Bildbesprechung: 4. Buch Mose, Kapitel 21

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Die Geschichtsbücher des Alten Testaments

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Geschichtsbücher des Alten Testaments

Bildbesprechung

4. Buch Mose, Kapitel 21

Bild zum 4. Buch Mose, Kapitel 21
 

Eine Betrachtung

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

Hinweis: Aus dem 4. Buch Mose (Numeri) sind derzeit nur zehn von 36 Kapiteln verfügbar!

 

Die eherne Schlange

Das Bild zum
4. Buch Mose, Kapitel 21

Eine Betrachtung

 
 

Der Holzschnitt

Dem 4. Buch Mose ist im 21. Kapitel ein Bild beigefügt, das die Geschichte zeigt, in der Mose eine eherne Schlange aufstellt. Der Druckstock ist als Holzschnitt erstellt worden, der die Maße ca. 15 x 11 cm besitzt.

 

Unsere Abbildung

Wir zeigen hier eine aufbereitete Reproduktion des Bildes, das in der Lutherbibel von 1545 unkoloriert abgedruckt wurde.

Klicken Sie auf das Bild, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

 

Der Holzschnitt in der Ausgabe von 1545

Holzschnitt, Bild zum 4. Buch Mose, Kapitel 21

Abbildung: Die eherne Schlange
Bild zum 4. Buch Mose, Kapitel 21, in der Lutherbibel von 1545.

 

Die Bildinhalte

 

Die eherne Schlange (→4Mos 21,4-9)

Das Kapitel 21 des 4. Buchs Mose erzählt in den Versen 4 bis 9 die Geschichte, in der die Israeliten einmal mehr gegen Gott murrten und sich undankbar zeigten. Daraufhin schickte Gott Schlangen in die Lagerplätze der Israeliten. Viele Menschen starben an den Folgen der Schlangenbisse.

Doch Mose sollte eine Schlange aus Bronze gießen und aufstellen. Jeder, der von einer Schlange gebissen wurde und danach die bronzene Schlange ansah, überlebte schließlich die Vergiftung.

Das Bild zeigt::

  • Mose steht vor dem Pfahl, an dem er die bronzene Schlange angebracht hat. Er fordert gerade einen Israeliten auf, die Skulptur anzusehen.
  • Dieser Mann ist von einer Schlange gebissen worden, die noch an seinem linken Bein hängt. Aus dem Maul der Schlange zischt eine Flamme hervor zum Zeichen ihrer todbringenden Giftigkeit. Luther erläutert im Scholion, dass die Schlangen deshalb »feurige Schlangen« heißen, weil ihr Gift starkes Brennen und hohes Fieber verursacht.
  • Links im Bild stehen zwei Männer. Es handelt sich wohl im Josua (erkennbar an der Rüstung als Feldherr) und um Aarons Sohn, Eleasar, der dessen Nachfolge antrat (4Mos 20,28) und dafür die Kleidung seines Vaters trug. Diese beiden Männer sind die maßgeblichen Akteure in den Geschichten der späteren Landnahme.
  • Daneben sind etliche Körper zu erkennen, die offensichtlich tot am Boden liegen. Diese Menschen sind bereits am Schlangengift gestorben.
  • Weitere Personen werden gerade gebissen.
  • Die Menschen zeigen sich reumütig und bitten und betteln um Vergebung. Doch Abhilfe schafft nur der Blick auf die eherne Schlange, die Moses aufgestellt hatte.

 

Christus und die eherne Schlange

Die Symbolik der ehernen Schlange

In der Marginalspalte verweist Luther zu den Versen →21,8-9 auf Kapitel 3 des Evangeliums nach Johannes. Dort, im Vers 14, wird Christus mit der Schlange verglichen, die Mose auf Gottes Geheiß aus Erz geschaffen hatte und deren Anblick die von einer Schlange Gebissenen heilte:

14Vnd wie Moſes in der Wüſten eine Schlange erhöhet hat / Alſo mus des menſchen Son erhöhet werden /

→Joh 3,14

 

Nach diesem Text in Joh 3,14 ist die (am Kreuz) aufgerichtete eherne Schlange das Symbol für den gekreuzigten Christus.

Der Künstler hat diese Symbolik aufgegriffen und die Schlange auf einen Pfahl mit Querbalken derart positioniert, dass das Symbol des Kreuzes erkennbar wird. Dieses Kreuz steht zudem dominant in der Bildmitte, wie es von vielen Christusbildern bekannt ist.

Jetzt verändern sich Bild und Bildaussage. Das Bild zeigt nicht mehr nur die Geschehnisse in der Geschichte von der ehernen Schlange, die Mose im Lager der Israeliten aufgerichtet hatte, es vermittelt zudem wesentliche Inhalte christlichen Glaubens: Die Auferstehung, das ewige Leben, und das Gericht Gottes über gläubige und ungläubige Menschen.

Die im Bild vor der Schlange knienden und betenden Menschen sind nun plötzlich jene Christen, die an Christus glauben und so das ewige Leben gewinnen: sie knien vor dem Kreuz Christi. Die am Gift gestorbenen Menschen sind jene, die nicht an den Erlöser glaubten. Sie sind schon gerichtet (→Joh 3,18).

 

 

Allein durch Glauben

Lucas Cranach der Ältere, Das Alte und das Neue Testament als Gesetz und Evangelium, Holzschnitt

Abbildung: Das Alte und das Neue Testament als Gesetz und Evangelium

Autor: Lucas Cranach der Ältere, 1529; Quelle: Wikimedia.org; Lizenz: Public Domain


Dieser Holzschnitt von Lucas Cranach d. Älteren zeigt die Bedeutung der Geschichte von der eherenen Schlange im christlichen Verständnis des Alten Testaments.

Das Bild stelle nach allgemeiner Auffassung Altes (links) und Neues Testament (rechts) gegenüber. Im Alten Testament werden Erlösung und Verdammung durch das Gesetz Mose bestimmt. Im Neuen Testament wird die Erlösung allein durch den Glauben an Jesus Christus erreicht.

Der gekreuzigte Christus hat für den Sünder sein Blut gegeben (Blutstrahl aus der Seite Christi, mit dem der heilige Geist in Form einer Taube auf den Sünder vergossen wird) und den Tod besiegt (Christi Auferstehung aus dem Grab unten rechts). Die Verbindlichkeit besiegelt die Taufe (Johannes der Täufer vor dem Sünder, der nackt symbolisch die Taufe empfängt).

Interessant an diesem Bild ist: Im rechten Teil (Neues Testament) findet sich im Hintergrund eine Szene aus dem Alten Testament, aus 4Mos 21: Im Zeltlager der Israeliten hat Mose die eherne Schlange aufgerichtet.

Lucas Cranach zeigt die Geschichte der ehernen Schlange demnach als »Link«, als Verbindung zwischen Alten und Neuen Testament. Die Erlösung durch Christi Kreuzestod ist in der Geschichte der ehernen Schlange vorweggenommen: Allein durch den Glauben, nicht durch die Erfüllung des Gesetzes, schaffen es die von den Schlangen gebissenen (von der Sünde infizierten) Israeliten, dem Tod zu entkommen.

Genau genommen stellt das Bild somit nicht Altes und Neues Testament gegenüber, sondern die unterschiedlichen Wege zur Gerechtigkeit des Sünders vor Gott, nämlich durch die Erfüllung der Gesetze und Gebote einerseits und durch den Glauben andererseits.

Im linken Teil übertreten erstmals Adam und Eva ein Gebot Gottes. Seit dem führt der Weg bei Nichteinhaltung der Gesetze und Gebote Gottes unweigerlich zu unrühmlichen Tod und höllischen Qualen. Allein die Erfüllung des Gesetzes schützt vor der ewigen Verdammnis.

Im rechten Teil führt der Weg seit dem Kreuzestod Jesu allein durch Glauben zur Überwindung des Todes, also zur Auferstehung und zum ewigen Leben, erstmals so beschrieben in der alttestamentlichen Geschichte der ehernen Schlange. Die Gnade wird aufgrund des Glaubens erwiesen.

An die Stelle der himmlischen Ankläger und Richter ist der heilige Geist getreten (das Symbol der über den Szenen des rechten Bildteils fliegenden Taube mit Nimbus). An die Stelle des Moses, der auf die Verbindlichkeit des Gesetzes pocht, sind Engel getreten, die das Evangelium, die frohe Botschaft, verkünden und Johannes der Täufer, der stellvertretend für alle Prediger den Sohn Gottes und die Gnade durch Glauben bezeugt.

 

 

Abschlussbemerkung

Die Bilder zeigen meist mehrere Szenen aus einem Buch oder Kapitel gleichzeitig und führen den Leser visuell in Stoff ein.

Die Künstler, die diese Bilder entworfen hatten, waren Meister der Mediengestaltung. Sie nutzten kleinste Flächen, um ganze Geschichten zu erzählen. Sie schnitten mit einem Stecheisen aus einem kleinen Holzblock derart genau, dass die vielen Details auf dem Zielmedium im Druck trotz dicker Druckerschwärze und faseriger Papiere erkennbar blieben!

Verstand man es, diese Bilder »zu lesen«, konnten daraus wieder die Geschichten entwickelt und nacherzählt werden. Dies war vor allem für jene Betrachter wichtig, die des Lesens unkundig waren oder Hilfen benötigten, um die durchaus schwierigen Texte der Bibel zu verstehen. Die Bilder waren ein wichtiger Anreiz dafür, die Texte zu lesen oder Lesen zu lernen, und trugen so erheblich zur Bildung ganzer Bevölkerungsgruppen bei.

 
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Sabrina

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