Das Evangelium nach Lukas | Kapitel 18

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Die Evangelien

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Evangelien und die Offenbarung

Das Evangelium nach
Lukas

Kapitel 18

 

Lk 18

 

Der Text in 24 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 18

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel XVIII.

 

 

9,51 - 19,27

 

V. DER WEG JESU NACH JERUSALEM

 

1

18,1-8

→Die bittende Witwe

Das Gleichnis vom ungerechten Richter

2

18,9-14

→Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner

3

18,15-16

→Jesus segnet die Kinder

4

18,17-23

→Jesus und der Reiche

5

18,24-27

→Die Gefahr des Reichtums

6

18,28-30

→Die Rede über den Lohn der Nachfolge

7

18,31-34

→Die dritte Leidensankündigung

8

18,35-43

→Der Blinde von Jericho

 

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

 
[290b]

 

XVIII.

 

 

Die bittende Witwe
Das Gleichnis vom ungerechten Richter

 

ER ſaget jnen aber ein Gleichnis dauon /

Das man alle zeit beten vnd nicht laſs werden ſolt / 2Vnd ſprach / Es war ein Richter in einer Stad der furchte ſich nicht fur Gott / vnd ſchewet ſich fur keinem Menſchen. 3Es war aber eine Widwe in der ſelbigen Stad / die kam zu jm / vnd ſprach / Rette mich von meinem Widerſacher / 4Vnd er wolte lange nicht. Darnach aber dachte er bey ſich selbs / Ob ich mich ſchon fur Gott nicht fürchte / noch fur keinem Menſchen ſchewe / 5Dieweil aber mir dieſe Widwe ſo viel mühe machet / wil ich ſie retten / Auff das ſie nicht zu letzt kome / vnd vberteube mich.

6DA ſprach der HErr / Höret hie / was der vngerechte Richter ſaget. 7Solt aber Gott nicht auch retten ſeine Auſſerweleten / die zu jm tag vnd nacht ruffen / vnd ſolt gedult drüber haben? 8Ich ſage euch / Er wird ſie erretten in einer kürtz. Doch wenn des menſchen Son komen wird / Meineſtu das er auch werde Glauben finden auff Erden?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Uberteube)

Das iſt / Das ſie mich nicht pla­ge vnd mar­te­re / wie man ſagt von den Gei­lern / Wie pla­get mich der Menſch ſo wol.

 

 

Das Gleichnis vom Phariſäer und Zöllner

 

ER ſaget aber zu etlichen / die ſich ſelbs vermaſſen / das ſie frum weren / Vnd verachteten die andern / ein ſolch Gleichnis. 10Es giengen zween Menſchen hinauff in den Tempel zu beten / Einer ein Phariſeer / der ander ein Zölner. 11Der Phariſeer ſtund vnd betet bey ſich ſelbs alſo / Ich dancke dir Gott / Das ich nicht bin wie die andern Leute / Reuber / Vngerechte / Ehebrecher / oder auch wie dieſer Zölner / 12Ich faſte zwier in der Wochen / vnd gebe den Zehenden / von allem das ich habe. 13Vnd der Zölner ſtund von ferne / wolte auch ſeine augen nicht auffheben gen Himel / Sondern ſchlug an ſeine Bruſt / vnd ſprach / Gott ſey mir Sünder gnedig. 14Ich ſage euch / Dieſer gieng hinab gerechtfertiget in ſein haus / a fur jenem. Denn wer ſich ſelbs erhöhet / der wird ernidriget werden / Vnd wer ſich ſelbs ernidriget / Der wird erhöhet werden.

 

a

(Fur jenem)

Das iſt / Je­ner iſt nicht ge­recht / ſon­dern ver­dampt heim gan­gen. Ebra­iſmus eſt / et ne­ga­ti­ue di­ci­tur. Si­cut Pſal. 118. Es iſt gut auff den HERRN ver­traw­en / fur dem ver­traw­en auff Für­ſten / das iſt / nicht auff Für­ſten. Hoc effi­cit Ebrea li­te­ra Mem. Al­ſo auch Matth. 21. Hu­ren vnd Bu­ben wer­den fur euch in Hi­mel komen / Fur euch / das iſt / Ir nicht.

→*1)

 

 

Jeſus ſegnet die Kinder

|| →Mt 19,13-15    || →Mk 10,13-16

Matt. 19.

Mar. 10.

SIe brachten auch junge Kindlin zu jm / das er ſie ſolt anrüren. Da es aber die Jünger ſahen / bedraweten ſie die. 16Aber Jheſus rieff ſie zu ſich / vnd ſprach / Laſſet die Kindin zu mir komen / vnd weret jnen nicht / Denn

 

 
[290b | 291a]

 

 

S. Lucas.     C. XVIII.

CCXCI.

 

 

ſolcher iſt das reich Gottes. 17Warlich / Ich ſage euch / Wer nicht das reich Gottes nimpt als ein Kind / der wird nicht hin ein komen.

 

 

Jeſus und der Reiche

|| →Mt 19,16-26 || →Mk 10,17-31

Mat. 19.

Mar. 10.

 

 

 

 

 

 

→Exod. 20.

VND es fraget jn ein Oberſter / vnd ſprach / Guter meiſter / Was mus ich thun / das ich das ewige Leben ererbe? 19Jheſus aber ſprach zu jm / Was heiſſeſtu mich gut? Niemand iſt gut / denn der einige Gott. 20Du weiſſeſt die Gebot wol / Du ſolt nicht ehebrechen. Du ſolt nicht tödten. Du ſolt nicht ſtelen. Du ſolt nicht falſch gezeugnis reden. Du ſolt deinen Vater vnd deine Mutter ehren. 21Er aber ſprach / Das habe ich alles gehalten von meiner Jugent auff. 22Da Jheſus das höret / ſprach er zu jm / Es feilet dir noch eines / Verkeuffe alles was du haſt / vnd gibs den Armen / So wirſtu einen ſchatz im Himel haben / Vnd kom / vnd folge mir nach. 23Da er das höret / ward er trawrig / Denn er war ſeer reich.

 

 

(Eines)

Das iſt / Es fei­let dir al­les / vt ſu­pra Matth. 19. Ver­keuf­fen aber iſt / vt ſupra / Luc. 12.

→*2)

 

 

Die Gefahr des Reichtums

|| →Mt 19,23-26    || →Mk 10,23-27

Matth. 19.

Mar. 10.

24DA aber Jheſus ſahe / das er trawrig war worden / ſprach er / Wie ſchwerlich werden die Reichen in das reich Gottes komen. 25Es iſt leichter / das ein Kameel gehe durch ein Nadelöre / denn das ein Reicher in das reich Gottes kome. 26Da ſprachen die das höreten / Wer kan denn ſelig werden? 27Er aber ſprach / Was bey den Menſchen vmmüglich iſt / das iſt bei Gott müglich.

 

 

Die Rede über den Lohn der Nachfolge

|| →Mt 19,27-30   ||→Mk 10,28-31

 

DA ſprach Petrus / Sihe / wir haben alles verlaſſen / vnd ſind dir nachgefolget. 29Er ſprach zu jnen / Warlich ich ſage euch / Es iſt niemand / der ein Haus verleſſet / oder Eltern / oder Brüder / oder Weib / oder Kind / vmb des reich Gottes willen / 30der es nicht vielfeltig wider empfahe / in dieſer zeit / vnd in der zukünfftigen Welt / das ewige Leben.

 

 

Die dritte Leidensankündigung

|| →Mt 20,17-19    || →Mk 10,32-34

Mat. 20.

Mar. 10.

ER nam aber zu ſich die Zwelffe / vnd ſprach zu jnen / Sehet / wir gehen hinauff gen Jeruſalem / vnd es wird alles volendet / das geſchrieben iſt durch die Propheten / von des menſchen Son.32Denn er wird vberantwortet werden den Heiden / vnd er wird verſpottet vnd geſchmehet vnd verſpeiet werden / 33vnd ſie werden jn geiſſeln vnd tödten / Vnd am dritten tage wird er wider aufferſtehen. 34Sie aber vernamen der keines / Vnh →*3) die Rede war jnen verborgen / Vnd wuſten nicht / was das geſagt war.

 

 

Der Blinde von Jericho

|| →Mt 20,29-34    || →Mk 10,46-52

 

ES geſchach aber / da er nahe zu Jericho kam / ſaſs ein Blinder am wege / vnd bettelt. 36Da er aber höret das Volck / das durch hin gieng / forſchet er was das were? 37Da verkündigeten ſie jm / Jheſus von Nazareth gienge fur vber. 38Vnd er rieff / vnd ſprach / Jheſu du Son Dauid / Erbarme dich mein. 39Die aber forne an giengen / bedraweten jn / er ſolt ſchweigen. Er aber ſchrey viel mehr / Du Son Dauid / erbarme dich mein. 40Jheſus aber ſtund ſtille / vnd hies jn zu ſich füren. Da ſie jn aber nahe bey jn brachten / fraget er jn 41vnd ſprach / Was wiltu / das ich dir thun ſol? Er ſprach / HErr / das ich ſehen müge. 42Vnd Jheſus ſprach zu jm / Sey ſehend / Dein glaube hat dir geholffen / 43Vnd alſo bald ward er ſehend / vnd folget jm nach vnd preiſete Gott. Vnd alles Volck / das ſolchs ſahe / lobet Gott.

 

 

 

*1) a) lat.: Ebraismus est / et ne­ga­ti­ve di­ci­tur. Si­cut Psal. 118.

dt.: »Das ist ein Hebraismus [= ein Ausdruck, der dem Hebräischen entlehnt ist] und verneinend gemeint, so wie in Psalm 118.«

b) lat.: Hoc effi­cit Ebrea li­te­ra Mem.

dt.: »Dies geht aus den Anmerkungen zum hebräischen Text hervor.«

 

*2) lat.: ut supra

dt.: »wie oben«

 

*3) Druckfehler: Vnh; Korrektur: Vnd

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Ex.
Exo.
Exod.
Das ander Buch Moſe.
Exodus.

Biblia Vulgata: Exodus

Das zweite Buch Mose (Exodus)

Exodus

2. Buch Mose

2. Mose

Ex

2Mos

Matth.
Matt.
Mat.
Math.
Euangelium S. Mattheus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Mattheum

Das Evangelium nach Matthäus

Matthäusevangelium

Mt

Mt

Mt

Marc.
Mar.

 

Euangelium S. Marcus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Marcum

Das Evangelium nach Markus

Markusevangelium

Mk

Mk

Mk

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Lk 18 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Gleichnis

1: laſs

2: ſchewet

3: Widwe

7: Auſſerweleten

8: Meineſtu

8: Glauben

8: frum

10: Phariſeer

   

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Gleichnis

Gleichnis, das

Das Wort Gleichnis besitzt verschiedene Umfelder, von denen wir heute üblicherweise fast nur noch eines benutzen: Das Gleichnis als rhetorisches Stilmittel.

 

Luther verwendet es aber auch in anderen Bedeutungen.

 

Entwickelt hat sich das Wort Gleichnis aus dem Adjektiv »gleich«, verbunden mit dem Suffix »-nis«. Es wurde allgemein dann verwendet, wenn der Vergleich zweier Gegenstände, Ideen, Geschichten usw. ergibt, dass sie gleich sind oder gleich sein sollen.

 

Dies umfasst beispielsweise:

 

a) gegenständlich: Bild, Abbild, Ebenbild, daher auch: Götzenbild (Abbild eines Gottes), Nachbildung, Kopie

b) für innere Bilder und Vorstellungen, die der Realität gleich kommen (sollen): Traumbilder, Gesichte, usw.

c) für Personen und Körper: Gestalt, Erscheinung, Aussehen

d) als Sinnbild: Symbol, Beispiel, Metapher, Zeichen (von bestimmter Bedeutung)

e) als abstrakter Eigenschaftsbegriff für Übereinstimmung: Ähnlichkeit, Gleichartigkeit, Gleichheit

f) als Muster sachlicher Übereinstimmung: Beispiel, konkretisiert: (typischer) Einzelfall, Fallbeispiel

g) als rhetorisches Stilmittel: vergleichende bildliche Rede

 

→2Mos 20,4

 

Du ſolt dir kein Bildnis noch jrgend ein Gleichnis machen ... Bete ſie nicht an / vnd diene jnen nicht

 

Hier steht Gleichnis nicht für das gegenständliche (handwerklich hergestellte) Abbild, das Götzenbild (denn das wurde schon durch Bildnis unmittelbar davor ausgedrückt), sondern gerade auch für Gestalt und Erscheinung (hebr.: תְּמוּנָה, tĕmûnā, Gestalt, Erscheinung) also auch für abstrakte Bilder, die ein »Gottesbild« zeichnen, beschreiben oder festlegen.

 

In diesem Zusammenhang denken wir an die Trinitätslehre. Sie ist der künstlich geschaffene, abstrakte Entwurf eines Gottesbildes, der Gott als dreieinige Erscheinung bzw. in dreieiniger Gestalt aus Gott-Vater (den Schöpfer), Gott-Sohn (Jesus Christus) und Gott-Geist (Heiliger Geist) beschreibt. Doch nicht nur das: Sie legt dieses Bild dogmatisch fest und fordert zur Anbetung auf. Luther konnte diesem Dogma der katholischen Kirche nicht folgen.

 

 

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

1

laſs

lass (Adjektiv)

Schreibweisen: lass, laß (veraltet), lasz (veraltet)

 

müde, matt, schlaff, schlapp

 

laſs
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
8 6 1 1

 

 

→Jes 13,7

 

Darumb werden alle Hende laſs / vnd aller Menſchen hertz wird feig ſein.

 

Darum werden alle Hände schlaff, und aller Menschen Herz wird feige sein.

 

→Lk 18,1

 

ER ſaget jnen aber ein Gleichnis dauon / Das man alle zeit beten vnd nicht laſs werden ſolt /

 

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und [darin] nicht schlapp werden sollte.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

2

ſchewen
ſchewet

scheuen (Verb)

(intransitiv) scheuen: zurückfahren, stutzen.

(transitiv) Furcht oder Abneigung haben vor etwas.

 

er ſchewet: er scheut

 

→Ps 31,14

 

Denn viel ſchelten mich vbel / das jederman ſich fur mir ſchewet

 

a) Denn viele beschimpfen mich so übel, dass jeder vor mir zurückschreckt.

b) Denn viele beschimpfen mich so übel, dass jeder mich alle meiden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

3

Widwe

Witwe, die

Verheiratete Frau, deren Ehemann gestorben ist

 

→Ps 78,64

 

Jre Prieſter fielen durchs Schwert / Vnd waren keine Widwen / die da weinen ſolten

 

a) Ihre Priester fielen durch das Schwert. Und es gab keine Witwen, die darüber weinten.

b) Ihre Priester fielen durch das Schwert. Und die Witwen weinten nicht.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

7

Auſſerwelete

Auserwählte, der

Substantivierung des Verbs auserwählen

 

a) von einzelnen Personen: auserwählt sein für eine Bestimmung

b) vom Volk Israel: das auserwählte Volk

 

→Ps 105,6

 

Jr kinder Jacob ſeines Auſſerweleten.

 

Deneben gibt es die Form Auſſwelete, der Ausgewählte, von auswählen

 

→Ps 106,5

 

Das wir ſehen mügen die Wolfart deiner Auſſweleten

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

8

meinſtu

 

meineſtu

meinst du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von meinen (Verb)

 

Präsens Indikativ: meinſtu, du meinst

Präsens Konjunktiv: meineſtu, du meinest

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→Ps 50,13

 

Meinſtu das ich Ochſſenfleiſch eſſen wölle / Oder Bockſblut trincken?

 

(Was denkst Du nur?!) Meinst du etwa, das ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bockblut trinken?!

 

→Ps 50,21

 

Das thuſtu / vnd ich ſchweige / Da meineſtu / Jch werde ſein gleich wie du /

 

(Ich weiß,) das tust du! Und ich schweige. Und deswegen meinest du (womöglich), ich bin wie du?!

 

→Rom 2,26

 

meineſtu nicht / das ſeine Vorhaut werde fur eine Beſchneitung gerechnet?

 

meinest du nicht auch, dass seine Vorhaut als Beschnitten gilt?!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

8

Glaube

Glaube, der

Glauben, der

Glaube(n)
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
552 94 28 430
Mhd.: geloube, gloube, f., m.

Gegenstück: →Unglaube(n).

 

In der Bibel tritt der Begriff bevorzugt in seiner religiösen Bedeutung auf:

 

Glaube bezeichnet allgemein sowohl das auf Gott gerichtete hingebende Vertrauen religiöser Menschen, sowie eine innere Bejahung, Aneignung und Bewahrung der offenbarten Gotteserkenntnis, mit der sich Gehorsam, Treue u. s. w. gegenüber den göttlichen Geboten und religiösen Lehren verbinden.

 

Ein zentraler Begriff reformatorischer Lehre

 

Sowohl die neutestamentlichen Schriften selbst, wie auch die Theologen der christlichen Konfessionen definieren den Begriff Glaube im einzelnen verschieden. Für Luther ist es der zentrale Begriff, der das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen begründet. Dabei stützt er sich insbesondere auf die Erläuterungen des Paulus im Römerbrief.

 

Das Wort Glaube(n) kommt im Neuen Testament sehr häufig vor (430 mal), bevorzugt in den Paulusbriefen. Dabei finde sich das Wort allein im relativ kurzgehaltenen Römerbrief an 130 Stellen.

 

Luthers Übersetzung von →Rom 3,28, alleine durch den Glauben, führte zu heftigen Disputen zwischen Luther und seinen Gegenspielern, weil in den griechischen Quellen das Wort »allein« nicht vorkommt. Man versuchte Luther als stümperhaften Übersetzer zu entlarven, der Bibeltexte verfälscht. Doch Luther pariert, dass dies auch in den Quellen absolut gemeint sei und in solchen Fällen die Verwendung des Wortes allein die Anforderungen eines guten deutschen Sprachgebrauchs erfüllt. Es käme nicht darauf an, einzelne Wörter zu übersetzen und blank aneinanderzureihen, sondern darauf, den Inhalt möglichst wortgetreu in die deutsche Sprache und deren üblichen Gebrauch zu übertragen.

 

Aus Rom 3,28 hat sich ein wesentlicher Lehrsatz der Reformation und der Kirchen, die aus ihr entstanden sind, entwickelt: Allein aus Glauben! bzw. Allein durch Glauben!, lateinisch: sola fide!

 

Dies schmälert die Bedeutung der Gesetze und Gebote nicht. Doch der Glauben ist ihr tragendes Fundament, der ihre Einhaltung und Erfüllung bestimmt und in konkreten Situationen überzeichnet. Nur so ist (christliche) Eigen­verant­wortung gewährleistet. Nur das Handeln aus dem Glauben heraus macht den Menschen vor Gott gerecht. Diese Gerechtigkeit wird aus Gnade anerkannt, nicht aus Erfüllung der Gesetze. Die Gesetzeswerke sind nicht länger erforderlich, weil der glaubende Mensch sie ihrem Inhalt nach eigenverantwortlich erfüllt. Ähnlich wie das Gebot »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« einerseits die entsprechenden Gebote aus den Zehn Geboten enthält, andererseits darüber weit hinausgeht. So umfasst das Handeln aus Glauben an Gott alle Gebote und Gesetze, geht aber weit darüber hinaus. Umgekehrt: Die Erfüllung der Gebote und Gesetze ohne Glauben an Gott macht zwar vor dem Gesetz gerecht, erfüllt aber nicht Gottes Anspruch auf Eigen­verant­wortlichkeit des Menschen in der Beziehung der Menschen zu Gott und in der Beziehung der Menschen zueinander.

 

Damit rückte der Glaubensbegriff und seine Interpretation in den Mittelpunkt reformatorischer Lehren.

 

 

→Rom 3,28

 

So halten wir es nu / Das der Menſch gerecht werde / on des Geſetzes werck / alleine durch den Glauben.

 

a) So halten wir es nun: Der Mensch wird gerecht ohne die Gesetzeswerke, allein durch den Glauben.

b) So halten wir fest: Der Mensch wird allein durch Glauben gerecht. Die Vorgaben der Gesetze und ihre Erfüllung haben dabei keine Bedeutung.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

8

from

 

frum

fromm (Adjektiv)

a) brav, tüchtig, tapfer

b) nützlich, gut

c) ordentlich, ehrlich

d) unschuldig, unsträflich

e) gewissenhaft, liebevoll, pflichtgetreu (gegenüber Gott)

f) fromm, verehrend

 

 

Eine anhaltende (tüchtige), die Göttlichkeit pflichtgetreu verehrende Eigenschaft, die von Tapferkeit gegen alle Anfechtungen getragen wird.

 

 

frum:

 

→Lk 18,9

 

ER ſaget aber zu etlichen / die ſich ſelbs vermaſſen / das ſie frum weren /

 

Er sagte zu etlichen, die von sich selbst überzeugt waren, dass sie fromm wären ...

 

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

10

Phariſeer

Pharisäer ,der

griechisch: Φαρισαίος (Pharisaios)

lateinisch: Pharisaeus

 

Angehöriger einer alt-jüdischen Bewegung, die Gesetze und Gebote streng einhält.

 

 

 

SK Rev 05.02.2018  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

In den Kirchenjahren ab 1978/1979 bis 2017/2018

WOCHENSPRUCH AB DEM SONNTAG

→Sonntag Estomihi

Sonntag vor der Passionszeit

 

→Lk 18,31b

 

Sehet / wir gehen hinauff gen Jeruſalem / vnd es wird alles volendet / das geſchrieben iſt durch die Propheten / von des menſchen Son.

 

SP

PREDIGTTEXT

→Sonntag Estomihi

Sonntag vor der Passionszeit

→Lk 18,31-43

V

LESUNG AUS DEM EVANGELIUM UND PREDIGTTEXT

→11. Sonntag nach Trinitatis

→Lk 18,9-14

EV
I

 
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