Das Buch der Psalmen
Psalm XCI.

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

∙ Der Psalter ∙
Die Bücher der Psalmen

 

XCI.

 

Ps 91,1-16

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Unter Gottes Schutz

 
Auswahl der Psalmen
 

 

Der Psalm 91 aus Luthers Biblia 1545

Der Pſalter.

 

 

XCI.

 

WER vnter den Schirm des Höheſten ſitzt / Vnd vnter dem ſchat­ten des Allmechtigen bleibt.

2Der ſpricht zu dem HERRN / meine Zuuerſicht / vnd meine Burg / Mein Gott / auff den ich hoffe.

3DEnn er errettet mich vom ſtrick des Jegers / Vnd von der ſchedlichen Peſtilentz.

 
 
 
(Warheit)

Wort vnd ver­heiffung der Gnaden.

4ER wird dich mit ſeinen Fittichen decken / vnd deine Zuuerſicht wird ſein vnter ſeinen Flügeln / Seine Warheit iſt Schirm vnd Schild.

5DAS du nicht erſchrecken müſſeſt fur dem grawen des Nachts / Fur den Pfeilen die des tages fliegen.

Allerley vn­glück zeige er mit an / Es ſey gewalt / vn­recht / lift / tü­cke/ frevel etc.

6Fur der Peſtilentz die im finſtern ſchleicht / Fur der Seuche die im mittage verderbet.

7OB tauſent fallen zu deiner Seiten / Vnd zehen tauſent zu deiner Rechten / So wird es doch dich nicht treffen.

8Ja du wirſt mit deinen augen deine luſt ſehen / Vnd ſchawen / wie es den Gottloſen vergolten wird.

9DEnn der HERR iſt deine Zuuerſicht / Der Höheſt iſt deine Zuflucht.

10Es wird dir kein Vbels begegen / Vnd keine Plage wird zu deiner Hütten ſich nahen.

→Matt. 4.

11DEnn er hat ſeinen Engeln befolhen vber dir / Das ſie dich behüten auff alle deinen wegen.

12Das ſie dich auff den henden tragen / Vnd du deinen fus nicht an einen ſtein ſtöſſeſt.

13AUff dem Lewen vnd Ottern wirſtu gehen / Vnd tretten auff den Jungenlewen vnd Drachen.

14ER begert mein / ſo wil ich jm aushelffen / Er kennet meinen Namen / darumb wil ich jn ſchützen.

15Er rüffet mich an / ſo wil ich jn erhören / Ich bin bey jm in der Not / Ich wil jn er aus reiſſen / vnd zu Ehren machen.

16Ich wil jn ſettigen mit langem Leben / Vnd wil jm zeigen mein Heil.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Matth.
Matt.
Mat.
Math.
Euangelium S. Mattheus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Mattheum

Das Evangelium nach Matthäus

Matthäusevangelium

Mt

Mt

Mt

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 91 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: HERR

1: Höheſten

1: Allmechtigen

2: Zuuerſicht

3: Peſtilentz

4: Fittichen

5: Grawen

8: Gottloſen

11: Engeln

12: henden

13: Lewen

13: wirſtu

13: Jungenlewen

13: Drachen

16: Heil

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen:
Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text Ps 91

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR oder HERR

 

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Ver­sa­li­en (Groß­buch­sta­ben) folgt einer fes­ten Re­gel. Sie weist da­rauf hin, dass im he­brä­i­schen Text an die­ser Stel­le das Te­tra­gram­ma­ton (das Vier­fach­zei­chen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der un­aus­sprech­li­che Na­me Gottes.

 

 

Satztechnisch bedingte Varianten

 

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zei­le zu spa­ren, wo­durch über­mäßi­ger Sperr­druck oder un­güns­ti­ge Wort­um­brü­che ver­mie­den wer­den, sind in der Lu­ther­bi­bel von 1545 häu­fig auch die Va­ri­an­ten HERr oder HERRn oder HERrn zu fin­den. Da­bei sind min­des­tens die ers­ten drei Zei­chen in Ver­sa­li­en ge­setzt, wo­mit sie hin­rei­chend von HErr un­ter­scheid­bar sind.

 

An wenigen Stel­len im Text wur­de ei­ne für uns un­üb­li­che Tren­nung im Wort vor­ge­nom­men, um einen Zei­len­um­bruch zu re­a­li­sie­ren, hier bei­spiel­haft ge­zeigt:

 

[ ...] fur den HER-

RN bringen [...]

 

 

HERR HErr

 

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im he­brä­i­schen Text »JHWH Adonaj« zu le­sen ist. (Siehe da­zu auch den Ar­tikel →HErr.)

 

Auch die um­ge­kehr­te Rei­hen­fol­ge HErr HERR ist mög­lich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

 

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

 

Die Aussprache des Namens Gottes

 

Das Wissen um die Aus­spra­che der vier Zei­chen, die den Got­tes­na­men aus­ma­chen, ist schon früh in der Ge­schich­te ver­lo­ren ge­gan­gen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vo­ka­li­siert ge­schrie­ben יְהוָה nach der Aus­spra­che des he­brä­i­schen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה eben­falls nach dem he­brä­i­schen Adonaj, Herr, je­doch un­ter Be­rück­sich­ti­gung aller Vo­ka­le) tran­s­k­ri­biert, aber auch mit »Jewah« (eben­falls יְהוָה aber nach dem he­brä­i­schen Sche­ma, der Name, zu le­sen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem he­brä­i­schen Elo­him, Gott/Götter).

 

 

Luthers Namensersatz

 

Luther kannte die vo­ka­li­sier­ten Va­ri­an­ten und die tran­s­k­ri­bier­ten For­men und war wohl be­son­ders dem Wort »Je­ho­va« zu­ge­neigt. Es be­zieht alle drei Vo­ka­le aus dem Wort Adonaj, das »Herr« be­deu­tet. Den­noch hat­te er es ver­mie­den in sei­ner Über­setzung »Je­ho­va« zu ver­wen­den. Statt­des­sen nutz­te er wie die la­tei­ni­schen Bi­beln ei­nen Wort­er­satz. Er setzte das deut­sche Wort ein, das ge­mäß der jü­di­schen Tra­di­ti­on zu le­sen sei, wenn im Text das Vier­fach­zei­chen er­scheint, mach­te es aber durch die be­son­de­re Satz­wei­se in Groß­buch­sta­ben kennt­lich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in et­li­chen Bi­bel­aus­ga­ben ge­hal­ten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament ver­wen­det Luther die Schreib­wei­se HERR in Ver­sa­li­en (Groß­buch­sta­ben) für Gott, den Va­ter, an Stel­len, wo sich Zi­ta­te aus dem Al­ten Tes­ta­ment auf »JHWH« be­ziehen.

 

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

 

SK Version 25.11.2019  

→Register

Höheſte

 

Höhest

Höchste, der

Substantivierung von: höchst (weit oben, sehr hoch)

 

Als Rangbezeichnung und Ehrenbezeichnung besonders für Gott, aber auch für Könige gebraucht.

 

hebräisch: עליון (ʿäljôn), Oberer, Höchster

abgeleitet von עָלָה (ʿalāh), hinaufgehen, aufsteigen

 

→Psalm 18,14

 

Vnd der HERR donnerte im Himel / Vnd der Höheſt lies ſeinen donner aus

 

Und der HERR donnnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen

 

 

 

SK Version 25.11.2019  

→Register

Allmechtige

Allmächtige, der

Substantivierung von: allmächtig (Adverb; von/mit umfassender, gewaltiger Macht)

 

Als Rangbezeichnung und Ehrenbezeichnung besonders für Gott gebraucht.

 

 

 

SK Version 05.10.2019  

→Register

Zuuerſicht

 

zuuerſicht

Zuversicht, die

ursprünglich: das Voraussehen auf etwas oder eine Person

 

1) die Erwartung des Künftigen

2) die Erwartung dessen, was man wünscht, die Hoffnung

3) das Vertrauen auf Gott und das, was er gewährleistet

4) die feste, untrügliche Annahme der Erwartung

5) das Vertrauen, das man auf sich und seine Fähigkeiten hat

 

Zuuerſicht
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
42 27 4 11

 

Das Wort zuuersicht kommt besonders oft im Psalter vor (sechszehn Fundstellen).

 

 

→Psalm 94,22

 

Mein Gott iſt der Hort meiner zuuerſicht.

 

 

→Psalm 142,6

 

HERR / zu dir ſchrey ich / vnd ſage / Du biſt meine Zuuerſicht /

 

Herr, zu dir schreie ich und sage: Du bist meine Zuversicht!

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Peſtilentz

Pestilenz, die

die Pest

eine ansteckende Krankheit, die zum Tode führen kann, sich schnell ausbreitet und so viele Opfer fordert, eine Seuche.

 

→Psalm 91,3

 

Denn er errettet mich vom ſtrick des Jegers / Vnd von der ſchedlichen Peſtilentz.

 

Denn er rettet mich vor dem Fallstrick des Jägers und vor der schädlichen Pest.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Fittig

 

Fittich

Fittich, der

a) Flügel, davon besonders die Federn der Vorkante des Flügels von Vögeln und die langen Schwungfedern

b) übertragen auf etwas: Fliegendes oder Flatterndes

c) übertragen auf jemanden oder etwas: Schutz bietendes (wie unter ausgebreiteten Flügeln), (Schutz-)Schirm

d) an Kleidung und Stoffen: Zipfel, Saum, äußere Randteile von Kleidern, Röcken, Mänteln, Jacken, Umhängen usw.

 

Fittig
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
6 6 0 0

Fittich
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
7 7 0 0

 

 

Federn: →1Mos 7,14

 

vnd allerley Vogel nach jrer art / Alles was fliegen kund / vnd alles was fittich hatte / 15das gieng alles zu Noah in den Kaſten

 

und allerlei Vögel nach ihrer Art, alles was fliegen konnte, alles was Federn hatte, das ging alles zu Noah in die Arche

 

 

 

übertragen: →Psalm 18,11

 

Er ſchwebet auff den fittigen des winds.

 

a) Er schwebt auf den Fittichen des Windes.

 

b) Er schwebt auf dem wehenden Wind.

 

 

übertragen: →Psalm 91,4

 

ER wird dich mit ſeinen Fittichen decken / vnd deine Zuuerſicht wird ſein vnter ſeinen Flügeln / Seine Warheit iſt Schirm vnd Schild.

 

Er wird dich mit seinen Fittichen bedecken, und deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schrim und Schild.

 

 

an Kleidung: →4Mos 15,38

 

Rede mit den kindern Iſrael / vnd ſprich zu jnen / das ſie jnen Lepplin machen an den fittigen jrer Kleider vnter alle ewren Nachkomen / vnd gele Schnürlin auff die Lepplin an die fittig thun.

 

a) Rede mit den Kindern Israel und sprich zu ihnen, damit sie Quasten an den Säumen ihrer Kleider machen unter allen euren Nachkommen und gelbe Schnürchen auf die Quasten an den Säumen tun.

 

b) Rede mit den Kindern Israel und sprich zu ihnen, damit sie und alle eure Nachkommen Quasten an den Säumen ihrer Kleider fertigen, verziert mit purpurblauen* Schnüren.

 

* Anm.: Luther bezeichnet die Farbe der Schnüre als gel, also gelb. Doch gemeint ist ein rötlich-blauer Farbton, wie er beim Färben von Stoff mit dem Saft der Purpurschnecke entsteht. Eindeutig lässt sich das nicht bestimmen. Die Farbpalette der Farben, gewonnen aus der Purpurschnecke, ist sehr breit und reicht von sehr hellen Rottönnen über bläuliche und violette Töne bis hin zu Schwarz.

 

 

 

SK Version 20.10.2019  

→Register

Grawen

 

grawen

Grauen, das

Substantivierung von →grawen (Verb)

 

a) Ekel, Abscheu, sittliches Entsetzen, Entrüstung

b) Übelkeit, Brechreiz

c) Widerwille, Abneigung, Ablehnung

d) Entsetzen, entrüstetes Entsetzen, Furcht

e) Furcht, existentielle Furcht, Seelenangst, lähmendes Entsetzen, lähmende Furcht

f) Schreckensahnung, Furcht vor einem undurchsichtigen Geschehen

g) Schauern vor etwas Gespenstischen, Spukhaften, Angsteinflössenden

h) Zustand einer psychischen Erregung oder Reizempfindlichkeit

 

→Psalm 91,5

 

DAS du nicht erſchrecken müſſeſt fur dem grawen des Nachts

 

a) Das du nicht erschrecken müsstest vor der Furcht in der Nacht

b) Das du nicht erschrecken müsstest vor Angsteinflössendem in der Nacht

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Gottloſe

 

Gotloſe

Gottlose, der

Substantivierung von: →gottlos (Adjektiv)

 

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

1) Zustand: los von Gott; von Gott los [sein]; von Gott verlassen; ohne Gott.

2) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

Engel

Engel, der

griechisch: ἄνγελος (ángelos)

lateinisch: angelus

Übersetzung vom Hebräischen: מלאך (mal'ach)

 

(göttlicher) Bote, der

 

Engel sind Geistwesen, die im religiösen Verständnis von Gott erschaffen wurden und ihm unterstellt sind. Sie sind Teil der himmlischen Heerscharen und treten oft als Boten Gottes auf.

 

 

SK Version 25.11.2019  

→Register

Hand

 

Hende

Hand, die

 

Hände, die

→Psalm 141,2

 

Mein Gebet müſſe fur dir tügen / wie ein Reuchopffer / Meine hende auffheben / wie ein Abendopffer.

 

Mein Gebet soll dir erscheinen wie ein Rauchopfer, das Erheben meiner Hände wie ein Abendopfer.

 

Nimm mein Gebet als Rauchopfer und das Erheben meiner Hände als Abendopfer.

 

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

Lew

 

Lewe

Löwe, der

a) das Tier: der Löwe

b) die bildliche Übertragung auf Menschen, wobei oft die Stärke, die Kühnheit und die Raubgier des Löwen das Bild bestimmen.

 

Beide Schreibweisen, mit und ohne »e« am Ende sind möglich.

 

→Psalm 10,9

 

Er lauret im verborgen / wie ein Lew in der hüle

 

Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe in der Höhle.

 

→Hiob 10,16

 

Vnd wie ein auffgereckter Lewe jageſtu mich /

 

Und wie ein aufgerichteter [im Sprung befindlicher] Löwe jagest du mich [ ganz sicher].

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

wirſtu

wirst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von werden (Verb)

 

Präsens:

wirſtu: wirst du

 

Die Fle­xi­on mit dem an­ge­häng­ten »u« ist ei­ne ei­gen­tüm­li­che Form, die sonst nur noch aus älte­ren Tex­ten be­kannt ist. Ge­bil­det wur­de sie aus der 2. Per­son, zu­sam­men­ge­zo­gen mit dem Per­so­nal­pro­no­men »du«, aus dem das »u« stammt. Die­se Form im­pli­ziert ei­ne ge­wis­se Dring­lich­keit und Di­rekt­heit der An­spra­che, die un­mit­tel­ba­re Hin­wen­dung zum Ge­gen­über. So kann es die un­zwei­fel­haf­te Fest­stel­lung des Han­delns, die dring­li­che An­spra­che oder die un­mit­tel­ba­re Auf­for­de­rung zum Han­deln be­deu­ten (In­di­ka­tiv in der Aus­sa­ge), die Er­fül­lung ein­for­dern, mut­maßen bzw. un­ter­stel­len (Kon­junk­tiv), oder zur Ant­wort und Er­klä­rung auf­for­dern (Verb in der Fra­ge).

 

Heute ist statt­des­sen das Verb in sei­ner ge­bräuch­li­chen Fle­xi­on ver­bun­den mit »du« zu ver­wen­den. Die Di­rekt­heit oder ei­ne Auf­for­de­rung kann besten­falls durch ei­ne Sinn tra­gen­de Bei­fü­gung um­schrie­ben wer­den ab­hän­gig vom Kon­text. Sie kann ggf. durch einen Im­pe­ra­tiv he­raus­ge­stellt werden.

 

wirſtu: wirst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Psalm 8,6

 

Du wirſt jn laſſen eine kleine zeit von Gott verlaſſen ſein / Aber mit ehren vnd ſchmuck wirstu jn krönen.

 

Du wirst ihn kurze Zeit von Gott verlassen sein, doch dann krönst du ihn mit Ehren und Schmuck!

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Jungenlew

Junglöwe, der (veraltet)

 

junger Löwe

→Psalm 91,13

 

Auff dem Lewen vnd Ottern wirſtu gehen / Vnd tretten auff den Jungenlewen vnd Drachen.

 

Du gehst auf Löwen und Vipern, Junglöwen und Schlangen wirst Du niedertreten.

 

Das Bild, das Autor des Psalms zeichnet, stellt paarweise Löwe und Viper (die erwachsenen, zeu­gungs­fä­hi­gen Tiere), sowie Junglöwe und Schlange (Schlangenbrut), die Nachkommen, nebeneinander.

 

 

 

SK Version 25.11.2019  

→Register

Drache

Drache, der

mystische Tiergestalt, Ungeheuer

 

1) In →Psalm 44,20: Schakal

 

zu 1) hebräisch: תָּן (tan), Schakal

 

Die Bedeutungen des Wortes im Einzelnen:

 

  1. 1a) Schakal
  2. 1b) Wolf,
  3. 1c) Bewohner verwüsteter Gegenden,
  4. 1d) Kreaturen, die Klagelaute ausstoßen

 

2) In →Psalm 91,13: Schlange

 

zu 2) hebräisch: תַּנִּין (tannin): Schlange

 

Die Bedeutungen des Wortes im Einzelnen:

 

  1. 2a) großer Seefisch (Walfisch, Haifisch u. ä., z.B. →1Mos 1,21; →Psalm 148,7)
  2. 2b) mystisch übertragen: großes Seeungeheuer, Drachen (z.B. →Jes 51,9; →Psalm 74,13)
  3. 2c) Schlange (z.B. 2Mos 7,9ff.; →Psalm 91,13)
  4. 2d) übertragen: Bild für Ägypten (z. B. →Jes 27,1)
  5. 2e) übertragen: Bild für (das mächtige Ungeheuer) König Nebukadnezar (Jer 51,34)

 

Beide Wörter gehen in der hebräischen Sprache auf den selben Wortstamm ( תנן) zurück, was erklären mag, warum Luther sie identisch übersetzte. Dabei entschied er sich gegen die konkrete Bezeichnung eines Tieres, die ihm wohl zu schwach erschien, für das mystische Bild des »Drachens«.

 

Der Drache ist ein Ungeheuer, das die Gestaltmerkmale und Wesenzüge unterschiedlicher Tiere besitzt, aber vielfach mächtiger als jedes dieser Tiere selbst ist.

 

→Psalm 44,20

 

Das du vns ſo zurſchlegeſt vnter den Drachen / Vnd bedeckeſt vns mit finſternis.

 

a) Das du uns so zerschlägst unter den Schakal und bedeckst uns mit Finsternis

b) Das du uns so zerschlägst unter die Herrschaft des Tyrannen und bedeckst uns mit Finsternis.

c) Das du uns so zerschlägst unter die Völker der Wüste und bedeckst uns mit Finsternis.

 

Luthers Scholion in Psalm 44 belegt, dass er den Drachen als Metapher für tyrannische Völker verstanden wissen will:

(Drachen) Das iſt / Den gifftigen Tyrannen.

 

Erläuterung zum Bild des Schakals:

 

Der Schakal ist ein typischer Bewohner der Wüste, dessen Geheul an die Klagelieder Trauernder erinnert. Er steht als Metapher für kriegerische Wüstenvölker bzw. fremde Heere, die über die Wüste kommend in das Land einfielen. Wo sie raubten und plünderten, hörte man noch lange die Klagelieder der Bewohner von weit her.

 

→Psalm 91,13

 

Auff dem Lewen vnd Ottern wirſtu gehen / Vnd tretten auff den Jungenlewen vnd Drachen.

 

Du gehst auf Löwen und Vipern, Junglöwen und Schlangen wirst Du niedertreten.

 

Das Bild, das Autor des Psalms zeichnet, stellt paarweise Löwe und Viper (die erwachsenen, zeugungsfähigen Tiere), sowie Junglöwe und Schlange(nbrut) (die Nachkommen) nebeneinander.

 

 

 

SK Version 25.11.2019  

→Register

Heil

Heil, das

im unterschiedlichen Sinn gebraucht umfasst es immer eine positive Wendung (beispielsweise Genesung von Krankheit). Es impliziert u. a. Wohlergehen, Wohlbefinden, Glück, Rettung aus irgendeiner Gefahr oder Not, usw.

 

Luther sieht hinter dem Wort Heil mehr als nur das Wort »Hilfe«, das sich im hebräischen Text befindet, und nutzt es stattdessen. Es impliziert den Sieg, die Kehrtwende zum Guten hin.

 

 

→Psalm 98,2

 

Der HERR leſſt ſein Heil verkündigen

 

Frei übersetzt: Jahwe lässt verkündigen, dass er die Hilfe zum Sieg ist (über Feinde, Gottlose, Ungerechtigkeit, Unrecht, usw.).

 

→Psalm 98,3

 

Aller welt ende ſehen das Heil vnſers Gottes.

 

Frei übersetzt: Die ganze Welt sieht die Hilfe unseres Gottes <bei der Wende zum Guten hin>.

 

 

 

SK Version 19.11.2019  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe der Lutherbibel von 1545

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel ist auf un­se­ren Sei­ten in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
 
Anhang

Der Psalm 91 im evangelischen Kirchenjahr

Ordnung der Predigtexte und Lesungen 1978/1979 - 2017/2018

1. Sonntag der Passionszeit – Invokavit | Psalm 91,1-4.11-12

Sonntag Invokavit
Zum Artikel

Sonntag Invokavit 2017/2018

Der Wochenspruch, der Wochenpsalm und die Textstellen für Bibellesungen und Predigten nach der Kirchenordnung in der Übersicht.

Mehr dazu in diesem Artikel.
 

Ordnung der Predigtexte und Lesungen ab 2018/2019

1. Sonntag der Passionszeit – Invokavit | Psalm 91,1-6.9-12

Sonntag Invokavit
Zum Artikel

Sonntag Invokavit 2018/2019

Der Wochenspruch, der Wochenpsalm und die Textstellen für Bibellesungen und Predigten nach der Kirchenordnung in der Übersicht.

Mehr dazu in diesem Artikel.
 
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SK Version 15.11.2019  

 
 
Biblia
1545
Ps
91