Das Buch der Psalmen | Psalm 129

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 129

 

Ps 129

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Gegen die Feinde Zions

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 129 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

CXXIX.

1Ein Lied im höhern Chor.

 

SIe haben mich offt ge­drenget von mein­er Jugent auff / So ſa­ge Iſrael.

2Sie haben mich offt ge­drenget von meiner Jugent auff / Aber ſie haben mich nicht vber­mocht.

3Die Pflüger haben auff meinem Rü­cken geackert / Vnd jre furche lang gezogen.

4Der HERR der Gerecht iſt / Hat der Gottloſen ſeile abgehawen.

5Ah das müſſen zu ſchanden werden vnd zu rücke keren / Alle die Zion gram ſind.

6Ah das ſie müſſen ſein / wie das Gras auff den dechern / Welches verdor­ret ehe man es ausreufft.

7Von welchem der Schnitter ſeine hand nicht füllet / Noch der Gar­benbinder ſeinen arm vol.

8Vnd die fur vber gehen / nicht ſprech­en / Der Segen des HERRN ſey vber euch / Wir ſegenen euch im Namen des HERRN.

 

 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 129 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Jſrael

4: HERR

4: Gottloſen

5: Ah

5: zu ſchanden werden

5: Zion

5: gram

8: fur vber gehen

5: ſey

   

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Jſrael

Israel (Name)

Jſrael
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2810 2552 184 74
 

Dort, wo Israel als Name einer Person verwendet wird, ist Jakob gemeint, der von Gott den Namen Israel bekam.

 

Israel bezeichnet daneben das Volk Israel, die Israeliten, sowie das historische Land Israel. Der heutige Staat Israel trägt offiziell eben diesen Namen: Medinat Jisra'el. (מדינת ישראל).

 

Der Name Israel

 

hebräisch: יִשְׂרָאֵל (Jisra'el)

lateinisch: Israhel

griechisch: Ἰσραὴλ

 

Es gibt unterschiedliche Deutungen für diesen Namen. Fest steht, dass die Endung אל (el) »Gott« bedeutet.

 

Der vordere Teil wird allgemein auf die semitische Wurzel שרה (sarah) mit der Bedeutung »ringen, kämpfen« zurückgeführt. Es scheint auch möglich, dass sich die Wurzel שרר (sarar) in der Bedeutung »herrschen« dahinter verbirgt. Die deutschen Entsprechung wären in etwa »Gott ringt (mit uns)« bzw. »Gott möge mit uns ringen« oder »Gott herrscht« bzw. »Gott möge herrschen«.

 

Luther erklärt den Namen Israel im Scholion zu 1Mos 32,28:

 

Luther: Jſrael kompt von Sara / das heiſſet kempffen oder vberweldigen / Da her auch Sar ein Fürſt oder Herr / vnd Sara ein Fürſtin oder Fraw heiſſt / vnd Jſrael ein Fürſt oder Kempffer Gottes / das iſt / der mit Gott ringet vnd angewinnet. Welchs geſchicht durch den glauben der ſo feſt an Gottes wort helt / bis er Gottes zorn vberwindet / vnd Gott zu eigen erlanget zum gnedigen Vater.

 

Jakob wurde Israel

 

Nach seinem nächtlichen Kampf mit Gott (1Mos 32,24-30) erhielt Jakob den Namen Israel.

 

1Mos 32,27-28:

Er ſprach / Wie heiſſeſtu? Er antwortet / Jacob. Er ſprach / Du ſolt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern JſraEl / Denn du haſt mit Gott vnd mit Menſchen gekempfft / vnd biſt obgelegen.

 

 

Die zwölf Stämme Israels

 

Jakob heiratete nacheinander Lea und Rahel. Von ihnen und von deren Sklavinnen Bilhas und Silpas, die ihm nach der Sitte dieser Zeit als Nebenfrauen gehörten, hatte Jakob insgesamt zwölf Söhne:

 

Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon,

Joseph, Benjamin, Dan, Naftali, Gad, Ascher.

 

Mit Ausnahme Josephs, dessen Söhne Efraim und Manasse namentlich in der Stammesliste vertreten sind, gaben diese Söhne den zwölf Stämmen Israels ihre Namen.

 

Das Volk Israel

 

Vom Auszug aus Ägypten bis zum Tod Salomos und dann wieder nach der Zerstörung Samarias im Jahr 722 v. Chr. bezeichnet der Name Israel alle Israeliten.

 

In der Zeit zwischen dem Tod Salomos und dem Jahr 722 v. Chr. hießen nur die zehn Nordstämme Israel, die sich unter Jerobeam von Salomos Sohn Rehabeam getrennt und das Nordreich Israel gebildet hatten. Das Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem hieß Juda.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

Gottloſe
Gotloſe

Gottlose, der

Substantivierung von: →gottlos (Adjektiv)

 

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

a) Zustand: los von Gott; von Gott verlassen; ohne Gott.

b) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

 

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5

AH

 

Ah

 

ah

Ah

Ah
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
134 111 11 12

heute ungebräuchlich.

 

Ah ist ein gemildertes Ach, dass Luther in der Bibel von 1545 häufig verwendet.

 

→Ps 85,9

 

AH das ich hören ſolt / das Gott der HERR redet

 

a) Ach, dass ich doch hören solle, das Gott der HERR redet

b) Ach, dass ich doch hören könnte, was Gott der HERR reden wird

 

 

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5

zu ſchanden

zuschanden (Adverb)

von: die Schande, Unehre, Schimpf

 

eigentlich: zu Schanden (Substantiv, Dativ, Plural)

zur Unehre, zum Schimpf (machen, werden, gelangen, usw.)

 

in der Ehre zerstört, vernichtet, zu nichte gemacht

 

Besonders bei Luther häufig gebräuchlich:

 

zu ſchanden machen, zu ſchanden werden

 

a) zu nichte machen, zu nichte werden

b) moralisch vernichten, vernichtet werden

c) beschämen, beschämt werden

d) bloßstellen, bloßgestellt werden

 

→Ps 40,15

 

Schemen müſſen ſich vnd zu ſchanden werden / die mir nach meiner Seelen ſtehen / das ſie die vmbbringen

 

Schämen müssen sich und bloßgestellt werden, die mir nach meiner Seele trachten, um sie umzubringen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

Zion

 

berg Zion

 

berg Gottes

 

des HERRN Berg

 

der heilige Berg

Zion, der

Berg Zion, der

Der in der Bibel genannte Berg Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Er steht als Synonym für den Wohnsitz des Gottes JHWH.

 

König David eroberte Jerusalem sowie den Berg Zion südlich der Stadt (Südosthügel) mit der Burg Zion und machte Jerusalem zu seinem Königssitz. Salomo hatte das Stadtgebiet auf den angrenzenden Nordosthügel ausgeweitet, in dem er dort (wo sich heute der Felsendom befindet) einen Tempel errichtete. Der Name Zion bezeichnet nun diesen Hügel, den Tempelberg.

 

 

Karte: Lage des Tempelbergs in Jerusalem

 

Die Bezeichnung »Zion« ist allerdings in der Bibel unterschiedlich verwendet: In der am engsten gefassten Vorstellung bezeichnet Zion den Tempelberg. Das Wort kann aber auch für ganz Jerusalem, die heilige Stadt Jahwes, stehen. An einigen Stellen in den biblischen Texten können damit auch die Bewohner Jerusalems, bzw. das gesamte Volk oder alle Städte Judäas gemeint sein.

 

Der in Jerusalem heute sogenannte »Mount Zion«, südwestlich der alten Stadtmauer gelegen, erhielt diesem Namen, nachdem der kleine Berg im Mittelalter irrtümlich als Berg Zion identifiziert wurde. Neuere Forschungen bestätigen jedoch: Er ist nicht mit dem biblischen Berg Zion identisch. Der Berg behielt aber diesen offiziellen Namen.

 

Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion

Foto: 2015, © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

gram

gram (Adjektiv)

a) ergrimmt, erzürnt, wütend

b) grimmig, böse

c) jemandem gram sein: feindlich, übelwollend, durch Hass bestimmte Feinschaft empfindend, heftige Abneigung empfindend

d) (mild) jemandem gram sein oder werden: seiner überdrüssig sein, werden (z. B. in erotischen Beziehungen)

e) (negiert) nicht gram sein: jemanden gut leiden können, jemanden lieben

f) (mild) jemandem gram sein: jemanden böse sein, jemanden etwas übel nehmen

g) einer Sache gram sein: eine Sache ablehnen

 

Das Substantiv »der Gram« bedeutet bei Luther Feindschaft (Hi 30,21).

 

→Ps 106,41

 

Vnd gab ſie in die hand der Heiden / Das vber ſie herrſcheten / die jnen gram waren.

 

Und gab sie in die Hand der Heiden, damit sie beherrscht wurden von denen, die ihnen feindlich gesinnt waren.

 

 

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8

fur vber

vorüber (Adverb)

fur vber
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
36 23 3 10

vorüber, vorbei

 

fahren: fur vber feret, Weish 5,9

gehen: fur vber gehen, Ps 141,10

kommen: fur vber kam, Hld 3,4

sein: fur vber iſt, Weish 5,10

ziehen: fur vber gezogen, Ps 48,5

 

→Ps 48,5

 

DEnn ſihe / Könige ſind verſamlet / Vnd miteinander fur vber gezogen

 

Denn siehe: Könige sind versammelt und sind miteinander vorüber gezogen.

 

→Ps 141,10

 

Die Gottloſen müſſen in jr eigen Netze fallen mit einander / Jch aber jmer fur vber gehen.

 

Die Gottlosen sollen gemeinsam in ihre eigenen Netze fallen, ich aber gehe immer daran vorbei.

 

 

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5

ſey

er/sie/es sei (Verb)

von: sein (Verb)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→1Mos 1,6

 

Es werde eine Feſte zwiſchen den Waſſern / vnd die ſey ein Vnterſcheid zwiſchen den Waſſern.

 

Es werde ein Himmelsgewölbe zwischen den Gewässern, und das sei die Trennung zwischen den Gewässern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

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