Symbol

Eine evangelische Begriffserklärung
Symbol Wissen

Begriffserklärung

Symbol

Zeichen, das verweist, doch selbst nicht wirkt

 

Reiner Makohl | Februar 2026

 

Ein Symbol ist vergleichbar einem Wegweiser. Im evangelischen Verständnis besitzt es keine eigene Wirksamkeit, sondern verweist auf das Wort der Verheißung, dem allein Vertrauen gilt. Zeichen wie Kreuz, Kerze oder Fisch erinnern an Gottes Handeln, ohne selbst Träger einer geistlichen Kraft zu sein.

Systematische Kurzformel

Ein Symbol verweist, es bewirkt nicht.

1. Einstieg

 

Religiöse Praxis kommt ohne Bilder und Symbole nicht aus. Doch oft geschieht eine Verwechslung: Das Zeichen wird für die Sache selbst gehalten. Aus einem Symbol, das auf Gott hinweist, wird ein Gegenstand, der Gott in bestimmten Weisen festhalten soll.

Evangelische Theologie zieht hier eine klare Grenze zwischen Bedeutung (was das Zeichen sagt) und Wirkung (was das Zeichen vermeintlich macht). Diese Grenze ist kein ästhetisches Urteil, sondern ein theologisches Kriterium. [→↗1]


2. Was ein Symbol im evangelischen Sinn bedeutet

 

Ein Symbol ist ein sichtbares Zeichen für eine unsichtbare Wirklichkeit. Es hat eine verweisende Funktion. Seine Aufgabe ist die Transparenz: Das Symbol macht das Wort Gottes für die menschliche Wahrnehmung zugänglich, ohne es zu ersetzen. [→↗2]

Ein Symbol ohne das erklärende Wort bleibt offen für beliebige Deutungen und verliert damit seine theologische Verbindlichkeit. Erst die Wortbindung gibt dem Zeichen seine Richtung und bewahrt es davor, willkürlich gedeutet zu werden. [→↗3]

Kurz gesagt:

Ein Symbol kann auf etwas zeigen oder zielgerichtet Erinnerungen auslösen, es macht aus sich heraus nichts.

 

3. Was ein Symbol nicht ist

 

Ein Symbol ist kein Amulett und kein Talisman. Evangelisch ist ein Symbol niemals:

  • Wirkmedium: Es strahlt keine Heiligkeit und verändert nicht die geistliche Qualität eines Ortes.
  • Schutzmittel: Es besitzt keine eigene Macht, Unheil abzuwehren oder Glück herbeizuführen.
  • Ersatz für den Glauben: Das bloße Vorhandensein eines Symbols (z.B. an der Haustür) ersetzt nicht das Vertrauen auf die Verheißung des Wortes.

Wo Zeichen mehr sein sollen als Hin­weis, wo sie wir­ken, schüt­zen, be­wah­ren oder ab­weh­ren sol­len, wer­den sie funk­ti­o­na­li­siert. Dann tritt nicht mehr die Ver­hei­ßung in den Mit­tel­punkt, son­dern das Zei­chen selbst. [→↗4]

 

4. Anwendung: Symbol vs. Wirkmittel

 

In der religiösen Volksfrömmigkeit begegnen Zeichen häufig an der Grenze zum Magischen. Entscheidend ist die Frage: Dient das Zeichen dem Bekenntnis und der Erinnerung, oder soll es den Raum selbst absichern?

Sobald von einem Zeichen eine Wirkung erwartet wird, die über Erinnern und Verweisen hinausgeht, wechselt die theologische Logik: vom Symbol zur Sakramentalie, vom Wort zur funktionalen Zeichenpraxis. [→↗5]

5. Evangelische Schlussfolgerung

 

Evangelisch ist, was transparent bleibt auf das Wort hin und sich nicht an seine Stelle setzt. Ein Symbol behält seine theologische Integrität nur dort, wo es verweist und nicht verfügt, wo es Bedeutung erschließt und nicht Sicherheit produziert. [→↗6]

 

 

Verbindung zu Begriffen

  • → Segen: Zuspruch der Verheißung, keine Schutz­tech­nik
  • → Sakramentalien: Zeichen mit Wirk­sam­keits­an­spruch
  • → Wortbindung: Maßstab reformatorischer Theologie
  • → Raum: Ort des Hörens, nicht Träger von Heiligkeit
 

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SK Version 14.02.2026