Matthäus 2 kennt keine Könige, keine Zahl, keine Namen und keinen Haussegen.
Die „Heiligen Drei Könige“ gehören zur Wirkungsgeschichte, nicht zum biblischen Text.
Kontinente, Lebensalter und Namen sind Allegorien, keine Offenbarung.
☆C☩M☩B☩ ist eine Schutzpraxis, später christologisch umgedeutet, doch funktional bleibt die Schutztechnik.
Reliquien binden Glauben an Materie, nicht an das Wort.
Evangelisch bleibt, was am Wort Maß nimmt.
Rituale dürfen begleiten. Sie dürfen nicht ersetzen.
Worum es hier geht
Alljährlich ziehen die „Heiligen Drei Könige“ vielerorts von Haus zu Haus. Mit geweihter Kreide werden die Zeichen ☆C☩M☩B☩, gerahmt von einer Jahreszahl, an Türbalken geschrieben. Die drei Könige stehen in Weihnachtskrippen, erscheinen in Krippenspielen und prägen kirchliche Öffentlichkeitsarbeit rund um Epiphanias, und das auch in evangelischen Kontexten.
Diese Selbstverständlichkeit ist der Anlass für dieses Projekt. Denn der biblische Text, auf den sich der Brauch beruft, erzählt anders. Matthäus kennt keine Könige, keine Zahl, keine Namen und keinen Haussegen. Zwischen Evangelium und Brauch liegt eine lange Wirkungsgeschichte, die selten ausdrücklich bedacht wird.
Diese Studie nimmt diese Differenz ernst. Sie beschreibt nicht nur Wirkungsgeschichte, sondern trifft bewusst theologische Unterscheidungen.
Maßstab sind dabei weder die kirchliche Überlieferung mit ihren Auslegungen und Deutungen noch regional verankerte Traditionen, sondern Wortbindung. Die Studie fragt aus evangelisch-reformatorischer Perspektive, worauf der Dreikönigsbrauch tatsächlich gründet und ob sein Anspruch, Teil evangelischer religiöser Praxis zu sein, theologisch zu rechtfertigen ist.
Neun Module führen zu zu einer Klärung, die sichtbar macht, wo evangelische Praxis ihren Raum hat, und wo sie ihn verliert.
Bildnachweis:
Grafik: Der Dreikönigsbrauch
Grafik: Reiner Makohl / Adobe Firefly | Gemini Flash
Copyright: 2026 by Reiner Makohl, geschütztes Bildmaterial
Zitationshinweis
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.
Beispiel:
Reiner Makohl, Der Dreikönigsbrauch - zwischen Brauch und Evangelium, , in: Stilkunst.de, abgerufen unter: (abgerufen am )
Wenn du aber Almoſen gibſt / So las deine lincke hand nicht wiſſen / was die rechte thut / Auff das dein Almoſen verborgen ſey / vnd dein Vater / der in das verborgen ſihet / wird dirs vergelten öffentlich.