Das Buch der Psalmen | Psalm 42

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 42

 

Ps 42

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Ein Klagelied eines Leviten im Exil (1)

Die beiden Psalmen 42 und 43 sind als ein Psalm zu verstehen und im Zusammenhang zu lesen.

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 42 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

XLII.

1Ein vnterweiſung der kinder
Korah / vor zu ſingen.

 

WJe der Hirſch ſchreiet nach friſchem Wa­ſſer / So ſchreiet mei­ne ſeele Gott zu dir.

 
 
 
(Gottes angeſicht) Da Gott wonet / Als im Tempel vnd wo ſein Wort iſt.

3Meine Seele dürſtet nach Gott / nach dem lebendigen Gott / Wenn werde ich da hin ko­men / das ich Gottes angeſicht ſchawe?

4Meine Threne ſind meine Speiſe tag vnd nacht / weil man teglich zu mir ſagt / Wo iſt nu dein Gott?

5Wenn ich denn des innen werde / ſo ſchütte ich mein hertz heraus bey mir ſelbs / Denn ich wolt gerne hin gehen mit dem Hauffen / vnd mit jnen wallen zum Hauſe Gottes / mit frolocken vnd dancken / vnter dem Hauffen die da feiren.

 
 
 
 
(Angeſicht)

Ist ſein erkentnis vnd gegenwertigkeit durchs wort vnd glauben.

6WAS betrübeſtu dich meine Seele / vnd biſt ſo vnrügig in mir? harre auff Gott / Denn ich werde jm noch dancken / das er mir hilfft mit ſei­nem Angeſicht.

 
a

Das iſt / im Jüdiſchenlande welches er ſo nennet / weil der Jordan drinnen fleuſſet / als das Landwaſſer. Vnd Hermonim die groſſen Berge drumb ſind / Gegen welche der berg Zion klein iſt.

7Mein Gott / betrübt iſt meine Seele in mir / Darumb gedencke ich an dich im a Lande am Jordan vnd Hermonim / auff dem kleinen Berg.

8Deine b Flut rauſchen da her / das hie eine tieffe vnd da eine tieffe brauſen / Alle deine Waſſerwogen vnd Wel­len gehen vber mich.

9DEr HERR hat des tages verhei­ſſen ſeine Güte / Vnd des nachts ſinge ich jm / vnd bette zu Gott meins lebens.

 
b
(Flut)

Gleich wie im Rotten meer den Egyptern geſchah.

10ICh ſage zu Gott meinem Fels / War­umb haſtu mein vergeſſen? War­umb mus ich ſo trawrig gehen / wenn mein Feind mich drenget?

11Es iſt als ein mord in meinen beinen / das mich meine Feinde ſchmehen / Wenn ſie teglich zu mir ſagen / Wo iſt nu dein Gott?

 
 
 
 
(Meines an­geſichts)

Das iſt / Er wird mein An­geſicht nicht la­ſſen zu ſchan­den werden / Vt ſup. Pſal.34. Sondern mich frölich laſſen erhöret ſein.

12WAs betrübſtu dich meine Seele / vnd biſt ſo vnrügig in mir? harre auff Gott / Denn ich werde jm noch dancken / das er meines ange­ſichts hülffe vnd mein Gott iſt.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Sup.

Latein: [vide] supra Kapitelnummer

»[Siehe] [weiter] oben, Kapitelnummer«oder
»[Siehe] oben, [im selben Buch] Kapitelnummer«.

Pſal.
Der Pſalter.

Biblia Vulgata: Psalmi

Der Psalter

Die Psalmen

Das Buch der Psalmen

Ps

Ps

Ps

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 42 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: kinder Korah

1: vor zu ſingen

2: ſchreiet

2: ſeele

3: ſchawe

4: Threne

5: bey

5: wallen

6: betrübeſtu

6: vnrügig

6: harre

7: Hermonim

8: hie

10: haſtu

12: betrübſtu

12: Seele

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Kinder Korah

Die Kinder Korach

Kinder Korah
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
13* 13 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Aus der Linie der späten Nachkommen Korachs (Korhither; 2Mos 6,24). gehörten wohl etliche zu einer Sängergilde.

 

Die folgenden elf Psalmen bezeichnen in der Überschrift die Kinder Korachs als Autoren:

 

→Ps 42, →Ps 44, →Ps 45, →Ps 46,

→Ps 47, →Ps 48, →Ps 49,

→Ps 84, →Ps 85, →Ps 87, →Ps 88

 

Daneben werden die kinder Korah noch in 2Mos 6,24 und in 4Mos 26,11 genannt:

 

→2Mos 6,24

 

Die kinder Korah ſind dieſe / Aſſir / Elkana / Abiaſſaph / Das ſind die geſchlechte der Korinter.

 

→4Mos 26,10-11

 

Vnd die Erde jren mund auffthet / vnd ſie verſchlang mit Korah / da die Rotte ſtarb / da das fewr zwey hundert vnd funffzig Menner fraſs / vnd worden ein Zeichen. 11Aber die kinder Korah ſtorben nicht.

 

 

 

Korach

 

Korach war der Sohn Jizhars, Enkel Kehats (2Mos 6,21). Korach führte mit Dathan und Abiram den Aufruhr gegen Mose und Aaron an (4Mos 16,1ff). Mit ihnen waren 250 Fürsten vom Stamm der Levi beteiligt.

 

Der Aufruhr endete derart, dass die Aufrührer mit ihren Familien durch Öffnen des Erdbodens verschlungen wurden bzw. durch Feuer vom Herrn verzehrt wurden.

 

Es gab im Falle Korach eine Ausnahme: Die Kinder Korachs wurden nicht in die Bestrafung eingeschlossen (4Mos 26,9-11).

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

vorſingen

vorsingen (Verb)

a) für jemandem etwas singen

b) vor jemanden etwas singen

c) als Solist etwas zuerst singen, andere (ein Chor) wiederholen es

d) als Solist einen Liedteil singen, andere (ein Chor) ergänzt weitere Liedteile

 

→Ps 4,1 ( u. a.)

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen

 

Luther: (Vorſingen) Wie der Can­tor vnd Prieſ­ter einen Vers oder Epiſtel vor ſinget / Vnd der Chor hinnach ſinget ein Reſponſo­rium / Halelu­ia oder Amen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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2

ſchreien

schreien (Verb)

sehr laut reden, sprechen

 

ich ſchreie

 

→Ps 28,2

 

Höre die ſtim meines flehens / wenn ich zu dir ſchreie

 

Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie.

 

→Ps 77,1

 

JCh ſchreie mit meiner ſtim / zu Gott / Zu Gott ſchreie ich / vnd er erhöret mich.

 

Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott. Zu Gott schreie ich, und er erhört mich.

 

ich ſchrey

 

Das »e« am Ende entfällt.

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

Luther verwendet ſchrey sowohl als Präsensform wie auch als Präteritum.

 

→Ps 18,7

 

Wenn mir angſt iſt / ſo ruffe ich den HERRN an / vnd ſchrey zu meinem Gott

 

Wenn ich Angst habe, rufe ich den HERRN an und schreie zu meinem Gott.

 

→Ps 31,23

 

Dennoch höreteſtu meines flehens ſtim / da ich zu dir ſchrey.

 

Dennoch hörtest Du das Flehen in meiner Stimme, als ich zu dir schrie.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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2

Seele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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3

ſchawen

schauen (Verb)

blicken, hinsehen nach etwas, erblicken, sehen, zusehen

 

 

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4

Threne

Träne, die

Plural: Threnen, auch Threne

 

→Ps 42,4

 

Meine Threne ſind meine Speiſe tag vnd nacht

 

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht

 

→Ps 126,5

 

Die mit Threnen ſeen / Werden mit freuden erndten.

 

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

 

 

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5

bey

bei (Präposition)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 103,18

 

Bey denen die ſeinen Bund halten

 

Bei denen, die seinen Bund halten

 

 

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5

wallen

wallen (Verb; veraltet)

in der Bedeutung 2: umherschweifen, unstet sein

wallen, umherschweifen, usw.
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
8 4 0 4

Das Wort wallen kann drei völlig verschiedene Bedeutungen haben:

 

→1) wallen, sprudeln, bewegt fließen, innerlich erregt sein, usw.

→2) wallen, umherschweifen, unstet sein

→3) wallen, einen Wall herstellen

Ahd.: wallôn; Mhd.: wallen

Bedeutung 2:

 

eigentlich umherschweifen, unstet sein, es meint aber im gehobenen Sinn auch feierlich, gemessen einherschreiten.

 

Das Wort wallen ist wie das gleichbedeutende, ebenfalls veraltete wallfahren das Verb zur heute gebräuchlicheren Substantivierung eine Wallfahrt machen, unternehmen.

 

→Ps 42,5

 

Denn ich wolt gerne hin gehen mit dem Hauffen / vnd mit jnen wallen zum Hauſe Gottes

 

a) Denn ich wollte gerne mit der großen Schar losziehen, und mit ihnen zum Hause Gottes wallen.

b) Denn ich wollte gerne gemeinsam mit der großen Schar feierlich zum Hause Gottes ziehen.

 

 

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6

betrübſtu

 

betrübeſtu

betrübst du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von betrüben (Verb)

 

Präsens Indikativ: betrübſtu, du betrübst

alternative Schreibweise: betrübeſtu, du betrübst

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 42,12

 

WAs betrübſtu dich meine Seele / vnd biſt ſo vnrügig in mir?

 

Warum nur bist du betrübt, meine Seele! Und warum bist du so unruhig in mir?

 

→Ps 42,6

 

WAS betrübeſtu dich meine Seele / vnd biſt ſo vnrügig in mir?

 

 

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6

vnrügig

unruhig (Adjektiv)

in einem Zustand ständiger Unruhe befindlich, ausgelöst von und verbunden mit Plage, Mühe, Last, Besorgnis.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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6

harren

harren (Verb, gehoben)

ausdauern, warten

 

a) an einem Ort: verweilen, bleiben

b) in einem Zustand: bleiben, abwarten (ausharren)

c) mit Zurückhaltung: zögern, zaudern, etwas verzögern, etwas verschieben

d) mit bestimmter Erwartung: erwarten, warten (auf)

d) mit Hoffnung: hoffen, zutrauen, sich sehnen

f) als Schicksal: erwarten, unausbleiblich beschieden sein, bevorstehen, ertragen

 

heute gehoben für warten

 

→Ps 4,5

 

Zürnet jr / ſo ſündiget nicht / Redet mit ewrem hertzen auff ewrem Lager / vnd harret

Luther (zu »harret«): Seid ſtille.

 

Ps 4,5 bezieht sich auf die Geschichte von Kain und Abel (→1Mos 4,7), in der sich der erzürnte Kain von der Sünde überwältigen lässt, anstatt abzuwarten, um sie in Ruhe zu beherrschen.

 

 

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7

Hermonim

Hermon, der

 

Hermongebirge, das

Hermonim
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 2 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

hebräisch: חֶרמוֹנִ֫ים  (ḥεrəmowniym) Hermongebirge,

Plural von חֶרְמוֹן (ḥεrəmowm), (Berg) Hermon

griechisch: Ερμωνιιμ

lateinisch: Hermoniim

Luthers Hermonim ist wie die das griechische Wort der Septuaginta und wie der lateinische Ausdruck die transkribierte Form des hebräischen Wortes.

 

Die Hermonhöhen sind ein Gebirgszug im Grenzgebiet der heutigen Staaten Libanon, Israel und Syrien. Der Berg Hermon besitzt eine Höhe von 2814 Metern. Er wird oft mit dem relativ gleichmäßig aufragenden Gebirgszug gleichgesetzt.

 

An anderen Bibelstellen wurde der Berg Hermon auch Sirijon genannt.

 

 

Karte: Der Berg Hermon

 

→Ps 42,7

 

Darumb gedencke ich an dich im Lande am Jordan vnd Hermonim / auff dem kleinen Berg.

 

a) Darum denke ich an dich im Land am Jordan und in Hermonim, auf dem kleinen Berg.

b) Darum denke ich an dich von dem Land des Jordans und von den Hermonhöhen, vom Berg Mizar.

 

Luthers Scholion zu →Ps 42,7

 

Luther: Das iſt / im Jüdiſchenlande welches er ſo nennet / weil der Jordan drinnen fleuſſet / als das Landwaſſer. Vnd Hermonim die groſſen Berge drumb ſind / Gegen welche der berg Zion klein iſt.

 

a) Luther: Das meint: In Judäa. Das nennt er so, weil der Jordan dort der bedeutende Fluss ist. Um Hermonim befinden sich große Berge, gegen die der Berg Zion klein ist.

 

Anmerkung zu Psalm 42,7

 

Der Berg Mizar (auch Berg Misar, hebräisch: הר מצער  »der unbedeutende, kleine Berg«) ist ein kleinerer Berg in der Nähe des deutlich größeren Hermon. In der Septuaginta und in den lateinischen Vulgata Ausgaben steht anstelle eines Namens die Übersetzung »der kleine Berg« (griechisch: ορους μικρου, lateinisch: monte modico bzw. monte minimo). Luther verfuhr gleichermaßen.

 

Heute wird der hebräische Ausdruck als Name verstanden und wird daher nicht übersetzt. So ist es ausgeschlossen, einen beliebigen kleinen Berg anzunehmen, oder gar denn Berg Zion, wie es Luthers Scholion vermuten lässt.

 

 

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8

hie

hier (Adverb)

hie
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
551 371 31 147

Ahd.: hia, hiar; Mhd.: hie, hier

 

hie ist die verkürzte Form von hier und ist heute veraltet.

 

1) hie, an diesem Ort

2) als Gegenüberstellung (Gegensatz) zu da und dort

3) hie kann bezogen sein auf diese Erde, in der wir jetzt weilen

4) hie kann auf Umstände und Verhältnisse bezogen sein

5) hie kann auf Zeit und Stunde bezogen sein

 

 

 

→Rom 10,12:

 

Es iſt hie kein vnterſcheid vnter Jüden vnd Griechen

 

Es gibt hier [in dieser Sache] keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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10

haſtu

hast du (Verb)

haſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
231 169 28 34

2. Person Singular Indikativ Aktiv von haben (Verb)

 

Präsens:

haſtu: hast du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

haſtu?: (antworte mir!) hast du?

haſtu: hast du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→1Mos 4,10

 

Er aber ſprach / Was haſtu gethan?

 

Er aber sprach: Was hast Du getan!?

 

Der Text 1Mos 12,18-19 enthält eine ganze Reihe Verben mit der Endung -tu, die eindrücklich Vorwurf, Entrüstung und Befehlston des Pharaos ausdrücken:

 

1Mos 12,18-19:

 

18DA rieff Pharao Abram zu ſich / vnd ſprach zu jm / Warumb haſtu mir das gethan? Warumb ſageſtu mirs nicht / das dein Weib were? 19Warumb ſprachſtu denn / ſie were deine Schweſter? Derhalben ich ſie mir zum Weibe nemen wolt. Vnd nu ſihe / Da haſtu dein weib / nim ſie vnd zeuch hin.

 

a) 18Da rief der Pharao Abram zu sich und sprach zu ihm: »Warum <nur> hast du mir das angetan?! Warum <nur> sagtest du nicht, dass sie deine Frau sei?! 19Warum <nur> sprachst du denn, sie wäre deine Schwester?! Wegen all dem wollte ich sie mir zur Frau nehmen! Nun denn, hier hast du deine Frau! Nimm sie und verzieh dich!«

 

b) 18Da rief der Pharao Abram zu sich und sprach zu ihm: »Sag, warum nur hast du mir das angetan?! Wieso hast du mir verschwiegen, dass sie deine Frau ist?! 19Wie konnstest du nur behaupten, sie wäre deine Schwester?! Allein wegen dieser Behauptungen wollte ich sie doch zur Frau nehmen! Nun denn, hier hast du deine Frau zurück! Nimm sie und verzieh dich!«

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
Der Psalm 42 im evangelischen Kirchenjahr

4. Sonntag nach Trinitatis

Der Psalm 42,2-12 ist der Wochenpsalm
ab dem 4. Sonntag nach Trinitatis.

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