Das Buch der Psalmen | Psalm 89

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 89

 

Ps 89

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Lobpreis und Bitte an den treuen Gott

Ein Weisheitslied

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 89 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

LXXXIX.

1Ein Vnterweiſung Ethan /
des Eſrahiten.

 

ICH wil ſingen von der Gnade des HERRn ewiglich / Vnd ſeine Warheit verkündi­gen mit meinem munde fur vnd fur.

a

Joh.1.
   Durch Jhe­ſum iſt gnade vnd warheit worden.

3Vnd ſage alſo / Das ein ewige a Gna­de wird auffgehen / Vnd du wirſt deine Warheit trewlich halten b im Himel.

b
(Im himmel)

Denn Chriſtus Reich iſt nicht ein jrdiſch Reich / ſondern Himliſch / vnd in wolcken / das iſt / nicht auff Erden.

4ICh habe einen Bund gemacht mit meinem Auſſerweleten / Ich habe Dauid meinem knechte geſchwo­ren.

5Ich wil dir ewiglich Samen verſcha­ffen / Vnd deinen Stuel bawen fur vnd fur / Sela.

6Vnd die Himel werden HERR dei­ne Wunder preiſen / Vnd deine Warheit in der gemeine der Heili­gen.

7DEnn wer mag in den Wolcken dem HERRN gleich gelten? Vnd gleich ſein vnter den Kindern der Götter dem HERRN?

8Gott iſt faſt mechtig in der ſamlunge der Heiligen / Vnd Wunderbarlich vber alle die vmb jn ſind.

9HERR Gott Zebaoth / Wer iſt wie du / ein mechtiger Gott? Vnd deine Warheit iſt vmb dich her.

10DV herrſcheſt vber das vngeſtüme Meer / Du ſtilleſt ſeine Wellen / wenn ſie ſich erheben.

(Rahab)

Egypten / vt ſupra / vnd heiſſt ſtoltz.

11Du ſchleheſt Rahab zu tod / Du zur­ſtreweſt deine Feinde mit deinem ſtarcken Arm.

12Himel vnd Erden iſt dein / Du haſt gegründet den Erdboden / vnd was drinnen iſt.

 
 
(Jauchzen)

Das gantze Land grunet vnd ſtehet lü­ſtig.

13Mitternacht vnd Mittag haſtu ge­ſchaffen / Thabor vnd Hermon jauchzen in deinem Namen.

14DV haſt einen gewaltigen Arm / Starck iſt deine Hand / Vnd hoch iſt deine Rechte.

15Gerechtigkeit vnd Gericht iſt deines Stuels feſtung / Gnade vnd War­heit ſind fur deinem Angeſichte.

(Jauchzen)

Das iſt / das frölich wort Gottes hat.

16WOL dem Volck / das jauchzen kan / HERR ſie werden im Liecht dei­nes Andlitz wandeln.

17Sie werden vber deinem Namen teg­lich frölich ſein / Vnd in deiner Ge­rechtigkeit herrlich ſein.

18DEnn du biſt der Rhum jrer ſtercke / Vnd durch deine Gnade wirſtu vnſer Horn erhöhen.

19Denn der HERR iſt vnſer Schild / Vnd der Heilige in Iſrael iſt vnſer König.

 

DA zumal redeſtu im Geſichte zu deinem Heiligen / vnd ſprach­eſt / Ich habe einen Helt erweckt der helffen ſol / Ich habe erhöhet ei­nen Auſſerweleten aus dem volck.

1.Reg.16.
Act.13.

21Ich habe funden meinen knecht Da­uid / Ich hab jn geſalbet mit mei­nem heiligen Ole.

22Meine Hand ſol jn erhalten / Vnd mein Arm ſol jn ſtercken.

23Die Feinde ſollen jn nicht vberweldi­gen / Vnd die Vngerechten ſollen jn nicht dempffen.

24Sondern ich wil ſeine Widerſacher ſchlahen fur jm her / Vnd die jn ha­ſſen / wil ich plagen.

25ABer meine Warheit vnd Gnade ſol bey jm ſein / Vnd ſein Horn ſol in meinem Namen erhaben wer­den.

26Ich wil ſeine Hand ins Meer ſtellen / Vnd ſeine Rechte in die Waſſer.

27ER wird mich nennen alſo / Du biſt mein Vater / Mein Gott vnd Hort der mir hilfft.

28Vnd ich wil jn zum erſten Son mach­en / Allerhöheſt vnter den Königen auff Erden.

29Ich wil jm ewiglich behalten meine Gnade / Vnd mein Bund ſol jm fe­ſte bleiben.

30Ich wil jm ewiglich Samen geben / Vnd ſeinen Stuel / ſo lange der Himel wehret / erhalten.

31WO aber ſeine Kinder mein Geſetze verlaſſen / Vnd in meinen Rechten nicht wandeln.

32So ſie meine Ordenung entheiligen / Vnd meine Gebot nicht halten.

33So wil ich jre Sünde mit der Ruten heimſuchen / Vnd jre Miſſethat mit plagen.

34Aber meine Gnade wil ich nicht von jm wenden / Vnd meine Warheit nicht laſſen feilen.

35Ich wil meinen Bund nicht entheili­gen / Vnd nicht endern / was aus meinem Munde gangen iſt.

1.Reg.7.

36ICh habe einſt geſchworen bey mei­ner Heiligkeit / Ich wil Dauid nicht liegen.

37Sein Same ſol ewig ſein / Vnd ſein Stuel fur mir / wie die Sonne.

 
 
(Zeuge)

Das iſt / Der Regenbogen / den Gott zum Zeugen ſetzet des ewigen Bunds mit Noah. Gen.9.

38Wie der Mond ſol er ewiglich erhal­ten ſein / Vnd gleich wie der Zeuge in wolcken gewis ſein / Sela.

ABer nu verſtöſſeſtu vnd verwir­ffeſt / Vnd zürneſt mit deinem Geſalbeten.

40Du verſtöreſt den Bund deines Knechtes / Vnd tritteſt ſeine Krone zu boden.

41Du zureiſſeſt alle ſeine Mauren / Vnd leſſeſt ſeine Feſten zubrechen.

42Es rauben jn Alle die fur vber gehen / Er iſt ſeinen Nachbarn ein ſpot worden.

43Du erhöheſt die Rechte ſeiner Wider­wertigen / Vnd erfreweſt alle ſeine Feinde.

44Auch haſtu die Krafft ſeines ſchwerts weggenomen / Vnd leſſeſt jn nicht ſiegen jm ſtreit.

(Reinigkeit)

Das iſt / Alle ſeinen ſchmuck vnd zierde des Gottesdienſts.

45Du zuſtöreſt ſeine Reinigkeit / Vnd wirffeſt ſeinen Stuel zu boden.

46Du verkürtzeſt die zeit ſeiner Jugent / Vnd bedeckeſt jn mit Hohn / Sela.

47HERR / Wie lange wiltu dich ſo gar verbergen / Vnd deinen Grim / wie fewr / brennen laſſen?

48GEdencke / wie kurtz mein Leben iſt / Warumb wiltu alle Menſchen vmb ſonſt geſchaffen?

49Wo iſt jemand der da lebet / vnd den Tod nicht ſehe? Der ſeine Seele er­rette aus der Hellen hand? Sela.

 
 
1.Reg.7.

50HErr / wo iſt deine vorige Gnade? Die du Dauid geſchworen haſt in deiner Warheit.

51GEdencke HErr an die Schmache deiner Knechte / Die ich trage in meinem ſchos / von ſo vielen Völ­ckern allen.

52Da mit dich HERR deine Feinde ſchmehen / Da mit ſie ſchmehen die Fusſtapffen deines Geſalbeten.

53GElobet ſey der HERR ewiglich / Amen / Amen.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Gen.
Ge.
Gene.
Das erste Buch Moſe.
Geneſis.

Biblia Vulgata: Genesis

Das erste Buch Mose (Genesis)

Genesis

1. Buch Mose

1. Mose

Gen

1Mos

1. Reg.
1. Samu.
I. Buch Samuel.
Das Erſte Buch Samuel
Regum j.

Biblia Vulgata: Samuhel, I Regum

Das erste Buch Samuel

Das 1. Buch Samuel

 

1. Sam

1 Sam

1Sam

Joh.
Johan.
Joan.
Euangelium S. Johannis.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Iohannem

Das Evangelium nach Johannes

Johannesevangelium

Joh

Joh

Joh

Ac.
Act.
Acto.
Der Apoſteln Geſchicht / beſchrieben von S. Lucas.

Biblia Vulgata: Actus Apostolorum

→Zum Text

Die Apostelgeschichte des Lukas

Apostelgeschichte

Apg

Apg

Apg

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 89 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

2: HERRN

2: fur vnd fur

3: trewlich

4: Auſſerweleten

4: Dauid

4: knechte

5: Samen

5: bawen

5: Sela

6: gemeine

6: Heiligen

8: Wunderbarlich

8: vmb

9: HERR Gott Zebaoth

11: ſchleheſt

11: zurſtreweſt

13: haſtu

16: Liecht

16: Andlitz

18: wirſtu

18: Horn

19: Heilige

19: Jſrael

20: Da zumal

20: redeſtu

20: Geſichte

20: Helt

21: funden

21: heiligen

21: Ole

23: dempffen

24: ſchlahen

28: Allerhöheſt

32: Ordenung

32: entheiligen

33: Sünde

34: feilen

36: Heiligkeit

36: liegen

39: verſtöſſeſtu

39: zürneſt

39: Geſalbeten

40: verſtöreſt

41: zureiſſeſt

41: Mauren

41: Feſten

41: zubrechen

42: fur vber

42: ſpot

43: erfreweſt

47: wiltu

47: Grim

47: fewr

48: vmb ſonſt

49: Seele

49: Hellen

51: Schmache

51: ſchos

53: Amen

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

2

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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2

fur vnd fur

immerfort

eigentlich: vor und vor

 

vorwärts und vorwärts

weiter und weiter

 

unaufhörlich vorwärts in der Bewegung, andauernd, immerfort vorwärts, immerfort, auf Ewig, ewiglich, usw.

 

→Ps 61,7

 

DV gibſt einem Könige langes leben / Das ſeine jare wehren jmer fur vnd fur.

 

Du gibts einem König langes Leben, damit seine Jahre währen immer weiter und weiter.

 

→Ps 146,10

 

Der HERR iſt König ewiglich / Dein Gott Zion fur vnd fur

 

Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, immerfort.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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3

trewlich

treulich (Adjektiv und Adverb, veraltet)

zu: die Treue

 

auf ein Wort, ein Versprechen, einen Eid, eine Abmachung, ein (Lebens)verhältnis beruhend

 

→Ps 119,75

 

HERR ich weis / das deine Gerichte recht ſind / Vnd haſt mich trewlich gedemütiget.

 

a) HERR, ich weiß, dass deine Urteile richtig sind. Du hast mich treulich gedemütigt.

b) HERR, ich weiß, dass deine Urteile richtig sind. Du hast mich wie abgemacht gedemütigt.

c) HERR, ich weiß, dass deine Urteile richtig sind. Du hast mich, wie es zu erwarten war, gedemütigt.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

Auſſerwelete

Auserwählte, der

Substantivierung des Verbs auserwählen

 

a) von einzelnen Personen: auserwählt sein für eine Bestimmung

b) vom Volk Israel: das auserwählte Volk

 

→Ps 105,6

 

Jr kinder Jacob ſeines Auſſerweleten.

 

Deneben gibt es die Form Auſſwelete, der Ausgewählte, von auswählen

 

→Ps 106,5

 

Das wir ſehen mügen die Wolfart deiner Auſſweleten

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

Dauid

David

hebräisch: דָּוִד (dͻwid) oder דָּוִיד (dͻwīd)

lateinisch: David

griechisch: Δαυιδ (David)

 

Zur Person Davids

 

Nach der biblischen Überlieferung war David König von Juda und nach Saul der zweite König Israels. Er lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr.

 

Genauere Lebensdaten sind unbekannt. Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer. Schließlich wurde er Sauls Nachfolger als König über Israel.

 

David in der Bibel

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

König David gilt als der Autor von 73 Psalmen. Siehe dazu die folgenden Artikel:

 

→Psalm Davids

→Gülden Kleinod Davids

→Unterweisung Davids

→Lied Davids

→Psalmlied Davids

→Gebet Davids

→Unschuld Davids

→Lob Davids

→Davids

 

 

 

 

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4

Knecht

Knecht, der

Das Wort meint im eigentlichen Sinn einen Menschen männlichen Geschlechts unabhängig vom Alter.

Davon haben sich verschiedene Bedeutungen abgeleitet:

 

a) Mann

b) Jüngling

c) Junggeselle, unverheirateter (junger) Mann

b) braver Mann, Ehrenmann

e) lernender oder dienender Jüngling; Knappe; Lehrling; Geselle

f) Kriegsknecht (Soldat, der das Kriegshandwerk zum Beruf gemacht hat)

g) Landsknechte (im edlen Ansinnen)

h) allg. Dienender (in Anstellung eines Herrn)

i) Gottes Knecht (von Gott dienenden Menschen, so auch von Christen allgemein, unabhängig vom Geschlecht)

 

→Ps 79,2

 

Sie haben die Leichnam deiner Knechte den Vogeln vnter dem Himel zu freſſen gegeben

 

Sie haben die Leichen deiner Knechte den Vögeln unter dem Himmel zu fressen gegeben.

 

Knechte meint hier die (treuen) Diener Gottes, die Angehörigen des Volkes Israel.

 

 

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5

Samen

Samen, der

 

Nachkommen, die

Im eigentlichen Sinn sind Samen Gebilde, die sich aus den Blüten von Pflanzen entwickeln, und aus denen in geeigneter Umgebung neue Pflanzen wachsen können. Beim Menschen bezeichnet Samen das Sperma.

 

Luther verwendet den Begriff Samen in Bezug auf Menschen immer wieder in der Bedeutung Nachkommen.

 

→Ps 105,6 (u.a.) : der ſamen Abrahams

die Nachkommen Abrahams

 

→Ps 22,24 : Es ehre jn aller ſame Jacob

Es mögen ihn alle Nachkommen Jakobs ehren

 

→Ps 22,24: vnd fur jm ſchewe ſich aller ſame Jſrael.

und alle Nachkommen Israels mögen sich vor ihm erschrecken

 

→Ps 18,51: Dauid vnd ſeinem Samen ewiglich.

David und allen seinen Nachkommen.

 

→Röm 1,3: der geboren iſt von dem ſamen Dauid nach dem Fleiſch

der geboren ist von Davids Nachkommen nach dem Fleisch

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

bawen

bauen (Verb)

 

Umlaut aw

Die Zeichenfolge »aw« entspricht neben »au« (z. B. in haus) unserem heutigen Umlaut »au«.

 

→1Mos 2,5

 

vnd war kein Menſch der das Land bawete

 

es gab noch keinen Menschen, der das Land bebaute

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

Sela

Sela

In den Psalmen: ein Tonzeichen

 

Sela (hebr. סֶלָה) ist die transkribierte Form des hebräischen Wortes, dessen Bedeutung und Herkunft unklar sind.

 

Es kommt in den Psalmen 71 mal vor und wird als Tonzeichen verstanden, und somit als musikalischer Fachbegriff. Es zeigt vermutlich eine Pause oder einen Ruhepunkt im Gesang, bzw. den Abschluss eines Absatzes (einer Strophe) an.

 

Es kann aber auch als Wiederholungszeichen (Refrain) verstanden werden. Dann könnte es auch die Textzeile abschließen, die als Wechselgesang von einem Chor gegen den Vorsänger wiederholt wird.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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6

Gemeine

Gemeinde, die

von gemein (Adjektiv): gemeinschaftlich, mehreren zukommend

 

a) Gruppe von Menschen, Zusammenschluss, Zu­sammen­ge­hörig­keit: Gemeinschaft, Gemeinde

b) Grund und Boden einer Gruppe von Menschen: Gemeinde(fläche), Kommune, Ort

 

Heute verwenden wir Gemeinde nach a) noch für die Gemeinschaft der Mitglieder einer örtlichen Kirche (Kirchgemeinde), und nach b) für einen kleineren Ort, der eigenständig verwaltet wird, aber kein Stadtrecht besitzt.

 

→Ps 1,5

 

Luther verwendet den Begriff im Sinn der Zu­sammen­ge­hörig­keit einer Gruppe von Menschen:

 

Darumb bleiben die Gottloſen nicht im a Gerichte / Noch die Sünder in der gemeine der Gerechten.

 

SK Rev 04.08.2017  

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6

Heilige

Heilige, der

jemand, der religiöse Tugenden (göttlich vollkommen) lebt und daher verehrungswürdig ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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8

wünderbarlich

 

wunderbarlich

wunderbarlich (Adjektiv, veraltet)

 

wunderbar (Adjektiv)

wunderbarlich ist das selbe wie wunderbar, jedoch war es zu Luthers Zeiten bis in das 17. Jahrhundert hinein die bevorzugte Form.

 

Luther benutzt die Schreibweisen ohne und mit Umlaut »ü«: wunderbarlich und wünderbarlich.

 

→Ps 139,14

 

Ich dancke dir darüber / das ich wünderbarlich gemacht bin / Wünderbarlich ſind deine Wercke.

 

Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar gemacht bin! Wunderbar sind deine Werke!

 

→Ps 99,3

 

MAn dancke deinem groſſen vnd wunderbarlichem Namen / Der da heilig iſt.

 

Man danke deinem großen, wunderbaren Namen, der heilig ist.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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8

vmb

um (Partikel)

a) Präpostion: um vieles, um alles, usw.

b) Adverb: um sein, usw.

c) Konjunktion: um zu

 

Die Schreibweise im Luther-Deutsch ist in allen Fällen vmb, auch als Präfix in Verbindung mit Verben.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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9

Zebaoth

HERR Zebaoth

Zebaot

 

HERR Zebaot

Das hebräische Wort Zebaot (צבאות) meint »Heere« oder »Heerscharen« und ist ein Attribut zum Gottesnamen JHWH (יהוה). Es beschreibt Gott entweder als denjenigen, der über der Armee seines Volkes steht, oder als Anführer einer Armee der Engel, als denjenigen, »der über den Cherubim thront« (2Sam 6,2; Jes 37,16).

 

HERR Zebaot

 

Martin Luther übersetzt JHWH Zebaot mit »HERR Zebaoth«, wobei die in Versalien gesetzte, deutsche Bezeichnung »HERR« angibt, dass sich dahinter das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH«, der unaussprechliche Name Gottes, verbirgt.

 

Martin Luther belässt Zebaot unübersetzt und gibt dem Wort damit die Bedeutung eines Namensteils, ohne seinen Sinn aufzulösen oder zu werten. Hier steht Zebaoth wie ein Beiname, wie ein Ehrentitel und als Insignie seiner Macht. Diese Wiedergabe wurde in der Lutherbibel bis in die heutige Zeit beibehalten.

 

Andere moderne Übersetzungen schreiben beispielsweise »Herr der Heere« (Einheitsübersetzung), »Jehova der Heerscharen« (Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas), »Herr der Heerscharen« (Elberfelder Bibel) oder »Jahwe Zebaot «(Herder-Bibel, 1968).

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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11

ſchlagen

 

ſchlahen

schlagen (Verb)

Das Verb kommt in beiden Formen vor: ſchlagen und ſchlahen, die inhaltlich identisch sind.

 

→Ps 141,5

 

Der Gerechte ſchlahe mich freundlich vnd ſtraff mich

 

Der Gerechte schlage mich freundschaftlich und strafe mich.

 

 

→Jes 27,7

 

Wird er doch nicht geſchlagen / wie jn ſeine Feinde ſchlahen /

 

Wird er doch nicht geschlagen, wie ihn seine Feinde schlagen

 

 

SK Rev 08.08.2017  

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11

zurſtrewen

 

zuſtrewen

zerstreuen (Verb)

a) streuen, auseinanderstreuen,

b) auseinandertreiben, auseinanderjagen,

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen,

d) von etwas absondern, teilen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung
zurſtrewen, zuſtrewen und →zerſstrewen.

 

zuſtrewen

 

→Ps 141,7

 

Vnſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

 

Unsere Gebeine sind zerstreut bis zum Reich der Toten.

 

Anmerkung zu Ps 141,7:

 

Luther folgt hier dem hebräischen und lateinischen Textvorlagen. Etliche moderne Übersetzungen, so auch Luther-1964 und Luther-1984, schreiben statt »Unsere Gebeine« nun »Ihre Gebeine« und stützen sich dabei auf ältere Übersetzungen.

 

Durch diese Textglättung erscheint die Aussage passend zu den in Vers 6 genannten »Lehrern«, die gestürzt werden müssten.

 

Jedoch ist zwischen den Versen 6 und 7 ein gedanklicher Absatz zu sehen, der einen Themenwechsel bedeutet. Das Thema der Lehrer ist in Vers 6 abgeschlossen.

 

In den Versen 6 bis 10 geht es nun um das Leiden und das Schicksal der Gerechten (zu denen sich der Autor des Psalms zählt), die immer wieder in die Stricke und Fallen der Übeltäter geraten.

 

Hintergrund des Bildes ist eine Kriegsszene: Die Soldaten Davids stürzen in Fallen und sterben im Kampf. Der Boden des Schlachtfelds ist aufgerissen und durchwühlt. Die toten Leiber und Knochen sind weit über die Erde verstreut, bis an den Rand der Welt, so scheint es, bis zum Beginn des Reichs der Toten. Die Schlacht endete für König David und sein Heer in einer Katastrophe, doch der nächste Angriff steht bevor.

 

Mit »Unsere Gebeine« schreibt David über seine Soldaten, die der gerechten Sache folgten, und doch in Fallen der üblen Feinde fielen. Nun bittet er Gott darum, ihn nicht zu verdammen, und darum, dass er ihn (und sein Heer) vor den Fallen der Feinde bewahren möge.

 

→Ps 92,10

 

deine Feinde werden vmbkomen / Vnd alle Vbelthetter müſſen zuſtrewet werden.

 

deine Feinde werden umkommen, und alle Übeltäter müssen zerstreut werden

 

→Apg 8,1

 

... vnd ſie zurſtreweten ſich alle in die lender Judea vnd Samaria ...

 

... und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samaria ...

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

13

haſtu

hast du (Verb)

haſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
231 169 28 34

2. Person Singular Indikativ Aktiv von haben (Verb)

 

Präsens:

haſtu: hast du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

haſtu?: (antworte mir!) hast du?

haſtu: hast du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→1Mos 4,10

 

Er aber ſprach / Was haſtu gethan?

 

Er aber sprach: Was hast Du getan!?

 

Der Text 1Mos 12,18-19 enthält eine ganze Reihe Verben mit der Endung -tu, die eindrücklich Vorwurf, Entrüstung und Befehlston des Pharaos ausdrücken:

 

1Mos 12,18-19:

 

18DA rieff Pharao Abram zu ſich / vnd ſprach zu jm / Warumb haſtu mir das gethan? Warumb ſageſtu mirs nicht / das dein Weib were? 19Warumb ſprachſtu denn / ſie were deine Schweſter? Derhalben ich ſie mir zum Weibe nemen wolt. Vnd nu ſihe / Da haſtu dein weib / nim ſie vnd zeuch hin.

 

a) 18Da rief der Pharao Abram zu sich und sprach zu ihm: »Warum <nur> hast du mir das angetan?! Warum <nur> sagtest du nicht, dass sie deine Frau sei?! 19Warum <nur> sprachst du denn, sie wäre deine Schwester?! Wegen all dem wollte ich sie mir zur Frau nehmen! Nun denn, hier hast du deine Frau! Nimm sie und verzieh dich!«

 

b) 18Da rief der Pharao Abram zu sich und sprach zu ihm: »Sag, warum nur hast du mir das angetan?! Wieso hast du mir verschwiegen, dass sie deine Frau ist?! 19Wie konnstest du nur behaupten, sie wäre deine Schwester?! Allein wegen dieser Behauptungen wollte ich sie doch zur Frau nehmen! Nun denn, hier hast du deine Frau zurück! Nimm sie und verzieh dich!«

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

16

Liecht

Licht, das

Substantivierung des Adjektivs →liecht

 

a) Helligkeit (im Gegs. zur Finsternis)

b) Lichtstrahlen (von Himmelskörpern, vom Feuer, von Lampen, usw.)

c) als leuchtender Körper: Licht, Leuchte, Lampe ( besonders im Plural)

 

→Ps 104,2

 

LJecht iſt dein Kleid / das du an haſt

 

a) Licht ist dein Kleid, das du an hast.

 

Hier ist Licht im Gegensatz zu Finsternis zu verstehen:

b) Helligkeit umgibt dich.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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16

andlitz
Andlitz

Antlitz, das

Gesicht, Angesicht

 

→Ps 4,7

 

Aber HERR erhebe vber vns das Liecht deines andlitzs.

 

Luther: (Liecht des andlitzs) Jſt freundlich vnd gnedigs anſehen.

 

 

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18

wirſtu

wirst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von werden (Verb)

 

Präsens:

wirſtu: wirst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

wirſtu: wirst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Ps 8,6

 

Du wirſt jn laſſen eine kleine zeit von Gott verlaſſen ſein / Aber mit ehren vnd ſchmuck wirstu jn krönen.

 

Du wirst ihn kurze Zeit von Gott verlassen sein, doch dann krönst du ihn mit Ehren und Schmuck!

 

 

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18

Horn

Horn, das

1) Auswuchs am Kopf von Tieren

 

Das Horn ist die Spitze, der höchste Punkt am Kopf, der dadurch Größe erhält. Es ist Ausdruck von gesundem Wachstum, von Agilität, von Kraft und Stärke und von beeindruckender Imposanz.

 

2) Die Bibelsprache benutzt das Wort Horn im Zusammenhang mit Menschen als Symbol der Macht, der Stärke und des Ansehens.

 

→Ps 18,3

 

Mein Schild / vnd Horn meines heils / Vnd mein Schutz.

 

a) Mein Schild, mein Horn meines Heils und mein Schutz.

b) Mein Schild, meine Quelle der Macht für mein Wohlergehen und mein Schutz.

 

→Ps 89,18

 

durch deine Gnade wirſtu vnſer Horn erhöhen.

 

a) durch deine Gnade wirst Du ganz sicher unser Horn erhöhen.

b) durch deine Gnade wirst du ganz sicher unsere Macht und unser Ansehen stärken.

 

 

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19

Jſrael

Israel (Name)

Jſrael
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2810 2552 184 74
 

Dort, wo Israel als Name einer Person verwendet wird, ist Jakob gemeint, der von Gott den Namen Israel bekam.

 

Israel bezeichnet daneben das Volk Israel, die Israeliten, sowie das historische Land Israel. Der heutige Staat Israel trägt offiziell eben diesen Namen: Medinat Jisra'el. (מדינת ישראל).

 

Der Name Israel

 

hebräisch: יִשְׂרָאֵל (Jisra'el)

lateinisch: Israhel

griechisch: Ἰσραὴλ

 

Es gibt unterschiedliche Deutungen für diesen Namen. Fest steht, dass die Endung אל (el) »Gott« bedeutet.

 

Der vordere Teil wird allgemein auf die semitische Wurzel שרה (sarah) mit der Bedeutung »ringen, kämpfen« zurückgeführt. Es scheint auch möglich, dass sich die Wurzel שרר (sarar) in der Bedeutung »herrschen« dahinter verbirgt. Die deutschen Entsprechung wären in etwa »Gott ringt (mit uns)« bzw. »Gott möge mit uns ringen« oder »Gott herrscht« bzw. »Gott möge herrschen«.

 

Luther erklärt den Namen Israel im Scholion zu 1Mos 32,28:

 

Luther: Jſrael kompt von Sara / das heiſſet kempffen oder vberweldigen / Da her auch Sar ein Fürſt oder Herr / vnd Sara ein Fürſtin oder Fraw heiſſt / vnd Jſrael ein Fürſt oder Kempffer Gottes / das iſt / der mit Gott ringet vnd angewinnet. Welchs geſchicht durch den glauben der ſo feſt an Gottes wort helt / bis er Gottes zorn vberwindet / vnd Gott zu eigen erlanget zum gnedigen Vater.

 

Jakob wurde Israel

 

Nach seinem nächtlichen Kampf mit Gott (1Mos 32,24-30) erhielt Jakob den Namen Israel.

 

1Mos 32,27-28:

Er ſprach / Wie heiſſeſtu? Er antwortet / Jacob. Er ſprach / Du ſolt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern JſraEl / Denn du haſt mit Gott vnd mit Menſchen gekempfft / vnd biſt obgelegen.

 

 

Die zwölf Stämme Israels

 

Jakob heiratete nacheinander Lea und Rahel. Von ihnen und von deren Sklavinnen Bilhas und Silpas, die ihm nach der Sitte dieser Zeit als Nebenfrauen gehörten, hatte Jakob insgesamt zwölf Söhne:

 

Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon,

Joseph, Benjamin, Dan, Naftali, Gad, Ascher.

 

Mit Ausnahme Josephs, dessen Söhne Efraim und Manasse namentlich in der Stammesliste vertreten sind, gaben diese Söhne den zwölf Stämmen Israels ihre Namen.

 

Das Volk Israel

 

Vom Auszug aus Ägypten bis zum Tod Salomos und dann wieder nach der Zerstörung Samarias im Jahr 722 v. Chr. bezeichnet der Name Israel alle Israeliten.

 

In der Zeit zwischen dem Tod Salomos und dem Jahr 722 v. Chr. hießen nur die zehn Nordstämme Israel, die sich unter Jerobeam von Salomos Sohn Rehabeam getrennt und das Nordreich Israel gebildet hatten. Das Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem hieß Juda.

 

 

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20

dazumal

 

da zumal

dazumal (Adverb, veraltet)

soviel wie damals

 

Luther verwendet häufig die getrennte Schreibweise, die allerdings als feste Konjunktion steht.

 

→Ps 89,20

 

Da zumal redeſtu im Geſichte zu deinem Heiligen

 

a) Damals redetest du in einer Visionen zu deinem Heiligen

b) Damals hast du doch in einer Vision zu deinem Heiligen geredet

 

 

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20

redeſtu

redetest du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von reden (Verb)

 

Präsens:

redeſtu: redetest du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

redeſtu : redestest du, hast du (doch) geredet

 

→Ps 89,20

 

Da zumal redeſtu im Geſichte zu deinem Heiligen

 

a) Damals redetest du in einer Visionen zu deinem Heiligen

b) Damals hast du doch in einer Vision zu deinem Heiligen geredet

 

 

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20

Geſicht

Gesicht, das

Das Wort Gesicht umfasst zahlreiche Bedeutungen im Umfeld des Sehens, die wir hier nicht alle auflisten können.

 

Grundbedeutung: das Sehen

 

a) das Sehvermögen, die Sehkraft, der Blick, das Sehorgan, das Auge, die Augen

b) das Anschauen, der Anblick

c) das Antlitz, das Angesicht

d) das innere Sehen, der geistige Blick

e) das Hellsehen, das Sehen von ahnungsvollen Traumbildern im wachen Zustand, die Vision

u. a.

 

 

→Ps 89,20

 

Da zumal redeſtu im Geſichte zu deinem Heiligen

 

Damals redetest du in einer Visionen zu deinem Heiligen

 

→Ps 69,4

 

Jch habe mich müde geſchrien / mein Halſs iſt heiſch / Das Geſicht vergehet mir

 

Ich habe mich müde geschrien. Meine Stimme ist heiser. Mein Blick verschwimmt.

 

 

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20

Helt

Held, der

a) der durch Tapferkeit und Kampfgewandtheit hervorragende Krieger

b) im geistlichen Sinne

c) jemand, der auf einem bestimmten Gebiet etwas Hervorragendes leistet

d) jemand, der den Mittelpunkt einer Begebenheit oder einer Handlung bildet

 

→Ps 89,20

 

Jch habe einen Helt erweckt der helffen ſol

 

Ich habe einen Helden erweckt, der helfen soll.

 

→Ps 45,4

 

GVrte dein Schwert an deine ſeiten du Helt / Vnd ſchmücke dich ſchön.

 

Gürte dein Schwert an deine Seite, du Held, und schmücke dich schön!

 

→Ps 19,6

 

Vnd frewet ſich / wie ein Helt zu lauffen den weg.

 

Und freut sich, den Weg zu laufen wie ein Held.

 

 

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21

funden

funden (Verb)

mhd: vunden

von →finden (siehe dort)

 

1) Plural Präteritum von finden

 

wir funden: wir fanden

 

2) altes Partizip Präteritum von finden

 

ich habe funden: ich habe gefunden

wir haben funden: wir haben gefunden

 

→Ps 107,4

 

Vnd funden keine Stad / da ſie wonen kundten

 

Und sie fanden keine Stadt, in der sie hätten wohnen können.

 

→Ps 84,4

 

Denn der Vogel hat ein haus funden / Vnd die Schwalbe jr neſt /

 

Denn der Vogel hat ein Haus gefunden, und die Schwalbe ihr Nest.

 

→Ps 132,6

 

Wir haben ſie funden auff dem felde des waldes.

 

a) Wir haben sie gefunden im Gebiet des Waldes.

b) Wir haben sie gefunden in der Gegend von Jaar.

 

Anmerkung zu Ps 32,6:

 

Luther übersetzt den Ortsnamen »Jaar« wörtlich mit »Wald«.

 

 

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21

heilig

heilig (Adjektiv)

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungswürdig.

 

 

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21

Ole

Öl, das

speziell das Öl, das zur Salbung benutzt wird, das Salböl.

 

Bedeutung gleich wie öle, jedoch entfällt das hochgestellte Umlaut-e auf dem Buchstaben O, wenn das Wort am Anfang mit Großbuchstaben gesetzt ist.

 

→Ps 89,21

 

Jch hab jn geſalbet mit meinem heiligen Ole.

 

Ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öl.

 

→Ps 92,11

 

ABer mein Horn wird erhöhet werden / wie eines Einhorns / Vnd werde geſalbet mit friſchem Ole

 

Aber meine Macht und mein mein Ansehen werden werden wachsen, und ich werde gesalbt mit frischem Öl.

 

→Ps 55,22

 

Jr wort ſind gelinder denn Ole

 

Ihre Worte sind milder als Öl.

 

→Ps 104,15

 

VND das der Wein erfrewe des Menſchen hertz / vnd ſeine geſtalt ſchön werde von Ole

 

Dass der Wein erfreue des Menschen Herz und seine Gestalt schön werde vom Öl.

 

 

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23

dempffen

dämpfen (Verb)

eigtl.: durch Dampf ersticken, Feuer auslöschen, ersticken

übertragen: niederdrücken, überwätigen, unterdrücken, vertilgen, klein machen, demütigen

 

→Ps 81,15

 

So wolt ich jre Feinde bald dempffen / Vnd meine Hand vber jre Widerwertige wenden.

 

So wollte ich recht bald ihre Feinde demütigen, und meine Hand gegen ihre Widersacher wenden.

 

 

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28

allerhöheſt

allerhöchst (Adjektiv)

ganz oben, höher geht es nicht

 

Als Attribut des Ranges und der Ehre besonders für Gott, aber auch für Könige gebraucht.

 

 

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32

Ordenung

Ordnung, die

von: orden (Verb), ordnen

 

a) in Reihenfolge gestellt, regelrecht nach- und nebeneinander, äußerliche oder innerliche Ordnung, regelrecht gemacht und behandelt, eingerichtet

b) korrekt besorgt, veranstaltet

c) Anordnung, Verordnung, Verfügung, Bestimmung, Festsetzung

 

→Ps 89,32

 

So ſie meine Ordenung entheiligen / Vnd meine Gebot nicht halten.

 

Wenn sie meine Ordnungen entweihen und meine Gebote nicht halten.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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32

entheiligen

entheiligen (Verb)

etwas göttlich Vollkommenes, Verehrungswürdiges entweihen, moralisch verletzen

 

Ableitung aus dem Adjektiv heilig:

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungs­würdig.

 

→Ps 55,21

 

Denn ſie legen jre hende an ſeine Friedſamen / Vnd entheiligen ſeinen Bund.

 

Denn sie legen ihre Hände an seine Friedsamen und entweihen seinen Bund.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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33

Sünde
 
ſunde

Sünde, die

Handlung, die den Tatbestand einer religiösen oder kirchlichen Verfehlung erfüllt, insbesondere der Verstoß gegen ein religiöses (göttliches) oder kirchliches Gebot.

 

So war in der katholisch-kirchlichen Praxis bereits das Unterlassen des Zehntenzahlens (Kirchensteuer) ein Vergehen gegen die Kirche und somit eine Sünde.

 

 

→Jes 27,9

 

Darumb wird da durch die ſunde Jacob auffhören /

 

Darum wird dadurch die Sünde Jakobs ein Ende haben

 

 

 

SK Rev 08.08.2017  

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34

feilen

fehlen (Verb)

im Sinne von:

irren, fehlschlagen, nicht treffen, nicht gelingen, versagen

 

→Ps 81,16

 

Vnd die den HERRN haſſen / Müſten an jm feilen

 

Und die den HEERN hassen, müssten an ihm zerbrechen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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36

Heiligkeit

Heiligkeit, die

Heiligkeit
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
42 20 4 18

das Heiligsein, Zustand des Heiligen

 

Die verehrungswürdige, göttliche Vollkommenheit, die sich im Leben und Handeln nach religiösen Tugenden ausdrückt.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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36

liegen

lügen (Verb)

 

Unwahrheiten, Falschheiten sagen oder behaupten

 

Anmerkung:

 

Das Luther-Wort ligen (liegen) sollte nicht mit liegen (lügen) verwechselt werden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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39

verſtöſſeſtu

verstößt du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verstoßen (Verb)

 

Präsens:

verſtöſſeſtu: verstößt du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

verſtöſſeſtu: verstößt du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 44,10

 

Warumb verſtöſſeſtu vns denn nu

 

Sag doch: Warum verstößt du uns denn?!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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39

zörnen

 

zürnen

zürnen (Verb)

a) der Zustand des Zorns

b) in Zorn geraten

c) heftig im Zorn handeln

d) häufig im Zusammenhang mit Gott: Gott zürnt

 

Luther verwendet die Schreibweisen zürnen und zörnen.

 

→Ps 90,11

 

Wer gleubts aber / das du ſo ſeer zörneſt?

 

Wer glaubt es aber, dass du so sehr zürnst?

 

Aus dem Scholion zu Ps 90,11:

 

Luther: (Zörneſt) Das iſt / Das ſolches dein Zorn iſt / vnd vnſer ſünde ſo gros iſt / die ſolchen zorn verdienet.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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39

Geſalbte
Geſalbete

Gesalbte, der

Mensch, der durch Salbung geweiht und geheiligt ist.

 

1. Nach biblischer Sitte bezeichnet der Begriff Könige. U. a. beinhaltet das Ritual der Krönung die Salbung mit wertvollen Ölen.

 

2. Der Gesalbte bezeichnet den Messias, den von den Juden erwarteten mächtigen König: Wir haben den Messias funden (welches ist verdolmetscht der Gesalbete) (Joh 1,14).

 

Der Gesalbte:

- hebräisch: ‏משיח, Messias

- in griechischer Transkription: Μεσσίας, Messias

- ins Griechische übersetzt: Χριστός, Christos

- latinisiert: Christus.

 

3. Ein Gesalbter ist ein Eingeweihter, einer der mit den Geheimnissen einer Gesellschaft, eines Bundes u. s. w. bekannt ist.

 

Bezeichnung für den König

 

→Ps 18,51

 

Der ſeinem Könige gros Heil beweiſet vnd wolthut ſeinem Geſalbeten / Dauid vnd ſeinem Samen ewiglich.

 

Der seinem König große Hilfe erweist, der seinem Gesalbten Gutes tut, David und allen seinen Nachkommen

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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40

verſtören

zerstören (Verb)

 

SK Rev 04.08.2017  

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41

zureiſſen

zerreißen (Verb)

 

→Ps 2,3

 

Laſſet vns zureiſſen jre Bande / Vnd von vns werffen jre Seile.

 

Lasst uns ihre Bande zerreissen und ihre Seile von uns werfen.

 

→Ps 119,126

 

Sie haben dein Geſetze zuriſſen.

 

Sie haben dein Gesetz zerrissen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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41

Maur
Mauren

Mauer, die

Mauern, die

mauren zu Jeruſalem: die Mauern Jerusalems

 

→Ps 78,13

 

Er zurteilet das Meer / vnd lies ſie durch hin gehen / Vnd ſtellet das Waſſer / wie eine Maur.

 

Er teilte das Meer und lies sie hindurch gehen. Und <er> stellte Wasser <auf> wie eine Mauer.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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41

Feſte

Feste, die

eigentl.: befestigte Stelle

 

1) ein von der Natur gedeckter, sicherer Ort

2) ein Bau, Anbau, Festung

 

Gewölbe, Firmament, Himmelsgewölbe

 

→1Mos 1,6

 

Es werde eine Feſte zwiſchen den Waſſern / vnd die ſey ein Vnterſcheid zwiſchen den Waſſern.

 

Es werde ein Himmelsgewölbe zwischen den Gewässern, und das sei die Trennung zwischen den Gewässern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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41

zubrechen

zerbrechen (Verb)

auch: →zebrechen (Verb)

 

u. a.:

 

1) Gegenstände, Gerätschaften: in Stücke brechen

2) Speisen (wie z. B. Brot): brechen

3) Steine, Erze: in Stücke brechen, zerstoßen

4) Gebäude, Bauten, Anlagen: niederreißen, einreißen, zum Einsturz bringen

5) Körper und Glieder von Menschen oder Tieren: in Stücke teilen

5) Menschlicher Geist, Wille: den Willen brechen

 

 

→Ps 10,15

 

Zubrich den arm des Gottloſen

 

Zerbrich den Arm der Gottlosen

 

 

SK Rev 11.08.2017  

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42

fur vber

vorüber (Adverb)

fur vber
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
36 23 3 10

vorüber, vorbei

 

fahren: fur vber feret, Weish 5,9

gehen: fur vber gehen, Ps 141,10

kommen: fur vber kam, Hld 3,4

sein: fur vber iſt, Weish 5,10

ziehen: fur vber gezogen, Ps 48,5

 

→Ps 48,5

 

DEnn ſihe / Könige ſind verſamlet / Vnd miteinander fur vber gezogen

 

Denn siehe: Könige sind versammelt und sind miteinander vorüber gezogen.

 

→Ps 141,10

 

Die Gottloſen müſſen in jr eigen Netze fallen mit einander / Jch aber jmer fur vber gehen.

 

Die Gottlosen sollen gemeinsam in ihre eigenen Netze fallen, ich aber gehe immer daran vorbei.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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42

Spott

 

Spot

Spott, der

Spott, ſpott
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
6 5 1 0

Spot, ſpot
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
44 29 11 4

Das Wort kommt vor in den Schreibweisen Spott und Spot, wobei die zweite Form (nur ein »t«) häufiger erscheint.

 

Hohn in Worten, Gebärden und Verhalten

 

→Ps 22,7

 

Jch aber bin ein Wurm vnd kein Menſch / Ein ſpot der Leute vnd verachtung des Volcks.

 

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute, die Verachtung des Volks.

 

→Ps 119,51

 

Die Stoltzen haben jren ſpott an mir

 

a) Die Stolzen haben ihren Spott an mir.

b) Die Stolzen treiben ihren Spott mit mir.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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43

erfrewen

erfreuen (Verb)

von freuen (Verb)

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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47

wiltu

willst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von wollen (Verb)

 

Präsens:

wiltu: willst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

wiltu: willst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 13,2

 

wie lang wiltu mein ſo gar vergeſſen?

 

Wie lange willst du mich noch so ganz vergessen?!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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47

Grim
grim

Grimm, der

heftiger Zorn; verbissene Wut

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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47

fewr

 

fewer

Feuer, das

 

Luther benutzt beide Schreibweisen, sowohl fewr wie auch fewer.

 

→Ps 21,10

 

Der HERR wird ſie verſchlingen in ſeinem zorn / Fewr wird ſie freſſen.

 

Der HERR wird sie verschlingen in seinem Zorn. Feuer wird sie fressen.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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48

vmb ſonſt

 

vmbſonſt

umsonst (Adverb)

a) ohne Lohn, ohne Entgelt, ohne Gegenleistung, ohne Vergütung; gratis

b) ohne die erwartete, nutzbringende Wirkung: erfolglos, nutzlos, vergebens, sinnlos, zwecklos

c) ohne Grund (negiert: nicht umsonst, aus gutem Grund)

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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49

Seele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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49

Helle

Hölle, die

 

Totenreich, das

Helle
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
139 85 38 16

hebräisch: שאול (Scheol),
das Totenreich, die Unterwelt, in Abgrenzung zur Welt der Lebenden

lateinisch: infernum, auch: abyssus, baratrum, loca inferna, loca infernorum

griechisch: Ἅδης (Hades).

das Totenreich

 

Gedacht als konkreter Ort unter der Erdoberfläche (im Gegensatz zum Himmel über der Erdoberfläche), zu dem die Toten hinabsteigen.

 

Ort der Toten, Totenreich, in Abgrenzung zum Ort (zur Welt) der Lebenden.

 

Bedeutung

 

Der Begriff Hölle ist schwierig und zwischenzeitlich längst mystisch verklärt als Ort der Qual für die nach dem Tode Verdammten, als Ort des Feuers, wo Pech und Schwefel brennen, als Ort der Sünder, die aufgrund ihrer irdischen Verfehlungen Höllenpein zu erleiden haben, usw. Derartige Inhalte sind mit dem hebräischen Begriff Scheol nicht verbunden!

 

Moderne Übersetzungen vermeiden daher meist das Wort Hölle, um nicht einem nichtbiblischen und unchristlichen Glauben an einen verklärten Ort der Qualen, der Dämonen und Teufel Vorschub zu leisten.

 

Herrscher über den Scheol ist der Gott JHWH (s. →Ps 139,8), nicht der →Teufel (griechisch: διάβολος, als Gegenspieler des Gottes JHWH).

 

Auch Jesus ist nach seinem Tod zunächst in den Hades hinabgestiegen (Glaubensbekenntnis).

 

Häufig werden daher heute statt Hölle Begriffe wie Totenreich oder Ort der Toten o. ä. verwendet.

 

Das Wort Helle im Psalter der Lutherbibel

 

→Vorrede zum Psalter: Da ſiheſtu aber mal allen Heiligen ins hertze / wie in den Tod / ja wie in die Helle. Wie finſter vnd tunckel iſts da

 

→Ps 6,6: Denn im Tode gedenckt man dein nicht / Wer wil dir in der Helle dancken?
meint: Tote sind handlungsunfähig

 

→Ps 9,18: Ah das die Gottloſen müſten zur Helle gekeret werden

meint: Die Gottlosen sollten sterben

 

→Ps 16,10: DEnn du wirſt meine Seele nicht in der Helle laſſen
meint: Du wirst mich nicht sterben lassen

 

→Ps 18,6: Der Hellen band vmbfiengen mich / Vnd des Tods ſtrick vberweldiget mich.
meint: ich war dem Tod nahe

 

→Ps 28,1: Auff das nicht / wo du ſchweigeſt / ich gleich werde denen / die in die Helle faren.
meint: auch wenn du schweigst, deshalb werde ich nicht gleich sterben

 

→Ps 30,4: HERR du haſt meine Seele aus der Helle gefüret
meint: du hast mich vor dem Tod bewahrt

 

→Ps 30,4: Du haſt mich lebend behalten / da die in die Helle furen.
meint: mich hast du am Leben gelassen, während die anderen starben

 

→Ps 31,18: Die Gottloſen müſſen zu ſchanden vnd geſchweigt werden in der Helle.

meint: die Gottlosen müssen zum Schweigen gebracht werden durch einen schändlichen Tod

 

→Ps 49,15: Sie ligen in der Helle wie ſchafe / der Tod naget ſie

meint: sie liegen in ihren Gräbern wie Schafe und der Tod nagt an ihnen

 

→Ps 49,15: Jn der Helle müſſen ſie bleiben.

meint: sie müssen in ihren Gräbern bleiben

 

→Ps 49,16: ABer Gott wird meine Seele erlöſen aus der Hellen gewalt

meint: Gott wird meine Seele vor der Macht des Todes retten

 

→Ps 55,16: Der Tod vbereile ſie / vnd müſſen lebendig in die Helle faren

meint: Der Tod mag sie holen und mitten aus dem Leben reißen

 

→Ps 86,13: Vnd haſt meine Seele errettet aus der tieffen Helle.

meint: bewahre mein Leben vor dem Tod

 

→Ps 88,4: Vnd mein Leben iſt nahe bey der Helle.

meint: ich sieche dahin und bin dem Tode nahe, oder: ich fühle mich, als würde ich sterben

 

→Ps 88,5: Jch bin geacht gleich denen / die zur Helle fahren

meint: ich werde genauso wenig geachtet wie Verstorbene

 

→Ps 89,49: Der ſeine Seele errette aus der Hellen hand?

meint: der sein Leben bewahrt

 

→Scholion zu Ps 94,17: (Stille) Das iſt / in der Helle da es ſtille iſt vnd alles aus.

meint: im Grab ist es still und alles ist aus.

 

→Ps 116,3: STricke des Todes hatten mich vmbfangen / Vnd angſt der Hellen hatten mich troffen

meint: Der Tod umklammert mich und Todesangst hat mich überwältigt

 

→Ps 139,8: Füre ich gen Himel / ſo biſtu da / Bettet ich mir in die Helle / Sihe / ſo biſtu auch da.

meint: führe ich in den Himmel: du bist da! Begäbe ich mich ins Totenreich: Da bist du auch!

 

→Ps 141,7: VNſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

meint: Die Leiber und Knochen unserer Verwundeten und Toten sind <über das ganze Feld> verstreut

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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51

Schmach

 

Schmache

Schmach, die

Schmähung, Beschimpfung, Herabsetzung.

 

eine Schmach für jemanden sein: eine Schande für jemanden sein

 

 

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51

ſchos

Schoß, der

eigentlich: Teil eines Mantels, einer langen Jacke, eines Rockes

 

Teil einer Bekleidung oder einer Rüstung, die den Unterleib schützt und bedeckt.

 

Dann auch verselbständigt: der vordere Unterleib

 

 

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53

Amen

Amen, das

Amen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
96 35 12 48

hebräisch: אָמֵן (āmén),

griechisch: ἀμήν (amēn)

lateinisch: amen

 

Biblische Beteuerung am Schluss der Gebete.

 

Das hebräische Wort אָמֵן bedeutet »wahrlich!« oder »gewiss!« und wird verwendet als

 

a) Bestätigung oder Zustimmung nach der Rede eines anderen,

b) Bekräftigung des vorgelesenen Bundes oder Eides,

c) am Schluss eines Gebets.

 

Daher ist es Teil der jüdischen und der christlichen Liturgie.

 

Im Neuen Testament wird die griechische Transkription ἀμήν verwendet.

 

Christus, das Amen der Schöpfung

 

Offb 3,14 bezeichnet Christus selbst als »Amen«, mit dem Gott alle Verheißungen erfüllt hat:

 

VND dem Engel der gemeinen zu Laodicea schreibe / Das saget / Amen / Der trewe vnd warhafftiger Zeuge / der anfang der creatur Gottes.

 

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt, der »Amen« [heißt], der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
Der Psalm 89 im evangelischen Kirchenjahr

1. Sonntag nach Epiphanias

Der Psalm 89,2–6.20–23.27–30 ist der Wochenpsalm
ab dem 1. Sonntag nach Epiphanias.

Nach dem Entwurf der neuen Ordnung ist der Psalm 89,2-5.27-30 der Wochenpsalm ab dem 1. Sonntag nach Epiphanias.

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1. Sonntag nach Epiphanias 2017

Der Wochenspruch, der Wochenpsalm und die Textstellen für Bibellesungen und Predigten nach der Kirchenordnung in der Übersicht.

Mehr dazu in diesem Artikel.
 

Gedenktag der Heiligen

Der Psalm 89,2.6-8.(16-17) ist der Psalm
für den Gedenktag der Heiligen.

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Gedenktag der Heiligen 2017

1. November

Spruch, Psalm und die Textstellen für Bibellesungen und Predigten nach der Kirchenordnung in der Übersicht.

Mehr dazu in diesem Artikel.

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