Ertzſchencke | Luther-Deutsch

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Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

Biblia

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zur Lutherbibel von 1545

 

Ertzſchencke

→Liste der Wörter

 

E

Luthers Wort

Bedeutung

Ertzſchencke

 

Ertzſchenke

Erzschenke, der (ungebräuchlich)

Ertzſchencke
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
13 13 0 0

Ertzschenke
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2 2 0 0

 

Das Wort Ertzſchencke scheint eine Kreation Luthers zu sein, die (womöglich mangels ausgeübter Berufe) keine weitere Verbreitung fand, sich aber bis in die Lutherbibel 1912 erhalten hatte.

Die Variante mit »k« statt mit »ck« findet sich nur in den Marginalspalten (womöglich, um hier Platz beim Satz zu sparen).

 

Gebildet ist das Wort aus der Vorsilbe »Erz-«, die bei Titeln von Personen ausdrückt, dass jemand in der bezeichneten Position erhaben ist, und »(Mund-)Schenk«. Der Titel meint demnach in etwa Obermundschenk, Chef-Mundschenk. Ließen sich die Berufe vergleichen, wäre das heute womöglich ein Chef-Sommelier.

 

Fraglich bleibt, warum ein König in einem internationalen Konflikt seinen obersten Mundschenk als Diplomaten und Verhandlungsführer entsendet. Vielleicht genau deshalb: um ein diplomatisches, nicht-kriegerisches Verhandlungsergebnis zu erreichen.

 

Belegt ist das Wort ausschließlich in 2Kon 18 und 19 sowie in Jes 36 und 37, wo ein Bote des assyrischen Königs Sanherib zum judäischen König Hiskia nach Jerusalem reist. Dieser Bote trägt den (assyrischen) Titel »Rabschake«. Diesen Titel führt Luther in beiden Textabschnitten einmal an (2Kon 18,2 und Jes 36,2) und notiert in den zugehörigen Marginalspalten, dass dies auf Deutsch »Ertzschenke« (nur mit »k«) bedeute. Ab diesen Anmerkungen verwendet er den Begriff »Ertzschencke« (mit »ck«) jeweils im laufenden Text.

 

Rabschake

 

Rabsake oder Rabschake ist die Transkription eines zusammengesetzten, hebräischen Begriffs (רַב־שָׁקֵ֔ה, rab-šͻqeh), der etwa »der mächtige Mundschenk«, der »Obermundschenk« bedeutet.

 

Luthers Übersetzung mit »Erzschenke« entsprach seiner Zeit. Heute verschwindet die Vorsilbe »Erz-« zunehmend. Selbst Begriffe wie Erzfeind, Erzbösewicht, Erzgauner, Erzlüge, Erzheuchler, Erzdemokrat, Erzdummheit, Erzprotestant, Erzrivale, Erzschurke, Erzvater usw. sind eher ungewöhnlich und nur in älteren Texten zu finden.

Erhalten hat sich die Vorsilbe nur in wenigen, zumeist kirchlich oder höfisch gebrauchten Wörtern, beispielsweise: Erzengel, Erzdiakon, Erzbischof, Erzbistum, Erzdiözese, Erzherzog.

 

Die meisten neuen Bibelausgaben übersetzen den Begriff nicht und lassen ihn als quasi als Transkription für einen Titel am Hof des assyrischen Königs stehen.

 

Lutherbibel 1912: Erzschenke

Lutherbibel 1964: Rabschake

Lutherbibel 2017: Rabschake.

Einheitsübersetzung: Rabschake

Die Jerusalemer Bibel 1968: Obermundschenk

Elberfelder Bibel: Rabschake

Zürcher Bibel: Rabsake

 

Verweis2Kon 18,19

 

VND der Ertzſchencke ſprach zu jnen / Lieber sagt dem könig Hiskia /

 

a) Und der Erzschenke sprach zu ihnen: Ihr Lieben, sagt dem König Hiskia ...

b) Und der Rabschake sprach zu ihnen: Ihr Lieben, sagt dem König Hiskia ...

c) Und der Obermundschenk [Chef-Mundschenk] sprach zu ihnen: Ihr Lieben, sagt dem König Hiskia ...

 

 

→Jes 36,4

 

Vnd der Ertzſchencke ſprach zu jnen / Saget doch dem Hiskia /

 

a) Und der Erzschenke sprach zu ihnen: Sagt doch dem Hiskia ...

b) Und der Rabschake sprach zu ihnen: Sagt doch dem Hiskia ...

c) Und der Obermundschenk [Chef-Mundschenk] sprach zu ihnen: Sagt doch dem Hiskia ...

 

 

SK Rev 22.01.2018  

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