
Kann man Gott verwalten?
Die Frage klingt absurd. Aber die Praxis ist alt. Gottes Wort steht in der Bibel und wird darin verwaltet. Es wird hervorgeholt und von Predigern ausgelegt. Gottes Gegenwart wird im Kirchenraum verortet und von Priestern gehütet. Glocken laden ein, Gott zu besuchen, per Läuteordnung. Kelch und Hostie binden seine Präsenz an Ort und Handlung. Beichte, Buße und Absolution hegen sein Handeln ein.
Das ist keine Anklage. Das ist Beschreibung. Religionen brauchen Struktur. Strukturen tendieren zur Selbstermächtigung.
Irgendwann verwaltet die Struktur nicht mehr den Zugang zu Gott. Sie behauptet, über Gott zu verfügen.
In Mätthäus 9 wird ein Gelähmter zu Jesus gebracht. Jesus sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Schriftgelehrten denken: Gotteslästerung. Nicht weil Vergebung unmöglich wäre. Sondern weil sie geordnet verlaufen muss. Durch die richtigen Instanzen, auf dem richtigen Weg. Jesus überspringt die Instanzen. Nicht aus Regelverachtung. Sondern weil dem Mann jetzt vergeben wird, nicht nach Abschluss des Verfahrens einer Ordnung.
Salomo hat die Frage selbst gestellt, mitten in der Einweihung des Tempels, den er für Gott gebaut hat: Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? (1.Kön 8,27) Er weiß, dass der Bau eine Anmaßung ist. Er baut trotzdem. Aber er weiß es.
Das ist der Unterschied. Nicht ob man Strukturen hat. Sondern ob man noch weiß, was sie sind: Behelf, nicht Verfügung. Zugang, nicht Besitz.
Glauben ist das Gegenteil davon. Nicht Verfügung über Gott, sondern Vertrauen in ihn. Vertrauen lässt sich nicht verwalten, nicht regulieren, nicht an Orte binden, nicht durch Verfahren sichern. Es hat keinen Zuständigen. Gott handelt, wo und wie er will, nicht wo die Läuteordnung es vorsieht.
Und nun?
Vielleicht empfiehlt sich das: Vertraue. Glaube.
