Predigttext zu Mt 13,24-30

»Nicht alles, was spricht, ist Weizen!«

 

 

 

Kleiner Entwurf für eine Predigt

 

 

Evangelium nach Matthäus
13,24-30

Aus den Gleichnisreden Jesu

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen

Nicht alles, was spricht, ist Weizen!

Eine entmythologisierte Betrachtung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen

 

Mohn und Kornblumen im Weizenfeld | Grafik: © © Geschütztes Bildmaterial, Reiner Makohl, Adobe Firefly

Abbildung: Mohn und Kornblumen im Weizenfeld
Grafik: © Geschütztes Bildmaterial, Reiner Makohl, Adobe Firefly

An Dich!

Ein schwieriges Gleichnis. Wovon redet Jesus da? Jesus erzählt vom Acker, auf dem guter Weizen wächst – und zugleich Unkraut. Das Unkraut kommt nicht zufällig. Es wird absichtlich gesät, nachts, heimlich, durch einen Feind. Ziel ist nicht Koexistenz, sondern Zerstörung: das Feld soll verdorben, die Ernte gefährdet werden.

Jesus beschreibt damit keine fromme Idylle, sondern die Realität der Welt – und auch der Kirche. Wahrheit und Lüge, Liebe und Menschenverachtung, Glaube und Ideologie wachsen zunächst nebeneinander. Oft sind sie lange kaum zu unterscheiden. Das Unkraut tarnt sich. Es wirkt plausibel, spricht vertraute Sprache, beruft sich auf Ordnung, Tradition, Identität – heute auch auf „christliche Werte“.

Doch Jesus ist nicht naiv. Er sagt nicht: Alles ist gleich gut. Er sagt: Wartet. Nicht, weil das Unkraut harmlos wäre, sondern weil vorschnelles Richten Menschen zerstören kann. Das letzte Urteil über Personen steht Gott zu. Die „Ernte“ ist ein Bild dafür, dass am Ende nicht Selbstzuschreibungen zählen, sondern das, was ein Mensch existenziell geworden ist.

Das aber wird oft missverstanden. Gottes Geduld ist kein Freibrief für Passivität. Sie ist keine religiöse Ausrede, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Im Gegenteil: Gerade weil Menschen nicht Richter über andere sind, tragen sie Verantwortung für das, was hier und jetzt geschieht.

Jesus sagt nicht: Lasst das Unkraut gewähren. Er sagt: Reißt nicht blindlings Menschen heraus. Aber er traut der Wahrheit zu, sichtbar zu werden – an den Früchten. Wo Angst gesät wird, wo Menschen abgewertet, ausgegrenzt oder entmenschlicht werden, da zeigt sich, was kein Weizen ist.

Christlicher Glaube bekennt die unantastbare Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes. Diese Würde ist nicht verhandelbar. Sie ist Grundlage des Evangeliums – und sie ist Grundlage unserer Demokratie. Darum kann die Kirche nicht neutral sein, wenn Ideologien auftreten, die Menschen nach Herkunft, Meinung oder Lebensweise sortieren und entwerten, auch wenn sie sich religiös tarnen.

Die Kirche ist nicht berufen, Menschen endgültig zu verurteilen. Aber sie ist sehr wohl berufen, Lehren, Haltungen und politische Programme zu prüfen. Sie ist berufen, zu widersprechen, wo Menschenwürde verletzt wird. Sie ist berufen, Grenzen zu ziehen, wo christliche Sprache für Hass und Hetze missbraucht wird. Und sie ist berufen, die zu schützen, die unter solchen Ideologien leiden.

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen ist kein Text der Bequemlichkeit. Es ist ein Text der Nüchternheit. Er entlastet uns vom göttlichen Gericht – und verpflichtet uns zur menschlichen Verantwortung. Bis zur Ernte gilt: nicht richten, aber unterscheiden; nicht verdammen, aber klar widersprechen; nicht zerstören, sondern schützen.

Denn Gott richtet am Ende nach dem Sein. Und unser Auftrag ist es, jetzt so zu leben, dass Menschenwürde, Nächstenliebe und Freiheit wachsen – wie guter Weizen auf Gottes Acker.

 

 

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de

SK Version 14.02.2026