Das Buch der Psalmen | Psalm 29

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 29

 

Ps 29

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Die Stimme des HERRN

Hymus auf die Macht des HERRN

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 29 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

XXIX.

1Ein Pſalm Dauids.

 

BRinget her dem HER­RN jr Ge­wal­ti­gen / Bringet her dem HERRN ehre vnd ſtercke.

2Bringet dem HERRN ehre ſeines Namens / Betet an den HERRN in heiligem Schmuck.

3DIe ſtim des HERRN gehet auff den Waſſern / der Gott der ehren donnert / Der HERR auff groſſen Waſſern.

4Die ſtim des HERRN gehet mit macht / Die ſtim des HERRN gehet herrlich.

5DIe ſtim des HERRN zubricht die Cedern / Der HERR zubricht die Cedern im Libanon.

(Lecken)

Das iſt / ſprin-gen / hüpffen.

6Vnd machet ſie lecken wie ein Kalb / Libanon vnd Sirion / wie ein junges Einhorn.

7Die ſtim des HERRN hewet / Wie fewr flammen.

8Die ſtim des HERRN erreget die Wüſten / Die ſtim des HERRN erreget die wüſten Kades.

9Die ſtim des HERRN erreget die Hinden / vnd entblöſet die Welde / Vnd in ſeinem Tempel wird jm jederman Ehre ſagen.

10DEr HERR ſitzt eine Sintflut anzurichten / Vnd der HERR bleibt ein König in ewigkeit.

 
 
 
(Frieden)

Das iſt / Das jm wolgehen wird.

11DEr HERR wird ſeinem Volck krafft geben / Der HERR wird ſein Volck ſegenen mit frieden.

 

 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 29 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Pſalm Dauids

1: HERR

2: heiligen

5: zubricht

5: Cedern

5: Cedern im Libanon

6: Einhorn

7: hewet

7: fewr

8: erreget

9: Hinden

9: Tempel

10: Sintflut

   

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Pſalm Dauids

Psalm Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von 50 Psalmen:

 

→Ps 3, →Ps 4, →Ps 5, →Ps 6, →Ps 8

→Ps 9, →Ps 11, →Ps 12, →Ps 13, →Ps 14

→Ps 15, →Ps 18, →Ps 19, →Ps 20, →Ps 21

→Ps 22, →Ps 23, →Ps 24, →Ps 25, →Ps 26

→Ps 27, →Ps 28, →Ps 29, →Ps 30, →Ps 31

→Ps 34, →Ps 35, →Ps 36, →Ps 37, →Ps 38

→Ps 39, →Ps 40, →Ps 41, →Ps 51, →Ps 61

→Ps 62, →Ps 63, →Ps 64, →Ps 65, →Ps 69

→Ps 70, →Ps 101, →Ps 103, →Ps 109, →Ps 110

→Ps 139, →Ps 140, →Ps 141, →Ps 143, →Ps 144

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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2

heilig

heilig (Adjektiv)

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungswürdig.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

zubrechen

zerbrechen (Verb)

auch: →zebrechen (Verb)

 

u. a.:

 

1) Gegenstände, Gerätschaften: in Stücke brechen

2) Speisen (wie z. B. Brot): brechen

3) Steine, Erze: in Stücke brechen, zerstoßen

4) Gebäude, Bauten, Anlagen: niederreißen, einreißen, zum Einsturz bringen

5) Körper und Glieder von Menschen oder Tieren: in Stücke teilen

5) Menschlicher Geist, Wille: den Willen brechen

 

 

→Ps 10,15

 

Zubrich den arm des Gottloſen

 

Zerbrich den Arm der Gottlosen

 

 

SK Rev 11.08.2017  

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5

ceder
cedern
cedern Libanon

 

cedern Gottes

 

Bewme des HERRN

 

Libanon-Zeder, die

Immergrüner Baum mit Wuchshöhen zwischen 30 bis 50 Meter, kann bis zu 1.000 Jahre alt werden.

 

In Palästina gibt es keine Zedern. Die Bibel nennt sie fast immer im Zusammenhang mit dem Libanon. Dort gab es große Zedernhaine, die sehr alt waren und wertvolles Holz für teure Bauwerke lieferten. So nutze König Salomo das Holz der Libanon-Zeder für den Bau des Tempels und seiner Paläste. Dem Holz haftet das Göttliche an, die »cedern Libanon« sind nach Ps 104 die »Bewme des HERRN«.

 

→Ps 104,16

 

DAs die Bewme des HERRN vol ſaffts ſtehen / Die cedern Libanon die er gepflantzt hat.

 

Dazu Luther im Scholion zu Ps 104,16:

Bewme des HERRN / heiſſt er die im wald ſtehen / die nicht durch Menſchen ge­flantzet ſind.

 

Luther versteht »die Bewme des HERRN« als Bäume des Waldes, die nicht von Menschenhand gepflanzt wurden.

Tatsächlich beschreibt der Autor des Psalms, dass »die Bewme des HERRN« die cedern Libanon sind, die durchaus von Menschen gepflanzt sein können. Die Beifügung die er gepflantzt hat, bezieht sich auf Gott als Lebensspender und Schöpfer, wie er bereits in den Versen davor beschrieben wurde: So wie alles Leben stammen auch die Libanon-Zedern aus der Hand Gottes.

 

→Ps 80,11

 

Berge ſind mit ſeinem Schatten bedeckt / Vnd mit ſeinen Reben die cedern Gottes.

 

Luther erklärt im Scholion zu Ps 80,11, dass die cedern Gottes die Libanon-Zedern sind, in dem er sie für die Ortsangabe benutzt:

(Cedern Gottes) Jd eſt / Regnum dilatatum vſque ad Libanum. (Zedern Gottes) Das meint: Das Königreich erstreckte sich bis zum Libanon.

 

→Ps 92,13

 

Er wird wachſſen wie ein Ceder auff Libanon.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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6

Einhorn

Einhorn, das (veraltet)

 

junger Stier

Einhorn
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
8 8 0 0

Mhd.: einhürne, m.

hebräisch: רְאֵם  (rəʼem), Plural: רְאֵמִים (rəʼemiym), wildes, unzähmbares Tier mit Hörnern

griechisch (Septuaginta): μονόχερως (monocheros), das Einhorn

lateinisch: unicornis, das Einhorn

Das hebräische Wort bezeichnet ein wildes, unzähmbares Tier mit kräftigen Hörnern (Antilope, Oryx-Antilope, Wildrind, Wildochsen, Büffel,o. ä.)

 

Luther waren ganz sicher derartige Tiere unbekannt. Obwohl er selbst nie ein Einhorn gesehen hatte, stützte er sich bei seiner Übersetzung auf die gängigen Begriffe der Septuaginta und der lateinischen Bibeln.

 

Das Einhorn ist ein Fabelwesen, dessen Gestalt oft mit der einer Ziege oder eine Pferdes gleichgesetzt wird. Es trägt mittig auf der Stirn nur ein einziges Horn. Es taucht erstmals schon in der Antike auf und wird u. a. von Aristoteles erwähnt.

 

Welches Tier damit tatsächlich gemeint ist, ist umstritten. Heute geht man allgemein davon aus, dass es sich um einen Wildstier handelt. Alte Abbildungen von Stieren zeigen das Tier stets im Profil, wobei dann nur ein Horn zu sehen ist, das hintere ist vom vorderen wegen der symmetrischen Anlage verdeckt.

 

→Hi 39,9

 

MEinſtu das Einhorn werde dir dienen / vnd werde bleiben an deiner krippen?

 

a) Meinst du, das Einhorn werde dir dienen und an deiner Krippe bleiben?

b) Meinst du <etwa<, der Wildstier wird dir dienen wollen und in deinem Stall bleiben?!

 

→Ps 22,22

 

Vnd errette mich von den Einhörnern.

 

a) Und rette mich vor den Einhörnern.

b) Und rette mich vor den Wildstieren.

 

 

→Ps 29,6

 

Vnd machet ſie lecken wie ein Kalb / Libanon vnd Sirion / wie ein junges Einhorn.

 

a) Und lässt sie lecken wie ein Kalb, Libanon und Sirjon, wie ein junges Einhorn.

b) Er lässt sie hüpfen wie ein Kalb, den Libanon und den Sirjon, wie einen jungen Wildstier.

 

 

→Ps 92,11

 

ABer mein Horn wird erhöhet werden / wie eines Einhorns /

 

a) Mein Horn wird erhöht werden, wie das eines Einhorns.

b) Mein Horn wird erhöht werden, wie das eines Wildstieres.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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7

hawen

 

heweſt
hewet

hauen (Verb)

Mhd.: houwen

1) mähen und schneiden von Früchten

2) fällen von Holz

3) bearbeiten von Holz oder Stein (Bildhauerei)

4) abbauen von Erz

5) bearbeiten des Weinbergs

6) zerkleinern von geschlachtetem Fleisch

7) allgemein: schneidende Hiebe ausführen

8) mit dem Schwert kämpfend schlagen

9) jemanden schlagend verletzen

 

Sonderformen heweſt und hewet

 

Das starke Verb hauen besitzt zu Luthers Zeiten in der 2. und 3. Person Singular Präsens noch neben der Form ohne Umlaut (haweſt, hawet - haust, haut) auch eine mit Umlaut (heweſt, hewet - häust, häut), die heute ungebräulich und veraltet ist.

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv hawen hauen
Präsens ich hawe ich haue
  du haweſt / du heweſt du haust
  er hawet / er hewet er haut
  wir hawen wir hauen
  ihr hawet ihr haut
  ſie hawen sie hauen

 

 

 

Dan 4,11

 

Hawet den Bawm vmb / vnd behawet jm die Eſte / vnd ſtreifft jm das Laub abe /

 

Fällt den Baum, behaut ihm die Äste und streift ihm das Laub ab!

 

→Ps 29,7

 

Die ſtim des HERRN hewet / Wie fewr flammen.

 

Die Stimme des HERRN schlägt zu wie feurige Flammen

 

Spr 23,13-14

 

Denn / wo du jn mit den Ruten heweſt / So darff man jn nicht tödten. 14Du heweſt jn mit der Ruten / Aber du erretteſt ſeine Seele von der Hellen.

 

Denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, darf man ihn nicht töten. Du schlägst ihn <zwar> mit der Rute, aber du rettest sein Leben vor dem Tod.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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7

fewr

 

fewer

Feuer, das

 

Luther benutzt beide Schreibweisen, sowohl fewr wie auch fewer.

 

→Ps 21,10

 

Der HERR wird ſie verſchlingen in ſeinem zorn / Fewr wird ſie freſſen.

 

Der HERR wird sie verschlingen in seinem Zorn. Feuer wird sie fressen.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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8

erregen

erregen (Verb)

a) sich regen, sich rühren, sich tätig zeigen, etwas unternehmen;

b) antreiben, anspornen, anfeuern, erregen, reizen;

c) sich in schnelle Bewegung setzen, seinen Lauf beschleunigen, eilen, stürzen;

 

→1Mos 1,20

 

Es errege ſich das Waſſer mit webenden vnd lebendigen Thieren

 

a) Es rege sich das Wasser mit lebendigen, wimmelnden Tieren

b) Es belebe sich das Wasser mit lebendigen Tieren, die sich darin tummeln

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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9

Hinde

Hinde, die (veraltet)

 

Hirschkuh, die

Mhd.:hinde, f.

hebräisch: איָּלָה (ʼayyͻlͻh), Plural: אֵיָּלוֹת (ʼayyͻlowto)

lateinisch: cervos, der Hirsch

griechisch: ἔλαφος (élaphos), der Hirsch

Das hebräische Wort bezeichnet das Weibchen, das weibliche Tier von Hirsch oder Reh, also Hirschkuh oder Ricke.

 

→Ps 22,1

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen / Von der Hinden / die früe geiagt wird.

 

a) Ein Psalm Davids. Vorzusingen. Von der Hirschkuh, die in der Frühe gejagt wird.

b) Ein Psalm Davids. Vorzusingen. Nach der Melodie »Die Hirschkuh der Morgenröte«.

 

Anmerkung zu Ps 22,1:

 

Die Überschriften der Psalmen sind oft Aneinanderreihungen von Kopfdaten, die den Autor nennen, die Vortrags- oder Spielweise bezeichnen und manchmal auch die zugrunde gelegte Melodie angeben.

 

In diesem Fall soll nach einer (wohl damals bekannten) Melodie vorgetragen werden. Luthers Übersetzung ist missverständlich und insofern falsch. Es soll weder die Hirschkuh selbst vortragen, noch handelt der Psalm von ihr.

 

→Ps 29,9

 

Die ſtim des HERRN erreget die Hinden / vnd entblöſet die Welde

 

a) Die Stimme des HERRN macht Hirschkühe kreißen. Sie entlaubt die Wälder.

 

Anmerkung zu Ps 29,9:

 

Luther übersetzt gemäß des hebräischen Textes, gemäß der lateinischen Biblia Sacra Vulgata und gemäß der griechischen Septuaginta in das zu seiner Zeit gängige Hinden (Plural).

 

kreißen meint: hevorbringen, Wehen haben, gebären (eine »kreißende Frau« liegt in den Geburtswehen). Luthers erregen trifft die besondere Bedeutung des hebräischen יְחוֹלֵל, in Wehen versetzen (ִvon חיל, sich winden, kreißen, beben) jedoch nicht genau genug.

 

Diese Übersetzung zeichnet das Bild der gewaltigen Stimme Gottes, die wie ein Sturmwind sowohl die Lebewesen im Wald wie auch den Wald selbst heftig schütteln kann: trächtige Hirschkühe gebären vorzeitig, ganze Wälder werden entlaubt.

 

Luther 1984

 

Doch das hebräische איל hat mehrere Bedeutungen. So meint אֵיָּל Hirsch oder Reh, und איָּלָה  das weibliche Tier, also die Hirschkuh, doch אֵיִל (identische Konsonanten, jedoch anders vokalisiert/gelesen) meint großer Baum, wie z. B. Palme oder Eiche. Allerdings weicht dessen Plural ab ( אֵילִים ) und kann im hebräischen Quelltext nicht erkannt werden, was gegen diese Lesart spricht.

 

Die Lutherbibel von 1984 verweist in der Fußnote zu Ps 29,9 auf Luthers ursprüngliche Lesart, übersetzt den Vers aber nun mit:

 

Die Stimme des HERRN lässt Eichen wirbeln und reißt Wälder kahl.

 

(besser erscheint uns dann aber: Die Stimme des HERRN lässt <selbst> große Bäume wirbeln und reißt <sogar ganze> Wälder kahl.)

 

Inspiriert vom zweiten Satzteil, erscheint diese Übersetzung auf den ersten Blick inhaltlich rund und ausgewogen, weil sie in einem Zug den Blick vom einzelnen Baum zum ganzen Wald führt.

 

Elberfelder

 

Eine weitere Variante bietet die Elberfelder Bibel, die bekannt dafür ist, dicht entlang der Quellen zu übersetzen:

 

Die Stimme des Herrn macht Hirschkühe kreißen und lässt Zicklein vorzeitig gebären.

 

Hier wird nur der erste Satzteil mit einer erklärenden Beifügung wiedergegeben: Die gewaltige Stimme Gottes löst bei Hirschkühen vorzeitige Wehen aus (was dazu führt, dass ihre Zicklein zu früh geboren werden). Der Teil, in dem die entlaubten Wälder angesprochen werden, bleibt in dieser Übersetzung ausgeblendet, da hier in den Quellen eine späte Textüberarbeitung bzw. Texterweiterung vermutet wird.

 

Fazit

 

Für uns liefert eine an die heutige Sprache angepasste Fassung der Luther 1545 den besten Text. Zu übersetzen wäre nach unserem Vorschlag:

 

Die Stimme des HERRN löst bei <trächtigen> Hirschkühen Wehen aus, und sie entlaubt <ganze> Wälder.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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9

Tempel

Tempel, der

Tempel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
341 129 91 121

Gotteshaus, Heiligtum

 

Gebäude für öffentliche Gottesdienste

 

übertragen, biblisch:

der Himmel als Gottes Wohnung

 

der heilige Tempel

 

feststehender Begriff für das Heiligtum des Gottes JHWH auf dem →Tempelberg (Berg Zion) bei Jerusalem:

 

der Tempel in Jerusalem.

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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10

Sindflut

 

Sintflut

Sündflut, die (veraltet)

 

Sintflut, die

Sindflut
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
24 15 5 4

Sintflut
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2 1 0 1

Ahd.: sinvluot, aus germanisch sin- (»immer, überall«) und vluot ( »Flut«)

hebräisch: מַבּוּל  (mabuwl), Wasserflut

griechisch: κατακλυσμος (kataˈklʏsmʊs), die Über­schwem­mung

lateinisch: diluvium, die Überschwemmung

Vorkommen in der Lutherbibel

 

Die Wörter kommen nur im Zusammenhang mit der Flut aus der Noah-Geschichte vor:

 

Altes Testament: 1Mos 6,17; 7,6.7.10.17; 9,11.15.28; 10,1.32; 11,1; Ps 29,10

Apokryphen: Weish 10,4; Sir 39,27; 40,10; 44,18.19

Neues Testament: Mt 24,38.39, Lk 17,27; 2Petr 2,5; 3,6

 

Luther übersetzt die so bezeichnete Wasserflut überwiegend mit »Sindflut«. Nur zweimal benutzt er »Sintflut«: Ps 29,10; Lk 17,27.

 

In späteren Ausgaben der Lutherbibel findet sich einheitlich »Sintflut«.

 

Aus den vielen Varianten der damaligen Zeit (Sinflut, Sintflut, Sindflut, Sündflut, u. a.) hat sich schließlich Sintflut als Bezeichnung für die noahsche Flut durchgesetzt und bis heute erhalten.

 

Heute würden wir bei der Wortbildung und Wortfindung anders vorgehen und die Flut, vor der sich Noah rettete, einfach die »Große Flut« nennen.

 

 

 

Die Sintflut war eine Flut von gewaltigen Ausmaßen (eigentlich: »die alles überschwemmende Flut«), bei der Wassermassen riesige Landteile oder gar die gesamte (damals bekannte) Erde überschwemmten.

 

Die Sintflut kündigte Gott dem Noah an, der danach seine Familie auf der Arche in Sicherheit brachte, einem großen Schiff, auf dem Noah auch die bekannten Tierarten vor dem Aussterben rettete (1Mos 6,5 - 8,22).

 

Auf diese Sintflut wird in den Bibelstellen außerhalb 1Mos Bezug genommen. Sie steht daher auch als Sinnbild für Gottes Strafe für die Sünden der Menschen (daher in alter Zeit die Entwicklung von sinflut, »die alles überschwemmende Flut«, zu sündflut, »Flut der Sünde wegen«).

 

→Ps 29,10

 

DEr HERR ſitzt eine Sintflut anzurichten / Vnd der HERR bleibt ein König in ewigkeit.

 

a) Der HERR sitzt, um eine Sintflut anzurichten. Und der HERR bleibt ein König in Ewigkeit.

b) Der HERR thronte über der Sintflut. Der Herr thront als König ewig.

c) Alternativ: Der HERR thronte <auch> über der Großen Flut. Der Herr thront als König ewig.

 

Anmerkung zu Ps 29,10:

 

Luthers Übersetzung ist fehlerhaft. Es geht im hebräischen Text nicht darum, dass Gott plant, eine neue Sintflut anzurichten, sondern darum, dass er als Regent über die Sintflut herrschte. Dies wird im zweiten Satzteil unterstrichen: Er herrscht als König ewig, und zwar vor der Flut, während der Flut und danach.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

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