
Stilkunst.de ist kein privates Glaubenstagebuch und kein politischer Meinungsblog. Das Projekt versteht sich als Versuch, christlichen Glauben sprachfähig, unterscheidungsfähig und nachvollziehbar zur Sprache zu bringen.
Die hier versammelten Texte entstehen aus einer evangelisch-reformatorischen Perspektive. Maßstab ist nicht religiöse Stimmung, kulturelle Tradition oder politische Zweckmäßigkeit, sondern die Bindung an das biblische Wort in seiner christologischen und geschichtlich verantworteten Auslegung. Diese Wortbindung meint keine rein wörtliche oder kontextgelöste Bibelverwendung, sondern eine theologisch reflektierte Orientierung am Evangelium, die zur Unterscheidung befähigt.
Stilkunst.de steht in der Tradition der Reformation des 16. Jahrhunderts. Die Texte orientieren sich an den reformatorischen Bekenntnissen, etwa der Confessio Augustana (1530), ebenso wie an neueren evangelischen Bekenntnissen wie der Barmer Theologischen Erklärung (1934) oder der Leuenberger Konkordie (1973).
Diese Orientierung bedeutet keine unkritische Übernahme. Auch Bekenntnisse stehen unter dem Vorbehalt theologischer Prüfung, insbesondere dort, wo sie mit der Lehre Jesu oder mit grundlegenden Einsichten moderner christlicher Theologie in Spannung geraten.
Maßstab ist das reformatorische Prinzip sola scriptura, verstanden als Bindung an das biblische Wort in christologischer und geschichtlich verantworteter Auslegung, wie sie ähnlich Luther verstanden hatte. Gemeint ist keine wortwörtliche oder kontextlose Bibelverwendung, sondern eine theologisch begründete, zeitgemäße Auslegung, die zur Unterscheidung befähigt.
In diesem Sinne grenzt sich Stilkunst.de sowohl von evangelikal-fundamentalistischen Bibelverständnissen als auch von volksfrömmigen, politisch vereinnahmenden oder beliebigen Umdeutungen christlicher Inhalte ab.
Christlicher Glaube bleibt nicht folgenlos. Er betrifft Zeit, Gesellschaft, Macht, Verantwortung und Schuld. Wer glaubt, steht nicht außerhalb der Welt, aber auch nicht zur freien Verfügung politischer oder ideologischer Interessen. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Stilkunst.de.
Stilkunst.de ist eine überwiegend kalenderbasierte Textsammlung. Ausgangspunkt ist jeweils der konkrete Tag im bürgerlichen, gesellschaftlichen und kirchlichen Kalender. Von dort aus werden religiöse Praxis, Brauchtum und theologische Deutungen sichtbar gemacht und eingeordnet
Der Kalender dient dabei nicht als liturgisches System, sondern als bewährtes Ordnungsprinzip. Menschen stellen ihre Fragen selten abstrakt, sondern zu bestimmten Zeiten: an Weihnachten, Ostern oder Pfingsten, an staatlichen Feiertagen, an Gedenktagen für Gewalt und Leid, an Tagen, die durch gesellschaftliches Brauchtum geprägt sind. Stilkunst.de setzt dort an, wo diese Fragen entstehen, und macht Texte auffindbar, wo Orientierung gesucht wird.
Viele Beiträge greifen das evangelische Kirchenjahr und die Perikopenordnung auf, andere widmen sich katholisch geprägten Festzeiten, vorreformatorischem Brauchtum oder staatlichen Feier- und Gedenktagen. Es geht dabei nicht um Brauchtumspflege, sondern um Einordnung, Klärung und verantwortetes Erinnern.
Stilkunst.de versteht christlichen Glauben weder als private Angelegenheit noch als verfügbares Instrument politischer oder ideologischer Interessen. Wo christliche Sprache, Symbole oder Narrative öffentlich verwendet werden, bedarf es der Unterscheidung zwischen Bekenntnis und Instrumentalisierung, zwischen theologischer Aussage und religiöser Symbolpolitik.
Die Texte auf Stilkunst.de sind eigenständige theologische Beiträge. Sie wollen nicht überzeugen oder zur Gefolgschaft einladen, sondern zur eigenen Urteilsbildung befähigen. Ziel ist Verständlichkeit, begriffliche Klarheit und Widerspruchsfähigkeit im Blick auf Glauben, Praxis und gesellschaftliche Deutungen in der Zeit.
Die Haltung, aus der diese Texte entstehen, die Abgrenzung gegenüber religiöser Vereinnahmung sowie die ethische Grundorientierung von Stilkunst.de werden auf den folgenden Seiten näher erläutert.