Sakrament

Eine evangelische Begriffserklärung
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Begriffserklärung

Sakrament

Das sichtbare Wort

 

Reiner Makohl | Februar 2026

 

Ein Sakrament ist eine von Christus eingesetzte Handlung, in der die göttliche Verheißung zugesagt und durch ein äußeres Zeichen bezeugt wird (Taufe und Abendmahl). Es ist kein magisches Mittel, sondern die leibliche Zuspitzung der Wortbindung: Das Zeichen trägt die Zusage nicht in sich, sondern verweist auf sie und bindet den Glauben an das Wort Gottes. [→↗1]

Systematische Kurzformel

Ein Sakrament ist die Verheißung im Wort, bezeugt durch eine von Christus eingesetzte Zeichenhandlung.

1. Einstieg

 

Warum gibt es im evangelischen Glauben nur zwei Sa­kra­men­te, wäh­rend an­de­re Tra­di­ti­o­nen sie­ben Sa­kra­men­te oder zahl­rei­che Sa­kra­men­ta­lien ken­nen? Die Ant­wort liegt im Ver­ständ­nis des­sen, was ein Sa­kra­ment ei­gent­lich ist: Es ist kein hei­li­ges Ding, son­dern ein sicht­ba­res Wort. [→↗2]

2. Was ein Sakrament evangelisch auszeichnet

 

Ein Sakrament ist durch drei Merkmale definiert:

  • Einsetzung durch Christus: Es ist kein menschlich erfundener Brauch, sondern ein göttlicher Auftrag. [→↗3]
  • Äußeres Zeichen: Wasser, Brot und Wein sind die materiellen Elemente.
  • Die Verheißung (lateinisch: Promissio, dt.: Verheißung, Zusage): Das entscheidende Element ist das Wort Christi, das mit dem Zeichen verbunden ist.

Ohne das Wort bleibt das Wasser nur Wasser. Erst durch die Ver­hei­ßung („Ich taufe dich...“) wird die Hand­lung zum Sa­kra­ment. Das Sa­kra­ment wirkt nicht ma­gisch durch den blo­ßen Voll­zug (la­tei­nisch: ex opere operato), son­dern es will im Glau­ben er­grif­fen wer­den. [→↗4]

3. Abgrenzung zur Sakramentalie

 

Der Unterschied ist fundamental:

  • Sakramentalien sind kirchliche Erfindungen, die Dinge oder Orte geitlich qualifizieren sollen.
  • Sakramente sind Gottes Zusage an Menschen, die Gewissheit des Heils zuspricht.

Evangelisch gesehen gibt es keine Ab­stu­fun­gen von Hei­lig­keit. Ein Ge­gen­stand wird nicht durch ein Ge­bet oder Weih­was­ser „auf­ge­la­den“. Im Sa­kra­ment nutzt Gott Materie ausschließlich als Trä­ger sei­ner Zu­sa­ge an den Men­schen. [→↗5]

4. Warum diese Unterscheidung wichtig ist

 

Wenn alles (Trauung, Beerdigung, Gegenstände, Gebäude) sakramental oder sakramentalienhaft verstanden wird, verliert das Sakrament seine Konzentration. Das Sakrament ist die Ausnahme, nicht die Regel. Wo religiöse Mittel vermehrt werden, entsteht neue Abhängigkeit von Riten statt Vertrauen auf das Wort. [→↗6]

Exkurs:
Das sakramentale Profil

Evangelisch vs. Katholisch

 

„Man nutzt oft dasselbe Wort, meint aber eine völlig andere Logik.“

 

Obwohl Evangelische und Katholiken vom „Sakrament“ sprechen, meinen sie damit nicht dasselbe.

Entscheidend ist die Frage, ob Gottes Handeln an das Wort gebunden bleibt oder durch sakramentale Mittel objektiv vermittelt wird.

 

→ Zur systematischen Klärung siehe den Artikel:

→ Sakramentales Profil

Evangelisch-reformatorisch und römisch-katholisch im Vergleich

5. Evangelische Schlussfolgerung

 

Das Sakrament dient dem Evan­ge­lium, es pro­du­ziert kein Evan­ge­li­um. Nicht das Hei­li­ge wird ver­füg­bar, son­dern die Zu­sa­ge wird hör­bar und sicht­bar.

 

Verbindung zu anderen Begriffen

 

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SK Version 14.02.2026