Der Prophet Daniel| Kapitel 8

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Die Prophetenbücher

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Propheten

Der Prophet Daniel

Kapitel 8

 

Dan 8

 

Der Text in zwölf Kapiteln

 
Auswahl der Abschnitte in der Vorrede, der Bilder und der Kapitel im Text

 

Gliederung Kapitel 8

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel VIII

 

 

7 - 12

 

II. DANIEL SCHAUT IN DIE ZUKUNFT

 

 

 

8,1-27

 

II.2 DANIELS VISION vom WIDDER UND ZIEGENBOCK

 

1

8,1-2

→Daniels Einleitung zu seiner Vision

2

8,3-4

→Der Widder, der das ganze Land beherrscht

3

8,5-7

→Der Ziegenbock kommt und kämpft gegen den Widder

4

8,8

→Das große Horn des Ziegenbock zerbricht und es wachsen vier neue Hörner

5

8,9-12

→Ein kleines Horn wächst aus einem der vier Hörner

6

8,13-14

→Die Frage eines Heiligen nach der Dauer der Zeit

7

8,15-19

→Die Vision der göttlichen Stimme und des Gabriel

8

8,20-22

→Gabriel deutet die Vision

9

8,23-25

→Die Deutung des kleinen Horns

10

8,26-27

→Die Anweisung an Daniel, die Vision nicht publik zu machen

 

Anm: Kapiteleinteilung nach der Ausgabe von 1545, Angabe der Textstelle nach heutiger Zählweise

 

 

 

 

Der Prophet Daniel.

 

 
[120a]

 

VIII.

 

 

II.2
DANIELS VISION vom WIDDER UND ZIEGENBOCK

 

 

8,1-27

 

 

Daniels Einleitung zu ſeiner Viſion

3. jar König Belſazer.

IM dritten jar des Königreichs des köni-

ges Belſazer / erſchein mir Daniel ein Geſicht / nach dem ſo mir am erſten erſchienen war. 2Ich war aber / da ich ſolch Geſicht ſahe / zu ſchlos Suſan im lande Elam / am waſſer Vlai.

Daniels

Geſicht von dem Wi­der vnd Zi­gen­bock.

 

(Elam)

Das her­nach Per­ſen­land heiſſt.

 

 

Der Widder, der das ganze Land beherrſcht

3. jar König Belſazer.

3Vnd ich hub meine Augen auff / vnd ſahe / vnd ſihe / ein Widder ſtund fur dem waſſer / der hatte zwey hohe Hörner / doch eins höher denn das ander / vnd das höheſt wuchs am letzten. 4Ich ſahe / Das der Widder mit den Hörnern ſties gegen Abend / gegen Mitternacht / vnd gegen Mittag / Vnd kein Thier kund fur jm beſtehen / noch von ſeiner Hand errettet werden / Sondern er thet was er wolt / vnd ward gros.

 

 

Der Ziegenbock kommt und kämpft gegen den Widder

 

VND in dem ich drauff merckt / Sihe / ſo kompt ein Zigenbock vom Abend her / vber die gantze Erden / das er die erde nicht rürete / Vnd

 

 

 
[120a | 120b]

 

 

Der Prophet    C. VIII.

 

 

der Bock hatte ein anſehelich Horn zwiſſchen ſeinen augen. 6Vnd er kam bis zu dem Widder der zwey Hörner hatte / den ich ſtehen ſahe fur dem waſſer / vnd er lieff in ſeinem zorn gewaltiglich zu jm zu. 7Vnd ich ſahe jm zu / das er hart an den Widder kam / vnd ergrimmet vber jn / vnd ſties den Widder / vnd zubrach jm ſeine zwey Hörner. Vnd der Widder hatte keine Krafft / das er fur jm hette mügen beſtehen / Sondern er warff jn zu boden / vnd zutrat jn / vnd niemand kund den Widder von ſeiner hand erretten.

 

 

 

Das große Horn des Ziegenbock zerbricht und es wachſen vier neue Hörner

 

8Vnd der Zigenbock ward ſeer gros / Vnd da er auffs ſterckeſt worden war / zubrach das groſſe Horn / vnd wuchſen an des ſtat anſeheliche viere / gegen die vier winde des Himels.

 

 

 

Ein kleines Horn wächſt aus einem der vier Hörner

 

VND aus der ſelbigen einem / wuchs ein klein Horn / das ward ſeer gros gegen Mittage / gegen Morgen / vnd gegen das a Werdeland. 10Vnd es wuchs bis an das Himelsheer / vnd warff etliche dauon / vnd von den Sternen zur Erden / vnd zutrat ſie. 11Ja es wuchs / bis an den Fürſten des Heeres / Vnd nam von jm weg / das tegliche Opffer / vnd verwüſtet die Wonung ſeines Heiligthums. 12Es ward jm aber ſolche macht gegeben / wider das teglich Opffer / vmb der Sünde willen / Das er die warheit zu bodem ſchlüge / vnd was er thet / jm gelingen muſte.

a

(Werdeland)

Iſt Judea / da Gott in­nen wo­net zu Je­ru­ſa­lem im Tem­pel.

(Himelsheer)

Iſt der Got­tes­dienſt zu Je­ru­ſa­lem / weil Gott von Hi­mel da­mit ge­die­net ward / vnd er ſolchs Hee­res Fürſt war. Die Sterne / ſind die Hei­li­gen in ſol­chem Heer.

 

 

Die Frage eines Heiligen nach der Dauer der Zeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2300. tage

13ICH höret aber einen Heiligen reden / vnd der ſelbige Heilige ſprach zu einem der da redet / Wie lange ſol doch weren ſolch Geſicht vom teglichen Opffer / vnd von der Sünden / vmb welcher willen dieſe Verwüſtung geſchicht / das beide / das Heiligthum vnd das Heer zutretten werden? 14Vnd er antwortet mir / Es ſind zwey tauſent / vnd drey hundert tage / von abend gegen morgen zu rechen / So wird das Heiligthum wider geweihet werden.

 

 

(Von abend gen Morgen)

Es ſind nicht wo­chen­ta­ge / wie Daniel 9. Jar­wo­chen / Son­dern ge­wön­liche / na­tür­li­che ta­ge / da man abend vnd mor­gen in­nen rechent.

 

 

Die Viſion der göttlichen Stimme und des Gabriel

 

VND da ich Daniel ſolch Geſicht ſahe / vnd hette es gerne verſtanden / Sihe / da ſtunds fur mir / wie ein Man. 16Vnd ich höret zwiſſchen Vlaj eines Menſchenſtim / der rieff / vnd ſprach / Gabriel / Lege dieſem das Geſicht aus / das ers verſtehe. 17Vnd er kam hart bey mich / Ich erſchrack aber da er kam / vnd fiel auff mein angeſicht. Er aber ſprach zu mir / Merck auff du Menſchenkind / denn dis Geſicht gehört in die zeit des endes. 18Vnd da er mit mir redet / ſanck ich in eine Ammacht zur erden auff mein angeſicht. Er aber rüret mich an / vnd richtet mich auff / das ich ſtund. 19Vnd er ſprach / Sihe / ich wil dir zeigen / wie es gehen wird / zur zeit des letzten zorns / Denn das ende hat ſeine beſtimpte zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Des endes)

Das zeigt er an / Das Epi­pha­nes →*1) nicht al­lein ge­mei­net wird in die­ſem Ge­ſich­te / ſon­dern auch der Ende­chriſt. →*2)

 

 

Gabriel deutet die Viſion

 

 

 

 

 

Alexander Magnus.

→*3)

DEr Widder mit den zweien Hörnern / den du geſehen haſt / ſind die Könige in Media vnd Perſia. 21Der Zigenbock aber iſt der König in Griechenland. Das groſſe Horn zwiſſchen ſeinen Augen / iſt der erſte König. 22Das aber Vier an ſeiner ſtat ſtunden / da es zubrochen war / bedeut / Das vier Königreiche aus dem Volck entſtehen werden / Aber nicht ſo mechtig / als er war.

Widder.

 

Zigenbock.

 

 

Die Deutung des kleinen Horns

 

NAch dieſen Königreichen / wenn die Vbertretter

vber hand nemen / wird auffkomen ein frecher vnd tückiſcher König. 24Der wird mechtig ſein / doch nicht durch ſeine Krafft / Er wirds wünderlich verwüſten / Vnd wird jm gelingen / das ers ausrichte. Er wird die Starcken / ſampt dem heiligen Volck / verſtören / 25vnd durch ſeine klugheit wird jm der betrug geraten / Vnd wird ſich in ſeinem hertzen erheben / vnd durch wolfart wird er viel verderben / Vnd wird ſich aufflehnen / wider den Fürſten aller Fürſten / Aber er wird on hand zubrochen werden.

Nicht durch Krafft / ſon­dern durch liſt / ver­rhe­te­rey vnd ſchalck­heit.

 

 

 

 

 

 

 

(Wolfart)

Das er gros gut / ehre / glück / hat / vnd guts le­ben im ſau­ſe fü­ret / wird er viel da mit an ſich locken.

 

 

Die Anweiſung an Daniel, die Viſion nicht publik zu machen

 

26DIS Geſicht vom abend vnd morgen / das dir geſagt iſt / das iſt war / Aber du ſolt das Geſicht heimlichhalten / denn es iſt noch eine lange zeit dahin. 27Vnd ich Daniel ward ſchwach / vnd lag etliche tage kranck. Darnach ſtund ich auff / vnd richtet aus des Königs geſchefft / vnd verwunderte mich des Geſichts / vnd niemand war der michs berichtet.

 

 

 

Lange zeit dahin)

Abermal zeigt er / Das er et­was mehr denn An­ti­o­chum →*4) mei­ne / Denn An­ti­o­chus iſt nicht vber viert­halb hun­dert jar nach die­ſem Ge­ſicht ko­men.

 

 

 

*1) Epiphanes: gemeint ist Antiochos IV. Epiphanes (* um 215 v. Chr. / † 164 v. Chr.). Siehe dazu die →Erläuterungen zur Abbildung in der Vorrede, in der die Nachfolger von Alexander dem Großen verzeichnet sind.

 

*2) Endechriſt: Siehe dazu Luthers Ausführungen in seiner →Vorrede zum Buch Daniel (Abschnitt 4).

 

*3) Alexander Magnus: lateinische Form für »Alexander der Große«

 

*4) Antiochus: gemeint ist wieder Antiochos IV. Epiphanes.
Siehe Anmerkung 1.

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
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