Vom Bel zu Babel

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Die Apokryphen des Alten Testaments

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Apokryphen des Alten Testaments

2. Stück zu Daniel

Vom Bel zu Babel

 

2StDan

 

Der Text in einem Kapitel

 
Auswahl: Stücke zu Esther und Daniel
 
 

 

 

 

 
[241a]

 

Von dem Bel zu Babel.

CCXLI.

 

 

Dieſes Stück iſt genommen aus der griechiſchen Überſetzung des Buches Daniel.

 

 

NAch dem tod Aſtya-

gis / kam das Königreich an

Cyrum aus Perſia / Vnd Daniel war ſtets vmb den König / vnd ehrlicher gehalten / denn alle Freunde des Königes.

 

 

Lyrus.

 

NV hatten die zu Babylon einen Abgott / der hies Bel / Dem muſte man teglich opffern zwelff malter Weitzen / vnd vierzig Schafe / vnd drey eimer Weins. 3Vnd der König dienet dem Abgott ſelbs / vnd gieng teglich hin ab den ſelben anzubeten / Aber Daniel betet ſeinen Gott an.

 

Bel.

 

4VND der König ſprach zu jm / Warumb beteſtu nicht auch den Bel an? Er aber ſprach / Ich diene nicht den Götzen / die mit henden gemacht ſind / Sondern dem lebendigen Gott / der Himel vnd Erden gemacht hat / vnd ein HERR iſt vber alles was da lebet. 5Da ſprach der König zu jm / Helteſtu denn den Bel nicht fur einen lebendigen Gott? Siheſtu nicht wie viel er teglich iſſet vnd trincket? 6Aber Daniel lachet vnd ſprach / Herr König / las dich nicht verfüren / Denn dieſer Bel iſt inwendig nichts denn leimen / vnd auswendig eherne / vnd hat noch nie nichts geſſen.

 

DA ward der König zornig / vnd lies allen ſeinen Prieſtern ruffen / vnd ſprach zu jnen / Werdet jr mir nicht ſagen / wer dis Opffer verzeret / ſo müſſet jr ſterben. 8Könnet jr aber beweiſen / das der Bel ſolchs verzere / So mus Daniel ſterben / Denn er hat den Bel geleſtert. Vnd Daniel ſprach / Ja Herr könig / es geſchehe alſo / wie du geredt haſt.

 

9ES waren aber jr ſiebenzig Prieſter des Bel / on jre Weiber vnd Kinder / Vnd der König gieng mit Daniel in den Tempel des Bel. 10Da ſprachen die Prieſter deſſelben / Sihe / wir wöllen hinaus gehen / vnd du Herr könig ſolt die Speiſe vnd den Tranck ſelbs dar ſetzen / vnd die Thür nach dir zuſchlieſſen vnd mit deinem eigen Ringe verſiegeln. 11Vnd wenn du morgens früe wider komeſt / vnd findeſt / das der Bel nicht alles verzeret habe / So wöllen wir gerne ſterben / Oder Daniel mus getödtet werden / der ſolchs auff vns gelogen hat. 12Sie verlieſſen ſich aber darauff / das ſie hatten einen heimlichen Gang vnter dem Tiſch gemacht / durch den ſelben giengen ſie alle zeit hinein / vnd verzereten was da war.

 

DA nu die Prieſter hinaus waren / lies der König dem Bel die Speiſe fürſetzen / Aber Daniel befalh ſeinen knechten / das ſie Aſſchen holeten / vnd lies die ſelbige ſtrewen durch den gantzen Tempel / fur dem Könige. Darnach giengen ſie hinaus / vnd ſchloſſen die Thür zu / vnd verſiegelten ſie mit des Königes ringe / vnd giengen dauon.

 

14DIe Prieſter aber giengen des nachts hinein / nach jrer gewonheit / mit jren Weibern vnd Kindern / fraſſen vnd ſoffen alles was da war. 15Vnd des morgens ſeer früe / war der König auff vnd Daniel mit jm. 16Vnd der König ſprach / Iſt das Siegel vnuerſeert? 17Er aber antwortet / Ja Herr könig. Vnd ſo bald die thür auffgethan war / ſahe der König auff den Tiſſch / vnd rieff mit lauter ſtim / Bel / Du biſt ein groſſer Gott / vnd iſt nicht betrug mit dir. 18Aber Daniel lachet / vnd hielt den König / das er nicht hinein gieng / vnd ſprach / Sihe / auff den boden / vnd merck / wes ſind dieſe fuſtapffen. 19Der König ſprach / Ich ſehe wol fuſtapffen Menner vnd Weiber vnd Kinder. 20Da ward der König zornig / vnd lies die Prieſter fahen mit jren

Weibern vnd Kindern / Vnd ſie muſten jm zeigen
die heim lichen Genge / dadurch ſie waren aus
vnd eingegangen / vnd verzeret hatten was
auff dem Tiſch war.
21Vnd der König
lies ſie tödten / Vnd gab Daniel den
Bel in ſeine gewalt / Derſelb zuſtöret
jn vnd ſeinen Tempel.

 

 

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Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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