Gründonnerstag

Donnerstag, 12. April 1990

Titel: Wissenswertes zum Tag
12.4.1990 | Gründonnerstag | Donnerstag vor OsternDonnerstag
 
 

Gründonnerstag

Donnerstag vor Ostern

 
Symbol

→Gründonnerstag

Gedenken des Letzten Abendmahls und der Gefangennahme Jesu 🌇

Symbol

Petrus Valdes

(† vor 1218)

Symbol

Gründonnerstag

 

Kalenderblätter
 
Bewegliches Datum
Gründonnerstag zwischen dem 19. März und dem 22. April
 
  • Christlicher Gedenktag
  • Donnerstag vor →Ostern
  • Abhängig vom →Osterdatum
  • Gründonnerstag liegt zwischen
    dem 19. März und dem 22. April eines Jahres
Symbol: Abstand zum Osterfest
 
  • 3 Tage vor Ostern
  • gerechnet ab diesem Tag ist am 4. Tag Ostern
 
Gesetzlicher Feiertag
Baden-Württemberg (BW)

Der Gründonnerstag ist kein allgemein →gesetzlicher Feiertag. In Baden-Württemberg (BW) haben Schüler per Feiertagsgesetz an diesem Tag schulfrei. Allerdings fällt der Tag regelmäßig in die Osterferien.

Stiller Tag

Die Feiertagsgesetze der Länder erklären den Gründonnerstag zu einem stillen Tag, an dem besondere Beschränkungen gelten. Die Beschränkungen können in den einzelnen Ländern unterschiedlich festgelegt sein.

So sind am Gründonnerstag in Hessen von 04:00 Uhr (morgens) an für den Rest des Tages öffentliche Tanz­ver­an­stal­tungen verboten. (Hessisches Feiertagsgesetz, §10).

 

Artikel zum Gründonnerstag aus dem evangelischen Kirchenjahr

In unserem Kalender zum →evangelischen Kirchenjahr finden Sie einen weiteren Artikel zum Gründonnerstag:

Titelzeile

→Gründonnerstag 1989/1990

Spruch, Psalm und Liedauswahl für den Tag sowie die Bi­bel­tex­te für Le­sun­gen und Pre­dig­ten nach der Kir­chen­ord­nung.

Mehr dazu in diesem Artikel.

 

Der Name Gründonnerstag

 

Ein unbekannter Name

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Bezeichnung »Gründonnerstag« für den Ge­denk­tag der Einsetzung des Abendmahls (de coena domini) bekannt. Wo­her der Na­me stammt und welche Bedeutung er besaß, ist bis heute un­ge­klärt. Alle Versuche, den deutschen Namen zu enträtseln, stützen sich auf va­ge, un­be­leg­te Ableitungen und befriedigen nicht.

Fest steht aber, dass bereits in der alten Kirche der Donnerstag der Karwoche als Gedenktag der Einsetzung des Abendmahls und als Gedenktag an die Vor­gän­ge des Tages vor der Kreuzigung Jesu gefeiert wurde.

 

Die mittelalterlichen Bezeichnungen

 

Feria Quinta in Coena Domini

Für den Gründonnerstag gab es zahlreiche Bezeichnungen. Die lateinisch-kir­ch­li­che Bezeichnung Feria Quinta in Coena Domini bedeutet »Fünfter Tag, im Ge­den­ken an das Abendmahl des Herrn«.

Feria quinta ist die mittelalterliche Bezeichnung für Donnerstag, den fünften Tag der Wo­che, wobei der Sonn­tag (dies dominica) der erste Tag (feria prima) ist.

Der Name lässt sich somit auch lesen als: Fünfter Tag [der Passionswoche], Ge­denk­tag an das Abendmahl des Herrn.

 

 

Coena Domini

In alten Kirchenordnungen findet sich häufig auch einfach Coena Domini. Die la­tei­ni­sche Bezeichnung bedeutet »Mahl des Herrn«. Sie entspricht unserer Kurz­be­zeich­nung »Abendmahl« – und jeder weiß, was gemeint ist.

 

 

Unsere Kalender verwenden die vorreformatorischen Bezeichnungen bis zum Jahr 1530 (Verlesung der →Confessio Augustana, des Augsburgischen Bekenntnisses).

 

Hintergründig

 

Gründonnerstag im Kalender

Die Bedeutung des Gründonnerstags

Am Donnerstag der Karwoche gedenkt die Kirche der Einsetzung des Abendmahls, der Eu­cha­ris­tie. Mit dem letzten Abendmahl endet Christi Wirken auf der Erde. Kurz da­nach fol­gen Gefangennahme, Folter und Kreuzigung Jesu. Die eigentliche Passion, das Lei­den Chris­ti, beginnt.

Gründonnerstag und →Karfreitag sind Höhepunkte der Passionszeit, die sechs Wochen zu­vor, am Aschermittwoch, begann.

Seinen Platz im bürgerlichen Kalender findet der Gründonnerstag wegen der Fei­er­tags­ge­set­ze der Länder, in denen der Gründonnerstag als »stiller Tag« ausgewiesen ist. In der bür­ger­li­chen Tradition sind kaum besonderes Brauchtum oder spezielle Fei­er­lich­kei­ten für den Abend des Gründonnerstags verankert, wohl aber in der christlich-kirch­li­chen Tra­di­ti­on.

 

Hintergründig

Gründonnerstag

Das letzte Abendmahl und das Pascha-Ritual

 

Getsemani | »Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.« | Linolschnitt, 11 cm x 22,5 cm | Frei nach einem Motiv des Altarbildes der Evangelischen Versöhnungskirche, Rüsselsheim, Deutschland. | Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Geschütztes Bildmaterial

Abbildung: Getsemani
»Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.«
Linolschnitt, 11 cm x 22,5 cm, Ausschnitt
Frei nach einem Motiv des Altarbildes der Evangelischen Versöhnungskirche, Rüsselsheim, Deutschland.
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Geschütztes Bildmaterial

Biblia 1545

Hinweis zu den Bibelzitaten

In den folgenden Abschnitten zitieren wir biblische Texte nach einer zeitgemäßen, für unsere Seite formulierten Übersetzung. Die Verweise führen allerdings zu den ent­spre­chen­den Stellen in der Lutherbibel von 1545.

 

1 Jesus und die Jünger feiern Pascha

Am Donnerstag vor seiner Kreuzigung
bereitet Jesus das Pascha-Mahl →*1) vor:

Es kam der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Osterlamm schlachten musste. Da schickte Jesus Petrus und Johannes fort mit dem Auftrag: »Geht los und bereitet für uns das Ostermahl vor, damit wir es essen können.«
→Lukas Evangelium 22, 7f.

Am Abend kam Jesus mit den übrigen Aposteln. Jesus sagte zu ihnen:

»Sehnlich hat es mich verlangt, dieses Pascha-Mahl mit euch zu essen, bevor ich leide. Denn ich sage euch, von nun an werde ich es nicht mehr essen, bis es seine Vollendung finden wird im Reiche Gottes.« Und er nahm einen Kelch, sagte Dank und sprach: »Nehmt ihn und teilt ihn unter euch. Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.«
→Lukas Evangelium 22,15-18

 

1 Der Begriff Pascha ist die kirchliche Schreibweise, entstanden aus der frühkirchlichen, latinisierten Transkription für das hebräische Wort Pessach (פֶּסַח). So findet es sich in der Lutherbibel. Doch allgemein wird heutzutage zumeist die Begriffe Pessach oder Pesach verwendet.

 

2 Das Pascha-Ritual

Obwohl wir von den Evangelisten fast nichts darüber erfahren, haben Jesus und die Jün­ger das Pascha-Mahl sicher nach jüdischer Tradition abgehalten. Das Pascha-Mahl gliedert sich nach den vier vorgeschriebenen Weinbechern.

Exkurs:

Die vier Weinbecher im Pascha-Ritual

 

Zu Beginn wurde der Erste Becher mit Wein und Wasser gefüllt. Der Hausvater sprach darüber die zwei vorgeschriebenen Se­gens­for­meln: »Gelobt seist du, Jahwe, unser Gott, König der Welt, der du die Frucht der Rebe schaffst.« und »Gelobt seist du, Jahwe, unser Gott, König der Welt, der du deinem Volk Israel Festtage zur Freude und zum Gedächtnis gegeben hast. Gelobt seist du, Jahwe, der du Israel und die Zeichen heiligst.«

Darauf wurden ungesäuerte Brote und grü­ne Kräuter aufgetragen, die der Haus­va­ter verteilte, nachdem er seine Hän­de ge­wa­schen, ein Dankgebet ge­spro­chen und ge­kos­tet hatte.

Jetzt brachte man das gebratene Os­ter­lamm.

Der Zweite Becher wurde gemischt, und der Hausvater gab eine kurze Erklärung über den Sinn des Festes, die Wohltaten Jah­wes an seinem Volke und dessen Befreiung aus Ägypten. Alle Teil­ne­hmer san­gen den ers­ten Teil des Hal­lel, das aus den →Psalmen 113 bis 118 be­stand. Nach er­neu­ter Hän­de­wa­schung und nach dem Lob­ge­bet wur­de das Os­ter­lamm ge­ges­sen, da­zu bit­te­re Kräu­ter und un­ge­säu­er­tes Brot.

Der Dritte Becher wurde gemischt, der Se­gens­be­cher ge­nannt wur­de, weil da­bei die Dank­sa­gung über das Mahl ge­be­tet wurde.

Schließ­lich fand das Mahl mit dem Vierten Becher, bei dem der zwei­te Teil des Hal­lel ge­sun­gen wur­de, sei­nen Ab­schluss.

 

3 Die Eucharistie: Einsetzung des Abendmahls

In diesem Ritus vollzog sich diesmal aber etwas Besonderes, Neues: Jesus gab zum Ge­dächt­nis seines Todes den Jüngern während des Mahles Brot und Wein als sein Fleisch und Blut.

Zu Beginn und am Ende des Mahls benutzte Jesus zwei Mahlsitten: das Brotbrechen und den Dritten Becher, um daran sein letztes testamentarisches Vermächtnis zu knüpfen.

Mehr noch: Jesus gab diesen jüdischen Mahlbräuchen einen neuen Inhalt. Beim jüdischen Mahl blieben Brot und Wein das, was sie waren: natürliche Genussmittel für das Mahl. Unter den Händen Jesu wurden Brot und Wein zu Trägern eines andersartigen Inhalts:

Und er nahm Brot, sagte Dank, brach es und gab es ihnen mit den Worten: »Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; tut dies zu meinem Gedächtnis.« Und ebenso nahm er nach dem Mahle auch den Kelch mit den Worten: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird.«
→Lukas 22,19-20

Beim Pascha-Mahl fand das Brotbrechen nicht zu Beginn des gesamten Mahlvorganges, sondern erst zu Beginn des eigentlichen Hauptmahles statt:

Der Hausvater nahm einen meist tellerförmigen Brotfladen in die Hände. Nachdem er sich auf seinem Liegepolster aufgerichtet hatte, sprach er darüber im Namen aller einen Lobpreis: »Gepriesen seist du, Jahwe, unser Gott, König der Welt, der Brot aus der Erde hervorgehen lässt. Gepriesen seist du, Jahwe, unser Gott, König der Welt, der uns durch seine Gebote geheiligt und ungesäuertes Brot zu essen geboten hat.« Alle antworteten: »Amen.« Danach brach er für jeden Mahlteilnehmer ein Stück Brot ab und teilte aus.

An diesen jüdischen Tischbrauch knüpfte Jesus an: Und er nahm Brot, sagte Dank, brach es und gab es ihnen. Es war nicht Brauch, die Austeilung mit deutenden Begleitworten zu versehen. Jesus aber sprach: »Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.« Diese Handlung wird den Jüngern noch zur Wiederholung anbefohlen: »Tut dies zu meinem Gedächtnis.«

Nach dem Essen des Osterlammes wurde der Dritte Becher getrunken. Der Hausvater nahm den ihm kredenzten Weinbecher sitzend in die Rechte, hielt ihn eine Hand breit über den Tisch und sprach darüber für alle das vorgeschriebene Dankgebet: »Der Barmherzige (Gott), er würdige uns der Tage des Messias und des Lebens der zukünftigen Welt, er stifte Frieden über uns und über ganz Israel. So sprecht: Amen!« Nach der üblichen Sitte trank der Hausvater aus seinem Becher, was für die anderen Tischgenossen das Zeichen war, aus ihrem eigenen Becher zu trinken.

Entgegen dieser Sitte hat nun Jesus beim letzten Abendmahl womöglich seinen Becher allen Tischgenossen dargereicht: »Trinket alle daraus.« (Matthäus 26,27). Der Text lässt vermuten, dass mit der Aufforderung nur der eine Becher gemeint war, den Jesus selbst in den Händen hielt. Jedoch – und das ist mit Blick auf den geübten Pascha-Ritus na­he­lie­gen­der! – kann auch allgemein der Dritte Becher des Rituals gemeint sein, was je­den Be­cher der anwesenden Mahlteilnehmer einschließt. Denn diese Aufforderung gab es auch im Pascha-Ritual, wenn auch nicht ausgesprochen, sondern angeleitet durch das Trin­ken des Haus­va­ters.

Zusätzlich zur gewöhnlichen Sitte sprach Jesus dann noch die Worte: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird.«

Verschiedene Interpretationen der Abendmahlszene haben in der Kirchengeschichte zu unterschiedlichen Abläufen in der Feier des kirchlichen Abendmahls geführt. Zusätzlich rankten sich um den »Heiligen Gral«, den Abendmahlsbecher Jesu, Legenden und viele Geschichten.

 

4 Die Fußwaschung

Die Selbsthingabe, an der Jesus seine Jünger teilnehmen lässt, erhält noch eine bei­spiel­haf­te Verdeutlichung im Johannes-Evangelium:

Da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen, und er die Seinen in der Welt liebte, so liebte er sie bis zum Ende. Während des Males [...] steht Jesus [...] vom Mahle auf, legt die Oberkleider ab, nimmt ein Tuch aus Leinen und bindet es sich um. Hierauf gießt er Wasser in das Waschbecken und beginnt, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem linnenen Tuch, das er sich umgebunden hatte, abzutrocknen. [...]
→Johannes 13,1-20

Nach der Fußwaschung nahm Jesus seinen Platz am Tisch wieder ein. Der Erste Becher wur­de getrunken und die Grünkräuter aufgetragen, die in die gemeinsame Schüssel ein­ge­taucht wurden.

 

5 Die Entlarvung des Verräters

Nicht nur die Einsetzung der Eucharistie, sondern auch die Entlarvung des Verräters und die damit verbundenen Tischgespräche prägten das letzte Pascha-Mahl Jesu.

Die geheimnisvolle Andeutung während der Fußwaschung: »Ihr seid rein, aber nicht alle« (Jo­han­nes 13,10) lag wie ein Alpdruck auf der Tischgemeinschaft. Doch Jesus kannte keinen Kom­pro­miss: Er war entschlossen, die Entscheidung herbeizuführen.

Nach dem ersten Bissen sprach Jesus: »Einer von euch wird mich verraten.« Dieser Vor­wurf traf jeden, und ein unruhiges Fragen begann: »Einer nach dem anderen sagte zu Jesus: Ich bin es doch nicht? - Und ein anderer: Ich doch auch nicht? Jesus antwortete: Der mit mir die Hand in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Da antwortete ihm sein Verräter Judas: Ich bin's doch nicht, Meister?« (→Matthäus 26,21-25)

Schon diese Frage lässt die Abgründigkeit des Verrates ahnen. Jesus antwortete: »Du hast es gesagt!« Judas, der inzwischen Gewissheit darüber gewonnen hatte, wo Jesus die Nacht ver­brin­gen würde, verließ darauf die Tischgemeinschaft.

Die Evangelisten lassen kaum einen Zweifel offen, dass der Verrat des Judas darin bestand, der jüdischen Behörde den Ort bekanntzugeben, wo Jesus am ehesten ohne Aufsehen und Tumult verhaftet werden konnte.

Dennoch bleibt der Verrat des Apostels voller Rätsel. Es fehlt das entscheidende Motiv. Geld­gier allein kann es nicht gewesen sein. War er enttäuscht? Hatte er sich den Messias Is­ra­els anders vorgestellt? Wollte er den Konflikt provozieren in der Gewissheit, dass Jesus je­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Priestern und Behörden für sich entscheiden würde und dann endlich klar würde, wie diese Bewegung um Jesus herum in die Geschichte des ge­knech­te­ten Landes eingreifen wird? An dieser Stelle finden sich in der neueren For­schung vie­le Thesen.

 

6 Die Tischgespräche

Das Abendmahl nahm seinen Fortgang. Am Ende des Pascha-Mahles war es Sitte, noch ei­ni­ge Zeit bei ernstem Gespräch beisammen zubleiben. Diese Gespräche schildert der Evan­ge­list Lukas (→22,24-38) und besonders ausführlich Johannes mit ganzen Ab­schieds­re­den und Predigten, die die messianische Bedeutung Jesu zum Inhalt haben, den Mis­si­ons­auf­trag der Jünger beschreiben, den nahen Tod Jesu und die baldige Wie­der­kehr nach dem Tod ankündigen, und im hohepriesterlichen Gebet Jesu münden (→Johannes 13,33 - 17,26).

 

Hintergründig

Gedenken der Passion Christi

Die weiteren Ereignisse am Gründonnerstag 

 

 

1 Getsemani

Und nach dem Lobgesang gingen sie hinaus zum Ölberg [...] Und sie kamen zu einem Gehöft namens Getsemani, und er sprach zu seinen Jüngern: »Setzt euch hier nieder, während ich bete.«
→Markus 14,26-32

Mit Gründonnerstag verbunden ist auch der Name Getsemani. Das Gehöft oder der Gar­ten, in dem Jesus das geradezu dramatische Gebet sprach, das all seine To­des­angst, seinen Zweifel und schließlich sein uneingeschränktes Vertrauen in die rich­ti­ge Hand­lungs­wei­se Gottes zum Ausdruck bringt. Getsemani, das ist der Garten, in dem sein Lei­den, die Passion, mit der Verhaftung durch die Tempelwache der Priesterschaft sei­nen An­fang nahm.

 

2 Das Gebet in Getsemani

Dann ging er ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht und betete.
→Matthäus 26,39

Dann ging er ein wenig weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete.
→Markus 14,35

Und er trennte sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete.
→Lukas 22,41

Empfehlung:

Eine grandiose und perfekt umgesetzte In­ter­pre­ta­tion des Ge­bets Je­su in Get­se­ma­ni ist Tim Rice (Text) und Andrew Lloyd Webber (Musik) in ihrem Musical Jesus Christ Su­per­star mit dem Stück Geth­se­ma­ne ge­lun­gen.

Das DVD-Cover zeigt die Version der Pro­duk­ti­on mit Glenn Carter, Jerome Pra­don, Renee Castle und Rik Mayall in den Haupt­rol­len. (©Uni­ver­sal Pic­tu­res Pro­gram­ming)

DVD: Andrew Lloyd Webber, Jesus Christ Superstar, Universal

 

3 Die Verhaftung

Judas wusste, wo Jesus diese Nacht verbringen würde und er kannte diesen Ort genau. Er führ­te die schwerbewaffnete Tempelwache nach Getsemani. Hier kam alles anders, als die Pries­ter erwartet hatten: Die Verhaftung verlief von einem kleinen Zwischenfall ab­ge­se­hen ohne Aufsehen.

Judas identifizierte Jesus mit einem Kuss, die Wache umringte ihn und Jesus ließ sich fes­seln. Nur Simon Petrus, so berichtet Johannes, zog sein Schwert und hieb einem Wach­mann das rechte Ohr ab. Doch Jesus verhinderte umgehend weitere Eskalationen, in dem er Petrus be­schwich­tig­te: »Stecke das Schwert in die Scheide, soll ich den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?« (→Johannes 18,11).

Jesus versteht seine Verhaftung als Antwort auf sein Gebet und sieht in den nun folgenden Er­eig­nis­sen den Willen Gottes, dem er sich zu beugen hat. Nur so sind seine beinahe ver­tei­di­gungs­lo­se Zurückhaltung und sein häufiges Schweigen in den folgenden Ver­hö­ren zu er­klä­ren.

 

4 Das Verhör bei Hannas

Die Ereignisse des Gründonnerstag enden in der Nacht mit dem Verhören bei Hannas und der Verurteilung durch den Hohen Rat.

Jesus wird von Getsemani aus zurück in Stadt in das Haus von Hannas gebracht.

Hannas war der Schwiegervater des amtierenden Hohepriesters Kajafas. Dieses Vorverhör hatte daher weniger rechtlichen, als vielmehr einen familiären, privaten und politischen Cha­rak­ter: Kajafas wusste, welchen Ehrenrespekt er dem Oberhaupt der ho­he­pries­ter­li­chen Familie zu erweisen hatte.

Die Forschung geht heute sogar davon aus, dass Hannas Einfluss auf die Entscheidungen Kajafas und der Priester sehr groß war und er als der eigentliche Gegenspieler Jesu im Hin­tergrund agierte. Seine Ziele galten gerade unter dem Eindruck der römischen Be­sat­zung der po­li­ti­schen Festigung der jüdischen Priesterklasse im Ansehen des Volkes und er kon­nte kei­ner­lei Un­ter­wan­de­run­gen der religiösen Vorschriften, des Brauch­tums und des Res­pekts ge­gen­über der Priesterschaft dulden. Dem stand Jesus mit seinen bei­na­he auf­klä­re­ri­schen Aus­le­‌gun­gen der Schriften und mit seinem bisher un­aus­ge­spro­che­nen, aber ze­le­brier­ten Mes­si­as­an­spruch entgegen.

Während des Verhörs kam es zu einer kurzen, aber harten Auseinandersetzung, in der sich Jesus mehrfach auf sein Wirken und Reden in aller Öffentlichkeit und auf die Zeugen berief, die ihn erlebt haben. Hannas konnte in diesem Verhör keine Beweise anführen, aber er un­ter­strich öffentlich die besondere Bedeutung der Anklage durch Misshandlungen. Ein Pa­ra­graph der jüdischen Prozessordnung lautet: Gegen einen Verführer und Pseu­do­pro­phe­ten ent­fal­len die sonst geltenden humanen Bestimmungen.

Damit war allen Anwesenden das Urteil angekündigt, das längst in geheimen Sitzungen der Pries­ter vorweggenommen war. Nun galt es nur noch, eine unanfechtbare, rechts­kräf­ti­ge Verurteilung zu erzielen und die Todesstrafe auf politisch korrekten Grund­lagen zu erwirken.

 

5 Der religionsgesetzliche Prozess vor dem Synedrium

Nach diesem kurzen Verhör, das nur der Demonstration des unbedingten Willens zur Verurteilung diente, wurde Jesus gefesselt zu Kajafas gebracht.

Trotz der späten Nachtstunde hatten sich die Mitglieder des Hohen Rates bei Kajafas ein­ge­fun­den, denn nach den Bestimmungen der Mischna konnte ein falscher Prophet nur durch das Große Synedrium verurteilt werden. Vor diesem höchsten Gerichtshof begann nun der eigentliche religionsgesetzliche Prozess.

Nach den Angaben des Josephus bestand der Hohe Rat der Juden aus drei Per­so­nen­grup­pen: den Hohepriestern, den Ältesten und den Schriftgelehrten. Es sind ge­nau die drei, die uns der Evangelist Markus aufzählt:

Nun führten Sie Jesus ab zum Hohepriester, bei dem sich alle Hohepriester, die Ältesten und die Schriftgelehrten versammelten.
→Markus 14,53

Das Hohe Kollegium zählte 71 Personen, und auffälligerweise fand die Sitzung nicht im of­fi­zi­el­len Amtsgebäude auf dem Tempelberg statt, sondern im Privathaus des Ka­ja­fas.

Kajafas war der amtierende Hohepriester und zugleich der Gerichtspräsident. Er hieß Josef und trug den Beinamen Kajafas (was in etwa mit »Seher« oder »Inquisitor« zu übersetzen wäre). Er begann seine Karriere mit der Einheirat in die Hohepriesterdynastie der Hannas. Im Jahre 18 n. Chr. wurde er von den Römern als Hohepriester eingesetzt und hatte es fertiggebracht, insgesamt 19 Jahre an der Macht zu bleiben, eine Rekordzeit, die in diesem Jahrhundert kein anderer Hohepriester auch nur annähernd erreichte.

Kajafas wusste um die Gunst, die ihm die römischen Besatzer zuteilwerden ließen, und er wuss­te, dass er klug und diplomatisch agieren musste, um dieser Gunst gerecht zu werden: Er lebte und agierte von Roms Gnaden, und Rom - das war in Jerusalem Pontius Pilatus.

Das ganze Synedrium suchte Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten.
→Markus 14,55

So begann man die Beweisaufnahme mit der Zeugenvernehmung. Das Ergebnis war jedoch nicht nur mager, es war geradezu unbrauchbar. Nicht eine Zeugenaussage stimmte mit der anderen überein. Nach der jüdischen Prozessordnung gehörte zu einem rechtskräftigen Zeugnis die Aussage von zwei Zeugen. Markus berichtet weiter:

Zwar legten viele falsches Zeugnis wider ihn ab, aber ihre Aussagen stimmten nicht überein. Da traten einige auf und legten dieses falsche Zeugnis gegen ihn ab: »Wir haben ihn sagen hören: Ich werde diesen Tempel niederreißen, der mit Händen errichtet ist, und in drei Tagen einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen gemacht ist.« Aber auch dabei stimmte ihr Zeugnis nicht überein.
→Markus 14,56-59

Der Prozess hatte einen toten Punkt erreicht. Wieder stand der Prophet aus Nazareth un­an­greif­bar da. Nun übernahm Kajafas persönlich die Vernehmung.

Markus schildert uns diese Szene in dramatischer Kürze: Der Angeklagte stand, der Ho­he­pries­ter saß auf seinem erhöhten Platz. Plötzlich erhob sich Kajafas, und wie auf ein Kom­man­do stan­den auch die übrigen Ratsherren auf. So verlangte es das Zeremoniell. Ein Pa­ra­graph der Prozessordnung gegen einen Pseudopropheten erlaubte es dem Un­ter­su­chungs­rich­ter, den Angeklagten einzuschüchtern. So näherte sich Kajafas dem An­ge­klag­ten, trat ganz dicht an ihn heran, und brüllte plötzlich den Gefesselten an:

»Antwortest du nichts? Was sagen diese gegen dich aus?«
→Markus 14,60

Jesus aber ließ sich nicht einschüchtern. Er wusste ebenso gut wie Kajafas, dass die Zeu­gen­aus­sa­gen wertlos waren.

Er schwieg und antwortete nichts.
→Markus 14,61

So stieß auch der raffiniert berechnete Angriff des Untersuchungsrichters im Schweigen Jesu ins Leere. Der Prozess blieb festgefahren.

Der Hohepriester sah sich gezwungen, um jeden Preis eine Entscheidung herbeizuführen. Er stellte seine letzte Frage:

»Bist Du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?«
→Markus 14,61

Es muss Totenstille geherrscht haben nach dieser provokanten Frage des Hohepriesters. Die zu erwartenden Antworten würden entweder einer Selbstanklage oder einer Selbst­auf­ga­be gleichkommen. Alle hörten dann die Stimme Jesu:

»Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend mit den Wolken des Himmels.«
→Markus 14,62

Jesus begnügte sich nicht mit der bloßen Feststellung »Ich bin es«. Er wollte den Ho­he­pries­ter in keiner Weise darüber im unklaren lassen, dass er der wahre Messias sei. So er­gänz­te er seine Aussage durch die Prophezeiung, dass seine Ankläger ihn dereinst als ver­herr­lich­ten Menschensohn in himmlischer Majestät zur Rechten Gottes sitzen und als Rich­ter auf den Wolken des Himmels würden kommen sehen. Das heißt: Seine Wiederkunft wird die Offenbarung seiner Messiaswürde sein, die jeden Widerspruch, auch den des Ka­ja­fas, aus­schlie­ßen wird.

Für den Hohepriester hatte Jesus mit diesem Bekenntnis eine Gotteslästerung aus­ge­spro­chen. Nach der jüdischen Überlieferung war jeder Jude beim Hören des Got­tes­na­mens verpflichtet, seine Kleider zu zerreißen. So zerriss Kajafas sein Obergewand, und alle Rats­her­ren folgten dem Beispiel ihres Gerichtspräsidenten.

Kajafas hatte sein Ziel erreicht. Lakonisch bemerkte er:

»Was brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Lästerung gehört!«

Er forderte er die Ratsherren zur Urteilsabgabe auf:

»Was ist eure Meinung?«
→Markus 14,63f.

Der Paragraph der jüdischen Strafgesetze lautete: »Wer sich göttliche Ehren anmaßt, ist ein Got­tes­läs­te­rer. Er muss mit dem Tode bestraft werden.«

Markus schließt den Bericht über die Gerichtsverhandlung mit den Worten:

Sie aber alle sprachen ihn des Todes schuldig.
→Markus 14,64

Nach jüdischem Recht hätte die Todesstrafe an Jesus umgehend durch die Steinigung mit nachfolgendem Aufhängen am Holz vollzogen werden müssen. Dass dies nicht ge­schah, lag an den politischen Verhältnissen: Ein Todesurteil konnten nur die römischen Statt­hal­ter aus­spre­chen und vollziehen lassen.

Und sogleich am frühen Morgen fassten die Hohepriester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat einen Beschluss, ließen Jesus fesseln, abführen und dem Pilatus übergeben.
→Markus 15,1

Der Rat beugte sich der römischen Obrigkeit und überstellte Jesus dem Statthalter Roms: Pontius Pilatus. Nun lag Jesu Schicksal in den Händen des Statthalters von Jerusalem. Pilatus hat­te seine eigene Meinung über die ideologischen und religiösen Machtkämpfe des Sy­ne­dri­ums. Er konnte den Verurteilten rehabilitieren. Dies wussten die Hohepriester und sorg­ten da­für, die­ses Risiko zu minimieren.

Doch damit beginnen die Ereignisse der Passion, derer die christlichen Kirchen am Kar­frei­tag gedenken.

 

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