Das Buch der Psalmen
Psalm XXIX.

◉ Home | ►Lutherbibel 1545 | ►Bücher der Dichtung | ►Der Psalter | Psalm XXIX.
Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

∙ Der Psalter ∙
Die Bücher der Psalmen

 

XXIX.

 

Ps 29,1-11

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Die Stimme des HERRN

Hymus auf die Macht des HERRN

 
Auswahl der Psalmen
 

 

Der Psalm 29 aus Luthers Biblia 1545

Der Pſalter.

 

 

XXIX.

1Ein Pſalm Dauids.

 

BRinget her dem HER­RN jr Ge­wal­ti­gen / Bringet her dem HERRN ehre vnd ſtercke.

2Bringet dem HERRN ehre ſeines Namens / Betet an den HERRN in heiligem Schmuck.

3DIe ſtim des HERRN gehet auff den Waſſern / der Gott der ehren donnert / Der HERR auff groſſen Waſſern.

4Die ſtim des HERRN gehet mit macht / Die ſtim des HERRN gehet herrlich.

5DIe ſtim des HERRN zubricht die Cedern / Der HERR zubricht die Cedern im Libanon.

(Lecken)

Das iſt / ſprin-gen / hüpffen.

6Vnd machet ſie lecken wie ein Kalb / Libanon vnd Sirion / wie ein junges Einhorn.

7Die ſtim des HERRN hewet / Wie fewr flammen.

8Die ſtim des HERRN erreget die Wüſten / Die ſtim des HERRN erreget die wüſten Kades.

9Die ſtim des HERRN erreget die Hinden / vnd entblöſet die Welde / Vnd in ſeinem Tempel wird jm jederman Ehre ſagen.

10DEr HERR ſitzt eine Sintflut anzurichten / Vnd der HERR bleibt ein König in ewigkeit.

 
 
 
(Frieden)

Das iſt / Das jm wolgehen wird.

11DEr HERR wird ſeinem Volck krafft geben / Der HERR wird ſein Volck ſegenen mit frieden.

 

 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 29 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Pſalm Dauids

1: HERR

2: heiligen

5: zubricht

5: Cedern

6: Einhorn

7: hewet

7: fewr

8: erreget

9: Hinden

9: Tempel

10: Sintflut

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen:
Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text Ps 29

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

Pſalm Dauids

Psalm Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von 50 Psalmen:

 

→Psalm 3, →Psalm 4, →Psalm 5, →Psalm 6, →Psalm 8

→Psalm 9, →Psalm 11, →Psalm 12, →Psalm 13, →Psalm 14

→Psalm 15, →Psalm 18, →Psalm 19, →Psalm 20, →Psalm 21

→Psalm 22, →Psalm 23, →Psalm 24, →Psalm 25, →Psalm 26

→Psalm 27, →Psalm 28, →Psalm 29, →Psalm 30, →Psalm 31

→Psalm 34, →Psalm 35, →Psalm 36, →Psalm 37, →Psalm 38

→Psalm 39, →Psalm 40, →Psalm 41, →Psalm 51, →Psalm 61

→Psalm 62, →Psalm 63, →Psalm 64, →Psalm 65, →Psalm 69

→Psalm 70, →Psalm 101, →Psalm 103, →Psalm 109, →Psalm 110

→Psalm 139, →Psalm 140, →Psalm 141, →Psalm 143, →Psalm 144

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Psalm 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Psalm 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Psalm 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Psalm 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Psalm 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Psalm 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Psalm 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Psalm 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Psalm 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Psalm 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Psalm 7

 

h) Lob Davids: 1x

Psalm 145

 

i) Davids: 1x

Psalm 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR oder HERR

 

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Ver­sa­li­en (Groß­buch­sta­ben) folgt einer fes­ten Re­gel. Sie weist da­rauf hin, dass im he­brä­i­schen Text an die­ser Stel­le das Te­tra­gram­ma­ton (das Vier­fach­zei­chen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der un­aus­sprech­li­che Na­me Gottes.

 

 

Satztechnisch bedingte Varianten

 

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zei­le zu spa­ren, wo­durch über­mäßi­ger Sperr­druck oder un­güns­ti­ge Wort­um­brü­che ver­mie­den wer­den, sind in der Lu­ther­bi­bel von 1545 häu­fig auch die Va­ri­an­ten HERr oder HERRn oder HERrn zu fin­den. Da­bei sind min­des­tens die ers­ten drei Zei­chen in Ver­sa­li­en ge­setzt, wo­mit sie hin­rei­chend von HErr un­ter­scheid­bar sind.

 

An wenigen Stel­len im Text wur­de ei­ne für uns un­üb­li­che Tren­nung im Wort vor­ge­nom­men, um einen Zei­len­um­bruch zu re­a­li­sie­ren, hier bei­spiel­haft ge­zeigt:

 

[ ...] fur den HER-

RN bringen [...]

 

 

HERR HErr

 

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im he­brä­i­schen Text »JHWH Adonaj« zu le­sen ist. (Siehe da­zu auch den Ar­tikel →HErr.)

 

Auch die um­ge­kehr­te Rei­hen­fol­ge HErr HERR ist mög­lich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

 

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

 

Die Aussprache des Namens Gottes

 

Das Wissen um die Aus­spra­che der vier Zei­chen, die den Got­tes­na­men aus­ma­chen, ist schon früh in der Ge­schich­te ver­lo­ren ge­gan­gen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vo­ka­li­siert ge­schrie­ben יְהוָה nach der Aus­spra­che des he­brä­i­schen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה eben­falls nach dem he­brä­i­schen Adonaj, Herr, je­doch un­ter Be­rück­sich­ti­gung aller Vo­ka­le) tran­s­k­ri­biert, aber auch mit »Jewah« (eben­falls יְהוָה aber nach dem he­brä­i­schen Sche­ma, der Name, zu le­sen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem he­brä­i­schen Elo­him, Gott/Götter).

 

 

Luthers Namensersatz

 

Luther kannte die vo­ka­li­sier­ten Va­ri­an­ten und die tran­s­k­ri­bier­ten For­men und war wohl be­son­ders dem Wort »Je­ho­va« zu­ge­neigt. Es be­zieht alle drei Vo­ka­le aus dem Wort Adonaj, das »Herr« be­deu­tet. Den­noch hat­te er es ver­mie­den in sei­ner Über­setzung »Je­ho­va« zu ver­wen­den. Statt­des­sen nutz­te er wie die la­tei­ni­schen Bi­beln ei­nen Wort­er­satz. Er setzte das deut­sche Wort ein, das ge­mäß der jü­di­schen Tra­di­ti­on zu le­sen sei, wenn im Text das Vier­fach­zei­chen er­scheint, mach­te es aber durch die be­son­de­re Satz­wei­se in Groß­buch­sta­ben kennt­lich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in et­li­chen Bi­bel­aus­ga­ben ge­hal­ten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament ver­wen­det Luther die Schreib­wei­se HERR in Ver­sa­li­en (Groß­buch­sta­ben) für Gott, den Va­ter, an Stel­len, wo sich Zi­ta­te aus dem Al­ten Tes­ta­ment auf »JHWH« be­ziehen.

 

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

heilig

heilig (Adjektiv)

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungswürdig.

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

zerbrechen

 

zebrechen

 

zubrechen

zerbrechen (Verb)

etwas vollständig, gänzlich brechen

 

1) Gegenstände, Gerätschaften: in Stücke brechen

2) Speisen (wie z. B. Brot): brechen

3) Steine, Erze: in Stücke brechen, zerstoßen

4) Gebäude, Bauten, Anlagen: niederreißen, einreißen, zum Einsturz bringen

5) Körper und Glieder von Menschen oder Tieren: in Stücke teilen

5) Menschlicher Geist, Wille: den Willen brechen

 

 

Hinweis: Luther verwendet ohne Unterscheidung:

 

  • zerbrechen
  • zebrechen
  • zubrechen.

 

Die Vorsilben »ze(r)-« und »zu(r)-«

 

Zur Verwendung der Vorsilben »zer«, »ze«, »zur« und »zu« in der Lutherbibel von 1545 siehe den Artikel:

 

→zer- | zer- (Vorsilbe).

 

 

→Psalm 28,5

 

Denn ſie wöllen nicht achten auff das Thun des HERRN / noch auff die werck ſeiner Hende / Darumb wird er ſie zebrechen vnd nicht bawen.

 

Denn sie wollen weder die Taten des HERRN respektieren noch die Werke seiner Hände. Deshalb wird er sie [ihren Geist, ihre Absichten] brechen und nicht aufbauen [gedeihen lassen, bestärken, fördern].

 

 

→Psalm 10,15

 

Zubrich den arm des Gottloſen

 

Zerbrich den Arm der Gottlosen

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Ceder

 

cedern Libanon

 

cedern Gottes

 

Bewme des HERRN

Libanon-Zeder, die

Immergrüner Baum mit Wuchshöhen zwischen 30 bis 50 Meter, kann bis zu 1.000 Jahre alt werden.

 

In Palästina gibt es keine Zedern. Die Bibel nennt sie fast immer im Zusammenhang mit dem Libanon. Dort gab es große Zedernhaine, die sehr alt waren und wertvolles Holz für teure Bauwerke lieferten. So nutze König Salomo das Holz der Libanon-Zeder für den Bau des Tempels und seiner Paläste.

 

Dem Holz haftet das Göttliche an, die cedern Libanon sind nach Psalm 104 die Bewme des HERRN.

 

→Psalm 104,16

 

DAs die Bewme des HERRN vol ſaffts ſtehen / Die cedern Libanon die er gepflantzt hat.

 

Dazu Luther im Scholion zu Psalm 104,16:

Bewme des HERRN / heiſſt er die im wald ſtehen / die nicht durch Menſchen ge­flantzet ſind.

 

Luther versteht »die Bewme des HERRN« als Bäume des Waldes, die nicht von Menschenhand gepflanzt wurden.

 

Tatsächlich beschreibt der Autor des Psalms, dass »die Bewme des HERRN« die cedern Libanon sind, die durchaus von Menschen gepflanzt sein können. Die Beifügung die er gepflantzt hat, bezieht sich auf Gott als Lebensspender und Schöpfer, wie er bereits in den Versen davor beschrieben wurde: So wie alles Leben stammen auch die Libanon-Zedern aus der Hand Gottes.

 

 

→Psalm 80,11

 

Berge ſind mit ſeinem Schatten bedeckt / Vnd mit ſeinen Reben die cedern Gottes.

 

Luther erklärt im Scholion zu Psalm 80,11, dass die cedern Gottes die Libanon-Zedern sind, in dem er sie für die Ortsangabe benutzt:

 

(Cedern Gottes) Jd eſt / Regnum dilatatum vſque ad Li­ba­num. (Zedern Gottes) Das meint: Das Königreich er­streck­te sich bis zum Libanon.

 

 

→Psalm 92,13

 

Er wird wachſſen wie ein Ceder auff Libanon.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Einhorn

Einhorn, das (veraltet)

 

junger Stier

 

(arabische) Oryx-Antilope

Einhorn
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
8 8 0 0

mhd.: einhürne, m.

hebräisch

רְאֵם  (rəʼem), Plural: רְאֵמִים (rəʼemiym)
wildes, unzähmbares Tier mit Hörnern

griechisch (Septuaginta)

μονόχερως (mo­no­che­ros)
das Ein­horn

lateinisch

unicornis
das Einhorn

 

Das hebräische Wort be­zeich­net all­ge­mein ein wil­des, un­zähm­ba­res Tier mit kräf­ti­gen Hör­nern. Es ist bis­her nicht ge­lun­gen, den Be­griff ein­deu­tig ei­ner Tier­art zu­zu­wei­sen.

 

Ge­meint ist wo­mög­lich die (ara­bi­sche) Oryx-An­ti­lo­pe in der An­nah­me, dass das he­brä­i­sche Wort mit dem ara­bi­schen Wort für die­se An­ti­lo­pe verwandt ist.

 

Allerdings lässt →Hiob 39,9-12 eher ein Wild­rind, einen Wild­och­sen, o. ä. erwarten und ver­weist so­mit in­di­rekt auf die as­sy­ri­sche Ab­stam­mung des he­brä­i­schen Be­griffs. Das be­zeich­ne­te Tier wäre dann der in Vor­der­asi­en be­kan­nte Ur oder Auerochse.

 

Luther waren der­ar­ti­ge Tie­re un­be­kannt. Ob­wohl er selbst nie ein Ein­horn ge­se­hen hat­te und das Tier als Fabel­we­sen kann­te, stütz­te er sich bei sei­ner Über­set­zung auf die gän­gi­gen Be­grif­fe der grie­chi­schen Sep­tua­gin­ta und der la­tei­ni­schen Bi­beln.

 

Denn tat­säch­lich ist es auch mög­lich, dass al­le Text­pas­sa­gen in der Bi­bel, in de­nen das Wort vor­kommt, als Stil­mit­tel ein Fa­bel­we­sen mei­nen, kein re­a­les Tier, um den je­weils an­ge­stell­ten Ver­gleich eben­so be­ein­dru­ckend wie un­an­fecht­bar zu über­spit­zen. Dann wür­de der he­brä­i­sche Be­griff et­wa »ge­hörn­tes, wil­des, un­zähm­ba­res Fa­bel­we­sen na­mens R'am« be­deu­ten. Da­für feh­len je­doch außer­bib­li­sche Be­le­ge.

 

 

 

 

Arabische Oryx-Antilope

 

Abbildung: Arabische Oryx-Antilope (Oryx leucoryx)

Credits (original file): MathKnight @ wikimedia.org
licensed under CC BY-SA

 

Die fast pfeil­ge­ra­den, dün­nen und im Ver­hält­nis zur Kör­per­grö­ße sehr lan­gen Hör­ner sind auf­fäl­lig. Sie kön­nen aus der Fer­ne be­trach­tet, oder wenn das Tier na­he­zu im Pro­fil zu se­hen ist, wie ein ein­zi­ges Horn wir­ken. Die Ge­stalt er­in­nert an Zie­gen, doch die­ses Tier ist an­ders als Zie­gen un­zähm­bar.

 

 

Das Einhorn ist heu­te ein Fa­bel­we­sen, des­sen Ge­stalt oft mit der ei­ner Zie­ge oder ei­nes Pfer­des gleich­ge­setzt wird. Es trägt mit­tig auf der Stirn nur ein ein­zi­ges Horn. Es taucht erst­mals schon in der An­ti­ke auf und wird u. a. von Ari­sto­te­les er­wähnt.

 

Es wird aller­dings an­ge­nom­men, dass in den bi­bli­schen Tex­ten sehr wahr­schein­lich kein ab­strak­tes Fa­bel­we­sen ge­meint ist, son­dern ein (uns un­be­kann­tes), re­a­les Tier.

 

Welches Tier der Begriff tat­säch­lich meint, ist um­strit­ten. Heu­te wird all­ge­mein an­ge­nom­men, dass es sich um ei­ne (Oryx-) An­ti­lo­pe (s. o.) oder um ei­nen Wild­stier (Auerochse) han­delt.

 

An den Wild­stier ist aufgrund →Hiob 39,9-12 zu den­ken. Es wurde versucht, den Grund für den Be­griff »Mo­no­cheros« der grie­chi­schen Quellen in anti­ken Ab­bil­dun­gen zu fin­den, die (spe­ziell in Grie­chen­land) den Stier oft im Pro­fil zei­gen. Da­bei ist dann nur ein Horn im Bild zu se­hen. Das hin­te­re Horn ist vom vor­de­ren Horn ver­deckt. Doch schei­nen sol­che Über­le­gun­gen kaum halt­bar. Es wä­re wohl nie­mand in der da­mals be­kann­ten an­ti­ken Welt auf die Idee ge­kom­men, in den für Stie­re ty­pi­schen und all­seits be­kann­ten grie­chi­schen Ab­bil­dun­gen ei­ne un­be­kan­nte Tier­art, Ein­hör­ner, zu er­ken­nen.

 

 

 

Wilder Stier, Relief in Knossos, Kreta, Griechenland

 

Abbildung: Wilder Stier, Relief in Knossos, Kreta, Griechenland

Credits (original file): © 2015 Sabrina | www.stilkunst.de
licensed under CC BY-SA

 

Der wilde, un­zähm­ba­re Stier be­saß in der An­tike be­son­de­res An­se­hen, das in Ri­ten, Fa­beln, und Göt­ter­kult mün­de­te.

 

Die­ses Re­lief in Knos­sos (Kre­ta) zeigt einen un­ge­stüm sprin­gen­den Stier. Die Hör­ner, die am Kopf aus­tre­ten, wir­ken zu­nächst wie ein ein­zi­ges Horn. Erst an ih­ren En­den wird sicht­bar, dass es sich um zwei Hör­ner han­delt. Oder ist es nur ein Horn, das sich am Ende ga­belt?

 

Wir sind uns sicher, dass sol­che und ähn­li­che Ab­bil­dun­gen spä­tes­tens seit Ale­x­an­der dem Gro­ßen im ge­sam­ten Mit­tel­meer­raum be­kannt waren, ein­deu­tig ver­stan­den wur­den und kei­nen An­laß bo­ten, da­rin den »Mo­no­che­ros«, das Ein­horn, zu er­ken­nen.

 

 

 

 

Die grie­chi­sche Sep­tua­gin­ta hat­te das Wort »Mo­no­che­ros« für die Über­set­zung des he­brä­i­schen Be­griffs ein­ge­führt. Wahr­schein­lich war dem Über­set­zer kein pas­sen­des Tier be­kannt, wohl aber dank grie­chi­scher Fa­beln das Ein­horn, das sich auf der Su­che nach ei­nem ge­hörn­ten, wil­den, un­zähm­ba­ren Tier an­bot. Im Vor­der­grund stan­den für den Über­set­zer wahr­schein­lich die ver­hal­tens­be­ding­ten Ei­gen­schaf­ten des Tie­res, die sich aus den spär­li­chen Text­pas­sa­gen in der Bi­bel ab­lei­ten lie­ßen, weniger seine Psy­sio­gno­mie. Mög­lich ist auch, dass der grie­chi­sche Über­set­zer dem he­brä­i­schen Wort ein nicht exis­ten­tes Tier, ein »Fa­bel­we­sen« un­ter­stell­te und ei­ne Ent­spre­chung aus der grie­chi­schen Sprach­welt im »Mo­no­che­ros« fand.

 

Das la­tei­ni­sche unicornis ist nichts an­de­res als die wort­ge­treue Über­tra­gung des grie­chi­schen Worts »Mo­no­che­ros« in die la­tei­ni­sche Spra­che. Dies trug maß­geb­lich zur Ver­brei­tung des Be­griffs im (rö­misch-ka­tho­li­schen) Abend­land über die Bi­bel bei.

 

In glei­cher Wei­se ist Luther vor­ge­gan­gen. Er über­trug man­gels ge­nau­e­rem Wis­sen wort­ge­treu aus der lateini­schen Bi­bel: Einhorn. Es war ihm nicht mög­lich, das im he­brä­i­schen Text be­zeich­ne­te Tier ge­nau­er zu be­stim­men.

 

Heu­te sind für Über­set­zun­gen die Wör­ter An­ti­lo­pe, Oryx-An­ti­lo­pe, Stier oder Wild­stier, je nach Kontext, statt Ein­horn zu emp­feh­len.

 

 

 

→Hiob 39,9

 

MEinſtu das Einhorn werde dir dienen / vnd werde bleiben an deiner krippen?

 

a) Meinst du, das Einhorn werde dir dienen und an deiner Krippe bleiben?

b) Meinst du <etwa>, der wilde Stier wird dir dienen wollen und in deinem Stall bleiben?!

 

Anm.:

In diesem Ab­schnitt (Hiob 39,9-12) wird mit ho­her Wahr­schein­lich­keit das Hausrind mit dem Wild­stier ver­gli­chen. Eine wil­de Rin­der­art (Au­er­ochse), die un­ge­stüm und nicht zähm­bar ist, nicht im Stall ge­hal­ten wer­den kann, nicht im Joch für die Be­wirt­schaf­tung des Ackers läuft und sich nicht da­von ab­hal­ten lie­ße, im Ernte­ein­satz ein­fach das Ge­trei­de zu fres­sen, an­statt es zur Scheu­ne zu trans­por­tie­ren.

 

 

→Psalm 22,22

 

Vnd errette mich von den Einhörnern.

 

a) Und rette mich vor den Einhörnern.

b) Und rette mich vor den wilden An­ti­lo­pen (bzw. Stie­ren).

 

 

→Psalm 29,6

 

Vnd machet ſie lecken wie ein Kalb / Libanon vnd Sirion / wie ein junges Einhorn.

 

a) Und lässt sie lecken wie ein Kalb, Li­ba­non und Sir­jon, wie ein jun­ges Ein­horn.

b) Er lässt sie hüpfen wie ein Kalb, den Li­ba­non und den Sir­jon, wie ei­ne jun­ge, wil­de An­ti­lo­pe (bzw. wie ein jun­ger, wil­der Stier).

 

 

→Psalm 92,11

 

ABer mein Horn wird erhöhet werden / wie eines Einhorns /

 

a) Mein Horn wird erhöht wer­den, wie das ei­nes Ein­horns.

b) Mein Horn wird erhöht wer­den, wie das ei­ner Oryx-An­ti­lo­pe.

 

Anm.:

Dieser Text erinnert an eine Oryx-An­ti­lo­pe mit ih­ren sehr lan­gen, ge­ra­de nach oben ge­rich­te­ten Hör­nern, we­ni­ger an die re­la­tiv kur­zen und krum­men Hör­ner von Wild­stie­ren.

 

 

 

→Jes 34,7

 

Da werden die Einhörner ſampt jnen erunter müſſen / vnd die Farren ſampt den gemeſteten Ochſen /

 

a) Da werden die Ein­hör­ner ge­mein­sam mit ih­nen her­un­ter müs­sen, und die Stie­re ge­mein­sam mit den ge­mäs­te­ten Och­sen.

b) Da werden die wil­den Au­er­och­sen mit ih­nen nie­der­sin­ken und die jun­gen Zucht­bul­len samt den Mast­och­sen.

 

Anm.:

Hier lässt die Ne­ben­ein­an­der­stel­lung von Ein­horn und Mast­och­se eher ei­nen wil­den Stier als eine An­ti­lo­pe er­war­ten.

 

 

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

hawen

 

heweſt

 

hewet

hauen (Verb)

Mhd.: houwen

1) mähen und schneiden von Früchten

2) fällen von Holz

3) bearbeiten von Holz oder Stein (Bildhauerei)

4) abbauen von Erz

5) bearbeiten des Weinbergs

6) zerkleinern von geschlachtetem Fleisch

7) allgemein: schneidende Hiebe ausführen

8) mit dem Schwert kämpfend schlagen

9) jemanden schlagend verletzen

 

Sonderformen heweſt und hewet

 

Das starke Verb hauen besitzt zu Luthers Zeiten in der 2. und 3. Person Singular Präsens noch neben der Form ohne Umlaut (haweſt, hawet - haust, haut) auch eine mit Umlaut (heweſt, hewet - häust, häut), die heute ungebräulich und veraltet ist.

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv hawen hauen
Präsens ich hawe ich haue
  du haweſt / du heweſt du haust
  er hawet / er hewet er haut
  wir hawen wir hauen
  ihr hawet ihr haut
  ſie hawen sie hauen

 

 

 

→Dan 4,11

 

Hawet den Bawm vmb / vnd behawet jm die Eſte / vnd ſtreifft jm das Laub abe /

 

Fällt den Baum, behaut ihm die Äste und streift ihm das Laub ab!

 

 

→Psalm 29,7

 

Die ſtim des HERRN hewet / Wie fewr flammen.

 

Die Stimme des HERRN schlägt zu wie feurige Flammen

 

 

→Spr 23,13-14

 

Denn / wo du jn mit den Ruten heweſt / So darff man jn nicht tödten. 14Du heweſt jn mit der Ruten / Aber du erretteſt ſeine Seele von der Hellen.

 

Denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, darf man ihn nicht töten. Du schlägst ihn <zwar> mit der Rute, aber du rettest sein Leben vor dem Tod.

 

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

Fewr

 

fewr

 

Fewer

 

fewer

Feuer, das

Luther benutzt beide Schreibweisen, sowohl fewr wie auch fewer.

 

 

→Psalm 21,10

 

Der HERR wird ſie verſchlingen in ſeinem zorn / Fewr wird ſie freſſen.

 

Der HERR wird sie verschlingen in seinem Zorn. Feuer wird sie fressen.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

erregen

erregen (Verb)

a) sich regen, sich rühren, sich tätig zeigen, etwas unternehmen;

b) antreiben, anspornen, anfeuern, erregen, reizen;

c) sich in schnelle Bewegung setzen, seinen Lauf beschleunigen, eilen, stürzen;

 

→1Mos 1,20

 

Es errege ſich das Waſſer mit webenden vnd lebendigen Thieren

 

a) Es rege sich das Wasser mit lebendigen, wimmelnden Tieren

b) Es belebe sich das Wasser mit lebendigen Tieren, die sich darin tummeln

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

Hinde

Hinde, die (veraltet)

 

Hirschkuh, die

Mhd.:hinde, f.

hebräisch: איָּלָה (ʼayyͻlͻh), Plural: אֵיָּלוֹת (ʼayyͻlowto)

lateinisch: cervos, der Hirsch

griechisch: ἔλαφος (élaphos), der Hirsch

Das hebräische Wort bezeichnet das Weibchen, das weibliche Tier von Hirsch oder Reh, also Hirschkuh oder Ricke.

 

→Psalm 22,1

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen / Von der Hinden / die früe geiagt wird.

 

a) Ein Psalm Davids. Vorzusingen. Von der Hirschkuh, die in der Frühe gejagt wird.

b) Ein Psalm Davids. Vorzusingen. Nach der Melodie »Die Hirschkuh der Morgenröte«.

 

Anmerkung zu Psalm 22,1:

 

Die Überschriften der Psalmen sind oft Aneinanderreihungen von Kopfdaten, die den Autor nennen, die Vortrags- oder Spielweise bezeichnen und manchmal auch die zugrunde gelegte Melodie angeben.

 

In diesem Fall soll nach einer (wohl damals bekannten) Melodie vorgetragen werden. Luthers Übersetzung ist missverständlich und insofern falsch. Es soll weder die Hirschkuh selbst vortragen, noch handelt der Psalm von ihr.

 

→Psalm 29,9

 

Die ſtim des HERRN erreget die Hinden / vnd entblöſet die Welde

 

a) Die Stimme des HERRN macht Hirschkühe kreißen. Sie entlaubt die Wälder.

 

Anmerkung zu Psalm 29,9:

 

Luther übersetzt gemäß des hebräischen Textes, gemäß der lateinischen Biblia Sacra Vulgata und gemäß der griechischen Septuaginta in das zu seiner Zeit gängige Hinden (Plural).

 

kreißen meint: hevorbringen, Wehen haben, gebären (eine »kreißende Frau« liegt in den Geburtswehen). Luthers erregen trifft die besondere Bedeutung des hebräischen יְחוֹלֵל, in Wehen versetzen (ִvon חיל, sich winden, kreißen, beben) jedoch nicht genau genug.

 

Diese Übersetzung zeichnet das Bild der gewaltigen Stimme Gottes, die wie ein Sturmwind sowohl die Lebewesen im Wald wie auch den Wald selbst heftig schütteln kann: trächtige Hirschkühe gebären vorzeitig, ganze Wälder werden entlaubt.

 

Luther 1984

 

Doch das hebräische איל hat mehrere Bedeutungen. So meint אֵיָּל Hirsch oder Reh, und איָּלָה  das weibliche Tier, also die Hirschkuh, doch אֵיִל (identische Konsonanten, jedoch anders vokalisiert/gelesen) meint großer Baum, wie z. B. Palme oder Eiche. Allerdings weicht dessen Plural ab ( אֵילִים ) und kann im hebräischen Quelltext nicht erkannt werden, was gegen diese Lesart spricht.

 

Die Lutherbibel von 1984 verweist in der Fußnote zu Psalm 29,9 auf Luthers ursprüngliche Lesart, übersetzt den Vers aber nun mit:

 

Die Stimme des HERRN lässt Eichen wirbeln und reißt Wälder kahl.

 

(besser erscheint uns dann aber: Die Stimme des HERRN lässt <selbst> große Bäume wirbeln und reißt <sogar ganze> Wälder kahl.)

 

Inspiriert vom zweiten Satzteil, erscheint diese Übersetzung auf den ersten Blick inhaltlich rund und ausgewogen, weil sie in einem Zug den Blick vom einzelnen Baum zum ganzen Wald führt.

 

Elberfelder

 

Eine weitere Variante bietet die Elberfelder Bibel, die bekannt dafür ist, dicht entlang der Quellen zu übersetzen:

 

Die Stimme des Herrn macht Hirschkühe kreißen und lässt Zicklein vorzeitig gebären.

 

Hier wird nur der erste Satzteil mit einer erklärenden Beifügung wiedergegeben: Die gewaltige Stimme Gottes löst bei Hirschkühen vorzeitige Wehen aus (was dazu führt, dass ihre Zicklein zu früh geboren werden). Der Teil, in dem die entlaubten Wälder angesprochen werden, bleibt in dieser Übersetzung ausgeblendet, da hier in den Quellen eine späte Textüberarbeitung bzw. Texterweiterung vermutet wird.

 

Fazit

 

Für uns liefert eine an die heutige Sprache angepasste Fassung der Luther 1545 den besten Text. Zu übersetzen wäre nach unserem Vorschlag:

 

Die Stimme des HERRN löst bei <trächtigen> Hirschkühen Wehen aus, und sie entlaubt <ganze> Wälder.

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

Tempel

Tempel, der

Tempel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
341 129 91 121

Gotteshaus, Heiligtum

 

Gebäude für öffentliche Gottesdienste

 

übertragen, biblisch:

der Himmel als Gottes Wohnung

 

der heilige Tempel

 

feststehender Begriff für das Heiligtum des Gottes JHWH auf dem →Tempelberg (Berg Zion) bei Jerusalem:

 

der Tempel in Jerusalem.

 

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

Sindflut

 

Sintflut

Sündflut, die (veraltet)

 

Sintflut, die

Sindflut
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
24 15 5 4

Sintflut
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2 1 0 1

Ahd.: sinvluot, aus germanisch sin- (»immer, überall«) und vluot ( »Flut«)

hebräisch: מַבּוּל  (mabuwl), Wasserflut

griechisch: κατακλυσμος (kataˈklʏsmʊs), die Über­schwem­mung

lateinisch: diluvium, die Überschwemmung

Vorkommen in der Lutherbibel

 

Die Wörter kommen nur im Zusammenhang mit der Flut aus der Noah-Geschichte vor:

 

Altes Testament: 1Mos 6,17; 7,6.7.10.17; 9,11.15.28; 10,1.32; 11,1; Psalm 29,10

Apokryphen: Weish 10,4; Sir 39,27; 40,10; 44,18.19

Neues Testament: Mt 24,38.39, Lk 17,27; 2Petr 2,5; 3,6

 

Luther übersetzt die so bezeichnete Wasserflut überwiegend mit »Sindflut«. Nur zweimal benutzt er »Sintflut«: Psalm 29,10; Lk 17,27.

 

In späteren Ausgaben der Lutherbibel findet sich einheitlich »Sintflut«.

 

Aus den vielen Varianten der damaligen Zeit (Sinflut, Sintflut, Sindflut, Sündflut, u. a.) hat sich schließlich Sintflut als Bezeichnung für die noahsche Flut durchgesetzt und bis heute erhalten.

 

Heute würden wir bei der Wortbildung und Wortfindung anders vorgehen und die Flut, vor der sich Noah rettete, einfach die »Große Flut« nennen.

 

 

 

Die Sintflut war eine Flut von gewaltigen Ausmaßen (eigentlich: »die alles überschwemmende Flut«), bei der Wassermassen riesige Landteile oder gar die gesamte (damals bekannte) Erde überschwemmten.

 

Die Sintflut kündigte Gott dem Noah an, der danach seine Familie auf der Arche in Sicherheit brachte, einem großen Schiff, auf dem Noah auch die bekannten Tierarten vor dem Aussterben rettete (1Mos 6,5 - 8,22).

 

Auf diese Sintflut wird in den Bibelstellen außerhalb 1Mos Bezug genommen. Sie steht daher auch als Sinnbild für Gottes Strafe für die Sünden der Menschen (daher in alter Zeit die Entwicklung von sinflut, »die alles überschwemmende Flut«, zu sündflut, »Flut der Sünde wegen«).

 

→Psalm 29,10

 

DEr HERR ſitzt eine Sintflut anzurichten / Vnd der HERR bleibt ein König in ewigkeit.

 

a) Der HERR sitzt, um eine Sintflut anzurichten. Und der HERR bleibt ein König in Ewigkeit.

b) Der HERR thronte über der Sintflut. Der Herr thront als König ewig.

c) Alternativ: Der HERR thronte <auch> über der Großen Flut. Der Herr thront als König ewig.

 

Anmerkung zu Psalm 29,10:

 

Luthers Übersetzung ist fehlerhaft. Es geht im hebräischen Text nicht darum, dass Gott plant, eine neue Sintflut anzurichten, sondern darum, dass er als Regent über die Sintflut herrschte. Dies wird im zweiten Satzteil unterstrichen: Er herrscht als König ewig, und zwar vor der Flut, während der Flut und danach.

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe der Lutherbibel von 1545

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel ist auf un­se­ren Sei­ten in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
Sabrina

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de
©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

SK Version 15.11.2019  

 
 
Biblia
1545
Ps
29