Gedanken über Gerechtigkeit und Glauben

Reiner Makohl
Erstveröffentlichung: 16. Oktober 2026
Letztes Update: 17. Oktober 2026
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Grafik: Die Todesstrafe - wenn der Staat zum Henker wird.
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Die Diskussion um bereits vollzogene und geplante Hinrichtungen in den USA wirft erneut eine grundsätzliche Frage auf: Kann die Tötung eines Menschen gerecht sein, weil ein Gericht sie angeordnet hat?
Aus christlicher Sicht: nein!
Die Bibel erzählt gleich zu Beginn der Menschheitsgeschichte von einem Mord. Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Gott zieht ihn dafür zur Verantwortung und bestraft ihn. Doch er schützt Kain zugleich davor, selbst getötet zu werden.
Mehr noch: Gott kündigt jedem, der Kain tötet, Vergeltung an (1Mos 4,15). Wer den Mörder tötet, dem droht Gott mit einer siebenfach härteren Strafe als dem Mörder selbst.
Die späteren alttestamentlichen Rechtsordnungen übernehmen diesen grundlegenden göttlichen Schutzgedanken nicht durchgängig. Sie sehen für bestimmte Vergehen ausdrücklich die Todesstrafe vor. Erst Jesus greift den Gedanken der Überwindung von Vergeltung wieder auf und führt ihn in seiner Lehre weiter. Er fordert Versöhnung, Feindesliebe und einen Umgang miteinander, der über die Maßstäbe staatlicher Rechtsprechung hinausgeht.
Die Schuld eines Mörders bleibt bestehen. Seine Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit. Doch wer einen Täter hinrichtet, macht ihn selbst zum Opfer. Richter und Henker tragen dafür eigene Schuld ganz besonders schwerer Art. Gerade, wer Gottes Willen kennt, kann sich vor Gott nicht auf die Rechtmäßigkeit seines Handelns berufen.
Ein Todesurteil kann durchaus nach staatlichem Recht gültig sein. Vor Gott wird die Tötung dadurch nicht gerecht. Staatliche Legitimation oder gesellschaftliche Ansichten rechtfertigten Taten nicht vor Gott.
Ich stehe als Christ entschieden gegen jede vorsätzliche Tötung eines Menschen. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein Staat sie anordnet, ein Gericht sie erlaubt oder eine Religion sie duldet, rechtfertigt oder gar verlangt.
Evangelisch Christsein meint: Gott gegenüber verantwortlich sein.
Und damit jedem Menschen gegenüber.
Kurze Gedanken zu Fragen des Glaubens, des Zusammenlebens und der Verantwortung aus evangelisch-christlicher Sicht.
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Grafik: Die Todesstrafe - wenn der Staat zum Henker wird.
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Text: Reiner Makohl
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