Das Hohelied Salomos | Kapitel 1

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Das Hohelied Salomos

Kapitel 1

 

Hld 1

 

Der Text in acht Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 1

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel I.

 

 

1,2-4

 

I. BEGINN DER LIEDERFOLGE: ERSTES LIED

 

1

1,2A

→Die Braut

2

1,2b-3a

→Der Bräutigam

3

1,3b-4A

→Die Braut

4

1,4b

→Der Bräutigam

 

 

1,5 - 2,7

 

II. ZWEITES LIED

 

5

1,5-7

→Die Braut

6

1,8

→Der Chor

7

1,9-11

→Der Bräutigam

8

1,12-14

→Die Braut

9

1,15

→Der Bräutigam

10

1,16-17

→Die Braut

 

Anm: Kapiteleinteilung nach der Ausgabe von 1545, Angabe der Textstelle nach heutiger Zählweise

 

 

 

 

 

 

1Das Hohelied
Salomo.

[347b]

 

I.

 

 

I.
BEGINN DER LIEDERFOLGE:
ERSTES LIED

 

 

1,1-4

 

 

Die Braut:

 

ER küſſe micĥ mit dem

Kuſſe ſeines Mundes /

 

 

Der Bräutigam:

 

2bDenn deine Brüſte ſind lieblicher denn Wein. 3aDas man deine gute Salbe rieche /

 

 

Die Braut:

 

3bDein Name iſt ein ausgeſchütte Salbe / Darumb lieben dich die Megde.

 

4aZEuch mich dir nach / ſo lauffen wir / Der König füret mich in ſeine Kamer /

 

 

Der Bräutigam:

 

4bWir frewen vns / vnd ſind frölich vber dir / Wir gedencken an deine Brüſte mehr / denn an den Wein / Die Fromen lieben dich.

 

 

II.
ZWEITES LIED

 

 

1,5 - 2,7

 

 

Die Braut:

 

ICh bin ſchwartz / Aber gar lieblich / jr töchter Jeruſalem / Wie die hütten Kedar / wie die teppiche Salomo. 6Sehet mich nicht an / Das ich ſo ſchwartz bin / denn die Sonne hat mich ſo verbrand. Meiner mutter Kinder zürnen mit mir / Man hat mich zur Hüterin der Weinberge geſetzt / Aber meinen Weinberg den ich hatte / habe ich nicht behütet.

 

7SAge mir an du / den meine Seele liebet / Wo du weideſt / wo du rugeſt im mittage? Das ich nicht hin vnd her gehen müſſe / bey den Herden deiner Geſellen.

 

 

Der Chor:

 

8KEnneſtu dich nicht / du ſchöneſte vnter den Weibern / So gehe hin aus auff die fusſtapffen der Schafe / vnd weide deine Böcke bey den Hirten heuſern.

 

 

Der Bräutigam:

 

9ICH gleiche dich / meine Freundin / meinem reiſigen Zeuge an den wagen Pharao. 10Deine Backen ſtehen lieblich in den Spangen / vnd dein Hals in den Keten. 11Wir wöllen dir güldene Spangen machen mit ſilbern Pöcklin.

 

 
[347b | 348a]

 

 

Salomo.     C. I.

CCCXLVIII.

 

 

 

Die Braut:

 

12DA der König ſich her wandte / gab mein Narde ſeinen ruch. 13Mein Freund iſt mir ein büſchel Myrrhen / das zwiſſchen meinen Brüſten hanget. 14Mein Freund iſt mir ein drauben Copher / in den Weingarten zu Engeddi.

 

 

Der Bräutigam:

 

15SIhe / meine Freundin / du biſt ſchöne / ſchöne biſtu / Deine augen ſind wie Tauben augen.

 

 

Die Braut:

 

16Sihe mein Freund / du biſt ſchön vnd lieblich / Vnſer Bette grünet / 17vnſer Heuſer balcken ſind Cedern / vnſer latten ſind Cipreſſen.

 

 

 

*1) Der Text beginnt mit dem heutigen Vers 2. Luther hat den ersten Vers, der zum Text gehört, an dieser Stelle ausgelassen. Der Vers 1 enthält ausschließlich den Titel »Das Hohelied Salomos«., wie er in der Überschrift bereits vorhanden ist.

Anders als bei den übrigen Büchern ist in diesem Fall die Überschrift des Buches Teil des biblischen Textes.

 

*2) Die Verse 1 bis 4 werden gemeinhin der Braut zugeordnet. Doch Luther ließ uns hier keine Wahl. Durch seine Übersetzung des Wortes »Liebe« (Lutherbibel 2017) in den Versen 2b und 4b mit »Brüste« (Lutherbibel 1545) müssen die Verse aufgeteilt werden.

Der Text der Verse 1 bis 4 stellt nun einen schnellen Wechselgesang zwischen Braut und Bräutigam dar, der beide Protagonisten, ihre Beziehung zueinander und das leitende Thema der Lieder im Sinne einer Ouvertüre hinreichend vorstellt.

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
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