Ostersonntag | 2017 - 2024

Sie sind hier: ⏵Home | ⏵Deutscher Jahreskalender | ⏵Ostersonntag | 2017 - 2024
Wissenswertes zum Tag
16.4.2017 | Ostersonntag | Tag der Auferstehung des Herrn
 

Ostersonntag

Tag der Auferstehung des Herrn

 
 
 Der Tag in den Jahren 2017 bis 2024
 
Bewegliches Datum
Ostersonntag zwischen dem 22. März und dem 25. April
  • Christlicher Festtag
  • Das →Osterdatum ist ein bewegliches Datum im Kalender und hängt ab vom ersten Vollmond im →astronomischen Frühjahr. Jahr für Jahr ändert sich das Datum für den Ostersonntag.
  • Der Ostersonntag kann zwischen
    dem 22. März und dem 25. April eines Jahres liegen.
Symbol: Abstand zum Osterfest
  • Ostern
  • Mit dem Osterdatum verschieben sich alle benannten Sonntage, sowie alle beweglichen Feste und Feiertage zwischen →Epiphanias und dem →Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres im Kalender, jedoch behalten sie relativ zum Osterfest einen festen Abstand.
 
Gesetzlicher Feiertag
Brandenburg (BB)

Der Ostersonntag ist in der Bundesrepublik Deutschland
→gesetzlicher Feiertag in

  • Brandenburg (BB)

Stiller Tag

Die Feiertagsgesetze der Länder erklären den Ostersonntag zu einem stillen Tag, an dem besondere Beschränkungen gelten. Die Beschränkungen können in den einzelnen Ländern unterschiedlich festgelegt sein.

So sind am Ostersonntag in Hessen ganztägig alle öffentlichen Veranstaltungen verboten, »wenn sie nicht der Würdigung der Feiertage, der seelischen Erhebung oder einem überwiegenden Interesse der Kunst, Wissenschaft, Volksbildung oder Politik dienen«. (Hessisches Feiertagsgesetz, §7.9). Dazu zählen insbesondere Tanzveranstaltungen.

Ostersonntag und →Pfingstsonntag sind als Sonntage gesetzlich geschützt und zusätzlich mit besonderen Beschränkungen für stille Tage versehen. Allerdings sehen etliche Gesetze inzwischen viel mehr Ausnahmeregelungen für Sonntagsarbeit vor, als es bei der Einführung der Feiertagsregelungen in den Ländern der Fall war. Zudem siedelt sich eine deutlich größere Anzahl Arbeitsstellen in Jobs und Berufen an, die Sonntagsarbeit prinzipiell erlauben. Der Raum für seelische Erbauung, wie ihn die Feiertagsgesetze vorsehen, geht für immer mehr Menschen verloren. Hier sehen wir Bedarf, hohe kirchliche Feiertage, die einen besonderen gesellschaftlichen und volkstümlichen Wert besitzen, deutlicher zu schützen.

 
Gedenken im Kirchenjahr

Ostersonntag

Ein evangelischer Feiertag

Ostern ist der höchste evangelische Feiertag

Was wohl viele nicht wissen: Ostern ist für die gesamte Christenheit das höchste Fest im Kirchenjahr und Ostersonntag ist somit auch der höchste evangelische Feiertag!

Da kann selbst Weihnachten nicht mithalten. Auch, wenn uns Brauchtum, Werbung und Kommerz etwas anderes glauben machen wollen.

Das liegt daran, dass die Auferstehung Christi der zentrale Glaubensinhalt der Christenheit ist. Ohne die Auferstehung Christi wären seine Geburt, sein Leben und Wirken sowie sein Tod ohne tragendes Fundament. Wir feiern seine Geburt und würdigen sein Lebenswerk genau deshalb, weil er der auferstandene Messias ist. Ohne die Auferstehung und die damit verbunden Geschichten gäbe es heute ganz sicher kein Christentum.

Nicht umsonst umkleidet das Fest eine so dichte Folge besonderer, christlicher Gedenk- und Feiertage. Los geht es schon an →Palmsonntag. Es folgen →Gründonnerstag, →Karfreitag, →Karsamstag mit dem Beginn der →Osternacht, →Ostersonntag und →Ostermontag.

Gesetzliche Feiertage für alle

Die Feiertagsgesetze der Länder in Deutschland berücksichtigen den hohen Stellenwert des Osterfestes für Christen mit besonderen Gesetzen und Verordnungen für die Zeit zwischen Gründonnerstag und Ostermontag. Die Gesetze benennen die Feiertage und weisen stille Zeiten aus, die insgesamt »der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung dienen« sollen.

Nun haben alle was davon. Egal, ob sie Christen sind oder nicht. Doch es galt, insbesondere den Christen die nötige Zeit einzuräumen, damit sie ihren religiösen Gebräuchen in diesen Tagen nachgehen können.

Ostern verstehen und würdigen

Doch worum geht beim Osterfest? Wissen Sie es? Was meint »Auferstehung«? Welchen Sinn hat das Fest in der heutigen Zeit für Christen, speziell für evangelische Christen? Welchen Sinn hat es für Sie?

Man kann es nachlesen. In der Bibel. Wir wissen: Es ist nicht leicht, den Zugang zu den biblischen Texten zu finden! Sicher: Das Buch steht im Regal, und es lässt sich schnell aufschlagen. Doch wo? Und dann noch darin lesen? Die alten Geschichten? Wen interessiert das?

Wir meinen: Das sollte Christen durchaus interessieren! Darauf gründet sich nicht nur ihr Glaube, darauf gründet sich unsere Kultur, darauf gründet sich unser Wertesystem.

Wir erklären Ihnen in vielen kleineren Abhandlung, was Ostern ist und was es für die Christen heute bedeutet. Lesen Sie unsere Artikel aus unserem Kalender rund um Ostern. Es könnte gut sein, dass etwas für Sie dabei ist, und dass Sie Ostern neu entdecken. Versprechen können wir das nicht. Aber es kostet nichts, nicht einmal viel Zeit. Wo doch auch noch arbeitsfrei ist!

Sie können auch Gottesdienste besuchen, um mehr über die Auferstehung zu erfahren. Wenn Sie selbst in der Bibel nachschlagen möchten, bieten wir in unserem evangelischen Kirchenkalender die wesentlichen Stellen, die zu den Gottesdiensten von der Gottesdienstordnung empfohlen sind. Die Artikel zur Osternacht und zum Ostersonntag mit den empfohlenen Bibelstellen zum Lesen, Überdenken und Diskutieren finden Sie hier:

Titelzeile

Osternacht 2017

Der Wochenspruch, der Wochenpsalm und die Textstellen für Bibellesungen und Predigten nach der Kirchenordnung in der Übersicht.

Mehr dazu in diesem Artikel.
Titelzeile

Ostersonntag 2017

Der Wochenspruch, der Wochenpsalm und die Textstellen für Bibellesungen und Predigten nach der Kirchenordnung in der Übersicht.

Mehr dazu in diesem Artikel.
Gedankenpausen

Fröhliche Ostern!

Fröhliche Ostern! Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Fröhliche Ostern!
Doch auch dann, wenn der Osterhase das Nest bewacht, geht es Ostern nicht um bunte Eier und nicht um niedliche Hasen. Es geht um den Sinn des Lebens.
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

Hintergründig

 

Ostern

Fest der Auferstehung Christi

Der Ostersonntag ist zusammen mit Ostermontag in den christlichen Kirchen das Fest der Auferstehung Christi.

Ostern | Nach dem ersten Vollmond im Frühling | Grafik: © Sabrina | Reiner | Geschütztes Bildmaterial

Abbildung: Ostern | Nach dem ersten Vollmond im Frühling
Grafik: © Sabrina | Reiner | Geschütztes Bildmaterial

 

Die Auferstehungs-
geschichte

Dem Fest der Auferstehung Christi liegen die Ereignisse zugrunde, die der Evangelist Matthäus im Neuen Testament über den Besuch der Frauen an Jesu Grab berichtet.

Wir geben hier eine sprachlich an die heutige Zeit angepasste Fassung wieder:

 

Das Evangelium nach Matthäus

 

281 Nach dem Sabbat, im Morgengrauen des ersten Wochentags, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um das Grab zu sehen. 2 Doch plötzlich gab es ein heftiges Erdbeben: Ein Engel des Herrn stieg vom Himmel, ging zum Grab, wälzte den großen Stein zur Seite, der den Eingang versperrte, und setzte sich darauf. 3 Er sah aus wie gleißendes Licht und seine Kleidung war weiß wie Schnee.

4 Die Wächter, die das Grab bewachten, erschraken so sehr, dass sie vor lauter Angst in Ohnmacht fielen. 5 Der Engel kümmerte sich nicht darum. Er sprach zu den Frauen: »Fürchtet Euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den sie gekreuzigt haben. 6 Er ist nicht hier. Er ist auferweckt worden, so, wie er es vorausgesagt hat. Kommt ruhig näher! Schaut euch die Stelle an, wo er gelegen hatte. 7 Beeilt euch! Geht zu den Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferweckt worden. Er ist unterwegs nach Galiläa. Geht dahin, dort werdet ihr ihn sehen. So ist es. Ich habe es euch gesagt.«

8 Da rannten die Frauen davon, voller Furcht, aber auch voller Freude. Sie liefen und beeilten sich, um es seinen Jüngern zu erzählen.

 

Biblia: Die Auferſtehungſgeſcĥicĥte in Luther-Deutſcĥ

Eine Fassung der Auferstehungsgeschichte, die den Wortlaut Martin Luthers wiedergibt und mit Schriften gesetzt ist, die sich an denen der Lutherbibel von 1545 orientieren, finden Sie in diesem Artikel:

Biblia 1545: Die Auferstehungsgeschichte nach Matthäus

Die Auferstehungsgeschichte nach Matthäus

Mt 28,1 -20 aus Luthers Biblia von 1545

Die Verkündigung der Auferstehung Christi und die Anweisung zur Taufe sind die Kernstücke des Evangeliums für Christen.

Gesetzt in Frakturschrift, mit Luthers Scholion und mit der Erläuterung seltener Wörter und Begriffe.

 

 

Gedankenpausen

Die Frauen und das Christentum

Ist das nicht bemerkenswert? Doch! Die ersten Menschen, die die Frohe Botschaft verkündeten, die ersten, die vom Auferstandenen berichteten, waren Frauen! Maria von Magdala und die andere Maria.

Das Christentum, wie es sich als Religion ausgeweitet hat, basiert auf der Begegnung der Frauen mit dem Engel am Grab, mit dem Wunder der Auferstehung und mit der Verkündigung der Frohen Botschaft an die Apostel durch Maria & Maria.

Während sich die Apostel zu diesem Zeitpunkt trauernd, zweifelnd und missmutig zurückgezogen hatten, waren sie es, die glaubten, ja sich freuten an diesem Tag! Nicht den Aposteln, ihnen, den Frauen, begegnet der Engel! Sie erhalten vom Boten Gottes den Auftrag, von der Auferstehung zu berichten.

Doch nicht nur das! Die ersten, denen der auferstandene Jesus begegnete, und denen er selbst den Verkündigungsauftrag gab, waren eben diese beide Frauen:

Das Evangelium nach Matthäus

 

289 Und auf dem Weg passierte es: Jesus kam ihnen entgegen! Er sprach: »Seid gegrüßt! « Da knieten die beiden Frauen vor ihm nieder und umfassten seine Füße.

10 Jesus sprach zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündet es meinen Brüdern. Sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen.«

Wir meinen: Das moderne Christentum hat die Rolle der Frau, wie sie sich im biblischen Leben Jesu und in der Verkündigung zeigt, sicher aufzuarbeiten! Diese historischen Rollen und ihre große Bedeutung für den Erfolg des Christentums lassen sich nicht leugnen. Dennoch gelang es der frühmittelalterlichen Kirche, diese Wahrheiten geradezu systematisch auszuradieren und zubestreiten. Frauen wurden und werden bis heute ins Abseits gedrängt. Männer nehmen für sich das Recht in Anspruch, die Verkünder des Evangeliums zu sein.

Was spricht gegen Frauen im Priesteramt? Was spricht gegen Frauen in der Verkündigung? Selbstverständlich nichts! Frauen waren es, die dem Christentum entscheidend den Weg bereiteten – durch Verkündigung der frohen Botschaft von der Auferstehung Christi. Frauen sind ohne Zweifel ein gleichwertiger und ein gleichberechtigter Teil unserer christlichen Gemeinschaft, ohne den es das Christentum gar nicht gäbe.

Die evangelischen Kirchen sind längst diesen Schritt gegangen. Frauen im Priesteramt sind keine Seltenheit. Die katholischen Kirchen, die in ihren oberen Hierarchien zusammengesetzt sind aus traditionsreichen Männerorden, halten ihre Zugänge zu wichtigen Ämtern Frauen noch immer verschlossen.

Wir sind überzeugt: Die katholische Kirche wird ihre Selbstfindung in einer sich sich massiv wandelnden christlichen Gesellschaft vorantreiben müssen und ein gutes Stück vorangetrieben haben, wenn ein großer Anteil Frauen unter den Kardinälen zu finden ist und eine Frau offiziell zur Päpstin gewählt wurde. Solche Prozesse brauchen Zeit. Um so wichtiger ist es, ihnen frühzeitig den Weg zu bereiten.

Gedankenpausen

Die Osterbotschaft

Was ist nun die besondere Botschaft des Osterfestes? Es gibt mehrere. Doch die zentrale, ursprüngliche Frohe Botschaft begründet sich in den Ereignissen der Kreuzigung und der Auferstehung:

Jesus von Nazareth, der gekreuzigte Heiland, ist auferweckt. Gott hat sein Opfer für die Welt angenommen. Der Herr ist auferstanden, er ist Sieger über Sünde und Tod.

Diese Botschaft ist die Grundlage und der Ursprung der christlichen Kirche und ihrer Weltmission.

Doch sie ist heute nur sehr schwer zu verstehen! Die religiösen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Grundlagen und Zusammenhänge haben sich in den Zeiten der Urkirche völlig anders gezeigt als heute. Uns fehlen meist die nötigen Voraussetzungen, um zu den Inhalten dieser Botschaft einen Zugang zu finden, die eine extrem verdichtete, religiöse Weltanschauung spiegeln und das komplette Heilsgeschehen hochgradig komprimiert abbilden.

So ist es verständlich, dass Zweifel an der Wahrheit der Osterbotschaft aufkommen. Die Diskussionen darüber bemühen sich, die Entstehung dieser Botschaft rational, psychologisch und historisch anzufechten oder zu begründen und verständlich zu machen. Oft wird sie dabei gänzlich aufgegeben oder umgedeutet.

Botschaften für das praktische Leben

Für uns als heutige Christen sind es unserer Meinung nach vier andere Botschaften, die die Frohe Botschaft ausmachen. Sie sind es, die dem Osterfest hinreichend ein pragmatisches Fundament geben, das in der christlichen Praxis gelebt und gestaltet werden kann:

1. Mit Jesus Christus wurde der "Neue Bund" besiegelt.

In der Ablöse des alten Bundes, wie wir ihn im biblischen Alten Testament beschrieben finden, durch den neuen Bund steckt die gesamte österliche Frohe Botschaft.

Der Neue Bund, der neue Vertrag, der die Beziehung zwischen Gott und den Menschen begründet, veränderte vieles grundlegend. Es gilt nicht mehr »Zahn um Zahn«, sondern »Liebe Deinen Nächsten«. Es geht nicht mehr um Strafen, sondern um Vergebung. Es geht nicht mehr um Töten, sondern um Erweckung. Es geht nicht mehr um Macht, sondern um Liebe. Es geht nicht mehr um Geführtwerden oder Gemaßregeltwerden durch göttliche Einflussnahme oder durch Dekrete der Kirchen, sondern um Verantwortung und freie Entscheidung der Menschen.

2. Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.

Eine wunderbare Prämisse! Nur sehr schwer umzusetzen. Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass Menschen auf dem Sterbebett im Rückblick auf ihr gelebtes Leben es am meisten bereuen, sich keine Zeit genommen zu haben für andere und für sich selbst. »Da sein«, sich ernsthaft Zeit nehmen für sich und andere – das ist sehr schwer! Wie gerne fliehen wir? Wie gerne schieben wir Gründe vor, um nicht »da sein« zu müssen? Und dann auch noch mit Liebe da sein – probieren Sie das mal! Wie lange halten Sie durch?

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst – das ist die verdichtete Formel, aus der sich alle Werte ableiten lassen, die für unser Zusammenleben wichtig sind oder wichtig werden können.

Ostern erinnert uns daran, diese Werte zu überdenken und unser Handeln daran auszurichten.

3. Sünde und Verfehlungen werden vergeben, nicht bestraft.

Der Kreuzestod Christi hat eine Bedeutung: Er hat – so das theologisch-religiöses Selbstverständnis Jesu! – die Sünden seiner Mitmenschen auf sich genommen. Sein Tod war im Sinne der jüdischen Religion ein Opfertod. Sein Opfer wurde gebracht, um damit um die Vergebung dieser Verfehlungen und Sünden zu bitten. Gott nahm dieses Opfer an.

Damit beginnt religiös betrachtet eine völlig neue Ära: Die Bitte um Vergebung wird künftig ohne Opfergaben erhört. Das Opfer ist ja bereits vollzogen. Die Antwort auf Verfehlungen und Sünden ist Vergebung, nicht Strafe.

Wenn wir behaupten, wir hätten keine Sünde, dann täuschen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist ER treu und gerecht, so dass ER uns die Sünden erlässt und uns von jeglicher Ungerechtigkeit reinigt.

Der erste Johannesbrief, 1, 8f.

Nun geht es aber nicht nur darum, dass uns Sünden und Verfehlungen erlassen werden. Auch wir haben die Pflicht, zu vergeben. Gar nicht so einfach! Doch: Wenn Sie Gerechtigkeit und Vergebung für sich selbst wünschen, sollten Sie dann nicht auch gerecht sein und vergeben?

Ostern erinnert uns daran, dass Vergebung das neue göttliche Prinzip für das Zusammenleben aller Menschen ist. Nicht Strafe. Nicht Rache.

4. Ich bin bei Euch, alle Tage, bis an das Ende Welt.

Mit diesem Satz aus dem Mund des auferstanden Jesu endet das Evangelium des Matthäus. Doch wie kann diese Aussage unser tägliches Leben bestimmen? Wo ist er denn heute? Bei uns? Wie sieht das praktisch aus?

Im religiösen Sinn sind wir alle »Kinder Gottes«. Wir stammen ab von Adam. Wir tragen den »Atem Gottes«, der Adam zum Leben erweckt hatte, in uns. Wir vererben ihn weiter, so, wie ihn Adam an seine Kinder vererbt hat. Er klebt an unseren Genen.

Das göttliche Moment, die göttliche Lebenskraft, steckt in jedem von uns. Und solange es diese Gene gibt, solange sie weitervererbt werden (bis ans Ende der Welt, das früher oder später sicher kommen wird – da sind sich die Wissenschaftler einig!), solange ist Gott in und bei uns. Es geht nicht anders. Davor kann man nicht fliehen.

Wir alle tragen also die selbe göttliche Lebenskraft, die auch Jesus besaß, in uns. In diesem Sinn einer Verwandtschaft miteinander sind wir nicht allein. Ob denn das »Ich« in diesem Satz – »Ich bin bei Euch« – wörtlich genommen werden darf, ist mehr als Zweifelhaft. Es ist die Metapher für die göttliche Existenz in uns allen und für die Tradition der Lehren Jesu.

Es kommt aber ein zweites Moment dazu: Gemeinschaft. Jesus antwortet mit diesem Satz auf die Ängste und Befürchtungen der Jünger, dass sie alles, was vor ihnen liegt, allein und ohne Begleitung nicht schaffen werden.

Einsamkeit ist schlimm. Wie viele Menschen sind immer wieder einsam? Selbst in gepflegten Beziehungen spielt die innere Vereinsamung oft große Rollen. Psychologen und Psychotherapeuten haben volle Praxen. Auch die Jünger waren ja nicht allein. Sie waren mehrere und trotzdem fühlten sie sich verlassen. Innere Vereinsamung.

Wie aufmerksam sind Sie? Erkennen Sie, wenn Menschen in Ihrem Umfeld einsam sind, äußerlich oder besonders auch innerlich einsam? Was tun Sie dagegen?

Ostern erinnert uns daran, dass wir alle die gleiche göttliche Lebenskraft besitzen. Wir nutzen sie täglich ganz unbewusst – wir leben einfach! –, doch wir können sie auch sehr gezielt einsetzen.

Ostern erinnert uns daran, dass wir Gemeinschaft pflegen können und dass wir aufeinander zugehen können, um gemeinsam stark zu sein.

Uns kommt bei all dem allerdings ein schwerwiegender, bedeutsamer Part zu. Wie in jeder Beziehung zwischen Menschen auch, so tragen auch die Partner in der Beziehung zwischen Gott und Menschen Verantwortung.

Die christliche Verantwortung

Man kann sich dieser Verantwortung nicht entziehen! Man kann sie nur gestalten. Nun mag das jeder sehen, wie er möchte. Man kann es ernst nehmen oder als Unsinn und religiösen Unfug abtun.

Fakt ist: Wir sind Menschen. Wir haben Bedürfnisse und wir möchten und müssen leben. Dabei sind wir aufeinander angewiesen.

Es gibt viele Modelle, nach denen man das gestalten kann. Das Christentum ist eines davon. Wie es gelebt wird, bestimmt nicht die Kirche. Sie gibt bestenfalls Leitlinien vor. Gelebt wird es praktisch mannigfach anders. In der täglichen Praxis derer, die sich Christen nennen.

Das meint:

Wir selbst bestimmen, was es heißt, Christ zu sein.
Wir bestimmen!
Jeden Tag!
Wir bestimmen es auf sehr triviale Weise: durch unser Denken und Handeln.

Das einzige, was man dabei berücksichtigen sollte, sind die ethischen Werte, die Jesus geprägt hat und uns sozusagen als seine Leitlinien mit auf den Weg gibt. Daran kann man sich halten. Aber auch dass muss man nicht. Es ist eine Sache der freien Entscheidung.

Diese Werte haben sich jedoch vielfältig bewährt. Sie haben die Welt verändert und sind selbst in Menschenrechtserklärungen und Grundgesetzen zu finden.

Doch was ist mit Ungerechtigkeit, mit Unglück, Leid, Elend, Schmerz, Trauer, Boshaftigkeit, Gewalt und Brutalität? Wo bleibt Gott, und wo bleibt die Kirche, um all das zu verhindern und zu eliminieren, oder wenigstens zu lindern?

Nichts passiert automatisch. Wir selbst tragen die Verantwortung. Nicht Gott und nicht die Kirche. Christsein ist ein aktiver Part, kein passiver. Natürlich: Es ist sehr leicht mit dem Finger auf andere zu deuten. Dabei übersieht man jedoch die eigene Verantwortung.

Die Kirche ist nur die Summe ihrer handelnden Mitglieder, so wie die Welt, wie sie uns begegnet, die Summe unserer Mitmenschen ist, die sie täglich gestalten. Und all diese Menschen besitzen Freiheiten, Entscheidungen zu treffen. Sie tun es fortwährend: Sie handeln.

Verantwortung zu übernehmen bedeutet auch, die Freiheit zu besitzen, zu entscheiden. Wir alle haben jederzeit diese Freiheit. Vereinfacht ausgedrückt: Unser Denken bestimmt unser Handeln. Um zu unterscheiden, was Gut und was Böse ist, braucht es Werte, und wir brauchen Leitlinien, an denen wir uns orientieren.

Wo die Welt Böse ist – auch in der Kirche! (Beispiele dafür machen immer wieder Schlagzeilen) – , da ist sie es, weil die Menschen es sind. So sind wir nun mal. Das hat mit Gott oder mit Jesus ganz sicher nichts zu tun. Das wird man weder ihm noch der Kirche an sich anlasten können. Nur denen, die es verantworten: Uns selbst und unseren Mitmenschen.

Und so lautet unsere Oster-Botschaft, die wir Ihnen hier gerne mit auf den Weg geben:

Wir tragen die Verantwortung für unser Zusammenleben auf dieser Welt. Wir sind frei darin, über Frieden, Freiheit und Glück zu entscheiden. Die nötigen Werte, die unser Denken und Handeln bestimmen sollten, lassen sich ableiten aus der österlichen Botschaft Jesu:

Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.

 

Hintergründig

Der Sonntag und der Ostertermin

 

Matthäus schreibt, dass sich diese Ereignisse nach dem Sabbat, im Morgengrauen des ersten Wochentags, abgespielt haben.

Bis Ende 1975 war in der Bundesrepublik Deutschland wie auch im jüdischen und christlichen Kalender der Sonntag der erste Wochentag. Danach ist der Sonntag der letzte Wochentag geworden und gehört nun zusammen mit dem Samstag zum Wochenende.

1978 wurde von der UN der Montag international zum ersten Wochentag erklärt, wenn auch einige Staaten weiterhin am Sonntag als ersten Wochentag festhalten.

Anders als →Weihnachten ist Ostern fest an den Sonntag gebunden. Trotzdem ist Ostern ein beweglicher Feiertag.

Das →Osterdatum orientiert sich an dem Ereignis, das Jesus kurz vor seiner Gefangennahme und Hinrichtung feierte: das →Pascha-Fest. Zu Beginn des Pascha-Fests, am ersten Tag der ungesäuerten Brote, saß Jesus am Abend mit den Jüngern zusammen, um das Paschamahl zu halten. (Matthäus 26,17ff.). Es war das letzte mal, dass die Jünger mit Jesus zu Abend aßen. Es ist als →das Letzte Abendmahl überliefert.

Das jüdische Paschafest orientiert sich am Mondkalender. Es wird am 14. Nissan gefeiert, also am 14. Tag des ersten Monats im Frühling. An diesem Tag ist Vollmond. Unser Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling und kann daher zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen.

Mit dieser Regelung kommt die Kirche den beiden historischen Tatsachen entgegen, die der wahre Termin des Auferstehungstages für das Datum eines Gedenktages mitbringt: einerseits den richtigen Wochentag (Sonntag, der Tag nach dem jüdischen Sabbat), und andererseits die astronomisch korrekte Lage des Tages im Jahreslauf (erster Vollmond im Frühling).

Die Osternacht

Liest man den Bericht des Matthäus genau, wird man feststellen, dass die Auferstehung Jesu in der Nacht vor dem Morgengrauen stattgefunden haben muss. Die Osterfeierlichkeiten werden deshalb mit einem Gottesdienst in der →Osternacht, am Vorabend des Ostersonntags, nach Einbruch der Dunkelheit eingeleitet. Somit beginnt das Osterfest bereits am →Karsamstag.

 
Empfehlungen: Das könnte Sie auch interessieren
Zum Artikel

Wann ist Ostern?

Die beweglichen Fest- und Feiertage im Jahreslauf hängen ab vom Osterdatum. Wir erläutern, wie sich das Osterdatum berechnet und nennen die aktuellen Daten der Feiertage.

→Mehr darüber in diesem Artikel.
Zum Artikel

Ostern und das Pascha-Fest

Die kleine Abhandlung führt uns zurück in die Zeit Jesu. Sie beleuchtet die historischen Hintergründe unseres Osterfests und unseres christlichem Abendmahls.

→Mehr darüber in diesem Artikel.
Das Geheimnis der Auferstehung | © Geschütztes Bildmaterial
Zum Artikel

Das Geheimnis der Auferstehung

Das Rätsel des leeren Grabes bleibt ungeklärt. Doch was bedeutet die Auferstehung Christi für uns heute? Gedanken über die Ereignisse des Osterfests.

Mehr darüber in diesem Artikel.
Off 1,18
Titel

Wochenspruch Ostern

Offenbarung 1,18 | Lutherbibel 1545

Jch war tod / vnd ſihe / Jch bin lebendig von ewigkeit zu ewigkeit /
vnd habe die Schlüſſel der Helle vnd des Tods.

→Beschreibung und Auswahl der Bildgröße in diesem Artikel.
Sabrina

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de
©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied der Europäischen Union.

 
Die Kalenderangaben beziehen sich ab dem Jahr 1949 auf Kalender der Bundesrepublik Deutschland (DE).
Die Datums- und Zeitangaben gelten nach Mitteleuropäischer Zeit (MEZ/MESZ | CET/CEST).
Fehler und Irrtümer sind nicht ausgeschlossen. Alle Angaben ohne Gewähr.