Der Prophet Daniel | Vorrede, Abschnitt 2

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Die Prophetenbücher

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Propheten

Der Prophet Daniel

Dr. Martin Luthers Vorrede

 

Dan Vorrede Teil 2

 
 
Auswahl der Abschnitte in der Vorrede, der Bilder und der Kapitel im Text
 

 

 

D. Mart. Luth.

 

Vórrede vber den Própheten

Daniel D. Mart. Luther.

 

 
[103b]

 

 

ABSCHNITT 2 VON 10

 

 

ZU KAPITEL IIII.
→Dan 4

 

 

Die Konſequenzen für Tyrannen, die ihre Herrſchaft miſſbrauchen

 

AM iiij. Cap. ſtehet ein trefflich Exempel

wider die Wütrigen vnd Tirannen. Denn da wird der groſſe mechtige König / ſeiner vernunfft beraubt / vnd ſo raſend vnd toll / das man jn wie einen tollen Hund / mit ketten binden vnd auff dem Felde gehen laſſen mus / den man bey den Leuten nicht hat mügen leiden. Itzt weil es da im Buch ſtehet / ſcheinet es ein gering ding / Aber wenn wir hetten ſollen da bey ſein geweſt / vnd ſolchs geſehen haben / ſo würden wir ein ſchrecklich greulich vrteil Gottes geſehen haben. Alſo / das ſich wol jederman hette müſſen von hertzen erbarmen / vber alle Oberherrn vnd böſe Tirannen / das ſie ſo grawſam vrteil müſſen gewarten / wo ſie jrer Herrſchafft miſſebrauchen.

Tyrannen ſo

irer gewalt mis­brauchen leſ­ſet Gott vn­ge­ſtrafft nicht.

 

 

Die Chriſten ſollen ihre Tyrannen erdulden und für ſie bitten

 

SOlchs aber geſchicht auch / zu troſt / dazumal den elenden gefangnen Jüden / Vnd jtzt vnd jmerdar / allen / ſo von den Tirannen geplagt werden oder vnrecht leiden / Das ſie ſehen / wie Gott wölle vnd könne / vns rechen an vnſern Feinden / mehr denn wir wündſchen thürſten. Wie der lviij. Pſalm auch ſagt / Der Gerechte wird mit freuden die rache ſehen / vnd ſeinen gang in des Gottloſen blut baden. Darumb ſollen wir ſolche Tirannen nicht allein gedültiglich leiden / Sondern auch vns jres künfftigen vrteils erbarmen / vnd fur ſie hertzlich bitten. Gleich wie hie der frome Daniel thut / vnd betrübet ſich / das dem Könige (der ſie doch gefangen vnd jr Land zerſtöret hatte) ſo vbel gehen ſol / Vnd wundſcht es lieber ſeinen Feinden.

Gott rechet

die ſeinen an jren Feinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tyran-

nen bosheit ſol­len die Chri­ſten lei­den vnd fur ſie bit­ten etc.

 

 

Das Amt verpflichtet zur Duldung, nicht der Menſch, der es bekleidet

 

ABer widerumb iſt das fur die fromen Herrn vnd Fürſten / ein tröſtlich / lieblich Bilde / Das Gott der HERR / auch dieſen tyranniſchen König / durch einen ſchönen Bawm furbildet / der alle Thier neeret / vnd vnter ſeinem Schatten rugen leſſt. Da mit Gott anzeigt / das er ruge vnd friede / ſchutz vnd ſchirm / Narung vnd Güter / vnd dis gantze zeitliche Leben / durch die Oberkeit gebe vnd erhalte. Vnd das jm faſt wolgefalle / wo ein Herr oder Fürſt ſolch ſein Ampt vleiſſig vbet. Denn es ſind ſchöne Früchte / ſchöne Eſte / ſchön Laub (ſpricht er) Das iſt / Es ſind köſtliche edle gute werck. Weil es denn Gott ſelbs wolgefellet / das ers ſo

 

Tröſtlich bild

fur die fromen Regenten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wolthat ſo

Gott vns durch Oberkeit gibt vnd erhelt.

 

 
[103b | 104a]

 

 

Propheten Dániel.

CIIII.

 

 

fein malet / lobet vnd zieret / ſolt ein Herr ja mit luſt vnd liebe ſein Ampt treiben / obs gleich voller mühe vnd erbeit iſt. So ſollen wir auch nicht achten / wie böſe die Tyrannen ſind / Sondern wie ein köſtlich / nützlich Ampt ſie haben von Gott / vns zu gut vnd heil eingeſetzt.

 

 

ZU KAPITEL V.
→Dan 5

 

 

Die Schrift an der Wand: Ein Beiſpiel dafür, daſs Gott die unbeugſamen Tyrannen beſtraft

 

AM v. Cap. kompt aber ein Exempel wider die Tyrannen. Denn das vorige Exempel iſt noch leidlich / weil der ſelbige König ſich ſtraffen leſt / vnd bekeret ſich zu Gott mit rechter Buſſe / demut vnd bekentnis / Das er on zweiuel aus einem Tyrannen ein groſſer Heilig iſt worden. Aber hie wird der verſtockte / vnbuſfertige Tyrann / der ſicher vnd frölich iſt in ſeiner bosheit / geſtrafft / on alle barmhertzigkeit / das er leib vnd leben / Land vnd Leute auff ein mal verleuret. Welchs freilich zu einem ſchrecken allen der gleichen Tyrannen geſchrieben iſt.

König Bel-

ſazers ſtraffe.

 

 

ZU KAPITEL VI.
→Dan 6

 

 

Daniel in der Löwengrube: Intrigen fallen auf die Intriganten zurück

 

AM vj. Cap. kompt ein fein lieblich Exempel / da ein feiner fromer König iſt / der Daniel lieb hat. Das mus Daniel auch bey den andern groſſen Hanſen entgelten / die beweiſen jm ein Hofetücklin / Vnd wird auch endlich in der Lewenloch geworffen. Da werden die gefangen elenden Jüden widerumb betrübt worden ſein. Aber Gott beweiſet ſich abermal redlich vnd tröſtlich / vnd keret das Spiel ſo fein vmb / das Daniels Feinde das muſten ſelbs auseſſen / das ſie jm hatten gebrockt. Wie der vij. Pſalm ſagt / Sie gehen mit Vnglück ſchwanger / Aber ſie geberen einen feil. Ir vnglück fellet auff jren Kopff / Vnd jr freuel auff jren Wirbel.

Daniel ins

Lewenloch ge­worffen.

 

 

Über Daniels Leben: Ein Spiegel des Glaubens und der Gnade Gottes

 

ALſo iſt Danielis Leben nichts anders / denn ein feiner reiner Spiegel / darin man ſihet des glaubens kampff vnd Sieg / durch Gottes gnade / wider alle Teufel vnd Menſchen / vnd ſeine groſſe frucht vnd nutz / den er durch gedult vnd creutz / ſchafft / beide fur Gott vnd der Welt.

Daniels

Leben.

 

 

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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