Der erste Brief des Petrus | Das Titelbild

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Die Briefe der Apostel

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Briefe der Apostel

Der 1. Brief des Petrus

Das Titelbild

Titelbild zum 1. Brief des Petrus
 

Eine Betrachtung

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Das Titelbild zum ersten Brief des Petrus

Eine Betrachtung

 
 

Der Holzschnitt

Dem ersten Brief des Petrus ist im ersten Kapitel ein Bild vorangestellt, das den Apostel Petrus zeigen soll. Der Druckstock ist als Holzschnitt erstellt worden, der die Maße ca. 15 x 11 cm besitzt.

In der Lutherbibel von 1545 kam der selbe Holzschnitt zum Einsatz, der bereits in früheren Auflagen verwendet wurde, so auch in der ersten Gesamtausgabe von 1534.

Am Fenster des Hauses (rechts im Bild) hatte der Künstler mit seinen Initialen »MS« und der Jahreszahl 1532 den Druckstock signiert. Bis heute ist unklar, wer dieser Künstler war, der mit »MS« signierte, und der maßgeblich an der grafischen Gestaltung der Lutherbibeln beteiligt war.

In der Ausgabe von 1534 wurde der Druck nachträglich von Hand aufwendig koloriert. Dadurch treten die Feinheiten des detailreichen Bildes deutlich hervor.

 

Unsere Abbildungen

Wir zeigen hier zum Vergleich beide Bilder aus dem ersten Brief des Petrus, Kapitel 1, den Schwarzdruck aus der Ausgabe von 1545, und den nachträglich kolorierten Druck aus der Ausgabe von 1534.

Klicken Sie auf das jeweilige Bild, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

 

Der Holzschnitt in der Ausgabe von 1545

Holzschnitt aus der Lutherbibel von 1545, Titelbild zum ersten Brief des Petrus

Abbildung: Titelbild zum ersten Brief des Petrus in der Lutherbibel von 1545.

 

Der Holzschnitt in der Ausgabe von 1534

Kolorierter Holzschnitt aus der Lutherbibel von 1534, Titelbild zum ersten Brief des Petrus

Abbildung: Titelbild zum ersten Brief des Petrus in der Lutherbibel von 1534.

Die Bildinhalte

Die Szene: Was das Bild zeigt

Das Bild zeigt eine bewaldete Landschaft. Im Vordergrund, auf einem Hügel außerhalb der Stadt, sitzt ein alter Mann im Garten vor dem Haus. Ein Nimbus, der Heiligenschein, zeichnet diese Person besonders aus. Vor der Person liegen auf dem Tisch ein riesiger Schlüssel und ein Buch. Der alte Mann überreicht ein Schriftstück an einen jüngeren Mann, der vor ihm steht und offensichtlich Anweisungen entgegen nimmt.

Rechts im Bild ist ein Haus zu sehen, hergestellt aus geschichtetem Felsbruch, eingedeckt mit Stroh. An den Ecken oberhalb des Fensters sind die Zahlen 1 und 5 zu erkennen, auf den Laibungen die Zahlen 3 und 2, auf dem Sturz die Zeichen M und S. Zusammen ergibt das die Signatur MS 1532.

Die Person: Der Apostel Petrus

Der Nimbus und die Symbole Schlüssel und Buch kennzeichnen den alten Mann eindeutig: Es ist der Apostel Petrus.

Die Symbole des Petrus

Der Schlüssel ist das Symbol für die Schlüssel des Himmelreichs, die Jesus dem Petrus versprochen hatte (→Mt 16,19).

Das Buch steht als Symbol für das Evangelium, genauer: für die Verkündigung des Evangeliums.

Die weiteren Symbole des Petrus, der Hahn (aus der Verleugnungsgeschichte) und das Schiff (von dem aus der Fischer seine Netze auswirft), sind in diesem Bild nicht gezeigt.

Der Nimbus

Der Nimbus, der »Heiligenschein«, ist seit der Antike ein Symbol in der Kunst und seit der frühen Ikonographie auch in christlich motivierten Abbildungen zu finden. Als Ring oder Strahlenkranz umgibt er den Kopf einer Person oder schwebt in geringem Abstand darüber.

Der Nimbus ist in der christlichen Religion den Abbildungen von Jesus Christus, von Päpsten, von Engeln und von Heiligen vorbehalten.

Der Nimbus über der sitzenden Person kennzeichnet sie in diesem Fall als Heiligen. Zu ihnen zählen auch die Apostel.

 

Abschlussbemerkung

Sinn der Titelbilder in den Evangelien und Briefen war es, den jeweiligen Autor vorzustellen, ohne ein einziges Wort dem gedruckten Text hinzufügen zu müssen.

Wie die übrigen Abbildungen in den Lutherbibeln jener Zeit ist auch dieses Bild vollgestopft mit Informationen, die im Wesentlichen über Symbolik transportiert werden. Die Bilder sind hochgradig verdichtete Informationsträger und keineswegs nur schmückendes Beiwerk.

Die Künstler, die diese Bilder entworfen hatten, waren Meister der Mediengestaltung. Sie nutzten kleinste Flächen, um ganze Geschichten zu erzählen. Sie schnitten mit einem Stecheisen aus einem kleinen Holzblock derart genau, dass die vielen Details auf dem Zielmedium im Druck trotz dicker Druckerschwärze und faseriger Papiere erkennbar blieben!

Verstand man es, diese Bilder »zu lesen«, konnten daraus wieder die Geschichten entwickelt und nacherzählt werden. Dies war vor allem für jene Betrachter wichtig, die des Lesens unkundig waren oder Hilfen benötigten, um die durchaus schwierigen Texte der Bibel zu verstehen. Die Bilder waren ein wichtiger Anreiz dafür, die Texte zu lesen oder Lesen zu lernen, und trugen so erheblich zur Bildung ganzer Bevölkerungsgruppen bei.

 
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