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Fröhliche Weihnachten!

23. Dezember 2015

Fröhliche Weihnachten!

Wir wünschen allen Besuchern unserer Webseiten fröhliche Weihnachten!
Unsere Video-eCards mit unseren Grüßen finden Sie hier:


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Fröhliche Weihnachten!


Video: Fröhliche Weihnachten 2015!


 

Sabrina

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Renten-Politik: Abstimmung per Rentenantrag

22. November 2014

Gestern eilte diese Meldung durch die Presse und durch die Medien: Die Rente mit 63 wird für die Rentenkasse sehr viel teurer als vorausgesehen! Es liegen weit mehr Rentenanträge vor, als es Vorhersagen und Hochrechnungen vermuten ließen.

Wer hätte das gedacht? Da ermöglicht es das neue Rentenpaket Arbeitnehmern, die 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, bereits mit 63 Jahren ohne Abschläge in die Rente zu gehen, und die so Begünstigten nutzen das aus! Sie stellen tatsächlich Rentenanträge!

 

Längere Lebensarbeitszeit

Die Überraschung begründet sich darin: Das passt irgendwie gar nicht zu den Hauptargumenten für die Rente mit 67. Das passt nicht zu den Studien und Untersuchungen, die zu den Ergebnissen kommen, dass immer mehr Menschen weit über das gesetzlich angedachte Rentenalter hinaus arbeiten wollen.

Das 63er-Paket war als Ergänzung gedacht, als Option und als Entgegenkommen für die wenigen, die sich über Jahrzehnte den Buckel krumm geschafft haben. Für die, die wirklich nicht mehr können, oder nicht mehr mithalten können, selbst wenn sie wollten. Für die, die nicht krank genug sind, um eine Erwerbsunfähigkeitsrente (EU-Rente) zu beziehen.

Gezeichnet hatte man damals in den Diskussionen musterhaft immer wieder das Bild des Dachdeckers, der mit 67 in schwindelerregenden Höhen mit lädierter Wirbelsäule und mit schweren Betonziegeln in den Händen auf Dachbalken balanciert. Verständlich, wenn der nicht mehr mag! Zumal ihm wohl tagein, tagaus junge, fitte Kollegen seine Grenzen aufzeigen.

Gedacht war an langjährig Versicherte, die sich in Knochenjobs aufgerieben haben. So viele werden es ja wohl nicht sein, dachte man wohl. So viele Dachdecker gibt es ja nun auch nicht. – Oder doch? Und selbst wenn: Die meisten wollen doch gar nicht in Rente gehen. Sie fühlen sich fit und und brauchen den Job als persönliche Erfüllung. – Oder doch nicht? Da sollte man mal drüber nachdenken.

 

Länger arbeiten war schon seit 1992 möglich

Erklärt wurde uns: Was die Masse der Arbeitnehmer vordergründig wolle und bräuchte, sei neben der längeren Lebensarbeitszeit so etwas wie ein »Smart Retirement Program«, ein sanftes Übergleiten von der Vollbeschäftigung in die Vollrente, das an Job-spezifische Bedingungen angepasst werden kann.

Doch das gibt es in Form der Modelle Zwei-Drittel-Teilrente, Ein-halb-Teilrente, Ein-Drittel-Teilrente. Und wer tatsächlich länger arbeiten will, darf das. Er wird sogar mit einer dauerhaften Erhöhung seiner Rentenbezüge belohnt, und zwar für jeden Monat, den er länger arbeitet, mit 0,5% zusätzlich. Wer also ein Jahr länger arbeitet, erhöht seine Rente dauerhaft um 6%. Und das war schon vor der Erhöhung des Rentenalters so.

Was fehlt, sind die Altersteilzeitmodelle, wie es sie früher gab. Auch da könnte man mal drüber nachdenken. Sie wurden rege genutzt, denn sie brachten eine Win-win-Situation sowohl für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber. Da können herkömmliche Teilzeitmodelle nicht mithalten, weil sie insbesondere für Arbeitgeber in der Umsetzung oft zu teuer und deshalb uninteressant sind. Neben hohen Kosten erfordern sie ein Höchstmaß an Arbeitsorganisation, um die nötige Flexibilität und Verfügbarkeit in Produktionen und Projekten zu gewährleisten.

Wenn die Studien Recht haben: Hätte es dann anstelle der sofortigen Anhebung des Rentenalters um zwei Jahre vorerst nicht genügt, mehr Marketing für bestehende Optionen zu machen?

Man hätte beispielsweise Arbeitgeber anhalten können, im Rahmen eines betrieblichen Rentenplanungsgesprächs in Zusammenarbeit mit dem Versicherungsträger die Arbeitnehmer zu informieren. Man hätte im Rahmen solcher Einzelgespräche aktiv die längere Arbeitszeit immer dann anbieten können, wenn es sinnvoll erscheint. So hätte man vielleicht dem demographischen Wandel in der weiteren Entwicklung der Renten- und Sozialgesetze ein praxisnahes und erprobtes Fundament gegeben. Für Studien hätten massenhaft fundierte Daten über Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverhalten bereitgestanden. Kein schlechter Gedanke, oder? Vor allem: Das könnte man noch immer tun.

Umgekehrt: Wer etwas früher in Rente gehen möchte, kann das seit 1992 auch schon längst, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, allerdings mit Abschlägen: 0,3 Prozent Abschlag für jeden Monat, den man früher gehen möchte, wobei das frühestens mit 63 Jahren möglich ist. Kann jeder! Dieser Weg wird aber offensichtlich relativ selten gewählt. Wir sind uns ziemlich sicher: Jetzt, nach dem 63er-Angebot, noch seltener! Jedoch: Als Beweis dafür, dass die Arbeitnehmer gar nicht früher in den Ruhestand möchten, ist diese Feststellung sicher völlig ungeeignet.

 

Die Rente mit 63 boomt

Doch, o Wunder! Kaum reicht man den Menschen mit dem 63er-Rente-ohne-Abschlag-Paket den kleinen Finger, packen sie zu! Und zwar kräftig! War das nicht vorhersehbar, – wirklich nicht? Wer jahrzehntelang Dachziegel zugeworfen bekommen hatte, hat es gelernt, fest zuzupacken, und zwar zum genau richtigen Zeitpunkt!

Die Rente mit 63 boomt! Woran liegt das nun genau? Wieso findet sie eine solche Akzeptanz?

Auch wir haben darauf keine eindeutige Antwort. Dafür fehlen die Daten.

Fakt ist: Die Antragsteller blicken auf mindestens 45 Jahre Erfahrungen in der echten Berufswelt zurück, und zwar in ihrer sehr eigenen Berufswelt. Da haben sie ganz sicher schon einiges erlebt. Sie beurteilen ihre individuelle finanzielle und gesundheitliche Situation und sie schauen auf ihre konkreten Perspektiven im Job und auf dem Arbeitsmarkt. Ganz ohne Schönreden. Ausgerichtet an ihrer eigenen Lebenswirklichkeit. Sie treffen Entscheidungen. Jede dieser Entscheidungen, nach vielen Überlegungen und nach Abwägung aller Vor- und Nachteile, meint: »Das ist das derzeit Beste für mich!« Das muss man respektieren.

 

Abstimmung der Rentenantragssteller

Die Flut der Rentenanträge kann ganz sicher so verstanden werden: Es ist eine Volksabstimmung, eine Abstimmung der zur Befragung zugelassenen Bevölkerungsgruppe über die aktuelle Rentenpolitik.

Ist es wirklich das, was die Arbeitnehmer wünschen: Eine längere Lebensarbeitszeit? Stellt man ganz nüchtern die Erwartungshaltung der Politiker, der wissenschaftlichen Berater und der Rentenkasse einerseits und die Ergebnisse in Form der Anträge andererseits gegenüber, heißt die Antwort unwiderlegbar: nein.

Und diese Abstimmung findet nun laufend statt. Die Hochrechnungen wurden bereits aktualisiert. Das ist wichtig, um die Kosten im Griff zu behalten. Doch welche Auswirkungen wird das auf der politischen Ebene haben? Wir werden sehen. Das Arbeitsministerium wird nun sicher regelmäßig über den weiteren Verlauf dieser Abstimmung informieren müssen.

Fakt ist: Es ist gleichzeitig eine Abstimmung über die Arbeits- und Sozialpolitik im Allgemeinen und über die Zustände im Job, im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Themen wie Gesundheit, Altersabsicherung, Vermeidung von Altersarmut, Leistungsvermögen und Arbeitsplatzabsicherung, Hartz-IV usw. schwingen im Hintergrund dieser Entscheidungen signifikant mit. Und zwar bei denen, die es unmittelbar angeht und betrifft. Das sollte nicht verkannt werden.

Es ist das Votum derer, die betroffen sind, denen aber in der ganzen Diskussion und in der Vorbereitung der Gesetze vermutlich viel zu wenig Gehör geschenkt wurde.

 

Nimm es oder lass es!

Klar: Diese Abstimmung bietet faktisch nur die Alternative »Nimm es oder lass es!« Sie begründet nicht, welche Argumente dazu führen und wo die Belange, Nöte und Ängste dieser Menschen angesiedelt sind, die sicherlich in andere politische Konstrukte einfließen müssten.

Die Grundlagen der Entscheidung dafür oder dagegen kennt man nicht. Jedenfalls nicht genau genug. Die Studien scheinen sie nicht ausreichend zu reflektieren. Sie konnten den Ansturm auf dieses Angebot nicht annähernd prognostizieren.

Wir meinen: Die Antragsflut spiegelt wichtige Aspekte der wahren Situation in Deutschland. Man täte nun gut daran, dieses Spiegelbild ernst zu nehmen, zu hinterfragen und zu analysieren. Es mit flüchtigen Anmerkungen im politischen Tagesgeschäft unter den Teppich zu kehren, wäre jedenfalls der falsche Ansatz, und es wäre eine vertane Chance auf dem Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit und zu einer gesellschaftlich adäquaten Rentenpolitik.

 

Sozialpakete statt Rentenpakete

Womöglich ist es an der Zeit, sich von den Ideen der »Rentenpakete« zu lösen und sie politisch zu »Sozialpaketen« zu entwickeln, die viel stärker als bisher die Themen Gesundheit, Bildung, Altersvorsorge, Altersabsicherung, Arbeit, Arbeitslosigkeit. Lebensleistung, Schwerbehindertenrecht, Sozialhilfe und Pflege miteinander verzahnen.

Wie sinnvoll ist es beispielsweise heute noch, an Beitragsbemessungsgrenzen festzuhalten, wenn die Schere zwischen Niedriglohnempfängern und hoch entlohnten Angestellten immer weiter aufgeht und einen tiefen Graben zwischen Unterschicht und Mittelschicht wie eine klaffende Wunde in der Solidargemeinschaft eröffnet?

Spätestens mit dem ersten Rentenbescheid werden viele bis dahin gut verdienende Angestellte feststellen müssen, dass weder die Beitragsbemessungsgrenze noch die jetzige Beitragssenkung um ganze 0,2% (also 0,1% im Portmonee des Arbeitnehmers) gute Deals waren. Spätestens dann werden sie die Solidargemeinschaft im Allgemeinen und das Rentensystem im Besonderen ernsthaft hinterfragen. Fakt ist: Man könnte es auch schon vorher tun.

Viele tun es und haben längst die Initiative ergriffen. Sie finanzieren teure, private Kranken- und Altersabsicherungen, die jedoch komplett an der gesetzlich umsorgten Solidargemeinschaft vorbei gehen. Sie demonstrieren damit: Sie haben das Problem erkannt und sie sind bereit mehr zu zahlen. Viel, viel mehr. Sie tun es auf privaten Wegen, weil der Gesetzgeber für sie keine passenden Angebote anbietet. Bedauerlich ist es, wenn die Politik vor diesen zunehmenden Strömungen in unserer Gesellschaft die Augen verschließt und somit viele wichtige Aspekte gar nicht in die Betrachtung der aktuellen Sozial- und Rentenpolitik einfließen können.


Ungebrochen: Bekenntnis zur Rente mit 67

Während also die Rente mit 63 boomt und dafür die geburtenstarken Jahrgänge, die »Babyboomer«, sich schon hinten angestellt haben und mehr oder weniger geduldig auf ihre Stunde der Antragstellung warten, während gleichzeitig immer mehr Menschen schwer erkranken, Erwerbsunfähigkeitsrenten erhalten und damit vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden, bekennt sich unsere Arbeitsministerin ganz aktuell zur Rente mit 67. Die Begründung sei: Immer mehr Menschen arbeiten über das 60. Lebensjahr hinaus.

Ach, wer hätte das gedacht? Wenn das Renteneintrittsalter auf 67 steht, ist das doch kaum verwunderlich, oder haben wir da etwas falsch verstanden? Die Begründung hätte tatsächlich Gehalt, wenn die Altersrente auf 60 stünde. Tut sie aber nicht.

Der Anteil der Arbeitnehmer, die älter als 65 sind und noch arbeiten, wird in Zukunft gegenüber früher ganz sicher exorbitant zunehmen! Es wäre höchst verwunderlich, wenn das nicht so käme. Dann allerdings davon auszugehen, die Arbeitnehmer wünschten das so, müsste sehr kritisch hinterfragt werden.

Uns würde vielmehr interessieren: Wie viele Arbeitnehmer arbeiten über das gesetzliche Rentenalter freiwillig und eindeutig ohne Not hinaus? Wie steht diese Zahl im Verhältnis zu denen, die vorzeitig in Rente gehen? Und welche Trends sind erkennbar?

 

Mit 60 in Rente?

Über das 60. Lebensjahr hinaus arbeiten, ist das normal Ziel. Mit 60 in Rente gehen ist anders als früher nicht mehr ohne EU-Rente möglich, oder doch?

Selbst Schwerbehinderte haben (anders als früher) nicht mehr die Möglichkeit, ohne Erwerbsunfähigkeit (EU-Rente) vorzeitig (aber unter Inkaufnahme der Abschläge) mit 60 in den Altersruhestand zu gehen. Schwerbehinderte können abschlagsfrei zwei Jahre früher in Rente gehen. Ab dem Jahrgang 1964, der ja bis 67 arbeiten muss, also mit dem 65. Lebensjahr.

Es ist daher anzunehmen, dass auch viele Schwerbehinderte, die 63er-abschlagsfrei-Lösung vorziehen werden, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Dann aber darauf zu schließen, dass Schwerbehinderte eine längere Lebensarbeitszeit vorziehen, oder der Anteil schwerbehinderter Rentner schrumpft, weil die Zahl der Anträge auf vorzeitige bzw. altersgerechte Rente wegen Schwerbehinderung abnimmt, wäre selbstverständlich unsinnig.

Doch warten wir es ab. Die betroffenen Jahrgänge sind noch nicht so weit. Sie kommen erst ab nächstem Jahr peu à peu zur Wahlurne, wie viele andere auch, deren 63. Geburtstag in greifbare Nähe rückt.

 

Und die Zukunft?

Werden wir, was Rentner betrifft, eine Drei-Klassen-Gesellschaft werden? Entweder Rente mit 63 oder mit 67. Kommt darauf an, ob man es geschafft hat, vor dem 63. Lebensjahr die nötigen 45 Beitragsjahre vollzukriegen, oder nicht. Dazu die Gruppe der EU-Rentner. Diese Gruppe wächst leider. Alles andere werden womöglich Sonderfälle sein, die an der Gesamtzahl der Rentner nur noch marginal Anteil haben werden.

Auch, wenn wir uns das anders wünschen würden: Zu den eher kleinen Gruppen zählen womöglich auch die, die noch über das Rentenalter hinaus freiwillig arbeiten werden, ohne die Not zu haben, neben der Rente ihren Lebensunterhalt durch einen Hinzuverdienst absichern zu müssen. Denn leider wächst auch die Gruppe derer, die vom Hinzuverdienst komplett abhängig sind oder ihn brauchen, um den sozialen Abstieg ins Bodenlose zu verhindern.

Bereits heute müssen viele, ehemals gut verdienende Angestellte, die keine private Absicherung vorgenommen haben, im Rentenalter hinzuverdienen, wenn sie ihren gewohnten Lebensstandard auch nur annähernd halten möchten. Oder sie verschieben den Renteneintritt nach hinten, was einerseits auch das Problem hinausschiebt und anderseits die Rente leicht erhöht. Ob sie diese Not jemals öffentlich zugeben, ist eine andere Frage.

Ob das so kommen wird? Zumindest ist es dieses Bild, entgegen allen Prognosen, die uns die jetzige Antragsflut auf Rente mit 63 zeichnet.

Es kann auch ganz anders kommen. Wir sind sehr gespannt, wie es weitergeht.

Sabrina

Kategorien: Politik | Hope for the Future

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100 Jahre Panamakanal

15. August 2014

100 Jahre

Panamakanal

Das Jahr 1914 hat in vielerlei Hinsicht die Welt verändert. Während in Europa der Krieg ausbrach, stellten die U.S.-Amerikaner in Panama das damals größte Bauprojekt der Welt fertig, den Panamakanal, und betraten damit die politische Weltbühne als neue Weltmacht.

Einfahrt in den Panamakanal | Foto: © Sabrina | Reiner | Lizenz CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Panamakanal | Ein Containerschiff wartet darauf, in das erste Becken der Gatún-Schleuse einzufahren.
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

Das Containerschiff liegt noch in der Limón Bay (Bahía Limón), Schlepper drücken das Schiff in die richtige Lage, die Kanaleinfahrt ist eng. Das vordere, das zweite Becken wird gerade geflutet, im ersten Becken wird Wasser abgelassen, um das Niveau des Atlantiks zu erreichen. Danach öffnen sich die riesigen Schleusentore und das Schiff kann in die erste Kammer einfahren. Dort wird der Wasserstand dann auf das Niveau der zweiten Kammer gehoben und mit ihm das Schiff.

Seit Jahrhunderten träumten die Seefahrer davon, auf einer kurzen Verbindung vom Atlantik in den Pazifik kreuzen zu können. Bis dahin führte die einzige schiffbare Route um die Südspitze von Südamerika herum, um das gefürchtete Kap Horn. Die lange Reise verschlang nicht nur Zeit und Geld, sie führte durch Seegebiete, die wegen der starken Strömungen und wegen des fortwährend stürmischen Wetters gefährlich waren und manch ein Schiff in Seenot brachten. Viele Schiffe sanken, Menschen kamen ums Leben und Ladungen gingen verloren.

Die Landenge von Panama bot sich geradezu an, beide Ozeane mit einem Kanal zu verbinden. Zunächst versuchten sich die Franzosen zwischen 1881 und 1889 an diesem 82 Kilometer langen Kanalprojekt, doch sie konnten es nicht zu Ende führen.

Die natürlichen Hindernisse, die sich dem Bauprojekt in den Weg stellten, schienen unüberwindbar: tropische Bedingungen, große Hitze, wochenlange, schwere Regenfälle, Geländeformationen, die durch dichten Dschungel, über Bergketten und durch morastige Täler führten und zahllose Malaria-Mücken, die fast jeden Arbeiter in kurzer Zeit infizierten und erkranken ließen. Etwa 22.000 Arbeiter kamen ums Leben.

1902 verkaufte die zuständige französische Gesellschaft das Projekt mit allen Rechten an die USA. Amerikanische Ingenieure begannen 1905 das angefangene Projekt fortzusetzen. Sie investierten die damals ungeheure Summe von 386 Millionen US-Dollars. Für Präsident Theodor Roosevelt wurde der Ausbau des Panamakanals zu einer wichtigen taktischen Maßnahme und zu einem Prestigeprojekt für die USA.

Als der Kanal endlich im Jahr 1914 fertiggestellt und eröffnet werden konnte, zählte die USA bis dahin 5.609 Arbeiter, die bei den Bauarbeiten ums Leben gekommen waren.

Die USA legten mit dem erfolgreichen Bau und der Eröffnung des Kanals den Grundstein ihrer Stellung als Weltmacht. Von nun an veränderte sich die globalen Machtverhältnisse. Die USA griffen in das Weltgeschehen ein.

Blick auf die drei Schleusenbecken | Foto: © Sabrina | Reiner | Lizenz CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Panamakanal | Blick auf die drei Schleusenbecken der Gatún-Schleuse am Atlantik.
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

Das Containerschiff befindet sich jetzt im ersten Becken. Es liegt noch tief, der Rumpf des Schiffes ist nicht zu sehen. Es wartet nun darauf, gehoben zu werden. Bis zum dritten Becken wird es um etwa 26 Meter angehoben werden.

Am 15. August 1914 passierte das 200 Passagiere transportierende Paketboot »Ancon« als erstes Wasserfahrzeug den Panamakanal in voller Länge.

Heute passieren jährlich knapp 15.000 Schiffe den Kanal, trotz der hohen Gebühren, die dafür gezahlt werden müssen. Ein größeres Schiff, wie ein Container- oder Kreuzfahrtschiff, bezahlt mehrere Hunderttausend Dollars für eine einzige Durchfahrt.

WEITERE FOTOS IN UNSEREM FOTOALBUM
Panama Canal

FOTOSERIE PANAMAKANAL

59 Fotos von einer Reise durch den Kanal

Der Panamakanal ist eine der wichtigsten künstlichen Wasserstraßen der Welt. Mehrere Schleusen gleichen die Höhenunterschiede zwischen den Meeren und dem Binnensee aus.

Sabrina

Kategorien: Politik |

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Abschied

22. Juni 2014

Über Marathonläufer und Wanderer

Gedanken über das Leben

Heute Morgen ist unser Bruder verstorben. – Es fühlt sich anders an, als man so sagt. Da ist keine Leere. Im Gegenteil: Der Kopf, das Herz und der Bauch sind voll von Gedanken, Gefühlen und Empfindungen.

Es ist verwirrend, es lässt sich nicht sortieren und es bereitet Schmerzen. Ja.

Abendstimmung | ©by Sabrina Reiner | CC-BY-SA Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abendstimmung
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Foto: Sabrina | Reiner Makohl

 

 

Nein, dies hier ist nicht der Ort für Traurigkeit. Aber für Gedanken. Nein, nicht über den Tod. Aber über das Leben.

Ist es nicht so? Wir alle werden mit unserer Geburt an die Startlinie gestellt. Wir laufen los. Das Ziel ist klar, auch wenn man es verdrängt, auch, wenn man es nicht wahrhaben möchte. Irgendwann wird jeder von uns diese Ziellinie am Ende des Lebens überschreiten.

Auf der Strecke, die wir alle laufen, sieht man die unterschiedlichsten Laufstile.

 

Da sieht man beispielsweise den Marathonläufer. Für ihn ist die kürzeste Verbindung wichtig, die schnellste Strecke zum Ziel. Er rennt los und er überholt unterwegs viele. Er schaut nicht nach links und nicht nach rechts. Nur der Fortschritt zählt und das Überholen. Er ist eben fortschrittlich. Vielleicht zählt noch das Durchhalten. Er hat Kraft und Ausdauer.

Immer aktiv sein, immer stark sein und immer mitmachen. Für den Marathonläufer ist »Dabeisein« wichtig, auf der Strecke dabei sein im Kampf um die vorderen Plätze.

Und irgendwann kommt er an. Wenn er dann zurückblickt, kann er fast nichts berichten – außer davon, wie schnell, stark und ausdauernd er doch war. Wie viele er überholt hat. Er hat auch nichts mitgebracht. Keine Mitbringsel, keine Erinnerungen, keine bemerkenswerten Erfahrungen, außer der vielleicht, dass der Weg ab und zu steinig, die Strecke holprig und die Gegener zu schlagen waren. Er hatte weder die Zeit dafür noch die Lust, sich unterwegs zu belasten.

Wenn sich der Marathonläufer umschaut im Ziel, sieht er niemanden. Die applaudierenden Zuschauer entlang der Strecke sind längst verblasst. Niemand mehr da. Alle fort. Aber er war ja auch selbst für niemanden da. Im Grunde ist er sehr einsam vor sich hingerannt. Er bemerkte es nur nicht.

 

Ganz anders der Wanderer. Er schlendert gemütlich den Weg entlang. Für ihn ist der Weg das Ziel. Er nimmt jede Abzweigung mit und er freut sich über unbekannte Umwege. Er bleibt immer wieder stehen und betrachtet, was am Wegrand so zu sehen ist. Neugierde lässt ihn anhalten, Wissensdurst treibt ihn an.

Der Wanderer genießt den Ort, an dem er gerade ist. Er sucht den nächsten interessanten Punkt auf seinem Lebensweg. Er ist unstet und unruhig. Er interessiert sich für alles und jeden. Er ist immer auf der Suche. Er überholt nicht. Er begegnet anderen. Er nimmt sich etwas Zeit für dies und das und für diesen und jenen. Er ist einfach nur da, wo er ist. Genügt völlig. »Da sein« ist für ihn wichtig. Da sein für sich selbst und für andere.

Irgendwann kommt auch der Wanderer ins Ziel. Doch bestenfalls als Zweiter. Wanderer sind die ewigen Zweiten. Das stört sie aber nicht.

Wenn Wanderer zurückblicken, wissen sie viel zu erzählen. Ihr Rucksack, den sie mühsam mitschleppen, ist voll von kleinen Mitbringseln. Viele Erfahrungen sind darin, und Erinnerungen an Orte und Begegnungen. Erinnerungen daran, dass sie da waren. Und es gibt andere, viele andere, die sich an sie erinnern, weil sie Erfahrungen mit ihnen teilten.

»Da sein«, das kostet Zeit. Das ist verdammt schwer. Für sich und für andere. Marathonläufer können das nicht. Für sie sind Mitmenschen entweder Zuschauer, von denen sie Bewunderung erwarten, oder Gegner, die es auszuschalten und zu überholen gilt.

 

Auch wir sind Wanderer. Klar, wir werden immer nur Zweiter sein. Nicht schlimm. Unser Ziel ist das Jetzt. Wir genießen es, da zu sein. Das nächste Ziel liegt ganz klar vor uns: die nächste Abzweigung, der nächste Umweg, die nächste Begegnung. Wir sind gespannt und neugierig darauf.

 

Unser Bruder ist tot.

Meist war er ein Wanderer. Nur ab und zu legte er einen Spurt ein. Jetzt hat er die Ziellinie des Lebens überschritten. Aber das ist nicht mehr wichtig für ihn. Es war eigentlich nie wichtig. Meist war sein Weg sein Ziel. Meist war er da und rannte nicht vorbei. Das allein war, das allein ist wichtig. Für ihn und für andere. Manch einer hat in seinem Rucksack Erfahrungen sammeln können aus Begegnungen mit ihm. Auch wir. Das ist es, was zählt. Genügt völlig.

Reiner

Kategorien: In eigener Sache | Hope for the Future

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Rogate! - Die Macht des Betens

25. Mai 2014

25. Mai 2014 | Sonntag Rogate

Rogate 2014

5. Sonntag nach Ostern

Der evangelische Sonntag Rogate

Die evangelischen Kirchen wählten als Namen für diesen Sonntag den lateinischen Imperativ »Rogate!«, was übersetzt »Betet!« heißt.

Der Sonntag Rogate ist somit der Betsonntag. Im Vordergrund steht das Gebet. Der Zusammenhang mit der Osterzeit ergibt sich aus der neuen Beziehung zwischen Menschen und Gott, aus dem neuen Bund: Es steht jedem frei und einjeder ist aufgefordert selbst und direkt zu Gott zu beten.

Abbildung: :Getsemani | Ausschnitt aus einem Linolschnitt, frei nach einem Motiv des Altarbildes der Evangelischen Versöhnungskirche, Rüsselsheim, Deutschland. | Foto: ©Sabrina Reiner

Abbildung: :Getsemani
»Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.«
Ausschnitt aus einem Linolschnitt, 11 cm x 22,5 cm
Frei nach einem Motiv des Altarbildes der Evangelischen Versöhnungskirche, Rüsselsheim, Deutschland.
Foto: ©Sabrina Reiner

 

Die Macht des Betens

Ein Workshop

Gedanken zum Sonntag Rogate

Einführung

Rogate! Betet! – Das ist der Name dieses Sonntags. Es ist der fünfte Sonntag nach Ostern, direkt vor Christi Himmelfahrt. Folgen wir doch einfach einmal dieser Aufforderung! Wenn nicht jetzt, wann dann? Was riskieren wir schon dabei? Eigentlich doch nichts. Was kostet es uns, außer einigen wenigen Minuten Zeit, die wir vermutlich anderweitig kaum besser genutzt hätten?

Doch halt! So einfach ist es nun doch nicht!

Beten – wie geht das eigentlich? Da gibt es doch völlig unterschiedliche Vorstellungen von dem, was ein »gutes« Gebet ausmacht, oder? Schließlich soll es auch wirken, nicht nutzlos sein. Doch wie macht man das? Wie stellt man das an, dass es wirkt?

Gibt es nicht irgendwelche Handlungsanweisungen dafür? Eine Art Bedienungsanleitung? Einen User Guide? Die Macht des Betens soll ja enorm sein! Hört und liest man jedenfalls hin und wieder. Die Macht des Betens! Das klingt ein wenig nach Fantasien und »Möge die Macht mit Dir sein!« – Schön wäre es ja.

Ein Workshop für das Beten

Ein Workshop – wozu das denn? Eigentlich sollte doch jeder Christ von Kindheit an gelernt haben, zu beten. Eigentlich sollte jeder evangelische Christ spätestens im Konfirmandenunterricht angeleitet worden sein und selbst erfahren haben, wie man richtig betet und was es dabei zu beachten gilt. Und eigentlich sollte jeder Christ von der Macht des Betens überzeugt sein. Nicht nur aus Glauben heraus, sondern aufgrund eigener Erfahrung. Eigentlich.

Wir glauben aber, dass es an dieser Stelle durchaus angebracht und hilfreich ist, ein paar Worte über das Beten zu verlieren.

Wir können Ihnen sagen, wie es geht. Dach was nutzen Worte. Lassen Sie uns daher einen Workshop daraus machen. Mit praktischem Übungsteil. Sie können sich selbst einbringen und überprüfen, was geht und was nicht. Wir sagen Ihnen also, wie es geht – theoretisch! –, und sie probieren es aus, ganz praktisch. Nehmen Sie sich die paar Minuten – es kostet außer Zeit fast nichts.

Der Workshop – Die Vorbereitung

Was brauchen Sie dafür? Nicht viel. Das Gebet im Verborgenen ist die vollständige Kommunikationsform. Es bedarf für den Dialog mit Gott weder Mittler, wie Priester oder Pfarrer, und auch keine besonderen Orte oder Räume, wie Wallfahrtsstätten, Tempel, Kirchen oder Kapellen. Hilfsmittel, wie Heilige Bücher, Gebetsbücher, Kruzifixe, Reliquien oder Gebetskränze, sind überflüssig. Auch Altäre und Opfer irgendwelcher Art sind völlig unnötig.

Das Gebet wirkt aufgrund seiner Ehrlichkeit, mit der es gesprochen und gemeint ist. Dabei kommt es nicht auf die Worte an, sondern auf das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes und in die gelebte Beziehung zu ihm. Reden ist eins, Handeln etwas anderes.

Es kommt also nicht darauf an, viel zu reden und mehr oder weniger kluge, womöglich irgendwie religiös anmutende Sätze loszuplappern, sondern darauf, was Sie vor dem Gebet taten und was Sie danach tun möchten. Wie das zu verstehen ist? Das sehen wir gleich.

Der Workshop – Die Anleitung zum Beten

Sie hatten schon richtig vermutet: Es gibt so etwas wie eine Anleitung zum Beten. Jesus gab uns für das Beten ebenso einfache wie klare Anweisungen. Wir finden Sie im Evangelium des Matthäus (Kapitel 6). Mehr ist nicht zu tun.

Gleichzeitig verwies Jesus darauf, wie wichtig für den Erfolg unserer Gebete unser eigenes Handeln ist. Die Schlüsselrolle nimmt dabei »Vergebung« ein. Wie im richtigen Leben: Eine gute Beziehung sollte unbelastet sein von Vorwürfen und Schuldgefühlen. Auch die Beziehung zwischen Ihnen und Gott.

Jedoch – so erklärt es Jesus! -, Vergebung kann nur erlangen, wer selbst vergeben hat! Bitte beachten Sie die Zeitform in diesem Ausdruck: Perfekt, vollendete Gegenwart. Da hilft kein Geschwätz und kein guter Vorsatz, erst recht kein geheuchelter: Wir müssen ehrlich sein und bereits vergeben haben, um selbst Vergebung zu erlangen.

Das ist heikel! Haben Sie jemandem irgendetwas zu vergeben? Und haben Sie bereits vergeben? Wenn nicht: Es ist ja nie zu spät! Tun Sie es jetzt. Aber vergessen Sie bitte nicht die ehrliche Absicht dahinter. Die Macht und Wirksamkeit des Gebets wird nicht durch Rituale angeregt und erlangt, sondern durch die Ehrlichkeit unserer Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen.

Nun wird es Zeit, sich mit der Anleitung vertraut zu machen. Schauen wir uns an, was Jesus über das Beten sagte. Lesen Sie den folgenden, kurzen Text:

 

Das Evangelium des Matthäus

 

6 5 Wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler, denn sie beten gern, wenn sie in den Kirchen und an den Straßenecken stehen, damit es die Leute mitbekommen. Ich sage euch: Sie haben damit ihren Lohn schon erhalten. So ist das. 6 Du aber, wenn du betest, geh in Dein Zimmer, schließe die Tür und bete zu deinem Gott, Deinem Vater, in dieser Abgeschiedenheit. Und dein Vater, der dich in der Abgeschiedenheit sehen kann, wird es Dir vergelten.

7 Wenn ihr betet, plappert nicht daher wie die Heiden, denn sie meinen erhört zu werden, wenn sie viele Worte machen.
8 Macht es einfach nicht wie sie. Euer Vater weiß doch, was ihr braucht, noch bevor ihn ihn bittet.

9 So sollt ihr beten:

Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
10 dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir unsern Schuldnern vergeben haben.
13 Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

14 Wenn ihr nämlich den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird auch euch euer himmlischer Vater vergeben.
15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Verfehlungen nicht vergeben.

Der Workshop – Das Praktikum

Alles klar? Dann kommen wir jetzt zum praktischen Teil. Suchen Sie also einen ruhigen, abgeschiedenen Ort auf. Ein Zimmer, einen Raum, in dem Sie ungestört sind. Es muss und sollte niemand mitbekommen, dass Sie nun beten werden.

Entspannen Sie sich. Machen Sie es sich bequem. Es ist nicht nötig, dass Sie irgendeine besondere Körperhaltung einnehmen. Sie müssen nichts tun. Sie müssen weder knien, noch auf dem Boden liegen, noch die Hände falten. Sie können es tun, wenn Sie mögen. Sie müssen aber nicht. Nehmen Sie eine Haltung ein, die Ihnen ganz natürlich, selbstverständlich und entspannt vorkommt. Sie sollten sich dabei wohlfühlen.

Seien Sie nur einfach locker und versuchen Sie, die Welt um sich herum zu vergessen. Sie sollten wirklich ungestört sein und sich durch nichts stören lassen.

Wenn Sie soweit sind, fangen Sie an, zu beten. Versuchen Sie zunächst nicht, Ihr Gebet mit eigenen Sätzen oder Wünschen anzureichern. Sprechen Sie einfach die Sätze, die uns Jesus empfohlen hat. Da steckt alles drin, was Sie brauchen, um das Gespräch mit Gott erfolgreich zu führen. Mehr ist wirklich nicht nötig. Alles andere, was Sie bewegt, ist darin impliziert.

Sprechen Sie das Gebet laut und hören Sie sich selbst zu.

Der Workshop – Die Auswertung

Und nun: Seien Sie kritisch mit sich selbst! Wie klang das? War das ehrlich? Würden Sie dem, der da gesprochen hatte – also sich selbst! – das abnehmen, was er da von sich gab?

Wenn nicht: An welcher Stelle klang es weniger oder gar nicht überzeugend? Wenn Sie diese Stelle (oder auch mehrere) ausgemacht haben, dann können Sie Ihrem Sprecher vielleicht ein paar hilfreiche Tipps geben: Was muss er tun, damit sein Gebet ehrlich klingt und überzeugt? Geben Sie ihm die nötigen Handlungsempfehlungen! Und geben Sie ihm eine zweite Chance, oder auch eine dritte. – Es muss nicht gleich sein. Vielleicht heute Abend oder morgen oder nächste Woche.

Der Workshop – Abschließende Erläuterungen

Sie haben nun gesehen: Das Gebet besteht aus zwei Teilen. Dem eigentlichen Gebet und dem Tun drumherum bzw. zwischen zwei Gebeten. Da passiert ja immer irgendetwas. Das lässt sich auch gar nicht vermeiden. Aber einiges von dem dem, was da passiert, wird im Gebet womöglich bedeutsam. Ein Beispiel sei hier angeführt.

Unser tägliches Brot gib uns heute

Wir beten die Zeile »Unser tägliches Brot gib uns heute«. Vielleicht fragen Sie sich, was denn Gott damit zu tun habe. Schließlich gehen Sie arbeiten, verdienen Geld, und kaufen sich, was Sie an Lebensmittel benötigen. Oder Ihr Partner verdient das Geld. Oder Ihre Eltern. Oder Sie beziehen Rente, Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe. Aber: Ist das alles so selbstverständlich?

Als Rentner haben wir lange hart gearbeitet. Unser Rentensystem gewährt uns nun den Ruhestand. Auch, wenn es nicht viel sein mag: Rentner bekommen Geld, ohne dafür weiterhin arbeiten zu müssen. Auch Arbeitslose und sozial Schwache fallen nicht völlig ins Bodenlose. Alles ist zwar knapp und Geld gibt es nur wenig, aber es gibt Brot. Niemand verhungert. Das sind Errungenschaften unserer Gesellschaft, die keineswegs selbstverständlich sind. Beispiele, wie es anders laufen kann, erleiden viele Millionen Menschen täglich auf dieser Welt.

Ebenso wenig ist es selbstverständlich, Arbeit zu haben. Man hat sie, aber man kann sie sehr schnell verlieren. Auch in unserem Staat.

»Unser tägliches Brot gib uns heute« erinnert uns daran, dass es eben nicht selbstverständlich ist, jeden Tag satt sein zu dürfen. Die Generationen vor uns und wir selbst haben dafür gerungen, und wir müssen in politischen Auseinandersetzungen immer wieder dafür neu eintreten, dass unser soziales Netz nicht reißt. Renten, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe stehen immer wieder auf dem Prüfstand, wenn der Gürtel enger zu schnallen ist oder politische Machtspiele gespielt werden.

Wir müssen täglich dafür sorgen, dass wir unseren Arbeitsplatz behalten. Möglichst lange. Immer weniger Menschen rechnen damit, dass sie ihren Job bis zum Rentenalter behalten werden. Immer mehr junge Menschen wechseln von erfolgreichen abgeschlossenen Ausbildungen und Studiengängen direkt in die Arbeitslosigkeit. Es ist der Kampf um immer weniger Arbeitsplätze, von denen viele nicht einmal mehr zum Leben das nötige Einkommen beisteuern. Immer mehr Menschen haben zwei oder drei kleinere Jobs gleichzeitig. Das alles ist anstrengend und kostet Kraft. Gut, wenn wir uns darüber im klaren sind und um Kraft bitten.

»Unser tägliches Brot gib uns heute« meint: Sich bewusst sein, dass man dafür eintreten muss. Es ist nicht selbstverständlich. Man muss für sich sorgen können, aber auch für andere. Man muss dafür eintreten, dass unser soziales Netz fester und engmaschiger wird. Dort, wo es schwach und löchrig geworden ist, kann und sollte man selbst aktiv werden und einen winzigen Faden spinnen, der für irgendeinen anderen, bedürftigen Mitmenschen »Unser tägliches Brot gib uns heute« meint. Solche Fäden könnten Spenden sein, aber auch die aktive Mitarbeit in einer kleinen, regional aufgestellten Hilfsorganisation. Auch in Ihrer Nähe gibt es vielleicht Organisationen und Vereine, die Ihre Hilfe gut brauchen könnten.

»Unser tägliches Brot gib uns heute« meint darüber hinaus die konkrete Bitte und Hoffnung, dass wir selbst nicht in Not geraten und durch ein rissiges Loch im Netz plumpsen. Und wenn doch, dann möge jemand da sein, der einen Faden spinnt, der uns trägt. Treffen kann es jeden. Wir haben keine Garantien dafür, unbeschadet durch das Leben zu gleiten. Und so, wie wir selbst auf Hilfe und Unterstützung hoffen und angewiesen sind, wenn es schief läuft, können wir selbst helfen und unterstützen, wo für einen Mitmenschen Hilfe nötig ist.

Fazit

Sie sehen: Der erste Teil unseres Workshops ist leicht zu praktizieren. Man betet einfach. Doch vergessen Sie den zweiten Teil nicht! Je nachdem, wie sie ihn gestalten, kann sich diese Übung über lange Zeiträume erstrecken. Womöglich über den Rest Ihres Lebens.

Wir haben versucht, am Beispiel der Bitte um das tägliche Brot aufzuzeigen, welchen Sinn beten haben kann. Vielleicht haben Sie nun Lust, einmal über die anderen Sätze im Vaterunser nachzudenken. Vielleicht finden Sie selbst heraus, was diese Bitten für Sie und für das Zusammenleben mit Ihren Mitmenschen bedeuten mögen. Es kann gut sein, dass auch Sie dann zu dem Schluss kommen: Beten tut nicht nur gut, es hilft. Sehr konkret, sehr praxisnah, und es wirkt! Beten entfaltet seine Macht dort, wo Menschen das Gebet ernst meinen.

Die Macht des Betens – sie steckt auch in Ihnen!

Sabrina

Kategorien: Kirche und Religion | Hope for the Future

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