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Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

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Luthers Wort

Bedeutung

zer-

 

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zer- (Vorsilbe)

Der übergeordete Sinn dieser Vorsilben in Komposita mit Verben deu­tet in die Rich­tung:

 

etwas um­fas­send, voll­stän­dig, gänz­lich, grund­legend auseinander machen durch tren­nen, spal­ten, stü­ckeln, tei­len, ab­son­dern, schei­den, usw.

 

 

 

Die Vorsilben »ze(r)-« und »zu(r)-«

 

Bei der Vorsilbe »ze-« (ohne »r«) handelt es sich um eine mit­tel­hoch­deut­sche Form neben »zer-«, die später ver­lo­ren ge­gan­gen ist, bzw. als Kom­po­si­tum mit be­stimmten Ver­ben nicht mehr ge­bräuch­lich war.

 

Die Vorsilben »zu-« und »zur-« sind mit »ze-« (bzw. »zer-«) in­halt­lich iden­tisch und scheinen die äl­te­ren For­men zu sein mit glei­chen ety­mo­lo­gi­schen Wur­zeln. Zur Zeit Luthers wer­den die­se Vor­sil­ben zu et­li­chen Ver­ben gleich­be­deutend ne­ben­ein­an­der ver­wen­det. Erst sehr viel spä­ter setzte sich für die Un­ter­schei­dung von Wort­be­deu­tun­gen im ge­schrie­be­nen Wort die in­halt­li­che Tren­nung der Vor­sil­ben durch.

 

Noch im 17. Jahr­hun­dert wa­ren nur durch Be­to­nung Wör­ter un­ter­scheid­bar, nicht aber im ge­schrie­be­nen bzw. ge­druck­ten Wort, wie beispielsweise zuschlahen mit Be­to­nung auf der zwei­ten Sil­be im Sinne von »zer­schla­gen« (zer­stö­ren, ) oder mit Be­to­nung auf der ersten Sil­be in der Be­deu­tung »zu­schla­gen« (mit Kraft oder Ge­walt un­ver­mit­telt schla­‌gen, schließen usw.).

 

Ob ein Verb mit einer der Vor­sil­ben »zer-«, »ze-«, »zur-« oder »zu-« ge­bil­det wur­de, hing in vie­len Fäl­len wohl maß­geb­lich vom Sprach­ge­fühl und Sprach­ge­brauch des Spre­chers bzw. Schrei­bers ab. Durch­gän­gi­ge, fes­te Re­geln gab es im 16. Jahr­hun­dert da­für nicht. Da­her kön­nen selbst in zu­sam­men­hän­gen­den Texten ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten gleich­zei­tig er­schei­nen.

 

In der Luther­bi­bel sind ei­ni­ge we­ni­ge Ver­ben als Kom­po­si­ta mit die­sen Vor­sil­ben nicht in allen vier Va­ri­an­ten zu fin­den. Bei­spiels­wei­se gibt es nur zerſrewen und zurſtrewen (aber nicht die Va­ri­an­ten ohne »r«), oder zerbrechen, zebrechen und zubrechen (je­doch nicht zurbrechen).

 

 

 

SK Version 17.10.2019  

Sabrina

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