

Grafik: Der Seleukidische Kalender
Das seleukidisch-makedonische Jahr 1 begann am 1. Dios, dem 6. Oktober 312 v. Chr. nach julianischer Zeitrechnung. Im historischen Judäa war die seleukidische Zeitrechnung im 2. Jahrhundert v. Chr. maßgeblich. Die Datumsangaben in den beiden alttestamentlichen Makkabäerbüchern, dem 1. und 2. Buch der Makkabäer, beziehen sich auf diese Ära. Politisch wurde sie 143/142 v. Chr. durch eine eigene jüdische Jahreszählung abgelöst. Im Rechts- und Urkundenwesen wirkte sie jedoch noch lange nach.
Bildnachweis:
siehe unten.
Im Alten Testament der Bibel, dort in den Apokryphen, befinden sich die beiden Bücher der Makkabäer.
Das
1. Buch der Makkabäer beschreibt die Ereignisse von 175 bis 134 v. Chr., einschließlich des jüdischen Aufstands gegen die Seleukiden unter Führung der Makkabäer.
Das
2. Buch der Makkabäer behandelt einen kürzeren Zeitraum von etwa 15 Jahren, von 187 bis 161 v. Chr.
In den Büchern gibt es zahlreiche Datumsangaben, die sich jedoch alle auf den seleukidischen Kalender beziehen. Diese Angaben lassen sich in den julianischen Kalender umrechnen.
Die Seleukidische Ära ist eine Epoche, die ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. vor allem bei den Seleukiden und Parthern, aber auch bei anderen Völkern im Orient benutzt wurde. In Judäa war sie spätestens ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch, wie die Datumsangaben in den Makkabäerbüchern zeigen
Bezogen auf die verbreitete Kalendernutzung in Vorderasien wurde diese Ära auch Griechische Ära genannt, die Jahreszählung als die Jahreszählung der Griechen bezeichnet.
Namensgeber der Ära ist Seleukos I. Nikator (Nikator: „der Siegreiche“; * um 358 v. Chr., † 281 v. Chr.). Er war makedonischer Feldherr unter Alexander dem Großen und wurde nach dessen Tod einer der mächtigsten Herrscher der Diadochenzeit. Der Beginn der seleukidischen Ära knüpft an das Jahr 312 v. Chr. an, in dem Seleukos Babylon zurückgewann und damit die Grundlage seiner Herrschaft in Mesopotamien legte.
Seleukos I. verfügte, dass die Monate des syrisch-babylonischen Lunisolarkalenders nach den makedonischen Monatsnamen benannt werden sollen. Damit begann die seleukidische Ära.
Der babylonische Kalender begann im Frühjahr. Der griechisch-makedonische Kalender im Herbst. Der neue seleukidisch-makedonische Kalender übernahm als Jahresanfang den makedonischen Jahresanfang.
Das Jahr im seleukidisch-makedonischen Kalender beginnt mit dem Monat Dios (makedonische Bezeichnung). Das war zuvor in Babylon der Monat Tašritu (auch Tišrit), der siebte Monat im Kalender.
Der 1. Dios (Neujahrstag) entspricht dem
6. Oktober 312 v. Chr. im julianischen Kalender bzw. dem 1. Oktober 312 v. Chr. im gregorianischen Kalender, ein Samstag.
Das Jahr hatte zwölf Monate, die abwechselnd 29 Tage und 30 Tage lang waren. Das waren in Summe 354 Tage. Schaltjahre waren erforderlich, die dann 13 Monate umfassten.
In einem Zyklus von 19 Jahren gab es 7 Schaltjahre. Im 3., 6., 8., 11., 14. und 19. Jahr eines Zyklus wurde der Monat Xanthikos gedoppelt (babylonisch: Addaru II), im 17. Jahr der Monat Hyperberetaios (babylonisch: Ululu II).
Makedonisch | Babylonisch | Julianisch | Gregorianisch |
| 1. Dios | 1. Tašritu | 6. Oktober 312 v. Chr. | 1. Oktober 312 v. Chr. |
| 1. Apellaios | 1. Araḫsamna | 5. November 312 v. Chr. | 31. Oktober 312 v. Chr. |
| 1. Audynaios | 1. Kislimu | 4. Dezember 312 v. Chr. | 29. November 312 v. Chr. |
| 1. Peritios | 1. Tebetu | 3. Januar 311 v. Chr. | 29. Dezember 312 v. Chr. |
| 1. Dystros | 1. Šabatu | 1. Februar 311 v. Chr. | 27. Januar 311 v. Chr. |
| 1. Xanthikos | 1. Addaru | 3. März 311 v. Chr. | 26. Februar 311 v. Chr. |
| 1. Artemisios | 1. Nisannu | 1. April 311 v. Chr. | 27. März 311 v. Chr. |
| 1. Daisios | 1. Ajaru | 1. Mai 311 v. Chr. | 26. April 311 v. Chr. |
| 1. Panemos | 1. Simanu | 30. Mai 311 v. Chr. | 25. Mai 311 v. Chr. |
| 1. Loos | 1. Du'uzu | 29. Juni 311 v. Chr. | 24. Juni 311 v. Chr. |
| 1. Gorpiaios | 1. Abu | 28. Juli 311 v. Chr. | 23. Juli 311 v. Chr. |
| 1. Hyperberetaios | 1. Ululu | 27. August 311 v. Chr. | 22. August 311 v. Chr. |
Quelle der Tabellendaten:
Wikipedia.org
Das seleukidisch-makedonische Jahr 1, 312/311 vor Christus, war das 18. Jahr im aktuellen Zyklus.
Das Folgejahr 2 (311/310 v. Chr.) war als 19. Zyklusjahr ein Schaltjahr. Der Monat Xanthikos (Addaru) wurde gedoppelt. Der Schaltmonat begann am 24. März 310 v. Chr. [julianisch] (19. März 310 v. Chr. [gregorianisch]).
Der folgende Jahresanfang, 1. Dios des Jahres 3, lag auf dem 15. Oktober 310 v. Chr. [julianisch] (10. Oktober 310 v. Chr. [gregorianisch]).
Ab dem Jahr 198 v. Chr. stand Palästina unter seleukidischer Herrschaft. Die makedonischen Monatsnamen wurden nun auch Israel und Judäa gebräuchlich. Sie ersetzen oft die jüdischen Monatsnamen in Urkunden und Chroniken.
Auch in den Werken des Flavius Joseph sind die hellenistisch-makedonischen Monatsnamen gebräuchlich.
Politische Ablösung und rechtsgeschichtliche Nachwirkung
Die seleukidische Zeitrechnung war nicht nur eine Kalenderzählung, sondern auch ein Herrschaftszeichen. Deshalb ist
1Makk 13,41–42 für ihre Geschichte in Judäa besonders wichtig. Dort heißt es, dass im 170. Jahr das „Joch der Heiden“ von Israel genommen wurde. Zugleich begann das Volk, in schriftlichen Aufzeichnungen, Urkunden und Rechtsgeschäften die neue Lage sichtbar zu machen: Gezählt wurde nun auch „im ersten Jahr Simons, des großen Hohenpriesters, Feldherrn und Führers der Juden“.
Damit beschreibt 1Makk 13,41–42 keinen bloßen Kalenderwechsel, sondern einen politischen Akt. Die seleukidische Herrschaftszählung verliert ihren ausschließlichen Anspruch. Neben sie tritt eine eigene jüdische Zählung, die Simons neue Stellung ausdrückt. Für die Auslegung der Makkabäerbücher ist das wichtig, weil Datumsangaben dort nicht nur chronologische Hinweise sind, sondern auch Herrschaftsverhältnisse sichtbar machen.
Die seleukidische Ära verschwand damit jedoch nicht aus dem jüdischen Gebrauch. Im rabbinischen Judentum blieb sie im Rechts- und Urkundenwesen weiter wirksam. Dort wurde sie später als „Ära der Verträge“ bezeichnet (hebräisch/aramäisch: Minyan Shtarot). In Ägypten wurde diese Praxis im 16. Jahrhundert durch Radbas, David ben Salomon ibn Abi Simra, beendet; in einzelnen jüdischen Gemeinschaften, besonders im Jemen, hielt sich der Gebrauch noch länger.
Im Rechts- und Urkundenwesen wirkte die seleukidische Zeitrechnung bis über das Mittelalter hinaus nach. Davon zu unterscheiden ist ihre politische Ablösung in Judäa im 2. Jahrhundert v. Chr., wie sie in 1Makk 13,41–42 beschrieben wird.
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Die Basis für julianische bzw. gregorianische Daten ist die Zahl -313 (was dem Jahr Null entspräche). Die seleukidische Jahreszahl ist zu addieren, um das julianische bzw. das gregorianische Jahr zu ermitteln.
Beispiele:
a) Das 1. Jahr ist:
-313 + 1 = -312,
also das Jahr 312 v. Chr.
b) Ein Text nennt das 148. Jahr. Dann ergibt die Umrechnung:
-313 + 148 = -165,
also das Jahr 165 v. Chr.
Allerdings erstreckt sich ein seleukidisches Jahr durch den Jahresbeginn im Herbst über zwei julianische bzw. gregorianische Jahre. Nur dann, wenn in einem seleukidischen Datum auch der Monat und ggf. sogar der Tag genannt sind, lässt sich das Datum auf ein bestimmtes Jahr umrechnen. Ansonsten ist ein Doppeljahr auszuweisen.
Beispiel: Steht in einem Text ohne genauere Monatsangaben, etwas sei im 149. Jahr geschehen, dann ist das nach unseren Kalendern das Jahr 164/163 v. Chr. (von etwa Oktober 164 v. Chr. bis etwa Oktober 163 v. Chr.).
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Illustration: Der Seleukidische Kalender
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Autor: Reiner Makohl
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Reiner Makohl, Kalendersysteme: Der seleukische Kalender, in: Stilkunst.de,
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