M. Luther: Vorrede auf die Propheten

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Die Prophetenbücher

 

Biblia

M. Luther:

Vorrede auf die Propheten

 

Der Text aus :
Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

 

 

 

D. Mart. Luth.

 

 
[2a]

 

II.

 

Vórrede áuff die Pró-
pheten.

 

 

 

 

ES ſcĥeinet fur der ver-

nunfft faſt ein geringe ding vmb

die Propheten ſein / als darin wenig nützlichs gefunden werde. Sonder­lich wenn Meiſter Klügel drü­ber kompt / der die heilige Schrifft gar auswendig vnd auff dem Negelin kan / Der ſihet es / aus groſſem reichthum ſeines geiſts / fur eitel faul / tod Geweſche an. Das macht / das die Geſchichte vnd das werck nu nicht mehr fur augen ſind / vnd allein die wort oder Hiſtorien gehöret werden. Welchs kein wunder iſt / ſo auch jtzt Gottes wort verachtet wird / ob gleich noch teglich / die Zeichen vnd Geſchicht / dazu das reich Chriſti / gewaltiglich fur augen ſtehet vnd gehet. Wie viel mehr ſolts verachtet werden / wo nicht mehr die Geſchicht vnd That furhanden weren. Eben wie die kinder Iſrael verachteten Gott vnd ſein Wort / da ſie noch fur augen hatten / das Himelbrot / die feurigen Seule / vnd liechte Wolcken / dazu beide Prieſterthum vnd Fürſtenthum etc.

Was ver-

nunfft von der Propheten ſchrifft helt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gottes wort wird veraachtet etc.

 

DArumb ſollen wir Chriſten nicht ſolche ſchendliche vberdrüſſige / vndanckbare Klüglinge ſein / Sondern die Propheten mit ernſt vnd nutz leſen vnd gebrauchen. Denn erſtlich verkündigen vnd bezeugen ſie Chriſtus königreich / darin wir itzt leben vnd alle Chriſtgleubigen / biſher gelebt haben / vnd leben werden / bis an der Welt ende. Vnd das iſt vns gar ein ſtarcker troſt / vnd tröſtliche ſtercke / das wir fur vnſer Chriſtlich leben ſo mechtige vnd alte Zeugen haben / da durch vnſer Chriſtlicher glaube gar hoch getröſtet wird / das er der rechte Stand ſey fur Gott / wider alle andere vnrechte / falſche / menſchliche Heiligkeit vnd Rotten / Welche vmb jres groſſen ſcheins vnd der menge willen / ſo dran hangen / Widerumb auch vmb des Creutzes vnd wenige willen / ſo am Chriſtlichen glauben halten / ein ſchwach hertz / gar hoch ergern vnd anfechten. Wie zu vnſer zeit / des Türcken / Bapſts / vnd andere Rotten / vns groſſe gewaltige Ergernis geben.

Chriſtus

Reich durchh die Propheten ver­kün­diget.

 

 

 

Zeugniſſe in

den Propheten

Das vnſer Glau­be gerecht ſey.

 

 

 

 

1. Pet. 1.

DA fur vns nu die Propheten gut ſind / wie S. Petrus rhümet. j. Petr. j. Das die Propheten habens nicht jnen ſelbs dargethan / was jnen offenbart iſt / Sondern / Vns / Vns (ſpricht er) haben ſie es dargethan. Denn ſie haben vns alſo gedienet mit jrem weiſſagen / Das / wer in Chriſtus reich ſein wil / ſol wiſſen vnd ſich darnach richten / Das er müſſe zuuor viel leiden / ehe er zu der Herrligkeit kome. Damit wir alles beides ſicher werden / Das die groſſe herrligkeit des reichs Chriſti / gewiſlich vnſer ſey / vnd hernach komen werde / Doch das zuuor her gehen / Creutz / ſchmach / elend / verachtung / vnd allerley leiden vmb Chriſtus willen. Auff das wir durch vngedult oder vnglauben nicht verzagt werden / noch verzweiueln an der künfftigen Herrligkeit / die ſo gros ſein wird / das ſie auch die Engel begeren zu ſehen.

Propheten

dienen vns mit jrem weiſſagen.

 

 

 

 

 

 

Wer in Chri

ſtus Reich ſein wil / mus zuuor lei­den.

 

Zvm andern / zeigen ſie vns viel vnd groſſe Exempel vnd Erfarunge an / des erſten Gebots / vnd ſtreichen daſſelbige gar meiſterlich aus / beide mit worten vnd Exempel / Damit ſie vns zur furcht Gottes / vnd zum Glauben gewaltiglich treiben / vnd dabey erhalten. Denn nach dem ſie von Chriſtus reich geweisſagt haben / iſt das ander alles eitel Exempel / wie Gott ſein erſt Gebot / ſo ſtrenge vnd hart beſtetigt hat. Das es gewiſlich nicht anders iſt / die Propheten leſen oder hören / denn leſen vnd hören / wie Gott drewet vnd tröſtet. Drewet den Gottloſen / die ſicher vnd ſtoltz ſind / vnd wo das drewen nicht helffen wil / nachdrückt mit ſtraffen / Peſtilentz / Theurung / Krieg / bis ſie zu grunde gehen / vnd alſo ſein drewen im erſten Gebot war macht. Tröſtet aber die Gottfürchtigen / ſo in allerley nöten ſind / Vnd auch nachdrückt mit hülffe vnd rat / durch allerley Wunder vnd Zeichen / wider alle macht des Teuffels vnd der Welt / vnd alſo ſein tröſten im erſten Gebot auch war macht.

Die Prophe-

ten ſtreichen das erſte Gebot aus mit Worten vnd Exempeln etc.

 

 

 

 

 

 

 

Die Prophe

ten leſen vnd hö­ren was es ſey.

 

Gott drewet

vnd tröſtet durch die Propheten.

 

MIt ſolchen Predigten vnd Exempeln / dienen vns abermal die lieben Propheten gar reichlich. Das wir vns nicht ergern ſollen / wenn wir ſehen / wie gar ſicher vnd ſtöltziglich / die gottloſen Gottes wort verachten / vnd ſo gar nicht vmb ſein drewen geben / als were Gott ſelber ein lauter nichts. Denn in den Propheten

Wer Gottes

drewen veracht / bleibt nicht vnge­ſtrafft.

 

 
[2a | 2b]

 

 

Vórrede áuff die Propheten.

 

 

ſehen wir / wie gar es doch keinem wol ausgangen iſt / der Gottes drewen verachtet hat / Wens auch gleich die allermechtigſten Keiſer vnd Könige / oder die allerheiligſten vnd gelerteſten Leute weren / ſo die Sonne beſchienen hette. Vnd widerumb / wie gar doch keiner verlaſſen iſt / der auff Gottes tröſten vnd verheiſſungen ſich gewagt hat / wens auch gleich die aller elendeſten / vnd ermeſten Sunder / vnd Bettler weren / ſo auff Erden komen weren / Ja wens gleich der getödtet Habel / vnd der verſchlungen Jonas were. Denn die Propheten beweiſen vns damit / Das Gott vber ſeinem erſten Gebot halte / vnd wolle ein gnediger Vater ſein der Armen vnd Gleubigen / vnd ſol jm keiner zu geringe noch zu verachtet ſein. Widerumb ein zorniger Richter vber die Gottloſen vnd Stoltzen / vnd ſol jm keiner zu gros / zu mechtig / zu klug / zu heilig ſein / er ſey der Keiſer / Bapſt / Türcke vnd Teuffel dazu.

 

 

Wer an Got

tes Verhei­ſſung helt / wird nicht ver­la­ſſen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gott helt

vber ſeinem erſten Gebot.

 

VND vmb dieſes ſtücks willen / ſind vns die lieben Propheten zu vnſer zeit / nütze vnd nötig zu leſen / Das wir mit ſolchen Exempeln vnd Predigten geſterckt vnd getröſt werden / wider der verdampten Welt vnausſprechliche / vnzeliche / vnd ob Gott wil / die aller letzte ergerniſſe. Denn wie gar fur lauter nichts helt doch der Türcke / vnſern HErrn Jhesum Chriſt vnd ſein Reich / Gegen ſich ſelber vnd ſeinem Mahmeth? Wie gar veracht iſt auff dieſer ſeiten bey vns / vnd vnter dem Bapſtum / das liebe / arme Euangelium vnd Gottes wort / Gegen dem herrlichen ſchein vnd reichthum der menſchlichen Geboten vnd Heiligkeit? Wie gar ſicher faren die Rottengeiſter / Epicurer / vnd andere jre gleichen / mit jrem eigen Dünckel / wider die heilige Schrifft? Wie gar frech vnd wilde lebt jtzt jederman / nach ſeinem mutwillen / wider die helle Warheit / ſo jtzt am tage. Das es ſcheinet / als were weder Gott noch Chriſtus etwas / Schweige das Gottes erſte Gebot ſolt ſo ſtrenge ſein.

 

Die Prophe-

ten leſen / iſt nütz­lich vnd nö­tig / ſon­der­lich zu vn­ſern zei­ten etc.

 

 

Türck.

 

 

 

Bapſtum.

 

 

 

 

 

 

Rotten.

Epicurer.

 

ABer es heiſſt / Harre doch / harre doch / Was gilts / ob vns die Propheten liegen vnd betriegen mit jren Hiſtorien vnd Predigten? Es ſind wol mechtiger vnd mehr Könige / vnd wol erger Buben zu grund gangen / Dieſe werden auch nicht entrinnen. Widerumb ſind wol dürfftiger vnd elender Leute geweſt / welchen dennoch herrlich geholffen iſt / Wir werden auch nicht verlaſſen werden. Sie ſind nicht die erſten / die getrotzt vnd gebocht haben. So ſind wir auch nicht die erſten / ſo gelidden haben / vnd geplagt geweſen ſind. Sihe / Alſo ſollen wir die Propheten vns nütze machen / So werden ſie fruchtbarlich geleſen.

 

Frech vnd

wild Leben der welt etc.

Propheten liegen nicht.

 

DAS aber mehr drewens vnd ſtraffens drinnen iſt / weder tröſtens vnd verheiſſens / iſt gut zu rechen die vrſache. Denn der Gottloſen iſt allezeit mehr weder der Fromen / Darumb mus man jmer viel mehr das Geſetz treiben / denn die verheiſſunge / weil die Gottloſen on das ſicher ſind / vnd faſt behend / die Göttlichen tröſtung vnd verheiſſungen auff ſich zu deuten / Vnd die Drewung vnd ſtraffe auff andere / zu deuten. Vnd von ſolchem verkereten ſinn vnd falſcher hoffnung / mit keiner weiſe ſich laſſen abwenden / Denn jr Reim der heiſt PAX ET SECVRITAS, Es hat nicht not. Da bey bleiben ſie vnd gehen fein mit dahin / ins verderben / wie S. Paulus daſelbs ſagt / Plötzlich kompt vber ſie das verderben.

 

Warumb in

den Propheten mehr drew­ens iſt denn trö­ſtens.

 

Art vnd

Reim der Gott­lo­ſen.

 

 

Abgötterey bey den Jüden.

 

WEiter / weil die Propheten zum meiſten ſchreien vber die Abgötterey / iſt von nöten zu wiſſen / wie es vmb jre Abgötterey eine geſtalt gehabt habe. Denn bey vns vnter dem Bapſtum / kützeln ſich viel gar ſanfft / vnd meinen / ſie ſeien nicht ſolche Abgöttiſche / wie die kinder Iſrael. Darumb ſie auch der Propheten nicht gros achten / ſonderlich in dieſem ſtücke / als die ſie nichts angehen / mit jrem ſtraffen vmb die Abgötterey. Sie ſind viel zu rein vnd heilig dazu / das ſie ſolten Abgötterey treiben. Vnd were jnen lecherlich / das ſie ſich ſolten fürchten oder erſchrecken / fur dem drewen vnd ſchelten vmb Abgötterey. Gleich wie das volck Iſrael auch thet / vnd wolts ſchlecht nicht gleuben / das ſie Abgöttiſch weren / vnd der Propheten drewen muſte alles erlogen ſein / vnd ſie als Ketzer verdampt werden.

 

Propheten

ſchreien am mei­ſten vber die Ab­göt­te­rey.

 

Papiſten

wollen nicht ab­göt­tiſch ſein.

 

SOlche tolle Heiligen waren die kinder Iſrael nicht / das ſie ſchlecht Holtz vnd ſtein hetten angebetet / ſonderlich die Könige / Fürſten / Prieſter vnd Propheten / welche doch am meiſten Abgöttiſch waren. Sondern das war jr Abgötterey / das ſie den Gottesdienſt / ſo zu Jeruſalem (vnd wo es mehr Gott haben

 

Abgötterey

der Jüden.

 

 
[2b | 3a]

 

 

Vorrede áuff die Propheten.

III.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deut. 12.

wolt) geſtifftet vnd geordent war / lieſſen faren / vnd aus eigener andacht vnd gutdünckel / on Gottes befelh / anderswo beſſern ſtifften vnd auffrichten / vnd andere newe Weiſe / Perſon vnd Zeit / dazu ertichteten / welchs jnen Moſe gar hart verboten hatte / ſonderlich Deut. xij. Vnd ſie jmer hin weiſet an den Ort / den Gott erwelet hatte zu ſeiner Hütten vnd Wonung. Solche falſche Andacht war jr Abgötterey / vnd dünckt ſie köſtlich ſein / vnd verlieſſen ſich darauff / als hetten ſie es wol ausgericht / So es doch lauter vngehorſam vnd abfal war von Gott vnd ſeinem befelh.

 

ALſo leſen wir. iij. Reg. xij. Das Jerobeam nicht ſchlecht / die zwey Kelber auffrichtet / ſondern lies daneben predigen dem Volck / Ir ſolt nicht mehr hin auff gehen gen Jeruſalem / Sondern / Sihe hie / Iſrael / iſt dein Gott / der dich aus Egypten gefüret hat. Er ſpricht nicht / Sihe hie / Iſrael / das iſt ein Kalb / Sondern iſt dein Gott / der dich aus Egypten gefüret hat. Bekennet frey das der Gott Iſrael / ſey der rechte Gott / vnd der ſie aus Egypten gefüret hat. Aber man dürffe nicht gen Jeruſalem jm nach lauffen / Sondern finde jn wol hie zu Dan vnd Berſeba / bey den gülden Kelbern. Das alſo die meinung ſey / Man könne ſo wol fur den gülden Kelbern / als fur einem heiligen Gottes zeichen / Gott opffern vnd dienen / Gleich wie man zu Jeruſalem / fur der gülden Laden / Gott dienete vnd opfferte. Sihe / das heiſſt denn Gottesdienſt zu Jeruſalem verlaſſen / vnd Gotte der ſolchen Gottesdienſt geboten / damit verleugnen / als hette ers nicht geboten.

Jerobeams

Kelber.

 

VND alſo baweten ſie auff jre eigen werck vnd andacht / vnd nicht auff Gott rein vnd alleine. Mit ſolcher andacht / fülleten ſie darnach das Land mit Abgötterey / auff allen Bergen / in allen Gründen / vnter allen Bewmen / baweten Altar / opfferten vnd reucherten / Vnd muſte doch alles heiſſen / dem Gott Iſrael gedienet / Wer anders ſagte / der war ein Ketzer vnd falſcher Prophet / Denn das heiſſt eigentlich Abgötterey anrichten / On Gottes geheis / aus eigener andacht einen Gottesdienſt furnemen. Denn er wil von vns vngemeiſtert ſein / wie jm zu dienen ſey / Er wils vns leren vnd furgeben / Sein Wort ſol da ſein / das ſol vns leuchten vnd leiten. On ſein Wort / iſts alles Abgötterey / vnd eitel Lügen / es gleiſſe wie andechtig vnd ſchön es jmer wolle. Dauon wir offt mals geſchrieben.

 

Abgöttiſche

bawen auff jr ei­gen werck etc.

 

 

 

 

 

 

 

Abgötterey

anrichten.

 

 

Abgöttiſche bey den Chriſten.

 

AVs dieſem folget nu / das bey vns Chriſten / alle die jenigen Abgöttiſch ſind / vnd der Propheten ſchelten gehet ſie warlich an / die newe Gottesdienſt erfunden haben / Oder noch halten / on Gottes befelh vnd Gebot / aus eigener andacht / vnd (wie man ſpricht) guter meinung. Denn damit richten ſie gewislich / jr vertrawen auff jr eigen erwelete werck / vnd nicht blos vnd lauter auff Jheſum Chriſt. Das heiſſen denn Ehebrecherin bey den Propheten / die ſich an jrem Man Chriſto nicht laſſen benügen / Sondern lauffen andern auch nach / Als kündte Chriſtus allein nicht helffen / on vns vnd vnſer werck / Oder als hette er vns nicht allein erlöſet / ſondern wir müſten auch dazu thun. So wir doch wol wiſſen / wie gar nichts wir dazu gethan haben / Das er fur vns geſtorben / vnd vnſer Sunde auff ſich genomen / vnd am Creutz getragen hat / Nicht allein / ehe denn ſolchs bedencken kund alle Welt / ſondern auch ehe denn wir geboren worden. So wenig / vnd viel weniger / die kinder Iſrael dazu theten / das Egypten vnd Pharao geplagt / vnd durch das ſterben der egyptiſchen Erſtengeburt / ſie frey wurden / welchs ja Gott gar allein thet / vnd ſie nichts vberal dazu theten.

Die newe

Gottesdienſt er­fin­den oder hal­ten / on Got­tes be­fehl / ſind ag­göt­ti­ſche etc.

 

 

 

 

 

 

Ehebreche-

rin in den Pro­phe­ten.

 

IA ſprechen ſie / Die kinder Iſrael dieneten mit jrem Gottesdienſt Abgöttern vnd nicht dem rechten Gott / Wir aber dienen in vnſern Kirchen / dem rechten Gotte / vnd dem einigen HErrn Jheſu Chriſto / Denn wir wiſſen von keinem Abgott. Antwort. Alſo ſagten die kinder Iſrael auch / vnd ſprachen alle ſampt / Das alle jr Gottesdienſt geſchehe dem rechten Gotte / Vnd woltens warlich nicht leiden / das mans hieſſe den Abgöttern gedienet / viel weniger denn es vnſer Geiſtlichen leiden wollen / Schlugen auch darüber tod / vnd verfolgeten alle rechte Propheten. Denn ſie wolten warlich auch von keinem Abgott wiſſen / wie das die Hiſtorien vns wol anzeigen.

Papiſten

wollen von kei­nem Ab­gott wis­ſen.

 

 

Jüden ſchlu

gen die Pro­phe­ten drü­ber tod / das ſie ſie vmb der Ab­göt­tery wil­len ſtraff­ten.

 

DEnn ſo leſen wir Judicum. xvij. Das die mutter Micha / da er jr die tauſent vnd hundert Silberlinge genomen vnd wider gegeben hatte / ſprach zu jm / Geſegenet ſey mein Son dem HERRN / Ich hab ſolch ſilber dem HERRN

 

Mutter

Micha Jud. 17.

 

 
[3a | 3b]

 

 

Vórrede áuff die Própheten.

 

 

gelobet / das mein Son ſol von mir nemen / vnd ein Götzen vnd Bilde laſſen draus machen etc. Hie höret man ja klerlich vnd gewis / das die Mutter den rechten Gott meinet / dem ſie ſolch Silber gelobt habe / das ein Götze vnd Bilde draus würde. Denn ſie ſpricht nicht / Ich hab ſolch ſilber einem Abgott gelobt / ſondern dem HERRN / welchs wort bey allen Jüden bekand iſt / das es den einigen rechten Gott heiſſt. Gleich wie der Türcke auch thut / vnd mit ſeinem Gottesdienſt den rechten Gott nennet vnd meinet / der Himel vnd Erden geſchaffen hat. Des gleichen die Jüden / Tattern / vnd jtzt alle Vngleubigen / Dennoch iſts mit jnen alles eitel Abgötterey.

 

 

 

 

 

 

 

Der Türcken / Jü­den vnd al­ler vn­gleu­bi­gen Got­tes­dienſt ſind ei­tel Ab­göt­te­rey.

 

ITem →*1) / Der wunder groſſe man Gideon / wie ſeltzam fiel doch der ſelbe / Jud. viij. Der eben in dem / da er ſprach zu den kindern Iſrael (welche begerten / Er vnd ſeine Kinder ſolte jr Herr ſein) Ich wil nicht ewr Herr ſein / noch meine Kinder / Sondern der HERR (das iſt der rechte Gott) ſol ewr HErr ſein. Gleichwol nam er die Kleinot / die ſie jm gaben / vnd machte doch weder Bilde noch Altar draus / ſondern allein Prieſterkleider / vnd wolt auch aus andacht in ſeiner Stad einen Gottesdienſt haben. Noch ſpricht die Schrifft / das gantz Iſrael hab damit Hurerey getrieben / vnd ſey darüber ſein Haus zu grund gangen. Nu meinete doch der groſſe heilige Man / damit keinen Abgott / ſondern den rechten einigen Gott / wie die feinen geiſtreichen wort bezeugen / da er ſpricht / Der HERR ſol vber euch herrſchen / vnd nicht ich etc. Damit er ja klerlich / die Ehre allein Gott gibt / vnd den rechten Gott allein fur einen Gott vnd HERRN bekennet vnd gehalten haben wil.

Gideon

Jud. viij.

 

SO haben wir droben gehöret / Das der König Jerobeam. 3. Reg. xij. ſeine gülden Kelber auch nicht Abgötter nennet / Sondern den Gott Iſrael der ſie aus Egypten gefürt hatte. Welchs iſt ja der rechte heilige Gott / denn es hatte ſie kein Abgott aus Egypten gefüret. Vnd war auch nicht ſeine meinung / das er Abgötter wolte anbeten / Sondern weil er furchte (als der Text ſagt) das ſein Volck würde von jm fallen / zum könig Juda / wo ſie ſolten allein zu Jeruſalem Gottesdienſt pflegen / erfand er einen eigen Gottesdienſt / damit er ſie an ſich behielte. Vnd meinete gleichwol damit den rechten Gott / der zu Jeruſalem wonete / Aber were nicht not Gotte allein zu Jeruſalem zu dienen.

Jerobeams

Kelber 3.Reg. 12.

 

VND was darffs viel wort? Es bekennet Gott ſelber / das die kinder Iſrael haben mit jrem Gottesdienſt / keinen Abgott / ſondern jn allein gemeinet. Denn ſo ſpricht er / Hoſea. ij. Als denn ſpricht der HERR / wirſtu mich heiſſen / mein Man / vnd mich nicht mehr / mein Baal heiſſen. Denn ich wil die namen der Baalim / von jrem mund wegthun / das man ſolcher namen der Baalim nicht mehr gedencken ſol. Hie mus man ja bekennen / das war ſey / die kinder Iſrael / haben mit jrem Gottesdienſt keinen Abgott / ſondern den einigen rechten Gott gemeinet / wie hie in Hoſea klerlich Gott ſpricht / Du wirſt Mich nicht mehr mein Baal heiſſen. Nu war je Baal der gröſſeſt / gemeineſt / herrlichſt Gottesdienſt / im volck Iſrael / Noch war es eitel Abgötterey / vngeacht / das ſie den rechten Gott damit meineten.

Hoſea.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Baal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Joh. 16.

Rom. 10.

 

Act. 26.

DArumb hilffts vnſer Geiſtlichen nicht / das ſie furgeben / wie ſie dienen keinem Abgott in jren Kirchen vnd Stifften / ſondern allein Gott dem rechten HERRN. Denn du höreſt hie / das nicht gnug iſt / ſagen oder dencken / Ich thue es Gotte zu ehren / Ich meine den rechten Gott / Item / Ich wil dem einigen Gott dienen / Weil alle Abgöttiſche eben auch alſo ſagen vnd meinen. Es gilt nicht meinens oder dünckens / ſonſt weren die auch Gottes diener / welche die Apoſtel vnd Chriſten gemartert haben / Denn ſie meineten auch (wie Chriſtus Johan. ſagt xvj. ſie theten Gott einen Dienſt dran. Vnd S. Paulus Rom. x. zeugnis gibt den Jüden / das ſie vmb Gott eiuern. Vnd Act. xxvj. ſpricht Das ſie mit Gottesdienſt / tag vnd nacht / hoffen zu komen zur verheiſſen ſeligkeit.

Papiſten ſind damit nicht ent­ſchül­di­get / das ſie ſa­gen / Sie die­nen kei­nem Ab­gott.

 

SOndern da ſehe ein jglicher zu / das er gewis ſey / das ſein Gottesdienſt ſey durch Gottes wort geſtifft / vnd nicht aus eigener andacht erfunden oder wol gemeinet. Denn welcher Gottesdienſt pfleget / der kein Gottes zeugnis hat / der ſol wiſſen / Das er nicht dem rechten Gott / ſondern ſeinem eigen ertichten Abgotte / das iſt / ſeinem dünckel vnd falſchen gedancken / vnd damit dem Teuffel ſelbs dienet / vnd gehen aller Propheten wort wider jn. Denn ſolcher Gott iſt nirgent der jm wölle / aus vnſer eigen walh vnd andacht / on ſein befelh vnd wort / Gottes dienſt laſſen ſtifften. Sondern es iſt nur ein Gott / der durch ſein wort reichlich geſtifft vnd befolhen hat / allerley Stende vnd Gottesdienſt / darin er jm wil gedienet haben.

Gottes­dienſt on Got­tes wort / iſt des Teuf­fels­dienſt.

 

 
[3b | 4a]

 

 

Vórrede áuff die Propheten.

IIII.

 

 

DA bey ſollen wir bleiben / vnd weder zur Rechten noch zur Lincken dauon weichen / weder mehr noch weniger thun / weder erger noch beſſer machen. Sonſt wird der Abgötterey kein ende / vnd kan kein vnterſcheid bleiben / welchs rechter Gottesdienſt / oder Abgötterey were / weil ſie alle den rechten Gott meinen / vnd alle ſeinen rechten Namen brauchen.

 

 

Abſchluſs

 

Dem ſelbigen einigen Gott ſey Danck vnd
Lob / Durch Jheſum Chriſtum ſeinen
Son vnd vnſern HErrn in ewigkeit
gebenedeiet / AMEN

 

 

❦❧

 

*1) lat.: item, dt.: ebenso, ebenfalls

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Deut.
Das fünfte Buch Moſe.
Deuteronomius.

Biblia Vulgata: Deuteronomium

Das fünfte Buch Moses (Deuteronomium)

Deuteronomium

5. Buch Mose

5. Mose

Dtn

5Mos

2. Reg.
2. Samu.
II. Buch Samuel.
Das Ander Buch Samuel.
Regum ij.

Biblia Vulgata: Samuhel, II Regum

Das zweite Buch Samuel

Das 2. Buch Samuel

2. Sam

2 Sam

2Sam

Mich.
Der Prophet Micha.

Biblia Vulgata: Micha

Der Prophet Micha

Das Buch Micha

Mi

Mi

Mi

Oſee.
Hoſee
Der Prophet Hoſea.

Biblia Vulgata: Osee

Der Prophet Hosea

Das Buch Hosea

 

Hos

Hos

Hos

Joh.
Johan.
Joan.
Euangelium S. Johannis.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Iohannem

Das Evangelium nach Johannes

Johannesevangelium

Joh

Joh

Joh

Ac.
Act.
Acto.
Der Apoſteln Geſchicht / beſchrieben von S. Lucas.

Biblia Vulgata: Actus Apostolorum

→Zum Text

Die Apostelgeschichte des Lukas

Apostelgeschichte

Apg

Apg

Apg

Rom.
Ro.
Epiſtel S. Paul an die Römer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Romanos

Der Brief des Paulus an die Römer

Römerbrief

Röm

Röm

Rom

1.Pe.
1.Pet.

 

Die j. Epiſtel S. Peters.

Biblia Vulgata: Epistula Petri I

Der erste Brief des Petrus

1. Petrusbrief

1. Petr

1 Petr

1Petr

Jud.
Das Buch der Richter.
Der Richter.
Judicum.

Biblia Vulgata: Judicum

Das Buch der Richter

Das Buch der Richter

Ri

Ri

Ri

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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