dem julianischen Ka­len­der berechnet. Spe­ziell für die Ermittlung des Os­ter­da­tums wurden im 4. Jahrhundert kirchlich ver­bind­li­che Regeln erlassen.

In den Evangelien ist das jüdische Pessach-Fest ein entscheidendes Datum. Mit ihm sind das Letzte Abendmahl, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu verbunden. Die Christen fei­er­ten ur­sprüng­lich ihr Auferstehungsfest gemeinsam mit dem jüdischen Pessach-Fest, das sie nun (latinisiert) »Pascha« nannten. Doch der staatliche Ka­len­der war in Rom der ju­li­a­ni­sche Ka­len­der und darin war Pascha kein Feiertag. Das Fest wurde auf einen (ar­beits­frei­en) Sonntag gelegt (DIES DOMINICUS, Tag des Herrn), sollte aber nach wie vor mit dem Pessach-Fest stattfinden oder kurz danach. Dies konnte im 4. Jahrhundert mit der Be­rech­nung des Sonnenzyklus (Frühlingsbeginn) und des Mondzyklus (Vollmond im Früh­ling) ge­leis­tet werden.

So wurde der Frühlingsbeginn kirchlich auf den 21. März festgelegt. Tatsächlich war der as­tro­no­mi­sche Frühlingsbeginn im 4. Jahrhundert auch am 21. März, doch wurde dieses Da­tum in den Re­geln für die Berechnung des Osterdatum fest implementiert, wodurch es sich vom as­tro­no­mi­schen Frühlingsbeginn ablöste.

Ebenso wurden vom 21. März abhängig Mondzyklen be­stimmt. Der kirchliche Früh­lings­voll­mond ist nicht der erste Vollmond im Frühling, son­dern der erste Vollmond nach dem 21. März, berechnet nach der damals benutzten Umlaufzeit des Mondes um die Erde. Dieser Tag, der 21. März, ist der Aus­gangs­punkt, um alle Feste des Osterkreises zu bestimmen und alle Sonntage bis hin zum 1. Advent. Und das bis heute!

Das ist bei allen Ka­len­der­be­rech­nun­gen zu be­rück­sich­ti­gen.

Eine Angleichung des julianischen Ka­len­ders an den astronomischen Frühlingspunkt ist bei dieser Definition nicht erforderlich. Der Frühlingspunkt ist im Kir­chen­ka­len­der de­fi­niert.

Eine solche Angleichung, wie sie der gregorianische Ka­len­der vor­ge­nom­men hatte, bringt sogar neue Probleme mit sich. Astronomische und kirchlich be­rech­ne­te Mondzyklen können abweichen oder der astronomische Frühlingsbeginn liegt vor dem 21. März (was zu Zeiten der Kir­chenväter nie vorgekommen ist und daher in der kirch­li­chen Re­gel un­be­rück­sichtigt blieb). Dann kommt es zum so genannten Os­ter­pa­ra­do­xon. Der as­tro­no­mi­sche Früh­lings­be­ginn und der astronomische erste Voll­mond im Früh­ling er­ge­ben ein an­de­res Os­ter­da­tum als bei Verwendung der kirch­li­chen Vor­ga­ben.

Ein Ka­len­der, der sich maß­geb­lich an astronomischen Zuständen orientiert, ist aus dieser Sicht für kirchliche Zwecke nicht hilfreich, eher sogar hinderlich. Argumente, die auf ab­wei­chen­de Zu­stände am Him­mel in der Gegenwart, auf Wissenschaft und Erkenntnis fußen, zählen nicht gegenüber Kon­zils­be­schlüs­sen.

Aus den selben Gründen ste­hen die Altkalendarier auch dem gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der ablehnend gegenüber.

 

1.2 Der feh­len­de ka­len­der­wis­sen­schaft­li­che Nut­zen

Kalenderwissenschaftlich sind der Nutzen und die Vorteile des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders nicht eindeutig. Unterschiedliche Methoden der Bestimmung des für die Ka­len­der re­le­van­ten Son­nen­jah­res führen zu unterschiedlichen Ergebnissen, was die Ge­nau­ig­keit und Lang­fris­tig­keit der Ka­len­der­sys­te­me be­trifft.

Fest scheint zu stehen, dass die üblichen durch­gän­gi­gen Berechnungen auf Basis einer kon­stan­ten Län­ge der Erdumlaufzeit falsch sind und sich in größeren Zeiträumen feh­ler­haft aus­wir­ken. Dabei ist weniger der Fehler das Problem (er tritt erst viele hundert Jahre nach uns auf und könnte zu gegebener Zeit leicht korrigiert werden!), sondern viel­mehr die Tat­sa­che, dass heute mit der fehlerhaften Berechnung für oder gegen Ka­len­der­sys­te­me ar­gu­men­tiert wird.

Der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der besitzt schon heute bis zum Jahr 2800 überhaupt keine Vor­tei­le. Er läuft bis zum 28. Februar 2800 völlig synchron mit dem gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der.

Aber auch lang­fris­tig zeigen sich keine Vorteile gegenüber dem gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der unter Berücksichtigung der realen Erdumlaufzeiten, der Erdrotation und des ursprünglichen Sinns der Ka­len­der. Im Gegenteil: In den nächsten Jahrhunderten wird seine Ge­nau­ig­keit gegenüber dem gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der abnehmen. Im entscheidenen Jahr 2800, wenn erstmals ein Unterschied zwischen neo­ju­li­a­ni­schem und gregorianischem Ka­len­der auftritt, wird der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der sich seiner größten Unangenauigkeit bezogen auf den Mittelwert stark angenähert haben.

Die schwankende und sich verlangsamende Erdrotation wird schon heute mit Schalt­se­kun­den ausgeglichen. In ferner Zukunft könnten, sofern nötig, auch simple Schalt­tags­kor­rek­tu­ren vorgenommen werden. Mit anderen Worten: Unser gre­go­ri­a­ni­scher Ka­len­der wird fortlaufend schon heute in winzigen Einheiten gepflegt und kann je­der­zeit auch größere Korrekturen erfahren. Dies verhindert über sehr lange Zeit­räu­me hinweg umfassende Ka­len­der­re­for­men.

Das Ziel, astronomische Ereignisse wie Frühlingsbeginn und erster Vollmond im Frühling langfristig genauer im Ka­len­der abzubilden, um ein verlässliches Osterdatum jederzeit und weit in die Zukunft reichend zu bestimmen, erfüllt der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der nicht besser als der gregorianische Ka­len­der.

 

2 Die Folgen des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders ab 2800

Ab dem Jahr 2800 weicht der neo­ju­li­a­ni­sche Ka­len­der zunächst zeitweise, ab dem Jahr 5200 kontinuierlich vom gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der ab.

Dies hat zur Folge, dass die Gemeinschaft der Christen kalendarisch in ferner Zukunft wei­ter aus­ein­an­der­drif­ten wird.

So wird nach heute gültigen Regeln im Jahr 2800 der 1. Weihnachtstag begangen ...

  • ... von den abendländischen Kir­chen am gre­go­ri­a­ni­schen Montag, den 25. Dezember 2800,
  • ... von den or­tho­do­xen Neukalendariern am gre­go­ri­a­ni­schen Sonntag, den 24. Dezember 2800 (neojulianisch: Sonntag, der 25. Dezember 2800),
  • ... von den or­tho­do­xen Altkalendariern am gre­go­ri­a­ni­schen Samstag, den 13. Januar 2801 (julianisch: Samstag, der 25. Dezember 2800).

Dies wirft neue Probleme auf, zumal in den meisten Staaten nach ihren heute gültigen Re­ge­lun­gen als bürgerlicher oder staatlicher Ka­len­der der gregorianische Ka­len­der gilt.

 

3 Die Uneinigkeit der Kir­chen und ihre Folgen

 

3.1 Keine Einigkeit im Ka­len­der­streit in Sicht

Alle bisherigen Versuche, die Kir­chen­ka­len­der zu ver­ein­heit­li­chen schei­ter­ten bis­her. So­wohl in­ner­halb der or­tho­do­xen Kir­chen wie auch in den abend­län­di­schen Kir­chen, und erst recht zwi­schen ihn­en.

 

3.2 Die schlimmen Folgen der parallelen Kir­chen­ka­len­der

Be­son­ders in mul­ti­kul­tu­rel­len Ge­mein­schaf­ten (wie in Deutsch­land und vie­len eu­ro­pä­i­schen Staa­ten) fei­ern Chris­ten an zwei, ab dem Jahr 2800 an bis zu drei un­ter­schied­li­chen Ta­gen ih­re wich­tigs­ten Fes­te. Sie le­ben zwar ver­bun­den mit­ei­n­ander in Part­ner­schaf­ten, in Nach­bar­schaf­ten, in Be­kannt­schaf­ten, in Ver­ei­nen, in Dör­fern, Stadt­tei­len und Städ­ten, am Ar­beits­platz, in Schu­len, Kin­der­gär­ten und Se­ni­o­ren­re­si­den­zen, aber sie fei­ern ge­trennt.

Die ver­ant­wort­li­chen Kir­chen de­mon­strie­ren da­mit pla­ka­tiv und vor­der­grün­dig (weil un­mit­tel­bar im Ka­len­der ab­zu­le­sen) Ab­gren­zung und Ab­schot­tung. Sie pro­kla­mie­ren In­to­le­ranz und Selbst­herr­lich­keit. Sie agie­ren ge­gen­sätz­lich zu dem, was sie ver­kün­den: christ­li­che Wer­te und christ­li­che Leh­ren.

So­lan­ge sol­che Ka­len­der­strei­tig­kei­ten nicht be­ho­ben sind, und je­de Kir­che ih­ren Ka­len­der für den ein­zig wah­ren Ka­len­der und für un­an­tast­bar hält, wer­den al­le öku­me­ni­schen Be­stre­bun­gen nur auf ganz schwa­chen Fü­ßen ste­hen.

Der Ka­len­der ist der Ge­ne­ral­schlüs­sel zur Öku­me­ne!

 

Immerhin: Es gibt hier und da zaghafte Versuche, sich anzunähern. So haben beispielsweise die evan­ge­li­schen Kir­chen Deutschlands entgegen guter lutherischer und re­for­ma­to­ri­scher Tra­di­ti­on die Tage →Maria Magdalena (22. Juli), →Enthauptung Jo­han­nes des Täufers (29. Au­gust), →Martinstag (11. November) und →Nikolaustag (6.12.) ab dem Kir­chen­jahr 2018/2019 in die Kir­chen­ka­len­der aufgenommen und den →Tag des Apostels Thomas auch für den 3. Juli vorgesehen. Damit haben sie nun fünf weitere Tage im Kalender, die zeitgleich mit rö­misch-ka­tho­li­schen und und etlichen or­tho­do­xen Kir­chen begangen werden können. – Dies ist die Voraussetzung dafür, sie auch gemeinsam mit ihnen zu begehen!

 

4 Die Zukunft der Kir­chen­ka­len­der

 

4.1 Wie geht es mit neo­ju­li­a­ni­schen kalender weiter?

Bis zum Jahr 2800 ist es noch weit hin. Aber mit dem Blick aus der heutigen Zeit rechnen wir fest damit, dass die or­tho­do­xen Neukalendarier allein aus praktischen Gründen (nicht aus kalenderwissenschaftlichen!) vor dem Jahr 2800 den gre­go­ri­a­ni­schen Kalender als Kir­chen­ka­len­der übernehmen werden. Denn die ursprünglichen Ziele, die durch die Ein­füh­rung des neo­ju­li­a­ni­schen Kalenders verfolgt wurden, sind ab dem Jahr 2800 hinfällig. Und bis dahin gibt es durch den noejulianischen Kalender keine Vorteile.

Wir werden unsere prophetische Sicht nicht verifizieren können, aber sie ist auf der Basis heu­ti­ger Regeln naheliegend. Selbstverständlich kann es anders kommen. Eventuell ent­schei­det sich sogar die Weltgemeinschaft aller Staaten für den neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­der und die Kir­chen ziehen mit? Unwahrscheinlich, aber möglich. Spätere Ge­ne­ra­ti­o­nen werden richten, was für sie nö­tig und sinn­voll er­scheint.

 

4.2 Gedanken zum julianischen Kir­chen­ka­len­der

Wahrscheinlich werden sich bis dahin (doch wohl deutlich vor dem Jahr 2800) auch die Alt­ka­len­da­rier be­we­gen lassen, ihren Kir­chen­ka­len­der umzustellen.

Macht für die Beständigkeit des Christentums im Volksglauben Weihnachten mitten staat­li­chen Januar Sinn? Oder sorgt das nicht eher für Distanz? Könnte es nicht als Auf­be­geh­ren ge­gen Weltlichkeit, Wissenschaft und Fortschritt verstanden werden? Ver­brei­tert sich da­durch nicht die Kluft zwischen der realen Lebenspraxis der Gläubigen und einer sich da­von zu­nehmend distanzierenden Kir­chenwelt? Welche Ziele sollten Kir­chen­obe­re ver­fol­gen? Geht es um die Einhaltung kirchlicher Dogmen und Kon­zils­be­schlüs­se oder um das Heil der Gläu­bi­gen in ihrer Obhut?

 

4.3 Der allgemeine Sinn der Kalender

Die Erde ist keine Scheibe und nicht das Zentrum des Universums. Sie dreht sich um die Son­ne und richtet sich dabei um keinen von Menschen gemachten Kalender. Im Ge­gen­teil: Un­se­re Ka­len­der sollt­en sich am Lauf der Erde um die Sonne orientieren. Das war das Ziel aller Ka­len­der­sys­te­me seit der Frühzeit der Menschheit, wie beispielsweise alt­ägyp­ti­sche Ka­len­der, der Maya-Kalender, Stonehenge oder die Himmelsscheibe von Ne­bra be­le­gen.

Dies war auch ein Grund für die Ein­füh­rung des julianischen Kalenders 45 v. Chr. mit sei­nen Schalttagen. Seine Gültigkeit beschränkte sich aber aufgrund seiner großen Ab­wei­chung zur Umlaufzeit der Erde um die Sonne auf eine sehr kurze Periode der Mensch­heits­ge­schichte, die inzwischen lange zurückliegt. Die Ablösung des ju­li­a­ni­schen Kalenders durch den gre­go­ri­a­ni­schen Ka­len­der im Jahr 1582 erfolgte sehr spät. Diese Ka­len­der­re­form wäre bereits 1000 Jahre früher sinnvoll und nötig gewesen.

Dennoch hielten viele Regionen und Staaten Europas noch lange am julianischen Ka­len­der fest, einige bis ins 20. Jahrhundert hinein. Aber auch sie haben inzwischen den neu­en Ka­len­der eingeführt. Bei den or­tho­do­xen Alt­ka­len­da­ri­ern zeichnet sich noch keine Kalenderreform ab.

 

4.4 Die Unbrauchbarkeit des julianischen Kalenders im kirchlichen Alltag

Das Weihnachtsfest der Altkalendarier ist derzeit breits am gre­go­ri­a­ni­schen 7. Januar an­ge­langt. Es driftet von Jahrhundert zu Jahrhundert immer weiter Richtung Februar. Lassen Sie uns in die ferne Zukunft blicken, ausgehend vom heutigen Stand der Kalender:

Das or­tho­do­xe Fest »Taufe des Herrn - Theophanien - Epiphanie« am julianischen 6. Januar (unser Tag »Heilige Drei Könige - Epiphanias«) würde im Jahr 3801 auf den gre­go­ri­a­ni­schen 2. Februar fallen. An diesem Tag feiern die West­kir­chen und und die Neukalendarier bereits »Lichtmess« bzw. »Begegnung des Herrn«. Noch deutlicher lassen sich die Unterschiede der Konfessionen und ihre Uneinigkeit von den verantwortlichen Kir­chen kaum darstellen.

Das mögliche Argument, mit dem julianischen Ka­len­der nach alten Brauch und nach alter Zeit­rech­nung der Christenheit zu feiern, ist keins, weil sich über die Jahrhunderte erwiesen hat, dass das, was damals für Christen (und alle anderen Staatsbürger des römischen Reichs) noch richtig war, heute falsch ist. Der julianische Ka­len­der ist heute in der Lebenswirklichkeit, auch in der der Kir­chen, schlicht un­brauch­bar. Die Trennung von Kir­che und Staat mag richtig sein, die Trennung von Kir­che und der Lebenswirklichkeit der Christen nicht.

In sehr langen Zeiträumen gedacht, wird das julianische Datum 25. Dezember, Weih­nach­ten, nach dem as­tro­no­mi­schen Frühlingsbeginn liegen und das or­tho­do­xe Os­ter­fest nach dem astronomischen Som­mer­an­fang.

Auch die Argumente, das sei ferne Zukunft und heute seien die Abstände ja nicht so groß und durchaus im erträglichen Rahmen, sind keine. Falsch ist falsch. Der dringende Hand­lungs­be­darf für Ka­len­der­re­for­men besteht heute, nicht erst in ferner Zu­kunft!

 

5 Die Hoffnung auf Einheitlichkeit

Wir hof­fen da­r­auf, dass zeit­ge­mä­ße und vor al­lem christ­lich-ethi­sche Ar­gu­men­te für eine Re­form der Kir­chen­ka­len­der Ge­hör fin­den, und es al­le christ­li­chen Kir­chen schaf­fen, ih­re Ver­bun­den­heit mit­ei­n­an­der und die Ver­bun­den­heit ih­rer Gläu­bi­gen auch im Kir­chen­ka­len­der zu de­mons­trie­ren. Wir mei­nen: Das sind die Kir­chen­obe­ren ih­ren Gläu­bi­gen schul­dig.

Ähn­lich, wie es in Finn­land die or­tho­do­xe Kir­che und die evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Kir­che längst ge­schafft und er­füllt ha­ben. Be­dau­er­lich (aus der Sicht der Chris­ten), dass die­ses Bei­spiel, noch vor der Ein­füh­rung des neo­ju­li­a­ni­schen Ka­len­ders um­ge­setzt, an­de­ren Kir­chen in an­de­ren Län­dern nicht zum Vor­bild ge­reich­te.

 

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→Neojulianischer Schalttag | 29. Februar 2020

Ab dem Jahr 2800 weichen die neo­ju­li­a­ni­schen Schalt­jah­re von un­se­rem Ka­len­der ab. Doch auch bis da­hin gibt es das Schalt­jahr und den 29. Februar.

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