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Muss man nicht lesen, kann man aber!

Wie steht es bei dir mit GOTT?

31. Mai 2026

Du, Gott, Ich - ein gelebtes Beziehungsdreieck

Kann man Gott ver­wal­ten?


Die Fra­ge klingt ab­surd. Aber die Pra­xis ist alt. Got­tes Wort steht in der Bi­bel und wird da­rin ver­wal­tet. Es wird her­vor­ge­holt und von Pre­di­gern aus­ge­legt. Got­tes Ge­gen­wart wird im Kir­chen­raum ver­or­tet und von Pries­tern ge­hü­tet. Glo­cken la­den ein, Gott zu be­su­chen, per Läu­te­ord­nung. Kelch und Hos­tie bin­den sei­ne Prä­senz an Ort und Hand­lung. Beich­te, Bu­ße und Ab­so­lu­ti­on he­gen sein Han­deln ein.


Das ist kei­ne An­kla­ge. Das ist Be­schrei­bung. Re­li­gio­nen brau­chen Struk­tur. Struk­tu­ren ten­die­ren zur Selbst­er­mäch­ti­gung.


Ir­gend­wann ver­wal­tet die Struk­tur nicht mehr den Zu­gang zu Gott. Sie be­haup­tet, über Gott zu ver­fü­gen.


In Mät­thä­us 9 wird ein Ge­lähmter zu Je­sus ge­bracht. Je­sus sagt: „Dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben.“ Die Schrift­ge­lehr­ten den­ken: Got­tes­läs­te­rung. Nicht weil Ver­ge­bung un­mög­lich wä­re. Son­dern weil sie ge­ord­net ver­lau­fen muss. Durch die rich­ti­gen In­stan­zen, auf dem rich­ti­gen Weg. Je­sus über­springt die In­stan­zen. Nicht aus Re­gel­ver­ach­tung. Son­dern weil dem Mann jetzt ver­ge­ben wird, nicht nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ei­ner Ord­nung.


Sa­lo­mo hat die Fra­ge selbst ge­stellt, mit­ten in der Ein­wei­hung des Tem­pels, den er für Gott ge­baut hat: Soll­te Gott wirk­lich auf Er­den woh­nen? (1.Kön 8,27) Er weiß, dass der Bau ei­ne An­ma­ßung ist. Er baut trotz­dem. Aber er weiß es.


Das ist der Un­ter­schied. Nicht ob man Struk­tu­ren hat. Son­dern ob man noch weiß, was sie sind: Be­helf, nicht Ver­fü­gung. Zu­gang, nicht Be­sitz.


Glau­ben ist das Ge­gen­teil da­von. Nicht Ver­fü­gung über Gott, son­dern Ver­trau­en in ihn. Ver­trau­en lässt sich nicht ver­wal­ten, nicht re­gu­lie­ren, nicht an Or­te bin­den, nicht durch Ver­fah­ren si­chern. Es hat kei­nen Zu­stän­di­gen. Gott han­delt, wo und wie er will, nicht wo die Läu­te­ord­nung es vor­sieht.


Und nun?
Viel­leicht emp­fiehlt sich das: Ver­trau­e. Glau­be.

Reiner Makohl

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