20. Sonntag nach Trinitatis | 2017 - 2024

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Das evangelische Kirchenjahr
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün
29.10.2017 | 20. Sonntag nach Trinitatis

Kirchenjahr 2016/2017

20. Sonntag
nach Trinitatis

 
 

Teil I: Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres  

Der 20. Sonntag nach Trinitatis ist nur vorhanden, wenn →Ostern vor dem 24. April liegt!

Regeln

Der 20. Sonntag nach Trinitatis kann auch mit den Texten des →23. Sonntags nach Trinitatis gefeiert werden, wenn der 23. Sonntag nach Trinitatis im selben Jahr entfällt (→Ostersonntag lag nach dem 2. April).

Fällt der →Tag des Evangelisten Lukas (18. Oktober) auf diesen Sonntag, so sollte er an einem Tag in der Folgewoche (19. - 24. Oktober) oder am Vortag (17. Oktober) begangen werden.

Fällt der →Tag der Apostel Simon und Judas (28. Oktober) auf diesen Sonntag, so sollte er an einem Tag in der Folgewoche (29. - 30. Oktober) oder am Vortag (27. Oktober) begangen werden.

Fiel →Ostersonntag auf die Zeit zwischen dem 22. und dem 25. März, dann ist an diesem Sonntag in der Regel →Erntedanktag.

Fiel der→Reformationstag (31. Oktober) auf Dienstag bis Samstag der vorhergegangenen Woche und konnte er weder an diesen Tagen noch am 1. November gefeiert werden, dann wird er am 20. Sonntag nach Trinitatis nachgeholt.

Fällt der→Reformationstag (31. Oktober) auf diesen Sonntag oder auf den folgenden Montag, dann gilt die Gottesdienstordnung des Reformationstags.

Der →Gedenktag der Heiligen (1. November) kann an diesem Sonntag dann gehalten werden, wenn die Feier des Reformationstages am 31. Oktober und nicht an diesem Sonntag stattfindet.

 

Wirkung in 2017

- keine -

 
 20. Sonntag nach Trinitatis  IN DEN JAHREN 2017 BIS 2024
Kalender

Der 20. Sonntag nach Trinitatis in den Jahren 2017 bis 2024
Verweise führen zu den Kalenderblättern des jeweiligen Datums:

 
Bewegliches Datum
Info

Nur dann, wenn →Ostersonntag vor dem 24. April liegt, gilt:

Der 20. Sonntag nach Trinitatis liegt zwischen dem<br>4. Oktober und dem 5. November eines Jahres.
  • 20. Sonntag nach Trinitatis
  • 28. Sonntag nach →Ostern
  • Abhängig vom →Osterdatum
  • Der 20. Sonntag nach Trinitatis liegt zwischen dem
    4. Oktober und dem 5. November eines Jahres.
Symbol: Abstand zum Osterfest
  • 196 Tage nach Ostern
  • am 197. Tag nach Ostern, gerechnet ab Ostersonntag
Titel Gottesdienstliche Ordnung
 

Der evangelische

20. Sonntag
nach Trinitatis

Gottesdienstliche Ordnung

 

 

Liturgische Farbe

 
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün

Grün

20. Sonntag nach Trinitatis | Grafik: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: 20. Sonntag nach Trinitatis
Grafik: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

Die Perikopenordnungen 1978/1999 und 2018 (Entwurf 2014) in der Gesamtschau

1 Die Ordnung gemäß der Revisionen 1978 und (mit marginalen Änderungen) 1999 verliert ihre Gültigkeit mit dem 1. Advent 2018, dem ersten Sonntag des Kirchenjahres 2018/2019. Wir zeigen zum Vergleich die dann ungültigen Angaben zu Spruch, Psalm, Lied und Predigttexten vorläufig weiterhin.

2 Die Ordnung der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte wird derzeit überarbeitet. Sie wurde veröffentlicht unter dem Titel »Neuordnung der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte, Entwurf zur Erprobung im Auftrag von EKD, UEK und VELKD Pfingsten 2014«. Die Neuordnung soll erstmals im Kirchenjahr 2018/2019 (ab dem 1. Advent 2018) allgemein gelten. Der Entwurf liegt vor, jedoch sind Änderungen bis zu seiner Verabschiedung möglich.

Wir geben zum Vergleich zu den Festtagen, Gedenktagen und Sonntagen Spruch, Psalm, Lied und Predigtexte nach beiden Ordnungen wieder. Dort, wo wir die zugehörigen Texte aus der Lutherbibel von 1545 zeigen, kann ggf. der selbe Text sowohl in der Perikopensammlung für 1978 wie auch in der für 2018 erscheinen. Die klare Trennung beider Ordnungen dient der Übersichtlichkeit.

 

20. Sonntag nach Trinitatis

Spruch, Psalm und Lied

Nach der Ordnung 1978/1999 1
Biblia
1545
 

Spruch für die Woche

 

Es iſt dir geſagt / Menſch / was gut iſt / vnd was der HERR von dir foddert / nemlich / Gottes wort halten / vnd Liebe vben / vnd demütig ſein fur deinem Gott.

→Micha 6,8

Pſalm
119
 

Psalm für die Woche

 
Nach der Ordnung 2018 (Entwurf 2014)2
Biblia
1545
 

Spruch für die Woche

 

Es iſt dir geſagt / Menſch / was gut iſt / vnd was der HERR von dir foddert / nemlich / Gottes wort halten / vnd Liebe vben / vnd demütig ſein fur deinem Gott.

→Micha 6,8

Pſalm
119
 

Psalm für die Woche

 

 

 

Lied für die Woche

 
Ordnung 1978/19991 Ordnung 2018 (Entwurf 2014)2
EG 295 Wohl denen, die da wandeln A EG 358 Es kennt der Herr die Seinen
B EG 408 Meinem Gott gehört die Welt
   

EG: Evangelisches Gesangbuch

 
 
Text: HERR thu meine Lippen auff | Das mein Mund deinen Ruhm verkündige. (Psalm 51,17)

20. Sonntag nach Trinitatis

Textlesung und Predigt

Die biblische Textlesung

Lesung Ordnung 1978/19991 Ordung 2018 (Entwurf 2014)2
Evangelium Zum TextMk 10,2-9(10-16) Mk 10,(2-12)13-16
Epistel Zum Text1Thess 4,1-8 2Kor 3,3-6(7-9)
Altes Testament Zum Text1Mos 8,18-22 1Mos 8,18-22; 9,12-17
   

 

Die biblischen Texte für die Predigtreihen

Nach der Perikopenordnung der Evangelischen Kirche sind für Gottesdienste in den Jahren 2017 - 2022 folgende biblischen Texte in den Reihen3 I - VI für die Predigt vorgesehen:

Reihe Datum Ordnung 1978/19991 Ordung 2018 (Entwurf 2014)2
III 29.10.2017 Zum Text1Mos 8,18-22
IV 14.10.2018 Zum Text1Kor 7,29-31
V 3.11.2019 Pred 12,1-7
VI 25.10.2020 Hld 8,6b-7
I 17.10.2021 Mk 10,(2-12)13-16
II 30.10.2022 2Kor 3,3-6(7-9)
   

 

 

Marginaltexte

Anstelle der Texte aus den Predigtreihen I - VI stehen für die Predigt sog. Marginaltexte (M) zur Auswahl. Sie passen inhaltlich sehr gut zum Thema des Sonntags, konnten aber durch die Beschränkung der Reihen dort nicht berücksichtigt werden.

TypOrdnung 1978/19991TypOrdung 2018 (Entwurf 2014)2
MZum TextHld 8,6b-7MRi 11,28-40
MZum TextMal 2,13-16MEph 5,25-32
MZum TextEph 5,25-32M1 Kor 7,29-31
MZum TextPhlm (1-7)8-22M1Thess 4,1-8
MPhlm (1-7)8-22
  
 

3 Die Perikopenordnung kennt seit der Revision von 1978 drei Lesetexte (je einen aus den Evangelien, den Episteln und dem Alten Testament) sowie sechs Predigttextreihen. Die Reihen werden mit römischen Zahlen von I bis VI gekennzeichnet. Jede Reihe benennt die Bibeltexte (Perikopen) für alle Predigten in einem Kirchenjahr zwischen dem 1. Advent und dem Ewigkeitssonntag. Die Reihen gelten nacheinander. Sie umfassen somit die Zeitspanne von sechs Kirchenjahren. Erst im siebten Jahr wiederholen sich die Textstellen. Neben dem Text aus der jeweiligen Reihe stehen marginale Textstellen für die Predigt an diesem Tag zur Auswahl.
Erstmals galt die Reihe I für das Kirchenjahr 1978/1979.

Titel Perikopen

Perikopen

Gültig für die Kirchenjahre 1978/1979 bis 2017/2018

Die Leittexte aus den Evangelien, den Episteln und dem Alten Testament
nach der Perikopenordnung 1978/1999
aus der Lutherbibel von 1545

Biblia
1545

Gesetzt nach der Vorlage des Originals in Frakturschrift
mit Luthers Scholion in den Marginalspalten.

Ergänzt um Verszählung und Abschnittsüberschriften.

 

LESUNG UND PREDIGT
Evangelium
Mk 10,2-9(10-16)

EV
I

 

 

 

Euangelium
S. Marcus.

 

C. X.

 

 

Verse 2-9

Die Rede über Ehe und Eheſcheidung

|| →Mt 19,1-9    || →Mt 5,32    || →Lk 16,17

 

Mat. 19.

 

 

 

 

 

 

Deut. 24.

 

 

 

→Gen. 1.

→Gen. 2.

→Ephe. 5.

2Vnd die Phariſeer traten zu jm / vnd fragten jn / Ob ein Man ſich ſcheiden müge von ſeinem Weibe? vnd verſuchten jn da mit. 3Er antwortet aber / vnd ſprach / Was hat euch Moſes geboten? 4Sie ſprachen / Moſes hat zugelaſſen einen Scheidbrieff zu ſchreiben / vnd ſich zu ſcheiden. 5Jheſus antwortet / vnd ſprach zu jnen / Vmb ewers Hertzen hartigkeit willen hat er euch ſolch Gebot geſchrieben / 6Aber von anfang der Creatur / hat ſie Gott geſchaffen ein Menlin vnd Frewlin. 7Darumb wird der Menſch ſeinen Vater vnd Mutter laſſen / vnd wird ſeinem Weibe anhangen / 8Vnd werden ſein die Zwey ein Fleiſch / So ſind ſie nu nicht zwey / ſondern ein Fleiſch. 9Was denn Gott zuſamen gefügt hat / ſol der Menſch nicht ſcheiden.

 

 

Fakultativ: Verse 10-12

 

10VND daheim frageten jn abermal ſeine Jünger vmb dasſelbige. 11Vnd er ſprach zu jnen / Wer ſich ſcheidet von ſeinem Weibe / vnd freiet ein andere / der bricht die Ehe an jr. 12Vnd ſo ſich ein Weib ſcheidet von jrem Manne / vnd freiet einen andern / die bricht jre Ehe.

 

 

Fakultativ: Verse 13-16

|| →Mt 19,13-15    || →Lk 18,15-17

Mat. 19.

Luc. 18.

VND ſie brachten Kindlin zu jm / das er ſie anrürete / Die Jünger aber furen die an / die ſie trugen. 14Da es aber Jheſus ſahe / ward er vnwillig / vnd ſprach zu jnen / Laſſt die Kindlin zu mir komen / vnd weret jnen nicht / Denn ſolcher iſt das reich Gottes. 15Warlich / Ich ſage euch / Wer das reich Gottes nicht empfehet / als ein Kindlin / Der wird nicht hin ein komen. 16Vnd er hertzet ſie / vnd leget die hende auff ſie / vnd ſegenet ſie.

 

 

 

 

LESUNG UND PREDIGT
Epistel
1Thess 4,1-8

EP
II

 

 

 

Die Erſte Epiſtel
S. Páuli:
An die Theſſalónicĥer.

 

C. IIII.

 

 

Verse 1-8

Ermahnung zur Heiligung

 

WEiter / lieben Brüder / bitten wir euch /

vnd ermanen in dem HErrn Jheſu / Nach dem jr von vns empfangen habt / wie jr ſollet wandeln vnd Gotte gefallen / das jr jmer völliger werdet. 2Denn jr wiſſet / welche Gebot wir euch gegeben haben / durch den HErrn Jheſum. 3Denn das iſt der wille Gottes / ewer Heiligung / das jr meidet die Hurerey / 4vnd ein jglicher vnter euch wiſſe ſein Fas zubehalten / in heiligung vnd ehren / 5nicht in der luſt ſeuche / wie die Heiden / die von Gott nichts wiſſen. 6Vnd das niemand zu weit greiffe noch verforteile ſeinen Bruder im Handel / Denn der HErr iſt der Recher vber das alles / wie wir euch zu vor geſagt vnd bezeuget haben. 7Denn Gott hat vns nicht beruffen zur vnreinigkeit / ſondern zur heiligung. 8Wer nu verachtet / Der verachtet nicht Menſchen / ſondern Gott / der ſeinen heiligen Geiſt gegeben hat in euch.

 

 

 

 

LESUNG UND PREDIGT
Altes Testament
1Mos 8,18-22

AT
III

 

 

 

Das Erſte Bucĥ
Móẛe.

 

C. VIII.

 

 

Aus dem Abschnitt

Noah verläſſt die Arche

Verse 18-19

 

18Alſo gieng Noah er aus mit ſeinen Sönen vnd mit ſeinem Weib vnd ſeiner ſönen Weibern. 19Da zu allerley Thier / allerley Gewürm / allerley Vogel / vnd alles was auff erden kreucht / das gieng aus dem Kaſten / ein jglichs zu ſeines Gleichen.

 

 

Verse 19-22

Noahs Opfer und die Verheißung des HERRN

 

 

 

 

 

 

 

→Jeſa. 54.

 

 

 

 

 

 

 

Gen. 1.

NOah aber bawet dem HERRN einen Altar / vnd nam von allerley reinem Vieh / vnd von allerley reinem Geuogel / vnd opffert Brandopffer auff dem Altar. 21Vnd der HERR roch den lieblichen Geruch / vnd ſprach in ſeinem hertzen / Ich wil hin furt nicht mehr die Erde verfluchen vmb der Menſchen willen / Denn das tichten des menſchlichen Hertzen iſt böſe von Jugent auff / Vnd ich wil hinfurt nicht mehr ſchlahen alles was da lebet / wie ich gethan habe. 22So lange die Erden ſtehet / ſol nicht auffhören / Samen vnd Ernd / Froſt vnd Hitz / Sommer vnd Winter / Tag vnd Nacht.

 

 

 

 

PREDIGTTEXT
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
1Kor 7,29-31

IV

 

 

 

Die Erſte Epiſtel
S. Páuli:
An die Córinther.

 

C. VII.

 

 

Aus dem Abschnitt

Von den Unverheirateten

Verse 29-31

 

29DAs ſage ich aber / lieben Brüder / die zeit iſt kurtz / Weiter iſt das die meinung / Die da Weiber haben / das ſie ſeien / als hetten ſie keine / Vnd die da weinen / als weineten ſie nicht / 30Vnd die ſich frewen / als freweten ſie ſich nicht / Vnd die da keuffen / als beſeſſen ſie es nicht / 31Vnd die dieſer Welt brauchen / das ſie derſelbigen nicht miſsbrauchen / Denn das weſen in dieſer Welt vergehet.

 

 

 

 

PREDIGTTEXT
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
Mk 2,23-28

V

 

 

 

Euangelium
S. Marcus.

 

C. II.

 

 

Verse 23-28

Jeſus und der Sabbat:
Die abgerupften Ähren

|| →Mt 12,1-8    || →Lk 6,1-5

Mat. 12. Luc. 6.

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Reg. 21.

VND es begab ſich / da er wandelte am Sabbath durch die ſaat / vnd ſeine Jünger fiengen an / in dem ſie giengen / Ehren aus zu rauffen. 24Vnd die Phariſeer ſprachen zu jm / Sihe zu / was thun deine Jünger am Sabbath / das nicht recht iſt? 25Vnd er ſprach zu jnen / Habt jr nie geleſen / was Dauid thet / da es jm not war / vnd jn hungerte ſampt denen / die bey jm waren? 26Wie er gieng in das haus Gottes / zur zeit a Abiathar des Hohenprieſters / vnd aſs die Schawbrot / die niemand thurſte eſſen / denn die Prieſter / Vnd er gab ſie auch denen / die bey jm waren. 27Vnd er ſprach zu jnen / Der Sabbath iſt vmb des Menſchen willen gemacht / Vnd nicht der Menſch vmb des Sabbaths willen.28So iſt des menſchen Son ein HERR / auch des Sabbaths.

 

a

Abiathar iſt Ahi­melechs ſon / dar­umb ſaget die Schrifft / es ſey vnter Ahimelech ge­ſchehen / das ſie zu einer zeit Prieſter waren.

 

 

 

 

(Schawbrot)

Das heiſſt Ebre­iſch / panis facie­rum / →*1) brot das jmer fur au­gen ſein ſol / wie das Gottes wort jmer fur vn­ſerm her­tzen tag vnd nacht ſein ſol / →Pſal. 23. Pa­raſti in con­ſpec­tu meo men­ſam.

→*2)

 

 

 

*1) lat.:panis facie­rum

dt.: »Brot der Gegenwart«; »Brot der Anblicke«, wörtlich: »Brot der Gesichter«, usw.

Luther verweist darauf, dass in den hebräischen Quellen ein Begriff steht, der mit »Brot der Gegenwart« o. ä. (lateinisch: panis facierum) zu übersetzen wäre. Er erklärt, wie er den Begriff interpretiert (Brot, das für jeden immer vor Augen sein soll, wie Ausstellungsware), was zu seiner deutschen Übersetzung »Schaubrot« führt.

 

*2) lat.: Pa­rasti in con­spec­tu meo men­ſam.

dt.: »Sie bereiten vor einen Tisch«

Luther zitiert in lateinischer Sprache aus Psalm 23, Vers 5 (wie davor von ihm vermerkt).

 

 

PREDIGTTEXT
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
2Kor 3,3-9

VI

 

 

 

Die Ander Epiſtel:
An die Córinther.

 

C. III.

 

 

Aus dem Abschnitt

Der Dienſt des Paulus für die Verkündigung Chriſti (2)

Vers 3

 

[Ihr,] 3die jr offenbar worden ſeid / das jr ein brieff Chriſti ſeid / durchs Predigampt zubereitet / vnd durch vns geſchrieben / Nicht mit tinten / ſondern mit dem Geiſt des lebendigen Gottes / Nicht in ſteinern Taffeln / ſondern in fleiſchern Taffeln des hertzen.

 

 

Aus dem Abschnitt

Die Herrlichkeit des Dienſtes im neuen Bund

Vers 4-9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Exod. 34.

4Ein ſolch vertrawen aber haben wir durch Chriſtum zu Gott / 5Nicht das wir tüchtig ſind von vns ſelber / etwas zu dencken / als von vns ſelber / Sondern das wir tüchtig ſind / iſt von Gott / 6welcher auch vns tüchtig gemacht hat / das Ampt zu füren des newen Teſtaments / Nicht des a Buchſtabens / ſondern des Geiſtes. Denn der Buchſtaben tödtet / Aber der b Geiſt machet leben­dig.

7SO aber das Ampt / das durch die Buchſtaben tödtet / vnd in die Steine iſt gebildet / Klarheit hatte / alſo / das die kinder Iſrael nicht kundten anſehen das angeſichte Moſi / vmb der klarheit willen ſeines angeſichtes / die doch auffhöret / 8Wie ſolte nicht viel mehr das Ampt / das den Geiſt gibt / Klarheit haben? 9Denn ſo das Ampt / das die Verdamnis prediget / klarheit hat / viel mehr hat das Ampt das die Gerechtigkeit prediget / vberſchwengliche klarheit.

(Vertrawen)

Das wir euch zum Brie­ue be­rei­tet ha­ben.

a

(Buchſtaben)

Buchſtaben leren iſt / das blos Ge­ſetz vnd werck le­ren / on der gna­de Got­tes er­kent­nis da durch wird alles ver­dampt / vnd des To­des ſchül­dig er­kand / was der Menſch iſt vnd thut / Denn er kan on Got­tes gna­de nichts gu­tes thun.

b

(Geiſt)

Geiſt leren iſt / die gna­de on Ge­ſetz vnd ver­dienſt le­ren / da­durch wird der Menſch le­ben­dig vnd ſe­lig.

 

 

 

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEM ALTEN TESTAMENT
Hld 8,6b-7

M1

 

 

 

Das Hohelied
Salomo.

 

C. VIII.

 

 

Aus dem Abschnitt

Abschluſsgesang über die Macht der Liebe

Verse 6b-7

 

6bLiebe iſt ſtarck wie der Tod / vnd Eiuer iſt feſt wie die Helle / Ir glut iſt fewrig / vnd ein flamme des HERRN / 7Das auch viel Waſſer nicht mügen die Liebe ausleſſchen / noch die ſtröme ſie erſeuffen / Wenn einer alles Gut in ſeinem hauſe vmb die Liebe geben wolt / ſo gülte es alles nichts.

 

(Flamme)

Hie ſihet man wol das Sa­lo­mo in die­ſem Lie­de von gei­ſtli­cher Lie­be ſin­get / die Gott gibt / vnd vns auch er­zeigt in al­le ſei­nen wol­tha­ten.

 

 

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEM ALTEN TESTAMENT
Mal 2,13-16

M2

 

 

 

Der Próphet Máleacĥi.

 

C. II.

 

 

Verse 13-16

Gegen die Entweihung des Bunds der Ehe und der Geringſchätzung der Ehefrau

 

WEiter thut jr auch das / Das fur dem Altar des HERRN eitel threnen vnd weinen vnd ſeufftzen iſt / Das ich nicht mehr mag das Speisopffer anſehen / noch etwas angeneme / von ewern Henden empfahen. 14Vnd ſo ſprecht jr / Warumb das? Darumb / das der HERR zwiſchen dir vnd dem Weib deiner Jugent gezeuget hat / die du verachteſt / So ſie doch deine Geſellin / vnd ein weib deines Bunds iſt.

 

(Das ſagen wir auff deudſch)

Darumb / das du dein lie­bes Weib ver­ach­teſt / die dir der HERR zu ge­ord­net hat / vnd dei­ne Ge­ſel­lin iſt / der du dich ver­pflicht haſt.

 

15ALſo thet der a Einige nicht / vnd war doch eines groſſen Geiſts / Was thet aber der Einige? Er ſuchte den Samen von Gott (verheiſſen) Darumb / ſo ſehet euch fur / fur ewrem Geiſt / vnd verachte keiner das Weib ſeiner jugent. 16Wer jr aber gram iſt / der laſſe ſie faren / ſpricht der HERR der Gott Iſrael / vnd gebe jr ein Decke des freuels von ſeinem b Kleide / ſpricht der HERR Zebaoth. Darumb / ſo ſehet euch fur / fur ewrem Geiſt / vnd verachtet ſie nicht.

a

(Einige)

Abra­ham iſt der Ei­nig / wie jn auch Je­ſa­ias nen­net / denn von jm alle Jü­den ko­men. Der­ſel­bi­ge nam ein an­der Weib / nicht aus fur­witz wie jr thut / ſon­dern das er Gotte Kin­der zeu­ge­te.

 

 

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
Eph 5,25-32

M3

 

 

 

Die Epiſtel S. Páuli:
An die Epheſer.

 

C. V.

 

 

Aus dem Abschnitt

Über das Zuſammenleben in der chriſtlichen Geſellſchaft aus der Sicht des Apoſtels

|| →Kol 3,18-26   || →Kol 4,1   || →1Petr 2,18-25   || →1Petr 3,1-7

Verse 25-32

 

 

 

→*2)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Gen. 2.

IR Menner / liebet ewre Weiber / Gleich wie Chriſtus geliebet hat die Gemeine / vnd hat ſich ſelbs fur ſie gegeben / 26Auff das er ſie heiliget / Vnd hat ſie gereiniget durch das Waſſerbad im wort / 27auff das er ſie jm ſelbs darſtellet eine Gemeine die herrlich ſey / die nicht hab einen Flecken oder Runtzel / oder des etwas / ſondern das ſie heilig ſey vnd vnſtrefflich. 28Alſo ſollen auch die Menner jre Weiber lieben / als jre eigene Leibe. Wer ſein Weib liebet / der liebet ſich ſelbs. 29Denn niemand hat jemal ſein eigen Fleiſch gehaſſet / ſondern er neeret es / vnd pfleget ſein / Gleich wie auch der HErr die Gemeine / 30Denn wir ſind glieder ſeines Leibes / von ſeinem Fleiſch vnd von ſeinem Gebeine. 31Vmb des willen wird ein Menſch verlaſſen Vater vnd Mutter / vnd ſeinem Weib anhangen / vnd werden zwey ein Fleiſch ſein. 32Das c Geheimnis iſt gros / Ich ſage aber von Chriſto vnd der Gemeine. 33Doch auch jr / ja ein jglicher habe lieb ſein Weib als ſich ſelbs / Das Weib aber fürchte den Man.

c

(Geheimnis)

Sacrament oder myſterium / heiſ­ſet Ge­heim­nis oder ein ver­borg­en ding / das doch von auſ­ſen ſei­ne be­deut­ung hat. Al­ſo iſt Chri­ſtus vnd ſei­ne Ge­mei­ne ein Ge­heim­nis / ein gros hei­lig ver­borg­en ding / das man gleu­ben vnd nicht ſe­hen kan. Es wird aber durch man vnd weib als durch ſein euſ­ſer­lich zei­chen be­deut. Das gleich wie man vnd weib ein leib ſind / vnd al­le gü­ter ge­mein ha­ben / Al­ſo hat auch die Ge­mei­ne al­les was Chri­ſtus iſt vnd hat.

 

 

 

*2) Die Verse aus verschiedenen Briefen von Paulus und Petrus (insbesondere Eph 5,22 - 6,5 und →Kol 3,18-4,1), die zu einem bestimmten christlichen Verhalten untereinander aufforderten, kompilierte Luther zu der von ihm sogenannten »Haustafel«, die schließlich im kleinen Katechismus abgedruckt wurde., darüber große Verbreitung fand und bis ins 20. Jahrhundert hinein evangelische Lehre repräsentierte.

In der Haustafel beschreibt Luther die Verhaltensregeln für elf Stände: Prediger und Bischöfe, Obrigkeit, Ehemann, Ehefrau, Eltern, Kinder, Hausherrschaft, Dienerschaft, junge Leute, Witwen sowie alle Christen insgesamt.

Die Haustafel Luthers und die neutestamentlichen Verse aus den Briefen, auf denen sie gründet, sowie die daraus resultierenden Ständelehren sind äußerst kritisch zu betrachten. Sie gehören gesellschaftspolitisch in ihre Zeit, nämlich in die Zeit der frühen christlichen Gemeinden bzw. in der kompilierten Form in die Zeit Luthers, und können nur in diesem Kontext bestand haben.

Heute wären diese Regeln wegen der (sehr richtigen) Gleichberechtigung, wegen neuer Rollenbilder in der Gesellschaft und wegen verbriefter Freiheiten des Individuums abzuwandeln, ohne ihren eigentlichen Sinn aufzugeben. Dieser Sinn findet sich in konkreten Verhaltensempfehlungen für ein von Liebe, Wertschätzung und Vertrauen geprägtes Zusammenleben, das auf der Lehre Jesu basiert.

 

 

MARGINALTEXT (M)
AUS DEM NEUEN TESTAMENT
Phlm (1-7.)8-22

M4

 

 

 

Die Epiſtel S. Pauli:
An Philemón.

 

 

 

 

Fakultativ: Verse 1-3

Gruß der Abſender an den Empfänger

 

Timo-

theus.

 

 

Archip-

pus.

PAulus der gebunden

Chriſti Jheſus / vnd Timo- theus der Bruder.

PHilemoni dem Lieben vnd vnſerm Gehülffen / 2vnd Appia der lieben / vnd Archippo vnſerm ſtreitgenoſſen / vnd der gemeine in deinem Hauſe.

 

3GNade ſey mit euch vnd Friede / von Gott vnſerm Vater / vnd dem HErrn Jheſu Chriſto.

 

 

Fakultativ: Verse 4-7

Dank für den Glauben Philemons

 

ICH dancke meinem Gott / vnd gedencke dein allezeit in meinem Gebet / 5Nach dem ich höre von der Liebe vnd dem Glauben / welche du haſt an den HErrn Jheſum / vnd gegen alle Heiligen / 6Das dein glaube den wir mit einander haben / in dir krefftig werde / Durch erkentnis alle des Guten / das jr habt / in Chriſto Jheſu.

 

7WIr haben aber groſſe freude vnd troſt an deiner liebe / Denn die hertzen der Heiligen ſind erquicket durch dich / lieber Bruder.

 

 

Verse 8-21

Fürſprache für Oneſimus

 

8Darumb / wiewol ich habe groſſe freidigkeit / in Chriſto / dir zu gebieten / was dir zimet / 9So wil ich doch vmb der Liebe willen nur vermanen / der ich ein ſolcher bin / nemlich / ein alter Paulus / Nu aber auch ein Gebundener Jheſu Chriſti.

Oneſi-

mus.

10SO ermane ich dich vmb meines Sons willen Oneſimi / den ich gezeuget habe in meinen Banden / 11welcher weiland dir vnnütze / Nu aber mir vnd dir wol nütze iſt / den habe ich widergeſand. 12Du aber wolleſt jn / das iſt / mein eigen Hertz annemen / 13Denn ich wolte jn bey mir behalten / das er mir an deiner ſtat dienet / in den Banden des Euangelij / 14Aber on deinen willen wolte ich nichts thun / Auff das dein guts nicht were genötiget / ſondern freiwillig.

Oneſimos Grie­chiſch / heiſ­ſet nüt­ze auff Deudſch. Da­hin laut S. Pau­li / da er ſpricht / Er iſt mir vnd dir nütz / das iſt / ein One­ſi­mus.

→*1)

 

15VIeleicht aber iſt er darumb eine zeitlang von dir komen / das du jn ewig wider hetteſt / 16Nu nicht mehr als einen Knecht / ſondern mehr denn einen Knecht / einen lieben Bruder / ſonderlich mir / wie viel mehr aber dir / beide nach dem Fleiſch vnd in dem HErrn? 17So du nu mich helteſt fur deinen Geſellen / ſo wolteſtu jn / als mich ſelbs / annemen. 18So er aber dir etwas ſchaden gethan hat / oder ſchuldig iſt / das rechne mir zu. 19Ich Paulus hab es geſchrieben mit meiner Hand / ich wils bazalen →*2)/ Ich ſchweig / das du dich ſelbs mir ſchüldig biſt. 20Ja lieber Bruder / gönne mir / das ich mich an dir ergetze / in dem HErrn / Erquicke mein hertz in dem HErrn.

 

21ICh hab aus zuuerſicht deines gehorſams dir geſchrieben / Denn ich weis du wirſt mehr thun / denn ich ſage.

 

 

Aus dem Abschnitt

Perſönliche Mitteilungen und Grüße

Vers 22

 

22Daneben / bereite mir die Herberge / Denn ich hoffe / das ich durch ewer Gebet euch geſchencket werde.

 

 

 

*1) Luther erklärt das Wortspiel des Paulus mit dem Namen seines Schützlings Onesimus. Dessen Name bedeutet im wörtlichen Sinn »der Nützliche«.

 

*2) Druckfehler, Korrektur: bezalen.

 

 
Text: Freut Euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Habt mit allen Menschen Friede. (Römer 12, 15.18)

Zum Gebrauch

Für die inhaltliche und thematische Gestaltung der Gottesdienste schlägt die Ordnung der evangelischen Kirchen biblische Texte vor.

Sie sind jedoch nicht nur für den Vortrag im Gottesdienst gedacht. Es sind gleichzeitig Leseempfehlungen für alle Gemeinde­mit­glie­der, für Christen, die sich nicht in der Gemeindearbeit engagieren können oder wollen, und für jeden, der sich für die christliche Religion oder für die Bibel in der praktischen Anwendung interessiert.

Wir möchten Sie daher ausdrücklich dazu ermuntern, die Textstellen einmal in Ihrer Bibel zu lesen.

Über das Jahr betrachtet und im Verlauf der Jahre werden Sie auf diese Weise in kleinen Einheiten, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, die wesentlichen Textzeugnisse kennenlernen, auf die sich die christliche Religion stützt.

Text der Lutherbibel von 1545

Eine Besonderheit weisen unsere Seiten auf: Etliche biblische Texte (wie beispielsweise den Wochenspruch, die Psalmen und die Perikopen) geben wir nicht in der modernen, von der evangelischen Kirche vorgege­be­nen Textgestalt wieder, sondern in der Schreibweise und in der Sprache der Lutherbibel aus dem Jahr 1545.

Es ist der Text, den Martin Luther selbst aus den Quellen übersetzt und formuliert hatte. Er führt uns zurück in die Anfänge der Reformation, als die Bibel populär wurde und es Laien erstmals möglich war, biblische Texte zu lesen und über ihren Inhalt und Sinn nachzudenken.

Diese Texte sind gut geeignet für den Vergleich mit modernen Übersetzungen, vor allem aber für sehr private Medita­tio­nen über ihre Botschaften und über ihre gewaltige, sprachliche Aussagekraft.

 
Gedankenpause Text: Kommt her zu mir! Ich will Euch Ruhe geben und erfrischen. (Mt 11,28)

Die Einladung zum Glauben

Die Sonntage der Trinitatiszeit möchten dazu anleiten und dabei behilflich sein, Glauben zu finden und zu leben.

Wer mag, kann in den vielen biblischen Textempfehlungen dieser Sonntage selbst nachforschen, was Glauben meint. Sie erzählen vom Wissen, von den Erfahrungen und vom Glauben anderer Menschen in unterschiedlichen Formen: als Geschichten, als Gleichnisse, als Reden, als Lieder oder als Sprüche.

Wer dann dazu bereit ist, kann versuchen, christlichen Glauben im Alltag zu entdecken und hier und da für sich selbst anzuwenden. Durchaus in kleinen Schritten und Stück für Stück, jedoch immer wieder.

Damit das Glaubensbekenntnis keine leere Formel bleibt, die man nur zu gegebenen Anlässen aus der Schublade holt, sondern gelebtes Leben ausdrückt:

Ich glaube an Gott, den Vater. Und an Jesus Christus. Und an den Heiligen Geist.

Glaube und lebe danach!

Dies ist die Aufforderung zur Tat, der »Call-to-action«, zu der alle Sonntage der Trinitatiszeit immer wieder mit aller gebotenen Festlichkeit einladen:

Glaube und lebe danach!

So, wie Martin Luther sich eingeladen fühlte nach einer vielfach wiederholten Meditation über einen ganz bestimmten Bibeltext:

Biblia D. Mart. Luth. M·D·XLV·
Epiſtel S. Paul an die Römer. C.I·xvia.xvii.

 

Ich ſcheme mich des Euangelij
von Chriſto nicht.

Denn es iſt eine Krafft Gottes / die da ſelig machet /
alle / die daran gleuben /

Sintemal darinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit /
die fur Gott gilt /
welche kompt aus glauben in glauben /
Wie denn geſchrieben ſtehet

Der Gerechte wird ſeines Glaubens leben.

→Römer 1,16A.17

 

Ob Sie die Einladung annehmen möchten, bleibt Ihnen überlassen.

Erläuterungen zum Text Römer 1,16a.17

Vision, Mission, Strategie

Der kurze Text →Römer 1,16A.17 ist äußerst modern konzipiert. Er enthält alle wesentlichen Merkmale des Konzepts des heutigen sog. normativen Unternehmensmanagements, ausgedrückt auf engstem Raum: das Leitbild, die Vision, die Mission, die Strategie und die Zielvereinbarung. Darüber hinaus steckt in ihm das Grundgerüst für die Botschaften, die es zu vermitteln gilt, sowie eine klare und eindeutige Handlungsempfehlung.

 

I. Das Leitbild

Das Leitbild beantwortet im Managementkonzept die Frage »Wofür stehen wir?« und formuliert dafür das Wertesystem, das zugrunde gelegt wird.

Paulus schreibt im ersten Satz: Wir stehen für das Evangelium von Chriſto. Die Christenheit orientiert sich am Wertesystem und an den Lehren des Evangeliums.

Das Leitbild ist klar. Die erste Herausforderung, der wir uns als Leser dieses Textes stellen müssen, ist es, die Glaubenslehren und die christliche Ethik des Evangeliums zu begreifen.

 

II. Die Vision

Die Vision beantwortet die Frage »Wo wollen wir hin?« und beschreibt, welches Fernziel erreicht werden soll.

Paulus nennt die Vision für praktizierende Christen im zweiten Satz: Selig werden!

»Selig werden«, das meint: Von allen irdischen Übeln erlöst werden (wie im Vaterunser formuliert) und des ewigen Lebens teilhaftig werden (wie es im Glaubensbekenntnis ausgedrückt ist). Den Weg dahin vermittelt Paulus in den Botschaften im selben Textstück.

Die Vision ist eindeutig: Selig werden, vom Übel erlöst werden, am ewigen Leben teilhaben. Das ist das ferne Ziel, dem wir zustreben. Doch wie? Dafür bedarf es der Mission.

 

III. Die Mission

Die Mission beantwortet die Frage »Was tun wir dafür?« und nennt die Aufgabe sowie den Zweck des Unternehmens.

Paulus sieht die Aufgabe darin, die Gerechtigkeit / die fur Gott gilt zu erlangen. Den Zweck beschreibt er so: daran gleuben , also den Glauben praktizieren.

Die Mission stellt die nächste Herausforderung dar: Glauben funktioniert nicht von jetzt auf nachher. Glauben entsteht nicht allein durch das stille Bekenntnis »Ich glaube!«. Glauben möchte und muss gelebt werden. Das verlangt Engagement.

Was die Aufgabe angeht, was »Gerechtigkeit« meint, die vor Gott gilt, das ist zu ergründen, bevor wir es leben können. Das ist eine weitere Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Gemeint ist die Gerechtigkeit, die sich aus dem Leitbild ableitet. Es geht also nicht um irgendeine Gerechtigkeit, wie sie beispielsweise in den Gesetzgebungen der Länder, Staaten und Nationen abgebildet ist, sondern um die vor Gott gültige, um die des Evangeliums.

Dafür muss man sich damit ernsthaft auseinandersetzen, um zu verstehen, was das Evangelium dazu sagt.

Neugierig macht uns Paulus mit seiner mahnenden Erkenntnis. Er schreibt: Das Evangelium Christi iſt eine Krafft Gottes. Sie ist es, die selig macht. Die Mission orientiert sich an der Vision »Selig werden«.

 

IV. Die Strategie

Die Strategie beantwortet die Frage »Wie wollen wir es erreichen?« und hält die mittelfristigen Ziele fest, also jene Ziele, die wir jetzt sofort ansteuern und in Kürze erreichen können. In diesem Fall meint das: zu unseren Lebzeiten, vor den fernen Zielen der Vision.

Paulus schreibt, wir erreichen das Ziel, gerecht vor Gott zu werden, aus glauben in glauben.

Die Strategie will geübt werden: Aus Glauben in Glauben, das meint, sich ständig am Glauben, am Wertesystem, am Evangelium orientieren, daraus die Kraft ziehen für zielgerichtetes Handeln, und dann danach handeln. Nicht leicht! Aber möglich.

 

V. Die Zielvereinbarung

Die Zielvereinbarung beantwortet die Frage »Wie machen wir es messbar?« und formuliert dafür das Kriterium, das für die Erfolgsmessung herangezogen wird. Woran also macht sich der Erfolg fest, wenn wir der Strategie folgen?

Paulus beschreibt die Zielvereinbarung und benennt das Messkriterium im letzten Satz:

Der Gerechte wird seines Glaubens leben.

Diese Zielvereinbarung erscheint trivial, ist sie aber nicht: Auf der Basis seines Glaubens leben, kann schwer sein. Und gefährlich. Unglaublich viele Menschen haben bis heute dafür schon ihr Leben gegeben. Und weitere werden folgen. Die Zeitungen berichten immer wieder über religiös motivierte Misshandlungen, über Folter und Verstümmelungen brutalster Art, sowie über Tötungen und Massentötungen von Menschen. Quer durch alle Kulturen und alle Religionen. Selbst Jesus, Petrus und auch Paulus haben letztendlich ihre religiöse Haltung mit dem Leben bezahlt.

Doch auch, wenn heute in Deutschland nicht unser Leben bedroht ist, nur weil wir Christen sind, gibt es sehr viele äußere und innere Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Sie scheinen klein und harmlos zu sein. Sind sie aber nicht!

Schämen Sie sich dafür, Christ zu sein? Als Christ in der Öffentlichkeit erkannt zu werden? Schämen Sie sich dafür, »Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst!« zu sagen, wenn es angebracht ist? Halten Sie sich dann zurück?

Paulus schrieb dazu seine Haltung, die nach seiner Erfahrung sowohl die äußeren Hindernisse wie auch die inneren Hindernisse überwinden hilft:

Ich ſcheme mich des Euangelij von Chriſto nicht.

Lernen, sich nicht zu schämen. Das setzt voraus, dass man übt und erfährt, wie es sich anfühlt. Lernen aus Erfahrung.

Sich nicht schämen für seinen Glauben, weder vor sich selbst noch vor anderen, auch das kann einem sehr schwer gemacht werden. Es verlangt Mut, zu seiner inneren Haltung zu stehen. Sehr viel Mut. Und denen, die den Mut aufbringen, gehört aller Respekt dafür. Sie sind es, die das Christentum und seine Lehren tragen und weitergeben, sie schreiten voran mit ihrem Beispiel. Das ist nicht einfach in einer Welt, in der andere Werte gesellschaftlich erstrebenswert und sehr oft bedeutungsvoller sind.

Es braucht Mut. Selbst Petrus hatte es im Angesicht der Gefangennahme Jesu nicht geschafft, zu Jesus zu stehen und ihn dreimal verleugnet. Gut, diese Situation war auch brandgefährlich für ihn.

Doch wie ist es bei Ihnen zu Hause? Beten Sie? Sprechen Sie beispielsweise Tischgebete? Auch wenn Gäste dabei sind? Gehen Sie in die Kirche ihrer Gemeinde? Erzählen Sie danach über ihre Erlebnisse und über das Gehörte dort im Bekanntenkreis? Ergreifen Sie Partei, wenn gegen christliche Lehren verstoßen wird, beispielsweise in der Nachbarschaft, im Verein oder am Stammtisch? Ergreifen Sie Partei, wenn Menschen zu Opfern gemacht werden von kleinen und größeren Taten? Wenn über Dritte hergezogen wird im lockeren Tratsch unter Nachbarn und am Arbeitsplatz? Wenn eigentlich »Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!« angesagt wäre?

Sich nicht schämen und Courage zeigen, dort, wo andere schweigen, sich nicht schämen und seinem Gewissen folgen, aus Glauben in Glauben, ist wirklich nicht leicht. Doch es ist die Voraussetzung dafür, die Zielvereinbarung für praktizierten Glauben zu erfüllen.

Das schafft man nicht immer. Nicht immer ist es möglich, 100% Zielerreichung zu erbringen. Was auch nicht schlimm ist, man sollte sich nur klar darüber werden, woran es liegt, und wie man es ändern kann, wenn man seine Ziele nicht geschafft hat. Diese Reflexion hilft dabei, sich zu rüsten für das, was vor einem liegt.

 

VI. Die Botschaften

Paulus liefert uns als Empfänger dieser Zeilen in diesem Text im wesentlichen gleich drei Botschaften:

1. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt – und damit vor den Menschen! –, kommt im Glauben an das Evangelium aus dem Glauben heraus.

2. Der vor Gott und vor seinen Mitmenschen »Gerechte« wird diesen Glauben leben und danach handeln. Reden ist eins, Handeln etwas anderes.

3. Wer entsprechend handelt, braucht sich seines Glaubens und des Evangeliums nicht zu schämen. Vielmehr ist er er aufgefordert, seinen Glauben frei und unbekümmert zu leben, wobei ihm die »Kraft Gottes« behilflich ist, die im Evangelium steckt.

 

VII. Die Handlungsempfehlung

Der Text liefert die Handlungsempfehlung für jeden, der in irgendeinem Sinne gerecht leben möchte: Probiere es einmal mit dem christlichen Glauben!

Denn egal, was man glaubt, es drückt sich immer in der Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen, im Denken, im Reden und im Handeln aus.

Dies gilt für Christen genau so. Ihre wirkliche Einstellung und das, was sie tatsächlich glauben unabhängig von einer Taufurkunde, lässt sich nicht verbergen! Ihr Reden und ihre Taten sind Ausdruck ihrer Gesinnung. Es sind die Zeugnisse, die sie sich selbst ausstellen. Es sind die Spiegelbilder, die alle anderen um sie herum wahrnehmen und die sich nicht beschönigen lassen. Immer und Überall.

Auch und oftmals gerade im Alltag wird es sichtbar: Im Umgang mit unseren Kindern und mit unseren Eltern, mit Verwandten und Bekannten, mit Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten. Im Auto, im Supermarkt und im Restaurant. Kurz: Überall dort, wo wir sind, wo wir Handeln und wo wir Spuren unseres Seins hinterlassen..

Das christliche Bekenntnis und die Erwartung, selig werden zu wollen, geht einher mit der Aufforderung, gerecht zu leben. Immer und überall. Daran wird es sich erweisen, ob man Gerecht ist vor Gott und den Menschen:

Der Gerechte wird seines Glaubens leben.

 

Motivation und Einladung

Insofern bietet der Text die Motivation für jedes Handeln eines Christen. Er beschreibt praktiziertes Christentum.

Gleichzeitig ist er die Einladung an alle, die gerecht leben wollen, ob getauft oder ungetauft, es doch einmal mit dem christlichen Glauben zu probieren. Es kostet ja nichts.

 

Leittext für die Zeit nach Trinitatis

Wir haben den Text→Römer 1,16A.17als Leittext für unsere Beiträge zu den Sonntagen nach Trinitatis gewählt. In dieser Zeit stehen die Themen »Glaube« und »Gemeinde« im Vordergrund. Es geht um die Fragestellungen, was Glauben ist, wie sich Glauben zeigt und auswirkt, wie die Gemeinde Glauben umsetzen und leben kann und wie Glauben die Gemeinde formt.

Wir meinen: Neben dem Vaterunser und dem Glaubensbekenntnis bieten die Ausführungen von Paulus wunderbare Anleitungen für praktiziertes Christentum. Sie erklären in äußert knapper Form die Beziehung Gottes zu den Menschen.

Sie finden daher unter den Leseempfehlungen auf dieser Seite weitere Artikel und Materialien, die sich mit diesem Thema, der Beziehung Gottes zu den Menschen, auseinandersetzen.

 
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