Das Buch der Psalmen | Psalm 17

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 17

 

Ps 17

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Die Bitte des Unschuldigen

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 17 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

XVII.

1Ein Gebet Dauids.

Scio quod non mendacium, ſed tuum uerbum do­ceo. Ideo ſi non uiſ me exaudire exaudi tuam iu­ſtam cauſſam.

HERR erhöre die Ge­rechtigkeit / Merck auff mein geſchrey / Vernim mein Gebet / das nicht auſ falſchem munde gehet.

2Sprich du in meiner Sache / Vnd ſchaw du auffs Recht.

3DV prüfeſt mein hertz / vnd beſucheſts des nachts / Vnd leuterſt mich vnd findeſt nichts / Ich hab mir fur geſetzt / das mein mund nicht ſol vbertretten.

4Ich beware mich in dem wort deiner Lippen / Fur Menſchen werck / auff dem wege des Mörders.

5ERhalte meinen Gang auff deinen Fuſſteigen / Das meine tritt nicht gleitten.

6Ich ruffe zu dir / das du Gott wolteſt mich erhören / Neige deine Ohren zu mir / höre meine rede.

7BEweiſe deine wünderliche Güte / du Heiland dere die dir vertrawen / Wider die ſo ſich wider deine rechte Hand ſetzen.

8BEhüte mich wie einen Augapffel im auge / Beſchirme mich vnter dem ſchatten deiner Flügel.

9Fur den Gottloſen / die mich verſtören / Fur meinen Feinden / die vmb vnd vmb nach meiner Seelen ſtehen.

(Fetten)

Das iſt / Die groſſen vnd ge­waltigen.

10Ire Fetten halten zuſamen / Sie reden mit jrem munde ſtoltz.

11Wo wir gehen / ſo vmbgeben ſie vns / Ire augen richten ſie dahin / das ſie vns zur erden ſtörtzen.

12Gleich wie ein Lewe / der des Raubs begert / Wie ein junger Lewe der in der hüle ſitzt.

c
(Deiner hand)

Die dir in dei­ne hand komen zu ſtraffen /
Ebre. 10. Es iſt ſchrecklich dem lebendigen Gott in die hende fallen / Pſal. 21. Dei­ne hand wird finden al­le deine Fein­de.

13HERR mache dich auff / vberweldige jn / vnd demütige jn / Errette meine Seele von dem Gottloſen / mit deinem ſchwert.

14Von den Leuten c deiner hand / HERR / Von den Leuten dieſer welt / welche jr Teil haben in jrem Leben / welchen du den Bauch fülleſt mit deinem Schatz / Die da kinder die fülle haben / vnd laſſen jr vbriges jren Jungen.

 
 
 
(Erwache)

Wacker ſein im wort vnd glauben nicht ſchnarcken.

15ICh aber wil ſchawen dein Andlitz / in gerechtigkeit / Ich wil ſat werden / wenn ich erwache nach deinem Bilde.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Pſal.
Der Pſalter.

Biblia Vulgata: Psalmi

Der Psalter

Die Psalmen

Das Buch der Psalmen

Ps

Ps

Ps

Ebre.
Die Epiſtel an die Ebreer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Hebraeos

Der Brief an die Hebräer

Hebräerbrief

Hebr

Hebr

Hebr

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 17 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Gebet Dauids

1: HERR

1: geſchrey

3: leuterſt

3: fur

3: fur geſetzt

3: vbertretten

7: Heiland

7: vertrawen

9: Gottloſen

9: verſtören

9: vmb

9: vmb vnd vmb

9: Seelen

10: Fetten

11: vmbgeben

12: Lewe

12: hüle

15: Andlitz

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Gebet Dauids

Gebet Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von →Psalm 17 und →Psalm 86.

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

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1

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

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1

geſchrey

Geschrei, das

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 17,1

 

HERR erhöre die Gerechtigkeit / Merck auff mein geſchrey

 

HERR, erhöre die Gerechtigkeit, höre mein Geschrei.

 

 

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3

leutern

läutern (Verb, veraltet)

reinigen, lauter machen durch Ausschmelzen, Auskochen, Durchseihen.

 

Siehe auch: →durchleutern

 

→Ps 17,3

 

DV prüfeſt mein hertz / vnd beſucheſts des nachts / Vnd leuterſt mich vnd findeſt nichts

 

a) Du prüfst mein Herz und besuchst es nachts, du leuterst mich und findest nichts.

b) Du prüfst mein Herz und besuchst es nachts, du durchleuchtest mich und findest nichts.

 

→Ps 119,140

 

Dein Wort iſt wol geleutert

 

a) Dein Wort ist wohl geläutert

b) Luther-1984: Dein Wort ist ganz durchläutert

c) Dein Wort ist klar und rein.

 

 

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3

fur

a) vor (Präposition)

 

b) für (Präposition)

 

c) fuhr (Verb)

Die Präpositionen vor und für

 

Die beiden heutigen Wörter vor und für gehen sprachlich auf das selbe Wort zurück, was in der Lutherbibel noch gut verfolgt werden kann.

 

Überwiegend tritt fur in der Bedeutung vor auf und ist gleichbedeutend mit Luthers Schreibweise vor.

 

Die konkrete Bedeutung erschließt sich aus dem Textzusammenhang.

 

Das Verb fuhr

 

Das Wort fur kann auch das Verb fahren (Luther-Deutsch: faren) in der 3. Person Singular Präteritum meinen.

 

Beispiel der Bedeutung »vor«:

 

→Ps 3,1

 

Ein Pſalm Dauids / Da er floh fur ſeinem ſon Abſalom.

 

Ein Psalm Davids, [gesungen,] als er vor seinem Sohn Aschalom floh.

 

Beispiel der Bedeutung »für«:

 

→Ps 40,18

 

Denn ich bin Arm vnd Elend / Der HERR aber ſorget fur mich

 

Denn ich bin arm und elend. Der HERR sorgt aber für mich.

 

Beispiel der Bedeutung »fuhr«:

 

→Ps 18,10

 

Er neigete den Himel vnd fur herab

 

Er neigte den Himmel und fuhr herab.

 

 

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3

furſetzen

vorsetzten (Verb)

auch in getrennter Schreibweise: fur ſetzen

 

Verwendet in der Bedeutung sich etwas fest vornehmen, sich etwas auferlegen

 

→Ps 17,3

 

Jch hab mir fur geſetzt / das mein mund nicht ſol vbertretten.

 

a) Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht übertreten soll.

b) Ich habe mir fest vorgenommen, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

c) Ich habe mir auferlegt, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

 

→Rom 1,13

 

JCH wil euch aber nicht verhalten / lieben Brüder / das ich mir offt habe furgeſetzt / zu euch zu komen

 

Ich möchte Euch aber nicht verschweigen, liebe Brüder, dass ich es mir oft vorgenommen hatte, zu euch zu kommen.

 

 

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3

vbertretten

übertreten (Verb)

a) ein Gesetz oder Gebot (hier: die Gesetze und Gebote Gottes) nicht halten, verletzen, absichtlich mißachten

b) sich vergehen an einem Gebot oder Gesetz

 

→Ps 17,3

 

Jch hab mir fur geſetzt / das mein mund nicht ſol vbertretten.

 

a) Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht übertreten soll.

b) Ich habe mir fest vorgenommen, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

c) Ich habe mir auferlegt, dass mein Mund sich nicht vergehen soll.

 

 

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7

Heiland

Heiland, der

Erlöser, Retter, Helfer

insbesondere für Jesus Christus als Erlöser der Menschen.

 

 

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7

vertrawen

vertrauen (Verb)

 

a) das verstärke trauen: man vertraut jemandem, dem man nichts Böses zutraut

b) jemandem etwas zutrauen

c) (an etwas) glauben, Vertrauen schenken, seine Zuversicht setzen auf

d) gläubig, zuversichtlich sein

 

 

→Ps 18,31

 

Er iſt ein Schild allen die jm vertrawen.

 

Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

 

 

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9

Gottloſe
Gotloſe

Gottlose, der

Substantivierung von: →gottlos (Adjektiv)

 

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

a) Zustand: los von Gott; von Gott verlassen; ohne Gott.

b) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

 

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9

verſtören

zerstören (Verb)

 

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9

vmb

um (Partikel)

a) Präpostion: um vieles, um alles, usw.

b) Adverb: um sein, usw.

c) Konjunktion: um zu

 

Die Schreibweise im Luther-Deutsch ist in allen Fällen vmb, auch als Präfix in Verbindung mit Verben.

 

 

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9

vmb vnd vmb

um und um (Wendung)

Siehe auch: →vmb

 

Die Wendung verstärkt durch die paarige Nutzung von um dessen Bedeutung.

 

a) rundum, ringsum, von allen Seiten

b) zur Bezeichnung der vollständigen Erfassung einer Form oder Fläche: vollständig, komplett

c) zur Bezeichnung eines vollständig erfassten Vorgangs oder einer Idee: alles in allem, letzten Endes, letztendlich, schließlich

 

→Ps 17,9

 

Fur meinen Feinden / die vmb vnd vmb nach meiner Seelen ſtehen.

 

a) Vor meinen Feinden, die ringsum nach meiner Seele stehen

b) Vor meinen Feinden, die mir von allen Seiten nach dem Leben trachten.

 

c) Vor meinen Feinden, die mir letztendlich das Leben nehmen wollen.

 

 

 

 

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9

Seele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

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10

Fette

Fette, der oder die

Plural: die Fetten

 

Substantiviertes Adjektiv fett

 

Luther führt mit seiner Bibelübersetzung das Wort fett anstelle von feist (feiſzt) allgemein gebräuchlich ein.

 

→Ps 17,10

 

Jre Fetten halten zuſamen / Sie reden mit jrem munde ſtoltz.

 

a) Ihre Fetten halten zusammen. Sie reden stolz mit ihrem Mund.

 

Luther erklärt den Begriff Fetten im Scholion:

 

Luther: (Fetten) Das iſt / Die groſſen vnd gewaltigen.

 

Demnach will es Luther in etwa so verstanden wissen:

 

b) Ihre wohlhabenden Anführer halten zusammen. Sie reden stolz mit ihrem Mund.

 

Anmerkungen zu Ps 17,10

 

Dieser Vers ist schwierig. Die Übersetzungen der modernen Bibeln laufen hier auseinander.

 

c) Luther-1984: Ihr Herz haben sie verschlossen, mit ihrem Mund reden sie stolz.

d) Elberfelder: Mit ihrem Fett verschließen sie <sich>, mit ihrem Mund reden sie Anmaßungen.

 

Die Elberfelder benutzt das Substantiv »das Fett« und erklärt dazu: »Fett bedeckt die inneren Organe, mit denen die Empfindungen des Erbarmens und des Mitgefühls in Verbindung gebracht werden.« Das versucht im Wesentlichen wohl auch die Luther-1984 auszudrücken, wenn sie Herz statt Fett verwendet, um deutlicher auf den Sitz des Fühlens hinzuweisen (der verschlossen ist wegen des Fettes).

 

Wir verstehen den Begriff Fett, wie ihn die Quellen benutzen, als Symbol für Wohlgenährt, Wohlstand und Dekadenz. Diese Äußerlichkeiten sind sehr leicht an Menschen zu erkennen. Der Vers wird allgemein verständlicher, wenn dieses Symbol aufgelöst wird, z. B. so:

 

e) Ihr Wohlstand verschließt sie, sie reden Anmaßungen mit ihrem Mund.

f) Ihr dekadenter Wohlstand macht sie unzugänglich, sie reden anmaßend mit ihrem Mund.

g) Ihr Wohlstand macht sie herzlos, sie reden anmaßend mit ihrem Mund.

 

 

 

 

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11

vmbgeben

umgeben (Verb)

umschließen

 

1) umstricken, umschlingen, umzäunen

2) umstellen, umzingeln, belagern

3) ringsum bedecken

4) behüten, betreuen

 

→Ps 40,13

 

Denn es hat mich vmbgeben leiden on zal

 

a) Denn es haben mich unzählige Leiden umgeben.

b) Denn es hat mich endloses Leid umschlungen.

 

 

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12

Lew

Löwe, der

a) das Tier: der Löwe

b) die bildliche Übertragung auf Menschen, wobei oft die Stärke, die Kühnheit und die Raubgier des Löwen das Bild bestimmen.

 

→Ps 10,9

 

Er lauret im verborgen / wie ein Lew in der hüle

 

Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe in der Höhle.

 

 

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12

hüle

Höhle, die

natürlicher Raum in Böden und an den Hängen von Hügeln und Bergen;

Schutz und Lebensraum, für Tiere, aber auch für Menschen.

 

→Ps 10,9

 

Er lauret im verborgen / wie ein Lew in der hüle

 

Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe in der Höhle.

 

→Ps 17,12

 

Wie ein junger Lewe der in der hüle ſitzt.

 

Wie ein junger Löwe, der in einer Höhle sitzt.

 

→Ps 142,1

 

Ein Vnterweiſunge Dauids zu beten / Da er in der Hülen war.

 

Eine Unterweisung Davids, <niedergeschrieben> als er in der Höhle war. Ein Gebet.

 

 

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15

andlitz
Andlitz

Antlitz, das

Gesicht, Angesicht

 

→Ps 4,7

 

Aber HERR erhebe vber vns das Liecht deines andlitzs.

 

Luther: (Liecht des andlitzs) Jſt freundlich vnd gnedigs anſehen.

 

 

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

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