Der Prophet Baruch| Kapitel 6

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Die Apokryphen des Alten Testaments

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Apokryphen des Alten Testaments

Der Prophet Baruch

Kapitel 6

 

Bar 6

 

Der Text in sechs Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 6

 

Nr.

Textstelle

alte Zählung

Textstelle

neue Zählung

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel VI

 

 

6

 

 

V. DER BRIEF DES JEREMIA

 

1

6,1-73

6,1-72

→Der Brief des Jeremia

 

Anm: Textfolge nach der Ausgabe von 1545, Angabe der Textstelle nach den Zählweisen bis 2016 und ab 2017.

Siehe dazu auch →Anmerkung 1 unten.

 

 

 

 

Der Próphet Barucĥ.

 

 

 
[205b]

 

VI.

 

 

V.
DER BRIEF DES JEREMIA

 

 

6

 

 

Der Brief des Jeremia

Vgl. Jer. 29,1-29

[1]

 

Zur Vers­zäh­lung sie­he
→Anmerkung 1

 

DIS iſt die abſchrifft der Epiſtel / die

Jeremias geſand hat / An die ſo gefangen weggefüret ſolten werden gen Babel / von dem könig zu Babel / Darin er jnen ſolches verkündiget / wie jm Gott befolhen hatte. 1[2]

 

 

VMb ewr Sünde willen / die jr gethan habt wider Gott / werdet jr gen Babel gefangen weggefüret werden / von NebucadNezar dem könige zu Babel. 2[3]Vnd jr werdet zu Babel bleiben müſſen eine lange zeit / nemlich / ſiebenzig jar / Darnach wil ich euch von dannen wider er aus füren mit friede.

 

3[4]VNter des aber werdet jr ſehen zu Babel / Das man auff den achſeln tragen wird / die ſilbern / gülden vnd hültzen Götzen / Fur welchen ſich die Heiden fürchten. 4[5]Darumb ſehet euch fur / das jr jnen ſolchs nicht nachthut / vnd den Heiden nicht gleich werdet. 5[6]Vnd wenn jr ſehet das Volck / das vor vnd nach gehet / die Götzen anbeten / So ſprecht in ewrem hertzen / HERr / Dich ſol man anbeten / 6[7]Denn mein Engel ſol bey euch ſein / Vnd ich wil ewer Seelen rechen. 7[8]

 

IRe Zunge iſt vom Werckmeiſter fein gemacht / vnd ſie ſind mit gold vnd ſilber gezieret / vnd haben geſchnitzte Zungen / Aber es ſind nicht rechte zungen / vnd können nicht reden. 8[9a]Sie ſchmücken ſie mit gold / wie eine Metze zum tantz / 9[9b]vnd ſetzen jnen kronen auff. 9[10a]Vnd die Pfaffen ſtelen das gold vnd ſilber von den Götzen / 10a[10b]vnd bringens vmb mit den Huren im Hurhaus. 10b[11]Vnd ſchmücken die ſilbern / gülden vnd hültzern Götzen mit Kleidern / als werens Menſchen. 11a[12]Sie können ſich aber nicht verwaren fur dem Roſt vnd Motten / 11b[13a]Vnd wenn man jnen ein Purpurkleid anzeucht / 12[13b]ſo mus man jnen den ſtaub abwiſchen / der auff jnen ligt.

 

13[14]VND er tregt ein Scepter in der hand / wie ein König / Vnd kan doch niemand ſtraffen / der jm leid thut. 14[15]Er hat auch ein Schwert vnd ein Axte in der hand / Er kan ſich aber der Diebe vnd Reuber nicht erwelen. Daran ſihet man wol / das ſie nicht Götter ſind / Darumb fürchtet ſie nicht.

 

15[16]GLeich wie ein Gefeſs / das ein Menſch brauchet / wenn es zubrochen wird / vnnütze iſt / Eben ſo ſind jre Götzen. 16[17]Wenn man ſie in jre Heuſlin ſetzt / werden ſie vol ſtaubs / von den füſſen dere / die hin ein gehen. 17[18]Die Prieſter verwaren der Götzen tempel mit thüren / ſchloſſen vnd rigeln / das ſie von den Reubern nicht geſtolen werden. Eben als wenn man einen gefangen legt vnd verwaret / der ſich am König vergriffen hat / vnd zum tode verurteilt iſt. 18[19]Sie zünden jnen Lampen an / vnd der viel mehr / denn ſie fur ſich ſelbs anzünden / Vnd ſehen doch nichts. 19[20]Sie ſind wie die Balcken im hauſe / Vnd die würm ſo auff der Erden kriechen / freſſen jr Hertz vnd jre Kleider / vnd ſie fülens doch nicht.

 

20[21]VNter jrem angeſicht ſind ſie ſchwartz vom rauch im Hauſe / 21[22]vnd die Nachteulen / Schwalben vnd ander Vogel / ſetzen ſich auff jre Köpffe / des gleichen auch die Katzen. 22[23]Daran jr ja mercken könnet / das es nicht Götter ſind / Darumb fürchtet ſie nicht.

 

23[24]DAs Gold das man vmb ſie henget / ſie da mit zu ſchmücken / gleiſſet nicht /

 

 
[205b | 206a]

 

 

Barucĥ     C. VI.

CCVI.

 

 

wenn man den roſt nicht abwüſchet. Da man ſie gegoſſen hat / fületen ſie es nicht / 24[25]Aus allerley köſtlicher materien hat man ſie gezeuget / Vnd iſt doch kein Leben darin. 25[26]Weil ſie nicht gehen können / mus man ſie auff den achſeln tragen. Daran die Leute ſehen können / das es ſchendliche Götter ſeien. 25[27a]

 

ES müſſen ſich auch jrer ſchemen / die ſie ehren / 26[27b]Darumb / das ſie weder von jnen ſelber können auffſtehen / ſo ſie auff die erden fallen / Noch ſich regen / ſo man ſie auffgericht hinſetzet / Noch ſich auffrichten / ſo man ſie lehnet. Vnd wie man den Todten opffer furſetzet / Alſo ſetzet mans jnen auch fur. 27[28]Ire Prieſter aber bringen das vmb / das jnen gegeben wird / Desgleichen auch jre Weiber braſſen dauon / vnd geben weder dem Armen noch dem Krancken etwas dauon. 28[29]Vnreine Weiber vnd Sechswöchnerin rüren jre Opffer an. Daran jr ja mercken könnet / das es nicht Götter ſind / Darumb fürchtet ſie nicht.

 

29[30]VND woher ſollen ſie Götter heiſſen? Denn die Weiber pflegen der ſilbern / gülden vnd hültzern Götzen. 30[31]Vnd die Prieſter ſitzen in jren Tempeln / mit weiten Chorröcken / ſcheren den Bart ab / vnd tragen Platten / ſitzen da mit bloſſen Köpffen / 31[32]heulen vnd ſchreien fur jren Götzen / wie man pflegt in der todten Begengniſſen / 32[33]Die Pfaffen ſtelen jnen jre Kleider / vnd kleiden jre Weiber vnd kinder dauon.

 

33[34]MAn thu jnen böſes vnd gutes / ſo können ſie es doch nicht vergelten. Sie vermügen weder einen König einzuſetzen / noch abzuſetzen. 34[35]Sie können weder gelt noch gut geben. Gelobet jnen jemand etwas / vnd helt es nicht / So foddern ſie es nicht. 35[36]Sie können einen Menſchen vom tod nicht erretten / noch einem Schwechern helffen wider den Starcken. 36[37]Sie können keinen Blinden nicht ſehend machen. Sie können einem Menſchen in der not nicht helffen. 37[38]Sie erbarmen ſich der Widwen nicht / vnd helffen den Waiſen nicht. 38[39]Denn ſie ſind hültzern / mit gold vnd ſilber gezieret / den Steinen gleich / die man aus dem Berg bawet / Darumb die ſie ehren / müſſen zu ſchanden werden.

 

39[40a]WIe ſol man ſie denn fur Götter halten / oder ſo heiſſen? 40a[40b]weil auch die Chaldeer nicht gros von jnen halten. 40b[41]Denn wenn ſie einen Stummen ſehen / der nicht reden kan / bringen ſie den Bel / vnd ſagen / der Stumme ſol jn anruffen / gleich als verſtünde ers / 41[42]Vnd wiewol ſie wiſſen / das kein Leben in jnen iſt / noch lauffen ſie jnen nach. 42[43]Die Weiber aber ſitzen fur der Kirchen mit ſtricken vmbgürtet / vnd bringen Obs zum opffer. 43[44]Vnd wenn jemand fur vbergehet / vnd eine von jnen hin weg nimpt / vnd bey jr ſchlefft / Rhümet ſie ſich wider die andern / das jene nicht ſey werd geweſt / wie ſie / das jr der Gurt auffgelöſet würde. 44[45]Alles was durch ſie geſchicht / iſt eitel triegerey / Wie ſol man ſie denn fur Götter halten / oder ſo heiſſen? 45[46]

 

VOn Werckmeiſtern vnd Goldſchmiden ſind ſie gemacht / vnd was die Werckmeiſter wollen / mus draus werden / vnd nichts anders. 46[47a]Vnd die ſo ſie gemacht haben / können nicht lange leben / 47a[47b]Wie ſolten denn das Götter ſein / ſo von jnen gemacht ſind? 47b[48]Darumb geben ſie den Nachkomen nur ergernis vnd urſache zur ſchendlichen Abgötterey. 48[49]Denn wenn Krieg oder ſonſt ein vnglück vber ſie komet / ratſchlahen die Pfaffen vnternander / Wo ſie ſich zu gleich mit den Götzen verbergen wollen. 49[50]Darumb kan man wol mercken / das es keine Götter ſind / weil ſie ſich ſelber weder fur Krieg noch anderm vnglück ſchützen können / 50[51]Denn es ſind doch nur hültzern / vergüldet vnd vberſilberte Götzen.

 

DArumb kan man nu fort wol erkennen / das es triegerey iſt / allen Heiden vnd Königen offenbar / vnd nicht Götter / ſondern von Menſchen henden gemacht / vnd iſt keine Gottheit in jnen. 51[52]Darumb kan jederman wol mercken / das es nicht Götter ſind. 52[53]Denn ſie erwecken keinen König im Lande / Sie geben den Menſchen nicht regen / 53[54a]vnd nemen ſich keins regierens noch ſtraffens an / 54a[54b]So wenig als die Vogel / ſo in der Lufft hin vnd wider fliegen.

 

54b[55]WEnn das Haus der hültzern / vergüldeten vnd vberſilberten Götzen

 

 
[206a | 206b]

 

 

Barucĥ    C. VI.

 

 

vom fewr angehet / So lauffen die Pfaffen dauon / vnd verwaren ſich fur ſchaden / Sie aber verbrennen / wie ander Balcken. 55[56a]Sie können weder Königen noch keinem Kriegsuolck nicht widerſtehen / 56a[56b]Wie ſol man ſie denn fur Götter halten oder nennen?

 

56b[57]DIe hültzern / vberſilberte vnd vergüldete Götzen können ſich nicht ſchützen fur Dieben vnd Reubern / 57[58]Denn ſie ſind jnen zu ſtarck / das ſie ſie berauben vnd ausziehen / nemen jnen gold / ſilber vnd kleider weg / vnd komen dauon / So können ſie jnen ſelber nicht helffen. 58[59]Darumb iſt viel beſſer ein König ſein / der ſeine macht beweiſen kan / Oder ein nützlich Hausrat ſein / das im Hauſe nütze iſt / Oder eine Thür / die das Haus verwaret / oder eine Hültzerne Seule in einem königlichen Saal / denn ein ſolcher onmechtiger Götze.

 

59[60]SOnn / Mond vnd Sterne ſcheinen / vnd ſind gehorſam / wie ſie Gott heiſſt / 60[61]Desgleichen der Blitz leuchtet / das man jn ſihet / Der Wind wehet in allen Landen / 61a[62]Vnd die Wolcken faren durch die gantze welt / vnd thun was ſie Gott heiſſt. 61b[63]Alſo auch das Fewr von oben her / ſchlegt berge vnd welde / vnd thut was jm geboten iſt. 62[64a]Die Götzen aber können ſich weder regen noch etwas thun. 63[64b]Darumb ſol man ſie nicht fur Götter halten / oder ſo heiſſen / Denn ſie können weder ſtraffen noch helffen. 64[65]

 

WEil jr denn wiſſet / das es nicht Götter ſind / So fürchtet euch nicht fur jnen / 65[66]Denn ſie können die Könige weder verfluchen noch ſegenen. 66[67]Sie können auch kein Zeichen am Himel den Heiden anzeigen. Sie können es nicht liecht machen / wie die Sonne / noch einen ſchein geben / wie der Monde. 67[68]Die vnuernünfftigen Thier ſind beſſer denn ſie / die können doch in eine Hüle fliehen / vnd ſich verwaren.

 

68[69]DARumb iſt aller ding offenbar / das ſie keine Götter ſind. 69[70]Denn wie ein Schewſal im Garten nichts verwaren kan / Alſo ſind auch jre hültzern / vergüldete vnd vberſilberte Götzen kein nütz. 70[71]Vnd wie eine Hecken im Garten iſt / darauff allerley Vogel niſten / oder / wie ein Todter der im Grabe ligt / Alſo ſind jre hültzern / vergüldete vnd vberſilberte Götzen.

 

71[72]AVch kan man es daran mercken / das ſie nicht
Götter ſind / Denn der Scharlacken / den ſie vmbhaben / wird von den Motten zufreſſen /
vnd ſie ſelbs endlich auch dazu / das jr
jederman ſpottet.
72[73]Wol dem
Men ſchen der Gerecht iſt / vnd
keine Götzen hat / Der wird
nicht zu ſpot.

 

 

Ende des Buchs Baruch.

 

 

❦❧

 

*1)

Kapitelzählung

In neuen Ausgaben folgen die Kapitel einer anderen Einteilung.

 

Verszählung

Es liegen zwei verschiedene Verszählungen vor:

Die Zählung, in grüner Schrift und (wie in der Lutherbibel von 2017) in eckigen Klammern gesetzt, bezieht sich auf die Ausgaben der Lutherbibel bis 2017. Die Übersetzung der älteren Lutherbibeln seit 1534 stützt sich überwiegend auf die lateinische Übersetzung, die der Kirchenvater Hieronymus vorgenommen hatte, und die in der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert weit verbreitet war.

Die Zählung (wie bei uns üblich) in roter Schrift gesetzt, folgt nun der Lutherbibel von 2017, die sich mit ihrer völlig neu besorgten Übersetzung nun auf den griechischen Quelltext der Septuaginta stützt und deren Zählung zugrunde legt.

Diese Zählung wird in allen künftigen Publikationen der evangelischen Kirchen maßgeblich sein.

 

Hinweis zum Gebrauch und zur Lutherbibel von 2017

Die Texte des Buchs Baruch weichen in der Lutherbibel 2017 wegen der Neuübersetzung basierend auf der Septuaginta stellenweise erheblich von der hier gezeigten Textform und von den Ausgaben bis 2017 ab.

Die Versangaben in allen älteren Ausgaben sowie in Dritttexten, z. B. in den Gottesdienstordnungen, beziehen sich derzeit noch durchweg auf die ältere Notation, wie wir sie in Klammern wiedergegeben haben.

 

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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