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Muss man nicht lesen, kann man aber!

Der Himmel steht nicht jedem offen

20. Oktober 2026

Dürfen Christen über christliches und nicht-christliches Denken, Reden und Handeln ihrer Mitmenschen urteilen? Besonders in politischen Auseinandersetzungen wird das immer wieder bestritten.


Der Himmel steht nicht jedem offen

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Grafik: Reiner Makohl
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Besteht ein Anspruch auf Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft, wenn bewusst gegen maßgebliche Lehren Jesu verstoßen wird? Ist menschenverachtendes Denken, Reden und Handeln, das konkrete Menschen zu Opfern macht, für den Glauben und die Zugehörigkeit zur Kirche belanglos?


Jesus wendet sich Sündern zu und eröffnet ihnen den Weg zu Einsicht, Umkehr und Vergebung. Doch was gilt, wenn Menschen bewusst gegen seine Lehren verstoßen, jede Umkehr verweigern und dennoch ihren Platz in der christlichen Gemeinschaft beanspruchen? Müssen Christen das hinnehmen, oder dürfen sie darüber urteilen und ihr eigenes Verhalten danach ausrichten?


Der Himmel steht nicht jedem offen.

Reiner Makohl

Kategorien: Evangelisch Christsein | Glaube

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Die Todesstrafe – wenn der Staat zum Henker wird

16. Oktober 2026

Die Todesstrafe – wenn der Staat zum Henker wird

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Grafik: Reiner Makohl
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Die Diskussion um bereits vollzogene und geplante Hinrichtungen in den USA wirft erneut eine grundsätzliche Frage auf: Kann die Tötung eines Menschen gerecht sein, weil ein Gericht sie angeordnet hat?
Aus christlicher Sicht: nein!

Die Bibel erzählt gleich zu Beginn der Menschheitsgeschichte von einem Mord. Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Gott zieht ihn dafür zur Verantwortung und bestraft ihn. Doch er schützt Kain zugleich davor, selbst getötet zu werden.

Mehr noch: Gott kündigt jedem, der Kain tötet, Vergeltung an (1. Mose 4,15). Wer den Mörder tötet, dem droht Gott mit einer siebenfach härteren Strafe als dem Mörder selbst.

Die späteren alttestamentlichen Rechtsordnungen übernehmen diesen grundlegenden göttlichen Schutzgedanken nicht durchgängig. Sie sehen für bestimmte Vergehen ausdrücklich die Todesstrafe vor. Erst Jesus greift den Gedanken der Überwindung von Vergeltung wieder auf und führt ihn in seiner Lehre weiter. Er fordert Versöhnung, Feindesliebe und einen Umgang miteinander, der über die Maßstäbe staatlicher Rechtsprechung hinausgeht.

Die Schuld eines Mörders bleibt bestehen. Seine Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit. Doch wer einen Täter hinrichtet, macht ihn selbst zum Opfer. Richter und Henker tragen dafür eigene Schuld ganz besonders schwerer Art. Gerade, wer Gottes Willen kennt, kann sich vor Gott nicht auf die Rechtmäßigkeit seines Handelns berufen.

Ein Todesurteil kann durchaus nach staatlichem Recht gültig sein. Vor Gott wird die Tötung dadurch nicht gerecht. Staatliche Legitimation oder gesellschaftliche Ansichten rechtfertigten Taten nicht vor Gott.

Ich stehe als Christ entschieden gegen jede vorsätzliche Tötung eines Menschen. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein Staat sie anordnet, ein Gericht sie erlaubt oder eine Religion sie duldet, rechtfertigt oder gar verlangt.

Evangelisch Christsein meint: Gott gegenüber verantwortlich sein.
Und damit jedem Menschen gegenüber.

Reiner Makohl

Kategorien: Evangelisch Christsein | Gegen Gewalt - für Frieden

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»Vater, vergib ihnen!« – Ein umstrittenes Kreuzeswort

3. Juli 2026

Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!

Grafik: Vater, vergib Ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!
Grafik: Reiner Makohl
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Im Vaterunser verbindet Jesus die Bitte um Gottes Vergebung mit dem eigenen Vergeben: »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.« In der Kreuzigungsszene handelt er selbst nach dieser Vorgabe. Er hält die Schuld seiner Täter nicht fest und bittet den Vater um Vergebung für sie.

Ausgerechnet dieses Gebetswort in Lk 23,34a fehlt in einigen bedeutenden alten Handschriften des Lukasevangeliums und gilt deshalb häufig als später Zusatz. Irenäus von Lyon (ca. 135–200; Bischof und Theologe) kennt es jedoch bereits im 2. Jahrhundert und bezeugt es ausdrücklich in seinem Werk »Gegen die Häresien« als Wort Jesu am Kreuz.

Meine neue Untersuchung prüft die Auslassungszeugen, die frühe Bezeugung bei Irenäus und die Einfügung des Satzes in das lukanische Doppelwerk. Dabei geht es um mehr als eine textkritische Einzelheit: Mit der Auslassung verliert die Kreuzigungsszene ihre sichtbare Verbindung zur Vergebungsordnung des Vaterunsers.

Und mit der Auslassung tritt der Gott um Vergebung bittende Jesus hinter einen selbst vergebenden Christus zurück.

Der Artikel dazu ist hier zu finden:

 

Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!
Theologische Aufsätze

→»Vater, vergib ihnen!«

Lk 23,34a: Eine textkritische Untersuchung

Gehört Jesu Bitte zum ursprünglichen Text des Lukasevangeliums? Was sagen Textzeugen und Wirkungsgeschichte?

 

Reiner Makohl

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Wie steht es bei dir mit GOTT?

31. Mai 2026

Du, Gott, Ich - ein gelebtes Beziehungsdreieck

Kann man Gott ver­wal­ten?


Die Fra­ge klingt ab­surd. Aber die Pra­xis ist alt. Got­tes Wort steht in der Bi­bel und wird da­rin ver­wal­tet. Es wird her­vor­ge­holt und von Pre­di­gern aus­ge­legt. Got­tes Ge­gen­wart wird im Kir­chen­raum ver­or­tet und von Pries­tern ge­hü­tet. Glo­cken la­den ein, Gott zu be­su­chen, per Läu­te­ord­nung. Kelch und Hos­tie bin­den sei­ne Prä­senz an Ort und Hand­lung. Beich­te, Bu­ße und Ab­so­lu­ti­on he­gen sein Han­deln ein.


Das ist kei­ne An­kla­ge. Das ist Be­schrei­bung. Re­li­gio­nen brau­chen Struk­tur. Struk­tu­ren ten­die­ren zur Selbst­er­mäch­ti­gung.


Ir­gend­wann ver­wal­tet die Struk­tur nicht mehr den Zu­gang zu Gott. Sie be­haup­tet, über Gott zu ver­fü­gen.


In Mät­thä­us 9 wird ein Ge­lähmter zu Je­sus ge­bracht. Je­sus sagt: „Dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben.“ Die Schrift­ge­lehr­ten den­ken: Got­tes­läs­te­rung. Nicht weil Ver­ge­bung un­mög­lich wä­re. Son­dern weil sie ge­ord­net ver­lau­fen muss. Durch die rich­ti­gen In­stan­zen, auf dem rich­ti­gen Weg. Je­sus über­springt die In­stan­zen. Nicht aus Re­gel­ver­ach­tung. Son­dern weil dem Mann jetzt ver­ge­ben wird, nicht nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ei­ner Ord­nung.


Sa­lo­mo hat die Fra­ge selbst ge­stellt, mit­ten in der Ein­wei­hung des Tem­pels, den er für Gott ge­baut hat: Soll­te Gott wirk­lich auf Er­den woh­nen? (1.Kön 8,27) Er weiß, dass der Bau ei­ne An­ma­ßung ist. Er baut trotz­dem. Aber er weiß es.


Das ist der Un­ter­schied. Nicht ob man Struk­tu­ren hat. Son­dern ob man noch weiß, was sie sind: Be­helf, nicht Ver­fü­gung. Zu­gang, nicht Be­sitz.


Glau­ben ist das Ge­gen­teil da­von. Nicht Ver­fü­gung über Gott, son­dern Ver­trau­en in ihn. Ver­trau­en lässt sich nicht ver­wal­ten, nicht re­gu­lie­ren, nicht an Or­te bin­den, nicht durch Ver­fah­ren si­chern. Es hat kei­nen Zu­stän­di­gen. Gott han­delt, wo und wie er will, nicht wo die Läu­te­ord­nung es vor­sieht.


Und nun?
Viel­leicht emp­fiehlt sich das: Ver­trau­e. Glau­be.

Reiner Makohl

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Gott delegiert – der Mensch reagiert

25. Mai 2026

Gott hilft.
Aber was, wenn der Mensch genau dort auf Gottes Hilfe wartet, wo Gott längst Verantwortung delegiert hat?

Der neue Aufsatz ent­wickelt einen un­ge­wöhn­li­chen Ge­dan­ken:
Das Evangelium be­schreibt Gott nicht als re­li­gi­ö­sen Mi­kro­ma­na­ger, son­dern als de­le­gie­ren­den Gott. Mit dem Ende der alt­tes­ta­ment­li­chen Op­fer­lo­gik ver­än­dert sich auch die Struk­tur der Got­tes­be­zie­hung. Ver­ant­wor­tung wird nicht län­ger kul­tisch ver­wal­tet, son­dern dem Men­schen über­tragen.

Doch was geschieht, wenn Men­schen Ver­ant­wor­tung wie­der an Gott rück­de­le­gie­ren wollen?

Der Text verbindet neu­tes­ta­ment­li­che Theo­lo­gie, Va­ter­un­ser, Kreuz, Ver­ge­bung und mo­der­ne Ma­na­ge­ment­be­grif­fe wie „De­le­ga­tion“ und „Rück­de­le­ga­tion“ zu einem neuen Blick auf Glau­ben, Frei­heit und Ver­ant­wor­tung.

Im Zentrum steht eine un­be­queme Frage:

Was bleibt vom Glau­ben übrig, wenn das „Du“, der Mit­mensch, aus der Be­zie­hung zwi­schen Gott und Mensch ver­schwin­det?

Zum Essay auf Stilkunst.de:


Zum Aufsatz: Der delegierende Gott
Theo­lo­gi­sche Po­si­ti­o­nen

→Der delegierende Gott

Das Evangelium be­schreibt Gott nicht als kon­trol­lie­ren­de In­s­tanz, son­dern als de­le­gie­ren­den Gott. Was ge­schieht, wenn Men­schen Ver­ant­wor­tung an Gott rück­de­le­gie­ren wol­len?

Reiner Makohl

Kategorien: Evangelisch Christsein | Kirche und Religion

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