Mirjam | Luther-Deutsch

Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

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Mirjam

 
 

 

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Luthers Wort

Bedeutung

Mirjam

Mirjam (Name)

 

hebräischer Frauenname

 

hebräisch: ‏מרים‎, Mirjam oder Miriam

griechisch: Μαριάμ, Mariam

lateinisch: Maria

Die Schreibweise des Namens in den altgriechischen Texten lässt vermuten, dass auch der hebräische Name ursprünglich in der Aussprache mit »a« vo­ka­li­siert wurde: Marjam statt Mirjam. Die lateinische Sprache verkürzte den Namen auf Maria. Diese Form fand Einzug in die deutschen Bibeln.

 

Der Name war sicher häufig, doch kommt er in der Lutherbibel in der Schreibweise Mirjam nur für zwei Frauen vor.

 

1. Mirjam, die Schwester des Mose

2. Mirjam, eine Tochter Jeters, Enkelin Esras (erwähnt in 1Chr 4,17)

 

Sehr viel häufiger findet sich die Schreibweise Maria (siehe dazu auch die Artikel →Maria, Mutter Jesu, und →Maria Magdalena)

 

 

 

Mirjam, die Schwester des Mose

 

Mirjam war die Schwester von Mose und Aaron, eine Tochter des Amram und seiner Frau Jochebed.

 

→4Mos 26,59

 

vnd Amrams weib hies Jochebed eine tochter Leui / die jm geboren ward in Egypten / Vnd ſie gebar dem Amram Aaron vnd Moſen / vnd jre ſchweſter MirJam.

 

und Amrams Frau hieß Jochebed, eine Tochter des Levi, die ihm geboren war in Ägypten. Und sie gebar dem Amram Aaron und Mose und ihre Schwester Mirjam.

 

Mirjam wird erstmals in 2Mos 15 genannt. Dort wird sie als Prophetin bezeichnet:

 

→2Mos 15,20

 

VNd MirJam die Prophetin / Aarons ſchweſter / nam eine Paucken in jre hand / vnd alle Weiber folgeten jr nach hin aus mit paucken am Reigen.

 

Und Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr tanzend hinaus mit Pauken und Gesängen.

 

Neben Aaron übte offensichtlich Mirjam starken Einfluss auf Mose und somit auf die Gestaltung des jüdischen Kultes aus, wie er sich in der Zeit vor der Landnahme entwickelte.

 

In →4Mos 12 ist Mirjam ausführlicher vorgestellt. In dieser Geschichte ist beschrieben, dass sich Aaron und Mirjam darüber entrüsteten, dass Mose sich über gemeinsame Entscheidungen der drei hin­weg­setz­te und ihr Verhältnis zu Gott somit diskreditierte:

 

→4Mos 12,2

 

[MirJam vnd Aaron]ſprachen / Redet denn der HERR alleine durch Moſe? Redet er nicht auch durch vns?

 

[Miriam und Aaron] sprachen: Redet denn der HERR allein durch Mose? Redet er nicht auch durch uns?

 

Gott hörte es und bat die drei zum vertraulichen Gespräch in die Stiftshütte. Dort machte er klar, dass es einen Unterschied gäbe zwischen einem Pro­phe­ten (oder einer Prophetin wie Mirjam) und Mose, der nicht nur weissage, sondern das Volk Gottes führen müsse. Daher sei die Beziehung Gottes, sozusagen als Bei­stand und Men­tor, zu Mose intensiver als zu Aaron und Mirjam.

 

Offensichtlich hatte Mirjam ihren Bruder dazu auf­ge­sta­chelt, den alleinigen Führungsanspruch des Mose infrage zu stellen, denn sie sah sich als Prophetin Gottes.

 

Mirjam wurde wegen des Aufbegehrens gegen Mose daraufhin bestraf. Schlagartig wurde sie krank und bekam Hautausschlag, der wie Aussatz aussah. Nach den Reinheitsgeboten musste sie nun sieben Tage in Qua­ran­tä­ne, um den Verlauf der Krankheit ab­zu­war­ten. Doch sie wurde wieder gesund.

 

In dieser Geschichte wird indirekt die Stellung Mirjams als Prophetin durch Gott bestätigt.

 

Der letzte Verweis auf Mirjam ist die Nachricht von ihrem Tod. Mirjam starb nahe Kadesch und wurde auch dort begraben.

 

→4Mos 20,1

 

VND die kinder Iſrael kamen mit der gantzen Gemeine in die wüſten Zin / im erſten monden / vnd das volck lag zu Kades / Vnd MirJam ſtarb daſelbs / vnd ward daſelbs begraben.

 

Und die Kinder Israel kamen im ersten Monat mit der gantzen Gemeinde in die Wüste Zin. Und das Volk lagerte in Kadesch. Und Mirjam starb dort und wurde dort begraben.

 

 

Die Rolle der Frau Mirjam

 

Obwohl Mirjam als Prophetin agierte, erfahren wir sonst nichts über sie. Die biblischen Geschichten sind auch hier fast ausschließlich Geschichten über Män­ner. Frauen hingegen tanzen verzückt »im Reigen« (s. o. 2Mos 15,20).

 

Immerhin bestätigt Mirjams Ge­schich­te, dass be­‌reits früh in der jüdischen Religion Frauen ein pro­phe­ti­sches Amt ein­neh­men konnten. Deren Aufgabe war Verkündigung (der Worte und des Willens Gottes) und somit Predigt.

 

Doch Mirjams Person wird im 2. Buch Mose auf die Rolle des ungehorsamen, eifersüchtigen oder gar wi­der­spens­ti­gen Teammitglieds reduziert, die dafür nicht nur zu­recht­ge­wie­sen, sondern sogar körperlich bestraft wird.

 

Gott selbst hat im Team Klarheit geschaffen. Noch stärker (und nachhaltiger) lässt sich die Verteilung der Rollen nicht gestalten.

 

Dabei gehörte Mirjam zugleich als Schwester des Mo­se zum engsten Kreis um Mose, was sie einerseits erhebt, doch andererseits ihre Rolle als Frau kei­nes­wegs stärkt.

 

Die Botschaften daraus, die sich im gesamten Alten Testament gehalten haben, sind: Frauen können als Prophetinen agieren (Weissagerinnen, Zauberinnen, Orakel; siehe u. a. Das Orakel von En-Dor, →1Sam 28 ) aber eine kultische oder religiöse Führungsrolle, wie sie andere Religionen jener Zeit kannten, wird ihnen abgesprochen. Verkündigung ja, Führung nein.

 

Im Christentum wurde die Rolle noch einmal re­du­ziert. Weissagen, Wahrsagen und Heilen wurden u. a. zwar als typische Fähigkeiten und Rol­len­aus­prä­gun­gen von Frauen erkannt (bzw. stereotypisch klas­si­fi­ziert), die aber zunehmend mit Zauberei gleich­ge­setzt wurden. Im Mittelalter führte dies zu ge­fürch­te­ten und fürch­ter­li­chen Hexen­pro­zes­sen. Frau­en wur­de we­gen der Ge­fahr des »fal­schen Weis­sa­gens« Ver­kün­di­gung und Pre­digt un­ter­sagt.

 

 

 

SK Version 27.11.2019  

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