Aus den Gleichnisreden Jesu
Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen
Gottes Gericht entlastet - christliche Verantwortung verpflichtet
Abbildung: Mohn und Kornblumen im Weizenfeld
Grafik: © Geschütztes Bildmaterial, Reiner Makohl, Adobe Firefly
Jesus erzählt vom Acker mit Weizen und Unkraut. Das Unkraut wird nicht zufällig gesät. Es kommt gezielt, heimlich, mit der Absicht, das Feld zu schädigen. Anfangs ist es kaum zu unterscheiden, manchmal wirkt es sogar überzeugend. Erst mit der Zeit zeigt sich, was es ist – an seinen Früchten.
Jesus sagt nicht: Alles ist gleich gültig. Er sagt: Das letzte Urteil über Menschen steht Gott zu. Die „Ernte“ ist Gottes Sache. Aber diese Geduld Gottes ist kein Freibrief für Passivität – nicht für Christen, auch nicht für die Kirche.
Wo Ideologien auftreten, die Menschen abwerten, ausgrenzen oder ihre Würde infrage stellen, handelt es sich nicht um eine innerkirchliche Meinungsvielfalt. Das widerspricht dem Evangelium. Wer christliche Sprache benutzt, um Hass, Nationalismus oder antidemokratisches Denken zu legitimieren, missbraucht den Glauben.
Darum gilt: Die Kirche ist nicht Richterin über das Heil von Menschen. Aber sie ist verantwortlich für Lehre, Ämter und öffentlichen Auftritt. Sie darf und muss Grenzen ziehen. Menschenverachtende Positionen gehören nicht in kirchliche Leitungsfunktionen, nicht auf Kanzeln und nicht in kirchliche Bildungsarbeit.
Christlicher Glaube bekennt die unantastbare Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes. Diese Würde ist nicht verhandelbar – sie ist Grundlage des Evangeliums und unserer Demokratie. Sie zu schützen ist kein politischer Zusatz, sondern kirchlicher Auftrag.
Das Gleichnis entlastet uns vom letzten Gericht – und verpflichtet uns zur Klarheit im Hier und Jetzt. Nicht richten über Personen, aber eindeutig widersprechen, wo das Evangelium verfälscht wird. So wächst guter Weizen. Und so bleibt die Kirche glaubwürdig.