Der Brief des Paulus: An die Römer | Kapitel 2

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Die Briefe des Paulus

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Briefe des Paulus

Der Brief des Paulus:
An die Römer

Kapitel 2

 

Rom 2

 

Der Text in 16 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 2

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel II

 

 

1,18 - 3,20

 

II. ALLE MENSCHEN SIND IN GLEICHER WEISE SCHULDIG

 

1

2,1-16

→Schuld und Ehre vor Gott ohne Ansehen der Person

2

2,17-24

→Das Gesetz kennen und leben ist zweierlei

3

2,25-29

→Die Beschneidung an Leib und Geist

 

 

 

Die Epiſtel S. Pauli:
An die Römer.

 

 
[335b]

 

II.

 

 

Schuld und Ehre vor Gott, ohne Anſehen der Perſon

 

DARumb / o Menſch / kanſtu dich nicht

entſchüldigen / wer du biſt / der da richtet. Denn worinne du einen andern richteſt / verdamſtu dich ſelbs / Sintemal du eben daſſelbige thuſt / das du richteſt. 2Denn wir wiſſen / das Gottes vrteil iſt recht vber die / ſo ſolchs thun. 3Denckeſtu aber / o Menſch / der du richteſt die / ſo ſolches thun / vnd thuſt auch daſſelbige / das du dem vrteil Gottes entrinnen werdeſt? 4Oder verachteſtu den reichthum ſeiner güte / gedult vnd l langmütigkeit? Weiſſeſtu nicht / das dich Gottes güte zur Buſſe leitet?

5DV aber nach deinem verſtockten vnd vnbuſfertigen Hertzen / heuffeſt

l

(Langmütigkeit)

Auff latiniſch tar­dus jra / vnd iſt dem Ebreiſchen nachgeredt / Arich Appaim.→*1) Vnd iſt eine Tugent ei­gentlich die lang­ſam zürnet vnd ſtraffet das vn­recht. Aber Ge­dult iſt / die das vbel tregt an gut / leib vnd ehre / ob es gleich mit recht geſchehe. Güte iſt die leibliche wol­that vnternander / vnd freundliches weſen.

 

 
[335b | 336a]

 

 

An die Römer.     C. II.

CCCXXXVI.

 

 

heuffeſt dir ſelbſt den zorn auff den tag des zorns vnd der offenbarung des gerechten gerichtes Gottes / 6Welcher geben wird einem jglichen nach ſeinen wercken / 7nemlich / Preis vnd ehre / vnd vnuergenglichs weſen / denen / die mit gedult in guten wercken trachten nach dem ewigen Leben / 8Aber denen / die da zenckiſch ſind / vnd der warheit nicht gehorchen / gehorchen aber dem vngerechten / Vngnade vnd zorn / 9trübſal vnd angſt / vber alle Seelen der Menſchen / die da böſes thun / fürnemlich der Jüden vnd auch der Griechen. 10Preis aber / vnd ehre vnd friede / allen denen / die da gutes thun / furnemlich den Jüden vnd auch den Griechen.

11DEnn es iſt kein anſehen der perſon fur Gott / 12Welche on Geſetz geſündiget haben / Die werden auch on Geſetz verloren werden / Vnd welche am Geſetz geſündiget haben / die werden durchs Geſetz verurteilet werden. 13Sintemal fur Gott nicht die das Geſetz hören / gerecht ſind / Sondern die das Geſetze thun / werden gerecht ſein. 14Denn ſo die Heiden / die das Geſetz nicht haben / vnd doch * von natur thun des Geſetzes werck / dieſelbigen / dieweil ſie das Geſetze nicht haben / ſind ſie jnen ſelbs ein Geſetz / 15damit / das ſie beweiſen / des Geſetzes werck ſey beſchrieben in jrem hertzen / Sintemal jr Gewiſſen ſie bezeuget / da zu auch die gedancken / die ſich vnternander verklagen oder entſchüldigen / 16auff den tag / da Gott das verborgen der Menſchen / durch Jheſum Chriſt / richten wird / lauts meines Euangelij.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*

(Von natur)

Das natürliche Geſetz iſt / Was du wilt dir gethan vnd vberhaben ſein von einem an­dern / das thu vnd vberhebe du auch einen andern. Dar­innen das gantze Geſetz Moſi be­griffen iſt / wie Chriſtus ſagt / Math. 7. An wel­chem Geſetz die Heiden auch nicht mehr denn das euſſerliche werck thun / wie die Jü­den an Moſes Geſetz. Vnd das ver­klagen vnd ent­ſchüldigen iſt / das eine ſünde gröſſer iſt / denn die ande­re / wider das Ge­ſetz.

 

 

Das Geſetz kennen und leben iſt zweierley

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jeſa. 52.

Ezech. 36

SIhe aber zu / Du heiſſeſt ein Jüde / vnd verleſſeſt dich auffs Geſetz / vnd rhümeſt dich Gottes / 18vnd weiſſeſt ſeinen willen / Vnd weil du aus dem Geſetze vnterrichtet biſt / prüfeſtu was das beſte zu thun ſey / 19vnd vermiſſeſt dich zu ſein ein Leiter der blinden / ein Liecht dere / die im finſternis ſind / 20ein Züchtiger der törichten / ein Lerer der einfeltigen / haſt die forme / was zu wiſſen vnd recht iſt im Geſetz. 21Nu lereſtu andere / Vnd lereſt dich ſelber nicht / Du predigeſt / man ſolle nicht ſtelen / Vnd du ſtileſt / 22Du ſprichſt / man ſolle nicht ehebrechen / Vnd du bricheſt die ehe / Dir grewelt fur den Götzen / Vnd a raubeſt Gott was ſein iſt / 23Du rhümeſt dich des Geſetzes / Vnd ſchendet Gott durch vbertrettung des Geſetzes. 24Denn ewrent halben wird Gottes namen geleſtert vnter den Heiden / als geſchrieben ſtehet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

a

(Raubeſt)

Du biſt ein Gottes dieb / Denn Got­tes iſt die Ehre die nemen jm alle Werck­heili­gen.

 

 

Die Beſchneidung an Leib und Geiſt

 

DIe Beſchneitung iſt wol nutz / wenn du das Geſetz helteſt. Helteſtu aber das Geſetz nicht / ſo iſt deine Beſchneitung ſchon ein Vorhaut worden. 26So nu die b Vorhaut das recht im Geſetz helt / meineſtu nicht / das ſeine Vorhaut werde fur eine Beſchneitung gerechnet? 27Vnd wird alſo das von natur eine Vorhaut iſt / vnd das Geſetz volbringet / dich richten / der du vnter dem Buchſtaben vnd Beſchneitung biſt / vnd das Geſetz vbertritteſt. 28Denn das iſt nicht ein Jüde / der auswendig ein Jüde iſt / Auch iſt das nicht eine Beſchneitung / die auswendig im fleiſch geſchicht / 29Sondern das iſt ein Jüde / der inwendig verborgen iſt / vnd die Beſchneitung des hertzen iſt eine Beſchneitung / die im ** Geiſt vnd nicht im Buchſtaben geſchicht / Welches lob iſt nicht aus den Menſchen / ſondern aus Gott.

 

 

 

b

(Vorhaut)

So heiſſet Paulus die Heiden / dar­umb / das ſie vnbe­ſchnitten ſind.

 

 

 

 

 

 

**

Geiſt heiſſet / was Gott im men­ſchen vber die na­tur wircket. Buch­ſtab heiſſet / alles thun der natur on Geiſt.

 

 

 

*1) (Langmütigkeit): Luther beschreibt, dass er aus seinen Quellen den lateinischen Begriff tardus ira (dt.: »langsamer Zorn«, »säumige Erbitterung«, o. ä.) mit Langmütigkeit übersetzt ( d. i.: »lange gutmütig, geduldig« im Ggs. zu schnell wütend, ungeduldig). Er sieht damit die Begriffe »Geduld« und »Güte« verbunden.

Der lateinische Begriff wiederum sei eine Nachbildung (keine Übersetzung) des hebräischen Ausdrucks »Arich Appaim«.
Luther transkribiert die hebräische Wendung אַפָיִם אֹרֶךְ , (»ˀorεk ˀapͻjim«), die »langmütig« oder substantiviert »Geduld« bedeutet.

Nach Luthers Meinung entspricht sein eingedeutschter Begriff eher dem hebräischen Ausdruck, weil der eine Tugend bezeichne und keine situative Stimmungslage.

Die Anmerkung erläutert einerseits den Begriff, andererseits richtet sich Luther an die Kritiker seiner Übersetzung, die sich auf lateinische Quellen und Bibelausgaben berufen, weshalb er lateinisches und transkribiertes hebräisches Vokabular bemüht.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Jeſa.
Jeſai.
Jſa.
Iſai.
Eſa.

 

Der Prophet Jeſaja.

Biblia Vulgata: Isaias

Der Prophet Jesaja

Das Buch Jesaja

Jes

Jes

Jes

Is

Ezech.
Heſek.
Der Prophet Heſekiel.

Biblia Vulgata: Hiezechiel

Der Prophet Hesekiel (Ezechiel)

Das Buch Ezechiel

Hes

Ez

Ez

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Rom 2 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: kanſtu

1: verdamſtu

1: Sintemal

2: thun

3: denckeſtu

4: verachteſtu

4: Weiſſeſtu

6: jglichen

8: zenckiſch

9: Seelen

11: geſündiget

11: on

13: fur

14: Heiden

15: ſey

18: prüfeſtu

19: Liecht

21: lereſtu

22: grewelt

22: Götzen

23: vbertrettung

25: Helteſtu

26: meineſtu

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

kanſtu

kannst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von können (Verb)

 

Präsens:

kanſtu: kannst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,1

 

DARumb / o Menſch / kanſtu dich nicht entſchüldigen / wer du biſt / der da richtet.

 

Darum, o Mensch: Du kannst dich nicht entschuldigen, für das, was du bist, wenn du richtest!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

1

verdamſtu

verdammst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verdammen (Verb)

 

Präsens:

verdamſtu: verdammst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,1

 

Denn worinne du einen andern richteſt / verdamſtu dich ſelbs

 

Denn worin du einen anderen richtest, verdammst du dich selbst!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

1

ſintemal

sintemal (Konjunktion, veraltet)

entstanden aus der Verbindung sint (seit) dem male (dem Zeitpunktpunkt)

 

da, weil, indem

darum, derhalben, deswegen

dieweil, denn, dann, nachdem

 

 

→Röm 1,17

 

Sintemal darinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit

 

Denn darin wird die Gerechtigkeit offenbart

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

2

thun

tun (Verb)

Mhd.: tuon (erweitert tuogen, tuonen)

allgemein machen, schaffen, verrichten, handeln in unterschiedlichsten Varianten und Bedeutungen

 

Formen

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv thun tun
Präsens ich thu ich tue
  du thuſt du tust
  er thut er tut
Präteritum ich thet ich tat
  er thet er tat
  wir theten wir taten
  jr thetet ihr tatet
  sie theten sie taten
Perfekt du haſt gethan du hast getan
  er hat gethan er hat getan
Plusquamperfekt er hatte gethan er hatte getan
  er hette gethan er hätte getan
Imperative thu (es)! tue (es)!
  haſtu gethan du hast getan!
 

 

→Ps 78,12

 

FVr jren Vetern thet er Wunder in Egyptenland

 

Vor ihren Vätern tat er Wunder in Ägypten

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

3

denckeſtu

denkst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von denken (Verb)

 

Präsens:

denckeſtu: denkst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,3

 

Denckeſtu aber / o Menſch / der du richteſt die / ſo ſolches thun / vnd thuſt auch daſſelbige / das du dem vrteil Gottes entrinnen werdeſt?

 

Denkst du etwa <wirklich>, o Mensch, der du diejenigen richtest, die das tun, was du selbst tust, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst?!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

4

verachteſtu

verachtest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verachten (Verb)

 

Präsens:

verachteſtu: verachtest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,4

 

Oder verachteſtu den reichthum ſeiner güte [...] ?

 

Oder verachtest du etwa den Reichtumn seiner Güte [...] ?

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

4

weiſſeſtu

weißt du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von wissen (Verb)

 

Präsens:

weiſſeſtu: weißt du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

weiſſeſtu: weißt du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Ps 40,10

 

Jch wil mir meinen Mund nicht ſtopffen laſſen / HERR / das weiſſeſtu.

 

Ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen! HERR, das weist du (doch)!

 

→Ps 139,2

 

Ich ſitze oder ſtehe auff ſo weiſſeſtu es.

 

Ich sitze oder stehe auf: Du weißt es, es entgeht Dir nicht!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

6

jglicher

 

jgliche

 

jglichs

jeglicher, jegliche, jegliches (Pronomen)

veraltet für: jeder, jede, jedes

 

→Jes 28,25

 

.. ſo ſtrewet er Wicken / vnd wirfft Kümel / vnd ſeet Weitzen vnd Gerſten / jglichs wo ers hin haben wil /

 

...so streut er Wicken und wirft Kümmel und sät Weizen und Gerste, jegliches [dahin], wo er es hin haben will.

 

 

 

SK Rev 11.08.2017  

→Register

8

zenckiſſch

 

zenckiſch

zänkisch (Adjektiv)

zu Zank und Streit veranlagt

 

Mit »s« und »sch«: zenckiſſch

 

→Ps 18,44

 

Du hilffſt mir von dem zenckiſſchen Volck

 

Du hilfst mir vor dem zänkischen Volk

 

Nur mit »sch«: zenckiſch

 

→Ps 31,21

 

Du verdeckeſt ſie in der Hütten / fur den zenckiſchen Zungen.

 

Du verbirgst sie in der Hütte vor den zänkischen Zungen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

9

Seele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

11

ſündigen

 

ſundigen

sündigen (Verb)

eine religiöse Verfehlung (Sünde) begehen

 

Zu Luthers Zeiten wurde der Begriff ausschließlich im religiösen und im kirchlichen Kontext verwendet. Durch die Vielzahl religiöser und kirchlicher Vorschriften war der Begriff Sünde inhaltlich eindeutig geprägt. Die Ermahnung, nicht zu sündigen, beeinflusste viele alltägliche Verhaltensweisen.

 

→Ps 4,5

 

Zürnet jr / ſo ſündiget nicht / Redet mit ewrem hertzen auff ewrem Lager / vnd harret

Luther (zu »sündiget«): Bewegt euch etwas zu vnluſt.

 

Ps 4,5 bezieht sich auf die Geschichte von Kain und Abel (→1Mos 4,7), in der sich der erzürnte Kain von der Sünde überwältigen lässt, anstatt abzuwarten, um sie in Ruhe zu beherrschen.

 

→Jes 29,21

 

welche die Leute ſundigen machen durchs predigen /

 

... welche die Leute durch das Predigen verführen zu sündigen.

 

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

11

on

ohne (Präposition)

Wegfall einer Sache oder eines Grundes

 

→Ps 18,32 on der HERR: ohne dem HERRN

 

→Ps 27,12 on ſchew: ohne Scheu

 

→Ps 35,15 on meine ſchuld: ohne meine Schuld

 

→Ps 18,32 on vnſer Gott: ohne unserem Gott

 

→Röm 1,9 on vnterlas: ohne Unterlass

 

→Ps 7,5 on vrſach: ohne Ursache, ohne Grund, grundlos

 

→Ps 15,2 on wandel: ohne Makel, makellos, unverändert

 

→Ps 105,34 on zahl: ohne Zahl, zahllos, unzählig

 

→Röm 4,6 on zuthun: ohne Zutun

 

→Röm 4,9 on zweiuel: ohne Zweifel, zweifelsohne, zweifellos

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

13

fur

a) vor (Präposition)

 

b) für (Präposition)

 

c) fuhr (Verb)

Die Präpositionen vor und für

 

Die beiden heutigen Wörter vor und für gehen sprachlich auf das selbe Wort zurück, was in der Lutherbibel noch gut verfolgt werden kann.

 

Überwiegend tritt fur in der Bedeutung vor auf und ist gleichbedeutend mit Luthers Schreibweise vor.

 

Die konkrete Bedeutung erschließt sich aus dem Textzusammenhang.

 

Das Verb fuhr

 

Das Wort fur kann auch das Verb fahren (Luther-Deutsch: faren) in der 3. Person Singular Präteritum meinen.

 

Beispiel der Bedeutung »vor«:

 

→Ps 3,1

 

Ein Pſalm Dauids / Da er floh fur ſeinem ſon Abſalom.

 

Ein Psalm Davids, [gesungen,] als er vor seinem Sohn Aschalom floh.

 

Beispiel der Bedeutung »für«:

 

→Ps 40,18

 

Denn ich bin Arm vnd Elend / Der HERR aber ſorget fur mich

 

Denn ich bin arm und elend. Der HERR sorgt aber für mich.

 

Beispiel der Bedeutung »fuhr«:

 

→Ps 18,10

 

Er neigete den Himel vnd fur herab

 

Er neigte den Himmel und fuhr herab.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

14

Heiden

Heiden, die

Heide, der

Heiden
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
684 412 120 152

Im Alten Testament nur im Plural gebräuchlich.

 

(eigtl. Völker). Im religiösen Sinn sind Heiden Menschen, die nicht an Gott glauben bzw. angehörige fremder Religionen.

 

Gemeint sind (allumfassend) Völker mit fremden Religionen und fremden Gotteskulten aus der Sicht des Sprechenden in Abgrenzung zum Volk Gottes.

 

Im Neuen Testament verwendet Luther das Wort auch im Singular:

 

→Mt 18, 17

 

Höret er die Gemeine nicht / So halt jn als einen Heiden vnd Zölner.

 

Hört er nicht auf die Gemeinde, dann halte ihn für einen Heiden und Zöllner.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

15

ſey

er/sie/es sei (Verb)

von: sein (Verb)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→1Mos 1,6

 

Es werde eine Feſte zwiſchen den Waſſern / vnd die ſey ein Vnterſcheid zwiſchen den Waſſern.

 

Es werde ein Himmelsgewölbe zwischen den Gewässern, und das sei die Trennung zwischen den Gewässern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

18

prüfeſtu

prüfst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von prüfen (Verb)

 

Präsens:

prüfeſtu: prüfst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,18

 

Vnd weil du aus dem Geſetze vnterrichtet biſt / prüfeſtu was das beſte zu thun ſey

 

Und weil du dich mit dem Gesetz auskennst, prüft du <doch sicher>, was am besten zu tun sei!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

19

Liecht

Licht, das

Substantivierung des Adjektivs →liecht

 

a) Helligkeit (im Gegs. zur Finsternis)

b) Lichtstrahlen (von Himmelskörpern, vom Feuer, von Lampen, usw.)

c) als leuchtender Körper: Licht, Leuchte, Lampe ( besonders im Plural)

 

→Ps 104,2

 

LJecht iſt dein Kleid / das du an haſt

 

a) Licht ist dein Kleid, das du an hast.

 

Hier ist Licht im Gegensatz zu Finsternis zu verstehen:

b) Helligkeit umgibt dich.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

21

lereſtu

lehrest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von lehren (Verb)

 

Präsens:

lereſtu: lehrst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,21

 

Nu lereſtu andere / Vnd lereſt dich ſelber nicht

 

Nun, du belehrst andere, dich selber aber nicht!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

22

greweln

greueln (Verb, veraltet)

1. Abscheu oder Ekel empfinden

2. Grauen oder Furcht empfinden

 

→Rom 2,22

 

Dir grewelt fur den Götzen / Vnd a raubeſt Gott was ſein iſt

 

Du verabscheust die Götzen, aber du raubst Gott, was sein ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

22

Götze

Götze, der

Dummkopf, Bildwerk, gegossenes Bildwerk, Abgott

 

Etymologisch ist das Wort unklar. Einerseits kann darin das Wort »gießen« stecken, was zu »Gegossenem« (Bildwerk) führt, anderseits das Wort »Gott«, was auch »Gottesbild« oder »Heiligenbild« einschließen würde.

 

Luther verwendet den Begriff Götze jedoch ausschließlich abwertend in den Bedeutungen Dummkopf und (gegossenes Bild vom) Abgott.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

23

Vbertrettung

Übertretung, die

Substantivierung von übertreten (Verb): über etwas hinweg, hinaus treten, eine Grenze überschreiten, sich über etwas (abgegrenztes) hinweg setzen

 

Gemeint ist die Übertretung der Gesetze und Gebote Gottes.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

25

helteſtu

hieltest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von halten (Verb)

 

Präsens:

helteſtu: hältst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Rom 2,25

 

Helteſtu aber das Geſetz nicht / ſo iſt deine Beſchneitung ſchon ein Vorhaut worden.

 

<Erkenne es:> Hältst du das Gesetz nicht, dann ist deine Beschneidung bereits längst zur Vorhaut geworden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

26

meinſtu

 

meineſtu

meinst du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von meinen (Verb)

 

Präsens Indikativ: meinſtu, du meinst

Präsens Konjunktiv: meineſtu, du meinest

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 50,13

 

Meinſtu das ich Ochſſenfleiſch eſſen wölle / Oder Bockſblut trincken?

 

(Was denkst Du nur?!) Meinst du etwa, das ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bockblut trinken?!

 

→Ps 50,21

 

Das thuſtu / vnd ich ſchweige / Da meineſtu / Jch werde ſein gleich wie du /

 

(Ich weiß,) das tust du! Und ich schweige. Und deswegen meinest du (womöglich), ich bin wie du?!

 

→Rom 2,26

 

meineſtu nicht / das ſeine Vorhaut werde fur eine Beſchneitung gerechnet?

 

meinest du nicht auch, dass seine Vorhaut als Beschnitten gilt?!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

In den Kirchenjahren ab 1978/1979 bis 2017/2018

LESUNG AUS DEN BRIEFEN DER APOSTEL UND PREDIGTTEXT

→Buß- und Bettag

→Rom 2,1-11

EP
II

 
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