
Christlicher Glaube steht nicht zur politischen, kulturellen oder ideologischen Verfügung. Er ist kein identitätsstiftendes Mittel, kein moralischer Verstärker und kein religiöser Legitimationsrahmen für weltliche Interessen.
Wo christliche Sprache, biblische Motive oder religiöse Symbole dazu dienen, politische Programme, gesellschaftliche Ordnungen oder kulturelle Überlegenheitsansprüche zu stützen, wird der Glaube instrumentalisiert. Eine solche Instrumentalisierung widerspricht dem evangelischen Verständnis des Wortes Gottes als Maßstab.
Das Evangelium bindet an Christus allein. Es bindet nicht an Volk, Nation, Herkunft, Kultur oder politische Ordnung. Es gibt Orientierung, begründet jedoch keine religiöse Sondermoral. Es legitimiert keine Machtansprüche oder Meinungen, sondern stellt sie unter den Vorbehalt der Verantwortung vor Gott und den Menschen.
Evangelischer Glaube lebt von klaren Unterscheidungen zwischen dem Wort Gottes und menschlichen Ordnungen, zwischen Bekenntnis und politischer Macht sowie zwischen christlicher Verantwortung und religiöser Selbstermächtigung. Wo diese Unterscheidungen aufgegeben werden, verliert der Glaube seine Freiheit und wird zum Werkzeug fremder Interessen.
Den Glauben nicht zu instrumentalisieren, bedeutet nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen. Im Gegenteil: Die biblischen Grundwerte sind mutig auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu übertragen und in der Auslegung ist ihre christologische Bedeutung herauszustellen.
Die Würde des Menschen ist aus christlicher Sicht nicht verhandelbar, nicht relativierbar und nicht an Zugehörigkeit gebunden. Sie ist keine kulturelle Errungenschaft und entsteht nicht durch gesetzliche oder verfassungsmäßige Definitionen, sondern gründet allein und vollständig in der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen. Wo christliche Rhetorik dazu dient, Menschen abzuwerten, auszugrenzen oder ihre Rechte infrage zu stellen, beschädigt sie den Glauben, statt ihn zu verteidigen.
Die Wertschätzung ist eine praktische Seite der Nächstenliebe und zugleich deren Grundlage: Den anderen in seiner Würde als Ebenbild Gottes wahrzunehmen – im Alltag wie am Arbeitsplatz. Diese Wertschätzung adressiert die Person, nicht ihre Fähigkeiten, nicht ihre Leistung und nicht ihre Meinung. Sie ist das Fundament, auf dem wir stehen, selbst wenn wir in der Sache hart streiten oder Kritik üben. Wo eine solche Kultur gelebt wird, hat Instrumentalisierung keinen Platz.
Diese Seite markiert eine klare Grenze. Christlicher Glaube widersetzt sich jeder Vereinnahmung, auch dort, wo sie religiös, kulturell oder moralisch auftritt. Der gute Zweck heiligt nicht die Mittel. Maßstab bleibt das Wort.
Diese Abgrenzung gewinnt ihre inhaltliche Mitte in einer personalen christlichen Ethik, die den einzelnen Menschen in den Blick nimmt in einer Welt des beständigen Wandels.