Der Brief des Paulus: An die Kolosser | Kapitel 3

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Die Briefe des Paulus

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Briefe des Paulus

Der Brief des Paulus:
An die Kolosser

Kapitel 3

 

Kol 3

 

Der Text in vier Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 3

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel III

 

 

3,1 - 4,6

 

IV. DIE CHRISTLICHE NEUGEBURT

 

1

3,1-4

→Das Geheimnis der Neugeburt der Gläubigen

2

3,5-17

→Die Folgen der Neugeburt: Handlungsempfehlungen für den neuen Menschen

3

3,18 - 4,1

→Über das Zusammenleben in der christlichen Gesellschaft aus der Sicht des Apostels

 

 

 

 

 

Die Epiſtel S. Pauli:
An die Colóſſer.

 

 
[364b]

 

III.

 

 

IV.
DIE CHRISTLICHE NEUGEBURT

 

 

3,1 - 4,6

 

 

Das Geheimnis der Neugeburt der Gläubigen

 

SEid jr nu mit Chriſto aufferſtanden / So ſuchet was droben iſt / da Chriſtus iſt / ſitzend zu der rechten Gottes / 2Trachtet nach dem das droben iſt / nicht nach dem das auff Erden iſt. 3Denn jr ſeid geſtorben / vnd ewer Leben iſt verborgen mit Chriſto / in Gott. 4Wenn aber Chriſtus ewer Leben ſich offenbaren wird / denn werdet jr auch offenbar werden mit jm / in der Herrligkeit.

 

 

Die Folgen der Neugeburt: Handlungsempfehlungen für den neuen Menſchen

 

SO tödtet nu ewre Glieder / die auff Erden ſind / Hurerey / Vnreinigkeit / ſchendliche Brunſt / böſe Luſt / vnd den Geitz (welcher iſt Abgötterey) 6Vmb welcher willen kompt der zorn Gottes vber die Kinder des vnglaubens / 7In welchen auch jr weiland gewandelt habt / da jr drinnen lebetet. 8Nu aber leget alles ab von euch / Den Zorn / Grim / Bosheit / Leſterung / Schandbare wort aus ewrem munde / 9Lieget nicht vnternander. Ziehet den alten Menſchen mit ſeinen wercken aus / 10Vnd ziehet den Newen an / der da vernewert wird zu der erkentnis / nach dem Ebenbilde des / der jn geſchaffen hat / 11Da nicht iſt Grieche / Jüde / Beſchneitung / Vorhaut / Vngrieche / Schyta / Knecht / Freier / Sondern alles vnd in allen Chriſtus.

 

12SO ziehet nu an / als die auſſerweleten Gottes Heiligen vnd geliebeten / hertzliches Erbarmen / Freundligkeit / Demut / Sanfftmut / Gedult / 13Vnd vertrage einer den andern / vnd vergebet euch vnternander / ſo jemand Klage hat wider den andern / Gleich wie Chriſtus euch vergeben hat / alſo auch jr 14Vber alles aber ziehet an die Liebe / die da iſt das Band der volkomenheit / 15Vnd der friede Gottes a regiere in ewren hertzen / zu welchem jr auch beruffen ſeid / in einem Leibe / Vnd ſeid danckbar.

a

(Regiere)

Das iſt Er ſey Mei­ſter vnd er­hal­te euch in al­len an­fech­tun­gen / Das jr nicht mur­ret wi­der Gott / ſon­dern auff Gott tro­tzen mü­get. In mun­do preſ­ſuram in me pa­cem etc. →*1)

 

16LAſſet das wort Chriſti vnter euch reichlich wonen / in aller weisheit. Leret vnd vermanet euch ſelbs / mit Pſalmen vnd Lobſengen / vnd geiſtlichen lieblichen Liedern / vnd ſinget dem HErrn in ewrem hertzen. 17Vnd alles was jr thut / mit worten oder mit wercken / Das thut alles in dem namen des HErrn Jheſu / Vnd dancket Gott vnd dem Vater durch jn.

 

 

 

 

(Lieblichen)

Das iſt / Tröſt­li­chen / hold­ſe­li­gen gna­den­rei­chen etc.

 

 

Über das Zuſammenleben in der chriſtlichen Geſellſchaft aus der Sicht des Apoſtels →*2)

|| →Eph 5,22 - 6,9    ||→1Petr 2,18 - 3,7

 

IR Weiber / ſeid vnterthan ewern Mennern in dem HErrn / wie ſichs gebürt. 19Ir Menner / liebet ewre Weiber / vnd ſeid nicht Bitter gegen ſie. 20Ir Kinder ſeid gehorſam den Eltern in allen dingen / Denn das iſt dem HErrn gefellig. 21Ir Veter / erbittert ewre Kinder nicht / Auff das ſie nicht ſchew werden.

 

IR Knechte / ſeid gehorſam in allen dingen ewern leiblichen Herrn / Nicht mit dienſt fur augen / als den Menſchen zugefallen / ſondern mit einfeltigkeit des hertzen / vnd mit Gottes furcht. 23Alles was jr thut / das thut von hertzen / als dem HErrn / vnd nicht den Menſchen / 24Vnd wiſſet / das jr von dem HErrn empfahen werdet die vergeltung des Erbes / Denn jr dienet dem HErrn Chriſto. 25Wer aber vnrecht thut / Der wird empfahen / was er vnrecht gethan that / Vnd gilt kein anſehen der Perſon.

 

 

4

 

 

 

 

Beginn des Ka­pi­tels 4 nach heu­ti­ger Zähl­wei­se!

 

1Ir Herrn / was recht vnd gleich iſt / das beweiſet den Knechten / Vnd wiſſet / das jr auch einen HErrn im Himel habt.

 

 

 

*1) Lateinisch: In mundo pressuram in me pacem etc.

dt.: »In der Welt Bedrücktsein, in mir Frieden, usw.«

Luther formt hier einen Sinnspruch, der einem geflügelten Wort gleicht, aus Teilen von →Joh 16,33:
Solchs habe ich mit euch geredt / Das jr in Mir friede habet. In der Welt habet jr Angſt / Aber ſeid getroſt / Ich habe die Welt vberwunden.

(lat.: haec locutus sum vobis ut in me pacem habeatis in mundo pressuram habetis sed confidite ego vici mundum)

 

*2) Die Verse aus verschiedenen Briefen von Paulus und Petrus (insbesondere →Eph 5,22 - 6,5 und Kol 3,18-4,1), die zu einem bestimmten christlichen Verhalten untereinander aufforderten, kompilierte Luther zu der von ihm sogenannten »Haustafel«, die schließlich im kleinen Katechismus abgedruckt wurde., darüber große Verbreitung fand und bis ins 20. Jahrhundert hinein evangelische Lehre repräsentierte.

In der Haustafel beschreibt Luther die Verhaltensregeln für elf Stände: Prediger und Bischöfe, Obrigkeit, Ehemann, Ehefrau, Eltern, Kinder, Hausherrschaft, Dienerschaft, junge Leute, Witwen sowie alle Christen insgesamt.

Die Haustafel Luthers und die neutestamentlichen Verse aus den Briefen, auf denen sie gründet, sowie die daraus resultierenden Ständelehren sind äußerst kritisch zu betrachten. Sie gehören gesellschaftspolitisch in ihre Zeit, nämlich in die Zeit der frühen christlichen Gemeinden bzw. in der kompilierten Form in die Zeit Luthers, und können nur in diesem Kontext bestand haben.

Heute wären diese Regeln wegen der (sehr richtigen und wichtigen!) Gleichberechtigung, wegen neuer Rollenbilder in der Gesellschaft und wegen verbriefter Freiheiten des Individuums abzuwandeln, ohne ihren eigentlichen Sinn aufzugeben. Dieser Sinn findet sich in konkreten Verhaltensempfehlungen für ein von Liebe, Wertschätzung und Vertrauen geprägtes Zusammenleben, das auf der Lehre Jesu basiert.

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

In den Kirchenjahren ab 1978/1979 bis 2017/2018

LESUNG AUS DEN BRIEFEN DER APOSTEL UND PREDIGTTEXT

DAS HEILIGE OSTERFEST

→Osternacht

→Kol 3,1-4

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II

LESUNG AUS DEN BRIEFEN DER APOSTEL UND PREDIGTTEXT

→Sonntag Kantate

Vierter Sonntag nach Ostern

→Kol 3,12-17

EP
II

 
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