Der Prophet Daniel| Kapitel 5

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Die Prophetenbücher

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Propheten

Der Prophet Daniel

Kapitel 5

 

Dan 5

 

Der Text in zwölf Kapiteln

 
Auswahl der Abschnitte in der Vorrede, der Bilder und der Kapitel im Text

 

Gliederung Kapitel 5

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel V

 

 

1 - 6

 

I. DANIEL UND SEINE FREUNDE

 

 

 

5,1-30

 

I.5 BELSAZARS GASTMAHL

 

1

5,1-4

→Der Frevel Belsazars beim Gastmahl

2

5,5-9

→Das mysteriöse Zeichen: Eine Hand schreibt an die Wand im Saal

3

5,10-12

→Die Königin rät Belsazar, Daniel zu befragen

4

5,13-16

→Belsazar lässt Daniel holen und verspricht ihm reichen Lohn

5

5,17-24

→Daniel redet zu König Belsazar

6

5,25-29

→Mene, Mene, Tekel: Daniel deutet die Schrift an der Wand

7

5,30

→Der plötzliche Tod des Königs Belsazar

 

Anm: Kapiteleinteilung nach der Ausgabe von 1545, Angabe der Textstelle nach heutiger Zählweise

 

 

 

 

Der Prophet Daniel.

 

 
[117b]

 

V.

 

 
[117b | 118a]

 

 

Daniel     C. V.

CXVIII.

 

 

 

I.5
BELSAZARS GASTMAHL

 

 

5,1-30

 

 

Der Frevel Belſazars beim Gaſtmahl

 

KOnig Belſazer machte ein herrlich

Malh ſeinen Gewaltigen vnd Heubtleuten / vnd ſoff ſich vol mit jnen. 2Vnd da er truncken war / a hies er die gülden vnd ſilbern Gefeſs her bringen / die ſein vater NebucadNezar / aus dem Tempel zu Jeruſalem weggenomen hatte / Das der König mit ſeinen Gewaltigen / mit ſeinen Weibern vnd mit ſeinen Kebsweibern daraus truncken. 3Alſo wurden her bracht die gülden Gefeſs / die aus dem Tempel / aus dem haus Gottes zu Jeruſalem genomen waren / Vnd der König / ſeine Gewaltigen / ſeine Weiber / vnd Kebsweiber truncken daraus. 4Vnd da ſie ſo ſoffen / b lobeten ſie die gülden / ſilbern / ehren / eiſern / hültzern vnd ſteinern Götter.

a

Es bleibt nicht bey dem ſauf­fen / Son­dern ſie müſ­ſen Got­tes auch da­zu ſpot­ten / vnd ſei­ner Ge­feſ­ſe mis­brau­chen. Dar­umb ſpricht S. Pau­lus / Aus truncken­heit folget ein wüſt wild leben / Ephe. 5.

b

(Lobeten)

Zu hohn vnd ſpot des Got­tes zu Je­ru­ſa­lem / dem ſie die Ge­feſ­ſe ge­no­men hat­ten / als ei­nem kran­cken / nich­ti­gem Got­te.

 

 

Das myſteriöſe Zeichen: Eine Hand ſchreibt an die Wand im Saal

 

EBen zur ſelbigen ſtunde giengen erfur Finger / als einer Menſchen hand / die ſchrieben gegen dem Leuchter vber / auff die getünchte wand in dem königlichen Saal / vnd der König ward gewar der Hand die da ſchreib. 6Da entferbet ſich der König / vnd ſeine gedancken erſchreckten jn / das jm die Lenden ſchutterten / vnd die Beine zitterten. 7Vnd der König rieff vber laut / das man die Weiſen / Chaldeer / vnd Warſager her auff bringen ſolt. Vnd lies den Weiſen zu Babel ſagen / Welcher Menſch dieſe Schrifft lieſet / vnd ſagen kan was ſie bedeute / der ſol mit Purpur gekleidet werden / vnd gülden Keten am halſe tragen / vnd der dritte Herr ſein in meinem Königreiche. 8Da wurden alle Weiſen des Königs herauff bracht / Aber ſie kundten weder die Schrifft leſen / noch die deutung dem Könige anzeigen. 9Des erſchrack der könig Belſazer noch herter / vnd verlor gantz ſeine geſtalt / vnd ſeinen Gewaltigen ward bange.

 

 

Die Königin rät Belſazar, Daniel zu befragen

 

DA gieng die Königin vmb ſolcher Sache willen des Königs / vnd ſeiner Gewaltigen / hin auff in den Saal / vnd ſprach / Herr König / Gott verleihe dir langes Leben / Las dich deine gedancken nicht ſo erſchrecken / vnd entferbe dich nicht alſo. 11Es iſt ein Man in deinem Königreich / der den Geiſt der heiligen Götter hat / Denn zu deines Vaters zeit ward bey jm erleuchtung erfunden / klugheit vnd weisheit / wie der Götter weisheit iſt. Vnd dein vater könig NebucadNezar / ſetzt jn vber die Sternſeher / Weiſen / Chaldeer / vnd Warſager / 12darumb / das ein hoher Geiſt bey jm funden ward / Dazu verſtand vnd klugheit Trewme zu deuten / tunckel Sprüche zu erraten / vnd verborgen Sachen zu offenbaren / nemlich / Daniel / den der König lies Beltſazer nennen. So ruffe man nu Daniel / der wird ſagen was es bedeut.

Das wird vie­leicht des Kö­ni­ges mut­ter ge­weſt ſein / die al­te Kö­ni­gin vnd Wid­wen / Denn dro­ben im an­fang ſind des Kö­ni­ges wei­ber auch mit im Trinck­ſaal.

 

 

 

 

Da­niels iſt bey die­ſem Kö­ni­ge ſo ver­geſ­ſen / das man jn ſu­chen vnd ruf­fen mus. Alſo ge­hets al­len trew­en Die­nern in der Welt.

 

 

Belſazar läſſt Daniel holen und verſpricht ihm reichen Lohn

 

13DA ward Daniel hinauff fur den König bracht. Vnd der König ſprach zu Daniel / Biſtu der Daniel der Gefangenen einer aus Juda / die der König mein Vater aus Juda her bracht hat? 14Ich habe von dir hören ſagen / das du den Geiſt der heiligen Götter habeſt / vnd erleuchtung / verſtand vnd hohe weisheit bey dir funden ſey. 15Nu hab ich fur mich foddern laſſen die Klugen vnd Weiſen / das ſie mir dieſe Schrifft leſen / vnd anzeigen ſollen / was ſie bedeut / Vnd ſie können mir nicht ſagen / was ſolchs bedeut. 16Von dir aber höre ich / das du könneſt die deutung geben / vnd das verborgen offenbaren / Kanſtu nu die Schrifft leſen / vnd mir anzeigen / was ſie bedeutet / So ſoltu mit Purpur gekleidet werden / vnd gülden Keten an deinem Halſe tragen / vnd der dritte Herr ſein in meinem Königreiche.

 

 

Daniel redet zu König Belſazar

 

DA fieng Daniel an / vnd redet fur dem Könige / Behalt dein Gaben ſelbs / vnd gib dein Geſchenck einem andern / Ich wil dennoch die Schrifft dem Könige leſen / vnd anzeigen / was ſie bedeut. 18Herr König / Gott der Höheſt hat deinem vater NebucadNezar / Königreich / macht / ehre vnd herrligkeit gegeben / 19Vnd fur ſolcher macht / die jm gegeben war / furchten vnd ſcheweten ſich fur jm / alle Völcker / Leute vnd Zungen. Er tödtet wen er wolt / Er ſchlug wen er wolt / Er erhöhet wen er wolt / Er demütiget wen er wolt. 20Da

 

 
[118a | 118b]

 

 

Der Prophet    C. V.

 

 

ſich aber ſein hertz erhub / vnd er ſtoltz vnd hohmütig ward / ward er vom königlichen Stuel geſtoſſen / vnd verlor ſeine Ehre / 21vnd ward verſtoſſen von den Leuten / vnd ſein hertz ward gleich den Thieren / vnd muſte bey dem Wild lauffen / vnd fraſs gras wie Ochſen / vnd ſein Leib lag vnter dem taw des Himels / vnd ward naſs / Bis das er lernete / Das Gott der Höheſt / gewalt hat vber der menſchen Königreiche / vnd gibt ſie wem er wil.

 

22VND du Belſazer ſein Son / haſt dein hertz nicht gedemütiget / ob du wol ſolchs alles weiſſeſt / 23Sondern haſt dich wider den HErrn des Himels erhaben / vnd die Gefeſſe ſeines Hauſes hat man fur dich bringen müſſen / vnd du / deine Gewaltigen / deine Weiber / deine Kebsweiber habt draus geſoffen / Dazu die ſilbern / gülden / ehrne / eiſern / hültzene / ſteinern Götter gelobet / die weder ſehen noch hören / noch fülen / Den Gott aber / der deinen Odem vnd alle eine →*1) wege in ſeiner Hand hat / haſtu nicht geehret. 24Darumb iſt von jm geſand dieſe Hand / vnd dieſe Schrifft / die da verzeichent ſtehet.

 

 

Mene, Mene, Tekel:
Daniel deutet die Schrift an der Wand

 

DAs iſt aber die Schrifft alda verzeichent / Mene / Mene / Tekel / Vpharſin. 26Vnd ſie bedeutet dis / Mene / das iſt / Gott hat dein Königreich gezelet / vnd volendet. 27Tekel / das iſt / Man hat dich in einer wage gewogen / vnd zu leicht funden. 28Peres / das iſt / dein Königreich iſt zuteilet / vnd den Meden vnd Perſen gegeben. 29Da befalh Belſazer / Das man Daniel mit Purpur kleiden ſolt / vnd gülden Keten an den hals geben / vnd lies von jm verkündigen / das er der dritte Herr ſey im Königreich.

Mene.

Tekel.

Peres.

 

 

Der plötzliche Tod des Königs Belſazar

 

30Aber des nachts / ward der Chaldeer könig Belſazer getödtet.

 

 

 

*1) Druckfehler: eine; Korrektur: deine

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Ephe.
Die Epiſtel S. Pauli: An die Epheſer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Ephesios

Der Brief des Paulus an die Epheser

Epheserbrief

Eph

Eph

Eph

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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