Das Evangelium nach Matthäus | Kapitel 7

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Die Evangelien

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Evangelien und die Offenbarung

Das Evangelium nach
Matthäus

Kapitel 7

 

Mt 7

 

Der Text in 28 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel
 

 

 

 

Euangelium
S. Mattheus.

Die Bergpredigt

C.V. bis C.VII.

 

 
[248b]

 

VII.

 

 

Eine Warnung vor dem Richten und dem Verurteilen

|| →Lk 6,37.38.41.42    || →Mk 4,24

Mar. 4.

Luc. 6.

Rom. 2.

RIchtet nicht / Auff das jr nicht gerichtet

werdet.2Denn mit welcherley Gerichte jr richtet / werdet jr gerichtet werden / Vnd mit welcherley Mas jr meſſet / wird euch gemeſſen werden.

Richten gehört Gott zu / Dar­umb wer richtet on Got­tes befelh / der nimpt Gott ſeine Ehre / Vnd dis iſt der Balcke.

 

 

Eine Warnung vor Selbſtgefälligkeit und Anklage

 

3Was ſiheſtu aber den Splitter in deines Bruders auge / vnd wirſt nicht gewar des Balcken in deinem auge? 4Oder wie tharſtu ſagen zu deinem Beuder / Halt / Ich wil dir den Splitter aus deinem auge ziehen / vnd ſihe / ein Balcke iſt in deinem auge. 5Du Heuchler / zeuch am erſten den Balcken aus deinem auge / Darnach beſihe / wie du den Splitter aus deines Bruders auge zieheſt.

 

 

Eine Ermahnung zum Bewahren der Werte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luc. 11.

IR ſolt das Heiligthum nicht den b Hunden geben / vnd ewre Perlen ſolt jr nicht fur die c Sew werffen / Auff das ſie die ſelbigen nicht zutretten mit jren Füſſen / Vnd ſich wenden / vnd euch zureiſſen.

 

Die Aufforderung zur Zuverſicht in Bitten und im Gebet

|| →Lk 11,9-13

BIttet / ſo wird euch gegeben / ſuchet / ſo werdet jr finden / Klopffet an ſo wird euch auffgethan.8Denn wer da bittet / der empfehet / Vnd wer da ſuchet / der findet / Vnd wer da anklopfft / dem wird auffgethan. 9Welcher iſt vnter euch Menſchen / ſo jn ſein Son bittet vmbs Brot / Der jm einen Stein biete? 10Oder ſo er jn bittet vmb einen Fiſch / Der jm eine Schlange biete? 11So denn jr / die jr doch arg ſeid / künd dennoch ewren Kindern gute gabe geben / Wie viel mehr wird ewer Vater im Himel gutes geben / denen die jn bitten?

(Heiligthum)

Das Heilig­thum iſt Gottes wort / da durch alle ding ge­heili­get werden.

 

b

Hunde ſind / die das wort ver­fol­gen.

 

c

Sew ſind / die er­ſoffen in fleiſch­li­cher luſt / das wort nicht achten.

 

 

Das Geſetz und die Propheten meinen Nächſtenliebe
Die goldene Regel

|| →Lk 6,31

Luc.6.

ALles nu / das jr wöllet / das euch die leute thun ſollen / Das thut jr jnen / Das iſt das Geſetz vnd die Propheten.

 

 

Die zwei Wege
Die enge Pforte

|| →Lk 13,24

Luc.13.

GEhet ein durch die enge Pforten / Denn die Pforte iſt weit / vnd der weg iſt breit / der zur Verdamnis abfüret / Vnd jr ſind viel / die drauff wandeln. 14Vnd die Pforte iſt enge / vnd der weg iſt ſchmalh / der zum Leben füret / Vnd wenig iſt jr / die jn finden.

 

 

Eine Warnung vor falſchen Heilsverkündern

|| →Lk 6,43-45

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luc.6.

 

 

 

 

 

Matt.3.

Luc.3.

SEhet euch fur / fur den falſchen Propheten / die in Schafskleidern zu euch komen / Inwendig aber ſind ſie reiſſende Wolffe / 16An jren Früchten ſolt jr ſie erkennen. Kan man auch Drauben leſen von den Dornen? Oder Feigen von den Diſteln? 17Alſo ein jglicher guter Bawm / bringet gute Früchte / Aber ein fauler Bawm / bringet arge Früchte. 18Ein guter Bawm kan nicht arge Früchte bringen / Vnd ein fauler Bawm / kan nicht gute Früchte bringen. 19Ein jglicher Bawm / der nicht gute früchte bringet / wird abgehawen / vnd jns Fewr geworffen. 20Darumb an jren früchten ſolt jr ſie erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Psal. 6.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luc.6.

 

Wer im Namen Jeſu handelt,
handelt längſt nicht gemäß Gottes Willen

|| Lk 6,46-49

21ES werden nicht alle / die zu mir ſagen / HErr / HErr / in das Himelreich komen / Sondern die den willen thun meines Vaters im Himel. 22Es werden viel zu mir ſagen an jenem tage / HErr / HErr / haben wir nicht in deinem Namen geweiſſagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan? 23Denn werde ich jnen bekennen / Ich habe euch noch nie erkand / Weichet alle von mir jr Vbeltheter.

 

Das Gleichnis vom Haus auf dem Felſen

|| →Lk 6,46-49

DArumb / wer dieſe meine Rede höret / vnd d thut ſie / den vergleiche ich einem klugen Man / der ſein Haus auff einen Felſen bawet. 25Da nu ein Platzregen

d

(Thun) Hie fod­dert Chri­ſtus auch den glauben / Denn wo nicht glaube iſt / thut man die Gebot nicht / Rom. 3.

Vnd alle gute werck / nach dem ſchein on glauben geſchehen ſind ſün­de. Dagegen auch wo glaube iſt / müſſen rechte gute werck folgen. Das heiſſet Chri­ſtus (thun) von reinem hertzen thun. Der glaub aber reini­get das hertz Ac. 15

Vnd ſolche fröm­igkeit ſtehet feſt wi­der alle winde / das iſt / alle macht der Hellen. Denn ſie iſt auff den fels Chriſtum / durch den glauben / ge­bawet. Gute werck on glauben / ſind der tö­richten jung frawen Lampen on öle.

 

 

 

 
[248b | 249a]

 

 

S. Mattheus.     C. VII.

CCXLIX.

 

 

fiel / vnd ein Geweſſer kam / vnd webeten die Winde / vnd ſtieſſen an das Haus fiel es doch nicht / Denn es war auff einen Felſen gegründet. 26Vnd wer dieſe meine Rede höret / vnd thut ſie nicht / Der iſt einem törichten Man gleich / der ſein Haus auff den Sand bawet. 27Da nu ein Platzregen fiel / vnd kam ein Geweſſer / vnd webeten die Winde / vnd ſtieſſen an das Haus / da fiel es / vnd thet einen groſſen fall.

 

 

Abſchluſsbemerkung zur Bergpredigt
Das Staunen der Menge

|| →Mk 1,22    || →Lk 4,32

 

28VND es begab ſich / Da Jheſus dieſe Rede volendet hatte / Entſatzte ſich das Volck / vber ſeiner Lere. 29Denn er prediget gewaltig / Vnd nicht wie die Schrifftgelerten.

 

 

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Pſal.
Der Pſalter.

Biblia Vulgata: Psalmi

Der Psalter

Die Psalmen

Das Buch der Psalmen

Ps

Ps

Ps

Matth.
Matt.
Mat.
Math.
Euangelium S. Mattheus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Mattheum

Das Evangelium nach Matthäus

Matthäusevangelium

Mt

Mt

Mt

Marc.
Mar.

 

Euangelium S. Marcus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Marcum

Das Evangelium nach Markus

Markusevangelium

Mk

Mk

Mk

Luce.
Luc.
Euangelium S. Lucas.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Lucam

Das Evangelium nach Lukas

Lukasevangelium

Lk

Lk

Lk

Ac.
Act.
Acto.
Der Apoſteln Geſchicht / beſchrieben von S. Lucas.

Biblia Vulgata: Actus Apostolorum

→Zum Text

Die Apostelgeschichte des Lukas

Apostelgeschichte

Apg

Apg

Apg

Rom.
Ro.
Epiſtel S. Paul an die Römer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Romanos

Der Brief des Paulus an die Römer

Römerbrief

Röm

Röm

Rom

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Mt 7 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

3: ſiheſtu

4: tharſtu

4: Beuder

5: Heuchler

5: zeuch

6: Heiligthum

6: Sew

6: zutretten

6: zureiſſen

6: empfehet

11: arg

12: Alles nu

17: jglicher

17: Bawm

21: HErr

21: Teufel

23: Vbeltheter

29: Schrifftgelerten

  

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

3

ſiheſtu

siehst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von sehen (Verb)

 

Präsens:

ſiheſtu: siehst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

ſiheſtu: siehst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

ſiheſtu? (antworte mir!) ... siehst du ... ?

 

→Mt 7,3

 

Was ſiheſtu aber den Splitter in deines Bruders auge

 

Sag doch! Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders?

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

4

tharſtu

tatest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von thun (Verb, veraltet) bzw. tun (Verb)

 

Präteritum:

tharſtu: tatest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

tharſtu: tatest du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

Warum tharſtu? (antworte mir!) warum tatest du ... ?

 

→Mt 7,4

 

Oder wie tharſtu ſagen zu deinem Bruder / Halt / Jch wil dir den Splitter aus deinem auge ziehen

 

Oder das: Hast du nicht zu deinem Bruder gesagt, »Halt! Ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen!«?

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

4

Beuder

Bruder, der

 

→Mt 7,4:

 

Oder wie tharſtu ſagen zu deinem Beuder

 

An dieser Stelle ein Druckfehler im Original (»e« statt »r«), den wir gemäß der Vorlage übernommen haben.

Die richtige Schreibweise lautet: Bruder.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

5

Heuchler

Heuchler, der

von heucheln (Verb)

 

Jemand, der ständig heuchelt, der etwas Besonderes vorgibt (Blender, Aufschneider), der so tut, als läge ein bestimmter Zustand vor (Simulant).

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

5

zeuchen

zeuchen (Verb; veraltet)

zeucheln (Verb; veraltet)

ziehen (Verb)

ziehen (in jeglichem Sinn), zerren, raffen.

 

er zoch: er zog (3.Pers. Prä.)

 

→Ps 40,3

 

Vnd zoch mich aus der grawſamen Gruben

 

Und zog mich aus der grausamen Grube

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

6

Heiligthum

Heiligtum, das

gewöhnlich bedeutet Heiligthum einen heiligen Ort oder ein heiliges Ding. Dabei meint heilig in Abgrenzung zum Irdischen »göttlich vollkommen und verehrungswürdig«.


In der Bibelsprache ist das Heiligtum das Gotteshaus, der Tempel (lat: : sanctuarium dei).

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

6

Saw

 

Sew

Sau, die

 

Plural: Sew, Säue

Schwein,

das zahme, ausgewachsene Hausschwein

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

6

zutretten

zertreten (Verb)

 

→Ps 119,118

 

Du zutritteſt alle die deiner Rechte feilen

 

Du zertrittst alle, die von deiner Ordnung abirren.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

6

zureiſſen

zerreißen (Verb)

 

→Ps 2,3

 

Laſſet vns zureiſſen jre Bande / Vnd von vns werffen jre Seile.

 

Lasst uns ihre Bande zerreissen und ihre Seile von uns werfen.

 

→Ps 119,126

 

Sie haben dein Geſetze zuriſſen.

 

Sie haben dein Gesetz zerrissen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

6

empfahen
empfehet

empfahen (Verb; veraltet)

empfangen

 

a) jmd. persönlich aufnehmen (einen Gast, Besucher)

b) eine Gabe, ein Geschenk, Lohn, Segen, einen Namen, Trost, usw. empfangen

 

Nur im Präsens gebräuchlich.

3. Pers. Singular: empfehet, empfängt.

 

→Apg 10,43

 

Von dieſem zeugen alle Propheten / Das durch ſeinen Namen / alle die an jn gleuben / vergebung der ſünde empfahen ſollen.

 

Von ihm zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünde empfangen sollen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

11

arg

arg (Adjektiv)

Zu unterscheiden sind zwei Bedeutungen:

 

1a) schlecht, niederträchtig, böse

1b) übel, schlimm, unangenehm

 

und

 

2) karg im Sinne von zurückhaltend im Geben, nicht freigiebig, haushälterisch

 

zu 1) →Mt 7,17

 

Alſo ein jglicher guter Bawm / bringet gute Früchte / Aber ein fauler Bawm / bringet arge Früchte.

 

Also: Jeder gesunde Baum bringt gute Früchte, aber ein Kranker Baum bringt schlechte Früchte.

 

 

zu 2) →Mt 7,11

 

So denn jr / die jr doch arg ſeid / künd dennoch ewren Kindern gute gabe geben

 

Obwohl ihr es euch nicht leisten könnt, freigiebig zu sein, könnt ihr dennoch euren Kindern gute Gaben geben.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

12

Alles nu

Alles nun

 

→Mt 7,12

 

Korrekturhinweis

 

In zahlreichen Dokumenten, die Texte der Lutherbibel von 1545 neu gesetzt bieten, wird hier anstelle von »Alles nu« der Text »Alies nu« wiedergegeben.

 

Das ist m. E. falsch. Das Wort »Alies« gibt es nicht. Auch ein möglicher Fehler des Schriftsetzers in Form einer falschen Buchstabenwahl kann ausgeschlossen werden.

 

Das Druckbild zeigt eindeutig statt dem i (kleines »i«) den Buchstaben l (kleines »L«), der jedoch nicht ganz sauber gedruckt ist und vermutlich elektronischen Scannern das falsche »i« vorgaukelt. Ein direkter Vergleich in einer Faksimile-Ausgabe mit einem echten Buchstaben »i« im selben Satz klärt den Irrtum schnell auf.

 

Wir verwenden hier deshalb in Abweichung zu vielen anderen Textdokumenten die korrekte Schreibweise »Alles nu«.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

17

jglicher

 

jgliche

 

jglichs

jeglicher, jegliche, jegliches (Pronomen)

veraltet für: jeder, jede, jedes

 

→Jes 28,25

 

.. ſo ſtrewet er Wicken / vnd wirfft Kümel / vnd ſeet Weitzen vnd Gerſten / jglichs wo ers hin haben wil /

 

...so streut er Wicken und wirft Kümmel und sät Weizen und Gerste, jegliches [dahin], wo er es hin haben will.

 

 

 

SK Rev 11.08.2017  

→Register

17

Bawm
Bewme

Baum, der

Bäume, die

 

Die Umlaute aw und ew

 

Neben den Umlauten »au« (haus) und »eu« (freude) kennt das Luther-Deutsch die Schreibweisen mit dem Buchstaben »w«.

 

Der Buchstabe »w« enstand aus einem doppelten »v« (»vv« bzw. »uu«) und signalisiert das verstärkte Klangbild.

 

Der Umlaut aw in Bawm endet in einem w-artigen Abklang, der fast wie ein kurzgesprochenes »o« klingt, ähnlich Ba(u)-om.

 

Der Umlaut ew in Bewme endet in einem v-artigen Abklang, der ein »j« mitschwingen lässt, ähnlich Be(u)-jme.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

21

HErr

HErr, Adonaj

HErr, Kyrios

Aussehen in unseren Frakturschriften: HErr oder HErr

 

Feststehende, besondere Schreibweise Luthers (zwei Großbuchstaben, gefolgt von zwei Kleinbuchstaben), um anzuzeigen, dass sich dahinter eine Bezeichnung Gottes (im Alten Testament) oder Jesu (im Neuen Testament) befindet.

 

HErr im Alten Testament

 

Luther verwendet im Alten Testament die Schreibweise HErr, wenn im hebräischen Text das Wort Adonaj (hebr. ‏אֲדֹנָי‎, pl. von Adon, Herr) anstelle des Gottesnamens steht.

 

HErr im Neuen Testament

 

Im Neuen Testament steht HErr dort, wo in den griechischen Quellen mit dem Wort kyrios (Herr, Besitzer, Gebieter) Jesus Christus als Sohn Gottes gemeint ist.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen →»HERR« (in Groß­buch­staben) und →»Herr« (in Kleinbuchstaben bzw. mit Großbuchstaben »H« am Anfang.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

21

Teufel
Teuffel

 

Teufel, der

Teufel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
166 41 8 117

Teuffel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
15 8 0 7

abgeleitet aus dem griechischen διάβολος (diabolos): Verleumder, Widersacher

 

Das Wort Teufel meint u. a. eine böse, boshafte Person, einen bösen Feind, einen Widersacher oder einen bösen Geist.

 

Das Wort Teufel im AT

 

Im Alten Testament (ohne Apokryphen) kommt das Wort Teufel nur einmal vor: in →Ps 106,37. Alle übrigen Vorkommen (45 mal) finden sich ausschließlich in Luthers Vorreden und im Scholion (Luthers Anmerkungen) zu den biblischen Büchern und Texten.

 

Luthers Wort Teufel in Psalm 106,37:

 

hebräisch (Hebraica): שֵׁר (šed), pl. שֵׁרִים (šediym), Götze

lateinisch (Vulgata): daemon, Dämon, böser Geist

griechisch (Septuaginta): δαιμων (daimon), Dämon, böser Geist

 

Lutherbibel von 1545: Teufel

Lutherbibel von 1964/1984: böse Geister

Lutherbibel von 2017: Dämonen

 

Das Wort Teufel im NT

 

Im Neuen Testament findet sich das Wort Teufel im Text der Bücher und Briefe gleich 99 mal, davon allein in den vier Evangelien 74 mal. In den Vorreden und Anmerkungen kommt das Wort 23 mal vor.

 

Neben »Dämon, böser Geist« (lat: daemon; grc: δαιμων) übersetzt Luther »Verleumder, Widersacher« (lat: diabolus; grc: διάβολος, diabolos) mit Teufel.

 

 

Missbrauch der Teufelsidee

 

In der biblischen und kirchlichen Lehre sowie im Volks- und Aberglauben haben sich sehr konkrete, aber auch sehr unterschiedliche Bilder der Teufelsidee entwickelt.

 

Die Teufelsidee war über Jahrhunderte hinweg die ideale Projektionsfläche für alles, was böse, feindlich oder nicht heilig ist. Sie besitzt ein unbeschränkt breites Spektrum, woraus sich viele Gefahren beim Gebrauch ergeben: Menschen, die mit dem Attribut »teuflisch« belegt werden, erfahren die Rückprojektion des gesamten Spektrums oder großer Teile daraus, wobei der Fantasie, neue Ausprägungen, Merkmale und Erkennungszeichen zu erfinden, keine Grenzen gesetzt waren (siehe Hexenverfolgungen, Inquisition, Teufelsaustreibungen usw.).

 

Unzählige Menschen wurden und werden noch heute Opfer einer Idee, die ausschließlich für Machtmissbrauch unterschiedlichster Art verwendet wurde und nach wie vor verwendet wird.

 

Wir raten daher dringend davon ab, den Begriff »Teufel« in irgendeiner Weise, getragen durch unausgegorene, dysphemistische Teufelsideen voreilig zu interpretieren. Es führt immer zu einem Missbrauch des Gegenübers.

 

Wir empfehlen zudem, das Wort Teufel schon im Alltagsgebrauch, speziell aber in der Gemeindearbeit, nicht zu verwenden. Stattdessen kann abhängig vom Kontext auf Wörter wie böse Geister, Verleumder, Widersacher, Gegner, Götze, usw., zurückgegriffen werden.

 

→Mt 7,22

 

Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben?

 

Luther übersetzt hier den in den griechischen Urtexten stehenden Begriff δαιμόνια (Dämonen, böse Geister) bzw. das lateinische daemonia (Biblia Sacra Vulgata) mit Teufel. Dies ist an sich falsch, weil zwischen διάβολος und δαιμόνια zu unterscheiden ist. Doch es ist Absicht: So verweist es darauf, dass zu Luthers Zeiten Teufels­aus­treibungen häufig stattfanden und weit verbreitet waren. Seine Leser kannten das Wort als feststehenden Begriff.

 

Mit seiner Übersetzung »Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben?« greift Luther bewusst die Praxis der Teufelsaustreibungen an. Er zielt dabei auf diejenigen, die sie rechtfertigen und praktizieren. Ihnen gilt Jesu Antwort: »Weichet alle von mir jr Vbeltheter.«

 

Dämonen meinen böse Geister jedweder Art, wohingegen der Teufel im Gegensatz zu Gott steht, dessen Gegenspieler er ist, und als Herrscher über ein eigenes Reich regiert.

 

Diese Ideen entspringen einer Zeit der Vielgötterei, in der sich der Gott JHWH gegen zahlreiche andere Götter auch in Israel und Judäa behaupten musste. Seine Heerscharen bildeten die Cherubim oder Engel. Der böse Feind Gottes, sein Widersacher und sein Verleumder, fand seine Personifizierung im διάβολος der Septuaginta (Weish 2,24), dem wiederum die Dämonen zur Seite standen.

 

Bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. hinein hatte sich die Idee der Wirksamkeit böser Geister auch im jüdischen Glauben weiterentwickelt und verfestigt. So wird diese Idee zu einem wiederkehrenden Motiv speziell in den Evangelien und in den Wundergeschichten Jesu.

 

Die modernen Bibelübersetzungen, auch der Lutherbibel, verwenden den Begriff Teufel in Mt 7,22 nicht mehr. Sie übersetzen mit »böse Geister« (Lutherbibel 1964), »Dämonen« (Lutherbibel 2017, Elberfelder Bibel, Herder Bibel 1968) o. ä., Dies ist einerseits dichter am Urtext, anderseits beugt es gefährlichen Konzepten und Ideen der »Verteufelung« von Menschen und der »Teu­fels­aus­trei­bung« vor.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

23

Vbelthetter

 

Vbeltheter

Übeltäter, der

jemand, der Übel anrichtet, der etwas Schlechtes getan hat, der gegen ein Gesetz oder Gebot (hier: die Gesetze und Gebote Gottes) handelt.

 

→Ps 28,3

 

Zeuch mich nicht hin / vnter den Gottloſen / vnd vnter den Vbelthetern / Die freundlich reden mit jrem Neheſten / Vnd haben böſes im hertzen.

 

Ziehe mich nicht weg gemeinsam mit den Gottlosen und den Übertätern, die mit ihrem Nächsten freundlich reden, aber Böses im Sinn haben.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

29

Schrifftgelerten

Schriftgelehrten ,die

griechisch: Γραμματείϛ (grammateis)

 

Luther gebraucht das Wort für die jüdischen Schriftforscher, also den theologisch-religiös gebildeten Forschern, die sich mit der literarischen Tradition, mit der Textgestalt, mit dem Verständnis und mit der Auslegung der jüdischen Schriften beschäftigen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

PREDIGTTEXT

→9. Sonntag nach Trinitatis 2017

Mt 7,24-27

III

 
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