Die Knochen der Könige

Die Reliquien in Köln

Der Dreikönigsbrauch – zwischen Brauch und Evangelium

Der Dreikönigsbrauch

 

Zwischen Brauch und Evangelium

MODUL 6/9

Evangelisch gedacht
wortgebundene Klärungen zwischen Brauch, Bibel und Gegenwart

Die Knochen der Könige

Wie aus der Legende anfassbare Reliquien wurden

 

Der Kölner Schrein und die Sehnsucht nach Beweisen

 

Reiner Makohl | Februar 2026

 

Worum es hier geht

 

Im Kölner Dom, hinter dem Hochaltar, steht der Dreikönigsschrein. In ihm liegen Gebeine, die der kirchlichen Tradition zufolge den Heiligen Drei Königen gehören. Der Schrein ist keine Legende, er ist da. Die Reliquien sind da. Die Pilgernden sind da.

Doch die biblische Erzählung kennt weder drei Könige noch ihre Namen, weder ihr Sterben noch ihre Gräber. Matthäus lässt die Magier auf einem anderen Weg heimziehen und hinter dem Horizont des Evangeliums verschwinden. Wie kommt es dann, dass man ihre Knochen besitzt, verehrt und in Gold fasst?

Dieses Modul untersucht die Logik dieser Entwicklung: Wie werden aus literarischen Figuren greifbare Reliquien? Welche Funktion erfüllt der materielle Beweis einer unbeweisbaren Geschichte?

Wie ist es zu verstehen, wenn religiöse Praxis nach Verfügbarkeit verlangt? Was bedeutet es, wenn das freie Wort in festen Besitz überführt wird? Und was geschieht, wenn Gottes Gegenwart nicht mehr Ereignis ist, sondern Objekt?

 

 

Was benannt ist, soll gefunden werden.
Was gefunden wird, soll bleiben.
Der Schrein ist das Gehäuse der Sehnsucht nach Verfügbarkeit.
Wo Gottes Nähe an Materie gebunden wird, endet die Freiheit des Wortes.

Einleitung

Von der Erzählung zur greifbaren Präsenz

 

Die Bindung religiöser Erinnerung an Orte und körperliche Überreste ist keine Erfindung des Mittelalters. Bereits in der frühen Kirche wurden Märtyrergräber aufgesucht, Gebeine verehrt und Erzählungen mit konkreten Orten verknüpft.

Die Geschichte der sogenannten Gebeine der Könige steht nicht am Anfang dieser Entwicklung, sondern an einem ihrer markantesten Punkte. Hier vollzieht sich der Schritt von der wandernden Erzählung zum ortsfesten Objekt. Was benannt wurde, wird gefunden. Was gefunden wird, wird verwahrt. Was verwahrt wird, wird verehrt.

Der Dreikönigsschrein im Kölner Dom ist das Monument dieser Logik. Er macht aus der Verheißung einen Besitz, und aus dem Besitz ein Argument.

 

Religiöse Praxis und theologische Deutung

1. Die Erfindung der Identität

Wie Knochen erst durch Namen sprechend werden
 

Die Überführung der Gebeine nach Köln im Jahr 1164 setzte voraus, dass die Magier bereits als feste Individuen im religiösen Bewusstsein verankert waren. [→↗1] Ohne die literarische Fixierung der Namen Caspar, Melchior und Balthasar wären die Knochen stumm geblieben – anonyme Tote ohne religiöse Bedeutung. [→↗2]

Hier kehrt sich das Verhältnis von Wort und Sache um. Nicht mehr das Wort trägt die Wahrheit, sondern die Materie soll das Wort beglaubigen. Die Reliquie dient als Absicherung der Legende. Der Schrein wird zum Tresor einer Erzählung, die sich selbst materiell beweisen will.

 

Exkurs:
Der Weg der Gebeine nach Köln

 

1. Eine religiöse Legitimationserzählung

 

Matthäus lässt die Wei­sen be­wusst ver­schwin­den. Sie zie­hen auf ei­nem an­de­ren Weg heim und ver­schwin­den hin­ter dem Ho­ri­zont des Evan­ge­li­ums. Sie wer­den in der Je­sus-Ge­schich­te nicht län­ger ge­braucht. Doch spä­tes­tens ab dem 4. Jahr­hun­dert wer­den ih­re Ge­bei­ne Teil kirch­li­cher Über­lie­fe­rung, die an jene Er­zäh­lung an­schlie­ßen soll.

Die mit­tel­al­ter­li­che Le­gi­ti­ma­ti­ons­er­zäh­lung ver­sucht, ei­ne Tra­di­ti­ons­li­nie bis in die Früh­zeit der Kir­che zu zeich­nen.

He­le­na, die Mut­ter Kai­ser Kon­stan­tins, soll die Ge­bei­ne auf­ge­fun­den ha­ben – jene He­le­na, der auch die Auf­fin­dung des Kreu­zes Chris­ti zu­ge­schrie­ben wird. Die Le­gen­de lässt die Re­li­qui­en aus dem Ori­ent nach Kon­stan­ti­no­pel wan­dern, wo sie in der Ha­gia Sophia ver­ehrt wor­den sein sol­len. Von Kon­stan­ti­no­pel führ­te ihr Weg nach Mai­land. Dort wer­den sie erst­mals ur­kund­lich greif­bar. [→↗Exkurs-1]

Historisch überprüfbar ist davon nichts. Ent­schei­dend ist auch nicht his­to­ri­sche Wahr­heit, ent­schei­dend ist die Funk­tion der Er­zäh­lung: Sie soll den Kno­chen Le­gi­ti­mi­tät ver­lei­hen.

Die Zuschreibung funktioniert nur, weil die li­te­ra­ri­sche Tra­di­ti­on be­reits ge­leis­tet hat­te, was die Re­li­quie vor­aus­setzt: Die Ma­gier waren zu drei Kö­ni­gen mit Na­men, Le­bens­al­tern und sym­bo­li­scher Be­deu­tung ge­wor­den. Ohne Ter­tul­li­ans Kö­nigs­idee (3. Jh.), ohne Papst Leo I., der die Drei­zahl in der Ver­kün­di­gung fest­leg­te (5. Jh.), und ohne die Na­mens­tra­di­ti­onen und die al­le­go­ri­sche Zu­wei­sung der Le­bens­alter (in der west­li­chen Kir­che spä­tes­tens ab dem 6. Jh.) wä­ren die Ge­bei­ne stumm ge­blie­ben.

Daraus hat sich die Le­gi­ti­ma­tion der Le­gen­de ent­wi­ckelt: Wenn es die Ge­bei­ne der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge gibt, dann muss die Le­gen­de wahr sein, dass drei Kö­ni­ge Chris­tus an­ge­be­tet hat­ten. Dies hat­te gra­vie­ren­de kirch­lich-re­li­gi­ö­se Fol­gen, die bis heute nicht nur ge­spürt wer­den, son­dern auch die mo­der­nen Er­zäh­lun­gen for­mend durch­drin­gen.

 

2. Die politische Dimension der Überführung

 

Als Rainald von Dassel 1164 die Re­li­qui­en von Mai­land nach Köln über­füh­ren ließ, han­del­te es sich um weit mehr als ei­nen re­li­gi­ö­sen Akt. Es war zu­gleich ein po­li­ti­sches Sig­nal im Kon­flikt zwi­schen Kai­ser und Papst.

Friedrich Barbarossa strebte nach po­li­ti­scher Sou­ve­rä­ni­tät ge­gen­über Rom. Er führ­te die Be­zeich­nung Sacrum Im­pe­rium ein – das Hei­li­ge [Rö­mi­sche] Reich – und be­an­spruch­te da­mit sa­kra­le Le­gi­ti­ma­tion un­ab­hän­gig vom Papst­tum. Rai­nald von Dassel, sein Erz­bischof und Kanz­ler, agier­te als en­ger Ver­trau­ter des Kai­sers in die­sem Macht­kampf.

Bei der Belagerung Mai­lands er­kann­te von Dassel den Wert der Re­li­quie. Die Ge­bei­ne je­ner Kö­ni­ge, die einst Chris­tus hul­dig­ten, be­sa­ßen höchs­ten kirch­li­chen Rang. Wer sie ver­wahr­te, be­saß sa­kra­le Au­to­ri­tät.

Von Dassel wählte als Ziel­ort nicht Rom, das sym­bo­li­sche Zen­trum der Chris­ten­heit, und nicht Aachen, den tra­di­ti­o­nel­len Krö­nungs­ort des Rei­ches, son­dern sei­nen ei­ge­nen Bi­schofs­sitz Köln. We­der kirch­li­che Uni­ver­sa­li­tät noch Reichs­tra­di­tion be­stimm­ten den Ort, son­dern die Macht­po­si­tion des Erz­bi­schofs selbst.

Die Überführung war vor­der­grün­dig re­li­giös be­grün­det, aber sie hatte star­ke po­li­ti­sche Im­pli­ka­ti­o­nen. Die Re­li­quie le­gi­ti­mier­te nicht nur die Le­gen­de, sie stärk­te zu­gleich die Po­si­tion des Kai­ser­tums ge­gen­über Rom. Kir­che und Staat wa­ren nicht ge­trennt, son­dern so eng ver­wo­ben, dass re­li­gi­ö­se Ob­jek­te po­li­ti­sche Be­deu­tung er­lang­ten.

Die Wahl des Ortes zur Ver­wah­rung der Re­li­quie fol­gte den In­ter­es­sen Rainald von Dassels als Erz­bi­schof von Köln. Die Re­li­qui­en er­höh­ten das Ge­wicht des erz­bi­schöf­li­chen Sit­zes, stärk­ten zu­gleich die Stel­lung der Stadt und dien­ten der sa­kra­len Selbst­be­haup­tung des Rei­ches unter Fried­rich Bar­ba­ros­sa.

Köln entwickelte sich zu einem der be­deu­tends­ten Wall­fahrts­or­te des Rei­ches und pro­fi­tier­te er­heb­lich von Prä­senz und Be­deu­tung der Re­li­quie. So zo­gen die deut­schen Kö­ni­ge nach ihrer Krö­nung in Aachen re­gel­mä­ßig zu­nächst nach Köln zum Drei­kö­nigs­schrein. Die Wall­fahrt brach­te nicht nur re­li­gi­ö­se und po­li­ti­sche Be­deu­tung, son­dern auch dau­er­haf­ten wirt­schaft­li­chen Nut­zen.

2. Der Fund als Spiegel der Erwartung

Die Schreinöffnung von 1864
 

Im Jahr 1864 wurde der Drei­kö­nigs­schrein ge­öff­net und die Ge­bei­ne wur­den wis­sen­schaft­lich un­ter­sucht. Der Be­richt der Dom­ka­pi­tu­la­re be­schreibt drei Ske­let­te: ei­nen Greis, ei­nen Mann mitt­le­ren Al­ters und einen Jüng­ling. [→↗3]

Vor­ge­fun­den wur­de genau das, was die Le­gen­de seit Jahr­hun­der­ten er­zählt hat­te, ge­nau das, was das Mo­saik von Ra­ven­na im 6. Jahr­hun­dert bild­lich dar­stell­te, ge­nau das, was Beda Ve­ne­ra­bi­lis im 8. Jahr­hun­dert schrift­lich fi­xier­te: drei Kö­ni­ge in drei Le­bens­al­tern. [→↗4] [→↗5]

Der Befund scheint die Über­lie­ferung zu be­stä­ti­gen. Doch be­stä­tigt er tat­säch­lich den bib­li­schen Text, oder be­stä­tigt er nur, was man be­reits glaub­te?

Matthäus nennt weder die Zahl der Ma­gier noch ihr Al­ter. Die drei Le­bens­al­ter sind kein bib­li­scher Be­fund, son­dern das Er­geb­nis al­le­go­ri­scher Aus­le­gung. Was 1864 in den Kno­chen ge­fun­den wur­de, war nicht die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums, son­dern die Ma­te­ri­a­li­sie­rung ei­ner Deu­tungs­tra­di­tion.

Ob die Gebeine bewusst nach diesem Schema zusammengestellt wurden oder ob man einem zufälligen Befund nachträglich die passende Bedeutung zuschrieb, lässt sich nicht mehr klären. Entscheidend ist: Die Erwartung prägte die Wahrnehmung. Man fand, was man suchte.

Die Re­li­quie erklärt den Text nicht. Sie legitimiert die Legende, die ihn überlagert hat.

 

3. Der Schrein als Tresor des Heils

Wie Nähe räumlich fixiert und verfügbar gemacht wird
 

Im Hochmittelalter erfüllte der Schrein mehrere Funktionen zugleich: Er bot Wallfahrern einen Ort spiritueller Nähe, diente Herrschern als Instrument sakraler Legitimation und brachte der Stadt wirtschaftlichen Gewinn. Mit dem Kölner Dreikönigsschrein wurde Gottes Nähe ortsfest gemacht.

Was legitimiert ist, wird verwahrt. Was verwahrt wird, kann genutzt werden.

Für die Frömmigkeitspraxis bedeutet dies eine grundlegende Verschiebung. Der Schrein ist kein Ort des Hörens, sondern ein Instrument der Anschaulichkeit. Die Goldschmiedekunst Nikolaus‘ von Verdun schuf ein Gehäuse, das den Inhalt zugleich verbirgt und als kostbar markiert. [→↗6]

Der Segen wird nicht zugesprochen, sondern aufgesucht. Wer zum Schrein pilgert, überwindet räumliche Distanz, um Nähe zu gewinnen. Gottes Gegenwart wird nicht verheißen, sondern lokalisiert.

Was sichtbar eingeschlossen ist, erscheint verfügbar. Der Schrein macht aus der Verheißung einen Ort.

 

4. Politische Instrumentalisierung

Heiligkeit als Staatsräson
 

Die Translation der Drei­kö­nigs­re­li­qui­en nach Köln 1164 war ein ge­ziel­ter po­li­ti­scher Akt. Rainald von Dassel, Erz­kanz­ler Fried­rich Bar­ba­ros­sas, er­kann­te ih­ren Wert als sa­kra­les Ka­pi­tal in ei­ner Pha­se, in der Bar­ba­ros­sa die Sa­kra­li­tät des Rei­ches selbst pro­gram­ma­tisch vor­an­trieb. [→↗7]

Die Re­li­qui­en be­zeug­ten kai­ser­li­che Au­to­ri­tät, und zwar sicht­bar, dau­er­haft und un­an­fecht­bar. Der päpst­lich ge­för­der­te Re­li­qui­en­kult mach­te es un­mög­lich, ihre le­gi­ti­mie­ren­de Wir­kung zu be­strei­ten, oh­ne die sa­kra­le Au­to­ri­tät der Kir­che selbst zu un­ter­gra­ben. [→↗8]

 
Die Logik der Umkehrung
 

Doch hier zeigt sich ein Bruch: Die mit­tel­al­ter­li­che Le­gen­den­er­zäh­lung hat­te aus den Ma­gi­ern Kö­ni­ge ge­macht, die vor ei­nem wehr­lo­sen Kind nie­der­knien – ein Bild der Macht­re­la­ti­vie­rung. Die po­li­ti­sche Nut­zung kehrt die­se Be­we­gung um. Aus der In­fra­ge­stel­lung von Macht im Evan­ge­li­um wird ih­re Ver­fes­ti­gung im Reich Bar­ba­ros­sas.

Heiligkeit wird funk­ti­o­na­li­siert. Die Hei­lig­keit der drei Kö­ni­ge hei­ligt die Ver­wah­rer der Re­li­quie. Was zur Um­kehr ru­fen soll­te, sta­bi­li­siert Ord­nung. Be­sitz er­setzt Ge­hor­sam. Die Re­li­quie, die an ei­ne ra­di­ka­le Un­ter­bre­chung hät­te er­in­nern kön­nen, wird selbst zum Ins­tru­ment der Kon­ti­nu­i­tät be­ste­hen­der Ord­nung.

 

5. Reformatorischer Widerspruch

Wort gegen Knochen
 

Die Reformation erkennt in der Re­li­qui­en­ver­eh­rung den Ver­such, Gott ver­füg­bar zu ma­chen. Luther wen­det sich 1521 da­ge­gen, dass Men­schen „to­te Kno­chen küs­sen“, wäh­rend sie das Evan­ge­lium nicht hö­ren. [→↗9]

Für den evangelischen Glauben ist Chris­tus nicht im Gold­kas­ten ein­ge­schlos­sen, son­dern im Wort auf­ge­schlos­sen. Got­tes Ge­gen­wart ist kein Ob­jekt, son­dern ein Er­eig­nis. Sie lässt sich nicht be­sit­zen, nicht ver­wah­ren, nicht wei­ter­ge­ben.

Was die mittelalterliche Theo­lo­gie als sa­kra­men­ta­le Ver­mitt­lung ver­stand, näm­lich Ma­te­rie als Zu­gang zum Trans­zen­den­ten, er­scheint der Re­for­ma­ti­on als Ver­wechs­lung von Ge­schöpf und Schöp­fer, als wür­de der Re­li­quie selbst gött­li­che Macht zu­ge­spro­chen.

 

Zwischenfazit

Reliquie, Legende und Macht
 

Die Reliquie ist nicht der An­fang, son­dern das Er­geb­nis ei­ner Ent­wick­lung.
Was zuvor ge­deu­tet, be­nannt und sym­bo­lisch pro­fi­liert wur­de, wird hier ma­te­ri­ell fi­xiert. Aus er­zäh­le­ri­scher Of­fen­heit ent­steht greif­ba­re Prä­senz, aus Be­we­gung Ver­wah­rung, aus Deu­tung Ob­jekt.

Der Dreikönigsschrein mar­kiert da­mit die Schwel­le, an der ei­ne aus der bib­li­schen Er­zäh­lung her­vor­ge­gan­ge­ne Le­gen­de un­ter vor­ran­gig po­li­ti­schen, sa­kral le­gi­ti­mier­ten In­ter­es­sen in ein re­li­gi­ö­ses Sys­tem über­führt wird. Die Le­gen­de lie­fert den Sinn, die Re­li­quie die Evi­denz, die Macht den Rah­men. Kei­ne die­ser Ebe­nen steht für sich; sie be­din­gen ein­an­der.

Mit dem Schrein ist nicht nur ein Ob­jekt ge­schaf­fen, son­dern ein Zen­trum. Von hier aus ver­brei­tet sich der Drei­kö­nigs­kult li­tur­gisch, volks­tüm­lich und po­li­tisch. Die Re­li­quie treibt ei­ne Fröm­mig­keit, de­ren theo­lo­gi­sche Deu­tun­gen der Pra­xis fol­gen, nicht um­ge­kehrt. Die Pra­xis über­formt den Text.

 

Schluss

Die Grenze der Verfügbarkeit
 

Evangelisch gesehen ist Gottes Ge­gen­wart nicht an Kno­chen oder gol­de­ne Ge­häu­se ge­bun­den. Se­gen lässt sich nicht be­rüh­ren, nicht be­sit­zen, nicht wei­ter­ge­ben. Er bleibt das freie Er­eig­nis des Wor­tes, doch die Frei­heit des Wor­tes geht ver­lo­ren, wo die Wir­kung an Ma­te­rie ge­bun­den wird.

Damit ist der Drei­kö­nigs­schrein kein harm­lo­ses Zeug­nis mit­tel­al­ter­li­cher Fröm­mig­keit, son­dern der sicht­ba­re Aus­druck ei­ner Grenz­über­schrei­tung: Got­tes Nä­he wur­de ver­füg­bar ge­macht, re­li­gi­ös le­gi­ti­miert, po­li­tisch ge­nutzt, kul­tu­rell ver­ste­tigt.

Von hier aus muss die Ge­gen­wart des Drei­kö­nigs­brauchs theo­lo­gisch be­ur­teilt und sei­ne prak­ti­sche und öf­fent­lich­keits­wirk­sa­me Nut­zung im evan­ge­li­schen Kon­text hin­ter­fragt wer­den.

 

 

Wie es weiter gehen kann

 

→ Weiter zu Modul 7

Was Matthäus wirklich erzählt

Das nächste Modul kehrt zum bib­li­schen Text zu­rück. Es fragt, was Mat­thä­us tat­säch­lich er­zählt, und wa­rum sei­ne Of­fen­heit spä­ter nicht aus­ge­hal­ten wur­de.

 

→ Zurück zu Modul 5

Die Namen der Magier

Modul 5 zeigt, wie Namen von er­zäh­le­ri­scher Hil­fe zu re­li­gi­ö­ser Tech­nik wur­den. Aus Be­nen­nung ent­stand Zu­stän­dig­keit, aus Deu­tung Schutz­lo­gik.

 

→ Zur Modulübersicht

Der Dreikönigsbrauch - Epiphanias zwischen Brauch und Evangelium.
Die Übersicht zeigt alle neun Module.

 

Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Beispiel:
Reiner Makohl, Der Dreikönigsbrauch - zwischen Brauch und Evangelium, Die Knochen der Könige, in: Stilkunst.de,
abgerufen unter:
(abgerufen am )

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de

SK Version 14.02.2026