9. Sonntag nach Trinitatis

Sonntag, 10. August 1800

evangelisches Kreuz
QuickInfo

Altkirchliche Ordnung

Evangelium    Zum TextLk 16,1-12   
Epistel Zum Text1Kor 10,1-13   
Lied Nr. 384   [EG 497]   
→Gottesdienstordnung

 

evangelisches Kreuz

Das evangelische Kirchenjahr

nach den altkirchlichen Leseordnungen

Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün
10.8.1800 | 9. Sonntag nach Trinitatis
Sonntag
 

9. Sonntag
nach Trinitatis

Grün

 

 

 

Bewegliches Datum
Der 9. Sonntag nach Trinitatis liegt zwischen dem<br>19. Juli und dem 22. August eines Jahres.
 
  • 9. Sonntag nach Trinitatis
  • 17. Sonntag nach →Ostern
  • Abhängig vom →Osterdatum
  • Der 9. Sonntag nach Trinitatis liegt zwischen dem
    19. Juli und dem 22. August eines Jahres.
Symbol: Abstand zum Osterfest
 
  • 119 Tage nach Ostern
  • am 120. Tag nach Ostern, gerechnet ab Ostersonntag

 

Gottesdienstliche Ordnungen

Symbol Evangelisch

Der evangelische

9. Sonntag
nach Trinitatis

nach der altkirchlichen Leseordnung

 

→ allgemein seit der Reformation mindestens bis zum Kirchenjahr 1897/1898 in Gebrauch

 

 

Liturgische Farbe

 
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün

Grün

 

Thema des Sonntags

( nach dem Evangeliumstext Lk 16,1-12 )

 

Gleichnis vom ungerechten Haushalter

 

 

 

Spruch und Psalm für die Woche

 
Biblia
1545
 

Spruch
für die Woche

 

SO ſehet nu zu / wie jr furſichtiglich wandelt / nicht als die vnweiſen / ſondern als die weiſen.

→Eph 5,15

Pſalm
54
 

Psalm
für die Woche

 
 

→Psalm 54

 

 

 

Die biblischen Texte für Lesung und Predigt

 
Lesung Predigttext Text
Evangelium im Hauptgottesdienst Zum TextLk 16,1-12
Epistel im zweiten Gottesdienst Zum Text1Kor 10,1-13
     

 

Erläuterungen zu den Perikopen

Mit der Reformation änderte sich die Bedeutung der Lesungen und der Predigt im Gottesdienst grundlegend. Gab es vorher keine oder nur eine sehr lose Bindung der Perikopen an die Messe, so war für Luther nun regelmäßig die Evangelienperikope Grundlage der Predigt im sonntäglichen Hauptgottesdienst (vormittags), an diesem Tag also Zum TextLk 16,1-12.

Im Fokus der Predigt stand jetzt als Teil der Verkündigung die Auslegung des Evangeliums.

Die Epistelperikope war als Predigttext empfohlen für den Gebrauch im Gottesdienst am Nachmittag bzw. Abend (siehe dazu auch Luthers Schrift → Von der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde, 1523, Über den Sonntagsgottesdienst).

Die Reihe der Epistelperikopen enthielt (anders als heute) auch Texte aus dem Alten Testament. Es gab keine spezielle Reihe für Lesungen aus dem Alten Testament.

Doch die Pfarrer und Prediger waren zunächst nicht nur frei darin, einen biblischen Text für die Predigt zu wählen, sondern geradezu aufgefordert, die Predigt an den Bedürfnissen der Gemeinde und an der geübten Praxis auszurichten.

In den meisten Kirchen wurden nahezu täglich Gottesdienste geboten (die in unseren Kalendern z. Z. nicht abgebildet sind). An Sonn- und Feiertagen konnten gleich mehrere Gottesdienste und Messen stattfinden. Hier entwickelten sich Leseempfehlungen für jeden Wochentag, in Summe also für jeden Tag des Kirchenjahres.

Von Bedeutung war auch die protestantische Ausrichtung der Gebietskirche: lutherisch, reformiert (calvinistisch) und uniert. Unterschiede zeigten sich in der Liturgie und damit im Verständnis der Predigt als Teil der Verkündigung.

Luthers allgemeinen Empfehlungen in seinen Schriften folgten etwa ab 1560 vereinzelt Ansätze, eine gewisse verbindliche Textordnung für Pfarrer und Gemeinden zu gestalten. Dies geschah jedoch zaghaft und zögerlich angesichts der bestehenden Meinungsvielfalt und angesichts der Lage der Entscheidungshoheit, die nicht in der Kirche, sondern beim Landesfürsten angesiedelt war. Zunächst gab es auch keinen hinreichenden Bedarf für neue Regelungen: Gottesdienst war selbstverständlich und die Bevölkerung nahm rege teil. Doch spätestens im Zeitalter der Aufklärung, als ein deutlicher Rückgang christlichen Engagements in der Bevölkerung zu erkennen war, die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig abnahm und etliche unterwöchige Gottesdienste und Messen gestrichen wurden, trat die Notwendigkeit deutlich hervor, das Gottesdienstverständnis und die Gottesdienste des Kirchenjahres zu überdenken.

Dies führte vielfach schon früh und speziell im 19. Jahrhundert zu zahlreichen unterschiedlichen Durchführungen, Vorschlägen und Erprobungen, bis sich 1896 die Eisenacher Konferenz als reichsweite Konferenz der deutschen Landeskirchen mit der Idee einer allgemein gültigen Textordnung beschäftigte und schließlich eine Perikopenordnung beschloss, die ab 1898/1899 allen evangelischen Landeskirchen zur Umsetzung empfohlen wurde.

Es ist derzeit an dieser Stelle nicht möglich, für die Jahre 1530/1531 bis 1898/1899 Textordnungen darzustellen, die über die altkirchlichen Perikopen für die Lesungen und Predigten hinaus gehen. Wir sind uns dabei bewusst, dass diese Perikopen regional und zeitlich begrenzt keine Bedeutung hatten.

 

HERR thu meine Lippen auff

Das mein Mund deinen Rhum verkündige.

→Psalm 51,17

 

 

Perikopen

Perikopen nach Luther 1545

9. Sonntag nach Trinitatis

 

Perikopen

Texte für Lesungen und Predigt

 

Texte nach der Lutherbibel von 1545 gesetzt nach der Vorlage des Originals in Frakturschrift mit Luthers Scholion und Verweisen in den Marginalspalten. Ergänzt um Verszählung und Abschnittsüberschriften.

 

LESUNG UND PREDIGTTEXT

Evangelium

Evangelium nach Lukas

Lk 16,1-12

 

Biblia

 

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

C. XVI.

 

 

Verse 1 - 9

Das Gleichnis vom ungetreuen Hausverwalter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IHeſus ſprach aber auch zu ſei­nen Jün­gern Es war ein rei­cher Man / der hat­te ei­nen Haus­hal­ter / der ward fur jm be­rüch­ti­get / als het­te er jm ſei­ne Güter vmb­bracht. 2Vnd er fod­dert jn / vnd ſprach zu jm / Wie hö­re ich das von dir? Thu rech­nung von dei­nem haus­hal­ten / Denn du kanſt hin­furt nicht Haus­hal­ter ſein. 3Der Haus­hal­ter ſprach bey ſich ſelbs / Was ſol ich thun? mein Herr nimpt das Ampt von mir / Gra­ben mag ich nicht / So ſche­me ich mich zu bet­teln. 4Ich weis wol was ich thun wil / wenn ich nu von dem Ampt ge­ſetzt wer­de / das ſie mich in jre Heu­ſer ne­men.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5VND er rieff zu ſich al­le Schül­de­ner ſei­nes Herrn / vnd ſprach zu dem er­ſten / Wie viel bi­ſtu mei­nem Herrn ſchül­dig? 6Er ſprach / Hun­dert tun­nen öles. Vnd er ſprach zu jm / Nim dei­nen Brieff / ſe­tze dich / vnd ſchreib flugs funff­zig. 7Dar­nach ſprach er zu dem an­dern / Du aber / wie viel bi­ſtu ſchül­dig? Er ſprach / Hun­dert mal­ter wei­tzen. Vnd er ſprach zu jm / Nim dei­nen Brieff / vnd ſchreib ach­zig. 8Vnd der Herr lo­be­te den vn­ge­rech­ten Haus­hal­ter / das er klüg­lich ge­than hat­te / Denn die Kin­der die­ſer welt ſind klü­ger / denn die Kin­der des Liech­tes / in jrem Ge­ſchlech­te. 9Vnd ich ſa­ge euch auch / Ma­chet euch Freun­de mit dem vn­ge­rech­ten * Mam­mon / Auff das / wenn jr nu dar­bet / ſie euch auff­ne­men in die ewi­gen Hüt­ten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*

(Mammon)

Mammon iſt Ebre­iſch / vnd heiſ­ſet Reich­thum.

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Abschnitt:

Die Rede über Treue im Irdischen

Verse 10 - 12

|| → Mt 6,24

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10WEr im ge­rin­ge­ſten trew iſt / der iſt auch im groſ­ſen trew / Vnd wer im ge­rin­ge­ſten ** vn­recht iſt / der iſt auch im groſ­ſen vn­recht. 11So jr nu in dem vn­rech­ten Mam­mon nicht trew ſeid / Wer wil euch das war­haff­ti­ge ver­traw­en? 12Vnd ſo jr dem fremb­den nicht trew ſeid / Wer wil euch ge­ben / das je­ni­ge das ew­er iſt?

 

**

(Unrecht)

Mam­mon heiſſt er vn­recht / da­r­umb / das er vn­rech­tem brauch vn­ter­worf­fen iſt. Frembd / da­r­umb das er nicht blei­bet / wie das gei­ſtli­che Gut / das ewig vn­ſer vnd wahr­haff­tig iſt. Trew ſein in dem Mam­mon / iſt ſein gött­lich brau­chen / zu des Ne­he­ſten nutz. Wer das nicht thut / wird viel we­ni­ger im Geiſt­li­chen trew ſein / ja er wird kei­nes ha­ben.

 

 

 

LESUNG UND ZWEITER PREDIGTTEXT

Epistel

Erster Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth

1Kor 10,1-13

REIHE

EP

 

Biblia

 

 

 

 

Die Erſte Epiſtel
S. Páuli:
An die Córinther.

 

C. X.

 

 

Verse 1 - 13

Warnung vor sündiger Lust

 

 

Paulus schreibt:

 

 

 

 

→Exod. 17.

ICH wil euch aber / lieben Brüder / nicht verhalten / Das vnſer Veter ſind alle vnter der Wolcken geweſen / 2Vnd ſind alle durchs Meer gegangen / vnd ſind alle vnter Moſen getaufft / mit der Wolcken / vnd mit dem Meer / 3Vnd haben alle einerley geiſtliche Speiſe geſſen / 4vnd haben alle einerley geiſtlichen Tranck getruncken / Sie truncken aber von dem geiſtlichen Fels / der mit folget / welcher war Chriſtus. 5Aber an jr vielen hatte Gott keinen wolgefallen / Denn ſie ſind nidergeſchlagen in der Wüſten.

 

 

 

 

→Exod. 32.

 

→Num. 25.

 

→Num. 21.

 

 

 

→Num. 14.

6DAs iſt aber vns zum Furbilde geſchehen / das wir nicht vns gelüſten laſſen des Böſen / Gleich wie jene gelüſtet hat. 7Werdet auch nicht Abgöttiſche / Gleich wie jener etliche worden / Als geſchrieben ſtehet / Das Volck ſatzte ſich nider zu eſſen vnd zu trincken / vnd ſtund auff zu ſpielen. 8Auch laſſet vns nicht Hurerey treiben / Wie etliche vnter jnen hurerey trieben / Vnd fielen auff einen tag drey vnd zwenzig tauſent. 9Laſſet vns aber auch Chriſtum nicht verſuchen / Wie etliche von jnen jn verſuchten / Vnd wurden von den Schlangen vmbbracht. 10Murret auch nicht / Gleich wie jener etliche murreten / Vnd wurden vmbbracht durch den Verderber.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11SOlches alles widerfur jnen / zum Furbilde / Es iſt aber geſchrieben / vns zur warnung / auff welche das ende der Welt komen iſt. 12Darumb / wer ſich leſſet düncken / Er ſtehe / Mag wol zuſehen / das er nicht falle. 13Es hat euch noch keine / denn menſchliche Verſuchung betretten. Aber Gott iſt getrew / der euch nicht leſſet verſuchen / vber ewer vermögen / Sondern machet / das die Verſuchung ſo ein ende gewinne / das jrs künd ertragen.

 

 

Darumb verachte keiner den andern wie ſtarck oder ſchwach er ſey / Wer weis wie lange er ſelbst bleibet.

 

 

 

»Frewet euch mit den Frölichen /

vnd weinet mit den Weinenden.

Habt mit allen Menſchen Friede.«

→Römerbrief 12,15.18

Zum Gebrauch

Der Rückblick auf die Perikopenordnungen vergangener Jahrhunderte zeigt auf, wie sich die Verwendung der biblischen Texte in evangelischen Gottesdiensten im Laufe der Zeit veränderte.

Wir beschränken uns in den weit zurückliegenden Jahren auf Perikopenordnungen, die überwiegend in Gebrauch waren.

Durch die neue Ordnung für die Verwendung von Sprüchen, Psalmen, Bibeltexten und Liedern in Gottesdiensten sind die alten Ordnungen zwar liturgisch überholt, aber inhaltlich deswegen keineswegs falsch.

Wir möchten Sie daher ermuntern, die in alter Zeit verwendeten Perikopen zu betrachten. Nur so können Sie ergründen, ob das, worauf sich Pfarrer vor Hunderten von Jahren in Gottesdienst und Predigt stützten, auch noch heute aktuell ist. Aktuell für Sie ganz persönlich.

 

Biblia 1545

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel ist auf unseren Seiten in Anlehnung an das Druckbild des Originals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers Intentionen, mit der Typografie Lesehilfen bereitzustellen, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

 

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