Evangelisch-reformatorisch

Eine evangelische Positionierung
Symbol Wissen

Theologische Positionen

Evangelisch-reformatorisch

Wortgebundene theologische Orientierung

 

Reiner Makohl | Februar 2026

 

Die Bezeichnung „Evangelisch-reformatorisch“ bezeichnet auf meinen Seiten eine theologische Haltung, die christliche Aussagen, Deutungen und Praktiken konsequent am biblischen Wort prüft. Maßstab ist nicht kirchliche Gewohnheit, religiöse Plausibilität oder symbolische Wirksamkeit, sondern die Wortbindung des Evangeliums. [→↗1]

Systematische Kurzformel

Evangelisch-reformatorisch heißt:
am Wort prüfen, nicht an der religiösen Wirkung

1. Einstieg

 

Der Begriff „evangelisch“ wird heute in sehr unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Für manche bezeichnet er eine kirchliche Zugehörigkeit, für andere einen bestimmten Frömmigkeitsstil, für wieder andere eine kulturelle oder politische Haltung. Auch „reformatorisch“ wird häufig unscharf gebraucht: als historische Erinnerung, als Identitätsmarker oder als bloße Traditionsbehauptung.

Auf Stilkunst ist mit „evangelisch-reformatorisch“ nichts davon gemeint. Der Begriff dient hier nicht der Abgrenzung von anderen Konfessionen, sondern der theologischen Orientierung. Er benennt einen Maßstab, an dem Texte, Traditionen und religiöse Praxis geprüft werden. [→↗2]

 

2. Was evangelisch-reformatorisch hier bedeutet

 

Die Abhandlungen und Ausführungen auf Stilkunst stehen in der Tradition der Reformation des 16. Jahrhunderts. Bezug genommen wird auf reformatorische Grundentscheidungen, wie sie etwa in der Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis von 1530) formuliert wurden, ebenso auf spätere evangelische Klärungen wie die Barmer Theologische Erklärung (1934) oder die Leuenberger Konkordie (1973). [→↗3]

Diese Bezugnahme bedeutet keine unkritische Übernahme. Auch Bekenntnisse sind geschichtlich gebundene Zeugnisse des Glaubens. Sie stehen selbst unter dem Vorbehalt theologischer Prüfung, insbesondere dort, wo sie mit der Botschaft Jesu oder mit grundlegenden Einsichten des Evangeliums in Spannung geraten. [→↗4]

Evangelisch-reformatorisch meint hier daher keine starre Bekenntnistreue, sondern eine kritische Bindung: gebunden an das Evangelium, aber verantwortlich im Umgang mit Geschichte, Sprache und Gegenwart. [→↗1]

 

3. Wortbindung als reformatorischer Maßstab

 

Zentral für das evangelisch-reformatorische Verständnis ist das Prinzip (lateinisch:) sola scriptura (dt.: Allein die Schrift). Gemeint ist damit keinesfalls eine wortwörtliche, kontextlose oder auf ausgewählten Übersetzungen basierende Bibelauslegung, sondern die Bindung an das biblische Wort in christologischer und historisch verantworteter Auslegung. [→↗5]

Wortbindung bedeutet:

  • Gott handelt im Wort der Verheißung.
    Gottes heilvolles Handeln ist nicht an Dinge, Orte oder Rituale gebunden, sondern an das Evangelium, das verkündigt und gehört wird. [→↗1]
  • Glaube entsteht aus dem Hören.
    Der Zugang zu Gott geschieht nicht durch religiöse Technik, sondern durch Vertrauen auf die Verheißung (fides ex auditu). [→↗6]
  • Theologische Kritik ist notwendig.
    Alles, was sich in Kirche und Religion „geistlich“ nennt, muss sich am Wort messen lassen. [→↗7]

In diesem Sinn ist evangelisch-reformatorisch keine fromme Haltung, sondern ein Unterscheidungskriterium.

 

4. Was hier nicht gemeint ist

 

Evangelisch-reformatorisch meint auf Stilkunst ausdrücklich nicht:

  • ein evangelikal-fundamentalistisches Bibelverständnis, das Texte isoliert, kontextlos, wortmagisch und basierend auf ausgewählten Übersetzungen verwendet;
  • eine landeskirchliche Selbstbeschreibung, die Tradition oder Mehrheitsmeinung zum Maßstab erhebt;
  • eine volksfrömmige Religiosität, die Zeichen, Bräuche oder Rituale mit eigenständiger Wirksamkeit versieht;
  • eine politische, kulturelle, ethische oder identitäre Instrumentalisierung des Christentums oder jesuanischer sowie christlicher Lehren[→↗8]

Ebenso wenig bezeichnet „evangelisch“ hier eine soziale Gruppe oder eine kirchenrechtliche Zugehörigkeit. Gemeint ist eine theologische Arbeitsweise, nicht eine konfessionelle Abgrenzung. [→↗2]

 

5. Warum dieser Begriff für Stilkunst zentral ist

 

Der Begriff „evangelisch-reformatorisch“ beschreibt auf Stilkunst keine Haltung des Bewahrens, sondern eine Praxis des Prüfens.

Das bedeutet konkret:

  • religiöse Traditionen werden erklärt, aber nicht sakralisiert;
  • Volksfrömmigkeit wird ernst genommen, aber nicht normativ gesetzt;
  • Praxis wird nicht verworfen, sondern am Wort geprüft;
  • ein guter Zweck ersetzt nicht theologische Klärungen der Form.
    [→↗9]

In dieser Perspektive gilt:

Nicht überall, wo Christ drauf steht, ist Christ drin.

Nicht alles, was fromm wirkt, ist evangelisch.

Evangelisch bleibt, was am Wort Maß nimmt.

 

 

Verbindung zu Begriffen

  • → Wortbindung: Maßstab reformatorischer Theo­lo­gie
  • → Symbol: Zeichen, die verweisen, nicht wirken
  • → Segen: Zuspruch der Verheißung, keine Schutz­tech­nik
  • → Sakrament: Zeichen der Verheißung, an das Wort ge­bun­den
  • → Sakramentalien: Zeichen mit Wirk­sam­keits­an­spruch au­ßer­halb re­for­ma­to­ri­scher Wort­lo­gik
  • → Volksfrömmigkeit: gelebte Religiosität, deskrip­tiv zu be­schrei­ben, nicht nor­ma­tiv zu be­grün­den
 

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de

SK Version 14.02.2026