Das Brot, das Jesus wählt

Aufbruch zur Freiheit im Reich Gottes

Aufsätze
Gedanken zu Glaube, Bibel und Theologie

Das Brot, das Jesus wählt

Aufbruch zur Freiheit im Reich Gottes

 

Gedanken zum Brot der Armut im Abendmahl

 
Evangelisch Christsein

Reiner Makohl

Erstveröffentlichung: 2. September 2026
Letztes Update: 2. September 2026

 

Worum es hier geht

 

Jesus bricht Brot beim letzten Abendmahl. Es ist die jüdische Mazze, das ungesäuerte Brot der Eile, das beim Auszug aus Ägypten zur Nahrung diente für den Weg in die Freiheit. Aber Jesus sagt: „Ich bin das Brot!“ - Was meint das?

 

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Das Brot der Armen: Das Brot, das Jesus wählt.

Grafik: Aufbruch zur Freiheit im Reich Gottes – Das Brot der Armut
Bildnachweis: → siehe unten.

Das Brot der Armut

 

Beim letzten Abendmahl nimmt Jesus kein Zeichen des Wohlstands in die Hände. Kein Festgebäck der Reichen, kein Symbol königlicher Fülle. Folgt man der Deutung des Mahls als Passahmahl, nimmt er die Mazze. Joseph Klausner, jüdischer Religionswissenschaftler, nannte das Brot, das Jesus bricht – an die jüdische Tradition anschließend! – das „Brot der Armut“1. Und über dieses Brot sagt Jesus: „Das ist mein Leib.“

Das ist eine bemerkenswerte Wahl, eine außergewöhnliche Symbolik!

Denn Jesus hätte genug Möglichkeiten gehabt, seine Stellung anders zu beschreiben. Seine Umwelt kannte Herrscher, die ihren Rang sichtbar machten. Paläste, kostbare Kleidung, Gefolge, Überfluss, goldene Ausstattung der Residenzen und Privaträume, Namensnennung an öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen. Jesus kennt diese Welt. „Die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige“, sagt er in Matthäus 11,8.

Sein eigenes Zeichen ist ein anderes. Es ist die Mazze, das schnell gebackene Brot der spärlichen Zutaten, das Brot der Eile, die Nahrung in der Not.

 

Herrschen statt Beherrschen

 

Die Mazze steht dabei nicht für das Verharren in Armut. Sie gehört zum Aufbruch aus Ägypten, aus der damaligen Bedrängnis und Fremdherrschaft. Sie ist Nahrung auf dem Weg in die Freiheit.

Daran sollte man sich erinnern, wenn politisch wieder darüber gesprochen wird, dass diejenigen am unteren Ende der Gesellschaft zu viel bekommen, sich nicht genügend anstrengen, stärker verzichten oder endlich mehr leisten müssten. Wenn bei ihnen gekürzt wird, weil angeblich kein Geld da ist, während große Vermögen, Besitz und wirtschaftliche Macht sehr viel behutsamer behandelt werden.

Jesus stellt sich nicht in die Mitte und mahnt beide Seiten zu etwas mehr Verständnis füreinander. O nein! Er bezieht klar Position.

Er nimmt das »Brot der Armut«, bricht es, teilt es aus und sagt: Das bin ich!

Das passt zu seiner Vorstellung von Herrschaft. Die Herrscher der Völker beherrschen und unterdrücken viele Menschen, halten sie klein und lassen sie ihre Macht spüren. Jesus sagt: „So soll es nicht sein unter euch“ (Matthäus 20,25f.). Und: Wer groß sein will, soll dienen. Bei Lukas steht diese Ansage sogar am Tisch des letzten Mahls: „Ich aber bin unter euch wie einer, der dient“ (Lukas 22,27). Herrscher dienen der Gemeinschaft.

Jesus ist kein goldener Herrscher. Er errichtet nicht eine neue Pyramide, an deren Spitze ein goldener Gott steht. Das Reich Gottes besitzt ganz andere, existenzielle Attribute: Es gründet auf Wertschätzung, die Teilhabe verlangt Verantwortung, sie lebt vom Vertrauen und Gott führt aus Abhängigkeiten heraus, die Menschen klein halten. Die »Mazze« im Gepäck.

 

Jesus, der Powerriegel für den Weg

 

Das »Brot der Armut« ist der Powerriegel für den Weg zur Freiheit im Reich Gottes. Wer davon isst, gewinnt Zuversicht und Stärke aus dem gemeinsamen Mitgehen.

Doch da wird die Sache politisch.

Nicht weil Jesus ein Parteiprogramm geschrieben hätte. Sondern weil Politik darüber entscheidet, wer Lasten trägt, wem etwas genommen wird, wem Faulheit unterstellt wird und wessen Besitz nahezu unantastbar bleibt.

Wer unten immer neue Opfer verlangt und oben Privilegien schützt, kann sich jedenfalls nicht darauf berufen, Jesus habe zu solchen Fragen nichts gesagt. Und er kann nicht verlangen, dass Jesus schweigt.

Jesus hält nicht die Klappe.

Sein Zeichen ist kein Thron, keine Krone und kein Gold.

Es ist das »Brot der Armut« – Nahrung für den Aufbruch zur Freiheit im Reich Gottes. Daran gilt es, sich zu erinnern. Daran gilt es, sich zu orientieren.

 

 

1 Joseph Klausner, Jesus von Nazareth. Seine Zeit, sein Leben und seine Lehre. Mit einem Nachwort von Christian Wiese, Berlin: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 1. Aufl. 2021, S. 451

Joseph Klausner (* 14.8.1874, † 27.10.1958 in Jerusalem) studierte Philosophie und Semitische Sprachen in Heidelberg und wanderte 1919 nach Palästina aus. Er lehrte an der Hebräischen Universität in Jerusalem, die 1925 eröffnet wurde. 1930 veröffentlichte er sein Buch über Jesus von Nazareth im Jüdischen Verlag.

 

 

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Grafik: Aufbruch zur Freiheit im Reich Gottes – Das Brot der Armut
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Reiner Makohl, Theologische Aufsätze: Das Brot, das Jesus wählt. Aufbruch zur Freiheit im Reich Gottes., in: Stilkunst.de,
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