Tag der Heimsuchung Mariä

Mittwoch, 2. Juli 1800

evangelisches Kreuz
QuickInfo

Altkirchliche Ordnung

Evangelium     Zum TextLk 1,39-56   
Epistel Zum TextJes 11,1-5   
Lied Nr. 200   [EG 308]   
→Gottesdienstordnung

 

evangelisches Kreuz

Das evangelische Kirchenjahr

nach den altkirchlichen Leseordnungen

Christusmonogramm mit A und O in Gold (Ersatz der liturgischen Farbe Weiß)
2.7.1800 | Tag der Heimsuchung Mariä
Mittwoch
 

Tag der Heimsuchung
Mariä

Weiß

 

 
 

Teil II: Unbewegliche Feste und Gedenktage  

 

Kalenderblätter

 

Festes Datum
2. Juli
 
  • Der Tag der Heimsuchung Mariä
    ist immer der 2. Juli eines Jahres.

 

Gottesdienstliche Ordnungen

Symbol Evangelisch

Der evangelische

Tag der Heimsuchung
Mariä

nach der altkirchlichen Leseordnung

 

→ allgemein seit der Reformation mindestens bis zum Kirchenjahr 1897/1898 in Gebrauch

 

 

Liturgische Farbe

 
Christusmonogramm mit A und O in Gold (Ersatz der liturgischen Farbe Weiß)

Weiß

 

Thema des Sonntags

( nach dem Evangeliumstext Lk 1,39-56 )

 

Maria und Eliſabeth.
Der Lobgeſang der Maria

 

 

 

Psalm für den Tag

 
Pſalm
89
 

Psalm
für den Tag

 
 

→Psalm 89

 

Hinweis: Es gilt der Wochenspruch des vorgehenden Sonntags.

 

 

Die biblischen Texte für Lesung und Predigt

 
Lesung Predigttext Text
Evangelium im Hauptgottesdienst  Zum TextLk 1,39-56
Epistel im zweiten Gottesdienst Zum TextJes 11,1-5
     

 

Erläuterungen zu den Perikopen

Mit der Reformation änderte sich die Bedeutung der Lesungen und der Predigt im Gottesdienst grundlegend. Gab es vorher keine oder nur eine sehr lose Bindung der Perikopen an die Messe, so war für Luther nun regelmäßig die Evangelienperikope Grundlage der Predigt im sonntäglichen Hauptgottesdienst (vormittags), an diesem Tag also  Zum TextLk 1,39-56.

Im Fokus der Predigt stand jetzt als Teil der Verkündigung die Auslegung des Evangeliums.

Die Epistelperikope war als Predigttext empfohlen für den Gebrauch im Gottesdienst am Nachmittag bzw. Abend (siehe dazu auch Luthers Schrift → Von der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde, 1523, Über den Sonntagsgottesdienst).

Die Reihe der Epistelperikopen enthielt (anders als heute) auch Texte aus dem Alten Testament. Es gab keine spezielle Reihe für Lesungen aus dem Alten Testament.

Doch die Pfarrer und Prediger waren zunächst nicht nur frei darin, einen biblischen Text für die Predigt zu wählen, sondern geradezu aufgefordert, die Predigt an den Bedürfnissen der Gemeinde und an der geübten Praxis auszurichten.

In den meisten Kirchen wurden nahezu täglich Gottesdienste geboten (die in unseren Kalendern z. Z. nicht abgebildet sind). An Sonn- und Feiertagen konnten gleich mehrere Gottesdienste und Messen stattfinden. Hier entwickelten sich Leseempfehlungen für jeden Wochentag, in Summe also für jeden Tag des Kirchenjahres.

Von Bedeutung war auch die protestantische Ausrichtung der Gebietskirche: lutherisch, reformiert (calvinistisch) und uniert. Unterschiede zeigten sich in der Liturgie und damit im Verständnis der Predigt als Teil der Verkündigung.

Luthers allgemeinen Empfehlungen in seinen Schriften folgten etwa ab 1560 vereinzelt Ansätze, eine gewisse verbindliche Textordnung für Pfarrer und Gemeinden zu gestalten. Dies geschah jedoch zaghaft und zögerlich angesichts der bestehenden Meinungsvielfalt und angesichts der Lage der Entscheidungshoheit, die nicht in der Kirche, sondern beim Landesfürsten angesiedelt war. Zunächst gab es auch keinen hinreichenden Bedarf für neue Regelungen: Gottesdienst war selbstverständlich und die Bevölkerung nahm rege teil. Doch spätestens im Zeitalter der Aufklärung, als ein deutlicher Rückgang christlichen Engagements in der Bevölkerung zu erkennen war, die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig abnahm und etliche unterwöchige Gottesdienste und Messen gestrichen wurden, trat die Notwendigkeit deutlich hervor, das Gottesdienstverständnis und die Gottesdienste des Kirchenjahres zu überdenken.

Dies führte vielfach schon früh und speziell im 19. Jahrhundert zu zahlreichen unterschiedlichen Durchführungen, Vorschlägen und Erprobungen, bis sich 1896 die Eisenacher Konferenz als reichsweite Konferenz der deutschen Landeskirchen mit der Idee einer allgemein gültigen Textordnung beschäftigte und schließlich eine Perikopenordnung beschloss, die ab 1898/1899 allen evangelischen Landeskirchen zur Umsetzung empfohlen wurde.

Es ist derzeit an dieser Stelle nicht möglich, für die Jahre 1530/1531 bis 1898/1899 Textordnungen darzustellen, die über die altkirchlichen Perikopen für die Lesungen und Predigten hinaus gehen. Wir sind uns dabei bewusst, dass diese Perikopen regional und zeitlich begrenzt keine Bedeutung hatten.

 

HERR thu meine Lippen auff

Das mein Mund deinen Rhum verkündige.

→Psalm 51,17

 

 

Perikopen

Perikopen nach Luther 1545

Tag der Heimsuchung Mariä

 

Perikopen

Texte für Lesungen und Predigt

 

Texte nach der Lutherbibel von 1545 gesetzt nach der Vorlage des Originals in Frakturschrift mit Luthers Scholion und Verweisen in den Marginalspalten. Ergänzt um Verszählung und Abschnittsüberschriften.

 

LESUNG UND PREDIGTTEXT

Evangelium

Evangelium nach Lukas

Lk 1,39-56

 

Das Verzeichnis der Hörbuch-Videos mit den Lesungen des Evangeliums finden Sie hier:
→  Video-Hörbuch

 

Biblia

 

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

C. I.

 

Verse 39 - 56

Der Besuch der Maria bei Elisabeth
Marias Lobgesang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MAria aber ſtund auff in den ta­gen / vnd gieng auff das Ge­bir­ge en­de­lich / zu der ſtad Ju­de / 40vnd kam in das haus Za­cha­ri­as / vnd grüſ­ſet Eli­ſa­beth. 41Vnd es be­gab ſich / als Eli­ſa­beth den grus Ma­ria hö­ret / hüpf­fet das Kind in jrem lei­be. Vnd Eli­ſa­beth ward des hei­li­gen Geiſts vol / 42vnd rieff laut / vnd ſprach / a Ge­be­ne­dei­et bi­ſtu vn­ter den Wei­bern / vnd ge­be­ne­dei­et iſt die Frucht dei­nes Lei­bes. 43Vnd wo her kompt mir das / das die Mut­ter mei­nes HErrn zu mir kompt? 44Sihe / da ich die ſtim­me dei­nes Gruſ­ſes hö­re­te / hüpf­fet mit freu­den das Kind in mei­nem Lei­be. 45Vnd o ſe­lig bi­ſtu / die du ge­gleubt haſt / Denn es wird vol­en­det wer­den / was dir ge­ſagt iſt von dem HER­RN. 46Vnd Ma­ria ſprach.

 

 

 

 

 

 

 

a

Auff Deudſch al­ſo / Ge­lo­bet bi­ſtu etc.

 

 

 

Mei­ne See­le er­hebt den HER­RN.
47Vnd mein Geiſt frew­et ſich Got­tes mei­nes Hei­lan­des.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

48Denn er hat ſei­ne elen­de Magd an­ge­ſe­hen / Si­he / von nu an wer­den mich ſe­lig prei­ſen al­le Kinds kind.

49Denn er hat groſ­ſe Ding an mir ge­than / der da Mech­tig iſt / vnd des Na­men hei­lig iſt.

50Vnd ſei­ne Barm­her­tzig­keit we­ret jmer für vnd für / Bey de­nen die jn fürch­ten.

51Er vbet ge­walt mit ſei­nem Arm / Vnd zur­ſtrew­et die Hof­fer­tig ſind in jres her­tzen ſinn.

52Er ſtöſ­ſet die Ge­wal­ti­gen vom ſtuel / Vnd er­hebt die Elen­den.

53Die Hun­ge­ri­gen fül­let er mit Güt­tern / Vnd leſſt die Rei­chen leer.

54Er den­cket der Barm­her­tzig­keit / Vnd hilfft ſei­nem die­ner Iſ­ra­el auff.

55Wie er ge­redt hat vn­ſern Ve­tern / Ab­ra­ham vnd ſei­nem Sa­men ewig­lich.

 

 

56VND Maria bleib bey jr bey dreien mon­den / Dar­nach ke­ret ſie wi­der­umb heim.

 

 

 

LESUNG UND ZWEITER PREDIGTTEXT

Epistel

Buch des Propheten Jesaja

Jes 11,1-5

LESUNG

EP

 

Biblia

 

 

 

 

Der Prophet Jeſáiá.

 

C. XI.

 

 

Aus dem Abschnitt:

Der Messias und sein Friedensreich

Verse 1 - 5

→Rom. 15.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→2.The. 2.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ES wird eine Rute auffgehen von dem ſtam Iſai / vnd ein Zweig aus ſeiner wurtzel Frucht bringen. 2Auff welchem wird rugen der Geiſt des HERRN / der Geiſt der weisheit vnd des verſtands / der Geiſt des rats vnd der ſtercke / der Geiſt des erkentnis vnd der furcht des HERRN. 3Vnd ſein b Riechen wird ſein in der furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem ſeine augen ſehen / noch ſtraffen / nach dem ſeine Ohren hören / 4Sondern wird mit gerechtigkeit richten die Armen / vnd * mit Gericht ſtraffen die Elenden im Lande. Vnd wird mit dem Stabe ſeines Mundes die Erden ſchlahen / vnd mit dem Odem ſeiner Lippen den Gottloſen tödten. 5Gerechtigkeit wird die gurt ſeiner Lenden ſein / vnd der Glaube die gurt ſeiner Nieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

b

(Riechen)

Sein Opffer das fur Gott wol reucht / vnd ſein Reuchwerg / wird nicht ſein / wie des alten Prieſterthums des Geſetzes in euſſerlich ein Reuchwerg / Sondern in der furcht Gottes / das iſt / ſein Gebet wird im Geiſt geſchehen Joh. 4. Denn reuchen heiſſt beten / Riechen heiſſt erhören.

 

*

(Mit gericht)

Er wird ſie durch gnade gerecht machen / vnd doch durchs Creutz laſſen ſtraffen / den vbrigen alten Adam im fleiſch / Vnd das heiſſt / mit gericht ſtraffen / das iſt / Nicht im grim noch zorn ſondern mit vernunfft vnd zu jrem nutz.

 

 

 

  Hörbuch-Video

Der Besuch der Maria bei Elisabeth und Marias Lobgesang (Lk 1,39-56)

Titelbild
Hörbuch-Video zur Biblia 1545

→Hörbuch-Video: Lk 1,39-56

Das Video zeigt aus der Lutherbibel von 1545 die Erzählung vom Besuch der Maria bei Elisabeth, die gerade mit Johannes schwanger war, vorgelesen von Reiner Makohl.

 

 

»Frewet euch mit den Frölichen /

vnd weinet mit den Weinenden.

Habt mit allen Menſchen Friede.«

→Römerbrief 12,15.18

Zum Gebrauch

Der Rückblick auf die Perikopenordnungen vergangener Jahrhunderte zeigt auf, wie sich die Verwendung der biblischen Texte in evangelischen Gottesdiensten im Laufe der Zeit veränderte.

Wir beschränken uns in den weit zurückliegenden Jahren auf Perikopenordnungen, die überwiegend in Gebrauch waren.

Durch die neue Ordnung für die Verwendung von Sprüchen, Psalmen, Bibeltexten und Liedern in Gottesdiensten sind die alten Ordnungen zwar liturgisch überholt, aber inhaltlich deswegen keineswegs falsch.

Wir möchten Sie daher ermuntern, die in alter Zeit verwendeten Perikopen zu betrachten. Nur so können Sie ergründen, ob das, worauf sich Pfarrer vor Hunderten von Jahren in Gottesdienst und Predigt stützten, auch noch heute aktuell ist. Aktuell für Sie ganz persönlich.

 

Biblia 1545

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel ist auf unseren Seiten in Anlehnung an das Druckbild des Originals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers Intentionen, mit der Typografie Lesehilfen bereitzustellen, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

 

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