Volkstrauer

Gedanken über die Opfer von Gewalt

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Gedanken zum Volkstrauertag
und über die Opfer von Gewalt

Gegen Gewalt – Für Frieden | Wir haben es in der Hand! | Grafik: © Geschütztes Bildmaterial | copyrighted picture

Gegen Gewalt – Für Frieden
Wir haben es in der Hand.
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»In Europa ist viel über den Krieg nachgedacht worden. Die Engländer taten es vorher, die Franzosen während des Krieges, die Deutschen nachher.«

Kurt Tucholsky, 1890 - 1935

Der Volkstrauertag ist ein nationaler Trauertag der Bundesrepublik Deutschland zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und der Toten beider Weltkriege.

Uns stellt sich die Frage: Ist das noch zeitgemäß?

Gut und wichtig ist die öffentliche Aufmerksamkeit, die dem Tag zuteilwird: Der Deutsche Bundestag begeht den Volkstrauertag mit einer zentralen Gedenkstunde mit Rede und Ansprache des Bundespräsidenten in Anwesenheit des Bundeskanzlers, des Kabinetts und des Diplomatischen Korps. In vielen Gemeinden finden offizielle Kranzniederlegungen statt.

Ein Gedenktag, der an Kriege erinnert

Die Problematik des Volkstrauertages begründet sich in der Tatsache, dass er ein Gedenktag ist, der an Kriege erinnert. Allzu leicht ist es möglich, damit eine Glorifizierung kriegerischen Handelns zu verbinden, wie es faktisch die Umwidmung dieses Tages zum »Heldengedenktag« während des Dritten Reichs belegt. Bis heute gelingt es dem Volkstrauertag nicht, sich ausreichend und nachhaltig von solchen Gedankenströmen der Heldenverehrung zu befreien. So wird er immer wieder zum Politikum in der gelebten Praxis des Brauchtums.

Das Problem sitzt tief, die klare Akzentuierung des Verständnisses ist wesentlich, damit der Volkstrauertag nicht Gefahr läuft, zu einer Plattform für propagandistische Kriegshetze, glorifizierendes Heldentum und archaischer Gewaltbereitschaft zu verkommen.

Verkannt wird dabei, dass es sich um einen Gedenktag für Opfer handelt, nicht für Helden. Auch Soldaten sind in erster Linie Opfer. Sie sind es spätestens dann, wenn Mütter um ihre Söhne und Kinder um ihre Väter trauern. Aber ein solches Verständnis geht mit Schuldbekenntnissen und Schuldanerkennung einher. Es würde Opfer über Täter stellen und das Machtgefüge grundlegend erschüttern. Will man das? Ist unsere Gesellschaft dazu in der Lage?

Gedenktag für Opfer von Gewalt

Wir meinen: Der Volkstrauertag ist als Gedenktag für Opfer von Gewalt eindeutiger, ohne dabei seinen konkreten Bezug zu Krieg und seinen Folgen zu verlieren. Er hätte aber die Chance, das zu würdigen, was Betroffene bewegt: Den unannehmbaren Schmerz in der Trauer um Angehörige und Mitmenschen, die letztendlich genau das sind: Opfer von Gewalt. Es sind Menschen, die von Tätern zu Opfern degradiert wurden. Gnadenlos, rücksichtslos und respektlos.

Es wäre an der Zeit, eine Umwidmung zu überdenken.

 

 

– Hinweis –

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Unsere kleine Reihe »Gedankenpausen« ist eine Sammlung unterschiedlicher Texte für Zwi­schen­durch zu Fragen und Themen aus Gesellschaft, Kirche und Religion. Es lohnt sich womöglich, da mal rein­zu­schau­en:

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Kleine Pausen für neue oder neu zu denkende Gedanken.

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Der Volkstrauertag ist der deutsche Trauertag zum Ge­den­ken der Opfer des Na­ti­o­nal­so­zi­a­lis­mus, der To­ten bei­der Welt­krie­ge und der Op­fer von Ge­walt.

Mehr darüber in diesem Artikel.

 

Sabrina

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SK Version 16.05.2020